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Sonntag, 18. Januar 2015

Eis wie Seide: Bitterorangen-Schokosplitter-Eis

Foodblogs oder Köche, die à la Jamie Oliver jedes zweite Rezept als das ultimative-weltbeste-EVER präsentieren, die laufen bei mir Gefahr, den gleichen Verschleiß damit zu erziehlen wie beispielsweise das inflationär eingesetzte, amerikanische *I love you*. Was solls wohl mehr bedeuten *wie wenns Katzerl Schwanzerl hebt* - ein beliebter Spruch meines aus Bayern stammenden Mediävistik-Profs.

Oder, um meinen Gedanken noch in ein andes Bild zu setzen, wieder einmal mit Goethe: *Sie hatte geweint, und wenn weiche Personen dadurch meist an Anmut verlieren, so gewinnen diejenigen dadurch unendlich, die wir gewöhnlich als stark und gefaßt kennen*.

Zurück zum Kulinarischen berichtet Dietmar von Valentinas Kochbuch von einem Nigel Slater, den man eigentlich zurückhaltend beschreiben muss, nun ausnahmsweise beim ungebremsten Schwärmen: „Das Eis ist das seidigste, das ich je gemacht habe. Die Geschmacksnoten sind verblüffend. Wenn Kochen doch immer so wäre.“ Dietmar liefert die Erklärung dirket hinterher: es liegt an der Marmelade, die die Rolle von Glukosesirup übernimmt und dem Eis neben der Sahne zuästzlich einen cremigen Schmelz verleiht.
Nun ist mein Habib kein Marmeladenfan, aber eine der wenigen Ausnahmen ist Bitterorangenmarmelade. Ich mache nun zum dritten Mal die meine nach diesem Rezept - das Gelieren funktioniert einfach ganz wunderbar (die Vanillebeigabe darf man übrigens durchaus optional nehmen - schmeckt ohne ebenfalls). Unaufwendig ist diese Marmelade nicht - aber wie könnte ich mich zieren, wenn ich dem Habib damit das Leben eine Kleinwenigkeit versüßen kann?

Ein Glas wurde nicht ganz voll. Es schrie förmlich danach, zu Eis verwandelt zu werden. Wer bisher meinte, im Winter brauche es kein Eis zum Schlecken, der sollte seine Haltung an diesem Eis überprüfen.

Zutaten 6P:

500ml Sahne
4 Eigelb
2 EL brauner Zucker
100g dunkle Schokolade, grob gehackt
Zubereitung:

Die Sahne in einem Topf zum Kochen bringen. Währenddessen die Eigelb zusammen mit dem Zucker in einem weiteren Topf  schaumig aufschlagen. Die heiße Sahne in die Ei-Zuckermasse unterrühren. Den Topf auf kleine Flamme stellen und die Eiercreme solange rühren, bis sie leicht andickt (= zur Rose abziehen)

Nun die Masse so schnell wie möglich abkühlen – dafür stelle ich den Topf im Spülbecken in einen etwas größeren Topf gefüllt mit kaltem Wasser. Währenddessen weiterrühren, dann gründlich kühlen. Die Marmelade in die kalte Eiercreme rühren. 

Das Eis in die Eismaschine füllen. Wenn die Eiscreme bereits eine eingedickte Konsistenz hat, kommen ganz zum Schluß die gehackte Schokolade dazu und werden untergemischt. In einen Plastikbehälter mit Deckel geben und gefrieren lassen. Auch direkt aus der Tiefkühltruhe findet das Eis schnell zu seiner cremigen Konsistenz zurück - es läßt sich damit für Gäste sehr gut im voraus zubereiten.
Quelle: Nigel Slater bei Valentinas Kochbuch
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