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Killing you softly: Schoko-Cookies der besonderen Art

Sonntag, 15. Januar 2023


Viele in unserem Dorf haben Probleme mit ihrem unmittelbaren Nachbarn. Das brachte mich zu der Theorie, dass für Beziehungen der richtige Abstand entscheidend ist. Kaum ist zumindest ein Haus dazwischen, steht es oft schon wieder deutlich besser um die gegenseitige Sympathie.

Irgendwie ähnlich wie mit Atomkraft - hat keiner wat dagegen, solange er nicht direkt neben dem Pfeiler leben muss. Ja, überzeichnet, ist klar, aber damit ihr die Richtung kriegt.

Oder anderes Beispiel. Gehen wir ins Tierreich. Nehmen wir das Nilpferd: planschender, dauerbadender Vollblutvegetarier. Der Habib, der alte Abenteurer und Weltenbummler, kann aus seinem Repertoire der schönen und ungewöhnlichen Tiergeschichten auch ein Erlebnis mit Nilpferden beisteuern. Und zwar campierte der Habib in Afrika am Flußufer des Nigers. Mitten in der Nacht wachte er oben in dem Dachzelt seines Jeep's auf, aufgeweckt von seltsamen Geräuschen. Er steckte den Kopf aus dem Zelt und sah eine Herde Nilpferde ums Auto grasen - die mit Inbrunst furzten und rülpsten. Kinder lieben diese Stelle der Geschichte sehr. Doch wehe, wehe man kommt dem bulligen Nilpferd zu nahe. Dann stellt sich umgehend raus, dass ein Nilpferd erstaunlich schnell rennen kann und über eine immense Beißkraft verfügt. Mehr als hundert Menschen sterben aufgrund von Nilpferd-Attacken jährlich, weil sie den (zugegen großzügig) benötigten Rhinozerus-Radius von hundert Metern unterschreiten - was das Nilpferd damit gefährlicher macht als einen Löwen. Heißt: Koloß Hippo ist nur so lange friedlich, bis man ihm nicht in der Aura steht.

Ich finde, jedes Miteinander (und zwar egal welcher Art) lebt davon, einen gewissen Zirkel nicht zu unterschreiten. So kompliziert ist es dann auch nicht: jeder hat seine Grenzen, und die gilt es zu respektieren. Tja, und dann sind wir halt wieder bei Themen wie Einfühlungsvermögen, Sensibliltät, Empathie, Respekt, Akzeptanz usw. Keiner kann leiden, wenn er übergangen wird. Keiner freut sich, wenn rote Linien überschritten werden, wenn man ihm auf den Zehen rumtanzt.

Nicht sehr förderlich für die nachbarschaftlich guten Kontakte ist in Frankreich der Tatbestand, dass die Dokumente des Katasteramts nicht juristisch bindend sind. Wobei es die Behörde hier eh noch nicht allzu lange gibt und manche Daten durch GPS neuerdings wieder korrigiert werden müssen. Davor einigten sich die Bauern untereinander (oder eben nicht) und es ging ähnlich zu, wie es Goethe in einem der beiden Wilhem Meisters beschreibt: zu Grenzsteinsetzungen wurden ein paar Buben der umgebenden Gemeinden dazugezogen und die bekamen bei der Gelegenheit eine ordentliche Backpfeife verpaßt, damit sie sich auch noch in ein paar Jahren gut erinnern konnten, wo genau der Grenzstein palziert wurde.

Als Deutscher kann man sich ein derart laxes Regelement schwer vorstellen. Leicht auszumalen allerdings läßt sich, mit wieviel Scharmützel das einhergeht. Tsss, Insidergeschichten von ehemaligen Bürgermeistern (nicht allein aus unserem Dorf) könnte ich wiedergeben, wie sich Nachbarn über Jahre bis aufs Messer stritten wegen  Wegerechten, versetzen Grenzsteinen, falsch plazierten Hecken... und der französische Gerichtsapparat zeigt sich in diesen Fragen zäh, langwierig, verschachtelt und kompliziert.

Naja, wie sagt Schiller: *Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt* Oder noch besser bringt es für mich Wilhelm Busch auf den Punkt:

Wer anderen gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken;
wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.

