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Feiertag-Apfelkuchen

Sonntag, 19. Oktober 2025

 

Also ich rede hier eigentlich schon von Torte! Weil: ich habe einen Tortenring verwendet!!! Für die schmusige Sahne, die Mürbteig, Apfelkompott und Streusel toppt!

Deshalb ist das kein Kuchen für den Alltag! Das ist eindeutig die Kategorie Feiertagskaliber, die keine Wünsche offen läßt! Oder? Was sollte noch fehlen? Alles dabei. Von Frucht über Knusper über Sahnedupser. Und das Beste: ohne dass es deshalb in Zuckerbäcker-Ziseliererei ausartet.

Wir sind unleugbar im Herbst gelandet, kochen wir wieder mit Kürbis und backen wieder mit Apfel. Meine liebsten Apfelkuchen-Rezepte habe ich euch bereits zusammengestellt, quasi die 16 Best of Apfelkuchen. Jetzt wird erweitert mit Torte. Wobei der Apfelkuchen mit Rahmguß auf der einschlägigen Liste auch schon Schlagseite zu Torte hat. An dieser Stelle schicke ich euch gerne weiter zu Ulrike aka Küchenlatein und ihrer beeindruckende Sammlung von Apfelkuchen-Rezepte! Dort warten noch einige, die von mir nachgemacht werden wollen...

Wie so oft habt ihr bei meiner Torte viele Möglichkeiten zu variieren. Ich habe in das Apfelkompott einen Schuß Weißwein gegeben, und zwar von einem Bio-Weingut ums Eck. Cidre kann ich mir ebenfalls hervorragend vorstellen. In die Streusel wanderte wie immer mein Sugar Spice rein, ich stehe einfach drauf. Vielleicht wollte ihr nur Zimt verwenden? Oder nur Kardamom? Oder Tonka-Bohne? Spielt mit den Aromen, die eure Favoriten sind und nix kann schief gehen. Ein gutes Rezept habt ihr ja hiermit.


       

       


Ich mußte allerdings erstmal im Supermarkt suchen, ob die Fränzis auch Sahnesteif haben. Noch gar nie hier gekauft. Als ich zu bloggen anfing, war Espuma der letzte Schrei. So einen Sahne-Syphon brauchte ich dann unbedingt wie gefühlt alle anderen. Daher wüßte ich wirklich nicht, wann ich das letzte Mal Sahnesteif verwendet habe. Mais bon, bien sûr gibts in Frankreich ähnliches als *mon Cremfix* etwa...

Zutaten - Springform 26cm:

Mürbteig:
200g Mehl (m: D1050)
100g Butter, kalt
80g Rohrzucker
1 Ei
1 Msp Back-Pu
1 Pr Salz
...
Apfel-Kompott:
600g Äpfel (geschält)
500ml Apfelsaft 
(m: davon 50ml Wei0wein)
1 Päckchen Vanille-Pudding
...
Streusel:
90g Mehl
90g Nüsse
25g Haferflocken
90g Butter
70g Muscoavdo-Zucker
1/2 TL Zimt (m: Sugar Spice)
...
400ml Sahne
2 P Vanille-Zucker
2 p Sahnesteif


Zubereitung:

Springform buttern und mit Mehl bestäuben.

Für den Mürbteig, die Butter in Flöckchen zu den restlichen Zutaten geben, daraus einen homogenen Teig kneten. Damit den Boden der Form ohne Rand auskleiden (geht am Besten direkt in der Form - entweder von Hand oder mit einem kleine Roller). Mit der Gabel mehrfach einstechen.

Bei 160° (Umluft) 10 min backen.

Alle Zutaten für die Streusel miteinander verkneten und kühl stellen.

Für das Kompott die Äpfel schälen und in kleine Würfel schneiden (etwa 1/2 cm). Von dem kalten Apfelsaft 3-4 EL zur Seite nehmen und darin das Pudding-Pulver lösen. Restlichen Apfelsaft (m: mit Wein) zum Kochen bringen, dann Pudding-Pulver mit dem Schneebesen einrühren, andicken lassen und vom Herd ziehen. Nun die Apfelwürfel untermischen.

Apfelkompott auf gebackenen Boden geben und glatt streichen, darauf die Streusel krümeln. Eine weitere Stunde - 60min - bei 160° (Umluft) im Ofen backen. Komplett auskühlen lassen.

Springrand lösen und stattdessen eine Tortenform um den Kuchen setzen. Die Sahne zusammen mit dem Vanillezucker und dem Sahnesteif fest schlagen. Auf dem Kuchen verteilen, schön glatt ziehen und mit Zimt bepudern.

Inspi: Insta: Hefe.Würfel

Klassiker: Zupfbrot mit Früchten

Sonntag, 14. September 2025

 

Wir hatten einen langen, ausgedehnten, durch und durch sonnigen Sommer! Warm genug, dass der Ofen in der Küche nicht unnötig angeworfen wurde. Umso mehr macht mir das Backen jetzt wieder Spaß. Obwohl ich ja eigentlich gar nicht so der Zuckerbäcker bin. Die Erntedank-Zeit mit all dem Obst inspiriert zusätzlich.

Das Zupfbrot solltet Ihr kennen. Es hüpfte einst von Blog zu Blog. Wir Foodies waren alle gleich begeistert vom Schuedi. Dementsprechend habe ich schon öfters mit diesem Rezept gespielt. Ein Blog-Buster hat ja seinen Ruf nicht einfach so. Etwa hier als Rosenkuchen. Oder als Muffin-Schneckchen. 

In diesem Zusammenhang ist mir wieder das Trauben-Walnussbrot von Sybille-Anna eingefallen, das sie hier als Gastbeitrag mal veröffentlicht hat. Das wollte ich ja schon ewig mal abwandeln. Und die kleinen, süßen Feigchen, die es dieses Jahr so üppig gibt, riefen förmlich danach,

In diesem Zupfbrot kommt soviel zusammen, was ich gerne mal. Ich glaube, ich muss gar nicht mehr viel dazu schreiben. Wer Süßkram mag, der wiederum nicht ZU süß ist, der wird dieses Zupfbrot ebenfalls mögen. Da legt euch nicht auf Feigen fest, das schmeckt auch gut mit in dünne Schnitze geschnittene Pflaumen, Birnen, Äpfel, mit Blaubeeren oder Brombeeren... Euch fällt was ein, wenn Ihr euch von der Idee begeistern laßt!


