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Maßstab - Raz-el-Hanout-Möhren mit Bulgur

Freitag, 29. April 2022

 

Einer dieser roten Fäden, die sich durch mein Leben zieht, ist mein Freiheitsbedürfnis. In meinem Elternhaus wurde ich unterdrückt, und es bedurfte nicht nur eine bewußte Trennung von jenen, die mir keine Luft zum Atmen ließen, es hat anschließend Jahrzehnte benötigt, bis ich in die Senkrechte kam um mich für mich selbst stark machen zu können. Geblieben aber ist, dass ich seismographisch auf Druck reagiere, der auf mich ausgeübt wird - und in aller Regel zuerst einmal mit Verweigerung reagiere.

Das wurde mir etwa sehr bewußt, als ich *Stand up* anhörte, das Battle zwischen Ann-Sophie, Jennifer und Archippe bei *The Voice of Germany* und mir an einer bestimmten Stelle stets die Tränen hochdrückt. Thema dieses Liedes ist der Aufstand aus der Sklaverei - das rührt mich sehr. Hat die weiße Rasse eigentlich je versucht, ihren grauenhaften Kolonialismus aufzuarbeiten und wiedergutzumachen? Schauderhaft, was waren die Menschen schon von falschen Ideen fehlgeleitet!

Nun, in das Format *The Voice* flüchte ich mich gerne - genau - aus Eskapismusgründen. Musik lenkt mich ab und ich erfreue mich an Menschen, die gut singen können. (ihr erinnert euch vielleicht: mein dritter Wunsch bei der guten Fee...). Diese Sendung wird (wie etwa auch *Wer wird Millionär) mittlerweile weltweit produziert. Aber nicht nur die Art der Unterhaltung (plus Netflix und Konsorten) wird zunehmend global gleichgesetzt, ebenso die Politik - wie wir es in den letzten zwei Jahren erlebt haben. Dass die Maßnahmen derart gleichgeschalten waren, oft sogar zeitgleich, Nationen unabhängig, hatte mich sehr erstaunt. Woher rührt diese seltene Einigkeit von Wissenschaft und Politik - sogar sensationellerweise auf dem ganzen Planeten?

Darüber sind andere ebenfalls gestolpert, u.a. Ulrike Guérot, die gerade das Buch *Wer schweigt, stimmt zu* herausgebracht hat, worin sie sich als Politikwissenschaftlerin und Europaexpertin mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der deutschen Pandemiepolitik auseinandersetzt und eine neue Debatte über den Freiheitsbegriff fordert. Ich schätze es als bereichernd, Menschen meine Aufmersamkeit zu schenken, die aus völlig anderen Perspektiven wie ich auf Themen schauen. IM LEBEN NICHT würde ich je Politikwisschenaften studieren, direkt nach Jura und vor BWL. Aber ich finde Ulrike Guérot ist gut zuzuhören - wie hier im Interview bei Marc Friedrich - und ich kann ihren Argumenten gut folgen. Bref: große Empfehlung!

So legt sie in einem Kapitel dar, dass es die eine wissenschaftliche Wahrheit nicht gibt - nicht geben kann. Wissenschaftler und natürlich erst recht Politiker können bei ein und demselben Sachverhalt selbstverständlich zu vollkommen unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Anhand zweier Beispiele - Atomkraft und Kaffee - zeigt sie, dass Wahrscheinlichkeitsrechnungen zum einen die Wirklichkeit nicht wirklich abbilden und zum anderen dass wissenschaftliche Begründungen von Kriterien abhängen, die man je nach Priorität ganz unterschiedlich bewerten kann: 

*Bei Forschungsergebnissen und deren Interpretation geht es also selten um das, was die Wissenschaft sagt, sondern welche Bewertungskriterien eine Mehrheit bei wissenschaftlichen Erkenntnissen anlegt; und welche sie zu einem gegebenen Zeitpunkt als politisch relevant durchsetzen will*

Wind auf meinen Mühlen! Wissenschaft kommt je nach Perspektive und/oder Maßstab zu anderen Ergebnissen und überholt sich außerdem permanent selbst durch neue Forschungsergebnisse, die alte Standarts hinfällig machen.

Was mir an Ulrike Guérot zusagt, ist ihre Aufforderung, mündige Bürger zu werden und uns - jeder einzelne für sich und zusammen - zu überlegen, in welchem Europa wir leben wollen. Insbesondere, wo noch dieses Jahr die ersten Pilotprojekte zu einem Sozialkreditsystem, wie wir es seither nur aus China kennen, in Europa gestartet werden sollen - in Wien (Österreich) und in Bologna (Italien). In Wien startet erstmal alles ganz harmlos: wer Autofahren vermeidet und auf Alternativen ausweicht, bekommt Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen geschenkt - was soll man dagegen haben? Aber, Kinners, wer kann in die Zukunft sehen und weiß, welche Machthaber in 10 Jahren an den Schalthebeln sitzen?

Ebenso macht hellhörig, wenn Macron während seiner Antrittsrede als wiedergewählter Präsident auf historische Veränderungen einschwört - die wir doch als demokratisches Volk gerne mitgestalten würden, oder etwa nicht? Darüber sollte man sich Gedanken machen, damit sich die große, schweigende Masse nachher nicht durch das große Portal der Ausreden drücken kann, wie Ulrike Guérot mahnt:

*Am Ende ist es wieder niemand gewesen, wenn die Dinge kippen sollten!*

 

 

Heute präsentiere ich euch ein leichtes Alltagsgericht, das schnell auf den Tisch gebracht ist, wenn man mal keine Lust zum Kochen hat. Als Karottenliebhaberin der ersten Stunde macht man mich damit auch satt und zufrieden.


Zutaten 2P:

1 EL Rosinen
250ml Gemüsebrühe
2 EL Olilven
100g feiner Bulger
25g Mandelkerne, geröstet gemahlen
300g Bundmöhren
2 Frühlingszwiebeln
1 TL Raz el Hanout
1 TL Schwarzkümmelsaat
Salz, Pfeffer
50g Schafskäse (m: Ziege)
 100g Joghurt (m: Ziege)
1 Stich Butter
Chili-Flocken

 

Zubereitung:

Rosinen in 150 ml lauwarmem Wasser einweichen. Fond aufkochen. 1 El Öl, Bulgur und Mandeln zugeben, beiseitegestellt zugedeckt 8-10 Minuten ziehen lassen. Karotten schrubben und in größere Stifte schneiden. Frühlingszwiebeln in in dünne Ringe schneiden.

Restliches Öl in einem breiten Topf erhitzen. Das Weiße der Frühlingszwiebeln darin bei mittlerer Hitze glasig dünsten. Möhren zugeben und 3-4 Minuten unter Rühren mitdünsten. Raz el Hanout zugeben und kurz mitdünsten. 1 TL Schwarzkümmel und Rosinen mit dem Einweichwasser zugeben. Mit Salz würzen und zugedeckt 5-6 Minuten bei mittlerer Hitze garen. Inzwischen Ziegenkäse und Joghurt in einem Rührbecher mit dem Schneidstab fein pürieren.

