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Montag, 17. April 2017

Die blaue Stunde - französische Linsensuppe mit Rosmarin, Kürbis und Mangold

Mit Einbruch der Dämmerung nach Sonnenuntergang beginnt das Zwischenreich von Tag und Nacht, lebt die blaue Stunde auf. Müßte ich mich entscheiden, zwischen der Zeit bevor die Dunkelheit die Farben schluckt oder dem Morgengrauen, dann mag ich das Warten auf den Sonnenaufgang mehr. Gerade jetzt im Frühling stimmen genau dann die Vögel ihr frohlockendes Konzert an - eine Ode auf jeden neuen, beginnenden Tag, eine Ermunterung für mich, es ihnen gleich zu tun. Den Blick in unser Tal habe ich in all den Jahren morgens am häufigsten fotographiert.

Es heißt, die kälteste Stunde ist die vor Sonnenaufgang. Eigentlich sehr symbolisch. Vielleicht ist es diese Hürde, die so viele Menschen vor *Bewußtheit*, dem hellen Licht, scheuen läßt wie ein bockiges Pony. Wohlwissend, dass Erkenntnis bitter schmeckt. Also deckt man sich lieber zu mit der Nacht, genießt den Dämmerzustand, zieht halbseidene Ahnungen, mit denen man ein wenig munkeln kann, vor. Oder - am beliebtesten - wickelt sich ein in trügenden, wogenden, verschleiernden Rausch. Gäbe es in mir nicht diesen brennenden Wunsch nach Klarheit, ich würde weder auf Drogen noch auf Alkohol verzichten. Warum auch? Wegen des schalen Geschmacks am nächsten Tag? Bestimmt nicht. Aber die Bereicherung, die mein Leben durch Klarheit erfährt, diesen offenbarenden Schein auf alle Erlebnisse, das allein ist es mir wert.

Ich schulde euch noch Rezepte aus meiner Rezension von Amy Chaplins *Celebrating Whole Food* (vom Verlag ein hübscher Einblick hier).  Diese Suppe ist ein weiteres Rezept, um an meine Begeisterung anzuknüpfen. Wie mutig Amy an dieses Gericht Rosmarin gibt! Richtig beeindruckend. Ich glaube, ich habe noch nie so viel Rosmarin an ein einzige Essen gegeben. Warum? Warum nicht einfach mal so richtig großzügig sein mit einem Gewürz? Ich fands super! Etwas länger hätte ich die Suppe noch köcheln lassen sollen, damit die Linsen wie bei Amy so herrlich schlonzig zu zerfallen beginnen.
Zutaten:

300g Linsen
(eingeweicht in 1l Wasser für 12-24 Stunden)
1 Stück Kombu (5cm lang)*
6 Lorbeerblätter
1,7l Wasser
2 EL Olivenöl
1 Zwiebel, mittelgroß, gewürfelt
1 TL Salz (evt. plus)
6 Knoblauchzehen
3 EL Rosmarin, fein gehackt
1/2 mittelgroßer Butternut (ca. 550g), in 1cm große Würfel
3 handvoll Mangold, klein geschnitten
(plus etwas zum Garinieren)
2 TL Tamarisoße
2 TL Balsamico-Essig
(m: Balsamico-Reduktion)

zum Garnieren:
kalt gepresstes Leinöl

Zubereitung:

Die eingeweichten Linsen spülen und in einem großen Topf zusammen mit den Lorbeerblättern und dem Kombu auf lebhaftem Feuer aufsetzen, kochend aufwallen lassen, dem Schaum abschöpfen, Deckel auflegen und bei kleiner Hitze die Linsen in ca. 20min garen. Linsen abgießen, dabei den Sud auffangen (sollte etwa 1l sein - gegebenenfalls mit Wasser auffüllen).

Die Zwiebel in dem Olivenöl mit etwas Geduld goldig rösten - dabei das Salz zufügen. Knoblauch und Rosmarin 2min mitrösten. Kürbis zugeben und den aufgefangenen Sud anschütten. Wieder auf starker Hitze zum Kochen bringen, dann kleiner stellen und den Kürbis in ca. 6-8min weich garen. Die abgetropften Linsen unterrühren und weitere 10min köcheln lassen, bis die Linsen beginnen zu zerfallen. Den Mangold untermischen und zusammenfallen lassen. Salzen, pfeffern und mit Tamarisoße und Balsamico abschmecken. Vor dem Servieren mit etwas Mangold und Leinöl garnieren.

*Anmerkung m: Amy weicht die Puy-Linsen deshalb ein, um die Phytinsäure zu neutralisieren/ Kombu habe ich hier im Bio-Laden nicht bekommen - das muß ich mir wohl mal im Inet bestellen...


Kommentare :

  1. Ohh, das sieht ja mal wieder lecker aus :) Ich bin ein großer Linsen-Fan!
    Liebe Grüße,
    Ela

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  2. Lecker lecker, ich komme!
    Hier hätten die Shiitake auch gepasst, entweder nur als Geschmacksgeber für die Brühe und zum mit essen sowieso.
    Liebe Grüße,
    Jesse Gabriel

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