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Eintönigkeit: Sennen-Kartoffeln

Sonntag, 30. Juli 2023

 

Er hätte so schön Geschichten erzählen können, meinte die Oma über ihren Opa, und *jeden Abend aß er eine Pellkartoffel mit etwas Salz und ein wenig Butter dazu und trank ein Glas Milch.*

Viel weiß ich von meinem Ururopa nicht. Wir teilen den gleichen Namen. Und diese zwei Anmerkungen der Oma sind mir geblieben. Jeden Abend, bestimmt oft gar jeden Tag, das Gleiche zu essen, scheint heute undenkbar.

Immer das Gleiche - als wäre es ein Fluch. Die pure Eintönigkeit. Dabei bin ich überzeugt, dass je einfacher das Leben aufgestellt ist, umso mehr kann man sich - unabgelenkt - aufs Wesentliche konzentrieren. Und keine Sorge: die Schicksalsschläge kommen und die fordern dann ihre Aufmerksamkeit. Außerdem bin ich großer Freund von Ritualen. Die tun gut in einer lärmenden Welt und einem Zeitgeist, der immer schneller dreht.

Wie überrascht hat mich, als ich hörte, dass Kinder (eure auch?) heute ihre Hörspiele nur noch ein einziges Mal anhören. Wieso ein zweites Mal? Kennt man doch bereits. Also wir als Kinder haben ALLE unsere Kassetten und Schallplatten hoch und runtergehört. SO viele warens dann ja summasumarum auch nicht. Manche konnten wir mitsprechen. Und manche Zeilen davon (von Bibi Blocksberg bis Grimms Märchen) setzten sich in meinem Ultralangzeitgedächtnis bis heute fest.

Braucht man nicht die Wiederholung, damit Botschaften bis zum Inneren vordringen können. Jeder geht ja mit bestimmten Themen im Rucksack auf Start. Und die werden einem so lange in vielerlei Tonart und Nuancen um die Ohren gehauen, bis man (endlich) über sich selbst ins Stolpern gerät. Nur an sich selbst ändert man halt so schwer und ungern etwas. Von Außen soll die Veränderung gefälligst eintreten, das Außen soll ablenken und Kurzweil verbreiten. Aber ist das nicht auch einem Fluch ähnlich? Oder vielleicht ein Buchstabe mehr: einer Flucht?!

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“ sagt Albert Einstein. Ist man zufrieden, wäre man schön blöd, nicht bei seinen Gewohnheiten zu bleiben. Nörgelt man aber vor sich hin, gibt es dazu nur einen Ausweg...

Selbstbeschränkung ist in meiner Werkstatt ein mächtiges Werkzeug und genauso unverzichtbar, wie sich selbst ermannen zu können. *Sich ermannen*, ein alter Ausdruck, den ich gerne mag, obwohl man in der Genderdiskussion dafür wohl gesteinigt wird. Da für mich das Menschsein immer schon über den Geschlechtern stand und ich an der Zweiteilung der Geschlechter auch noch nie etwas auszusetzen hatte, halt so gar nicht meine Baustelle. Weit spannender finde ich, die zwei Geschwister Demut und Mut in sich zum Klingen zu bringen. Das dürft ihr bei mir nennen, wie ihr wollt, so lange ihr nur das Gleiche meint...




Was labert die darüber, jeden Tag das Gleiche zu essen, während sie auf ihrem Foodblog weit über tausendfünfhundert unterschiedlicher Rezepte versammelt hat. Jaja, schon gut, wobei man mir zugute halten muss, dass ich meiner simplen Hausmannskost sehr treu bin. Jeder, der selbst nur ab und an mal kocht, kann bei mir direkt einsteigen, weil bei mir mit weder mit fancy Zutaten hantiert wird noch sind High-end-Kücheneinrichtungen von Nöten.

Keine Woche vergeht, ohne dass es hier nicht einen richtigen Cheese-Day (nicht Cheak-Day ;) gibt. Was sind Käsefäden doch was Schönes! Ganz überrascht war ich, dass ich dieses Rezept immer noch nicht verbloggt habe hier, denn ich habe es Petra bereits etliche Male nachgemacht.

Ein Spitzen-Salat-Plus-Essen: schnell gemacht und köstlich! Wir können stets eine erbauliche Portion davon verdrücken. Die Luxus-Version von Ururopa Michaels Abendessen.


