Mittwoch, 13. August 2014

Don Quijote: Pâte brisée à l'huile d'olive ...mit Melde

Er lebte wohl in seiner eigenen Welt. Die verzauberten Riesen konnte in den Windmühlen nur er sehen. So oder so bleibt das Gegenüber, dem sich Don Quijote so todesmutig wie waghalsig in den Weg stellt, übermächtig. Tja, und wer macht schon eine gute Figur im David gegen Goliath-Spiel in der David-Rolle? Ist dann nicht jeder ein *Ritter von trauriger Gestalt*.

Ich zweifle keine Sekunde daran, dass das TTIP-Abkommen zustande kommt. Und doch rassle ich mit meiner rostigen Rüstung. Aus Verblendung? Oder hat sich unsere sogenannte Demoratie nicht längst in einen Turbokapitalismus verwandelt. Und wir kleinen Bürger halten an der Vorstellung fest, dass Volksvertreter die Interessen des Volkes vertreten. Es gibt mittlerweile so viele Worthülsen. Und ich kann sogar all diejenigen verstehen, die an *Tell my lies, tell my sweet little lies* festhalten. Lebt es sich in einer schönen Illusion am Ende nicht besser als in einer häßlichen Wahrheit. Obwohl... Ich kann Lügen, diese Pest, nicht ausstehen!

Hundertausende haben sich bereits gegen das TTIP ausgesprochen. Ein Bruchtteil dieser Zahl an (angeblich) neu entstehenden Arbeitsplätzen in der EU soll diese Abwehrhaltung aufwiegen. Und noch einiges mehr. In dem Film *Gefährliche Gemeimnisse* (einsehbar in der Mediathek von 3sat) kann man sich eine kleine Vorstellung von dem einholen, was bisher über das Freihandelsabkommen an die Öffentlichkeit gelang. Es bleibt bei einem groben Scherenschnitt, da sämtliche Details penibel unter Verschluß gehaltenen werden. Daher arbeitet auch die Doku der ARD *Der große Deal - Freihandelsabkommen* vorallem eines heraus, nämlich dass die Verhandlungsthemen von größter Relevanz für alle EU-Bürger sind. Fest steht: die Lobby, die Interesse an dem Abschluß hat, ist eine Windmühlen-Übermacht. Aber ob der Aussichtslosigkeit des Unterfangens keine Postition beziehen? Das ist was für Duckmäuser, die Angst vor Riesen haben.

Kaum einer kennt die gute, alte Melde noch. Zu Kriegszeiten war sie sehr beliebt. Sie gedeiht selbst auf anspruchslosem Boden - fast wie Unkraut. Vom Geschmack erinnert sie an Spinat, ist aber herber. Den Tarteboden, die pâte brisée à l'huile d'olive, habe ich von Edda mitgenommen - das Olivenöl anstelle der Butter samt dem Ei in dem Teig ergibt eine ungewöhnlich splittrige und sehr standfeste Konsistenz. Tarte mal ganz anders. Eigentlich wollte ich die Melde mit Kreuzkümmel bestreuen, vergriff mich aber an schwarzem Sesam... tant pis...
Zutaten:

Olivenöl-Tarteteig
250g Weizenmehl (m: T55)
40ml Olivenöl
1 Ei
1 TL Salz
2-3 EL kaltes Wasser

100g Ziegenfrischkäse
50ml Sahne
50ml Milch
2 Eier
Muskatnuss
Salz, Pfeffer
Kreuzkümmel
(oder schwarzer Sesam)

300g Melde, von der Rippe befreit*

Zubereitung:

Für den Tarteteig das Mehl zuerst mit dem Öl vermengen, dann das Ei und nach und nach das Wasser unterarbeiten. Sorgfältig zu einem homogenen Teig verkneten, in Frischhaltefolie wicklen und mindestens 2 Stunden (oder auch über Nacht) kalt stellen.

Den Ofen auf 190° (Umluft) vorheizen.

Eine Tarteform buttern und den Tarteteig derart auswellen, dass man die Form mit einem Rand auskleiden kann. Mit einer Gabel mehrfach einstechen

Die Melde waschen und von der Mittelrippe befreien. In reichlich kochendem Salzwasser kurz blanchieren, kalt abschrecken und gut abtropfen lassen. Dann die Melde etwas ausdrücken. Nun kleinschneiden. Den Ziegenfrischkäse mit Sahne, Milch und Eiern verquirlen, anschließend die Melde untermengen und mit den Gewürzen abschmecken

Den Guß auf den Teigboden gießen und mit schwarzem Sesam (oder Kreuzkümmel) bestreuen.

Die Tarte bei 190° 25min backen, dann den Ofen auf 180° runterschalten und weitere 10min  knusprig backen.

*Anmerkung m: die Melde kann man mit Spinat oder Mangold ersetzen.

Quelle: pâte brisée à l'huile d'olive - Edda von Un Déjeuner de Soleil

Kommentare:

  1. Melde- mir vollkommen unbekannt, Wieder was gelernt.
    Und die Teigvariante werde ich testen - danke!

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  2. Da erinnerst du mich an was, denn ich war viele, viele Jahre Patin der roten Gartenmelde bei der Arche Noah - und blöderweise wollte diese Melde bei mir nicht wachsen! Aber gut, ich hab eh genug andere alte Sorten auf Balkonien.

