Sonntag, 19. Mai 2013

Standvermögen: Tarte mit Kardamomboden, Rhabarber und Vanillecrème

Es kommt äußerst selten vor, dass sich auf der Campagne ein Fränzi über das Wetter beklagt. Höhere Gewalt, die nimmt man stoisch und würdevoll. Außerdem achtet man auf die gute Schwingung, die man normalerweise bei einer Begegnung gerne hinterläßt. Und wenn mal eine Klage kommt, dann ist es meist im Hochsommer, wenn über die Hitze gestöhnt wird. Für Touris klingt das wie Coquetterie - denen kanns in ihren Ferien nicht heiß genug sein. Aber man kann hier durchaus in der Sonne brüten.

Gestern stieß eine Französin die Tür zum kleinen Café auf und meinte zu la Patrone beschwingt: *Mensch, wie gut, dass es regnet. Das hat nun wirklich dringend gefehlt.* Keiner hat den Scherz auf Anhieb verstanden. Dieses Wochenende schlug einem nämlich von sämtlichen Richtungen entgegen *Y en a marre* (es reicht jetzt) - und damit ist bei Weitem nicht der endlose Sonnenschein gemeint, sondern das englisch anmutende Regenwetter. Seit drei Monaten - solange rechnen zumindest wir mit, seit wir wieder von Asien zurück sind. 

Ich kann mich nicht entsinnen, dass hier je am Stück so nass war - und der ältere, erfahrenere und bereits vieeel länger hier lebende Habib ebenfalls nicht. Aber wir bewahren Haltung. Beim Kuchen essen. Und das hätte ich mir von diesem (dem Kuchen) auch mehr gewünscht. Geduld gepart mit Warten auf das Auskühlen wäre eine angebrachte Tugend gewesen.

Meine Idee war nämlich fein, sehr fein. Den Tarteteig mit Kardamom hätte ich beim Auswellen schon roh essen können. Der mit frischem Orangensaft versetzte Rhabarber gibt eine herbe Frische und die sanfte Vanillecrème (mitgenommen von Nina, bzw. Maja) schafft den Ausgleich. Nur hat es der Tarte an Stand gefehlt. Aber ihr wartet einfach das Weilchen, für das ich keine Zeit finden wollte, dann schneidet ihr aus der wohlmundenden Tarte auch schöne Stücke heraus. Sonst müßtet ihr ja wie wir die Tarte in fast einem Rutsch aufessen. Das ist nun wirklich nicht zuzumuten. Oder aber ihr backt einfach Tartelettes - dann hat sich das mit dem In-Stücke-Schneiden....

Wer errät, mit welcher Blüte die Tarte dekoriert ist, erhält ein virtuelles Stück extra ;).
Zutaten - Form 26cm*:

Tarteteig:

220g Mehl
60g Puderzucker
1 EL brauner Zucker (ca. 10g)
120g Butter
3 Kardamomkapseln
1 Ei
etwas kaltes Wasser

1 Eiweiß

Rhababerkompott:
400 g Rhababer
(m: 50g davon gefrorene Himbeeren)
50 g Zucker
60 ml Orangensaft
6 Tl Speisestärke

Vanillecrème:

240ml Milch
25g Zucker
1 Eigelb
1 Vanilleschote
30g Maisstärke
(m: 1 EL crème fraîche)

Zubereitung:

Die Kardamomkapseln öffnen und die Kerne in einen Mörser geben. 1 Eßlöffel braunen Zucker dazugeben und beides miteinander fein zermahlen. Mit den restlichen Zutaten für den Tarteboden zu einem homogenen Teig vermengen und mindestens 1 Stunde kalt stellen. Eine Tarteform (von 26cm Durchmesser) buttern und mit dem dünn ausgewellten Teig auslegen. 30 Minuten in die Tiefkühltruhe stellen.

Den Ofen auf 190° vorheizen und die Tarte mit Backpapier und Hülsenfrüchten abdecken und 10 Minuten blind backen. Dann Hülsenfrüchte und Papier entfernen und weitere knappe 15 min (evt. etwas kürzer goldbraun backen.

Den Boden mit Eiweiß bestreichen (das Eigelb brauchen wir für die Vanillecrème) und nochmals 2min in den Backofen stellen, bis das Eiweiß getrocknet ist. Dann die Tarte aus dem Ofen nehmen und den Boden auskühlen lassen.  

Inzwischen Rhabarber schälen und in 2 cm kleine Stücke schneiden. Zucker in einem Topf hellbraun karamellisieren. Mit Orangensaft ablöschen, Rhabarber zugeben und 5 Minuten kochen lassen, bis der Rhabarber weich ist (Achtung, wer den Rhabarber zulange kocht, hat Mus - etwas stückig ist schöner) und der Zucker sich gelöst hat (m: Himbeeren unterrühren). Kompott mit der in wenig kaltem Wasser gelösten Stärke stark binden und abkühlen lassen.

Für die Vanillecrème 40 ml Milch mit 1 Eigelb (von dem Ei, dessen Eiweiß wir bereits verbraucht haben für den Tarteboden), 25 g Zucker und 20 g Maisstärke in ein hohes Gefäß geben und mit dem Pürierstab gründlich aufmixen. 

