Montag, 30. Juli 2012

pures provenzalisches Gemüsegratin

So nennt Monsieur Siebeck dieses (am Rand bemerkt vegane) Rezept und tritt damit folgenden Beweis an: die französische Küche versteht es wie keine andere ihre Zutaten in der Schlichtheit zur vollen Entfaltung zu bringen. Behaupte ich jetzt einfach mal un peu patriote. Aber, das füge ich gleich als Einschränkung hinzu, dieses Gratin funktioniert wirklich nur dann, wenn ihr vollausgereiftes, frisches Gemüse bekommt. Nur mit Gemüse erster Kajüte bekommt ihr damit ein traumhaftes, französisches Essen geschenkt - wie mitten in einem provencalischen Garten unter dem Schatten eines alten Baumes an einem langen Holztisch, ne :)!

Dann muß ich euch noch dieses hier zeigen ein echtes hier entdecktes Fundstück. Lest mal einen Auszug aus diesem Froonkreich-Urlaub:

*Ich möchte jetzt nicht sagen, ich hätte Vorurteile gegen das französischsprachige Ausland, aber sagen wir so: In meiner Jugend war mir während diverser Frankreichaufenthalte bereits aufgefallen, dass man es sehr genau mit der Aussprache nimmt und dass, wer den Subjonctif nicht hundert prozentig beherrscht, meistens nicht beachtet oder gar bedient wird. So auch diesen Urlaub. Da kann man sieben Jahre Französisch in der Schule gehabt und immer 14 Punkte geschrieben haben – einen nasalen Laut verschluckt – und der Kommunikationspartner kennt keine Gnade. Auch nicht bei Kindern. Wenn die aus Versehen “un baguette” statt “une baguette” bestellen, dann lautet die Antwort “QUOI???!???” Wenn das Kind dann winselnd mit einem Euro winkt, mit dem Finger die Zahl Eins anzeigt und auf die Baguettes in der Auslage deutet, gibt es dennoch kein Erbarmen. Es wird mit dem Besen aus der Boulangerie gescheucht.*

Und si, so sind sie auch, meine Fränzis, vorallem in Touri-Hochburgen. Mein allerallererster Urlaub ohne Eltern war mit einer Mädels-Gang mittels Ikarus-Busreisen nach Paris. In der Metro habe ich im schönsten (!) Schulfranzösisch eine schicke Pariserin nach dem Weg gefragt. Antwortet die doch allen Ernstes *:Je ne parle pas anglais!* Da fehlt einem die Spucke! Oder? Aber die Französisch-Lehrerinnen an meiner Schule waren auch alle so schnippische Zicken...

Mehr Vive la France von mir heute auch bei Sandy von Confiture de Vivre.
Zutaten:

3 Kartoffeln (festkochend/ halbfestkochend)
1 1/2 nicht zu kleine Zucchini
1 Aubergine
1 große, rote Paprika
4 Schalotten
3 Knoblauchzehen
3 große Fleischtomaten
Pfeffer, Salz
frischer Thymian
Olivenöl
Zubereitung:

Gratinform (eta 15 x 30cm) einölen. Kartoffeln schälen und in Scheiben schneiden (dicker als für Kartoffelgratin)- Die Kartoffelscheiben ziegelartig auf den Boden der Form legen, salzen und mit Thymian bestreuen (vorher etwas verrieben)

Die anderen Gemüse (außer den Tomaten) werden gewaschen und kleingeschnitten, d.h. in mundgerechte Stücke geschnitten: die Zucchini in Scheiben, die Auberginen ebenfalls (die dann aber weiter zerschnitten werden), die Paprika in nicht zu kleine Stücke. Die Schaloten und die Knoblauchzehen in dünne Scheiben und alles miteinander vermischen. 

Ofen auf 200° erhitzen.

Die Tomaten enthäuten (dafür 20 Sekunden überbrühen) und in Scheiben schneiden.

Die Hälfte des Gemüses nun auf die Kartoffelscheiben geben und würzen (Mischung aus grob gemörserten Pfeferkörnern, Salz und Thymian). Einige Tropen Olivenöl dazu, die restlichen Gemüse darauf legen und wieder würzen (es ist leichter, die große Menge an Gemüse 2x zu würzen als nur 1x)

Oben als letzt Schicht werden dicht an dicht die Tomatenscheiben aneinander gelegt. Wieder salzen (m: eine Prise Zucker) und einer Prise Thymian.