    TTIP: Danke für die Film-Links, die kannte ich beide noch nicht. Obwohl man mich eigentlich eh nicht überzeugen muss, dass wir dieses Handelsabkommen nicht brauchen. Wir haben doch eh schon alle mehr als genug. Was wollen wir den noch importieren? So viele lokale, gute und ehrliche Produzenten werden damit in den Ruin getrieben zu Gunsten von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, die alle noch billiger herstellbar sind und dann endlos lang halten. Was für eine furchtbare Vorstellung ... :(

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  3. Eindeutig Turbokapitalismus und ich bin pessimistisch. Der Karren muss erst schlimm gegen die Wand fahren, bevor sich etwas ändert...
    Der Teig klingt interessant! Mal sehen, ob sich Melde hier finden lässt. :-)

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  4. Wenn ich denke wieviel Melde ich vor einigen Jahren auf unserem damals neu erworbenen, verwilderten Grundstück ausgerissen habe und mir währenddessen immer wieder gedacht habe: eigentlich könnte ich sie verkochen. Aber ich hatte fast einen "Hass" auf dieses Kraut, das nicht enden wollte. Heute bin ich wieder versöhnt. Zum Glück vergisst man alle Mühen irgendwann.
    Ich bin eher ein Optimist und glaube, wenn wir, die anders denken zusammen tun, erreichen wir auch etwas :)

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  5. @Eva: Melde habe ich erst hier im Garten dank dem Habib kennengelernt. Robust und ungezieferresistent - als Gärtner muß man das mögen. Allerdings, wie Magdi auch schreibt,breitet er sich gerne mit seinem Kumpel Borretsch wild nach Lust und Laune in alle Richtungen aus...

    @Susi: Vergleicht man die bisher geltenden Normen in der EU mit den amerikanischen, dann haben unsere Politiker eigentlich gar nicht SO einen schlechten Job gemacht...

    @Eva: Lieber wäre ich auch optimistisch. Und würde Argumente hochhalten, dass hybride Pflanzen helfen auch Bedürftige und Benachteiligte satt zu bekommen - statt dessen wird die heutige Überproduktion schon weggeworfen... Ach, ein leidiges Thema. Wären die Eingriffe nicht gar so einschneidend... Und die Melde kannst du mit Spinat oder Mangold gut ersetzen.

    @Magdi: Sie sind schon ein wüster Vagabund im Garten, die Melde. Auch wir reisen sie oft raus, wo sie nichts zu suchen hat. Aber wenn alle Pflanzen so robust wären, dann wäre gärtnern ein Kinderspiel.
    Gerne würde ich mit dir hoffen... alleine, mir fehlt der Glaube... Die Menschen sind so mit sich und ihrem Leben beschäftigt. Sich um Politik zu kümmern, das ist fast schon Luxus.

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  6. Nochmal erinnert: hier kann man gegen TTip unterschreiben: https://www.campact.de/ttip/appell/teilnehmen/
    ... und zumindest ein Statement setzen, auch wenn einem angesichts dieser Unglaublichkeit und der gefühlten Machtlosigkeit manchmal wirklich die Resignation anfallen möchte.
    Die Melde wächst hier zumindest noch wild und ich hoffe auf ganz viele Pflanzen, die auf einmal wieder wild wachsen, bevor die Industrie rund um Monsanto sie in Zusammenarbeit mit den speichelleckenden Politikern ausgerottet haben.
    Volksvertreter stimmt insofern schon, als sich eben nicht Millionen engagieren, damit die Industrie nicht die Macht über unsere Ernährung und damit unser Leben übernimmt, sondern nur Hunderttausende... weil die Millionen lieber den Kopf in den Sand stecken und munter bei den Großkonzernen weiter einkaufen - insofern sind sie durch die Politiker doch ganz gut vertreten...

    Herzlich, Katja
    ... die immer ganz frustriert darüber ist, wie gering auf einmal deine Kommentarzahl ist, wenn es nicht ausschließlich darum geht ein Rezept lecker zu finden, sondern Stellung zu beziehen...

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    1. Wobei ich sogar manches (schlechtes) Kaufverhalten verstehe. *Erst kommt das Fressen, dann die Moral* - da stimme ich Brecht völlig zu. Und dann ist vermutlich egal, ob genmanipuliert, verchlort oderoder... Nur bin ich mir GANZ sicher, dass Monsanto im Sinne des herrschenden Hungers diese Welt um keinen Jota verbessert - im Gegenteil! Obendrein ist die Welt ein großes ZUSAMMENHÄNGENDES Ökosystem. Mit den Eingriffen selbst im Kleinen ergeben sich unvorstellbare Konsequenzen. Und dieses Dilletantisieren halte ich für lebensgefährlich - für diesen Planeten.

      Danke dir fürs Mitstreiten, mit herzlichen Grüßen zurück

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  7. Als Konsument hat man so viel selbst in der Hand, wenn man denn will. Leider verhalten sich viele wie willenlose Schafe und erkennen das große Potenzial nicht, das in Summe durch viele Einzelne zustande kommen könnte. Somit bleibt nur übrig, sein eigenes Konsumverhalten zu überdenken und darauf zu hoffen, dass andere dadurch inspiriert werden!
    Kämpferische Grüße, Alpenveilchen

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  8. Siehst du, es gibt zum Glück doch Menschen, welche sich Gedanken machen. Bei Campact haben wir schon lange unterschrieben. Das Konsum-Verhalten ist ausschlaggebend. Bei meinen Kochkursen wird über dieses Thema oft diskutiert.

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