Mittwoch, 9. Oktober 2013

kinotaugliches Ris-Otto

Vielen Dank für all die anregenden Ideen, die mich nach meinem Aufruf erreicht haben. Da können nun viele Auberginen in Zukunft wachsen. Für heute durfte Otto nochmal ran.

Zu diesem Risotto mit Zitrone und Aubergine lieferte Yotam - allerdings unfreiwillig - eine wirklich feurige Story. In warmen Ländern wird witterungsbedingt oft draußen gekocht, bzw. gegrillt und daher wird dann auch einfach über offener Flamme die Aubergine geröstet. So weit, so idylisch. Es soll nun aber Lesern beim Rösten über der hauseigenen Herd-Gasflamme geschehen sein, dass sich die gute Aubergine mit einem gewaltigen Krawumm explosionsartig *unschön nach allen Seiten* verspritzte. Eine solche Küche will ich mir nicht vorstellen. Wichtig also: Die Aubergine vor dem Rösten unbedingt runderherum anpieksen.

Vom Kopfkino springe ich heute weiter zur stets inspirierenden Mme Kaltmamsell und dem von ihr angestoßenen Thema: prima verfilmte Bücher. Nach einiger Grübelei kann ich tatsächlich mit 3 Beispielen aufwarten. Mein liebstes: Winnetou - und zwar alle Filme. Denn bei sämtlichen Versuchen Karl Mays Erzählungen in Buchform zu folgen bin ich IMMER in irgendeinem Strauch hängengeblieben. VIEL zu viele Landschaftsbeschreibungen. Auf Platz 2 setzte ich *Zwei Nüsse für Aschenbrödel* - eine traumhafte Märchen-Verfilmung, die mich auch mit 30plusplus stets aufs Neue erfreut. Bei Platz 3 bin ich wieder ganz bei Inès: *Die Wand*. Martina Gedeck schafft es tatsächlich fast allein durch ihre Person, eine ähnliche Beklemmtheit, wie die, die mich beim Lesen des Buches befiel, zu transportieren.

Nicht umhin komme ich nun genauso meine Top-Flops zu benennen. Ganz neu auf der Liste: *Schiffbruch mit Tiger* - ging als Film sowas von gar nicht. *Krabat* fand ich verfilmt so grauenhaft, dass ich allen Ernstes überlegt hatte, Ottfried Preußler (da lebte er noch) einen entrüsteten Beschwerdebrief zu schreiben. Und klar, *Zusammen ist man weniger allein* kann als Film vor mir nicht bestehen. Nicht, dass ich Audrey Tautou nicht süß und weiblich finde. Aber sie ist Galaxien davon entfernt eine goldige Körbchengröße 75A-Camille zu sein. Nein, keiner der Schauspieler wollte mir passen. Und ergriffen war ich keine einzige Sekunde. Nicht eine.
Zutaten:

2 mittelgroße Auberginen
130ml Olivenöl (m: weniger, viel weniger)
grobes Meersalz
1 mittelgroße Zwiebel, fein gehackt
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
200g Risottoreis (m: die Hälfte schwarzer Camarque-Reis)
120ml Weißwein
750ml Gemüsebrühe (m: Paste)
(m: Zitronenthymian, 7 Zweige)
1 Zitrone, abgeriebene Schale davon
2 EL Zitronensaft
20g Butter
50g Parmesan
Pfeffer
10 Basilikumblätter, streifig geschnitten (m: mehr)

Zubereitung:

Eine der beiden Auberginen rösten, dafür die Aubergine mit einer Gabel oder einem Messer ringsherum einstechen, dann entweder etwa 15min über der offenen Gasflamme rösten oder etwa 1 Stunde unter dem heißen Backofengrill (dafür auf ein mit Alu abgedecktes Blech legen). Sobald die Aubergine gar ist, diese halbieren, das weiche Fruchtfleisch herausschaben, ohne die Haut abzulösen. Die Haut wegwerfen, dias Fruchtfleisch grob hacken und beiseitestellen.

Die zweite Aubergine in 1,5cm große Würfel schneiden. 80ml Olivenöl in einer Bratpfanne erhitzen, dann die Auberginenwürfel darin portionsweise goldgelb und knusprig braten. In ein Sieb füllen und, mit Salz bestreuen und abkühlen lassen.