Es trennt sie nur ein leichter Zaun, die beiden Sorgengründer:
Zuwenig und zuviel Vertraun sind Nachbarskinder

Wohl dem, der weiß, wem er die Tür einladend öffnen kann und wen er besser mit der Bohnenstange auf Abstand hält. Das gilt für Nachbars wie für alle anderen Menschengeschöpfe, das gilt auf dem Dorf wie in der Stadt. Der Unterschied auf dem Dorf ist: man kennt seine Pappenheimer.

 

      


Schwierig zu sagen, auf welcher Seite des Zauns ich stehen will, wenn es um die verschiedenen Texturen von Keksen geht. Ich mag sie genau so gerne crunchy wie chewy. Diese Cookies fesselten meine Aufmersamkeit direkt, weil sie mit ungewöhnlichen Zutaten aufwarten wie Miso, Apfelmus und Kokosmilch. Ein solches Rezept musste auf jeden Fall einem Selbstversuch unterzogen werden.

Fazit: diese Cookies werden alle lieben, die sich angezogen fühlen von dem Kontrast süß-salzig, die gerne Schneebesen und Teigschüssel abschlecken und die bei Schokolade prinzipiell schwer *Nein* sagen können. Oder die wie ich halt doch eine Schlagseite haben zu all den Kuchen im *Brownie-Style*.

 

Zutaten Schoko-Cookies mit Miso, Apfelmus und Kokosmilch - 19 Stück:

110g Butter, weich
220g Rohrzucker (m: Muscovado)
60g Apfelmus (m: Ofen-Apfelmus mit Muskatblüte)
60g Kokosmilch
1 EL helles Miso (m: 1 TL dunkles Miso)
310g Mehl (m: T65)
5g Natron
200g dunkle Schokolade (m: 70% Schoko)

 


 

Zubereitung:

Die weiche Butter mit dem Zucker mit Geduld schaumig aufschlagen. Apfelmus, Kokos­milch und Miso-Paste dazugeben und weiter ­aufschlagen, bis eine homogene Masse entstanden ist. Mehl und Natron hinzufügen und alles zügig zu einem glatten Teig verarbeiten. Die Schokolade klein hacken und die Schokoladenwürfel unterrühren. Den Teig zugedeckt für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen (m: über Nacht). 

Den Backofen auf 180 Grad (O/U-Hitze vorheizen. Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen. Die Teig portioniern à ca. 50g und rund rollen. Dann die Kekse mit Abstand auf das Backapier setzen und etwas platt drücken (1 Blech mit 12 Keksen, das zweite mit 7 Keksen).

Die Bleche (m: nacheinander) für ca. 12-14min backen. Die Kekse sollten breiter gelaufen sein, die Oberfläche mit leichten Rissen und beim Anfassen bereits fest. Auf dem Backpapier auskühlen lassen. Wenn man die Kekse aus dem Ofen holt, scheinen sie innen und auf der Unterseite noch zu weich sein. Sind sie aber vollständig ausgekühlt, dann sind sie perfekt soft.

*Anmerkung m: gekühlt schmecken mir die Kekse am besten!

Inspiration: SZ 

 

die Worte des Propheten mit der Botschaft der Liebe heute auf unserem *Insta*

Ausgleich: Holzfäller-Teller

Dienstag, 10. Januar 2023


Im Garten mußten wir die Krone eines Baumes stutzen, sie war einfach zu mächtig gen Himmel gewachsen. Dabei warfen die Blätter allzu viel Schatten und der Baum steht in Hinblick auf Stürme einfach zu dicht am Haus. Mit der Zeit nun biegen sich die verbliebenen und nachwachsenden Zweige wieder in eine Art bauchige Zwiebelform. Sie geben ihr Möglichstes, um die Lücke zu schließen. Und es muß doch mehr als erstaunen, dass ein nahezu halbierter Baum in der Lage ist, ein solches Trauma zu bewältigen. Durch den Wunsch und die Kraft des Ausgleichs! Mich beeindruckt das sehr.

Anlaß, sich ein bißchen Gedanken zu machen zum Thema *Auslgeich*, einem Grundgesetz der Natur. Arthur C. Clarke (ihr wißt, schon, der, der unter anderem *Odysee im Weltraum* schrieb*) sagte: „Die Natur sorgt stets für einen Ausgleich ihrer Bilanz“ und bezog sich damit auf die Tatsache, dass Energie im Universum erhalten bleibt: sie kann nicht aus dem Nichts auftauchen oder im Nichts verschwinden. Naja, Energieerhaltungssatz und so - davon hat man ja ebenfalls schon gehört.