       

       



Zutaten - Form von  30cm Länge

  • Hefeteig:
  • 400g Mehl (m: D630)
  • 10g frische Hefe
  • 70g Rohrzucker
  • 200ml Milch
  • 100g Butter, weich
  • 1 Eigelb
  • 1 Pr Salz
  • (optional: Zitronenabrieb)
  • ...
  • Füllung:
  • 150g Butter, weich
  • 50g Rohrzucker (m: Muscovado)
  • 2 TL Thymian
  • 2 TL Sugar Spice
  • 150g Nüsse (m: Haselnüsse, geröstet)
  • ca. 250g Feigen

Zubereitung:

Für den Teig, Mehl, Zucker, Salz und Zitronenschale (falls erwünscht) mischen. Milch lauwarm erwärmen und darin die Hefe lösen. Die zimmerwarme Butter und das Eigelb zugeben und alle Zutaten mit dem Knethaken 3min kneten. 10 min passieren lassen und weitere 3min kneten (Dinkel braucht Zeit und nicht zuviel Knet-Hinwendung). Zudecken und eine Stunde im Warmen gehen lassen. Dann über Nacht in den Kühlschrank stellen. 

Die Form mit Backpapier auslegen. Den Backofen auf 180 °C (O/U-Hitze) vorheizen.

Am nächsten Tag den kalten Teig direkt ausrollen auf die Größe von einem Rechteck von etwa 42 cm auf 30 cm. Die 150g weiche Butter gleichmäßig aufstreichen (ich habe die Butter geschmolzen und dann wieder fester werden lassen). Zucker - gemischt mit Thymian und Sugar Spice - und mittelfein gehackte Nüsse darüber streuen. Die Früchte in Scheiben schneiden und gleichmäßig darauf verteilen. Der Breite nach in 6 Streifen, der Länge nach in 3 Streifen schneiden.

Nun jeweils 3 kleine Rechtecke (m: von unten nach oben) aufeinanderstapeln und auf diese Weise in die nacheinander in die vorbereitete Form setzen. Die restliche Butter, die mir vom Aufstreichen ein wenig übrig blieb, setzte ich als Flöckchen obenauf. 1 Stunde im Warmen gehen lassen.

Die Form in der Mitte des Ofens auf der mittleren Schiene einschieben und für ca. 1 Stunde backen. Wenn die Oberfläche zu dunkel wird, den Kuchen abdecken. Stäbchenprobe.

Schmeckt lauwarm besonders gut.



Krabat: Apfeltarte mit Kaffeekruste und Ingwer-Orangen-Guss

Sonntag, 19. November 2023


Eine der wunderbarsten Fähigkeiten von Büchern ist, dass sie verbinden können. Diesen Frühling habe ich *Marie de Brebis*, das ich von jemandem vom Tribe (coucou Monique) geschenkt bekommen hatte, jemandem vom Tribe (coucou Petra) während ihrer Zeit bei uns zum Lesen gegeben. Was uns dann noch näher zusammengebrachte, weil wir ganz ähnlich auf dieses Buch reagiert haben.

Ich erinnere mich, dass ich Vergleichbares mit *Krabat* erlebt hatte. Auf meiner ersten Reise alleine nahm ich *Krabat* mit, liebte die Geschichte wie beim ersten Mal lesen und nach mir verschlang es meine Mitbewohnerin (coucou Katharina), mit der ich mir auf Koh Tao den Bungalow teilte, um Geld zu sparen. Auch uns beide ließ das geteilte Leseempfinden enger zusammen rutschen. *Marie de Brebis* wie *Krabat* kommen entschieden auf die *Bücher meines Lebens - Edition 2*. 

Wobei ich alle Bücher von Otfried Preußler toll finde- doch Krabat ganz besonders. Über diese abgrundtief hundsmiserable Verfilmung war ich damals so aufgebracht, dass ich Preußler einen Brandbrief der Entrüstung schreiben wollte. Er war aber kurz vor dem Kinostart gestorben.

Krabat wurde mir gerade wieder lebendig, weil ich eine Doku über Otfried Preußler angeguckt habe (ja, schon wieder Arte, für die Interessierten unten eingestellt). Mit dem ersten Blick auf Otfried Preußler denkt man, was ein freundlicher, gutmütiger, anständiger Mann - manchen Menschen ist es einfach ins Gesicht geschrieben. Wie erstaunt war ich, dass Preußler über 10 Jahre an Krabat geschrieben hatte - sein Lebensbuch. Ein Buch, dass er sich beim Spazierengehen im Wald wieder und wieder ins Diktiergerät erzählte, daran änderte und feilte... bis sein Meisterwerk fertig war. 

Wieviel von seiner eigenen Biographie darin steckt, auch darauf wäre ich nicht gekommen: er verarbeitet darin seine eigenen traumatischen Erfahrungen im Krieg und 5 Jahre Gefangenschaft in einem russischen Lager. Wieder entlassen mit 25 Jahren, zurück in Deutschland bei seiner großen Liebe Annelies quält ihn die Frage: wie konnte er, wie konnte eine ganze Generation sich derart verführen lassen und in den Bann böser Mächte geraten  - seine Theaterstücke blieben völlig erfolglos, die Thematik interssierte in den 50igern niemanden. Nach dem Krieg beschäftigt mit Wiederaufbau und Verdrängung zieht man heile Welt samt Schlagermusik und Heimatfilmen jeder Art von Aufarbeitung vor.

Erst Mitte der 1990er zeigt die sog. *Wehrmachtsausstellung* Verbrechen einfacher, deutscher Soldaten und löste ein gewaltiges und auch breitgefächertes Echo aus: von Protesten (à la *Diffamierung stoppen!*) bishin zu Zuspruch - ein Land erinnert sich, fragt nach Verantwortung der Väter bzw- Großväter-Generation und: der Einzelverantwortung. Preußler fragt sich auch, wieso ausgerechnet er überlebte.