Bulgur mit Gabeln auflockern. Butter zu den Möhren geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Bulgur und Möhren auf einer Platte anrichten. Mit Joghurt beträufeln, mit restlichen Frühlingszwiebeln, Schwarzkümmel und Chili-Flocken bestreuen. 

Anmerkung m: Veganer ersetzen Joghurt/ Ziegenkäse etwa durch eine Soja-Variante

Quelle: Essen und Trinken

 

 

die 2 1/2 Minuten Zeit sollte man sich nehmen - die Wutrede von der irischen EU-Abgeordneten Carle Daly hat es in sich! Zumal die Szenarien eines dritten, atomaren Weltkrieges, der totale Wahnsinn, sprachlos machen (Augen zu und verdrängen?). Und dann steige ich aus dem politischen Geschehen wieder aus - zumal ich nicht glaube, dass der kleine Einzelne Einfluß auf die Obrigkeit nehmen kann, selbst wenn Demokratie eine schöne Idee wäre... Mir geht es im Wesentlichen darum, Bewußtheit zu schaffen.

das Böse 3/4 - All you need-Stew

Donnerstag, 3. Februar 2022

 

Jeden Winter wurde im Kleinen Haus im Badischen Staatstheater ein Stück extra für Kinder inszeniert. Besonders in Erinnerung blieb mir das klassische Kasperle-Theater - mit Schauspielern anstelle von Handpuppen. Die Aufführung drückte sich deshalb nachhaltig ins Gedächtnis, weil sich das Kleine Haus ganz in der Nähe meiner Werkstatt, die der Theaterplastiker, befand. Während wir am Arbeiten waren, dröhnte das Gebrüll der Kinder bis zu uns vor: *KASPER!!! PASS AUF!* Für viele Kinder ist es unerträglich, wenn das Böse über das Ahnungslose siegt. Dieses ausgewachsene Unrechtsempfinden, verwächst sich als Erwachsener seltsamerweise wieder. 

Ganz leicht wird man abgelenkt von der aktuellen Lebensphase (Karriere, Kinder, Umzug, Probleme...), und redet sich raus à la man muss schließlich auch von was leben, der Alltag frißt schon alle Energie, probieren kann mans ja mal, hat doch keiner mitbekommen...  die Anzahl der Ausflüchte geht gegen unendlich - aber dabei verliert sich gleichzeitig die Aufmerksamkeit für sich und für das Trau-Schau-Wem. Nun, zum irdischen Spiel gehört, dass jeder von uns gesehen und wahrgenommen werden will. Dann macht man sich schon mal wuchtiger und wichtiger und rückt die Dinge zu seinen Gunsten zurecht, beschönigt, vergrößert Erfolge, wirft sich in die Brust, hetzt gegen andere... - wer kennt das nicht. Jeder durchläuft akut immer wieder solche Phasen - dann dient es der Bewußtwerdung, chronisch aber führt es in unheilbare (geistige und körperliche) Krankheiten. 

Und Tricksen und Betrügen ist gar nicht mal so schwer (bereits ganz ohne raffinierte Manipulationstechniken). Und halt sowas von verführerisch: Lügen machen (erstmal) das Leben leichter, bequemer, vorteilhafter, gefälliger... - zumindest dem äußeren Anschein nach. Also warum den steinigen Weg der Wahrhaftigkeit wählen, wenn man die Rutschbahn nehmen kann? So zieht doch eine überragende Mehrheit eine schöne Lüge einer unbequemen Wahrheit vor (Tell my lies, tell me sweet little lies).

Das gilt es bei den anderen zunächst einmal zu akzeptieren - deshalb darf man sich Missionieren aus den Haaren kämmen. Die Welt ist wie sie ist: sie entstand durch Geist und läßt sich nur über Geist nachhaltig verändern. Änderung des Geistes beginnt individuell bei jedem selbst - über die Suche nach Wahrheit.

*Die Wahrheit ist ein simpel Ding, die jeder leicht begreifen kann. Allein, sie scheint euch zu gering und sie befriedigt nicht den Wundermann.* (Goethe)

Ja, die Wahrheit kommt oft völlig glanzlos daher, leise, ohne Pathos. Ganz im Gegenteil zum üppigen, ausufernden, lärmenden Schmierentheater, dessen Unterhaltungswert die untersten wie obersten Ränge zum Johlen bringt. Nichts einfacher als zu blenden, solange der Entertainment-Faktor stimmt. Ein gewaltiger Schlag Hysterie, viel Effekthascherei, ordentlich Rabatz, gemischt mit dem Triggern tiefster Ängste - funktioniert immer. Wie soll man dann noch in Ruhe über sich oder das Wesentliche nachdenken? Hinzu kommt: die den Menschen treibende Kraft seht ihm ja nicht auf die Stirn geschrieben. *Eine eigentlich ganz nette Person, eher unauffällig, hat immer freundlich gegrüßt*, heißt es dann in Nachhinein vom Nachbarn, der seine Tochter jahrelang im Keller einbetoniert und missbraucht hatte.

Auf Wahrheitssuche dreht sich der Verstand schnell um sich selbst wie eine kleine Katze, die ihren eigenen Schwanz jagd. *Durch Überlegung wird so etwas nicht geendet; vor dem Verstande sind alle Rechte gleich, und auf die steigende Waagschale läßt sich immer wieder ein Gegengewicht legen.*(Goethe) Its all about perspective! Auf mentaler Ebene gibt es keine Lösung, keine Erklärung, kein besseres oder schlechteres Argument. Hier gibt es für jede Wahrheit einen Gegenwahrheit, egal wie eine These lautet, so findet sich doch eine entsprechende Antithese - etwas, das sich üben läßt (s. Goehte das Hexen Einmaleins). Genau darum ist die Empfindungsebene so entscheidend.

Und um wieder zurückzukehren zu meinem Ausgangspunkt, Madagaskar: von dort brachten wir ein madegassisches Sprichwort mit, das lehrt, wie mit dem Bösen umzugehen ist: *Zeige niemals mit dem ausgestreckten Finger auf das, was sich hinter der Tarnung versteckt - es wird dir großes Unglück bringen*. Das Chamäleon ist Meister und Muttertier der Tarnung und Täuschung. Das doppelt einäugige Reptil passt sich seiner Umgebung an, suggeriert so Sicherheit, um dann mit der Zunge zu töten. Wiederholt beobachteten wir Madegassen, die sich bei dem Anblick eines Chamäleons zu Tode erschreckt haben - im Gegensatz zu den Touris, die begeistert und fasziniert mit der Kamera anrückten. Der Habib entdeckte im Chamäleon den Repästentant für die 3. Verdrehung des Geistes, auch genannt die Lustseuche (Syphilinum).

