Dienstag, 22. November 2016

Mal ehrlich - privates Foodbloggen

Tür auf für *Behind the scenes*:

Blog-Buddies (so nenne ich die Mädels einfach mal) machen sich gerade Gedanken zum Thema Ehrlichkeit/ Offenheit und Bloggen. Fee tut dies im Rahmen ihres Blog-Abc's, Inès ließ sich dazu von diesem Artikel anregen, um welchen auch Christiane nicht herum kam.

Ich bin ja bei Herrn Meschs Artikel über sein Fazit gestolpert, mit beiden Beinen: er wolle nicht *intimitätskleinlich* sein.  INTIMITÄTSKLEINLICH?!? Kinners, hackts jetzt total? Was soll das sein? Direkt auf Platz 1 der Unwörter des Jahres 2016 geschossen. Redet der von öffentlichem Toilettengang? Nur um mal das Spotlight voll draufzulegen: das ist eine Wortverdrehung. Für alle, die es nicht direkt erkannt haben: Intimität und Öffentlichkeit bilden ein Gegensatzpaar. Es gibt Intimität - und die findet für sich selbst statt oder zwischen einer erlesenen, exklusiven Auswahl an Menschen (meist sogar nur zwei) - und es gibt das, was darüber hinaus geht. Bestes Beispiel für mich, dass den Menschen so langsam wirklich nix mehr heilig ist. Dann könnten sie diese Grenze nämlich noch ziehen. Tsss, intimitätskleinlich...

Aber zu meiner Verbindung zu dem Thema.

Bon, Foodbloggen und Ehrlichkeit - eine einfache, überprüfbare Bruchrechnung könnte man denken. Funktionieren die Rezepte, dann stimmt das Geschreibsel. Meine Kochkünste stammen beginnenderweise und bekanntermaßen komplett aus dem Internet - wie offen gelegt verdanke ich meine Einstiegskenntnisse Foren und Kochblogs. So kams dann zum Seitenwechsel. Mit meiner *Gartenküche* bin ich *ideologisch* breit aufgestellt - damit grabe ich mir selbst keine Grube.

Anfangs (also als ich Kochblogs anfing zu lesen) waren Foodblogs nahezu reine Sach- und Fachblogs. Die Einleitung zum Rezept bestand aus einer Geschichte rund um Zutaten, Gericht und Herstellungsweise. Bei den guten Foodblogs, die mit den schönen Bildern und den tollen Rezepten, reichte durchaus ein Zweizeiler als Einstimmung.

Langsam entwickeln sich nun Mischformen. Und der ein oder andere rückt mit seinen Kochtöpfen mehr und mehr Richtung *Lifestyle*. Oder einfach *Vermischtes*. Da kanns dann schon mal Privater werden. Ich zähle mich ja zu den AFBlern - zu den Anonymen Food-Bloggern - jenen, die es tun und nicht gerne drüber reden. In meiner Selbstwahrnehmung macht das Foodbloggen eine einstellige Prozentzahl aus. Ein Foodblog gleicht schließlich keinem Tagebuch, eröffnet keinen Blick in geheime Gedanken. Hey, und was fange ich selbst mit meiner Flut an Essensbildern an? Nix. Was habe ich davon, wenn ich weiß, dass ich im April vor vier Jahren Spaghetti gegessen habe? Ihr könnt mir folgen. Brechen wir es runter auf das, was es ist: Grain de sel ist ein Online-Kochbuch.

Klar, immer wieder garniert mit eigenen Gedanken, mal allgemeingültiger, mal persönlicher - *Gerichte mit Geschichten*, meinte mal eine Leserin. Die schreibe ich aber gefühlt immer wie für eine Art Litfass-Säule. Für alle. Privat ist schließlich privat. Gelegentlich lasse ich durchs Schlüsselloch schauen: etwa beim Reisen.