Die Geschichte von *Krabat* dreht sich um die Frage, was fasziniert an bösen Mächten und wie kann ich ihnen zu widerstehen. Eigentlich ist es eine märchenhafte Fassung der biblischen Geschichte vom verlorenen Sohn. Preußler macht sich die alte sorbische Sage (die als Vorlage diente) von dem Waisenkind aus dem 17 Jhdt ganz zur Auseinandersetzung mit seinem eigenen Leben: der Schwarzmagier/ der Diktator, der seine Knechte im Lager hält. Doch mit schwerer Rückkopplung: die Überlegungen setzen Preußler derart zu, dass er in eine schwere, psychische Krise gerät und die Arbeit an diesem Buch zwischendrin aufgeben muss.

Die Sage spielt in einer Mühle. Wie oft hat der Habib mir dieses Bild vor Augen gesetzt: die Mühlarbeiter, die auf engen, steilen Stegen Doppelzenter-Säcke hochtragen müssen, Getreide-Säcke von 100kg. Heute eine unvorstellbare Viecherei. Der Habib schleppte noch 50kg Zementsäcke den Berg hoch, um dem Hang das Haus abzutrotzen. Heute wiegen die Zementsäcke lediglich 25kg.

Der Gedanke ist schon verführerisch, es im Leben durch magische Kräfte leichter zu haben, anderen voraus zu sein, größer, stärker, mächtiger. Als Jugendlicher hegt man gerne solche Wünsche und Sehnsüchte. Doch die Entscheidung, die Krabat am Ende fällt ist: ich will kein Zauberer mehr sein, ich will, dass das endet, selbst wenn ich dafür sterbe. Krabat entscheidet sich somit bewußt gegen alle Erleichterung, gegen alle Vorteile und für alle Mühen, Plagen, alles Leid und Elend, das unweigerlich dazugehört, wenn man sich dem Leben stellt. Er entscheidet sich in aller Bescheidenheit und Demut lieber hundsgewöhnlich zu sein, 08-15, einer von vielen, nichts Besonderes. Das rettet ihn, sowie die Liebe eines Mädchens, das fest im Glauben verankert ist.

Aber - und das ist das Wesentliche: er entscheidet sich damit gleichzeitig für die Freiheit. Und somit für das Gute. Denn das gilt es sich bewußt zu machen: nur das Gute läßt frei. Das Böse aber raubt dir deine Entscheidungsfähigkeit und Urteilsfähigkeit samt deinem freien Willen - so lautet Preußlers Erkenntnis aus seinen Erlebnissen. Rest seines Lebens bleibt er entschiedener Pazifist. Er hatte sich geschworen, berichtet seine Tochter in der Doku, sich nie wieder instrumentalisieren zu lassen, er hat sich geschworen, nie wieder ein Gewehr in die Hand zu nehmen


 

 *Es gibt eine Art von Zauberei, die man mühsam erlernen muss, das ist die, wie sie im Koraktor steht, Zeichen für Zeichen und Formel für Formel. Und dann gibt es eine, die wächst einem aus der Tiefe des Herzens zu, aus Sorge um jemanden, den man lieb hat*, schreibt Preußler in Krabat.

Im tiefen Mitgefühl liegt die eigentliche Magie.

Und einen Sonntag kann man leichterdings magischer machen, wenn man dazu Kuchen serviert. Ich stelle euch ein weiteres Apfelkuchen-Rezept vor. Denn Apfelkuchen-Rezepte, derer kann man unmöglich genug angesammelt haben. Und dieses Stück Kuchen wird euch in Erinnerung bleiben, da es mit ungewöhnlichen Aromen aufwartet: ein bißchen Kaffee, ein bißchen Inger, ein bißchen Kardamom, ein bißchen Orange. Noch nicht wirklich adventlich aber auf dem Weg dazu.

 

 Zutaten:

Tarteteig:
200g Mehl
110g Butter, kalt
60g Rohrzucker
1 TL Crème fraîche
Salz
10g Instant Espresso
5g Kakao
1/2 TL Kardamom
etwas kaltes Wasser
...
500g Äpfel, entkernt, geschält
2 Eier
100g Mascarpone
200g Crème fraîche
60g Rohrzucker
ca. 2cm Ingwer, gerieben
1 Orange, der Abrieb davon
...
ca. 2-3 EL Muscovado-Zucker
ca. 2-3 EL gehackte Nüsse (m: Haselnüsse)

 

 

Zubereitung:

Alle Zutaten für den Tarteboden miteinander vermengen und rasch zu einem glatten Teig kneten. In Folie wickeln und etwa eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Danach eine Tartefom (oder Srpingform) mit dem Teig auslegen und dabei einen Rand hochziehen. Den Boden mit einer Gabel mehrfach einstechen.

Für die Füllung die Äpfel schälen, entkernen und in schmale Spalten schneiden. Die Apfelspalten auf den Teig in der Springform verteilen.

Den Ofen auf 200° Grad vorheizen (m: Intensivbacken = mehr Unterhitze).

In einer Schüssel die Eier, den Zucker, Crème und Mascarpone verrühren, Ingwer und Orangenschale dazu reiben und untermischen. Die Masse über die Äpfel gießen. Zuletzt ein paar gehackte Nüsse sowie den Muscovado-Zucker auf den Kuchen streuen.

Den Kuchen ca. 45 Minuten fallend auf 180° Grad backen.

Anmerkung m: man kann den Guss auch mit 3 Eiern und 300g Schmand backen.

Inspiraiton: Was eignes

 

Apfelkuchen-Spezial: Apfel-Walnuss-Kuchen mit Zimtkruste

Sonntag, 29. Januar 2023

 

Eine der Fragen, über die ich grübeln kann, ist: *Du hast in deinem Garten nur Platz für einen einzigen Baum - welchen wählst du?* Ich finde das wirklich schwer zu beantworten. Es gibt so viele tolle Bäume! Und es kommt halt darauf an... Die Albizia habe ich erst in der Drôme kennengelernt. Der Seidenbaum besitzt wunderhübsch gefiederte Blätter und blüht in wuscheligen, elfengleich rosanen Puschel-Blüten. Und zwar im absoluten Hochsommer, genau dann wenn man sich besonders gerne im Schatten eines Baumes aufhält  Ehrlich, das ist ein Bild, wenn in einem Garten der Tisch unter dem Blütenzelt einer alten Albizia steht - da geht mir das Herz auf. Ein Baum, wie für diesen Anlaß gemalt.