Und vermutlich kann man diese Gesetzmäßigkeit ebenso auf den Menschen übertragen. Ein Menschlein kann ein Leben lang viel Mist, Blödsinn und Unfug anstellen... aber irgendwann sollte das zu einer Umkehr führen, ansonsten sorgt das Leben dafür, dass das Pendel in die andere Richtung ausschlägt. Nur so läßt sich auch Karma verstehen. Eine Geschichte wird so lange in unterschiedlichen Rollen durchdekliniert, bis etwas, das aus dem Lot geraten ist, wieder zurück in ein Gleichgewicht findet, so lange, bis das menschliche Irren sich wieder mit Wahrheit verbindet. Oder es wird chronisch und führt damit zwangsläufig in die Krankheit, ins Verderben, in die Katastrophe.

*Die Natur versteht keinen Spaß, sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge, sie hat immer recht und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen*  trägt mein Altmeister Goethe zu dem Thema bei, der ja zu allem etwas Kluges mit viel Überblick in Worte fassen kann. Nicht schwer zu verstehen: man darf sich nicht ungestraft gegen die Gesetze der Natur stellen oder sie nach Belieben verdrehen!

*Die ganze Natur ist eine Melodie, in der eine tiefe Harmonie verborgen ist. Die Natur schafft ewig neue Gestalten; was da ist, war noch nie da, was da war - kommt nicht wieder - alles ist neu und dennoch immer das Alte.* Ach, Streben nach Harmonie - ist das so schwer?


 

Der Habib hatte Burger essen müssen (demnächst in diesem Kino) - Burger lösen höchstens eine Semi-Begeisterung bei meinem Gegenüber am Tisch aus. Zum Ausgleich versprach ich ihm am Tag darauf eine seiner Leibspeisen: Bratkartoffeln Holzfällerart, mit denen er einst eine Runde Kinder in Verzückung zu versetzen wußte. Und mit diesem seinem Rezept haben wir hier immerhin schon eine Bratpfanne gewonnen - eine Geschichte, die der Habib sehr gerne erzählt.

Aber was zu seinen Bratkartoffeln? Petra hatte auf Stevan Pauls Käse-Rührei verwiesen, welches nicht gerührt sondern geschoben wird. Das sollte doch gut zusammenpassen und ist außerdem eine schöne Anregung, ein ganz simples Essen wie Rührei mal anders auszuprobieren. Damit auch der Gemüse-Hunger nicht zu kurz kommt, gabs außerdem noch den ofenkaramellisierten Rosenkohl mit Miso dazu, den Susanne bei sich anschwärmte - ein Lieblingsgemüse des Habibs. Tja, und was soll ich sagen: es blieb kein Krümelchen mehr übrig. Soolfood für alle Holzfäller und die, die es werden wollen.

 

Zutaten 2P:

1 Portion Bratkartoffeln Holzfällerart (m: etwas verschlankt ;))

ofengerösteter Rosenkohl mit Miso:
400g Rosenkohl
30g Butter, weich
3 TL helles Miso (m: dunkles*)
1/2 Limette, Saft davon
1 EL Sesamsaat, geröstet
1 EL Rapsöl

*geschobenes* Käse-Rührei
3 Eier
1 Stich Butter
40g Käse (m: St. Nectaire)
1 Frühlingszwiebel
einige Würfel roter Paprika
Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

Mit dem Rosenkohl beginnen, dafür den Rosenkohl putzen und halbieren. Öl in eine Auflaufform gießen, Kohlröschen darin wenden, leicht salzen, Form in den Ofen schieben, auf 180°C Umluft stellen und den Rosenkohl ca. 25min rösten.

Butter mit Miso und Limettensaft in eine Schüssel geben, alles mit einer Gabel gut vermengen und mit Pfeffer würzen - nach 25 min die Buttermischung über den Rosenkohl verteilen, alles gut durchmischen und weitere 5-10 min rösten, bis der Rosenkohl karamellisiert ist und glänzt. Wenn nötig, mit Salz abschmecken und dann mit Sesam bestreut servieren. 

Parallel die Bratkartoffeln in die Pfanne werfen.

