Sonntag, 17. Mai 2015

Gartenphilosophie: Mangold-Wickel mit Möhrensauce

Was gibt es alles an Sinnsprüche über den Garten und das Gärtnern?! Und sie stimmen alle. Überhaupt kann - wer will - viel vom Großmeister Garten lernen. Nirgendwo sonst kann man die Schule des *Sich-vertraut-machens* hautnaher erleben als dort. Man zähmt sich à la Saint Exupérys Geschichte ein Stück Land. Und verwächst damit.

Ich weiß genau, an welcher Stelle des Gartens die Maiglöckchen aus der Erde hervorkommen werden. Wo die Pfingstrosen sich über den Winter unsichtbar machen, wird ihr Platz bis zum nächsten Auftreten frei gehalten. Und ich kann punktgenau sagen, wo der Anis oder der Liebstöckel wieder zum Vorschein treten... uswusf ...

Jahr für Jahr überschaue ich die Entwicklungskreise meiner Zöglinge. Stecke Samen in den Boden und kenne ihr Erscheinungsbild von den ersten zarten Blättern, bis zur Blüten, den Früchten und den Samenständen. *Pffff* schnaubt es in mir öfters, *Erziehung*. Aus einer Tomate wird niemals nie ein Apfelbaum und aus einer Akelei kein Radieschen. Ein bißchen in Form stutzen, regelmäß besuchen mit der Gießkanne, eine Schippe Mist an die Füße zur Unterstützung, klar, und das Unkraut ihnen etwas vom Leib halten, das vermag man wohl alles zu tun. Am Samen, am Wesen wird sich grundlegend niemals nix ändern (zum Thema *propfen* und *veredeln* komme ich dann in Gartenphilosophie II ;)

Kann man sich einen Menschen je so vertraut machen wie eine Pflanze aus dem eigenen Garten? Der einzige menschliche Entwicklungszyklus, den man von Anfang bis Ende miterlebt, ist der eigene. Und von der Kindheit bleiben oft nur schemenhafte Stimmungsbilder. Daher brenne ich für die für mich bewegenste aller Phänomenologien: die Homöopathie. Was habe ich mich in der Bildhauerei an Köpfen und Gesichtern abgemüht, um etwas Inneres nach Außen zu transportieren. Und wie schnell kann man dann auf die Abwege der Details, auf Schleichwege geraten wie etwa Lavater mit seiner Physiognomik (die so wahrscheinlich sind wie Wettervorhersagen). Dass man anhand von Menschenbildern, den Konstitutionsmitteln, zu menschlichen Samen vordringen kann, dass es erkennbare, wesentliche Unterschiede gibt, finde ich zutiefst faszinierend. Es setzt eine bestimmte Art des (Ein)denkens voraus - was nicht jedermanns Sache ist. So, wie vielleicht halt auch nicht jeder eine Fuchsie von einer Freesie unterscheiden können will...

Zurück zu meiner Blume unter meinem Gartengemüse, dem Mangold. Die Päckchen geben nicht nur ein hervorragendes Mittagessen, sondern eignen sich ebenso für jedes Buffet, da sie sich - formstabil wie sie sind - super mit den Fingern essen lassen und auch kalt noch schmecken.
Zutaten 2P:

Füllung
100g Bulgur, grob (m: Einkorn-Bulgur)
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Ei
50g geriebener Comté
(25g, getrocknete Tomate, nicht in Öl/ optional
1/4 TL Fenchel, gemahlen
1/2 TL Koriander, gemahlen
1 EL Minze, frisch
25g Pinienkerne, gehackt
Harissa
Salz, Pfeffer

10 Mangoldblätter
(oder mehr - je nach Größe)
80ml Gemüsebrühe

Sauce:
1 Schalotte
3 Möhren
50ml Gemüsebrühe
70ml  Kokosmilch
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1/2 TL Ras el Hanout

Zubereitung:

Den Bulgur mit kochendem Wasser übergießen und 15min zugedeckt ziehen lassen - dann abtropfen lassen. Die getrockneten Tomaten übergießen und 5min ziehen lassen. Dann abschütten und klein schneiden. Die Pinienkerne rösten und fein hacken.

Die Mangoldblätter waschen, den Stiel abschneiden und die Blätter in reichlich siedendes (nicht kochendes) Wasser geben - vom Herd ziehen und 3min ziehen lassen. Dann abschütten und mit kaltem Wasser abschrecken. Die Blätter vorsichtig auf einem sauberen Küchentuch ausbreiten und etwas abtrocknen. Die dicke Rippe entfernen, wie es Robert zeigt.

Die Zwiebeln und den Knoblauch fein würfeln. Die Mangoldstiele ebenfalls in kleine Würfel schneiden. In etwas Olivenöl in einer Pfanne zusammen andünsten. Die Zutaten für die Füllung miteinander vermischen und mit einem Eßlöffel portionsweise auf die Mangoldblätter verteilen und einwickeln. In eine Gratinform setzen, mit Gemüsebrühe übergießen

Den Ofen auf 180 (O/U-Hitze) vorheizen und für 15min  in den Ofen schieben.