1 Vanilleschote längs aufschlitzen, das Vanillemark herauskratzen und das Mark zusammen mit der Schote und 200 ml Milch in einen kleinen Topf geben. Die Milch aufkochen, von der Platte ziehen, die Vanilleschote entfernen, die aufgemixte Stärkemischung mit einem Schneebesen einrühren, den Pudding unter Rühren nochmals aufkochen bis er eindickt (ruhig hierfür etwas dicker) und vom Herd nehmen. Die Crème Fraîche unterrühren. Den Pudding sofort mit einer Schicht Frischhaltefolie abdecken, damit sich keine Haut bildet und im Kühlschrank komplett abkühlen lassen. 

Nun die Tarte mit dem Kompott bestreichen und 30min kalt stellen. Die Vanillecrème darüber streichen und nochmals mindestens 2 Stunden (besser etwas länger) kalt stellen. 

*Anmerkung m: Edit nach Rückmeldung siehe Kommentar
Quelle: Rhabarberkompott - Essen und Trinken/ Vanillecrème - Nina/ bzw. Maja

Kommentare:

  1. Was für eine traumhaft schöne Blume!
    Und die Tarte sieht so gut aus.
    Sonnige Grüße aus dem ebenfalls verregnten Hmaburg
    Katja

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  2. Klingt soooooo leckerrrr und wird probiert:-) Versprochen. Ich besuche deinen Blog sehr gerne und freue mich immer über die tollen Anregungen und wunderschönen Bilder. Ach, könnte das eine Apfelblüte sein? Liebe Grüße aus dem grünen Ländle:-) Inge

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  3. Sieht einfach wunderhübsch aus! Das Wetter kommentiere ich jetzt einfach mal nicht :-)

    Viele Grüße
    Carina

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  4. Ganz gluschtig! Würde ich jetzt nicht von der Hand weisen. Ich tippe ebenso auf Apfelblüte, in "fortgeschrittenem" Zustand.
    Zum Wetter schweige ich als z.Z. Ferienvogel. Ich will ja keinen Neid aufkommen lassen ;-)

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  5. @Katja: Merci, liebe Katja - dann wird sich Pfingsten halt im Regen schön gemacht, n'est-ce pas? Liebe Grüße zurück

    @Inge: Oh, so ein Kommentar ist wie blauer Himmel und Sonnenstrahlen auf ein Mal - Dank' dir, Inge!

    Und nein, Apfelblüte ist es nicht, auch wenn sie recht ähnlich aussehen, aber kleiner sind.

    dicke Grüße nach Süddeutschland

    @Carina: Das Wetter schlicht zu ignorieren ist schlicht das charmanteste, was man tun kann!

    Du, und lecker war sie auch, die Tarte :)

    @Basler Dybli: Ja dann wünsche ich eine wunderbar erholsame und entspannte Ferienzeit!

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  6. Ich tippe auf Weißdorn, gerade beim Spazierengehen gesehen ;-)
    Und ein Stück Tarte hätte ich auch gern, bitte.
    Und über das Wetter hier schweige ich mal vornehm...

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  7. Ist das nicht eine Akelei?

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  8. @Eva: Essen wir gemeinsam über das Wetter hinweggehend ein Stück Tarte ;)

    Und sollte ich mich bei Inge weiter oben missverständlich ausgedrückt haben: die Blüten, die die Tarte zieren, sind größer als Apfelblüten. Daher non, Weißdorn ist es auch nicht.

    liebe Grüße...

    @Zizibe: Logo ist das Akelei auf dem unteren Bild. Ganz richtig gesehen. Aber ich suche das zugehörige Gewächs (Tipp: Baum) zu der Blüte, die auf der Tarte liegt ;)

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  9. Ist es eine Pfirsichblüte? Ich hatte leider den Text zu schnell überlesen.

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  10. ist es vielleicht eine mandelblüte? ich fänds jedenfalls poetisch :)
    wunderschön sind deine bilder und der tarteklang so fein.
    liebe pfingstgrüße!

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  11. Am fröhlichen Blütenraten beteilige ich mich wegen ausgeprägter Unkenntnis lieber nicht. Aber ich muss meinen Senf dennoch loswerden: Siehste! Rhabarber ist 'was Feines, manchmal braucht man einfach nur die passende Begleitmusik dazu ;) Viele Grüße!

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  12. Wie fein und schön ist es hier bei dir. Und die Tarte so zart und vielversprechend.

    Liebe Grüße von Margarete

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  13. @Zizibe: Pfirsiche und Aprikosen sind die ersten Bäume, die bei uns blühen - plantagenweise, dichtgefolgt von den Mandelbäumen. Nein, aber ich werde gleich auflösen ;). Danke, fürs Mitspielen!

    @Mme Ulma: Mandblüten SIND poetisch - bist du da als Kind vielleicht reingefallen wie Obelix in den Zaubertrank :)?