Oder wie prächtig können Lindenbäume werden! Ich mag allein die Farbe, das Lindgrün, sehr und den Geruch der Lindenblüten sowie die beruhigende Ausstrahlung einer Linde, die nicht von ungefähr in dem alten Volkslied *Kein schöner Land* besungen wird.

Oder der Ginkgo, dessen Blätterkleid sich im Herbst unvergleichlich golden färbt. Ginkgo biloba ist eines meiner absoluten Lieblingsgedichte von Goethe, daran lasse ich mich nur zu gerne durch die Anwesenheit eines Baumes erinnern.

Oder wie erfrischend es ist, zu Fuße einer Eiche zu ruhen - hätte ich die Erfahrung im eigenen Garten nicht gemacht, ich hätte es nicht für möglich gehalten. Oderoder... Ich könnte viele Bäume aufzählen, auf die ich nicht verzichten wollte. Wie gut, dass unser Grundstück viele Bäume möglich macht. Wären wir begrenzter, würde ich mich vielleicht doch für den Klassiker entscheiden, den Apfelbaum, den Baum der Erkenntnis. Bemerkenswert finde ich ja zum Thema *Erkenntnis*, dass Erkenntnis etwas Unumkehrbares ist. Was man ein Mal etwas als *wahr* erkannt hat (Beispiel *heiße Herdplatte*) bleibt ewig. Man kann nicht so tun, als hätte es dieses Erlebnis nicht gegeben. Erkenntnis brennt sich buchstäblich ein. Erkenntnis läßt sich nicht wieder abschütteln sondern klebt im Gedächtnis.

Äpfel zählen zu den Lebensmitteln, die ich immer zuhause habe. Kein Porridge ohne Apfel. One apple a day... fällt mir SEHR leicht, mich daran zu halten. Ich esse schon immer gerne Äpfel. In meiner Kindheit hat die Oma vor dem Schlafengehen sehr oft als Bett-Hupferl noch einen Apfel ans Bett gebracht - in ganz dünne Scheiben geschnitten, die sich mit Milchzähnen besonders genüßlich knabbern ließen.

 


 

Man kann auch unmöglich genügend gute Apfelkuchen-Rezepte besitzen. Und dieser Apfelkuchen heute darf direkt in die Favoriten-Schublade. Die Inspiration dafür ging von Ulrike aka Küchenlatein aus, die das Rezept wiederum in der Los Angeles Times entdeckte, das dort als holländischer Kuchen präsentiert wurde aus einem traditionsträchtigen Café in LA. Ich buk uns direkt zwei - den einen für uns, der andere wurde mitgenommen zu einem Nachbarn, der von seiner Atlantik-Überquerung mit dem Segelboot erzählte. Das Kuchen-Mitbringsel kam super an, denn er ist weit raffinierter als ein einfacher Rührkuchen, in den ein paar Apfelschnitze untergemischt werden. Die Kruste wird super knusprig und teilweise bilden sich von dem Topping kleine Lava-Spuren Richtung Kuchenmitte. Und dann noch die verläßliche Kombi von Apfel mit Nuss, meine Sugar-Spice-Mischung, auf die ich so verrückt bin, in der Zimtkruste... bref: lecker!!

 

Zutaten 20er Form (20cm x 10cm 8cm) *:

Zimtkruste:
60g Butter, kalt
30g Mehl (m: Einkorn-VK)
2 TL Zimt (m: Sugar-Spice)*
50g Muscovado-Zucker
...
Kuchenteig:
120g Butter, weich
170g Rohrzucker (m: mit Vanille angesetzt)
2 Eier
75g Joghurt (od. Buttermilch/ m: 50g davon Ofen-Apfelmus)
240g Mehl (m: D630)
1 TL Natron
1/2 TL Salz
220g Apfel
60g Walnüsse, gehackt, geröstet

 

Zubereitung:

Für die Knusperkruste Zucker, Mehl und Zimt miteinander vermischen. Die kalte Butter flöckenweise einarbeiten, bis eine krümelige Masse entstanden ist (m: geht am besten von Hand).

Den Backofen auf 180°C  (O/U-Hitze) vorheizen. 

Eine Kastenform von : 20 x 10 cm x 8 cm (Achtung! siehe Anmerkung unten dazu) mit Backpapier auskleiden. Mehl, Backpulver und Salz mischen.

Butter und Zucker schaumig rühren. Ein Ei nach dem anderen zugeben, danach Vanilleextrakt und Buttermilch bzw. Joghurt unterrühren.

Die trockenen Zutaten in die flüssigen Zutaten geben und nur so lange rühren, bis sie sich gerade eben verbunden haben. Mit einem Gummispatel die Apfelwürfel und gehackten Walnüsse unterheben und in die vorbereitete Form geben. Die Zimtauflage darüber verteilen.

Die Form in den Ofengeben und ca 55 bis 60min backen, bis der Kuchen aufgegangen und ein Holzstäbchen sauber wieder herauskommt. Den Kuchen in der Form 15min auskühlen lassen, aus der Form nehmen und auf einem Kuchengitter komplett auskühlen lassen. Erst komplett ausgekühlt anscheiden.

Anmerkung m: Zur Kastenform: Ulrike verwendete eine höhere Kastenform wie ich. Wenn man meine kleinformatigere richtig mit Backpapier auslegt (20cm x 10cm 8cm)  funktioniert die auch gut - man muss nur das Backpapier ausreichend überstehenden lassen - ein Überstand von etwa 5cm plus, dann kann man die derart doppelt falten, dass 2cm überstehen (also den Überstand nicht ganz mittig falten) so bliebt 1cm bleibt, den man zurück in die Form klemmt zur Stabilität... verständlich? Bei mir funktionierte die Kuchenform bereits dank einfachen Überstand des Backpapiers. Für alle, die soetwas noch nie gemacht haben, gibt Ulrike eine tolle Anleitung dazu: Backpapier auskleiden

Quelle: Ulrike aka LA Times 

 

 

Als Goodie gegen graue Wintertage, habe ich euch ein Apfelkuchen-Spezial zusammengestellt - ein paar ausgesuchte und besonders geschätzte Rezepte. Selbst wenn es die Tourte aux pommes , der gedeckte Apfelkuchen mit den (bestenfalls) selbstgemachten Amarettini oder die Eierschecke mit Äpfeln nicht in die Bilder-Gallerie geschafft haben, kann ich sie euch trotzdem empfehlen. Selbst unter den heutig ausgewählten fällt es mir schwer, die TOP 3 zu benennen. Habt ihr ein echtes Apfelkuchen-Lieblingsrezept? Dann bitte raus damit und teilt mit mir!

