Dienstag, 15. März 2016

Kinners - lieblicher Zwiebelkuchen

Kinder, was Kinder! Die Brüste noch nicht ganz entwickelt haben die madagassischen Mädchen bereits ein Kind auf den Hüften sitzen. Was nicht zwingend der schlechteste Lebensentwurf sein muss. Ihr kennt den Kalauer mit "wir hatten ja sonst nix, es gab ja noch nich mal Fernsehen"... ich fürchte, da könnte was dran sein. Ein madagassisches Sprichwort lautet: Auf dass ihr viele Kinder bekommen werdet, so wird auch ein gutes darunter sein. (Tja, Kinder sind auch nur Menschen). Wie ambitioniert man das angehen kann, erzählte uns eine Madagassin, die uns von 15 Geschwistern und Halbgeschwistern berichtete, von denen sie SICHER weiss.

Dementsprechend wurde mir die Frage gerne gestellt, ja wieviele Kinder ich denn hätte. Auf meine Zero-Antwort erntete ich erschütterte Gesichter und konnte den Gedanken, den sie dabei hatten, förmlich auf der Stirn lesen: "Du liebe Güte, die Alte ist unfruchtbar." Selbstgewählt, ja - für Europa gar nicht mal so ungewöhlich. Die große gemeinsame Schnittmenge, die das Kinderkriegen mit Überraschungseiern gemein hat, flößte mir eben schon immer Respekt ein. Nur dass der eine Drops deutlich schneller gelutscht ist.

Wer kann mir grantieren, daß gerade mir eines der guten Kinder zugeteilt wird? Rein erbtechnisch kenne ich meine Mischpoke und weiss daher nur zu gut, dass ich Genies und Prinzessinnen rausstreichen kann. Und dann wird man nun auch nicht jünger und kennt das ein oder andere Kind, das seine Eltern vor sich her züchtigt und deren Leben nur in sehr wenigen Momenten schöner gestaltet. Nicht verschweigen kann ich an dieser Stelle die wirklich unzähligen Kinderheime in Madagaskar (wobei das der Armut geschuldet ist - vermute ich. Und dem Zinnober (für Homöopathen)).
Ausserdem glaube ich, dass man fürs Kinderkriegen eine gute Portion Unbedarftheit, sowie Glaube an die Menschheit sowie an die Zukunft dieses Planeten mitbringen sollte. Bref, man sollte deutlich jünger als ich sein. Versteht mich nicht falsch. In die ebenholzfarbenen Kleinen mit ihren Raussteh-Bäuchlein und Popos und den Kraushaaren MUSS man sich verlieben. Die sind wirklich Zucker! Nichts hübscher, als die spazieren zu tragen. Nur weil ich mich in diesem Leben dagegen entscheide, fange ich im nächsten vielleicht richtig früh damit an und fülle walldorfschulenmäsig einen ganzen handgedrechselten Holztisch mit Sprösslingen - dann sollte auch ein gutes drunter sein...

Für eben einen solchen Tisch voller Kinder/ Besucher/ Verwandte/ Freunde bietet sich Zwiebelkuchen an. Der ist schnell gemacht, kostengünstig, macht alle satt und spricht stets meine badischen Wurzeln an. Dieser Zwiebelkuchen aus *Deutschland vegetarisch* ging bereits durch die Küchen der Foodies (s. Kathi oder Ulrike) - völlig zurecht: eine sehr schöne Variante, für die ich mein Ofenapfelmus mal wieder als Gewürz einsetzen konnte.

Und, ähm, ja, tatsächlich, DIESES Vorurteil bestätigte sich: Quengelei ist eine Erfindung der weißen Kinder. 
Zutaten:

Teig:
20g Hefe
1 TL Zucker
2 EL Sonnenblumenöl
1 TL Salz 
100g Dinkel-Vollkorn
250g Dinkel 1050
Mehl für die Arbeitsfläche

Belag:
800g Gemüsezwiebeln
3 EL Sonnenblumenöl
1 TL Kümmelsaat, feinst gemörsert
Pfeffer, Salz
1 TL Zucker
200 ml Apfelsaft (m: ca. 150g Ofenapfelmus)
2 Eier, Größe M
100g Allgäuer Bergkäse, gerieben (m: Comté)
200g saure Sahne (m: Crème fraîche)
1EL Kartoffelmehl
1/2 TL Majoran, getrocknet

Zubereitung:

Für den Teig:
Hefe unter Rühren in 200 ml lauwarmem Wasser (m: etwas mehr wg Vollkorn) mit 1 TL Zucker ganz auflösen. Mit 2 EL Sonnenblumenöl und 1 TL Salz zum Mehl geben und rasch zu einem glatten Teig verkneten. Teig auf einer leicht mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche 5 Minuten kräftig durchkneten. Teig in einer Plastikschale mit Deckel über Nacht im Kühlschrank gehen lassen.

