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Fasten: Fellah Köftesi

Samstag, 23. Mai 2020


Eigentlich hatten der Habib und ich vorgehabt, den letzten Winter in einem moslemischen Land zu verbringen. Doch dann kam das Leben dazwischen und hatte andere Pläne mit uns. Inchallah - wie es Gott beliebt! Die Sehnsucht ist uns allerdings geblieben, weil kaum betritt man moslemische oder buddhistische Gegenden, sind die Menschen durch und durch freundlich und hilfsbereit!

Für alle, die mitdenken, bedeutet das im Umkehrschluß, dass es in christlich geprägten Gemeinschaften mehrere Grade kühler zugeht. Wie formulierte es der unersetzbare Volker Pispers: *Würden die Christen ihren Gott ernst nehmen, dann wären es Moslems*. Besonders gut ist der Unterschied von christlicher und islamischer Kultur in Afrika zu beobachten, wo diese beiden Religionen von Dorf zu Dorf wechseln können. Der Habib hat viele anschauliche Geschichten in petto -  nicht nur weil er aus privatem Interesse viel durch Afrika gereist ist, auch weil er als Architekt lange in moslemischen Ländern gelebt und gearbeitet hat.

Mich hat, wenn ich mich in Ländern des Islams aufgehalten habe, immer besonders die Mildtätigkeit und Spendenbereitschaft beeindruckt: sehr viele geben sehr oft ein bißchen. Und ich mag, wie der Tag vom Muezzin getaktet wird (wenngleich mancherorts die Lautsprecheranlagen gerne etwas leiser eingestellt sein dürften). Außerdem ist es für den Habib und mich einfach angenehm, wenn sich die Verhältnisse insofern drehen, als dass nicht die, die keinen Alk trinken am Rande der Gesellschaft stehen sondern umgekehrt. Dort sitzten wir fröhlich und ganz selbstverständlich zwischen allen anderen mit unserem Pfefferminztee.

In der Arte-Doku *Alkohol - der globale Rausch* (die ich ja gerade am 12. Mai angeschaut hatte), wird am Beispiel von Island verdeutlich, dass *wie bei jeder Droge vieles in unserem Umgang mit Alkohol gesellschaftlich bedingt ist*.  Island löste sich vom gängigen Euphemismus des Genußmittels und definiert Alkohol als Droge.  Geschlossen alle Parteien stellten sich hinter den Wunsch der Veränderung und so rieß die isländische Regierung vor 20 Jahren das Ruder radikal um, nachdem 42% der Jugendlichen angaben regelmäßig Alkohol zu trinken. Sie starteten ein Präventionsprogramm, mit dem Ziel die Trinkgewohnheiten eines ganzen Landes langfristig zu verändern - angesetzt bei den Jugendlichen. In der Uni Reykjavik suchen Forscher, Entscheidungsträger sowie sämtliche Fachkräfte nach einem gemeinsamen neuen Weg - etwa mittels regelmäßigen Volksbefragungen über detaillierte Fragebögen, die flächendeckend ausgeteilt werden.

Et voilà, es gelang: nur noch 5% der Jugendlichen trinkt auf Island heute regelmäßig und sie zählen damit zu den *cleansten* in ganz Europa. Nicht, dass manche den Eindruck gewinnen, ich könne nur über Politik schimpfen. Gar nicht! Ich kann ganz begeistert sein, was der politische Wille für das Allgemeinwohl alles vermag. Alle 10 Sekunden stirbt auf der Welt ein Mensch an den Folgen seines Alkoholkonsums - an diesen Zahlen schieben sich nicht viele Todesursachen vorbei.

Doch es gilt wie stets das individuelle Credo: jeder wie er meint.