Den Ofen nach 10 Minuten auf 180° runterschalten. Das Gratin etwa 1 Stunde im Ofen backen. Dabei die letzte viertel Stunde (oder wenn die Tomaten zu dunkel werden) mit Alufolie abdecken.

Servieren. Vorsicht: HEISS!
Hinweis Siebeck zum Würzen: *Das ist der Moment, auf den es ankommt. Denn vom Würzen hängt es ab, ob die einzelnen Gemüse - und damit das Gratin - hinterher eine delikate Finesse hat oder ob da nur ein Eintopf entsteht, von dem man bestenfalls sagen kann, dass er gesund schmecke.*

Quelle: Siebeck Kochschule für Anfänger

Kommentare:

  1. Das sieht fantastisch aus!!!

    Grüße aus dem Norden
    JO

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  2. Und wo krieg ich hier solches Gemüse ? Wo Du es her hast, wissen wir inzwischen. Eine bessere Quelle als selbstgezogen gibt es nicht.
    NB: die italienische Küche bitte nicht vergessen zu wollen, die versteht es mindestens so gut wie die französische, ihre Zutaten in der Schlichtheit zur vollen Entfaltung zu bringen. Nicht minder patriotische Grüsse aus.... nein, leider nicht Italien :-)

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  3. Ich denke auch, dass die Italiener das noch ein bisschen puristischer hinkriegen als die Franzosen. Ich hoffe, ich bekomme kein Einreiseverbot :-)
    eigentlich ist es fuer mich die Mittelmeerkueche, die beste Produkte einfach zubereitet zur Perfektion bringen kann, egal in welchem Land.

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  4. Man riecht die Tomaten förmlich....mmmmhh.

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  5. Mhhhhh.... das sieht so lecker aus. Ich liebe solche einfachen, puren Gemüsegerichte so sehr!

    Einen tollen Wochenstart und liebe Grüsse von
    Frau Süd

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  6. Fein, fein. So beginnt die Woche schon mal ganz hervorragend! :)

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  7. Ich bin wie immer voll inspiriert, denke nun schon daran, meinen Blog zu schliessen, wer kann schon mit Deiner Umgebung und diesen tollen Produkten mithalten.....
    Ich habe Dir den One Lovely Blog Award verliehen, weil ich gar nicht genug kriegen kann, von Deinen Berichten, ich hoffe, Du magst das.
    LG
    Gudrun

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  8. Hmmmmmm, LECKER sieht das aus. Ich warte immer noch darauf, dass meine Balkon-Tomaten endlich rot werden! Also werd ich mich gedulden müssen, bis ich dieses Gericht nachkochen kann.

    Und "Franzosen sind so arrogant, wenn jemand kein/schlechtes Französisch spricht", kann ich so gar nicht bestätigen! Ich habe ein Jahr in Paris gelebt und wenn ich da in den ersten paar Monaten jemanden nach dem Weg gefragt habe, dann haben die oft einfach auf Englisch geantwortet! (Das fand ich damals aber auch in gewisser Weise beleidigend! ;-))

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  9. wo darf ich meine essensbestellung aufgeben?
    ich LIEBE tomaten!
    LG, frau nord

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  10. Oh ja, genau so sieht im Sommer mindestens einmal die Woche eine Mahlzeit bei uns aus. Manchmal mit Kartoffeln, manchmal ohne, dafür als Beilage zu Polenta oder so. Das ist Sonne pur auf dem Teller.

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  11. da kann ich mich meinen Vorschreibern nur anschließen, Sommer... Sonne... Gemüse und Kräuter, auch ganz mein Geschmack.
    Sieht toll aus Dein Gratin.
    Lieben Gruß
    Gaby

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  12. @Jo: vielen Dank für dein Kompliment - so bin ich auch auf dein hübsches Blog gestoßen ;)

    @Robert: Ja, patriotische Bemerkungen sind gefährlich - lösen sie doch ob ihrer Subjektivität gerne Gegner hervor. Ich liebe die italienische Küche - selbstverstänlich kann die alles, was die französische auch kann :)

    @Eline: Auch die nordafrikanische Küche ist ein Liebling von mir. Nie wollte ich einen Liebling gegen den anderen herausheben. Aber subjektive, patriotische Bemerkungen, die immer nur aus einem beschränkten Blickwinkel gemacht werden können, ganz ihrer Art nach, locken zur Gegendarstellung, je sais.

