Samstag, 23. Mai 2015

Mistral-Konter: Minestrone mit Spinatnocken

Der Mistral pfeift um die Ecken. Man vergißt ihn gerne, wie Wind im allgemeinen gerne gedanklich unter den Teppich gekehrt wird. Aber der Mistral kann dir hier auch im Hochsommer die Unterhose ausziehen.

Ach, da fällt mir ein, wie mich einst ein Verflossener umschwärmte, mit ihm Surfer-Urlaub auf Teneriffa zu machen. Nun, viel hat es an Überredungskünsten nicht benötigt: knackigen Jungs beim Wassersport zugucken... da gibts Schlimmeres, dachte ich mir. Und ich muß beim Schreiben bereits über mich selber lächeln. Ich sehe es genau vor mir, wie wir uns am ersten Tag für den Strand rüsteten: er das Surfbrett, ich das komplette Strand-Equipment von Handtuch, Sonnenbrille, Buch, Crème uswusf. Während er mit Karacho auf dem Wasser davonsauste, war ich schon eingedünt, bevor ich mir das Handtuch glatt hinlegen konnte - was ob der steifen Prise eh ein Kunststück war. Die Haare wild im Gesicht, die Sonnenbrille sandgestrahlt mit knirschenden Geräuschen im Mund, kauerte ich mich schutzsuchend hinter einen Felsen, während meine Vorstellung von unserer ersten gemeinsamen Reise von Windstärke 7 mitgenommen wurde. Seither bin ich vor so Köderworten wie *Surf-Urlaub* gewappnet, handelt es sich dabei nicht um Wellenreiten...

Auch dort hätte mir nach einer Weile ein aufwärmendes Süppchen gut getan. Klare Suppen ißt man eh viel zu wenig. Als ich dieses Foto sah, war es direkt um mich geschehen - wie appetitlich in Szene gesetzt (mein Foto muß sich da deutlich hintenanstellen). Reisförmige Nudeln hatte ich außerdem übrig. Gut, war sie, die Suppe, auch wenn mir als Suppeneinlage Nocken mit Grieß (wie hier) mit ihrer festeren Konsistenz besser gefallen.

Zutaten 4P:

Nocken*:
1 Zwiebel, fein gewürfelt
2 EL Olivenöl
350g Spinat, frisch
150g Ziegenfrischkäse
50g Parmesan, gerieben
100g Mehl
2 Eier
Salz, Pfeffer
Muskat

400g Saubohnen (Erbsen)
400g Möhren (m: bunte)
120g Staudensellerie
3 Knoblauchzehen
350g Tomaten, geschält (Dose) 
(m: 4 EL ofengeröstete Tomaten 
und einige confierte Kirschtomaten aus der Tiefkühle)
60g Puntalette (Nudeln in Reisform)
1 Lorbeerblatt
(m: einige Zwiege Zitronenthymian
ein Blatt Liebstöckel)
100ml Weißwein
(m: 1 Schluck Noilly Prat)
2 Stiele Basilikum
1/2 Orange, die Zesten davon
1 l Gemüsebrühe 
etwas Parmesan zum Anrichten
Zubereitung:

Die Zwiebeln im Olivenöl glasig dünsten. Den gewaschenen und von seinen Stielen befreite Spinat zugeben und abgedeckt bei niedriger Hitze garen, bis er zusammenfällt. In ein Sieb geben, abtropfen und auskühlen lassen. Den Spinat gut ausdrücken und fein hacken. Mit RiZiegenkäse, 50 g Parmesan, Mehl und Eiern zu einer zähen Masse verrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss kräftig abschmecken. Die Spinat-Ricotta-Mischung etwa 20 Minuten quellen lassen.

Bohnen 3 Minuten in Salzwasser kochen, danach sofort in Eiswasser abschrecken. Die Bohnenkerne aus der Hülle drücken und Möhren schälen. Den schlankeren Teil jeweils etwa 1 cm groß würfeln. In den dickeren Teil längs mehrere Keile schneiden, danach in ca. 8 mm dicke Scheiben schneiden (m:dünnere), sodass Blumen entstehen. Den Sellerie putzen und 1 cm groß würfeln (m: kleiner). Knoblauch pellen und in Scheiben schneiden. Tomaten würfeln, dabei die Flüssigkeit auffangen (m: Ofentomaten aus dem Glas und eingeforene Kirschtomaten verwendet). Die Nudeln in Salzwasser nach Packungsanweisung bissfest garen, kalt abspülen und abtropfen lassen.