Heute wird das Ende des Ramadan gefeiert. Vom Ramadan wissen Außenstehende wie ich hauptsächlich, dass tagsüber gefastet wird. Wobei Fasten wiederum Bestandteil aller Religionen und alten Kulturen ist. Buddhistische Mönche nehmen lediglich zwei Mahlzeiten am Tag zu sich, im Hinduismus kann Fasten bis zur Askese betrieben werden, im Judentum sind es einzelne Tage und das Christentum hat(te) seine Fastenzeit vor Ostern. Wir ließen uns vom Ramadan inspirieren und begannen mit dem Intervallfasten. Das heißt 8 Stunden essen wir (von 8-16 Uhr), den Rest nehmen wir keine Mahlzeiten mehr zu uns. Was natürlich deutlich easier ist, als von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang enthaltsam zu sein wie während des Ramadan, weil erstens kürzer und wir zweitens die hautsächliche Zeit verschlafen.

Zum Thema Intervallfasten habe ich mich von Professor Michalsen virtuell beraten lassen, der mir zu der seltenen Spezies Mensch zu zählen scheint, die selbst leben, was sie propagieren. Faszinierend fand ich seine Aussage, dass gutartige Zellen besser mit Mangel und Beschränkung zurecht kommen wie bösartige Zellen (hier füge ich - weils so gut passt - Links ein zur ZU-Friedenheit oder zur Genüglichkeit). Aufgemerkt: auf zellulärer Ebene wird noch unterschieden zwischen gut und böse, gesund und krank, nomal und entzündlich - könnte man drüber nachsinnen...

Nach heutigem Stand der Forschung löst das Intervallfasten die gleichen Prozesse aus wie die des Heilfastens nämlich die der sogenannten Autophagie: die Zelle wird zur Selbstreinigung angestoßen. Vereinfacht erklärt heisst das, dass sich die Zelle während des Fastens von innen ernährt. Gibt es keinen Nachschub mehr, verdaut sie alles, was nicht unbedingt notwendig ist. Bildlich gesprochen wird der ganze Müll des Körpers in einen Sack gepackt und als Nahrungsquelle der Zelle verwendet. Dazu gehören auch schädliche Zellen, Entzündungsherde und ähnliches. Sie werden sprichwörtlich aufgefressen und verdaut ... und damit unschädlich gemacht.


Wir sind nun in der dritten Woche und es läuft gut. Man verliert auch etwas Gewicht - aber das war für mich kein Anstoß. Ich fange in den letzten Tagen verstärkt zu schwitzen an (ähnlich wie während unser Mangosteen-Kur in Thailand). Und mein Schweiß riecht, was er bei Anstrengung und Belastung normal nicht tut. Mich interessiert die Wirkung auf den Körper - und anscheinend setzt die nun langsam ein. Aber um ein endgültiges Urteil darüber zu fällen, werde ich den Rhythmus noch länger durchziehen. Da für uns das Fasten nicht einhergeht mit einer Ernährungsumstellung, fällt es uns recht einfach dabeizubleiben.

Gefeiert wird heute mit den Moslems: mit dem  türkischen Gericht Fellah Köftesi, Bulgur-Bällchen mit Tomatensauce und Joghurt. Das Rezept für die Bällchen habe ich bei Duygu entdeckt, die wirklich super beschreibt, wie die Teigkonsistenz sein sollte. Für die Tomatensauce habe ich jedoch auf meine berühmten Ofen-Tomaten zurückgegriffen. Wer die nicht hat, kann wie Duygu die Tomatensauce mit Tomatenmark herstellen. Hat uns sehr gut geschmeckt - mal wirklich was anderes. Ach, einmal in der türkischen Provinz überwintern... ein schöner Traum, denn seit dem ersten, kurzen Aufenthalt in der Türkei habe ich mich in Land und Leute verknallt!


Zutaten 3-4P*:

Für die Bulgurbällchen:
200 g feinen Bulgur (Köftelik Bulgur)
200 g Grieß
350 ml heißes Wasser (evt. plus)
1 EL Tomatenmark oder Paprikamark
ein Ei
1 TL Salz

Für die Tomatensauce:
200ml Ofen-Tomaten
2 EL Olivenöl
Salz
Pfeffer
1 Pr Zucker

Für die Joghurtsauce:
1 Joghurt (m: Schafsjoghurt/ Soja-Joghurt)
2 junge Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer

zur Deko: fein geschnittener Basilikum

Zubereitung:

Für die Bulgur-Bällchen den Teig zubereiten: dafür Bulgur, Grieß sowie Tomatenmark, Salz und Wasser miteinander vermischen. Die Schüssel abdecken und für 10 min ruhen lassen.