Für den Risotto die Zwiebel und das restliche Öl in einen Topf mit schweren Boden geben und langsam anbraten, bis die Zwiebel weich und glasig ist. Den Knoblauch zugeben und weitere 3min braten. Den Reis zufügen, ebenfalls für 2-3min anrösten, den Thymian dazu geben und mit Wein ablöschen. Den Wein nahezu verdampfen lassen, dann den heißen Gemüsefond schöpfkellenweise zugeben bis das Risotto gar und schlotzig ist.

Die Hälfte des Parmesans, die Butter, die Zitronenschale und das geröstete Auberginenfleisch unterheben. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken

Mit den Auberginenwürfel, den Parmesan, dem Basilikum und etwas Zitronenschale servieren.
Quelle: Yotam Ottolenghi - Genußvoll vegetarisch

Kommentare:

  1. Toller post, sehr interessant und gut geschrieben, hat mir Spaß gemacht :-)
    liebe Grüße, Petra

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  2. Risotto sieht ja lecker ja aus,
    aber bitte "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", das wäre bei mir die Nummer 1 - trotz 30plusplus -alle Jahre wieder zu Weihnachten.
    LG Andrea

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  3. winnetou — welch bittere tränen hab ich geweint als fünfjährige, tagelang ...
    für heute habe ich an kürbisrisotto gedacht, aber aubergine, hmhm, auch bedenkenswert. danke.

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  4. Das Zusammen-ist-man-weniger-allein-Problem teile ich - der Fim geht gar nicht.
    Das Risotto hingegen geht hervorragend....das steht hier regelmäßig auf dem Tisch.

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  5. Keine, wirklich Keine ausser Dir kann ein solch unfotogenes Gericht wie Auberginen-Risotto sooo hinreissend erzählen und fotografieren.

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  6. Ich werde immer so hungrig, wenn ich Dein Blog lese. Dabei muss ich gerade *wirklich* arbeiten. Die Orangenreduktion hab ich auch noch auf dem Zettel. Und so vieles mehr. Jetzt also auch noch dieses Oberschienen-Rezept. ;)

    Hervorragende Buchverfilmungen fallen mir gerade leider nicht ein, wir haben kürzlich "One Day" geguckt, das funktioniert trotz großer Nähe zum Buch leider nicht als Film. Moment, da fällt mir ein: Wir schauen gerade peu à peu die schwedische Miniserie nach der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson und die ist richtig gut. Gibt es auch mit englischen Untertiteln. Die Daniel Craig-Hollywood-Version schau ich mir dann irgendwann vielleicht auch noch an, aber nur der Vollständigkeit halber.

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  7. Hey Ich geb Dir vollkommen recht!!! Camille das ist Sie einfach nicht!!!! Keiner passte so wie in meiner Fantasie! Zum Glück erst hinterher gesehen :) Hoffe es geht Dir gut!!! :)

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  8. Risotto gab es bei uns diese Woche auch schon, auch mit ähnlichem Aussehen, aber mit anderem "Drin". Das Auberginengeröste klingt aufwändig, aber auch sehr lecker.

    "Zusammen ist man weniger allein" habe ich im Urlaub gelesen und danke für die Warnung, es lieber nicht als Film anzuschauen, ist mein Kopfkino doch noch allzu präsent. "Drei Nüsse für Achenbrödel" unterschreibe ich sofort, das ist sicherlich der Film, den ich in meinem Leben am häufigsten gesehen habe. Jedes Jahr, seit es ihn gibt in der Vorweihnachtszeit und es wird nie langweilig. Michel aus Lönneberga und Pippi Langstrumpf sind für mich noch solche Beispiele - mit der Einschränkung, dass ich Annika immer furchtbar blöde und nervig fand. ;-)

    Herzlich, Katja

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    1. Richtig! Pippi Langstrumpf ist toll, das hab ich kürzlich zum ersten Mal im schwedischen Ortiginal gesehen (Riesenerfolgserlebnis!) und Annika ging mir auch dort genauso auf den Zeiger – guter psychologischer Trick, um den Fokus auf Pippi zu lenken.

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  9. Sabine hat Recht. Das wäre normalerweise ein Ugly Kandidat, bei dir ist auch das noch hübsch :-)

    Die Wand konnte ich mir nicht anschauen. Ich hab das Buch gelesen und fand es toll, aber eben sehr beklemmend und ich hatte das Gefühl, ich brauche das nicht noch mal, obwohl ich Martina Gedeck sehr, sehr mag!

