Montag, 17. Februar 2014

eingeschneiter Walnussgugl

Nichts stelle ich so hoch auf diesem Planeten wie selbstgemachte Erfahrung. Neben dem Kennenlernen fremder Kulturen ist das Gewinnen neuer Eindrücke unser Hauptbewegungsgrund zum Reisen. Kein Buch, keine Dokumentation, kein Vortrag kann nur ansatzweise ersetzen, was ich mit meinen eigenen Sinnen am eigenen Leib wahrnehme – vorausgesetzt diese sind nicht durch was auch immer (etwa Alkohol) eingetrübt. Oft sind es gerade die weniger angenehmen Erlebnisse, die besonders tief gehen. 

Und die vergangenen 30 Tage auf Kuba zählen zu der letzteren Gattung –  in vielerlei Hinsicht. Selten habe ich auf Reisen derart kulinarisch entbehrt wie auf Kuba. Mir war, als würden meine Geschmacksknospen jeden Tag ein bißchen mehr eingehen.

Ja, das böse Embargo aber auch die faszinierende Phantasielosigkeit der dortigen Küche. Als ultrabanalstes Beispiel nenne ich mal ihre Pizza, die auf ganz Kuba an jeder Ecke für eine handvoll Peso cubano in der gleichen Aufmachung angeboten wird: komplett geschmacksneutral, wenn man sich nicht mit dem bereitgestellten Salzstreuer zumindest in diese Richtung festlegt. 

Knoblauch und Chili etwa hätte das Land zu bieten und der hiesige Oregano entwickelt sich zur Hecke mit eßlöffelgroßen (!) Blättern (Bilder folgen der Chronologie zuliebe etwas später). Aber nein, warum sich um *Sabor* bemühen, wenn der sozialistische Einheitsgeschmack der Schweizer Außenpolitik nachstrebt. 

Ob des extrem begrenzten Angebots im Allgemeinen liese sich die Liste dazu nicht endlos fortführen, aber zusammenfassend kann man sagen, dass für fast alles Eßbare gilt: gleicher Geschmack bei unterschiedlicher Konsistenz. Ähnlich wie beim Heilfasten habe ich mich während der letzten Tage auf Kuba in *hitzige*, kulinarische Wahnvorstellungen gesteigert von einem Teller frischer Pasta bis hin zu Müsli war einiges darunter…

Und eben nach einem  solches Stück Kuchen dieser Art – genau, ein einfaches, schönes Stück schlichter, feiner Rührkuchen, saftig und MIT Geschmack  - hätte ich mir alle zehn Finger geschleckt! Gerne zum guten (seufz) Milch-Café mit echter Milch und nicht angerührtem Milchpulver wie so oft… Ach, und ihr zuhause könnt ihn euch nun einfach backen … eine Küche müßte man haben!
Zutaten kleine Gugelhupfform*:

125g Butter, weich
120g brauner Zucker
1 Prise Salz, großzügig
2 Eier 
150 g Mehl
1 1/2 TL Backpulver 
70g gemahlene Walnüsse
60 ml Milch
1 EL Walnussöl
25g gehackte Schokolade (70%)
Abrieb 1/2 Tonkabohne
etwas geschmolzene weiße Schokolade
2 EL gehackte Walnüsse
Puderzucker

Zubereitung:

Die Walnüsse knacken und mit Hilfe einer Küchenmaschine mahlen (vorsichtig, nicht zu lange, sonst gibt es Mus). Die Schokolade hacken.

Butter, Zucker und 1 Prise Salz mit dem Handrührers sehr cremig rühren (etwa 7min). Eier nacheinander jeweils 1 Min. unterrühren. Mehl, Backpulver, Tonkabohnenabrieb und Nüsse mischen und abwechselnd mit der Milch unterrühren. Das Walnussöl ganz am Schluß unterrühren.

4 EL des Teig in eine gut gefettete, mit Mehl ausgestäubte Gugelhupfform (kleine Gugelform von 16 cm Ø) löffen, die gehackte Schokolade darauf geben und den restlichen Teig darauf verstreichen.. Im heißen Ofen bei 180 Grad (Umluft 160 Grad) auf der untersten Schiene 55 Min. backen (m: 53min - Stäbchenprobe/ normale Gugelform 5-10min länger). Kurz in der Form ruhen lassen. Dann stürzen und vollständig auskühlen lassen.