Zutaten 2P:

500g Kartoffeln
2 mittlere Zwiebeln (m: 3 Frühlingszwiebeln)
2 Knoblauchzehen
150g Bergkäse oder Raclette-Käse*
100ml Sahne*
frische Kräuter (viel Schnittlauch/ Petersilie...)
1 TL Tyhmain, getrocknet
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Butterschmalz (m: Olivenöl)

 

Zubereitung:

Die Kartoffeln schälen und in 5 mm große Würfel schneiden. Die Zwiebeln fein hacken. Den Käse in kleine Würfelchen schneiden.

Das Butterschmalz in einer nicht haftenden Bratpfanne erhitzen. Die Kartoffeln zufügen und unter mehrmaligem Wenden braten. Kurz bevor die Kartoffeln gar sind, die Zwiebelchen zufügen und fertig braten. Salzen und pfeffern und mit Piment würzen. Die Käsewürfelchen darüber streuen.

Die Sahne mit gehackten Kräutern, Salz und Pfeffer würzen, über die Kartoffeln verteilen. Nochmal kurz erhitzen.

Anmerkung m: ich spiele mit der Sahne- und Käsemenge - weniger reicht (uns) auch gut/ die Kartoffelmenge können wir jedoch gut auf 600g anheben, das schaffen wir/ eignet sich auch prima, um Käsereste darin zu verwerten 

Quelle: Petra von Chili und Ciabatta


Altbrot-Spezial - Kaspress-Knödel

Sonntag, 26. Juli 2020


Neben dem morgendlichen Porridge reduziert nun das Heil-Fasten unseren einstigen Brotkonsum nochmals mehr. Obwohl ich sehr gerne Brot esse und auch immernoch sehr gerne backe. Nur deutlich seltener. Es hat etwas gebraucht, bis ich mich darauf eingestellt hatte, wieviel Brot zur Verfügung stehen muss. Anfangs wurde mir Brot trocken - weil abends die Mahlzeit jetzt gestrichen ist. Glücklicherweise aber gibt es ja derart viele Möglichkeiten,  Brot vom Vortag oder noch älteres Brot zu verwerten. Und nehme man nur die guten alten Semmelbrösel zum Panieren als Knusper-Panade oder die sehr geschätzte Pangratatto als (veganer) Arme-Leute-Parmesan-Ersatz. Oder als Croûtons. Oder alleine meine beachtliche Sammlung an unterschiedlichen Servietten-Knödel!

Gute Gelegenheit, euch mal ein paar Ideen dazu als Board aufzutischen. Ein andere Board, worauf ihr euch freuen könnt, wartet in der Vorbereitungsschleife auf euch. Nämlich habe ich mir Gedanken gemacht, was meine Lieblingsbrote und -brötchen sind. Und nach all den Jahren Backerei schälen sich doch Favoriten raus, die ich besonders gerne und häufig in den Ofen schiebe. Aber ihr werdet ja sehen... Zukunftsmusik.

Die Kaspress-Knödel werden alle jene von sich überzeugen, die auf geschmolzenen Käse stehen, unkomplizierte Salat-Plus-Essen, eine gute Portion frischer Kräuter und/ oder richtig knusrige Puffer - bei uns sind sie sehr gut angekommen und werden definitiv ins Dauerrepertoire übernommen!


Zutaten 2-3P:

150g Brot (m: Bauernbrot vom Vorvortag)
1/2 Bund Frühlingszwiebeln (m: rote)*
100ml Milch (m: 130ml)*
20g Buchweizenmehl
20g Einkornmehl
2 Eier
100g Käse (m: Meule de Vercors)*
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
1 TL getrockneter Oregano
etwas Butter

Zubereitung:

Brot in Würfel schneiden. Die Milch erhitzen (nicht kochend) und über die Brotwürfel gießen - 10min ziehen lassen.

Das Weiße vom Grün der Frühlingszwiebeln trennen. Und beides - getrennt voneinander - in feine Ringe schneiden (das Weiße je nach Größe würfeln), dann in Butter glasig dünsten.

Das Vollkornmehl, den gewürfelten Käse, die verquirlten Eier zufügen, ebenso das Zwiebelgrün, würzig abschmecken, durchkneten (am besten von Hand) und nochmals 10min ruhen lassen. Dann je nach Belieben 8 oder 10 Kugeln formen und diese zu Buletten flach drücken. Alle Knödel von beiden Seiten knusprig und golden braten.