Zuguterletzt das Rührei zubereiten. Dafür die Eier in einer Schüssel nur anklebbern. Butter in einer Pfanne bei mittlerer Hitze schmelzen und das Ei zufügen. Ei leicht anstocken lassen, dann das Ei zur Seite schieben. Wieder anstocken lassen, wieder zur Seite schieben. Auf das noch feuchte Ei die Käsewürfel verteilen sowie die Frühlingszwiebel-Ringchen und die Paprikawürfel. Deckel auflegen für etwa 3-4min bis der Käse geschmolzen ist.

Anmerkung m: helles Miso war nicht aufzutreiben (Outback halt), vielleicht optisch ein bißchen hübscher - alles zusammen eine rustikal-romantische Kombi für den Alltag mit kalten Außentemperaturen

Inspiration: Petra - Stevan Paul - Susanne

 

Stinktier - Ofen-Sellerie mit Miso-Glasur

Sonntag, 2. Oktober 2022


Was bin ich beeindruckt, was alles möglich ist, wenn die Dinge von ganz oben angestoßen werden. Gerade die Deutschen sind ja besonders leicht vor sich herzuschieben - im Gegensatz zu den eigensinnigen Franzosen. Zumindest wenn ich meine Erfahrungsmomente jetzt mal repräsentativ nehme. Mit stolz geschwellter Brust wurde mir aus deutschen Mündern eröffnet, dass man neuerdings kürzer dusche, mit nassen Haaren das Haus verlasse, sich ein Elektrofahrad angeschafft habe... Tout un coup ist Energiesparen neben Sport die neue massenkonforme Freizeitbeschäftigung. Spare Energie und rede darüber. Und, wartet's ab, es geht nicht mehr lange, dann drückt man das für angepasste Technikaffine in eine entsprechende App, damit derlei Ambitionen auch honoriert werden von jenen, die sich das so ausgedacht haben. Sybille Berg unkte dergleichen in ihrem letzten Buch - nur jetzt scheint es nicht mehr aus dystopischer Luft gegriffen.

Bon, selbst wenn ich zur Gruppe *Ich will das Klima nicht retten* gehöre (wieder toller Beitrag von Radio München), darf sich jeder Don Quijote seine Windmühle suchen. Ey, und  mir doch stinkend egal, wer glaubt, jetzt auf Waschlappen umsteigen zu müssen. Wobei apropo *stinkend*. In dem Zusammenhang habe ich mich erinnert, was ich schwer ausgedünstet habe, als ich noch in der Stadt lebte. Mein Schweißgeruch setzte sich manchmal gar derart in den T-Shirts fest, dass ich sie wegwerfen musste. Sondermüll. Innere Anspannung setzt Proteine frei - dadurch erhält der Schweiß einen beißenden Geruch. Bestimmt einer der Hauptgründe für den urbanen, täglichen Duschmarathon. Weil dreckig macht sich ja heute eigentlich keiner mehr beim Schaffen. Und als Stinktier kann man sich schwer wohlfühlen in seiner Haut, das weiß ich ja nun selbst. Nur greift das viele Duschen wiederum die Haut an. Ein Teufelskreis. Heute kann ich schwitzen, wie ich will - ich rieche nicht. Überhaupt nicht. Und wenn ich in der Erde buddle, dann bin ich ja deshalb nicht schmutzig. Dreck kann man ganz leicht abspülen im Gegensatz zu Schmutz. Also in punkto Wasserverbrauch wäre ich in der Klima-App bestimmt schnell ein Gold-Plus-Member (# Vorteil Landleben, # harmonische Beziehung, # anständige Ernährung). Für die Muffies wäre mein Rat übrigens der gleiche wie für die Resting-Bitch-Face-Geschädigten... aber mich fragt ja keiner.

Anyway, eigentlich interessiert mich diese ganze Debatte überhaupt nicht, viel spannender finde ich zum Thema Energie, sich zu überlegen, was den inneren Antrieb eines Menschen ausmacht. Woraus speichert sich die hauseigene Energiequelle. Woher zieht jemand die Kraft, seinem Leben eine bestimmte Richtung zu geben?