Mithilfe einer Küchenmaschine (m: Knethaken des Handrührers) den Teig gründlich kneten (m: ca. 6min). Dann nochmals 5min ruhen lassen, das Ei zufügen und weitere 4min kneten. Der Teig sollte schön homogen sein, zäh, klebrig und an Kaugummi erinnern - ich brauchte noch etwas zusätzliches, heißes Wasser dafür, das ich schlückchenweise zugefügt habe. Wenn man die Bällchen formt, dann müssen sie zusammenhalten ohne dass sich Risse zeigen. Von dem Teig werden etwa Murmel große Stücke entnommen, rund geformt und mit dem Zeigefinger etwas eingedrückt. Wenn der Teig dabei kleben sollte, die Hände immer wieder leicht anfeuchten.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Bulgurbällchen darin so lange garen, bis sie an die Wasseroberfläche schwimmen - dazu benötigen sie ca. 10-15min.

Die Ofentomaten in einer größeren Pfanne erhitzen und etwas mit den Bällchen mischen - eventuell  etwas strecken mit Kochwasser von den Bällchen.

Die Bulgurbällchen auf euren Servierteller geben und mit Knoblauch Joghurt überdecken.

*Anmerkung m: ich hatte für uns beide die Hälfte mit einem Eigelb zubereitet - auch anteilig etwas mehr Bulgur verwendet dafür. Mengenmäßig sieht die Hälfte nicht nach einer großen Portion aus - die Bulgurbällchen machen aber gut satt.

Inspiration: Cookbakery


High on emotion: Grießflammerie-Tarte mit Himbeeren und Johannisbeeren

Donnerstag, 12. April 2018


Mit den Händen in der Luft gewedelt, mit der Hüfte um sich selbst gekreiselt und dazu ein gekichertes*Schalalalala E-M-O-T-I-O-N* im Chris de Burg-Refrain-Sound - das ist das gelebte *I feel you*. Und nicht ganz ernst gemeint - bei DER Songauswahl. Das zieht als alberner Gassenhauer unter uns Mädels, aber selbst wenn ich mir die Showeinlage als Kopfkino nur für mich mache, dann wirkt sie bei schlechten Gefühlen abmildernd und bei guten pushend. 

Zu *emotionaler Küche* fällt mir sofort als erstes Grießflammerie ein. Mir hilft Grießbrei genau so als Seelentröster wie als Tüpfelchen auf dem i. Ein Grießbrei steckt eindeutig voller guter Gefühle! Bref: DIE Geheimwaffe für alle Gelegenheiten. Ehrlich, kann man Grießbrei nicht mögen?

So ist es eigentlich verwunderlich, dass ich bisher noch keine Grießflammerie-Tarte gebacken habe - das kann doch nur eine gute Idee sein. Und was soll ich sagen? SUPER-lecker! Ich habe von allen Seiten nur Daumen-hoch bekommen und sowas von locker zwei Stücke verdrückt bekommen... lässigst!


Zutaten - 26cm:

Tarteteig:
150g Mehl (m: D630)
100g Butter
70g gemahlene Mandeln (m: geschält)
60g Rohrzucker (m: zu Staubzucker gemahlen)
1 Pr Salz
Bittermandel-Aroma
1/4 TL Kardamom
50g Quark
etwas kaltes Wasser

350ml Milch
40g Grieß
15g Zucker
1 Vanilleschote
250g Quark
45g Rohrzucker
1 Ei
20g Speisestärke, gesiebt
20g gemahlene Mandeln
100g Himbeeren (geforen)*
100g Johannisbeeren (-"-)*

Puderzucker zum Bestäuben



Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Tarteboden einen homogenen Teig kneten und mindestens eine halbe Stunde kalt stellen. Eine Tarteform buttern, den Teig auswellen und die Form damit samt Rand auskleiden. Den Boden mit der Gabel mehrfach einstechen und ca. eine halbe Stunde in die Tiefkühle stellen.