Für den Belag:
Für die Zwiebelmischung Zwiebeln in feine Streifen schneiden. 3 EL Sonnenblumenöl in einem Bräter erhitzen. Zwiebeln mit Kümmel hineingeben, mit Salz, Pfeffer und 1 EL Zucker würzen und bei mittler Hitze 15 Minuten hellbraun schmoren (K: wurde bei mir nicht hellbraun). Mit Apfelsaft ablöschen und kurz kochen, bis die Flüssigkeit verdampft ist. Zwiebelgemüse beiseite stellen und abkühlen lassen.

Käse reiben, Eier mit saurer Sahne und Kartoffelmehl glatt rühren und mit den abgekühlten Zwiebeln und dem Käse vermengen. Majoranblättchen abzupfen und unterrühren. Mit Salz und Pfeffer kräftig würzen.

Teig aus dem Kühlschrank nehmen und auf einer leicht mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche zu einem Rechteck von etwa 30x40 cm ausrollen. Auf ein Blech mit Backpapier legen und rundherum einen Rand formen. Zwiebelmasse gleichmäßig darauf veteilen. Im heißen Ofen bei 220°C auf der ersten Schiene von unten 25-30 Munten backen. Wenn gewünscht mit frischen Majoranblättchen dekorieren.
Quelle: Stevan Paul, Katharina Seiser - Deutschland vegetarisch

Kommentare:

  1. Mal wieder: danke für deine Worte! Ich glaube, neben der Quengelei der Kinder kommen dann noch die Eltern dazu, die Zwiebeln verbannen wollen, weil die Kinder davon Blähungen bekommen könnten oder oder oder... Dabei finde ich, dass die Zwiebeln wunderbar zart werden, wenn sie wie hier so schön karamellisiert werden.
    Liebe Grüße, Miriam

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  2. Ach ich kann dich gut verstehen.... in meiner Jugend (ups, das ist auch schon verdammt lang her) wollte ich 5 (!) Kinder haben, geworden ist es eines und das auch erst recht spät. Glück hatte ich dabei auch noch, denn trotz aller Problem und Hindernisse, habe ich ein echt gutes Exemplar erwischt!
    Aber ob ich mich heute nochmal so entscheiden würde, weiß ich echt nicht....
    Zwiebelkuchen dagegen lieben wir alle sehr und auch Junior langt immer kräftig zu. Ihm ist Quengelei fremd, da ich das hasse, habe ich es von Anfang an schlichtweg unterbunden, so einfach kann das sein!
    Liebe Grüße
    Trudi

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  3. Liebe Micha,
    vielen Dank für das köstliche Rezept, Deine Reiseberichte mit immer tollen Fotos im Allgemeinen und den aktuellen madagassischen ganz besonders. Deine Worte zur Kinderfrage haben mich bewegt, insbesondere, dass Du als reflektierte, mutige Frau den "Überraschungsei-Effekt" als einen Grund dagegen angegeben hast. Ich, leider eher ängstlich und wenig entschlussfreudig, habe mich jahrelang an der Frage aufgerieben (eine eigene unglückliche Kindheit incl. unzufriedener Mutter führte in meinem Fall wohl hauptsächlich zu ambivalenten Gefühlen bezüglich eigener Mutterschaft). Naja, kurzum: Ich wollte dann doch, da optimaler potentieller Vater gefunden, "die Natur" war dann aber dagegen. Auch hier: Im nächsten Leben dann, früher und entschlossener... Vielleicht treffen wir uns bspw. auf dem Elternabend eines unserer (vielen!) Kinder ;-)?
    Alles Liebe und viele Grüße
    Ulli

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    1. Vielen Dank für deine Zeilen - über deine Offenheit habe ich mich sehr gefreut, das ist überhaupt immer ein schönes Feedback. Und ja, das mit der ewig unzufriedenen Mutter kommt mir SEHR bekannt vor - wohl ebenfalls ein natürliches Verhütungsmittel :)

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  4. Ich liiiebe Kinder - klar, deshalb hab ich ja drei. Bin jetzt aber ganz frisch und vernünftig auf Ziegen- und (bald) Schafbabys umgestiegen. Viel weniger Stress, keine schlaflosen Nächte und (fast) nur Sonnenschein (wenn`s denn so bleibt) und für die ist man niemals zu alt :D

    Ach ja, Zwiebelkuchen könnt ich jetzt gut vertragen!

    Liebe Grüße,
    Helena


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  5. Wenn ich es heute noch einmal wählen könnte, hätte ich keine Kinder mehr. Und das, obwohl mir sogar zwei der guten Kinder zugeteilt worden sind, sozusagen zwei Sechser im Lotto. In der heutigen Welt, wo es schon viel Optimismus braucht, um den Glauben an die Menschheit sowie an die Zukunft dieses Planeten nicht zu verlieren, finde ich die Entscheidung gegen Kinder durchaus in Ordnung. Meine beiden Söhne, mittlerweile in den Dreissigern, zögern aus diesen Gründen auch. Aber Deinen wunderbaren Zwiebelkuchen hätten beiden schon als (schwäbische) Kinder sicher sehr gern gegessen...ich auch ;-)

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  6. Ich bin todfroh, dass ich nie Kinder wollte, bin lieber die nette Tante. Deine Reiseberichte sind erschütternd.

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