Nun lebe ich in einem Haus, dass mein Habib einem sehr abschüssigen Stück Land abgetrotzt hat. Komplett selbst erbaubt. Mir ist durchaus bewußt, dass der Habib mit seinem Tatendrang erst die Grundlage unseres heutigen Lebens geschaffen hat. Aber was dafür alles zusammenkommen muss! Was Phantasie, Visionen, Energie, Fleiß, Schweiß, Beharrlichkeit, Neugier, Wagnis, Ausdauer, Bescheidenheit, Unannehmlichkeiten, Kraft, Geduld - denn Geld hatte der Habib wenig zur Verfügung (daran denken wir Kapitalisten heute immer als erstes). Einfach zu beginnen, ohne Strom, ohne fließend Wasser, daneben im Zelt campierend... da gehört schon was dazu, sich einfach dranzumachen, sich einfach auszuprobieren, sich nicht abschrecken zu lassen. Gedanken - Worte - Werke. Was dann alles möglich wird!

Echt, wie groß ist das Potential der menschlichen Schöpferkraft und wie sehr wird daran gespart. Bedauerlicherweise. Warum denn nur? Dabei je kleinteiliger die Vorgaben, Richtlinien und Auflagen von oben werden, wie man zu leben hat, umso wichtiger wird doch, selbst zu wissen, wie man höchstpersönlich gerne leben möchte. Ja, sag doch mal, wie hättest du es denn gerne, dein Leben? Wie würdest du es denn basteln wollen? Und wir reden vom *Wie*, von Qualitäten nicht von irgendwelchen Äußerlichkeiten - die ergeben sich daraus dann zwangsläufig. Von nix kommt nix. Weichen wollen gestellt werden. Sonst landet man nachher in Depressionen und macht für den Murgs andere verantwortlich. Ohne das Zutun des eigenen Willen geht es nicht:   WÜNSCHEN -  die Willensrichtung auf ein bestimmtes Ziel (ist die sehr komprimierte Bedeutung aus dem etymologischen Wörterbuch). Also, Geburtskind, was willst du, was strebst du an, wohin willst du?

 


 

Für den individuellen Umgang mit Ressourcen reicht meines Erachtens der gesunde Menschenverstand. Ich mache das Licht aus, wenn ich einen Raum verlasse, ich muss meine Klamotten nach einmaligen Tragen noch nicht waschen, wenn ich zu Fuß gehen kann, dann meide ich jedes andere Transportmittel, ich ziehe Gebrauchtes Fabrikneuem vor... - nix worauf ich mir als Europäerin gegenüber der Weltbevölkerung moralisch etwas einbilden könnte.

Den Ofen-Sellerie nach Ottolenghi habe ich in hier in einem Resto (das ich euch demnächst vorstellen will) unlängst gegessen. Aber für eine kleine Kugel Sellerie als Beilagengemüse für 2  Personen  den Backofen 3 Stunden laufen zu lassen.... das macht keinen Sinn, n'est-ce pas? Das braucht mir keiner zu erklären. Also habe ich eine verkürzte Zubereitungsart gewählt. Das Ergebnis ist nicht das Gleiche, denn durch das lange Garen im Ofen hat der Sellerie eine andere (festere) Konsistenz - trotzdem sind die Sellerie-Stücke (wie man ihnen ansieht, finde ich) absolute Köstlichkeiten geworden. Ganz, ganz sicher bin ich mir aber, dass ich damit trotzdem weder die Welt noch das Klima rette.

 

 Zutaten 2P:

1 1/2 Sellerie-Knollen (1 Sellerie à ca. 350g)
3 EL Olivenöl
1 EL Tamari*
1 EL Hoisin-Sauce*
2 EL Ahornsirup
1 Pr Piment d'Espelette
2 Lorbeer-Blätter

 

Zubereitung:

Sellerie schälen, halbieren, vierteln und dann in konische Stücke von 1,5cm breite schneiden.

Einen Topf mit genügend Wasser erhitzen - salzen und Lorbeer-Blätter zufügen - und die Sellerie-Stücke für ca. 6-7min garen, dann abschütten und gut abtropfen lassen (oder auch mit dem Küchentuch etwas trocknen)

Den Ofen auf 210°C (Umluft) vorheizen. 

Die Marinade in einer ausreichend großen Schüssel vermengen und die Sellerie-Stücke von beiden Seiten gut darin wenden und tränken.

Ein Backblech mit Backpapier bekleiden und die Selleriestücke darauf verteilen (restliche Marinade ruhig noch drüber geben).

Für 15-20min in den Ofen schieben bis der Sellerie schön Farbe angenommen hat. Für den finalen Schliff noch weitere ca. 5min unter den Grill schieben.