Paralell den Grießbrei zubereiten: die Milch mit dem Vanillemark aufkochen, den Grieß, plus 15g Zucker mit einem Schneebesen einrühren, die Hitze reduzieren und unter Rühren etwa 5min weiter köcheln und den Grießbrei eindicken lassen. Komplett auskühlen lassen - dabei ab und an umrühren damit sich keine Haut bildet.

Den Ofen auf 190° Umluft vorheizen. Die Tarte mit Backpapier auslegen, mit Hülsenfrüchte belegen und 25min backen - Backpapier und Hülsenfrüchte entfernen und weitere 10min backen.

Währenddessen das Ei, die gesiebte Stärke, die Mandeln, den Zucker und den Quark mit dem Handrührer in den Grießbrei untermischen. Die geforenen Früchte auf dem vorgebackenen Boden verteilen, darauf die Grieß-Quarkmasse gießen und glatt streichen.

Den Ofen auf 150° O/U-Hitze runterschalten und die Tarte in 35min fertig backen.

*Anmerkung m: man kann natürlich auch frische Früchte verwenden, aber ich habe auf meine geforenen Garten-Vorräte zurück gegriffen. Alternativ würde sich auch eine Lieblingsmarmelade anbieten - dann eventuell den Zucker in der Quarkmasse etwas verringern...


Heimweh: Grießflammerie

Sonntag, 15. März 2015

Kaum ein Gericht verbinde ich so sehr mit dem Wort *Heimwehküche* wie Grießflammerie. Ja, vielleicht ist es für mich sogar der Inbegriff dafür. Man möchte jetzt meinen, dass das verwoben ist mit Erinnerungen an die eigene Kindheit. Aber nein, faktisch bekam ich das als Kind selten bis nie vorgesetzt.

Mein Vater zählte zu der Nachkriegsgeneration, die als Kinder einmal zu oft satt gemacht wurden mit einem schlichten Grießbrei. Es ist daher eine Speise, die ich erst nach dem Ausziehen für mich entdeckte. Und doch habe ich mit dem Wort *Grießflammerie* direkt eine große Wohnküche vor Augen mit einem Holzofen, die kissenbelegte Eckbank um den Holztisch dazu, wo sich alles versammelt, weil die Küche einfach der kuscheligste, geselligste und wohl riechendste Raum im ganzen Haus ist. Nichts davon hat mit meiner eigenen Erlebniswelt gemein. Tatsächlich hatten meine Eltern eine dieser fiesen Küchen in dunkelbraun, abgetrennt vom Eßzimmer wegen der Gäste und den Gerüchen, in der man sich einmal im Kreis um eine Armada an Einbauschränken drehen konnte.

Grießflammerie mit Heimwehküche zu assoziieren ist also nichts anderes wie geistige Schönmalerei – die bei mir allerbestens funktioniert. Etwa wenn ich Grießflammerie löffle (oder selbst den kleinen Bruder *Grießbrei*). Und ich zweifle stark, dass man Grießflammerie viel besser machen kann, als nach diesem Rezept: Was ein Schmelz an Konsistenz. Für mich absolutes Wohlfühlessen. Es schmeckt nach schöner, geborgener Kindheit, selbst wenn man sie nicht hatte... Vielleicht aber zielt die Sehnsucht auch auf ein anderes zuhause ab, weil man ahnt, dass die Erde nicht die einzige Heimat sein kann - wie in dem Gedicht von Thomas Brasch:

Was ich habe,
will ich nicht verlieren,
aber wo ich bin,
will ich nicht bleiben,
aber die ich liebe,
will ich nicht verlassen,
aber die ich kenne,
will ich nicht mehr sehen,
aber wo ich lebe,
da will ich nicht sterben,
aber wo ich sterbe,
da will ich nicht hin.

Bleiben will ich,
wo ich nie gewesen bin.
 