*Anmerkung m: anstelle von Frühlingszwiebeln kann man auch prima ein Bund Petersilie verwenden. Je nach verwendetes Brot braucht es etwas mehr oder weniger Milch: bei Weißbrot reichen ca. 100ml/ die Puffer eigenen sich zudem sehr gut, um Käse-Reste zu verarbeiten


Rezepte, um Brot zu verwerten, sind nicht nur praktisch, sondern ich mag diese Gerichte sehr - nicht von ungefähr haben sich so viele unterschiedliche Serviettenknödel hier angesammelt:



Lamiacucina - Spezial plus Spargel en Papillote mit Bozener Sauce

Sonntag, 3. Mai 2020


Es bilden sich ja gerne zwei Lager bei der Frage, ob Männer und Frauen befreundet sein können. Keine Ahnung, ob das andere können, aber ich hatte schon immer männliche Freunde - seit der Pupertät. Pfff, seit dem Kindergarten. Und nein, die waren auch nicht schwul. Das war schon im Kingergarten egal. Denn mit was soll es auch bitte anderes zu tun haben, als dass man sich mag?

Was ich allerdings nicht für möglich gehalten hätte, ist, dass man befreundet sein kann, ohne sich je gesehen zu haben. Befreundet lediglich über das Netz. Oder, wenn man so will, in guter alter Brieffreundschaft-Manier.

Mir kommt dabei *Gut gegen Nordwind* von Daniel Glattauer in den Sinn. Ein Büchlein, das ich für eine Winterreise mitnahm und bereits im Flieger in einem Rutsch durch hatte. Zwar geht es dabei eigentlich um eine Romanze, aber ich will einen anderen wesentlichen Punkt dieser Geschichte herausgreifen (Für alle, die noch vorhaben, das Buch zu lesen: Achung Spoiler!). Die zwei Protagonisten kommen sich - unkannterweise und per Zufall - über ihren Email-Austausch immer näher. Am Ende jedoch entscheidet einer von beiden, das lang anvisierte Treffen abzusagen - mit der Begründung, dass die Realität dem liebgewonnenen (möglicherweise konstruierten) Bild kaum standhalten könnte.

Diese Sorge trage ich bei einem möglichen Treffen mit Robert nicht. Ganz im Gegenteil - und darauf wollte ich hinaus - ich bin gewiß, dass ob mit oder ohne Begegnung im echten Leben ich Robert nicht mehr oder weniger zugetan sein könnte.

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass Robert von *Lamiacucina*  - neben Petra - eine meiner Säulenfiguren des Foodbloggens ist. Lange bevor ich selbst bloggte, habe ich schon seinen Blog verfolgt, so dass ich behaupten kann: Robert hat mir das Kochen beigebracht.

Robert, der schon seit 2007 bloggt, zählt zu den absoluten Pionieren der Foodie-Szene und er setzte Qualitätsmaßstäbe für alle nach ihm: schöne, ansprechende Bilder, spannende, zuverlässige Rezepte und dazu einleitende Texte, aus denen Bildung ohne Dünkel heraussprechen und ein feiner, menschenfreundlicher Schalk. Sowie ganz einfach seine anhaltende Freude am Kochen. Ich weiß gar nicht, wer den Begriff prägte, aber alsbald wurde er überall übernommen: Robert, der Grandseigneur der deutschen Foodblog-Szene, der, mit der Grandezza im Schlepptau.

Schon immer wurde bei Robert viel kommentiert, auch, weil er sich stets die Mühe machte, alle Kommentare zu beantworten. Hier - als Robert verkündet, dass er in Zukunft etwas kürzer treten will - kann man nachlesen, wie sehr seine Leserschaft an ihm hängt. Und hier in seinem Interview bei den kulinarischen Momentaufnahmen, wo er zudem ein Menu mit Claudio zusammenstellte, erhält man einen der raren Einblicke *behind the scenes*.

Zurückkommend an den Beginn meiner Bindung zu Robert, erinnere ich mich noch lebhaft daran, wie ich ihm - als eine von vielen und obendrein als Koch-Anfängerin - eine Mail schrieb. Und damals schon war *Lamiacuina* einer der ganz großen, viel besuchten Blogs. Das wunderschöne Fladenbrot hatte sich bei mir - wie so manches anfangs in der Küche - nicht aufplustern wollen, wieso  ich seinen Rat suchte. Wie aufgeregt war ich, als tatsächlich eine Email zurückkam - von Robert an mich höchstpersönlich.

