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Freitag, 28. März 2014

Havanna: Streetart y en detail

Das Einzigartige an Havanna ist ebenso, dass ihr der Glamourfaktor völlig abgeht. Kein Gucci, kein Prada, noch nicht einmal McDoof oder Starbucks. Keine Herren und Damen, die auf den Straßen Kapitalismus in Äußerlichkeiten demonstrieren. Die Altstadt und das Zentrum, dort, wo sich die meisten Touristen drängen, kann sich nicht schmücken mit den Boutiquen und Läden, die sich sonst weltweit in den Einkaufsmeilen jeder Großstadt wiederfinden. Überhaupt: EXTREM wenig Shopping-Möglichkeiten. 

Überall trocknet Wäsche, Frauen laufen einem mit Lockenwickler in den Haaren über den Weg, Wasser gebrochener Wasserleitungen rinnt über die Straßen, die Kanalisation steigt einem stinkend in die Nase und die Oldtimer rußen und röhren ohrenbetäubend laut. Die Schönheit ganzer Straßenzüge bröckelt unter der tropisch-feuchten Meeresluft und der Luftverschmutzung dahin.

Auch wenn es faszinierend ist, was an Bauten trotz all der widrigen Umstände erhalten wurde - für viele Häuser werden zukünftige Sanierungsmaßnahmen zu spät kommen. Häufig wurden in Stockwerke mit hohen Decken Zwischenetagen eingezogen, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, alte Holztüren sind brachial bunt überlackiert und Stuck auf dilettantische *Malen-nach-Zahlen*-Methode überpinselt.  Grund genug den verfallenden Zauber bald möglichst anzusehen, bevor die *Perle der Karibik* unter kapitalistischen Investoren verteilt, einiges für immer abgerissen wird und ein anderer Geist einzieht. Das Morbide dieser Stadt zieht in seinen Bann.

Und eine ganz bestimmte Hintergrundmusik, die uns aus allen Autos, Discos und Radios entgegenkam, auch in Guatemala, (in gleicher Häufigkeit wie Che noch zig Hauswände in Zentralamerika ziert) gehört momentan untrennbar dazu: Marc Anthony *Vivir mi Vida*

Kommentare :

  1. Hach, da kann ich mich schon morgens dran satt sehen.

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  2. Hast du die Stromleitungen nicht fotografiert? Ich habe eine gefühlte Million Stromleitungsfotos aus Havanna. Ich fand, die schauen fast schon surrealistisch aus. So ein Chaos! Mit Starterkabeln klemmen sich die Leute da kreuz und quer an die Stromleitungen. Und die Anschlüsse in den Häusern. Boah! Wahnsinn pur! Dass Havanna nicht dauernd in Flammen steht wegen Kabelbränden, wundert mich wirklich. Ich hab schon viel gesehen an Stromleitungen, aber Havanna war wirklich der Gipfel.

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  3. Gegen die schönen Kacheln haben die modernen Sprayereien einen schweren Stand.

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  4. es gibt umfassende sicherungsmassnahmen für die historische altstadt habanas. das problem ist halt, wie fast überall in cuba, die kohle. die wird für dieses projekt von westlichen ländern gestellt. weitere einnahmen werden dadurch generiert, dass in den renovierten häusern cafes bars oder ähnliches sind, in denen touris geld ausgeben. also euro oder dollar.

    klar, aus unserer mittel-westeuropäischen sichtweise ist es überhaupt nicht nachvollziehbar, warum man das nicht längst alles gesichert hat (und auch mir blutet mein stadtsoziologen-herz).
    aber ich glaube, in cuba hat man andere probleme (ebenso in guatemala, wo sehr viele antike stätten zum glück immer noch unter urwald verborgen sind, sobald man anfängt sie auszugraben muss man sie konservieren und dafür fehlt das geld...)

    anna

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