Rezept für 4 Förmchen à 125ml:

250 g Milch
½ Vanilleschote
½ TL Zimt, frisch gerieben 

20 g Butter
40 g Zucker (nach Geschmack/ m: Vollrohrzucker)
Prise Salz, 

Zitronenschale
40 g Hartweizengrieß
1 Eigelb
2½  Blatt Gelatine
250 g Sahne
1 cl Rum

Zubereitung:

In einem Topf die Milch zusammen mit Vanilleschote, ausgeschabtem Vanillemark, dem Zimt, Butter, Zucker, Salz und etwas Zitronenschale aufwallen lassen. Dann den Grieß langsam einrieseln und unter ständigem Rühren etwa 5 Minuten quellen lassen. 


Den Grießbrei vom Feuer nehmen und das Eigelbe unterrühren, ebeno die eingeweichte Gelatine dazufügen und auflösen. Zitronenschale, Zimtstange und Vanilleschote entfernen. 

Jetzt den Grießbrei in eine Schüssel umfüllen und auf lauwarm abkühlen lassen. Bevor die Masse zu fest wird (30 Grad), die steif geschlagene Sahne und Rum unterrühren. 

Förmchen mit kaltem Wasser ausspülen und Grießmasse einfüllen. Gut einen halben Tag kühl stellen, damit die Masse durchziehen kann und fest wird. 

Anmerkung m: bei uns gabs dazu ein Mal diese Orangen oder in etwa diese warmen Beeren  (gebunden mit etwas Speisestärke und angereichert mit etwas Zimt und Zitronenschale).

Ausfallschritt: Mandel-Grießbrei mit Orangenblütenwasser und Quittenkompott

Montag, 20. Oktober 2014

Jedes Jahr mache ich gerne um Erntedank ein paar Tage *Entschlackung*.  Heilfasten, wie es Astrid etwa praktiziert, hat mich als appetitlichen Menschen in der Vergangenheit hart an meine Grenzen gebracht. Viel besser bin ich mit Rohkostfasten gefahren, denn dabei sind meine Gedanken nicht wie eine Eintagsfliege in Dauerschleife um Essen gekreist.

Diesen Herbst versuche ich mich nun mit einer veganen Phase. Und heute an Tag Zwölf kann ich berichten: erstens kommt alles anders, und zweitens als man denkt. Ich war mir vorneweg sicher, es würde mir deutlich leichter fallen. Einige Ausflüchte oder Ausfallschritte konnte mein Wille nicht verhindern. Ähnlich wie Christina habe ich mir die vegane Auszeit etwas verschärft, in dem ich zusätzlich weißes Mehl und weißen Zucker, bzw. sämtlichen Süßigkeiten auf die verbotene Liste gesetzt habe. Gerne darf die Hose wieder etwas lockerer sitzen.

Und während ich so fast grasstotalvollvegan lebe, dünkt es mir, als ob hinter der Mode *vegan* der ein oder andere Mensch geschickt eine Eßstörung tarnt. Hinter nichts versteckt sich das Schlechte besser als hinter dem Allerhehrsten, wie etwa Tierleid vermeiden zu wollen. Das gilt NATÜRLICH (!) nicht für alle... nur mal so als Nebenschauplatz-Gedanke. Leider gehöre nämlich auch ich zu jenen, die zur Teeniezeit um eine Eßstörung nicht herum gekommen sind - wie fast alle meine Mädels aus meinem großen Mädelsreigen, mit denen ich mich gemeinsam durch die Pupertät kämpfte. 

Mal schauen, wie lange ich am Veganisieren noch dran bleibe. Aller Vorraussicht nach nähere ich mich dem Ende. Ist's geschafft, werde ich versuchen, meine Erfahrungen für euch zusammen zu fassen..

Nun, dass in mir kein Feldwebel steckt, zeigt mein heutiges veganes Dessert. Süß. Eben. Was ich sonst nicht immer zuhause habe, wie Mandelmilch und Mandelsahne war nun griffbereit und daraus habe ich mir gestern etwas zum Naschen gebastelt.