Geschmolzene, weiße Schokolade auf die Spitze des Gugelhupfs streichen. Die gehackten Nüsse darüber streuen und mit Puderzucker bestäuben. 

*Anmerkung m: für eine normal große Gugelhupfform die Zutatenmenge verdoppeln.

Kommentare:

  1. Nach dieser Reise kannst Du Deine Kochkünste bestimmt noch besser geniessen.
    Der Guglhupf sieht zum Anbeißen aus, ich habe mir das Rezept in Sammelsurim gelegt.
    herzlich Judika

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  2. Applaus zu deinem Kuchen! Deine schöne Backform bin ich dir arg neidig.
    Zu Kuba: Wir waren ja vor zwei Jahren dort und ich habe auch über das Essen dort gejammert. Man muss das aber auch historisch sehen: Über Jahrhunderte lebten Kubaner von "Moros y cristos", schwarze Bohnen mit Reis, wenn sie mal Glück hatten, auch mal mit gebratenem Fleisch, alles knochentrocken. Das Land hat einfach andere Vorzüge: Man kann sich sehr toll betrinken (ich gleich mit einem einzigen Glas, weil ich nix aushalte) und ich kenne kein Land, in dem so viel getanzt wird und wo die Musik auf so hohem Niveau kultiviert wird trotz aller Armut. Man kann auch was anderes genießen als Essen und ich hab das Gefühl, die Kubaner sind Meister darin, das sie das Wenige, das sie haben, in voller Länge auskosten können.

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  3. Kurze Frage: Ich glaube, die Zutatenliste ist nicht vollständig? Die Walnüsse, die im Rezept geknackt und gemahlen werden, tauchen dort nicht auf... Über die Ergänzung würde ich mich freuen, da ich den Kuchen wahnsinnig gerne backen würde :-)) Vielen Dank im voraus.
    P.S. Ich fand Kuba super - trotz kulinarischer Wüste...

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    1. Dank WiFi-Zone und deinem Hinweis ediert - Merci!

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  4. Das klingt wirklich ernüchternd mit Kuba... dein Kuchen sieht wirklich wunderschön aus!! Walnuss und Schokolade perfekte Kombi!!! :) Ich hoffe aber Guatemala hat Euch nicht so sehr enttäuscht denn die Bilder sprechen Bände.... :)danke für die tollen Eindrücke

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  5. Kein Schnee hier im Allgäu, dafür auf Deinem Kuchen, wunderhübsch.

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  6. Ein toller Kuchen! Wünsche euch noch einen tollen Urlaub...
    Liebe Grüße
    Cheriechen

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  7. Ich musste bei deinem Seitenhieb in Richtung Heilfasten schmunzeln - bei meinem ersten und einzigen Fastenversuch war es nämlich genau so: Ich hab nur noch vom Essen fantasiert ... ARG!!!

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  8. Ähnliches hat eine Kollegin, die gerade in Kuba war, auch vom Essen erzählt ;-)
    Der Kuchen sieht da wesentlich attraktiver aus!

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  9. Wir waren vor 25 (fünfundzwanzig) Jahren in Kuba. Ich kann mich nur erinnern, dass das Essen nicht gut war, aber wie Turbohausfrau schreibt, überwiegen für mich eindeutig die possitiven Seiten dieses Landes. Wir waren 13 junge Menschen und nicht auf das Essen fixiert, eher auf das Trinken und Zigarrenrauchen:) Wir haben uns in Kuba sehr wohl gefühlt. Es kann auch sein, dass sich das Land und die Leute geändert haben. 25 Jahre ist eine sehr lange Zeit.

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  10. Leider schon aufgegessen!
    Ein richtig leckerer Kuchen, zum Glück habe ich gleich die doppelte Menge gemacht.
    Das Rezept habe ich jedenfalls schon notiert, damit es nicht in Vergessenheit gerät.
    LG, Anna

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  11. Liebe Micha, das ist der Lieblings Rührkuchen meines Sohnes (6) ich backe ihn immer wieder gerne, ein leckeres Rezept.
    Christine

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  12. Dein Sohn und ich scheinen den gleichen Geschmack zu haben ;)... liebe Grüße an euch beide

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