Donnerstag, 1. November 2012

Allerheiligen - Allerseelen: keine leichte Kost

Im alten Ägypten  in der Zeit vor Echnaton definierte man Gott als heilige Familie, den Vater Amun, die Mutter Muth als den Geist von Amun, der sich ständig erneuert und den Sohn Chem, dessen Symbol der Falke Horus ist und der als Teil Amuns für die Erde, die Lebewesen und die Materie mit göttlichem Inhalt zuständig ist und die Erde beseelt.
Das jüngste Gericht ist Bestandteil vieler Religionen, wie dem Islam, dem Christentum, dem Hinduismus usw. Aus dem ursprünglichen Totenbuch vor der Zeit Echnatons kennen wir die Abbildung, dass dem Verstorbenen das Herz entnommen  und auf eine Waagschale gelegt wird. Maat legt auf die andere Schale eine  Feder und Horrus  richtet. Nur, wessen Herz leichter als eine Feder ist (symbolisch gemeint, ein Prinzip  der Wahrheit, das selig macht oder verdammt), kann ins erlöste Reich der ewig lebenden Toten eingehen, ansonsten bleibt der Tote vorerst im irdischen Bereich einer geistige Parallelwelt zu unserem irdischen Leben.

[Reinkarnation spielt und spielte in alle Religionen eine zentrale Rolle. Ohne Reinkarnation ergibt alles keinen Sinn. Einzig die katholische Kirche hat erst 553 n.C. auf dem 5. Konzil in Konstantinopel auf Betreiben von Theodora, einer ehemaligen Hure, Tochter eines Bärenbändigers und Lieblingsfrau im Harem von Kaiser Justinian die Reinkarnation abgeschafft; nicht durch den Papst, sondern durch Manipulation einiger weniger Bischofe. ]
In der Zeit mit und nach Echnaton allerdings verfielen die alten Werte, Gottvater Amun wurde gegen Aton ausgetauscht, das Wesen der Religion, die alte Symbolik konnte nicht mehr gelesen und gedeutet werden, viele machten ihr  eigenes Ding. (ähnlich dem heutigen Zerfall). Die Göttin Ammit wurde erfunden, die  schaurige Leichenfresserin, die ewige Verdammnis denen brachte, deren Herz schwerer als eine Feder war. (Ammit heißt heute eine Metal-Oper). In den Darstellungen des Herzwiegens taucht sie auf als Monster mit Krokodilkopf und Löwenkörper. Kriegskunst, kriegerische Auseinandersetzungen und Sex wurden hochstilisiert (das Zusammenleben von Paaren auf allen gesellschaftlichen Ebenen und die Verherrlichung der menschlichen Schönheit ((ab Nofretete)) wurde eingeführt), kommerzielles Denken begann, all das war dann langsam auch das Ende des einflußreichen, tausende Jahre währenden ägyptischen Reiches.
Am 1.11. feiern/feierten wir Allerheiligen, fast überall auf der Welt, am 2.11. Allerseelen. Gedenken die Christen an Allerheiligen aller Verstorbenen,  die im erlösten Reich der Toten leben, so  beten  und gedenken sie an Allerseelen ihrer Ahnen und aller Seelen, die es nicht in eine erlöste Welt geschafft haben und einem“ fegefeuerartigen“  Zustand durchlaufen.

Die Fränzis gehen in der Regel an diesem Tag zu den Gräbern  Ihrer Ahnen, beten und schmücken diese, früher mit Blumen aus Perlen, Marmortafeln… später mit Plastik- Porzellan- und Stoffblumen und seit den achtziger Jahren mit einer Flut von Chrysanthemen.
Der Friedhof war bei uns im Süden Frankreichs nur den Katholiken vorbehalten. Andersgläubige wie Reformierte, Hugenotten, Waldenser usw. durften nicht in geweihter Erde beerdigt werden, sondern mussten irgendwo draußen auf dem privaten Feld oder am Wegrand bestattet werden, oft mit freien Predigern. Denn nur die Katholiken haben eine église, eine Kirche, die Kirche der anderen heißt bis heute temple, Tempel, indem ein culte stattfindet, eine kultische Handlung, und nur die Katholiken halten bis heute une messe, eine Messe. Glaubenskriege und Terror mit radikalchristlichen Milizen gab es und gibt es auch bei uns bis heute (u.a. Irland, Ku klux klan, Natzis...., oder auf psychischer (z.B. der Diplomatie usw.) oder mentaler Ebene wie beispielsweise trickreicher Juristerei. Dazu gehört auch die Verunglimpfung einzelner Religionen, wie z.B. des Islams, die Ausbeutung...
Hugenottengräber
Nun aber hat die französische Bürokratie erkannt, dass man mit Friedhofsgräbern gut Geld verdienen kann und erlies vor etwa 25 Jahren ein Gesetz, dass alle ab einem bestimmten Stichtag Geborenen nach ihrem Tod zwangsläufig auf einem Friedhof zu beerdigen sind.