 

       

       

       

     

      

       

       

       

Killing you softly: Schoko-Cookies der besonderen Art

Sonntag, 15. Januar 2023


Viele in unserem Dorf haben Probleme mit ihrem unmittelbaren Nachbarn. Das brachte mich zu der Theorie, dass für Beziehungen der richtige Abstand entscheidend ist. Kaum ist zumindest ein Haus dazwischen, steht es oft schon wieder deutlich besser um die gegenseitige Sympathie.

Irgendwie ähnlich wie mit Atomkraft - hat keiner wat dagegen, solange er nicht direkt neben dem Pfeiler leben muss. Ja, überzeichnet, ist klar, aber damit ihr die Richtung kriegt.

Oder anderes Beispiel. Gehen wir ins Tierreich. Nehmen wir das Nilpferd: planschender, dauerbadender Vollblutvegetarier. Der Habib, der alte Abenteurer und Weltenbummler, kann aus seinem Repertoire der schönen und ungewöhnlichen Tiergeschichten auch ein Erlebnis mit Nilpferden beisteuern. Und zwar campierte der Habib in Afrika am Flußufer des Nigers. Mitten in der Nacht wachte er oben in dem Dachzelt seines Jeep's auf, aufgeweckt von seltsamen Geräuschen. Er steckte den Kopf aus dem Zelt und sah eine Herde Nilpferde ums Auto grasen - die mit Inbrunst furzten und rülpsten. Kinder lieben diese Stelle der Geschichte sehr. Doch wehe, wehe man kommt dem bulligen Nilpferd zu nahe. Dann stellt sich umgehend raus, dass ein Nilpferd erstaunlich schnell rennen kann und über eine immense Beißkraft verfügt. Mehr als hundert Menschen sterben aufgrund von Nilpferd-Attacken jährlich, weil sie den (zugegen großzügig) benötigten Rhinozerus-Radius von hundert Metern unterschreiten - was das Nilpferd damit gefährlicher macht als einen Löwen. Heißt: Koloß Hippo ist nur so lange friedlich, bis man ihm nicht in der Aura steht.

Ich finde, jedes Miteinander (und zwar egal welcher Art) lebt davon, einen gewissen Zirkel nicht zu unterschreiten. So kompliziert ist es dann auch nicht: jeder hat seine Grenzen, und die gilt es zu respektieren. Tja, und dann sind wir halt wieder bei Themen wie Einfühlungsvermögen, Sensibliltät, Empathie, Respekt, Akzeptanz usw. Keiner kann leiden, wenn er übergangen wird. Keiner freut sich, wenn rote Linien überschritten werden, wenn man ihm auf den Zehen rumtanzt.

Nicht sehr förderlich für die nachbarschaftlich guten Kontakte ist in Frankreich der Tatbestand, dass die Dokumente des Katasteramts nicht juristisch bindend sind. Wobei es die Behörde hier eh noch nicht allzu lange gibt und manche Daten durch GPS neuerdings wieder korrigiert werden müssen. Davor einigten sich die Bauern untereinander (oder eben nicht) und es ging ähnlich zu, wie es Goethe in einem der beiden Wilhem Meisters beschreibt: zu Grenzsteinsetzungen wurden ein paar Buben der umgebenden Gemeinden dazugezogen und die bekamen bei der Gelegenheit eine ordentliche Backpfeife verpaßt, damit sie sich auch noch in ein paar Jahren gut erinnern konnten, wo genau der Grenzstein palziert wurde.

Als Deutscher kann man sich ein derart laxes Regelement schwer vorstellen. Leicht auszumalen allerdings läßt sich, mit wieviel Scharmützel das einhergeht. Tsss, Insidergeschichten von ehemaligen Bürgermeistern (nicht allein aus unserem Dorf) könnte ich wiedergeben, wie sich Nachbarn über Jahre bis aufs Messer stritten wegen  Wegerechten, versetzen Grenzsteinen, falsch plazierten Hecken... und der französische Gerichtsapparat zeigt sich in diesen Fragen zäh, langwierig, verschachtelt und kompliziert.

Naja, wie sagt Schiller: *Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt* Oder noch besser bringt es für mich Wilhelm Busch auf den Punkt:

Wer anderen gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken;
wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.

Es trennt sie nur ein leichter Zaun, die beiden Sorgengründer:
Zuwenig und zuviel Vertraun sind Nachbarskinder

Wohl dem, der weiß, wem er die Tür einladend öffnen kann und wen er besser mit der Bohnenstange auf Abstand hält. Das gilt für Nachbars wie für alle anderen Menschengeschöpfe, das gilt auf dem Dorf wie in der Stadt. Der Unterschied auf dem Dorf ist: man kennt seine Pappenheimer.

 

      


Schwierig zu sagen, auf welcher Seite des Zauns ich stehen will, wenn es um die verschiedenen Texturen von Keksen geht. Ich mag sie genau so gerne crunchy wie chewy. Diese Cookies fesselten meine Aufmersamkeit direkt, weil sie mit ungewöhnlichen Zutaten aufwarten wie Miso, Apfelmus und Kokosmilch. Ein solches Rezept musste auf jeden Fall einem Selbstversuch unterzogen werden.

Fazit: diese Cookies werden alle lieben, die sich angezogen fühlen von dem Kontrast süß-salzig, die gerne Schneebesen und Teigschüssel abschlecken und die bei Schokolade prinzipiell schwer *Nein* sagen können. Oder die wie ich halt doch eine Schlagseite haben zu all den Kuchen im *Brownie-Style*.

