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Samstag, 12. August 2017

Bises: Financiers mit Himmelbeeren


Zu einem der kleinen, kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich, den jeder kennt, zählen die bises, die kleinen Wangenküsschen zur Begrüßung. Das wußte ich selbstverständlich bereits, bevor ich nach Frankreich zog.

Nur etwas zu *wissen* und etwas zu *erleben* ist stets ein himmelweiter Unterschied. In der ersten Zeit kam es nicht selten vor, dass mir dieses Bises-Geben eine zarte, leicht peinlich berührte Röte ins Gesicht trieb. Aus dem einfachen Grund, weil in meinen *Ultra-Nahkampf-Bereich* seither nur auserwählte Menschen vordringen durften. Ihr wißt schon, dieses *Dirty-Dancing-Dingens*: Mein Tanzbereich - dein Tanzbereich. Die große Mehrheit hielt ich mir seither mit ausgestrecktem Arm auf Abstand und schüttelte höflich die Hand.

Dass hinter dem Austauschen der bises eine kleine Wissenschaft steckt, lernte ich zudem erst nach und nach. Wieviel bises gibt man? Voilà, damit fängt es schon an. In der Drôme etwa tauscht man drei aus, in Paris hingegen nur zwei. Und weiter gehts: welche Wange hält man zuerst hin, beziehungsweise küßt man, die rechte oder die linke? Küßt man wirklich oder haucht nur? Macht man dazu begleitende Geräusche oder nicht? Gibt man eigentlich jedem direkt bises oder wie gut sollte man sich kennen? Sehr ihr: SO einfach, wie es zuerst scheint, ist das ganze Unterfangen nicht.

Nicht zu vergessen, die damit einhergehende, französische Koketterie. *Oh la la... tu piques* echauffiert sie sich gerne, wenn er sich an ihrer zarten Wange mit seinem Drei-Tage-Bart reibt. Und dabei kann sich ihr Vortrag in alle Richtungen einfärben: von anzüglich flirtend bis ernsthaft rügend. Man berührt sich nun mal beim Bises-Geben auf dichte Nasendistanz, nimmt mit dem Gesicht des anderen Kontakt auf  und weiß anschließend, wie gut man sich riechen kann. Manchmal gar - in unangehnehmen Momenten - gedenke ich meiner Oma, die bei grausligen Begegnungen gerne meinte: *Also den halte ich mir mit der Bohnenstange vom Laib*. Umso schöner wird es mit Lieblingsmenschen, denen man mit schmatzenden Kussgeräuschen und einem GRAND bisou seine Zuneigung ins Ohr säuseln kann...

Neben Foto e Fornelli, New Kitch on the Blog und Low Budget Cooking schätze ich ebenso als weiterhin große Fundgrube den ruhig gewordenen Blog *fleur de Poirier* von Jenni. Jede Menge Rezepte habe ich mir seit langem notiert zum Nachmachen. Ihre Financiers - dieser fanzösische Klassiker - stehen schon lange auf meiner Liste. Nun wißt ihr, dass ich nicht der leidenschaftlichste Süßbäcker unter der Sonne Frankreichs bin. Daher fehlt natürlich eine Moule à financier in meinem Haushalt, ohne die es aber auch geht.

Ich half mir aus mit dieser Silikonform, mit der ich bereits das pain d' épice buk und einer weiteren Form aus Silikon für Muffins - darin brachte ich die Teigmenge perfekt unter. So zufrieden bin ich mit meinen unkomplizierten, daunig-zarten, saftig-buttrigen financiers - ich werde wohl kein weiteres Rezept ausprobieren. Und neben den Amarettini geben die herrlichen financiers nun meine liebste Eiweiß-Resteverwertung, die etwa bei einem Sablé breton anfallen oder eben wie gerade jetzt beim Eis-Herstellen.

Zutaten:

150g Butter, geschmolzen und gebräunt
5 Eiweiß (ca. 200g)
150g Zucker (m: Rohrzucker zu Staubzucker gemahlen)
1 Vanillestange, das Mark davon
60g Mehl, gesiebt
60g Mandeln, geschält und gemahlen
1/4 TL Salz

(optional: eine handvoll Himbeeren)

Zubereitung:

Die Butter schmelzen und leicht bräunen lassen. Zur Seite stellen und etwas abkühlen lassen. Die Eiweiß nur ganz kurz schlagen bis sie leicht schaumig und weiß sind  - wenn man sie zu lange schlägt, dann werden die Financiers nicht mehr locker aufgehen im Ofen.

Den Zucker und das Vanillemark zufügen und mit dem Eiweiß mischen, bis der Zucker völlig untergemischt ist. Die Butter durch ein Sieb geben, um die braunen Partikel auszusieben und sorgfältig mit der Zucker-Eiweiß-Mischung vermengen. Zuletzt Mehl, Salz und Mandeln komplett unter den Teig ziehen.

Den Ofen auf 220° (O/U-Hitze) vorheizen

In Formen füllen (m: Silikonformen) und 5min backen (je nach Größe der Form - meine waren größer als die typischen financiers-Formen, daher eher 7min backen). Dann den Ofen auf 165° runterstellen und weitere 5-8min backen (meine brauchten insgesamt fast 20min im Ofen) bis sie eine hellbraune, goldene Farbe angenommen haben.

1 Kommentar :

  1. Zumindest in der Schweiz werden die "bises" dem Gegenüber zuerst auf die rechte, dann auf die linke und zum Schluss wieder auf die rechte Wange "gedrückt". Und wie händelt man/verhält es sich in der Drôme?
    Bekomme ich jetzt (virtuell) 3 Financier's für die Antwort? ;-)

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