Über all die Jahre habe ich wirklich unzählige Gerichte von ihm nachgekocht und viele davon wie selbstverständlich ins Repertoire übernommen worden, ganz so, als wäre ich damit aufgewachsen. Und dafür greife ich nur etwa die legendäre Blumenkohl-Lasagne heraus oder mein absolutes Lieblingsrezept für Zucchini samt all seinen vielen Abwandlungen. Oder das Daniel-Düsentrieb-Ei. Oderoder. Alles Blog-Buster. Eine gute Gelegenheit hier ein lang fälliges Lamiacucina-Spezial zusammenzustellen. 

Schimpfe gabs übrigens auch mal: ich hatte die Pasta ENTSCHIEDEN (!) zu wenig dünn ausgewellt. Bei solchen Gelegenheiten schüttelt mein Habib immer den Kopf über mich, weil ich für derlei Dinge ein Elefanten-Gedächtnis besitze. Zu meiner Ehrenrettung sei angemerkt: auch in die umgekehrte Richung. Die schönste Auszeichung, die mein Blog je erhielt, und zwar ohne je den Glanz verloren zu haben, war, als Robert über Wochen in seinem Side-Board auf meinen Blog verlinkte, mit dem Vermerk *aufgefallen*. Es macht mir auch im Nachhinein noch rote Backen vor Freude - SOOOO schön fand ich das! Wie oft rennen wir der Annerkennung der falschen hinterher (gerne in Massen) anstelle sich um die wenigen zu bemühen, die einem wirklich etwas bedeuten.

Oder um mein Goethe wieder ranzuziehen: ...denn sie hatte in ihrem Leben genugsam einsehen gelernt, wie hoch jede wahre Neigung zu schätzen sei, in einer Welt, wo Gleichgültigkeit und Abneigung eigentlich recht zu Hause sind.* 


Logo, wird das Spezial heute garniert mit einem weiteren, tollen Lamiacucina-Rezept: Spargel en Papillote mit Bozener Sauce. Alleine den Spargel mal ganz schlicht in Folie im Ofen zu garen, ist eine Entdeckung für sich! Dazu gab es zerhackte Kräuter-Pfannkuchen (in etwa ähnlich diesem Rezept, nur dass der ganze Teig in eine große Pfanne gegossen wird und bei/ nach dem Drehen zerhackt und dann fertig gebraten wird) mit viel wildem Schnittlauch (siehe Foto) und etwas gemischen Kräutern aus dem Garten.


Zutaten 2P:

1 kg Spargel
25 g gesalzene Butter
ein Hauch Muskat

(m: 1 Pr Zucker)

für die Bozner Sauce:
2 mittelhart gekochte Eier
1 TL Dijonsenf
60ml Olivenöl

1 EL Weißweinessig
1 EL Zitronensaft
2 EL Schnittlauch und Petersilie, fein geschnitten
Salz, weißer Pfeffer aus der Mühle
150g Joghurt (um die Sauce etwas leichter zu machen)

Zubereitung:

für die Spargeln:
(1) Backofen auf 180°C vorheizen. Spargel schälen. In einen Bratschlauch geben oder in Alufolie einwickeln und mit der Butter, Salz und einem Hauch Muskat ca. 30 Minuten im Backofen garen.

für die Boznersauce:
(2) Die Eier mittelhart kochen und leicht abkühlen lassen. Anschließend die Eier schälen und die Eigelb vom Eiweiß trennen. Die Eigelb durch ein Sieb streichen. Das Eigelb mit dem Öl mit einem Schneebesen (nicht mit einem Mixer ! sonst kann es bitter werden) zu einer Mayonnaise aufschlagen, bis die Sauce ein sämige Konsistenz hat. Joghurt unterschlagen. Mit Senf, Salz, Pfeffer, Essig und Zitronensaft würzen. Das Eiweiß fein hacken und zur Eigelbsauce hinzugeben. Zum Schluß die Kräuter unterheben.

(3) Die Spargeln auf einem Teller anrichten, mit dem Saft aus dem Bratschlauch beträufeln und mit der Sauce übergiessen.

*Anmerkung m: bei uns gabs dazu gehackte Kräuter-Pfannkuchen 




Hier die Reihe all der Rezepte, die ich auf dem Blog dokumentierter Weise von Robert nachgemacht habe. Dabei fehlen logischerweise die, die mich vorher schon in die Küche gezogen haben. Und die, an die ich mich nicht traute. Oder gibt es irgendjemand in der deutschen Foodie-Szene der filigranere, gefüllte Pasta zaubert?