 

Zutaten Schoko-Cookies mit Miso, Apfelmus und Kokosmilch - 19 Stück:

110g Butter, weich
220g Rohrzucker (m: Muscovado)
60g Apfelmus (m: Ofen-Apfelmus mit Muskatblüte)
60g Kokosmilch
1 EL helles Miso (m: 1 TL dunkles Miso)
310g Mehl (m: T65)
5g Natron
200g dunkle Schokolade (m: 70% Schoko)

 


 

Zubereitung:

Die weiche Butter mit dem Zucker mit Geduld schaumig aufschlagen. Apfelmus, Kokos­milch und Miso-Paste dazugeben und weiter ­aufschlagen, bis eine homogene Masse entstanden ist. Mehl und Natron hinzufügen und alles zügig zu einem glatten Teig verarbeiten. Die Schokolade klein hacken und die Schokoladenwürfel unterrühren. Den Teig zugedeckt für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen (m: über Nacht). 

Den Backofen auf 180 Grad (O/U-Hitze vorheizen. Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen. Die Teig portioniern à ca. 50g und rund rollen. Dann die Kekse mit Abstand auf das Backapier setzen und etwas platt drücken (1 Blech mit 12 Keksen, das zweite mit 7 Keksen).

Die Bleche (m: nacheinander) für ca. 12-14min backen. Die Kekse sollten breiter gelaufen sein, die Oberfläche mit leichten Rissen und beim Anfassen bereits fest. Auf dem Backpapier auskühlen lassen. Wenn man die Kekse aus dem Ofen holt, scheinen sie innen und auf der Unterseite noch zu weich sein. Sind sie aber vollständig ausgekühlt, dann sind sie perfekt soft.

*Anmerkung m: gekühlt schmecken mir die Kekse am besten!

Inspiration: SZ 

 

die Worte des Propheten mit der Botschaft der Liebe heute auf unserem *Insta*

Mehr, mehr, mehr: Biscotti autunnali

Sonntag, 21. November 2021


Was ist das nur für ein Zeitgeist, in dem wir leben? 

Zum Verzweifeln, nicht? Der große Game-Changer (komisches, neues Wort), die Impfung, stellt sich ebensowenig als solcher heraus wie ihr kleiner Bruder die Impfquote. Geimpfte wie Ungeimpfte sitzen im gleichen Boot - beide Gruppen bleiben Teil des Infektionsgeschehens. Doch die Mainstream-Ultras demonstrieren nun ihren beherrschenden Wesenszug, die Hybris. Mit unverholendem Überlegenheitsgefühl stellen sie sich über andere, dünken sich für klüger und machen sich gar zu Schergen der Politik, in dem sie auf Impfzwang pochen  (wo doch Gradmesser jeder guten Beziehung bleibt, wie frei man sich gegenseitig läßt) - eine Vorstellung übrigens, die noch letztes Jahr als Verschwörungstheorie bekämpft wurde... Und der moralische Hinkefuß, nämlich das Ungleichgewicht mit dem der Impfstoff auf der Welt verteilt wird, muss wohl beim dritten Boosterstich verdrängt werden. Brot für die Welt, aber der Kuchen bleibt hier. Als gäbe es kein *richtig* mehr - wie mans macht, macht mans falsch.

Was bewirkt diese Epoche mit uns, in der die Menschen dieses Planeten erkranken an einem für manche tödlichen Virus, in der eine globale Pandemie die Erde das Fürchten lehrt, in dem keine Ratten sondern Menschen weitertragen, was an Schlechtigkeit in der Luft liegt...

Und dann diese mehr als merkwürdige Verwirbelung, dass die Richtigen das Falsche sagen und die Falschen das Richtige. Wie die EU-Abgeordnete Christine Andersen: *In der gesamten Geschichte der Menschheit hat es noch nie eine politische Elite gegeben, die sich ernsthaft um das Wohlergehen der normalen Menschen sorgt.* Alles ist so verwirrdend, alles scheint irgendwie verdreht. Und ich habe eindeutig zu viel Remarque gelesen...

Wo ich hinschaue, wirkt es mir dunkler als sonst. Nein, nicht weil wir individuell unsere Prüfungen dieses Jahr hatten. Querfeldein habe ich ein paar Eindrücke gesammelt:

Menschenrechte kommen weltweit in einem nie geahnten Ausmaß unter die Räder (s. Amnesty International) - in diesem Zug verschärft sich die Lage der Flüchtlinge. Die Pandemie ist nicht nur eine Bewährungsprobe für Menschenrechte, sie wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Unter anderem hat die Krise verheerende Folgen für die Ärmsten unter uns - noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht: die Ungeheuer-Zahl von fast 71 Millionen Menschen

Das soziale Ungleichgewicht spaltet tief - in den letzten zwei Jahren wurden die Reichsten noch viel, viel reicher und die Ärmsten verelenden zusehens... Das bedeutet für die Industrieländer: immer mehr Menschen rutschen in prekäre Arbeitsverhältnisse (greife ich als Beispiel Frankreich heraus). Als Foodie darf ich feststellen: gesunde Lebensmitteln wie Obst und Gemüse werden für einen wachsenden Teil der Bevölkerung unerreichbar

Gleichzeitig steigen die Militärausgaben während der Pandemie weltweit - auf dem höchsten Niveau seit 1988

Und der Krieg manifestiert sich in den privaten Haushalten: es ist ein deutlicher Ansteig der Gewalt innerhalb der Familien festzustellen, insbesondere gegen Frauen (2020 gab es in Frankreich stündlich etwa 45 Einsätze wegen Gewalt in Familien, jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner ermordet). Das geht dementsprechend ebenfalls einher mit einem Anstieg der Gefährdungsmeldungen und Inobhutnahmen von Kindern (s. hier)

In der Schweiz verdoppelte sich im vergangenen Jahr die Anfrage einer Suizidberatung bei Jugendlichen.

Giga-Anstieg des weltweiten Drogenkonsums, - allein in den USA stieg die Zahl der Drogentote binnen eines Jahres auf einen neuen Rekord von 100 000 Tote - Anstieg des Alkholkonsums (etwa in D), des Tabakkonsums, der Klicks auf Pornoplattformen... 




Ihr merkt wohl selbst: die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Eigentlicher Aufhänger für diesen Post war aber für mich die südkoreanische Netflix-Serie *Squid-Games*, die weltweit bereits unglaubliche 111 Millionen Zuschauer erreicht hat - und die ich nicht gesehen habe. Aufmerken ließen mich Berichte, dass die brutale Serie auf Schulhöfen nachgespielt wird, ja sogar ihren Weg zu noch jüngeren Kindern in Kitas fand. Grundidee der Serie: Völlig verschuldete Menschen werden auf eine Insel verfrachtet und spielen (u.a.) simple Kinderspiele gegeneinander. Wer verliert, wird getötet. Wer alle Spiele überlebt, gewinnt mehrere Millionen Siegprämie. 

