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Samstag, 14. Oktober 2017

freigeistiges Sonntagsessen


Wie wir durch Iran reisten, kreuzte unseren Weg eine kleine, deutsche Reisegruppe, die zum wiederholten Male versuchte, den Zarathustrikern nachzuspüren - und gerade rund um Yazd gibt es dort tatsächlich noch einige Spuren zu entdecken. Ich kannte bis dato lediglich Nietzsches Buchtitel *Also sprach Zarathustra*, der durch diese Anregung umgehend auf meiner Leseliste landete.

Im Zuge wiederum dessen, bin ich über *Die 10 Gebote des Freigeistes* nach Nietzsche gestolpert. *Freigeist*, oh ha, das ist ein Wort, bei dem ich IMMER aufhorche, denn die Freiheit, die ich meine, die brauche ich zum Leben. Hier Nietzsches Vorstellung in 10 Punkten:


Du sollst Völker weder lieben noch hassen
Du sollst keine Politik betreiben
Du sollst nicht reich und kein Bettler sein
Du sollst den Berühmten und Einflussreichen aus dem Wege gehen
Du sollst  dein Weib aus einem anderen Volke als dem eigenen nehmen
Du sollst deine Kinder durch deine Freunde erziehen lassen
Du sollst dich keiner Zermonie der Kirche unterwerfen
Du sollst ein Vergehen nicht bereuen, sondern seinetwegen eine Guttat mehr tun
Du sollst, um die Wahrheit sagen zu können, das Exil vorziehen.
Du sollst die Welt gegen dich und dich gegen die Welt gewähren lassen.


Zwei seiner Punkte leuchteten mir nicht direkt ein. Ich suchte den Austausch mit dem Habib - und konnte dann erst nachvollziehen, was Nietzsche meint. Wie geht es euch? Findet ihr seine Thesen richtig?

So dazu serviere ich euch ein richtiges badisches Sonntagsessen: Spätzle mit Sauce. Dazu das Brombeer-Pflaumen-Chutney - ein Schmaus, ich habe mir die Finger nur so abgeschleckt! 

By the way paßt als Zubereitungshilfe ein Tipp eines Feriengastes (coucou Jens) für alle, die handgeschabte Spätzle mögen - nur nicht selbst schaben wollen: dafür wurde ein ähnliches Modell wie für den klassischen Spätzlehobel gebastelt, nur dass hier die Öffnungen unterschiedlich groß sind und die Spätzle einen *handgeschabten Charakter* erhalten.  Ich brauche sowas nicht, aber ich bin ja auch in Baden groß geworden...


Zutaten:

Spätzle
200g Mehl (m: D630)
3 Eier
ca. 40ml Wasser
1 EL Thymianblättchen, fein gehackt
Salz
(optional: 1 TL braune Butterpartikel)*

200g Champignons (oder Steinpilze)*
100g Pfifferlinge
4 getrocknete Tomaten
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1 handvoll Zuckererbsen
Butter

1 EL Butter
1 EL Semmelbrösel
1 TL Thymianblättchen
Salz, Pfeffer

optional dazu: dieses Chutney

Zubereitung:

Die Zutaten für die Spätzle zu einem klebrigen, zähen Teig vermengen und mit einem Holzlöffel so lange gegen den Schüsselrand schlagen, bis der Teig Blasen wirft.

Die Tomaten ca. 10min in kochendem Wasser einweichen. Die Tomaten abtropfen lassen und klein schneiden. Von den Zuckererbsen die Spitzen kappen, entfädeln und in Streifen schneiden. Kurz blanchieren - in kochendes Wasser werfen, mit kaltem abschrecken - und zur Seite stellen. Die Pilze putzen und je nach Größe und Sorte in Scheiben/ mundgerechte Stücke schneiden. Die Schalotte und den Knoblauch fein würfeln.

