Sonntag, 22. Februar 2015

Hotspot an: Tatin d'échalotes

Ob Akelei, Siefmütterchen, Küchenschelle oder Sonnenhut, es gibt viele Blumen, die nicht gemacht sind für die große Solokarriere auf der Bühne, aber soviel Freude aus der zweiten Reihe verbreiten, dass ich mir unseren Garten ohne sie nicht vorstellen könnte. Was sie wiederum mit fast allen bunten Artgenossen eint, ist, dass sie in Feldern zusammengepflanzt, am besten ihre Wirkung entfalten können.

Womit wir bei einer ähnlichen Gemüsegruppe angekommen wären, den Zwiebeln. Selten, ganz selten Solokünstler und doch fängt fast jedes Kochen mit dem Anschwitzen kleingewürfelter Zwiebeln an. Und kaum ist ein anderes Gemüse mit in der Pfanne, fällt das ganze Rampenlicht dorthin und die Zwiebel verkümmert zum Steigbügelhalter.

Hotspot an also für die Zwiebel, beziehungsweise die Schalotten, Hauptakteure, die in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt werden. Hier gabs bereits eine Quiche damit, dort begleitende Sherry-Schalotten, eine Pasta oder auch ein Gratin. Alles fein. Der besseren Verdauung zuliebe sollte man darauf achten, dass die Zwiebeln nicht zu lange gelagert wurden und bereits anfangen zu treiben.

Schöner wäre diese Tarte Tatin geworden, wenn ich mich für Tartelettes erwärmen hätte können. Aber es mußte schnell gehen, alors, so wurde es eine Form von 20cm Durchmesser für uns beide. Köstlich wurde sie, mit ihrem knusprigen Boden. Entgegen der allgemeinen Vorliebe im französischen Netz hier wiederum für eine pâte feuilltée - bei der Tatin mit Äpfeln herrschte ja große Willkür ob pâte brisée, sablée oder feuilltée - entschied ich mich für die pâte brisée, also den salzigen Mürbteig (am Schluß ja auch erste Wahl für die mit Äpfeln). Dazu der milde Geschmack der gut gegarten Zwiebeln, das feine süß-saure Karamell mit der Thymiannote... ein Gedicht. Die gibts genauso wieder mit den ersten, jungen Knoblauchzehen in Tarteletteform - als Angeber-Vorspeise für ein Frühlingsmenu fest notiert.
Zutaten - moule à manque (oder Pfanne) von 20cm Durchmesser:

pâte brisée
140g Dinkel 630
50g Einkorn-Vollkorn
(oder 190g Weizenmehl)
90g Demi-Sel Butter
1 EL Balsamico, bianco
etwas kaltes Wasser

500g Schalotten
1TL Öl
30g Butter
2-3 EL Zucker
2 EL Balsamico (m: zur Hälfte die Reduktion)
Salz, Pfeffer
4 Zweige Thymian
100ml Gemüsebrühe

Butter für die Form
Zubereitung:

Aus den Zutaten für die pâte brisée zügig einen homogenen Teig herstellen (wie hier beschrieben), in Folie packen und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Die Schalotten schälen. Das Öl zusammen mit der Butter schmelzen lassen und die Schalotten bei mittlerer Hitze fünf Minuten braten. Den Zucker dazustreuen, die Thymianblättchen zufügen, dan Balsamico anschütten und weitere 5min dünsten. Salzen, pfeffern. Die Gemüsebrühe nun ebenfalls zufügen, den Deckel auflegen und die Schalotten bei sanfter Hitze ca. 45min garen - die Flüssigkeit sollte währenddessen auf etwa 3-4 EL einreduziert sein. Etwas abkühlen lassen.

Die Form buttern.

Den Backofen auf 220° O/U-Hitze vorheizen.

Auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche den Teig rund (etwa 24cm Durchmesser) ausrollen.

Die gegarten Schalotten samt ihrer Reduktion auf dem Tarteboden schön verteilen. Den Teigdeckel auflegen und den Rand ringsherum nach unten krempeln. Mit einer Gabel mehrfach einstechen.

Auf der zweiten Schiene von oben einschieben und in etwa 30min knusprig backen.

Tarte stürzen und eventuelle Hänenbleiber zurück an ihren Platz setzen.

Kommentare:

  1. Bei uns dürfen die Zwiebeln auch sehr gerne eine Hauptrolle spielen :-) nur als Teamplayer sind sie viel zu schade. Die Tarte sieht wunderbar aus!

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  2. Welch Freude, erblicken meine Augen bei dir doch heute auf den Sonntag keine süsse, sondern eine herzhafte Tarte. Entzückte Grüsse und einen schönen Sonntag ;-)

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  3. Kenne ich nur mit Schalotten und Speckwürfeln, das war aber vor langer Zeit, als ich mit den umgedrehten Tarten noch auf Kriegsfuss stand.

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  4. Deine wunderbar eleganten Futterbilder begleiten mich jetzt schon durch über eine Woche Grippe...so nahrhaft..

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  5. Herrlich, ich schmachte gerade deine wunderbar karamellisierten Zwiebeln an - haben will :-)

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  6. oh fein, Micha! vor ein paar Tagen tüftelte ich eine Stangensellerie Tarte Tatin aus, als Miniaturausgabe(n) wäre sie sicher auch noch schmucker geworden, aber lecker wars! Bei der nächsten Runde teste ich mal deine Einreduktionszubereitungsweise, die gefällt mir.

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  7. @Britta: Merci liebe Britta! Wobei ich wenige kenne, die ähnlich gruppenkompatibel sind wie Zwiebeln. Auch ne RIESEN Eigenschaft ;)

    @Sabine: Ein Kuchen für Herzhafte wie dich!

    @Robert: Das ist dann aber schöm Äonen her. Wer Sojasauce Balsamico vorzieht, könnte auch diesen für ein ähnlich, optisches Ergebnis verwenden.

    @Ilse. Ach, das nenne ich ja ein echtes Doppelkompliment - erkältet ist man doch zumeist appetitlos! Gute Besserung, liebe Ilse!

    @Petra: Ich hätte vielleicht noch *gästetauglich* à la *Chili & Ciabatta* vermerken sollen ;)

    @Julie: Tarte Tatin Tartelettes sind natürlich besonders zierlich - der Geschmack bleibt der gleiche. Und die Reduktion habe ich gerade am Wochenende wieder hergestellt - noch gibt es schöne Saftorangen!

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