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  10. @Petra: Vielen Dank, Petra, das freut mich zu lesen!

    @Andrea: Also spätestens in der Vorweihnachtszeit gebe ich dir recht ;)

    @Mme Ulma: Kein Kinderfasching ohne dass ich nicht Indianerin war - das bleibt... irgendwie...

    @Susanne: Über den *Zusammen ist man weniger allein*-Film könnte ich mich stundenlang auslassen. Die grauenhaft gekürzte Handlung. Selbst die Pariser Wohnung. Oder Paulettes Haus. Neeneenee - das war nüschte!

    @Sabine: Was du mir schmeicheln kannst - ich liege wie eine gekraulte Katze auf dem Rücken :)

    @Stella: Den mittleren Teil der Millenium Triologie habe ich gelesen. Und mich mächtig gegruselt. Ich fürchte, in Bilderform wäre mir das zu brutal. Da gehts ja schon deftig zur Sache....

    @Juli: Oder! Komplett-Fehlbesetzung bishin zu den Statisten ;) Möglicherweise hätten wir das zusammen besser hinbekommen!

    @Katja: Auf dem Gasherd macht die Rösterei auch ziemlich Sauerei. Und für eine einzige Aubergine müßte man dafür wiederum recht lange den Backofengrill laufen lassen - suboptimal.

    Und? Wie hat dir das Buch gefallen? Das würde mich ja sehr interessieren.

    Und der Michel ist ein Sahneschnittchen und Pippi auch goldrichtig. Und die Annika ne dumme Zimmzicke. Wir sind uns sowas von einig!

    @Stella: Ist Annika im Buch von Astrid Lingren auch doof?

    @Britta: Hach, ihr Mädels wißt einfach, wie man Komplimente macht :)

    Die Wand habe ich auf einem Langstreckenflug angeschaut. Möglicherweise wäre er - aus dem gleichen Grund wie der, den du nennst - kein ausgesuchter Kinofilm von mir gewesen.

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  11. Du hast nur den mittleren Teil gelesen? Wieso denn das? Ich hab den ersten Teil kurz nach meiner Ankunft in Schweden geschenkt bekommen und musste warten, bis mein Schwedisch so weit war, bis ich ihn lesen konnte. Anschließend dann war ich "drauf" und habe die anderen auch noch gelesen, auch wenn Stieg Larsson sicher kein Wortkünstler ist – okay: war – und sich zuweilen durchaus hätte kürzer fassen können. Aber Spannung zu erzeugen, das hatte er drauf und die gesellschaftskritische Haltung gefällt mir auch. Den mittleren Teil mochte ich aber tatsächlich am wenigsten, das war mir alles einen Titsch zu sehr James Bond und Tarantino, aber im Zusammenhang sind die Ereignisse da natürlich wichtig.

    Macht der mittlere Teil denn überhaupt Sinn ohne den ersten? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man mit den Figuren warm wird, ohne die Vorgeschichte zu kennen. Ich muss sagen, dass ich dieses Buch zwar auch sehr spannend fand, aber der erste und der letzte Teil haben mir trotzdem besser gefallen, der erste Teil, weil dieser rätselhafte Fall und die ganze dort beschriebene frostige Atmosphäre in Nordschweden doch recht faszinierend sind und der dritte, weil endlich Lisbeth Salander Gerechtigkeit erfährt. Im Film ist das Ganze fast weniger heftig als im Buch, einfach, weil die Szenen nicht so lang sind.

    Was Pippi betrifft: Dass ich das Buch gelesen habe, ist so ewig her, dass ich die Annika-Frage leider nicht beantworten kann, aber die Filme sind so gut, dass ich trotzdem überzeugt bin, dass die Verfilmung im Vergleich zur Vorlage keine schlechte ist.

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    1. Bitte denk dir das "dann" nach "anschließend" weg.

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    2. Ja, das ist etwas bizarre, nur den mittleren Teil zu lesen. Aber das liegt an der Art, wie man an Bücher kommt und diese tauscht auf Reisen. Und in dem einen Guesthouse blieb mir nur diese Möglichkeit, Nun, wo du aber sagst 1 und 3 sind besser, werde ich die Augen danach wieder aufhalten. Ist ja ein beliebtes Jungs-Urlaub-Buch. Meine Chancen stehen also nicht schlecht.

      Aber die Figuren wurden mir auch so sehr plastisch. Und volle solidarisch mit Lisbeth, logo.

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