*Anmerkung m: bei uns gabs das Kartoffel-Pü mit Olivenöl dazu und Bohnen-Tomtensalat - anstelle von Tamari- und Hoisin-Sauce kann man auch einen EL dunkles Miso verwenden - hatte ich gerade nicht.  Aber Miso-Glasur klingt irgendwie griffiger als alles andere.

die Inspiration dafür stammt von einem meiner Lieblingsblogs Chili und Ciabatta aka Petra

 

wer denkt noch an Münchhausen?

das Böse 3/4 - All you need-Stew

Donnerstag, 3. Februar 2022

 

Jeden Winter wurde im Kleinen Haus im Badischen Staatstheater ein Stück extra für Kinder inszeniert. Besonders in Erinnerung blieb mir das klassische Kasperle-Theater - mit Schauspielern anstelle von Handpuppen. Die Aufführung drückte sich deshalb nachhaltig ins Gedächtnis, weil sich das Kleine Haus ganz in der Nähe meiner Werkstatt, die der Theaterplastiker, befand. Während wir am Arbeiten waren, dröhnte das Gebrüll der Kinder bis zu uns vor: *KASPER!!! PASS AUF!* Für viele Kinder ist es unerträglich, wenn das Böse über das Ahnungslose siegt. Dieses ausgewachsene Unrechtsempfinden, verwächst sich als Erwachsener seltsamerweise wieder. 

Ganz leicht wird man abgelenkt von der aktuellen Lebensphase (Karriere, Kinder, Umzug, Probleme...), und redet sich raus à la man muss schließlich auch von was leben, der Alltag frißt schon alle Energie, probieren kann mans ja mal, hat doch keiner mitbekommen...  die Anzahl der Ausflüchte geht gegen unendlich - aber dabei verliert sich gleichzeitig die Aufmerksamkeit für sich und für das Trau-Schau-Wem. Nun, zum irdischen Spiel gehört, dass jeder von uns gesehen und wahrgenommen werden will. Dann macht man sich schon mal wuchtiger und wichtiger und rückt die Dinge zu seinen Gunsten zurecht, beschönigt, vergrößert Erfolge, wirft sich in die Brust, hetzt gegen andere... - wer kennt das nicht. Jeder durchläuft akut immer wieder solche Phasen - dann dient es der Bewußtwerdung, chronisch aber führt es in unheilbare (geistige und körperliche) Krankheiten. 

Und Tricksen und Betrügen ist gar nicht mal so schwer (bereits ganz ohne raffinierte Manipulationstechniken). Und halt sowas von verführerisch: Lügen machen (erstmal) das Leben leichter, bequemer, vorteilhafter, gefälliger... - zumindest dem äußeren Anschein nach. Also warum den steinigen Weg der Wahrhaftigkeit wählen, wenn man die Rutschbahn nehmen kann? So zieht doch eine überragende Mehrheit eine schöne Lüge einer unbequemen Wahrheit vor (Tell my lies, tell me sweet little lies).

Das gilt es bei den anderen zunächst einmal zu akzeptieren - deshalb darf man sich Missionieren aus den Haaren kämmen. Die Welt ist wie sie ist: sie entstand durch Geist und läßt sich nur über Geist nachhaltig verändern. Änderung des Geistes beginnt individuell bei jedem selbst - über die Suche nach Wahrheit.

*Die Wahrheit ist ein simpel Ding, die jeder leicht begreifen kann. Allein, sie scheint euch zu gering und sie befriedigt nicht den Wundermann.* (Goethe)

Ja, die Wahrheit kommt oft völlig glanzlos daher, leise, ohne Pathos. Ganz im Gegenteil zum üppigen, ausufernden, lärmenden Schmierentheater, dessen Unterhaltungswert die untersten wie obersten Ränge zum Johlen bringt. Nichts einfacher als zu blenden, solange der Entertainment-Faktor stimmt. Ein gewaltiger Schlag Hysterie, viel Effekthascherei, ordentlich Rabatz, gemischt mit dem Triggern tiefster Ängste - funktioniert immer. Wie soll man dann noch in Ruhe über sich oder das Wesentliche nachdenken? Hinzu kommt: die den Menschen treibende Kraft seht ihm ja nicht auf die Stirn geschrieben. *Eine eigentlich ganz nette Person, eher unauffällig, hat immer freundlich gegrüßt*, heißt es dann in Nachhinein vom Nachbarn, der seine Tochter jahrelang im Keller einbetoniert und missbraucht hatte.