Sich dem Bösen im Außen den Weg zu stellen macht keinen Sinn. Es sei denn man glaubt, man müsse den Drachenkämpfer spielen. Bitte schön! Siehe Julian Assange: zero Lebensqualität aber dafür Heldenstatus. Wer will tauschen? Und, was hats gebracht? Man verliert Energie, die man für anderes, für sich selbst bräuchte.

Tja, es gibt nunmal nichts zu retten! Das Böse ist böse, weil es böse ist (ich erinne auch an Trude Simonsohn). Geistig nix zu holen für das Marvel-Universum. Stattdessen schluckt das Böse jene, die ihm zu nahe kommen - das funktioniert auf die gleiche Weise wie Co-Abhängigkeit bei Alkoholsüchtigen und deren Umfeld. Das Ungleichgewicht der Welt - so läufts nun mal. *Wer sich unter die Kleie mischt, wird von den Säuen gefressen!*, sagte die Omi gerne. Mehr als Abstand halten, bleibt nicht - zumindst für die, denen an Freiheit und Mündigkeit gelegen ist. Das wird nur in Partnerschaften und Familien schwierig.

Doch selbst im Inneren lauern Fallstricke. *Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert* besagt ein altes Sprichwort. Greife ich dafür in den Anamnese-Fundus des Habib. Gudrun (Name geändert) lag nachts neben ihrem Mann im Bett. Sie mußte dringend aufs Klo. Ihre Blase schien zu explodieren. Aber sie regte sich nicht: sie wollte den Schlaf ihres Mannes nicht stören. Sie glaubte, das wäre Rücksichtnahme. Demut. Eine Opfergabe. Liebe. So kann der Mensch sich selbst in die Irre führen: man meint es (vermeintlich) gut im Hinblick auf andere, hält sich für dienstbar, freundlich und hilfsbereit, betrügt und hintergeht sich aber in diesem Moment selbst.

Über allen anderen Werten steht die Eigenverantwortung: sündige nicht gegen dich selbst! 

*So bleibt die eigentliche Religion ein Inneres, ja Individuelles, denn sie hat ganz allein mit dem Gewissen zu tun* (Goethe)



Im Vergleich zu den eigentlichen irdischen Herausforderungen ist es ein Kinderspiel, sich mit Gemüse glücklich zu kochen. Mit diesem Stew steht geschwind und unkompliziert ein abwechslungsreiches Essen auf dem Tisch, das ein wohliges Bäuchlein zaubert. Wie man abwechselt, habe ich euch unten im Rezept beschrieben.

Und gepimpt ist diese Grütze auch schnell, wenn man sie als Sättigungsbeilage (häßliches Wort) verwendet - s. die All you can eat- Teller, die ich euch auch fotographiert habe. Holt euch etwas fermentiertes Gemüse dazu (stehen hier gerade mehrere Gläser herum - ich muß euch mal etwas zeigen), oder süß-sauer eingelegtes Gemüse (machte ich letztens Herbst einige), ofengeröstetes Gemüse (immer eine gute Idee), einfach ein bißchen Rohkost (oder einen Salat), Pesto dazu, streut ein paar Nüsse darüber oder greift in die Roule ta Boule-Ideen, Puffer, Gemüse-Confit, Ofentomaten, Ajvar (ebenfalls neu bei mir in den Konserven), Hummus, Chutney.... Ihr seht: tobt euch aus. Das Stew ist wirklich eine tolle Grundlage, eine super Basic, im Sommer wie im Winter - nicht von ungefähr bereite ich es uns wirklich häufig zu. Es hat auch Vorteile, dass ich weniger blogge: die meisten Rezepte, die ich euch nun zeige, sind besonders geschätzt.

 

 

 

Zutaten 2P:

70g Quinoa (m: bunt)
50g rote Linsen
50g Buchweizen
70g Couscous (m: Vollwert)*
2 Lorbeerblätter
2 Knoblauchzehen
1 Stück Kombu-Alge
1 Stück Stangen-Sellerie, fein gewürfelt
1 TL Thymian
1 TL weißes Miso
Gemüsebrühe
Zitronensaft (oder weißer Balsamico)
Frühlingszwiebel/ Petersilie

 

Zubereitung:

Knoblauch schälen und andrücken. Alle Zutaten in einen Topf geben und in der Höhe von etwa 2,5cm mit Gemüsebrühe bedecken. Alles ca. 25min sanft köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit nichts anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe nachgießen. Die Konsistenz ist (wie etwa beim Porridge) wichtig: sollte schön cremig-seidig sein (also nicht zu trocken und nicht zu schwimmig).

Lorbeerblätter und Kombu-Alge rausfischeln. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft. Mit frischen Kräutern dekorieren (verwende ich Petersilie, dann koche ich die Stiele im Stew mit).

Möglichkeiten zu pimpen sind endlos: s.o./ Zutatenmenge reicht für 2 Personen - ohne zusätzliche Extras - also insgesamt an Körnern etwa 250g - dann wißt ihr, wie ihr wechseln könnt s.u.

 

Anmerkung m: es gibt ganz viele Varianten, allein schon wenn man die Verhältnisse der Zutaten verändert. Oder die Zutaten: grüne Linsen untermischen und/ oder Hirse und/ oder  Perlgraupen und/ oder Bulgur - wer mag, kann noch einen Löffel Nussmuss unterziehen, um es noch cremiger zu machen.


Bulgur-Burger-Pattie

Mittwoch, 23. Juni 2021

 

Na, hat ihr euch schon gefragt, wann hier die nächsten Veggie-Puffies erscheinen? Ich bin großer Fan von sämtlichen Frikadellen, Gemüse-Bratlingen und Pflanzerln aller Art, weil sie die vegetarische (wie vegane) Küche einfach sehr bereichern. Und gerade die veganen Puffer machen es spannend bis zum Schluß - also bis zu dem Moment, in dem man sie in der Pfanne drehen will - wie gut sie zusammenhalten. Nichts geht mal wieder über gelingsichere Rezepte! In der Wartehalte an fotographierten Tellern stapeln sich die einschlägigen Veggie-Frikadellen-Kameraden nur so. Kochen tue ich ja weiterhin - und fotographieren meist auch - aber ich finde gerade die Zeit schwerlich, Fotos zu bearbeiten, Rezepte einzutippen und meine Gedanken zu sortieren, um einen begleitenden Text zu schreiben. Man bräuchte eine Blog-Sekretärin ;)

Trotzdem aber habe ich weiterhin Spaß daran, neue (vor allem vegane) Rezepte auszuprobieren. Die Wahrscheinlichkeiten stehen also gar nicht schlecht, dass ich am Bloggerball bleibe (wenn ich schon kein Fußball gucke). Nur vorgestern hat ein Gewitterschauer - dem die halbe Nacht ein beeindruckendes Wetterleuchten vorausging - die Natur ENDLICH mal wieder gegossen, so dass es sich anschließend herrlich im Garten arbeiten ließ. Nichts geht doch über einen anständigen Regenguß, der der Trockenheit die Stirn bietet! Davor hatten wir viele Feriengäste vom Tribe hier, mit denen man ja besonders viel zu erzählen hat. Dann beginnt hier wieder das ländliche Sommerprogramm mit kleineren und größeren Veranstaltungen... ich bin halt weiterhin schwer abgelenkt. Und ehrlich gesagt, wünsche ich mir für euch genauso, dass ihr ausgefüllt seid vom echten Leben.