Aber Butter bei die Fische: es gibt unterschwellig einen weiteren Grund, der mich diesen Foodblog starten ließ. Ein sehr privater - womit wir im Thema wären. Und irgendwie scheint mir jetzt ein guter Moment zu sein, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Die Liebesgeschichte, die schwer verliebte, des Habibs und mir fing mit unbeschreiblich häßlichen, äußeren Umständen an. Mit Rufmord. Eine Erfahrung, die ich niemandem wünsche und die absolut niederschmetternd war. Wir wurden als Paar auf alle denkbaren Weisen geschmäht und verleugnet:  ich wäre hörig, ich wäre nicht mehr Herr meiner selbst, hätte meine berufliche Karriere ruiniert, ich wäre einem Guru in die Hände gefallen (wir sind seitdem eine Zwei-Personen-Sekte ;), ich wäre an den Kühlschrank gekettet, würde auf dem Land verdicklichen, verschlampen und verdummen, während der Habib dem Teufel in Person einer jungen Frau erlegen wäre.. (als kleiner Ausschnitt - damit ihr nicht denkt, ich jaule auf wegen *Vaterkomplex*). Besonders verletztend und enttäuschend war, dass dies von einem Teil der Familie des Ex-Freundes ausging und von meiner biologischen Familie vorneweg der Zwillingsschwester mitunterstützt wurde. Warum? Ich verstehe es bis heute nicht. Nur will ich heute auch für unentschuldbares Verhalten keine Erklärungen mehr.

Ja, wir sind ein unkonventionelles Paar mit auffallendem Altersunterschied - aber *Hallo, ihr da draußen: das ist unsere Privat-Angelegenheit!* So what? Das müssen nur wie beide verstehen. Und wer dafür kein Verständis hat, sorry, der hat die Liebe noch nie erlebt. 

Nun erhalte ich über den Foodblog immer wieder sehr schönes Feedback. Wiederholend, wie schön doch mein Leben sein muß: dort zu wohnen, wo andere Urlaub machen, sich aus dem Garten ernähren zu können und winters immer soviel von der Welt sehen zu dürfen. Das ist mir eine Labsal - eine Labsal deshalb, weil es mir zeigt, dass dieser kleine Ausschnitt meines Lebens (Tellerfotos) im Internet ausreicht, um unsere Widersacher öffentlich Lüge zu strafen. Schön wäre es, wenn sie nach bald 12 Jahren über ihre Verleumdungen in Scham über sich selbst erwachen würden. Für mich selbst weiß ich, dass wir für unser jetziges, friedliches und harmonisches Leben unseren Preis bezahlt haben.

So, und wer sich noch privatere Geschichten von und mit mir wünscht, der muß bei uns schon Urlaub machen... Diese Begegnungen by the way sind für mich der schönste Mehrwert dieses Foodblogs. Das echte Leben - das persönliche, intime - findet für mich (trotz der Zeit, die ich in der Matrix verbringe inklusive den mitgenommenen Anregungen) dort statt, wo mir alle Sinne zur Verfügung stehen: außerhalb des Internets.

Kommentare:

  1. Micha... ach! Merci! Deine Gedanken zum Verhältnis des Privaten im Netz unterschreibe ich dick. Oft frage ich mich aber auch, ob uns allen ein bisschen mehr (nein: SEHR viel mehr!) Ehrlichkeit im Umgang miteinander nicht helfen würde. Wie oft wird etwas gesagt, getan, weil "man" es erwartet, weil es gut klingt – weil es vermeintlich vor Anfeindungen und Verletzungen schützt. Im Netz, "in echt"? Wie oft wird etwas NICHT gesagt oder getan, weil es keinen guten, also erwartbaren Eindruck machen würde, weil es angreifbar macht. In meinem familiären Umfeld spielt dieses "man" eine enorme Rolle, und ich bin immer wieder hin- und hergerissen zwischen dieser Vorstellung von richtig und falsch, mit der ich groß geworden bin, und dem, was mir selbst viel natürlicher und schlüssiger erscheint. Zwei Herzen schlagen, ach, ....!
    Ich denke, ich sollte den Kerl davon überzeugen, dass wir unser Mobil bald Richtung Frankreich lenken...
    Bisous!

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  2. die Wahrheit und nichts als die Wahrheit....besser geht gar nicht.

    Lg
    Dagmar

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  3. Ein wunderbares Posting!
    Noch ganz viel Liebe wünsch ich dir und dem Habib. :)

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  4. Bravo! Und nochmals Bravo!
    LG Karin
    Ps: eigentlich interessieren doch nur die Rezepte und Anregungen

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  5. Liebe Micha, du bist für mich ein leuchtendes Beispiel, von dem ich gerne erzähle. Es erging dir wie so manchem.Gefangen im Spinnennetz von Lügen deiner Schwester die sich dabei nie zeigt, mit beschränkten Eltern, einem sogenannten, aber zweifelhaften Freundeskreis, hast du dich aus der "Opferrolle" befreit. Nicht durch Aussitzen, Jammern und Klagen und ohne zum Täter zu werden hast du zu dir selbst gefunden. Du hast meine Hochachtung und bist mein Beispiel.
    Frieda

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  6. Grandios! So und nicht anders! Und weiter das Leben, das zwei Menschen sich wünschen, egal wen das stört oder wer sich zu- oder abwendet! Sante!