    Daher beschließen wir, indem wir ein *Hoch* aufs Mediterrane leben lassen! Und das auch nur, weil diese mir vertrauter ist, als etwa die asiatische ;O)!

    @Birgit: Tomate gibts ja im Moment täglich. Allermeist immernoch als Salat, Salat und nochmal Salat. Schließlich verzichten wir darauf den Winter über.

    @Frau Süd: Das Gratin, finde ich, paßt wunderbar zu heißen Tagen. Und ist eine kleine Hommage an die Sommer-Gemüse!

    @Sybille: So fein wie schlicht - eine gute Kombi!

    @Gudrun: Herzlichen Dank für dein allerfreundlichstes Bedenken dieses Blogs mit soviel netten Worten.

    Awards sind allerdings so gar nicht Meins - was du nicht wissen kannst, da es mir (sagen wir mal so) nicht gegeben ist, so ein *Nein Danke zu Award*-Schildchen zu basteln.

    Trotzdem: Merci beaucoup et bises, liebe Gudrun, fürs Erwählen.

    @Gourmande: Solche Situationen kenne ich von früher: Lieber schlechtes Englisch sprechen mit Ausländern als schlechtes Französisch - finde ich geradeso schnippisch :)

    Aber hey, die Fränzis sind die Fränzis - die mag ich auch mit ihren Kanten :)

    @Frau Nord: Für mich UNVORSTELLBAR, dass es Menschen geben soll, die keine Tomaten mögen. Für mich sind sie das Feinliebchen der Gemüsesorten!

    @Henne: Solche Gratins wollen sooft gefeiert werden, wie es die Saison hermacht. Absolument d'accord!

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  13. ich kenne frankreich leider nicht gut. dafür aber paris. meine erfahrungen dort waren bisher eigentlich zu 99% positiv. ich spreche wirklich nur noch sehr schlecht französisch (4 jahre schulunterricht), aber die basics sind noch da. meistens wusel ich mich irgendwie durch... in einem französisch-englisch-wildumherzeigen-mix. klappte immer. mich hat nie jemand mit nem besen gejagt. ;)
    meine lieblingssituation: ich saß in der metro, mir gegenüber eine ältere, offensichtlich französische dame. sie schaute mich die ganze zeit an, und ich wurde irgendwie schon ein bisschen nervös. dann sprach sie mich auf französisch an, worauf ich leider nur mit den schultern zucken konnte.
    sie schaute ein wenig verzweifelt einher, legte ihren finger nachdenklich ans kinn, überlegte noch ein paar sekunden und sagte dann in wirklich putzigem englisch: „you have very beautiful eyes!“

    toll oder? werde ich nie vergessen!

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  14. @Christina: Kinners, Kinners, ihr macht mich fertig!
    Ihr macht ja nen echten Schmallspur-Ganoven aus mir.

    Aber sicher gibt Fränzis die absolut chouette sind im Umgang mit Ausländern, sogar haufenweise. Überspitzung und Übertreibung sind ein rhetorisches Stilmittel!!! Das wollt ihr mir doch nicht madig machen, nich. Die Karotte ab und zu länger zu machen als sie ist, KANN der Anschaulichkeit dienen :O).

    Und so gibt es zum Beispiel auch Fränzis, die der bekannten flatterie francaise weiterhin zum Ruhm verhelfen und es verstehen wie deine Metro-Bekanntschaft, ganz zauberhafte Komplimente zu machen. Bestimmt eine bleibende Erinnerung :)

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  15. Ein wunderbares Gericht! Sogar mein Sohn als bekennender Fleischliebhaber meinte, das könne man wirklich essen! Das wird ein Standard-Sommergericht, danke Micha!

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    1. Das lese ich aber gerne, Moni! Mein liebstes Feedback: es wurde etwas nachgekocht und es schmeckt :)!

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