Gut, aber essen müssen wir trotzdem weiterhin. Hier also ein weiterer Vorschlag für einen Veggie-Puffer und zwar aus dem schönen Kochbuch *Veggistan - der Zauber der orientalischen Gemüseküche*! Ganz viele Seiten sind zum Nachahmen noch vorgemerkt, diesen Reis-Spinat-Auflauf habe ich euch bereits vorgestellt.



Was ich an den Rezepten sehr mag ist, dass sie äußerst großzügig berechnet sind - man merkt, dass die Köchin nicht vorhat. von ihrem Tisch jemand hungrig aufstehen zu lassen.

Für Burger habe ich eigentlich keine ausgeprägte Schwäche. Aber wie toll ist es, mal wieder mit den Fingern zu essen - das mache ich viel zu selten! Da kommt doch das Kind in einem hoch, oder?

 Für diese Burger (ihr erinnert euch vielleicht an rosa Brötchen samt dem letzten damit vorgestellten Burger) habe ich die Mengenangaben halbiert und dann daraus 3 Frikadellen geformt. Sollte man keine Burger damit füllen sondern Bratlinge zubereiten, dann rate ich daraus 4-5 Stück zu braten. Wenn man sie mit Vorsicht behandelt, dann sind die auf einer Skala für Frikadellen-Formstabilität (0 = Brösel/ 10 = Wackerstein) eine solide 6+. Die Autorin Sally Butcher merkt dazu an: *Diese Burger vertragen die übliche Behandlung auf dem Grill nicht so gut - zu weich und locker* - aber das wissen wir ja, dass Gemüsepflanzerl für den Grill selten bis nie funktionieren...


Zutaten - 4P*:

125g feiner Bulgur
200ml kochendes Wasser
100g rote Linsen
300g kaltes Wasser
1 EL Vollkornmehl (m: Einkorn)
1 große Zwiebel
2 Tomaten, gewürfelt (m: ersetzt durch getrocknete Tomaten und Tomatenmark)*
1 Karotte, gewürfelt
1/2 Bund Koriander
2 EL Tahini
1/2 TL gemahlener Kreuzkümmel
1/2 TL gemahlener Koriander
1/4 TL Pimenton dela vera
1/2 TL Chilipulver
Salz, Pfeffer
Erdnussöl zum Braten

Zubereitung:

Den Bulgur in dem kochenden Wasser aufsetzen, mit einer Gabel auflockern, Deckel auflegen und quellen lassen.

Die Linsen im kalten Wasser aufsetzen (m: mit einem Stück Kombu-Alge*) und in 20min weich kochen, abschütten und gut abtropfen lassen.

Nun die Linsen mit allen Zutaten in einem Mixer feinhexeln. Dann sorgfältig mit dem Bulgur vermengen und nochmals würzig abschmecken.

Mit feuchten Händen 4 Frikadellen formen (m: aus der Hälfte 3 Stück gemacht) und im heißen Öl von jeder Seite etwa 3-4 Minuten braten.

Anmerkung m: großzügig berechnete Menge/ in der Burger-Kombi auf das zurückgreifen, worauf man Lust hat - zugegeben, ich hätte sie fotographieren können, BEVOR sie vom Burger geschluckt wurden, damit sie besser zu sehen sind ;)/ bei uns gab es dazu Süßkartoffel-Pommes/ Tomaten brauche noch eine gute Woche, bis man die erste ernten kann, daher ersetzt


Fasten: Fellah Köftesi

Samstag, 23. Mai 2020


Eigentlich hatten der Habib und ich vorgehabt, den letzten Winter in einem moslemischen Land zu verbringen. Doch dann kam das Leben dazwischen und hatte andere Pläne mit uns. Inchallah - wie es Gott beliebt! Die Sehnsucht ist uns allerdings geblieben, weil kaum betritt man moslemische oder buddhistische Gegenden, sind die Menschen durch und durch freundlich und hilfsbereit!

Für alle, die mitdenken, bedeutet das im Umkehrschluß, dass es in christlich geprägten Gemeinschaften mehrere Grade kühler zugeht. Wie formulierte es der unersetzbare Volker Pispers: *Würden die Christen ihren Gott ernst nehmen, dann wären es Moslems*. Besonders gut ist der Unterschied von christlicher und islamischer Kultur in Afrika zu beobachten, wo diese beiden Religionen von Dorf zu Dorf wechseln können. Der Habib hat viele anschauliche Geschichten in petto -  nicht nur weil er aus privatem Interesse viel durch Afrika gereist ist, auch weil er als Architekt lange in moslemischen Ländern gelebt und gearbeitet hat.

Mich hat, wenn ich mich in Ländern des Islams aufgehalten habe, immer besonders die Mildtätigkeit und Spendenbereitschaft beeindruckt: sehr viele geben sehr oft ein bißchen. Und ich mag, wie der Tag vom Muezzin getaktet wird (wenngleich mancherorts die Lautsprecheranlagen gerne etwas leiser eingestellt sein dürften). Außerdem ist es für den Habib und mich einfach angenehm, wenn sich die Verhältnisse insofern drehen, als dass nicht die, die keinen Alk trinken am Rande der Gesellschaft stehen sondern umgekehrt. Dort sitzten wir fröhlich und ganz selbstverständlich zwischen allen anderen mit unserem Pfefferminztee.

In der Arte-Doku *Alkohol - der globale Rausch* (die ich ja gerade am 12. Mai angeschaut hatte), wird am Beispiel von Island verdeutlich, dass *wie bei jeder Droge vieles in unserem Umgang mit Alkohol gesellschaftlich bedingt ist*.  Island löste sich vom gängigen Euphemismus des Genußmittels und definiert Alkohol als Droge.  Geschlossen alle Parteien stellten sich hinter den Wunsch der Veränderung und so rieß die isländische Regierung vor 20 Jahren das Ruder radikal um, nachdem 42% der Jugendlichen angaben regelmäßig Alkohol zu trinken. Sie starteten ein Präventionsprogramm, mit dem Ziel die Trinkgewohnheiten eines ganzen Landes langfristig zu verändern - angesetzt bei den Jugendlichen. In der Uni Reykjavik suchen Forscher, Entscheidungsträger sowie sämtliche Fachkräfte nach einem gemeinsamen neuen Weg - etwa mittels regelmäßigen Volksbefragungen über detaillierte Fragebögen, die flächendeckend ausgeteilt werden.