    @Schokozwerg: Die Lieben auf den zweiten Blick gelten ja als besonders dauerhaft... Und doch, geht doch mit dem Rhabarber - allerdings nur mit Musik ;). Weil die Erdbeere bleibt die Kaiserin!

    allerbeste Grüße zurück

    @Margarete: Bei einem Gegenbesuch sehe ich viel Natürlichkeit - das gefällt mir. Ich gebe deine Coquetterie gerne zurück!

    @allen Miträtslern: es handelt sich um QUITTENBLÜTEN

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    1. quittenblüten - herrje, ich befürchte, ich bin in einen unblick gefallen ... (vor meiner balkonluftschnuppernase steht ein quittenbaum, uiui)

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  14. Da ich mir kein virtuelles Stück verdient habe, werde ich die Tarte nachbacken und dich wissen lassen, wie es mir geschmeckt hat.
    Danke für das Rezept und liebe Grüße! Zizibe

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  15. Eine wunderschöne Tarte, die ein bisschen Licht, Wärme und Trost bringt. Bestimmt lecker!

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  16. @Zizibe: Das virtuelle Stück HAST du dir mit deinem freudigen Mitraten auf jeden Fall verdient :)! Aber ich freue mich, wenn du mir deine Meinung nach Verkosten zu der Tarte gibst!

    @Mange-tout: Es gibt so Regentage, da kann was Süßes auf dem Ofen wie kulinarische Stricksocken sein :)

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  17. Ich bin natürlich zu spät, aber hätte es ganz ganz ehrlich gewusst.... Weil sie bei uns auch gerade blühen. Riesengroß, in großer Zahl, allerdings rosafarbener als eure. Schön!
    Und dein Rezept: mmmmh!
    ( am allerliebste lese ich deine kleinen Geschichten dazu... )
    Liebe Grüsse und ich Wünsche euch bald besseres Wetter!

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  18. Da ich für das virtuelle Stück zu spät kam, habe ich die Tarte am Wochenende direkt nachgebacken. Ok, die Vanillecreme habe ich aus dem Handgelenk gemacht, nach bester Resteverwert-Methode: verquirltes Rest-Ei vom Zopfbacken, etwas Stärke und viel Vanilleschote :-). Den Teig gab es aber nach deinem Rezept, allerdings in Muffinförmchen gebacken. Dadurch sind sie ganz niedlich geworden, mit drei Happen hat man sie verzehrt :-) Und so lecker! Die Kombination von Kardamom und Rhabarber finde ich klasse.
    Was den Regen angeht: Selbst mir als Oberbergerin, die ja bekanntlich mit Regenschirm in der Hand geboren werden, reicht es jetzt langsam! Aber wenn es hier demnächst wieder Erwarten doch noch sommerlich warm wird, werden nach einer Woche Sonne die ersten klagen, dass es so trocken ist und wir dringend ein bisschen Regen brauchen ;-)

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  19. Habe schon so viel nachgekocht von diesem Blog. Es ist als würde aus allen Food-Blogs das gesammelt, was auch mir am besten schmeckt - und bisher ist mir auch meist alles gelungen :)
    Nur bei dieser Tarte musste ich die Segel streichen: der Rhababer wollte einfach keine standhafte Konsistenz erreichen und ist mit der Vanillecreme einfach davon geschwommen...
    was hab ich nur falsch gemacht?
    Viele Grüße von der Isar,
    anke

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    1. Vielen Dank für deine Rückmeldung, Anke. Nun, ich hatte bei dieser Tarte das gleiche Prolem - habe es aber auf die mangelnden Wartezeiten zurückgeführt. Darauf wirst du ja bestimmt geachtet haben.

      Wie bei der Quellenangabe zu finden ist, stammt das Rhaberberkompott von einem E&T-Rezept. Eigentlich ist auf diese Verlaß. Aber nun hast du die gleiche Erfahrung wie ich gemacht. Also werde ich edieren und die Stärkemenge jeweils etwas anheben. Gleichfalls für die Vanillecrème - sicher ist sicher!

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  20. ich hätte nicht gewusst, was für eine Blüte das ist. :(
    Aber ich finde auf jeden Fall, dass deine Tarte unglaublich lecker aussieht.
    Ich liebe Rhabarber und Kardamom auch, bin aber noch nie auf die Idee gekommen beides zu kombinieren. Bestimmt sehr lecker. :)

    vielleicht hast du ja noch Lust mit deinem Rezept bei unserem Foodblog Rhabarber-Event ( http://www.kuechenplausch.de/events/cmviews/id/77 ) auf Küchenplausch mitzumachen. Es gibt auch schöne Preise zu gewinnen und viele tolle Rhabarber-Rezepte zu entdecken.

    Liebe Grüße
    Isabell

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  21. Hallo, Michaela, ich hatte versprochen die Tarte nachzubacken. Bevor die Rhabarbersaison ausklingt, habe ich (heuer erst) dies zu Pfingsten getan.
    Sie hat uns gut geschmeckt. Allerdings würde ich das nächste Mal etwas weniger Teig verwenden.
    Liebe Grüße aus dem heißen bayerischen Süden - Zizibe

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