Ach Mensch, warum nur kann das Gute nicht um die Welt ziehen und Vorbild machen (immer noch mit Sibylle Berg). Auf dieser Geschichte kaute ich ein Weilchen und überlegte mir dann, ob man nicht vielleicht den Erfolg dieser Netflixserie als Symbol für unsere Zeit nehmen könnte, ob sie nicht überspitzt und karrikiert den Zeitgeist auf den Punkt bringt: entweder zahlungskräftig oder entrechtet, entweder vermögend oder unfrei, entweder reich oder tot. Ja, vielleicht ist der Traum einfach ausgeträumt von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, von Empathie und Solidarität?!

Ihr denkt: wie depri ist denn die Alte drauf - das sehe ich aber völlig anders! Ihr denkt, es werden doch wieder mehr Brettspiele gespielt, durch weniger Flugreisen wird die Luft weniger belastet - irgendetwas in diese Richtung... Dann bin ich rasend interessiert an eurer Meinung und sowas von bereit, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Schreibt mir an *salzkorn@email.de* - und ich veröffentliche GERNE die schönsten Anregungen!

 


Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Nächste Woche ist es soweit - das Lichtlein können wir gebrauchen. Also ich. Und ihr braucht Plätzchen-Rezepte, die Statistik verrät mir, dass die ersten bereits am Ausschauhalten sind. Ich versüße euch den dritten Sonntag des Novembers mit einem italienischen Rezept, das ich nach meinem Gusto abgeändert habe. Gefüllte do it better - ich bleibe meinem Motto treu... Und schnell zu basteln sind die süßen, saftigen Teilchen mit Walnuss und Apfel ebenfalls. So mag ich das!

 

Zutaten - ca. 35 Stück:

200g Mehl (m: 150g D630/ 50g Einkorn-VK)
100g Butter, weich
100g Joghurt
Abrieb 1/2 Tonka-Bohne
1 TL Rohrzucker
2g Back-Pu
1 Pr Salz
50g gemahlene Walnüsse
 
300g Äpfel (ca. 2-3 Stück)
2 EL Zucker
50g kandierter Ingwer* 
25g gehackte Walnüsse

Puderzucker

Zubereitung:

Äpfel entkernen und schälen und grob raspeln. Zusammen mit dem Zucker in einer beschichteten Pfanne ca. 10min dünsten. Zuletzt den gehackten Ingwer wie die gehackten Walnüsse untermischen und abkühlen lassen.

Joghurt mit weicher Butter, Zucker und Tonkabohnen-Abrieb gut vermengen (mit Gabel oder Schneebesen). Dann Mehl und Backpulver unterkneten, zuletzt die Walnüsse (m: 15min kühl gestellt). Den Teig viereckig ausrollen - etwa 5mm dick, ca 32cm auf 40cm. Den Teig in 4 Streifen à 8cm Breite schneiden. In der Mitte der Streifen die Apfelfüllung verteilen, die Teigränder gut zusammenzwicken- und ein wenig platt drücken, dann Stücke von etwa 4-5cm Stücke abschneiden und mit der Nahtstelle nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Ofen auf 200° vorheizen.

Für 18-20min im heißen Ofen backen. Puderzucker in ein Schüsselchen geben und die Plätzchen noch warm im Puderzucker wälzen. In einer Plätzchendose, die Schichten mit Backpapier voneinander getrennt, aufbewahren.

*Anmerkung m: sehr schöne, saftige, aromatische Plätzchen, die schnell zu machen sind. Prima anstelle von kandiertem Ingwer - mein Favorit - ist auch kandierte Orangenschale.

Wie lange die Plätzchen halten, kann ich euch nicht sagen: bei uns waren sie nach 5 Tagen verteilt und aufgefressen... 

 

Uhrenabgleich: Chutney aus grünen Tomtaten II

Sonntag, 10. Oktober 2021

 

Es ist die Zeit der dramatischen Sonnenaufgänge und meiner Lieblingswolken, die im mittleren Himmel schweben. Es ist die Zeit, in der in den frühen Morgenstunden strahlend Orion mit gespanntem Bogen am Fenster vorbeizieht, wenn ich vom Bett aus ins Universum blicke. Wenn sich die Gottesanbeterinnen tagsüber ausgewachsen in der Sonne räkeln, der letzten üppigen Blumensträuße aus dem Garten, der Feigen und um sich vom Strauch die Herbst-Himbeeren in den Mund zu schieben oder ein paar vergessene, süße Trauben einzusammeln. 

Die Zeit gehört nochmals dem Garten, dem Rückschnitt all der Pflanzen, die sich reckten und streckten, blühten und verblüten, der Senfeinsaat und dem Richten der Winterbeete.

Es ist die Zeit um sich die Nägel zu ruinieren, um die frischen Nüsse aus ihrem grünen Mantel zu befreien, die nasse Schale zu knacken und die Haut abzuziehen bis eine schneeweise Nuss daraus hervorschlüpft, der ersten Kürbissuppen und Zwiebelkuchen, der Tarte aux Pommes und dem karamellisierten Ofenapfelmus, der Schüsse, die durchs Tal hallen, der nun wiedereröffneten Jagd, der sich verabschiedenden Schwärme von kleinen Mücken und Schwalbenkolonien, der sich in bunten Farbverläufen musternden Blättern an Bäumen und Sträuchern, den über die Strasse flitzenden Eichhörnchen und den aus der Versenkung wieder auftauchenden Rotkehlchen.

In anderen Zeiten pflückten die französischen Großmütter jetzt die unreifen, grünen Tomaten von den in sich verharrenden Stauden damit nichts verkommt, das die Natur herorgebracht hat, aus denen sie dann die confiture de tomates vertes kochten, von der ihre Enkel viel später noch schwärmen sollten. 

Es bleibt die Zeit von Wahlkämpfen, Haarspaltereien, Umweltkatastrophen, Vereinsamung und nicht enden wollenden Pandemien. Und es ist die Zeit, in der das für uns alles nur zum Hintergrundrauschen wurde.