Et voilà, es gelang: nur noch 5% der Jugendlichen trinkt auf Island heute regelmäßig und sie zählen damit zu den *cleansten* in ganz Europa. Nicht, dass manche den Eindruck gewinnen, ich könne nur über Politik schimpfen. Gar nicht! Ich kann ganz begeistert sein, was der politische Wille für das Allgemeinwohl alles vermag. Alle 10 Sekunden stirbt auf der Welt ein Mensch an den Folgen seines Alkoholkonsums - an diesen Zahlen schieben sich nicht viele Todesursachen vorbei.

Doch es gilt wie stets das individuelle Credo: jeder wie er meint.

Heute wird das Ende des Ramadan gefeiert. Vom Ramadan wissen Außenstehende wie ich hauptsächlich, dass tagsüber gefastet wird. Wobei Fasten wiederum Bestandteil aller Religionen und alten Kulturen ist. Buddhistische Mönche nehmen lediglich zwei Mahlzeiten am Tag zu sich, im Hinduismus kann Fasten bis zur Askese betrieben werden, im Judentum sind es einzelne Tage und das Christentum hat(te) seine Fastenzeit vor Ostern. Wir ließen uns vom Ramadan inspirieren und begannen mit dem Intervallfasten. Das heißt 8 Stunden essen wir (von 8-16 Uhr), den Rest nehmen wir keine Mahlzeiten mehr zu uns. Was natürlich deutlich easier ist, als von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang enthaltsam zu sein wie während des Ramadan, weil erstens kürzer und wir zweitens die hautsächliche Zeit verschlafen.

Zum Thema Intervallfasten habe ich mich von Professor Michalsen virtuell beraten lassen, der mir zu der seltenen Spezies Mensch zu zählen scheint, die selbst leben, was sie propagieren. Faszinierend fand ich seine Aussage, dass gutartige Zellen besser mit Mangel und Beschränkung zurecht kommen wie bösartige Zellen (hier füge ich - weils so gut passt - Links ein zur ZU-Friedenheit oder zur Genüglichkeit). Aufgemerkt: auf zellulärer Ebene wird noch unterschieden zwischen gut und böse, gesund und krank, nomal und entzündlich - könnte man drüber nachsinnen...

Nach heutigem Stand der Forschung löst das Intervallfasten die gleichen Prozesse aus wie die des Heilfastens nämlich die der sogenannten Autophagie: die Zelle wird zur Selbstreinigung angestoßen. Vereinfacht erklärt heisst das, dass sich die Zelle während des Fastens von innen ernährt. Gibt es keinen Nachschub mehr, verdaut sie alles, was nicht unbedingt notwendig ist. Bildlich gesprochen wird der ganze Müll des Körpers in einen Sack gepackt und als Nahrungsquelle der Zelle verwendet. Dazu gehören auch schädliche Zellen, Entzündungsherde und ähnliches. Sie werden sprichwörtlich aufgefressen und verdaut ... und damit unschädlich gemacht.


Wir sind nun in der dritten Woche und es läuft gut. Man verliert auch etwas Gewicht - aber das war für mich kein Anstoß. Ich fange in den letzten Tagen verstärkt zu schwitzen an (ähnlich wie während unser Mangosteen-Kur in Thailand). Und mein Schweiß riecht, was er bei Anstrengung und Belastung normal nicht tut. Mich interessiert die Wirkung auf den Körper - und anscheinend setzt die nun langsam ein. Aber um ein endgültiges Urteil darüber zu fällen, werde ich den Rhythmus noch länger durchziehen. Da für uns das Fasten nicht einhergeht mit einer Ernährungsumstellung, fällt es uns recht einfach dabeizubleiben.

Gefeiert wird heute mit den Moslems: mit dem  türkischen Gericht Fellah Köftesi, Bulgur-Bällchen mit Tomatensauce und Joghurt. Das Rezept für die Bällchen habe ich bei Duygu entdeckt, die wirklich super beschreibt, wie die Teigkonsistenz sein sollte. Für die Tomatensauce habe ich jedoch auf meine berühmten Ofen-Tomaten zurückgegriffen. Wer die nicht hat, kann wie Duygu die Tomatensauce mit Tomatenmark herstellen. Hat uns sehr gut geschmeckt - mal wirklich was anderes. Ach, einmal in der türkischen Provinz überwintern... ein schöner Traum, denn seit dem ersten, kurzen Aufenthalt in der Türkei habe ich mich in Land und Leute verknallt!


Zutaten 3-4P*:

Für die Bulgurbällchen:
200 g feinen Bulgur (Köftelik Bulgur)
200 g Grieß
350 ml heißes Wasser (evt. plus)
1 EL Tomatenmark oder Paprikamark
ein Ei
1 TL Salz

Für die Tomatensauce:
200ml Ofen-Tomaten
2 EL Olivenöl
Salz
Pfeffer
1 Pr Zucker

Für die Joghurtsauce:
1 Joghurt (m: Schafsjoghurt/ Soja-Joghurt)
2 junge Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer

zur Deko: fein geschnittener Basilikum

Zubereitung:

Für die Bulgur-Bällchen den Teig zubereiten: dafür Bulgur, Grieß sowie Tomatenmark, Salz und Wasser miteinander vermischen. Die Schüssel abdecken und für 10 min ruhen lassen.

Mithilfe einer Küchenmaschine (m: Knethaken des Handrührers) den Teig gründlich kneten (m: ca. 6min). Dann nochmals 5min ruhen lassen, das Ei zufügen und weitere 4min kneten. Der Teig sollte schön homogen sein, zäh, klebrig und an Kaugummi erinnern - ich brauchte noch etwas zusätzliches, heißes Wasser dafür, das ich schlückchenweise zugefügt habe. Wenn man die Bällchen formt, dann müssen sie zusammenhalten ohne dass sich Risse zeigen. Von dem Teig werden etwa Murmel große Stücke entnommen, rund geformt und mit dem Zeigefinger etwas eingedrückt. Wenn der Teig dabei kleben sollte, die Hände immer wieder leicht anfeuchten.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Bulgurbällchen darin so lange garen, bis sie an die Wasseroberfläche schwimmen - dazu benötigen sie ca. 10-15min.

Die Ofentomaten in einer größeren Pfanne erhitzen und etwas mit den Bällchen mischen - eventuell  etwas strecken mit Kochwasser von den Bällchen.

Die Bulgurbällchen auf euren Servierteller geben und mit Knoblauch Joghurt überdecken.

*Anmerkung m: ich hatte für uns beide die Hälfte mit einem Eigelb zubereitet - auch anteilig etwas mehr Bulgur verwendet dafür. Mengenmäßig sieht die Hälfte nicht nach einer großen Portion aus - die Bulgurbällchen machen aber gut satt.

Inspiration: Cookbakery


Futuristische Visionen: Fenchel-Bulgur mit Petersilie und Ziegenfrischkäse

Freitag, 18. November 2016

Kennt irgend jemand witzige, heitere Happy-End-Sience-Fiction-Filme? Nicht, dass ich da ein Crack wäre, also gar nicht,  aber ich bin geistig meine Beispiele mal durchgehoppelt:  *Gattaca*, *Strange Days*, *Terminator*, *Avatar*, *Tribute von Panem*, Mad Max* oder *Star Wars*. Und eines eint sie alle: ihre Grundstimmung ist düster, schaurig und kriegerisch.