Währenddessen die Möhrensauce zubereiten. Die Schalotte fein würfeln, die Karotten schälen, halbieren und in kleine Stücke schneiden. Die Schalotte in Olivenöl anschwitzen, die Karottenwürfel dazugeben, ebenso die Prise Zucker und nochmals 3min braten. Die Gemüsebrühe samt Kokosmilch anschütten, den Deckel auflegen und gut weich garen. Mit einem Zauberstab pürieren und mit Salz, Pfeffer und Ras el Hanout abschmecken (sollte die Konsistenz nicht stimmen, entweder noch etwas einköcheln lassen oder etwas Kokosmilch anschütten).

*Anmerkung m: Bereits zum zweiten Mal zubereitet - ein Mal mit, ein Mal ohne getrocknete Tomaten

Kommentare:

  1. ich freu mich sehr über dieses rezept, denn der hübsche bunte mangold findet sich auch immer in meinem - nicht gemüselastigen - garten. den fressen die wühlmäuse nämlich nicht!! außerdem liebe ich flammkuchen mit mangold.
    und wie gut, dass das rezept veggie ist - bei dem anblick auf einen blatt...
    schönen sonntag!

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  2. Danke für dieses tolle Rezept! Ras el Hanout ist ein klasse Gewürz und ich kann es mir richtig gut in dieser Kombination vorstellen. Mit Mangold habe ich noch gar nichts gemacht, muss ich ganz offen sagen... doch das werde ich dank dir recht bald ändern ;-)


    Liebe Grüße,
    Janne von meeresrauschen

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  3. Das (Balkon-)Gärtnern fangen wir gerade erst ganz vorsichtig ein (= ein Mehrfach-Kübel mit Gurken und Kräutern) – von dem, was Du da schreibst, habe ich also allenfalls eine vage Idee. Aber so hübsch, wie's ausschaut, und so lecker, wie's sich liest, sollte bunter Mangold im ersten großen Garten unbedingt von der Partie sein; Karotten sowieso.
    Schönen Sonntag!

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  4. Wunderschöne Bilder und wunderschöne Worte - vielen Dank für beides :) Mein Garten ist leider noch sehr jung und ich stümpere vor mich hin und spüre noch nicht viel Bindung. Gerade eben bereue ich keinen Mangold gepflanzt zu haben...
    Liebe Grüße und schönen Sonntag noch,
    Carla

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  5. Ein Augenschmaus, mal wieder, das schöne bunte Gemüse auf dem Blütenteller...

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  6. @Mano: Herje, was bin ich froh, dass wir keine Wühlmäuse haben. Nicht dass Schnecken, Schildläuse, Mehltau geliebtere Gegner wären, aber ja, der Mangold breicht recht unbehelligt. Abgesehen von Schneckenbesuchen...

    @Janne: Nich? Ras el Hanout ist auch eines meiner Lieblingsgewürze! Mangold habe ich erst in F richtig kennengelernt. Und weil er so ein robustes Gartengemüse ist, lernte ich ihn auch mit deshalb schätzen...

    @Charlotte: Selbst als ich nur eine kleine Loggia hatte, konnte man sich dort kaum noch drehen vor lauter Blumen. Ach, das war wie eine kleine, grüne Oase - die mochte ich auch gerne...

    @Carla: Garten ist eine endlos Wissenschaft. Vermutlich geht die Lehre lebenslänglich - und jedes Jahr bringt neue Erkenntnisse. Auch was das Wohl der Pflanzen angeht. Hey, und Mangold kannst du jetzt auch noch säen ;)

    @Ilse: Gell, andere würden sich ihre Briefmarkensammlung zeigen, bei uns würden die Teller hin und her gereicht :)

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  7. Wow, das sind mal leckere Krautwickel - ohne Kohl und Hackfleisch (bähhhh), sondern mit Mangold und Bulgur. Da würde ich ordentlich zulangen, hehe.
    Liebe Grüße,
    Ela

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  8. Ohhh... so ein schöner Post <3
    Ich bin gerade noch in der Lernphase. Nachdem ich letztes Jahr ab Ende April erst unseren Garten "kennengelernt" habe, sind mir in diesem Frühjahr noch ein paar Frühblüher etc. über den Weg gelaufen...
    Und mit der Aussaat von Blumen hab ich noch so meine Probleme... ist das nun Unkraut - oder die Blume :-D
    Aber das Lernen macht ja auch so Spaß...

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  9. Allein die Farben des Mangolds sind ja schon himmlisch! Und ich bekomme immer _IMMER!_ Hunger & Appetit, wenn ich deinen Blog besuche ;)
    Liebe Grüße von Tine

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  10. Einen Menschen so vertraut machen wie eine Pflanze aus dem eigenen Garten? Ich will glauben, dass es geht. Schön wär's, zumindest :-)
    Deine Bilder sind so schön ...

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  11. Buntes Blumengemüse, das gefällt mir! Mangold ist auch einer meiner Liebsten und ihn direkt im Garten zu pflücken muss ein unglaublich schönes Gefühl sein.

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