Sonntag, 16. März 2014

Wandelbarkeit: aus blond mach brünett

Wie eine Männerhand die dicke Brille ihr, dem grauschnöden Mäuslein, von der Nase zieht und den streng frisierten Haarknoten löst, ist ein cineastischer Klassiker. Auch ich sehe immer wieder gerne, wie wenige Handgriffe es benötigt, um quasi aus jeder ein verwegenes Superschnittchen zu basteln.

Natürlich ist mir ebenfalls der Jungmädchentraum vertraut, den wüsten Kerl nur mit dem Zauberstab der eigenen, herzinnigen Liebe berühren zu müssen und er wird seine ganzen, bis dahin nur schlummernden Fähigkeiten freisetzen. Vorbei sind alle losen Zeiten – so die liebliche Illusion.

Die Wandelbarkeit des Menschen, von der die ich so viel gehört und so wenig gesehen haben, gehört eindeutig zu den größten Wundern des Menschengeschlechts. Und doch bleiben die meisten  in dem Rahmen ihrer Neigungen, ihres Charakters, der Umgebung und Gewohnheit hängen, der so eng begrenzt ist wie ein Spinnennetz. Daran ändern sogar die gröbsten Schicksalsschläge selten etwas – wie Goethe in meinem lebensbegleitenden Buch *Wahlverwandtschaften* ähnlich sieht: *.... Und so finden wir die Menschen, über deren Veränderlichkeit soviel Klage geführt wird, nach vielen Jahren zu unserem Erstaunen und nach äußeren und inneren unendlichen Anregungen unverändert.*

Klar faszinieren mich gerade wegen ihrer Seltenheit Lebensläufe mit Knick besonders. Und ich habe ein Beispiel parat von jemandem, den ihr dank Hollywood alle kennen dürftet: *Richard Gere*. Du meine Güte, dieser Blick, dieser Gang…… ggggrrrrrrrr.... Hey jahhh! Und hey nein, nicht in *Pretty Women*. Mädels, ich rede von seinen jungen Jahren, von Filmen wie *American Gigolo* oder *Ein Offizier und Gentleman*!!! Oder? Ein Knieeinweicher!

Jahrzehnte später mit grauen Haaren wandte sich Herr Gigolo dem tibetischen Buddhismus  zu (s. etwa diese Fotographien von ihm) - eine echte Überrachung (ob des Blicks und der Gangart). Und seine Ausstrahlung - nun im Alter völlig andersartig - steht im gut zu Gesicht.

Aber backen wir wieder kleinere Brötchen. Als Frau reicht zur Typveränderung der Gang zum Friseur. Und beim Kochen der beherzte Griff ins Gewürzregal. Heutiges Beispiel: Blumenkohl.

Um die Blumenrohl-Raz-el-Hanout-Vereinigung tänzle ich bereits ein Weilchen herum. Was hatte mich beim ersten Genuß das merkwürdig Fremdartige in seinen Bann gezogen. Wichtig ist ganz klar die Qualität des Ras-el-Hanout (was ihr - wenn nicht vorrätig - selbst mischen könnt, etwa so). Dieses Mal bin ich meiner Vorlage nahe, sehr nahe gekommen. Somit bleibt diese Vorspeise für mich etwas für den Gästeordner, um eben diese zum kleinen, kulinarischen Staunen zu bringen (wenn schon nicht übers ganze Menschengeschlecht ;)

Zutaten 4 Teller:

350g ofengerösteter Blumenkohl
100ml Sahne
1 EL Ras-el-Hanout (ohne Fett in der Pfanne geröstet)
3 Eier (Gr. S)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

1 Scheibe Brot vom Vortag 
4 Ringe Chorizo

Salatgurke
Kirschtomaten
Schalotten
Petersilie, glatt
Salz, Pfeffer
Olivenöl
Zitronensaft 

Zubereitung:

Den Blumenkohl in kleine Röschen zerlegen (ca. 1cm große Stücke). Den Backofen auf 210° vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen, die Blumenkohlröschen darauf verteilen und ca. 30 min backen. Nach der Hälfte der Zeit wenden.  

Den Ofen auf 150° (Umluft 130°) runterdrehen. 

Den gut garen Blumenkohl mit der Sahne sehr fein pürieren. Für eine besonders zarte Konsistenz durch ein Sieb streichen (m: nicht gemacht). Mit Piment d'Espelette, Salz, Pfeffer und dem in einer Pfanne ohne Fett angerösteten Gewürz Ras-el-Hanout würzen (Menge hängt von der Qualität des Gewürz ab, sollte deutlich gewürzt sein).

Die Eier unterrühren - dafür nur eine Gabel verwenden (nicht den Pürierstab), damit sich kein Schaum bildet und die Flans eine feine, glatte Struktur bekommen und nochmals abschmecken.

Vier ofenfeste Förmchen großzügig ausbuttern, damit die Flans sich später gut stürzen lassen. Beim Einfüllen der Blumenkohlmasse immer wieder kräfig auf die Tischfläche klopfen (m: nicht gemacht), damit sich die Masse gleichmässig verteilt und Bläschen entweichen.

Die gefüllten Förmchen in ein tiefes Backblech (m: rechteckige Backform) stellen und so viel kochendes Wasser dazugeben, dass sie zu etwa zwei Drittel darin stehen. Die Flans etwa 45min im Wasserbad garen (Stäbchenprobe). Vor dem Stürzen 5-10min ruhen lassen. Mit dem Messer vom Rand lösen (m: nicht nötig gewesen) und lauwarm oder kalt servieren.

Für das Topping Brot und Chorizo klein würfeln und ohne Fett (Chorizo beinhaltet genügend Fett) anrösten. Wenn das Brot schön knusprig ist vor dem Servieren auf die Flans setzen.

Begleitend gab es bei mir einen Tomaten-Gurken-Salat dazu - grüner Salat oder Feldalat passen genauso gut.
Inspiration ausgehend von diesem Flan von Bettina Matthaei

Kommentare:

  1. Nun weiss ich gar nicht, wo ich beginnen soll mit dem Schwärmen... über deine Worte, Sätze... Goethe und die Wahlverwandtschaften, Richard Gere? Oder bleibe ich bei diesem interessanten Rezept, der wunderschönen Art des Anrichtens und den mal wieder wundervollen Fotos? Ach, liebe Micha, da ich mich nicht entscheiden kann, schwärme ich einfach mal von dir ;-)

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  2. Kunst auf dem Teller, zum Augen und Gaumenschmaus! Richard Gere, in jedem Alter sehenswert, und den Hueftschwung kann er immer noch - auch die Augen blitzen noch.... LG Gudrun

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  3. Mir ergeht es wie Sabine! Kann mich gar nicht entscheiden, wohl auch ein Makel. ;-) Wünsche dir einen wunderschönen Sonntag.

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  4. Ich würde diesen Flan sofort nehmen, Richard Gere würde ihn sicher auch nicht verschmähen - allein dieses Topping - scharfe Gewürze, sanft der Blumenkohl, die Eier und Sahne...
    Liebe Grüße
    Cheriechen

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  5. :) ich mags so, wie du die dinge zusammenbringst.

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  6. Wunderbar Deine Bildsprache! Ich labe mich an Ihr und bekomme Lust. ...Auf Blumenkohl. Auch.
    Liebe Grüße . Minza

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