Ich komme darauf, weil ich neulich über ein Zitat von Stephan Hawkins lachen mußte: "Computer werden die Menschheit mit Hilfe künstlicher Intelligenz in den nächsten 100 Jahren übertreffen", sagte Hawking, „Das wird das größte Ereignis in der Geschichte der Menschheit werden - und möglicherweise auch das letzte.“ So bezwingend zusammengefaßt, dass es mich erheiterte.

Vor 100 Jahren stand die Stimmung, was die Zukunft betrifft, noch komplett auf Euphorie. Gerhard Hauptmann schwärmt in seinem *Buch der Leidenschaften* (aus dem ich bereits etwas zu ausufernd zitiert habe) von *märchenhaften Fortschritten*: *Fast mit jedem Schritt wurde damals ein neues Morgen gesucht und erlebt. Eine nagelneue Epoche ging über der Menschheit auf. Man suchte und fand überall Neues.* Gerade die Bildungselite erfüllte die rasante Enwicklung von Forschung und Technik mit verwunschener Hoffnung. Ja, der Glaube an die Wissenschaft hatte ganz und gar religiöse Züge, Heilsversprechen inklusive. In ihrern Träumen waren Wunder greifbar: Wägen ohne Pferde, ruderlose Boote, fliegen ohne Ballon, bishin zur Befreiung "von dem Geißeln der Menschen, den Seuchen*: eine Welt ohne Diphtheritis, Lues (Siphilis), Blattern (Pocken), Cholera, Tuberkulose...

Was wurde aus diesen Hoffnungen? Glaubt denn heute jemand noch, dass die Zukunft besser sein wird als die Gegenwart? Wird die künstliche Inelligenz von ihrem Erschaffer Milde, Gnade, Bamherzigkeit, Menschlichkeit gelernt haben, wenn sie zur Herrschaft bereit ist?

Ach, für französische Verhältnisse wäre das ein Thema, das deutlich zu schwer wiegt. Da läuft man Gefahr, den Appetit zu verlieren. Ich kann nicht oft genug betonen, dass soetwas im Land des guten Essens bereits Weltuntergansverhältnissen gleichkommt. Mindestens! Also serviere ich heute etwas Leichtes, aber nicht minder Feines - inspiriert von einem lieben Feriengast (coucou Franziska). Mit besonderem Genuß für den Ziegenfrischkäse, dessen Winterpause vor der Tür steht...
Zubereitung 2P:

100g Bulgur (m: gröberer Einkorn-Bulgur)
2-3 Fenchelnkollen, ne nach Größe
1 TL brauner Zucker
1/2 TL Fenchelsaat, frisch gemörsert 
2 Knoblauchzehen
1 Bund Petersilie
1 Schuß Patis
1 Schuß Noilly Prat
1 Ziegenfrischkäse (ca. 110g)
1/4 Salzzitrone, die Schale, sehr fein geschnitten
Salz, Pfeffer
Gemüsebrühe
Olivenöl

Zubereitung:

Den Fenchel putzen, nach Bedarf schälen, halbieren, den Strunk entfernen und in feine Scheiben schneiden. In dem erwärmten Olivenöl die Fenchelsaat kurz rösten. Den Fenchel in dem Olivenöl mit Geduld (etwa 20min) braten. Kurz vor Ende den feingehackten Knoblauch unterrühren, sowie den Zucker darüber karamellisieren lassen. Mit Pastis und Noilly ablöschen und völlig einreduzieren lassen, ca.80ml Gemüsebrühe anschütten, Deckel auflegen und in weiteren 10min den Fenchel sehr gut weich garen.

Parallel den Bulgur in doppelter (oder dreifacher - je nach Sorte) Menge Wasser mit einer Prise Salz für ca. 15-20min auf kleiner Flamme kochen. 

Zuletzt den Bulgur zu dem Fenchel geben, die Salzzitrone dazufügen,ebenso die feingeschnittene Petersilie. Salzen, pfeffern und den gewürfelten Ziegenfrischkäse untermischen. 

Wirsing-Wickel - zwischen Herbst und Frankreich

Sonntag, 18. September 2016

Als Kind hatte ich eine kleine Plastikschildkröte zum Aufziehen für die Wanne. Die machte genau die gleiche Bewegung mit ihren Flossen wie die frisch geschlüpften Schildkröten vom Strand Richtung Meer (wer kennt die Bilder nicht). Aber wie wenige von ihnen erreichen je das Wasser? Eine Heerschar von Vögeln lauert in der Luft genau auf dieses Ereignis. Wie wenige von ihnen erreichen überhaupt je das sagenumwobene Schildkrötenalter von über 200 Jahren?

Die Evolution ist verschwenderisch. 

Wieviele der Kaulquappen entwickeln sich je zu Fröschen? Wieviel Störe bringen ihren Kaviar durch? Wieviel Vogelkinder ziehen nach dem ersten Sommer mit in den Süden? Wieviel Schmetterlinge leben lange genug um sich zu paaren? Wieviel Samen muß man ausbringen, damit eine Pflanze Früchte hervorbringt? Die Evolution ist verschwenderisch.

NATÜRLICH sind wir dementsprechend stolz wie Bolle, wenn einer unserer Zöglinge sich zu einem richtigen Prachtkerl mausert. Ich erinnere mich sofort an unsere riesige Cœur-de-Bœuf Tomate deren Gewicht von angeberischen 700g  uns beinahe einen Auftriff im hiesigen Ortsblättchen eingebracht hätte.... hätten wir die Tomate nicht vorher gegessen. Oder jetzt dieser Wonneproppen-Wirsing. 

Ich bekam ihn eben so noch hochgehalten. Mit einer Hand. (Gut, bei solchen Garten-Legenden mutiert man wohl zum Angler). Aber ganz ohne Untertreibung ernährt ein solcher Wirsing mehrere Fußballmanschaften! Beginne ich mit den Wickeln, die herbstlich anmuten mit den Champignons, gerne ersetzt durch Waldpilze (darauf freue ich mich schon - mit dem Regen geht die Pirsch wieder los), während die Füllung dank der Salzzitrone französisch-sommerlich-anmutig bleibt.
Zutaten:

8 Blatt Wirsing
250g weiße Bohnen, gekocht
(m: Dose)
70g Bulgur, gekocht
30g Tomate, confit
1/2 Salzzitrone, fein geschnitten
1/2 Bund Thymian
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Gemüsebrühe
Öl

300g Champignons
1 Schalotte
Noilly Prat
Kokosmilch (oder Sahne)
100ml Gemüsebrühe
1 TL Pilzpulver
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl
Petersilie, fein gehackt

Zubereitung:

Den Bulgur und doppelter Menge Wasser aufsetzen und ca. 10min köcheln lassen. Deckel abnehmen und etwas ausdampfen lassen. Die Schalotte und den Knoblauch fein würfeln. Zusammen mit dem Thymian in Ölivenöl glasig dünsten. Die Bohnen abspülen und abropfen lassen In einem kleinen Topf die Bohnen grob anpürieren. Mit dem Couscous, den Schalotten und der Salzzitrone vermengen. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Piment und Tomaten-Confit.