 


Wenn das Leben über einen hinwegbricht, wird alles daneben unbedeutend und klein. Alles gerät ins Hintertreffen - übrig bleibt ein zitternder, innerer Kern. Und mit einem Schlag rufen all die klugen, weisen Sätze zur Abfrage in der Praxis: *Spar dir deine Kräfte für Turbulenzen. Denn wenn die Prüfungen des Lebens kommen, wirst du deine ganze Energie brauchen, um sie zu bestehen.* Die Stromschnellen reißen einen mit in einer wortlosen Urgewalt, du verlierst die Orientierung, weißt nicht mehr, wo oben, unten, rechts und links ist, ohne jede Kontrolle, die Strudel spielen mit dir Kreisel, die Intensität scheint dich zum Bersten zu bringen, haltlos, ohnmächtig, ausgeliefert - hoffend, dass du irgendwann wieder an Land gespült wirst. Hoffend dass dann, wenn du wieder festen Boden unter den Füßen spürst, ein Lichtstreifen den Horizont markiert und die geschlagenen Wunden ein Gegenmittel erhalten. Niergendwo ist Alltag, nichts bleibt übrig von dem Menschen erfundenen Wort Normalität, und doch versucht man sich genau das mit aller verbliebender Kraft zurückzuerobern. So wie ich heute mit ein bißchen Bloggerei.

 

Ein sauer-süß-scharf-würziges Chutney aus grünen Tomaten stelle ich euch heute vor, mit Äpfeln, Ingwer, roten Pfefferbeeren sowie Goji-Beeren und Basilikum. Lange waren mir Chutneys egal. Zu Käse esse ich einfach NIE Chutney - vielleicht muss man dazu Alkohol trinken, ich weiß es nicht -, aber zu den bunten, veganen Bowls mag ich Chutney plötzlich gerne. Das ist Version I von Chuntney aus grünen Tomaten und Äpfeln, die heutige (wenngleich ähnlich) liegt im Ranking nach meinem (momentanen) Geschmack vorne.

 


Zutaten - etwa 5 Gläser:

1kg grüne Tomaten
2 Äpfel (m: einer eher süß, anderer eher sauer)
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Selleriestange
1 EL Fenchel
1 Stück Ingwer
1-2 Chili-Schoten 
80ml Apfelessig (evt. plus)
80g brauner Zucker (evt. plus)
1-2 TL Salz
1 handvoll (großzügig) Goji-Beeren
1 handvoll Basilikum (oder Thai-Basilikum)
1 Zitrone, Saft davon
1 Orange, Saft davon
2 EL roses baies (rosa Pfefferbeeren)

Zubereitung:

Äpfel entkernen und schälen und in ca. 1cm große Stücke schneiden. Tomaten entstrunken und ebenfalls in kleine 1cm Würfel schneiden. Zwiebel klein schneiden, Knoblauch, Sellerie, Fenchel und Ingwer kleinst hacken. Chili von den Samen befreien und ebenfalls klein schneiden.

Alle Zutaten außer 1 EL rosa Pfefferbeeren, dem Orangensaft und dem (Thai) Basilikum in einen Topf geben und ca. 30min köcheln lassen - das Chutney sollte nicht zu Brei verkocht, sondern noch ein wenig stückig geblieben sein. Kurz vor Ende die restlichen Zutaten - Orangensaft, 1 EL rosa Pfefferbeeren und den fein gehackten Basilikum - untermischen und kurz mitkochen. Nochmals abschmecken mit Salz, Pfeffer, Essig und Chili. Sofort in vorbereitete, sterilisierte Gläser abfüllen und umdrehen.

Chutney hält sie gefühlt ewig - auch angebrochen im Kühlschrank.

Anmerkung m:  In diesem Chutney sind relativ viel Zutaten, aber ich finde, dass ein Chutney mit Raffinesse punkten muss, schließlich soll es nachher auf dem Teller mit einem kleiner Löffel davon mithalten und gegenüber dem Rest bestehen können...

Zucker- wie Essigmenge kann man erhöhen - ich wollte das Chuntey weder zu süß noch zu sauer haben. Nachwürzen geht immernoch.


 

 

Ihr zuzuhören hat mir Ruhe geschenkt, während mir Angst und Bedrohung ins Knochenmark drückten. Ich habe ihre Worte so gut verstanden: Stolz überwinden, nichts beweisen und nichts leisten müssen, offener werden, froher, gelassener, vertrauender, in sich Ruhe einkehren lassen und die Stille aushalten, zu seinem Selbst finden um überhaupt beziehungsfähig zu werden... Ich habe mir diese kleine Doku schon mehrfach angeschaut und bestimmt nicht das letzte Mal. Komisch, dass im größten Sturm und in der tiefsten Stille die eigenen Schwächen und Schatten am deutlichsten zu Tage treten, kein Platz mehr ist für Selbstverblendung oder Hochmut. Wenn alles schwankt, wenn alle Fäden wie sinnlos ineinander verstrudeln, gibt es nur noch eine Feste, bleibt ein roter Faden, den man nicht aus den Händen verlieren darf: Allahu akbar.

Wie schrieb in in dem Buch *Americanah*, das ich letztes Jahr las, Chimamanda Ngozi Adichie mehr als Feststellung denn als Frage: Es gibt so viel Arten arm zu sein - gibt es nur eine Art reich zu sein?* Ich füge nun hinzu: Wenn wir glücklich sind, dann sind wir es nahezu alle auf die gleiche Art - aber gibt es nicht eine schier unendliche Vielfalt an Leid und Elend? Und ich schließe ab mit den Habib-Gedanken, nämlich dass die eigentliche, harte Währung diese Planeten nun mal das Leid ist; darin liegt die meiste Erkenntnis (rückblickend) verborgen - und  das ist doch das Ambrosia nach dem Suchende tauchen.

 


**** All jenen, die mir tastend-fragende, freundlich-mitfühlende Zeilen in den vergangenen Wochen zukommen ließen, schicke ich verbundene Grüße! Vielen Dank für euren Beistand - in Zeiten, die einen bedrücken, wiegen solche Gesten viel! Ich wünsche euch, dass dieser Bumerang zu euch zurückkommt, wenn euch das Leben in die Mangel nimmt! ****