Die Pilze in der Butter zusammen mit den Schalotten und den Tomaten anbraten. Knoblauch zufügen und ebenfalls kurz mitrösten. Den Veggie-Fond anschütten und bei kleiner Flamme ca. 10min köcheln lassen - wer mag, bindet die Sauce mit einer kleinen Roux. Abschmecken mit Piment, Salz, Pfeffer und Balsamiko-Reduktion. 

Parallel dazu reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Spätzle mit Hilfe einer Späzlespresse/ Spätzlehobel ins Wasser drücken. Warten bis sie an die Wasseroberfläche steigen, abschöpfen und warm stellen.

Kurz vor dem Servieren die Zuckerschoten in der Sauce warm ziehen lassen und außerdem den Butter-Semmelbrösel-Schmelz zubereiten. Dafür die Semmelbrösel gemeinsam mit dem Thymian so lange rösten, bis sie beginnt zu schäumen - salzen und pfeffern nicht Vergessen.

Die Sauce in die Teller füllen, die Spätzle auf die Sauce setzen und mit dem Semmelbrösel-Schmelz toppen. Das Chutney als Begleitung dazu servieren.

*Anmerkung m: Ich verwendete die Pilze, wie ich sie gerade hatte - ihr könnt auch nur Pfifferlinge nehmen oder sie auch mit Steinpilzen kombinieren.

Kommentare :

  1. Nietzsche war ein kluger Mann, vielleicht zu klug für diese Welt.
    Ich kann alle Gebote nachvollziehen, bis auf das letzte:
    „Du sollst die Welt gegen Dich und Dich gegen die Welt gewähren lassen.“
    Meiner Meinung nach bin ich der Welt egal. Die Welt ist eben die Welt und ich muss sehen, wie ich in ihr zurecht komme. So handle ich mit ihr und, wenn das nicht geht, gegen sie. Das ist schwierig, aber nicht unmöglich.
    Mit den Spätzle bin ich ganz Deiner Meinung. Es gibt nix besseres, vor Allem im Herbst. Auch für Nicht- Schwaben/Badener.
    Mit jeder Sauce, aber auch mit Käse (Weißlacker aus dem Allgäu) und angebräunten Zwiebeln.
    In diesem Sinne einen lieben Gruß an die Drome von Kari

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    1. Über das letzte Gebot, Kari, bin ich mir auch nicht klar gewesen, wie ich das verstehen soll. Mein weiser Habib rückte mir es dann unter die Überschrift *Aktzeptanz*: Ich habe die Welt zu akzeptieren, wie sie ist samt ihren Gesetzen (à la die Sonne geht jeden Morgen auf und jeden Abend unter - und daran ist nix zu wackeln) und umgekehrt habe auch ich mich zuerst einmal anzunehmen, wie ich bin. Und von dort aus dann erst kann ich mich (so ich es denn kann) neu orientieren. Insofern wie du es schreibst: Die Welt ist eben die Welt.
      Vielen Dank, dass du mich an deinen Gedanken teil haben hast lassen... mit vielen Grüßen zurück

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  2. Nitzsche....der alte Chauvi (gehst du zum Weibe, vergiss die Peitsche nicht u.v.m.) ist nicht meins!
    Aber auf Deine Yogageschichte bin ich gespannt. Ich habe zwei Anläufe genommen (Ashtanga), fand aber Qi Gong immer besser
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Brigitte

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    1. Nun, Brigitte, zum Thema *Waldbaden* ganz mit dir, aber heute kann ich mich nur wiederholen: alle 10 Gebote von Nietzsche finde ich interessant und nachdenkenswert!
      ... viele liebe Gürße zurück und eine schöne Woche

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  3. Ich bin vielleicht freigeistiger, als ich so manchesmal vermute. Mit den 10 Punkten kann ich auf jeden Fall viel anfangen.... und Spätzle mit Soße gab es zufällig gestern auch bei uns - immer wieder lecker!
    Liebe Grüße
    Gabi

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    1. Bedenkt man noch die Zeit, in der Nietzsche lebte, dann finde ich seine 10 Gebote nochmals bemerkenswerter - schön, dass dich, Trudi, das auch anspricht! liebe Grüße...

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