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  7. Bin mir sicher daß Du schon von familiensystemischen Zusammenhängen und deren potenziell destruktiven Auswirkungen gehört hast. Jedenfalls hast Du Dich gut aus diesen Fängen gelöst - nun fehlt nur noch die Vergebung als letzte Befreiung Deiner selbst. Dann ist wirklich Ruhe und Du brauchst darüber auch nicht mehr schreiben :-)
    Liebe Grüße,
    Björn

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  8. Den Artikel habe ich ehrlich gesagt (<- passt zu Thema ;-) ) nicht ganz gelesen, da er mir doch zu weitschweifig war.
    Aber Ehrlichkeit ist beim Bloggen ein wichtiges Thema, genau wie die Privatsphäre.
    Was die Ehrlichkeit der Rezepte angeht, ist es genau so, wie du schreibst: Wenn sie funktionieren, stimmt das Geschreibsel.Und das ist bei deinen Rezepten immer so!
    Bei der Privatsphäre muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich ziehe die Grenze beim Erzählen meiner Geschichten ganz klar an dem Punkt, an dem ich sie auch bei flüchtigen Bekannten auf der Straße ziehen würde. Wer private Details von mir wissen möchte, muss mich deutlich (!) besser kennenlernen :-)
    Aus der Tatsache, dass ich blogge, mache ich kein Geheimnis, aber ich hänge es auch nicht an die ganz große Glocke. Da ich es aber ja schon seit etlichen Jahren mache, weiß es auch inzwischen der gesamte Bekanntenkreis - und bei den Kollegen auf der neuen Arbeit hat es sich auch schnell herumgesprochen. Das ist für mich auch in Ordnung, da dort nichts steht, was ich ihnen nicht auch so erzählen würde.

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  9. Puh, schwere Kost, nicht wahr? Ich sag immer, was man bei mir lesen kann, kann wahr sein, aber auch erfunden, ist manchmal privat oder auch nicht, nur wer mich kennt, der sieht die Referenzen und kleineren und größeren Spitzen. Und wen kennt man schon online? Eben! Da komm ich doch mal lieber zu Dir zum Urlaubmachen :)

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  10. Zuerst folgendes: Für mich zählte dein Foodblog nie zu denen, die stumpf Rezepte posten und dazu nur ein bisschen was erzählen, damit es nicht zu langweilig ist. Ich hatte schon immer das Gefühl, hinter deinen Worten ein Gefühl dafür zu bekommen, was du für ein Mensch bist, was über die meisten Foodblogs, die ich kenne, weit hinausgeht. Sonst würde ich mir hier auch gar nicht alles anschauen. Ich würde mich übrigens sehr freuen, wenn ich es irgendwann mal schaffe, bei dir Urlaub zu machen. Auch wenn ich wahrscheinlich ein schwieriger Gast wäre ;)! Jedenfalls danke für deine Offenheit. Mein Bild von dir hat sie abgerundet, aber in keiner Form hat sie mich überrascht.