Auf Wahrheitssuche dreht sich der Verstand schnell um sich selbst wie eine kleine Katze, die ihren eigenen Schwanz jagd. *Durch Überlegung wird so etwas nicht geendet; vor dem Verstande sind alle Rechte gleich, und auf die steigende Waagschale läßt sich immer wieder ein Gegengewicht legen.*(Goethe) Its all about perspective! Auf mentaler Ebene gibt es keine Lösung, keine Erklärung, kein besseres oder schlechteres Argument. Hier gibt es für jede Wahrheit einen Gegenwahrheit, egal wie eine These lautet, so findet sich doch eine entsprechende Antithese - etwas, das sich üben läßt (s. Goehte das Hexen Einmaleins). Genau darum ist die Empfindungsebene so entscheidend.

Und um wieder zurückzukehren zu meinem Ausgangspunkt, Madagaskar: von dort brachten wir ein madegassisches Sprichwort mit, das lehrt, wie mit dem Bösen umzugehen ist: *Zeige niemals mit dem ausgestreckten Finger auf das, was sich hinter der Tarnung versteckt - es wird dir großes Unglück bringen*. Das Chamäleon ist Meister und Muttertier der Tarnung und Täuschung. Das doppelt einäugige Reptil passt sich seiner Umgebung an, suggeriert so Sicherheit, um dann mit der Zunge zu töten. Wiederholt beobachteten wir Madegassen, die sich bei dem Anblick eines Chamäleons zu Tode erschreckt haben - im Gegensatz zu den Touris, die begeistert und fasziniert mit der Kamera anrückten. Der Habib entdeckte im Chamäleon den Repästentant für die 3. Verdrehung des Geistes, auch genannt die Lustseuche (Syphilinum).

Sich dem Bösen im Außen den Weg zu stellen macht keinen Sinn. Es sei denn man glaubt, man müsse den Drachenkämpfer spielen. Bitte schön! Siehe Julian Assange: zero Lebensqualität aber dafür Heldenstatus. Wer will tauschen? Und, was hats gebracht? Man verliert Energie, die man für anderes, für sich selbst bräuchte.

Tja, es gibt nunmal nichts zu retten! Das Böse ist böse, weil es böse ist (ich erinne auch an Trude Simonsohn). Geistig nix zu holen für das Marvel-Universum. Stattdessen schluckt das Böse jene, die ihm zu nahe kommen - das funktioniert auf die gleiche Weise wie Co-Abhängigkeit bei Alkoholsüchtigen und deren Umfeld. Das Ungleichgewicht der Welt - so läufts nun mal. *Wer sich unter die Kleie mischt, wird von den Säuen gefressen!*, sagte die Omi gerne. Mehr als Abstand halten, bleibt nicht - zumindst für die, denen an Freiheit und Mündigkeit gelegen ist. Das wird nur in Partnerschaften und Familien schwierig.

Doch selbst im Inneren lauern Fallstricke. *Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert* besagt ein altes Sprichwort. Greife ich dafür in den Anamnese-Fundus des Habib. Gudrun (Name geändert) lag nachts neben ihrem Mann im Bett. Sie mußte dringend aufs Klo. Ihre Blase schien zu explodieren. Aber sie regte sich nicht: sie wollte den Schlaf ihres Mannes nicht stören. Sie glaubte, das wäre Rücksichtnahme. Demut. Eine Opfergabe. Liebe. So kann der Mensch sich selbst in die Irre führen: man meint es (vermeintlich) gut im Hinblick auf andere, hält sich für dienstbar, freundlich und hilfsbereit, betrügt und hintergeht sich aber in diesem Moment selbst.

Über allen anderen Werten steht die Eigenverantwortung: sündige nicht gegen dich selbst! 

*So bleibt die eigentliche Religion ein Inneres, ja Individuelles, denn sie hat ganz allein mit dem Gewissen zu tun* (Goethe)



Im Vergleich zu den eigentlichen irdischen Herausforderungen ist es ein Kinderspiel, sich mit Gemüse glücklich zu kochen. Mit diesem Stew steht geschwind und unkompliziert ein abwechslungsreiches Essen auf dem Tisch, das ein wohliges Bäuchlein zaubert. Wie man abwechselt, habe ich euch unten im Rezept beschrieben.