Die Wirsingblätter in reichlich kochendem Wasser ca. 5min garen und mit kaltem Wasser abschrecken (blanchieren). Die dicken Blattrippen glatt schneiden. Die Blätter mit einem Küchentuch trocken tupfen. Jeweils einen guten Eßlöffel Füllung auf das untere Ende des Kohlblattes setzen. Die gegenüberliegenden Seiten der Blätter etwas einschlagen und zur Roulade rollen. (Wer mag, fixiert nun mit Küchengarn - es geht aber auch ohne).

Öl in einer Pfanne erhitzen und die Rouladen zuerst mit der Nahtseite nach unten anbraten, dann ringsherum. Etwa 50ml Gemüsebrühe angießen und bei geschlossenem Deckel und leichter Hitze gut 10min garen lassen.

Währenddessen die Pilzsauce zubereiten. Dafür die Pilze von den Stielen trennen und die Köpfe in Scheiben schneiden. Bei großer Hitze die Pilze ohne Fett in einer Pfanne braten. Die Schalotte fein würfeln, ebenso die Stiele. Die fertigen Champignons in eine Schüssel geben und in der gleichen Pfanne bei reduzierter Hitze die Schalotte gemeinsam mit den fein gehackten Pilzstielen braten. Mit Noilly Prat ablöschen. Etwas Gemüsebrühe  anschütten. Das Pilzpulver untermischen. Salzen, pfeffern und mit Piment würzen. Die gebratenen Pilze zufügen und nochmals kurz köcheln lassen (wer mag bindet die Sauce etwas sämiger). Zum Servieren mit etwas feingehackter Petersilie garnieren.

Lückenbüßer: Hirse mit Rote Bete - Grün und Cassis

Samstag, 4. Juni 2016

Der ein oder andere fragt sich womöglich, was ißt die eigentlich, wenn sie es nicht fotographiert. Für uns bedeuten *hinter den Kulissen-Tage* *Entlastungstage*, das heißt, ich bereite uns meist etwas Leichtes zu, was früher wohl unter dem Wort *Schonkost* lief - sozusagen der Vorläufer von *rein pflanzlich* bzw. *vegan*. Eigentlich also eher Pionier wie Lückenbüßer. Solche Tage baue ich etwa 2x die Woche ein. Warum? Weil sie uns wohl tun. Und ich löse alle Spekulationen auf: gerade ist es gerne Hirse. Hirse läßt sich natürlich ebenso gut ersetzt denken durch Couscous oder Bulgur, aber momentan ist es eben vorzugsweise Hirse. Eigentlich Fast Food.

Hirse kocht sich schnell und von allein und nebenher schnippele ich zügig etwas Gemüsiges. Zur Zeit wird auf dem Markt die erste, junge Rote Bete des Jahres angeboten. Im Bund samt Grün. Und das Grün ist viel zu schade, als dass man es wegwirft.
Zutaten 2P:

1 Bund Rote Bete 
2 Schalotte
70ml Cassis
1 TL brauner Zucker (oder Honig)
1/2 TL Koriander, gemörsert
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
90g Hirse
Öl

1 Joghurt 
2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
3 Zweige Minze
1 Pr Sellerie-Salz 

Zubereitung:

Die Hirse in der doppelten Menge Wasser (180ml) mit einer guten Prise Salz zum Kochen bringen und ca. 20min sanft köcheln lassen bis die Hirse das Wasser ganz aufgenommen hat.

Die Stiele von der Beete abdrehen. Die Rote Bete in Wasser aufsetzen und weich garen. Kalt abschrecken und die Hälfte schälen und fein schneiden. (Die andere Hälfte der ungeschälten Bete in den Kühlschrank verfrachten für einen Salat am nächsten Tag). Das Grün waschen, trocken schleudern und fein schneiden. Schalotte fein würfeln. Die Schalotte in dem Öl glasig dünsten. Die fein geschnittenen Stiele dazufügen und weitere 5min garen. Die klein geschnittenen Bete untermischen. Mit Zucker, Salz, Pfeffer und Koriander würzen. Den Cassis anschütten und etwas einköcheln lassen. Deckel auflegen und bei kleiner Hitze weitere 5min garen. Mit Piment abschmecken und mit der Hirse vermengen.

Parallel für den Dipp den Knoblauch fein würfeln und die Minze fein schneiden. Mit dem Joghurt vermengen und mit Selleriesalz würzen. Zusammen servieren

*Anmerkung m: den Cassis bereite ich jährlich in etwa wie Petra zu - allerdings aus Jostabeeren und ohne das Ante-Geliermittel.
Eine andere Variante: Hirse mit dieser Sauce plus einer weiteren Paprika, die ich würfle. Ich würze mit Zitronenthymian und bestreue mit jungem Knoblauch.

Weitere Ideen mit Couscous oder Bulgur: 



http://salzkorn.blogspot.fr/2013/07/existentielles-essen-petersilien.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2015/09/ruckwartiges-couscous-potpourri.html 
http://salzkorn.blogspot.fr/2015/08/kofte-fur-freiluft-esser-geeignet.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2012/05/ge-bohne-rt-couscous-salat-mit-grunem.html










Köfte - für Freiluft-Esser geeignet

Montag, 10. August 2015

Leichterdings könnte ich euch mit Tartes zuballern. Ihr wißt schon, mit Gemüse, das gerade ständig weg muß. Tomate und Zucchini und so. Aber ich will euch und mich nicht langweilen. Sie sind halt gar so bequem zum Grillen dazu zustellen. Vielleicht zeige ich euch eine Auswahl und ihr könnt euch raussuchen, ob ich eine weitere der unzähligen Varianten vorstelle.

Zu einem gemeinsamen Grillen habe ich mich nun für Köfte entschieden - herrliches, türkisches Fingerfood. Und ja, ausversehen vegan. Der Clou sollte sein, dass die Köfte mit einer gewissen Schärfe daherkommen. Das steht den kleinen Burschen ausgesprochen gut zu Gesicht. Und wie es so ist bei kleinen Häppchen, sind sie schneller verschwunden, als ich sie auf den Tisch stellen konnte. Glatt übertrieben - aber bis die erste Wurst gebraten war, also da war von Köfte keine Spur mehr. So wahr ich hier schreibe!
Zutaten - ca. 33 Stück:

250g Bulgur, fein geschrotet*
480ml Gemüsebrühe
2 gekochte Kartoffeln (mittelgroß)
2 Schalotten, fein gewürfelt
2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
2 EL Tomatenmark
2 EL Paprikamark*
1 Msp Pimentón de la vera
2 EL Olivenöl
1/2 Bund Petersilie
1-2 TL Harissa
1 EL Grenadine (Granatapfelsirup)
Salz, Pfeffer
Zitronensaft
Zubereitung:

Die Gemüsebrühe zum Kochen bringen, den Bulgur einrieseln lassen. Vom Herd ziehen und mit geschlossenem Deckel 10min quellen lassen. Währenddessen die Petersilie und den Knoblauch fein wiegen und die Schalotten fein würfeln. Die Kartoffeln fein reiben oder durch die Presse drücken. Alle Zutaten miteinander in einer Schüssel vermengen und sehr gründlich von Hand verkneten, bis man merkt, dass die Masse anfängt gut zusammen zu halten. Pikant abschmecken.