E-s-s-e-n-t-i-e-l-l  ist bei Grießbrei die richtige Konsistenz. Die darf weder zu fest noch zu flüssig sein. Und die bestimmt ihr über der Flamme. Außerdem überließ ich die Süße vorallem dem Kompott, die der Grießbrei wiederum mit seiner Cremigkeit auffängt. Gut gefällt mir, wenn sich ein Kontrast zwischen warm und kalt ergibt und das gekühlte Kompott zusammen mit dem noch warmen Grießbrei gegessen wird. Und dass der Mandelgeschmack der Mandelmilch gut mit dem Orangenblütenwasser harmonieren wird, war eh klar...
Zutaten 4P:

300ml Mandelmilch
4 EL Weizengrieß
1 EL Rohrzucker (evt. plus)*
1-2 TL Orangenblütenwasser**
50ml Mandelsahne

3 Quitten (ca. 600g)
1 Stück Ingwer (ca. 2cm)
50g Rohrzucker
1 Zitrone, Saft davon
80ml Orangensaft (frisch)
30ml Portwein, weiß
30ml Weißwein
1/4 TL Zimt
1 Msp Nelke

Zubereitung:

Quitten schälen, vierteln und die Kerngehäuse entfernen, die Quittenviertel in ca. 2 cm große Stücke schneiden und sofort im Zitronensaft wenden. Ingwer schälen und fein würfeln. Den Zucker in einem Topf goldgelb karamellisieren und vorsichtig den Saft und Wein dazugießen (Achtung, es kann spritzen!). Quitten, Ingwer, Nelkenpulver und Zimtpulver hinzufügen und zugedeckt bei mittlerer Hitze in 35-45 Min. weich garen. (Wer das Kompott weniger flüssig mag, nimmt irgendwann den Deckel ab - wie ich es gemacht habe). Nach Wunsch mit einem Kartoffelstampfer oder dem Pürierstab fein zerkleinern. 

Die Mandelmilch zusammen mit dem Grieß und dem Zucker zum Kochen bringen und so lange leicht köcheln lassen, bis die richtige Konsistenz erreicht und die Milch nicht zu sehr eingedickt ist (Obacht: der Grießbrei dickt mit dem Erkalten noch etwas nach). Mit Orangenblütenwasser abschmecken und in vier vorbereitete Gläser füllen.

Anmerkung m: *Ich habe den Grießbrei sehr verhalten gesüßt. Falls es euch zu zahm ist, zuckert noch etwas nach

**Das Orangenblütenwasser darf sich nicht zu sehr in den Vordergrund drängen. Fangt mit einem Teelöffel an und nähert euch dann dem Zielgeschmack (ich habe etwa 1 1/2 TL verwendet)
Inspiration Kompott: Küchengötter

Matthaei-Garantie: Safran-Bouillon mit Orangen-Grieß-Nocken

Samstag, 20. April 2013

Erst durch Alex ist mir aufgegangen, dass Bettina Matthaei nicht nur *Vegetarisch vom Feinsten* herausgebracht hat, sondern das ebenso wunderbare und sehr geschätzte *Mezze*. Aus *Vegetarisch vom Feinsten* habe ich bereits soviel nachgekocht wie aus wenigen Kochbüchern und bin (außer einer Ausnahme - zum Verbloggen bin ich aber durchs Verreisen nicht mehr gekommen) restlos begeistert.

Für mich ist *Vegetarisch vom Feinsten* ein Must Have. Auf meine Wunschliste ist daher auch ihr neustes Kochbuch *Gewürze und Aromen* gerutscht. Frau Matthei trifft einfach meinen Geschmack.

Seit wir wieder zurück in Frankreich sind, habe ich unsere Ernährung etwas umgestellt. Kohlenhydrate werden reduziert, ich koche sehr viel Suppen (wie hier als natürlicher Appetitzügler) und ich achte darauf, dass Gemüse und Rohkost Minimum die Hälfte des warmen Essens ausmachen. So rutschen unsere Hosen auch weiterhin.