Halloween bezieht sich auf das keltische Neujahrsfest, das in vorchristlicher Zeit am 31. Oktober zu Ehren des Totenfürsten Samhein und aller Verstorbenen abgehalten wurde und man war überzeugt, dass bei diesem Fest die Toten anwesend waren.  Der Hexenkult im Mittelalter bediente sich dieser Vorlage und missbrauchte sie für Ihre geheimnisvollen, schaurigen Machenschaften (Walpurgisnacht). Halloween kannte in Frankreich kaum jemand  (auch nicht in Deutschland), bis zu jenem Tag 1986, als eine Woche vor Allerheiligen eine Woche lang alle Kassiererinnen in fast allen französischen Supermärkten als Gespenster und Draculas an der Kasse saßen, direkt an der Kasse der ganze Halloween-Schnick Schnack in Kindergroesse zum Schnäppchenpreis. Mehr oder weniger über Nacht war der Halloween-Klamauk in Frankreich eingeführt. In Deutschland wurde 1986 eine Megaparty mit Geisterquatsch von einem Amerikaner mit deutschen Wurzeln organisiert, und seitdem werden wir diesen Mist am Reformationstag auch bei uns nicht mehr los.  Man kann sich nur wundern. 
In allen Kulturen dieser Erde ist die Verehrung der Ahnen, der Verstorbenen ein zentraler Bestandteil. In Madagaskar z.B. spart man das ganze Jahr für das Fest mit den Ahnen. Ein Ochse wird geschlachtet, die Verstorbenen werden ausgegraben und nehmen so direkt an der Feier teil ….. 

Vielleicht haben auch wir einen Gedanken für unsere Verstorbenen übrig, ohne Klamauk. Zu den Verstorbene gehören vielleicht unsere Kinder, Ehe- oder Liebespartner, Eltern, Großeltern, Nachbarn, Freunde, Kollegen, ….. Oder können wir das nicht mehr? Wer keine Beziehung zum Leben aufbauen kann, der hat auch keine Beziehung zum Tod. Denen, die es verlernt haben,  besonders innerhalb einer Familie oder einer Beziehung anständig und ehrlich miteinander umzugehen ("Wahrheit die seelig macht oder verdammt"), denen  bleibt schlussendlich  nur noch das Entsorgen der Leichen!? Und dann könnte man eigentlich wieder getrost Halloween feiern! Manche Tibeter beispielsweise füttern u.a. die Geier mit menschlichen Leichenteilen – aber -  sie haben eine tiefe geistige Haltung zum Tod, zum Jenseits, zur Wiedergeburt und zu ihren Toten.

Wir beklagen, daß unsere Generationen zu zerbrechen beginnen. Wäre es so schwer, sich zusammenzusetzen über Generationen hinweg und von unseren Verstorbenen zu erzählen, vielleicht zu beten oder zu bitten...?
Ihnen an solchen Tagen einen Stuhl und einen Teller bei Tisch aufzudecken und und sie bitten, anwesend zu sein?
Die Fränzis gehen auf den Friedhof und schmücken  ihre Gräber an Allerheiligen/Allerseelen, so wie das auch in Deutschland vor noch nicht allzu langer Zeit Brauch war.
Gastbeitrag meines Habibs

Kommentare:

  1. Danke für diesen stimmigen Eintrag zum heutigen Tag ! Wie friedlich sind doch im alemannischen Raum die traditionellen Räbeliechtliumzüge (mit aus Herbstrüben geschnitzten Laternen, die zum Erntedank Anfang November durchgeführt werden) verglichen mit dem Halloweenklamauk.

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  2. Geschrieben vom Habib - fotografiert von Micha? Ihr beide seid schon eine gelungene Kombination.
    Ein herzliches Dankeschön an Deinen Habib für diesen Beitrag und bewundernde Grüße an Euch beide.

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  3. ich liebe in deiner Posts die Pracht von die Farben. Bei uns sagt man: Güzellik bakan gözdedir (Die Schönheit liegt in der Augen, wer schaut. Alles sieht aus deinen Augen sehr schön.
    Liebe Grüsse
    Nesrin

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  4. schöner post mit schönen gedanken.
    danke dir!

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  5. Ich schließe mich an, danke f.d. Beitrag.
    Bei mir kannst du einen anderen "Friedhof" sehen, lg

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  6. Vielen Dank für diesen guten Post zum Thema! So ganz ausgestorben ist der Brauch an Allerheiligen die Gräber zu besuchen auch in Deutschland noch nicht. Zumindest bei uns auf dem Dorf ist sowas noch sehr lebendig. Mit Halloween kann ich ehrlich gesagt auch überhaupt nichts anfangen. Ähnlich wie beim Valentinstag (auch wenn das ein ganz anderes Kapitel ist), habe ich hier immer das Gefühl, dass mir etwas übergestülpt wird, was einfach nicht mir und der Tradition in der ich großgeworden bin entspricht. Ich habe nichts gegen Neuerungen und ich habe auch nichts gegen Feiern, lasse mir sowas aber ungern von außen aufoktruieren.

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  7. Ein ganz toller Post.
    In meiner fränkischen Heimat ist üblich die Gräber in den letzten Oktobertagen neu zu bepflanzen, an Allerheiligen, das ist in katholischen Gegenden ein Feiertag geht es dann auf den Friedhof um der Toten zu gedenken.
    herzliche Grüße Judika

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  8. Heute erst über Melanie hier gelandet, ein ganz wunderbarer Post... Gerade erst habe ich im Urlaub Sinuhe der Ägypter gelesen. Merci - Ghislana

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