Für das Formen die Hände leicht einölen und  dann längliche Frikadellen formen. Auf eine Platte setzen, gerne mit etwas Salat (läßt sich sehr gut vorbereiten).

*Anmerkung m: Das Paprikamark habe ich durch eine gerillte, gehäutete, rote Paprika ersetzt, die ich püriert habe

Typischerweise wird die Köfte ohne Kartoffeln dafür mit extra fein geschrotetem Bulgur zubereitet (gibts beim Türken). Dann allerdings muß die Köftemasse mit viel Hingabe und Geduld geknetet werden - etwa 20min. Mit den Kartoffeln klappt das Formen aber ganz wunderbar und der Geschmack war ganz und gar überzeugend. Köstlich (nur falls ihrs oben oberlesen haben solltet  ;)

Festtag IV: Reisehunger x 2 - Bulgursalat mit Nüssen

Sonntag, 28. Juni 2015

Während in meiner Selbstwahrnehmung Foodbloggerin ziemlich unten auf der Liste erscheint, fühle ich mich weit mehr als Reisende.

Das war nicht immer so. Lange bevor Amor die Pfeile verschoß, war ich in Anamnese bei meinem zukünftigen Habib. Damals meinte er: *Dir würde es auch mal gut tun, vor die Haustür zu kommen. Zieh doch mal los. Geh doch nach.... Indonesien*. Ich höre meinen ersten abwehrenden Gedanken dazu als wäre es gestern gewesen: Pfff, was soll ich denn in I-N-D-O-N-E-S-I-E-N?! Dabei habe ich jeden Buchstaben einzeln betont. Innerlich. Von Indonesien.

Ein Unfall, eine Knie-OP, eine Trennung und ein Umzug später stand mein Reiseziel fest: Myanmar. Unter anderem. Nach der Reise war nichts mehr wie vorher. Ich auch nicht. Diese erste Reise allein würde ich im Nachhinein sogar als einen Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben bezeichnen. Und jede (nicht vor- und durchgeplante) Reise verändert - das fasziniert mich neben der Fremde, dem Einlassen auf Unbekanntes, dem Gefühl unterwegs zu sein, sowie der warmen Empfindung *Ein-zuhause-zu-haben* am meisten.

*Reisehunger* von Nicole Stich konnte damit nur Pflichtlektüre werden. Was ein anziehender Titel. Noch nie ist mir aufgefallen, dass ein Buch in diesem Ausmaß durch die Blogs zieht. Gebts mal ein in die Suchmaschine: echt phänomenal. Im Schneeballsystem rollt *Reisehunger* durch Blogistan!

Mich erfreut das Buch ebenfalls weiterhin. Fast dauerts mich, dass wir im Prinzip vegetarisch leben. Da gäbs nämlich einige appetitliche Rezepte, die mich sonst ködern könnten. Vielleicht locken sie euch? Zwei Exemplare von Reisehunger verlose ich heute. Wer mag, hinterläßt einen Kommentar unter diesem Post. Ja, und als Goodie sogar mit einer persönlichen Signatur von Nicky! 

Die mir - by the way - wahnsinnig schmeichelt, wenn sie mir ein Foto schickt von einem nachgekochten Gericht von hier. Vermutlich ist das auch mit ein Teil des Erfolges von Reisehunger: Nicky MUSS man sympathisch finden... So wie ihre Rezepte lecker. Den Bulgursalat nehme ich mit an den Fluß - mit den Füßen im Wasser wird er nochmals frischer schmecken... Ach, und nur dass ihr es wißt: Nicky hat diesen Bulgursalat in ihrem Buch mit *Lieblingssalat* markiert... Vielen Dank an GU und Nicky fürs Mitfeiern!

Hier habe ich von *Reisehunger* vorgeschwärmt - samt Resumée nach 4 Essen. Tollen Essen! Eindeutig jetzt schon unter meinen Top 3 der Kochbücher 2015!
Zutaten:

400ml Gemüsebrühe
200g grober Bulgur
1 Bund Minze
1/2 Bund Petersilie
3 Schalotten
40g Walnüsse (m: Pistazien)
40g Mandeln
3 EL Butter (oder Öl)
60-75g Cranberrys
1 TL Zimtpulver
2-3 EL Zitronensaft
3-4 EL Olivenöl
2 Pr Zucker
Meersalz

Zubereitung:

Die Brühe zum Kochen bringen, Bulgur einrieseln lassen und bei sanfter Hitze schwach köcheln lassen - dabei den Deckel nicht auflegen. Dann die Flamme abstellen und zugedeckt 20min quellen lassen.

Währenddessen die Zwiebeln fein würfeln (oder in feine Ringe schneiden). Die Kräuter fein (m: mittel) hacken. Die Nüsse eher grob hacken. Die Butter in einer Pfanne aufschäumen lassen, die Schalotten darin dünsten bis sie glasig sind, dann Walnüsse, Mandeln, Cranberrys und Zimt weitere 2min mitrösten. Vom Herd ziehen.

Falls der Bulgur noch zu flüssig sein sollte, das überschüssige Wasser abgießen. Den Bulgur mit einer Gabel auflockern. Zitronensaft, Kräuter, Nuss-Mix unterrühren, mit Olivenöl, Zucker und Salz abschmecken.

TIPP von Nicky: Anstelle der Cranberrys kann man auch Granatapfelkerne verwenden

*Anmerkung m: Da gerade griffbereit mischte ich auch kleineschnittenen Rucola unter. Die Walnüsse ersetzte ich durch Pistazien (weil wir zum Frühstück bereits sämtliche Walnüsse aufgegessen habe). Man kann dem Salat auch wunderbar etwas klein geschnittene und gedünstete Zucchini oder Möhren unterschummeln - schmeckt auch prima.
Teilnahmebedingung: Wer hier bis zum 5.Juli (24 Uhr) einen Kommentar mit Mailadresse hinterläßt, kommt in den Lostopf für eines der beiden Exemplare von Reisehunger.

Bis heute Nacht läuft noch die Verlosung von *Gemüse kann auch anders* von Bettina Matthaei samt den Gewürzen aus ihrem Handel.

Bis Dienstag dauert die Verlosung vom Börner V5-Hobel an.

Und bis Donnerstag kann man noch in den Lostopf von *Teeträume* hüpfen.