Diese Suppe hat mir sehr gut gefallen. Ein Allrounder, den ich schick genug finde, ein Gäste-Menu zu eröffnen und sich zugleich als leichte Frühlingssuppe löffeln läßt. Perfekt ist neben dem feinen Geschmack der Bouillon die Konsistenz der Nocken. Ich hatte den Grieß etwas zu lange auf der Flamme, daher habe ich dann kleine Kugeln anstelle der Nocken geformt. Dennoch waren sie richtig zart.

Bettina Matthei - ich behalte Sie im Auge und freue mich auf alle weiteren Kochbücher von Ihnen!

Phänomenal ist, wie gelb dieser Frühling ist - ich kann mich nicht entsinnen, die Wiesen derart gelb gesehen zu haben. Das Feld, das der Rauhe Löwenzahn in ein gelbes Meer verwandelt, ist nicht etwa überarbeitet - es ist das Übermaß der Natur.
Zutaten:

150g Knollensellerie
150g weiße Zwiebeln
1 Möhre
2 Knoblauchzehen
1 Stange Lauch
(m: 1 Petersilienwurzel)
1 rote Chilischote (nach Belieben)
4 Kaffirlimettenblätter
2 Lorbeerblätter
je 1/2 TL Pimentkörner, Pfefferkörner, Wacholderbeeren
und Koriandersamen
1/2 Sternanis
1/8 l Weißwein oder Sherry extra dry
2-3 EL Zitronensaft
Salz/ Cayennpfeffer

1/4 TL Safranfäden
1/2 TL Zucker
1 TL Salz

Orangen-Grieß-Nocken:

1 Bio-Orange
1/2 Bund Petersilie
1/4l Milch
1 1/2 EL Butter
1Msp gemahlene Kurkuma
Salz
1/4 TL Chiliflocken
100g Weizengrieß
1 Eigelb
Zubereitung:

Sellerie, Zwiebeln und Möhren (m: und Petersilienwurzel) schälen und knapp 1cm groß würfeln. Knoblauch schälen und halbieren. Lauch waschen und putzen, das Weiße in dünne Ringe schneiden. Nach Belieben die Chilischote halbieren, entkernen und waschen. Limettenblätter wascheun und seitlich mehrfach einschneiden.

Alles mit den Gewürzen und dem Wein in einem großen Topf geben. 1 1/2l Wasser dazugießen und offen aufkochen. Zugedeckt bei schwacher Hitze etwa 15min köcheln. Die Kochplatte austtellen. Wer es mittelscharf mag, nimmt die Chilischote jetzt raus. Die Brühe am besten über Nacht abkühlen lassen. Durch ein feines Sieb gießen und erneut erhitzen. Mit Zitronensaft, Salz und Cayennepfeffer pikant abschmecken.

Für die Boullion mit Safran, die Safranfäden mit dem Zucker und dem Salz sehr fein zerreiben, mit 2 EL Brühe mischen und kurz ziehen lassen. Zur heißen Gemüsebouillon geben.

Für die Nocken die orange heiß waschen und abtrocknen und ca. 1EL Schale dünn abreiben. Die gewaschene Petersilie sehr fein schneiden.

Die Milch mit Butter, Kurkuma, einer Prise Salz und den Chiliflocken aufkochen. Den Grieß langsam einrieseln lassen und bei schwacher Hitze rühren bis der Grieß dicklich wird und schließlich einen Kloß bildet. Vom Herd nehmen und etwas abkühlen lassen.

In einem Topf reichlich Wasser aufkochen und salzen. Das Eigelb mit dem Teig, der Orangenschale und 2/3 der Petersilie vermengen. Mit Salz abschmecken. Mit zwei Telelöffel kleine Nocken formen. Ins siedende, keinesfalls kochende Wasser geben. Sobald sie an die Oberfläche steigen, sind sie gar. Gut abtropfen lassen und auf 4 Suppenschüsseln verteilen. mit der heißen Safran-Bouillon auffüllen und mit Petersilie und etwas Grün der Frühlingszwiebel dekorieren.
Quelle: Vegetarisch vom Feinsten - Bettina Matthaei