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  11. Deinen Blog lese ich deshalb (als einzigen Foodblog übrigens), weil er für mich eben kein reiner Foodblog ist - weil man spürt, dass da ein Mensch schreibt, den man wahrscheinlich im echten Leben mögen würde und dem man deshalb genug Vertrauen schenkt, um ihm zu glauben, dass das Essen wirklich schmeckt. Natürlich spielen auch da Projektionen mit hinein, schließlich kennt man als Leser eben nur das, was ein Blogger an Persönlichem über sich preisgibt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht immer leicht ist zu entscheiden, wie viel Privates, wie viel an Meinung, ja wie viel an letztlich "angreifbar Machendem" man in seinem Blog veröffentlicht. Mein Blog war ursprünglich auch mal als reine Plattform für meine Arbeit gedacht, aber er hat sich dann schnell anders entwickelt. Das war aber kein Kalkül, sondern ein Selbsteingeständnis. Nämlich, dass ich nicht gut darin bin, Dinge ohne Herzblut zu tun oder zu betrachten und auch nicht gut bin im nüchtern und distanziert Sein und damit, meine Meinung für mich zu behalten. Das ist nicht der Burner für Followerzahlen, aber anders kann und will ich es nicht. Gefühlte Authentizität macht für mich auch die Blogs anderer Menschen sympathisch - und die entsteht nicht durch Glätte und Perfektion, sondern durch das Gefühl, es mit einem Menschen zu tun zu haben, der mit ganzem Herzen bei der Sache ist - ob nun beim Fotografieren, Handarbeiten, Kochen oder Einrichten - mit Zweifeln, Begeisterung, Hochs und Tiefs, mit Straucheln, Humor und mit refelektierten Gedanken. Menschlich muss es sein, nicht perfekt. Intimes muss dafür aber nicht geteilt werden, denn für mich gibt es durchaus eine Grenze für Privates, das ich mit der Öffentlichkeit nicht teilen möchte und das ich vielleicht auch von einem Blogger nicht wissen möchte (zumindest nicht über einen Blog), weil ich das Gefühl habe, dass es mich nichts angeht. Dass das ein schmaler Grat ist, merke ich selbst immer wieder - Persönliches macht angreifbar. Aber wie du auch schreibst, führt es auf der anderen Seite auch zu Zustimmung, Zustimmung zum eigenen Lebensentwurf, zu persönlichen Entscheidungen und Gedanken, die manchmal wunderbarer Balsam für die Seele ist. Auch im echten Leben.
    Es tut mir sehr leid, dass ihr als Paar so grausame Verurteilungen erleben musstest. Viele Menschen, gerade aus der eigenen Familie, glauben aus besten Motiven heraus zu handeln, indem sie andere (auch vor sich selbst) "beschützen" wollen und überschreiten dabei jegliche Grenzen. Dass sie sich dessen oft nicht bewusst sind, macht das Ergebnis leider nicht weniger egoistisch motiviert und nicht besser - auch nicht für sich selbst, denn letztlich verliert man Menschen damit, dass man sie beschützen möchte, weil man denkt, man wüsste besser, was gut für sie ist als sie selbst. Das ist doppelt tragisch.
    Was ich eigentlich sagen wollte: ich lese deinen Blog gerne, weil er für mich eben kein reiner Foodblog ist und weil du ihn schreibst. Auch wegen deiner tollen Rezepte, aber das allein würde nicht ausreichen, mein Interesse über lange Zeit zu halten, denn dafür nehme ich Kochen dann doch nicht wichtig genug.
    Lieber Gruß,
    Katja

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    1. Ach Katja, da gäbs soviel für mich anzumerken an deine Gedanken, die mir so wert sind! Mir fällt auch direkt eine verstorbende Freundin des Habib an, eine, die wir beide sehr mochten wegen ihrer geraden Art, ihres Mutterwitzes und diesen ganz alten, fast schon vergessenen Sinnsprüchen. Sie meinte gerne: *Gut meinen, macht Herzen weinen* - darüber bin ich damals sehr gestolpert. Ist das doch eine *Verteidigung*, die man sehr oft hört und die ich selbst auch sehr gerne gezückt habe. Eigentlich ein *Alles-Entschuldiger*. Aber es gibt viele alte Sprichwörter, die in diese Richtung zielen: *Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht* oder *Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert*... Nun meine/ unsere Geschichte hat dennoch damit nix zu tun, sondern es handelt sich um eine andere Essenz des Handelns. Ich glaube, das schreibe ich dir aber in einer Mail, wegen - du weißt ja - *Intimitätskleinlich* ;)! Danke für deinen Kommentar, Katja! Das mit dem *echten Menschen* hinter einem Blog kann ich dir aber hier dirket zurück geben. Genau deshalb zählt *Raumfee* zu meinen Lieblingen. Vorneweg deshalb. Und auch, weil du Wildplfanzen so gut kennst ;) Ach, ich schreibe dir jetzt eine Mail...

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  12. Ich liebe deinen blog und er ist für mich seit geraumer Zeit eine Bereicherung, die ich mir mehrmals die Woche gönne. Gute und schön illustrierte Rezepte gibt es viele im Netz, aber bei dir ist jeder Besuch auf dem blog eine Inspiration in vielerlei Hinsicht. Ganz herzlichen Dank! Conny

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