1 El Öl in einem breiten Topf erhitzen. Knoblauch, Möhren, Sellerie und Lorbeer 5 Minuten bei niedriger Temperatur dünsten. Weißwein, Thymian, Liebstöckel und Basilikum zugeben, weitere 5 Minuten dünsten. Dann Brühe, Tomatenwürfel und -saft (m: Ofentomaten) zugeben, kurz aufkochen lassen. 5 Minuten köcheln lassen. Nach 2 Minuten Bohnen (m: Erbsen sowie Kirschtomaten) zur Suppe geben.

Inzwischen in einem großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen. Mit 2 Esslöffeln Nocken aus der Spinatmasse formen. Im siedenen Salzwasser ca. 5 Minuten garziehen lassen, bis sie an die Oberfläche steigen. Dann mit einer Schaumkelle herausnehmen.

Nocken und Nudeln in tiefen Tellern anrichten. Darüber die Suppe geben. Mit dem restlichen Parmesan bestreut servieren.

*Anmerkung m: Für uns die Hälfte zubereitet und selbst dann sind es sehr viele Nocken. Als Suppeneinlage reichen sehr gut auch die Hälfte davon für 4 Personen. Anstelle von Ricotta verwendete ich Ziegenfrischkäse - der ist fester, daher brauche ich weniger Mehl. 

Kommentare:

  1. Bitte einen Löffel! .....möchte ich rufen, wenn ich diese leckere Suppe sehe :) Aber da bleibt mir der Schnabel trocken ;) Werde ich sie mir wohl selber kochen müssen....

    PS: Dein Geschichtchen fand ich wieder sehr amüsant. Gerichte mit Geschichte - ich mag das. Vor allem, wenn es so leichtfüßig erzählt wird. Eine Gabe!

    Liebe Grüße *Hanne*

    AntwortenLöschen
  2. So eine Suppe mit richtig viel drin, die esse selbst ich bekennende Suppen-Kasperin....

    AntwortenLöschen
  3. Spinat, Ziegenfrischkäse und Parmesan in Nockenform, da bin ich sofort dabei. Überhaupt bin ich Suppennockerlfan, allerding der einzieg in der Familie. deshalb gibt es Nocken für mich immer Mittags, wenn am Vortag beim Kochen Suppe abgefallen ist und es für das Kind sowieso Gruselschulkantinenconvenience gibt...
    Ich finde nicht, dass sich dein Foto da hintenanstellen muss - ich mag es.
    Den Sand zwischen den Zähnen mag ich allerdings auch nicht, wenn auch den zwischen den zehen... solange ich nicht eingecremt bin. Mistral durfte ich in Südfrankreich zwei Mal erleben und fand ihn nicht so prickelnd. Allerdings hat man danach weiche Haut, da sandgestrahlt. Und selbst hier bekommen wir davon öfters noch was mit, wenn der Wind den Sand bis nach Franken weht.

    Herzlich, Katja

    AntwortenLöschen
  4. Widerspruch, liebe Micha! Dein Foto muss sich nicht im geringsten hinten anstellen, im Gegenteil, noch bevor ich deinen Text gelesen habe, sprach mich das mundwässernde Foto an. Bei uns gab es heute auch eine Minestrone, allerdings nicht so farbenprächtig wie bei dir.

    AntwortenLöschen
  5. @Hanne: Wer so zauberhafte Komplimente macht, mit dem würde ich auch ohne Umschweife meine Suppe teilen :)! Merci für deinen Kommentar!

    @Anne: Lange habe ich auch gesagt, ich esse mich lieber an *was Richtigem* satt. Aber Suppe macht immer so ein gutes Bauchgefühl - da überredet der Bauch den Kopf ;)

    @Katja: Ihhhh, wenn eingecremt der Sand zwischen Zehen und Fingern zum Schleifpapier wird, das kann ich auch nicht ab. Und eigentlich mag ich die Kombi Wind und Meer. Nur Sturm, wenn man Sonnenbaden im Kopf hat, das geht einfach nicht zusammen. Und der Mistral scheint sich ausgepustet zu haben - das trocknet zu dem den Boden so aus. Jetzt darfs gerne wieder wärmer werden...

    @Sabine: Jaha, da merke ich doch sofort, dass du in F wohnst - die hier können das einfach mit der Coquetterie :)

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...