Und gepimpt ist diese Grütze auch schnell, wenn man sie als Sättigungsbeilage (häßliches Wort) verwendet - s. die All you can eat- Teller, die ich euch auch fotographiert habe. Holt euch etwas fermentiertes Gemüse dazu (stehen hier gerade mehrere Gläser herum - ich muß euch mal etwas zeigen), oder süß-sauer eingelegtes Gemüse (machte ich letztens Herbst einige), ofengeröstetes Gemüse (immer eine gute Idee), einfach ein bißchen Rohkost (oder einen Salat), Pesto dazu, streut ein paar Nüsse darüber oder greift in die Roule ta Boule-Ideen, Puffer, Gemüse-Confit, Ofentomaten, Ajvar (ebenfalls neu bei mir in den Konserven), Hummus, Chutney.... Ihr seht: tobt euch aus. Das Stew ist wirklich eine tolle Grundlage, eine super Basic, im Sommer wie im Winter - nicht von ungefähr bereite ich es uns wirklich häufig zu. Es hat auch Vorteile, dass ich weniger blogge: die meisten Rezepte, die ich euch nun zeige, sind besonders geschätzt.

 

 

 

Zutaten 2P:

70g Quinoa (m: bunt)
50g rote Linsen
50g Buchweizen
70g Couscous (m: Vollwert)*
2 Lorbeerblätter
2 Knoblauchzehen
1 Stück Kombu-Alge
1 Stück Stangen-Sellerie, fein gewürfelt
1 TL Thymian
1 TL weißes Miso
Gemüsebrühe
Zitronensaft (oder weißer Balsamico)
Frühlingszwiebel/ Petersilie

 

Zubereitung:

Knoblauch schälen und andrücken. Alle Zutaten in einen Topf geben und in der Höhe von etwa 2,5cm mit Gemüsebrühe bedecken. Alles ca. 25min sanft köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit nichts anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe nachgießen. Die Konsistenz ist (wie etwa beim Porridge) wichtig: sollte schön cremig-seidig sein (also nicht zu trocken und nicht zu schwimmig).

Lorbeerblätter und Kombu-Alge rausfischeln. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft. Mit frischen Kräutern dekorieren (verwende ich Petersilie, dann koche ich die Stiele im Stew mit).

Möglichkeiten zu pimpen sind endlos: s.o./ Zutatenmenge reicht für 2 Personen - ohne zusätzliche Extras - also insgesamt an Körnern etwa 250g - dann wißt ihr, wie ihr wechseln könnt s.u.

 

Anmerkung m: es gibt ganz viele Varianten, allein schon wenn man die Verhältnisse der Zutaten verändert. Oder die Zutaten: grüne Linsen untermischen und/ oder Hirse und/ oder  Perlgraupen und/ oder Bulgur - wer mag, kann noch einen Löffel Nussmuss unterziehen, um es noch cremiger zu machen.


2x Nigel: Buttermilch-Polenta mit grünem Frühlingsgemüse und Miso-Mayonnaise

Freitag, 22. Juni 2018


Erbsen und Saubohnen bietet der Garten an und ein letztes Mal nehme ich Spargel vom Markt mit. Der Händler hat das endgültige Aus laut gemacht. So habe ich mich für diesen Teller gleich zwei Mal von Nigel Slater inspirieren lassen. Buttermilch-Polenta gab es ebensowenig hier jemals wie Miso-Mayo. Beides einen Versuch wert. Auch getrennt von einander. Und auch ohne dass man noch an grünem Spargel vorbei läuft. Dafür ließe sich ja die Menge an Saubohnen erhöhen. Oder noch ein paar Zuckerschoten dazujubeln. 

Ach, was schreibe ich: euch wird schon was einfallen. So schwer beim Kochen zu improvisieren, ist es ja nicht... Und ich verkneife mir mal irgendeinen altklugen Satz zum Thema *Improvisieren im Leben* im neuen Blogjahr. Obwohl... Hier auf dem Land, also der französischen Campagne ist ja das Imprivisationstanzen ganz groß. Vielleicht fallen euch zu diesem Essen ja obendrein ein paar Moves ein... in der Gruppe oder allein, um die Herdplatte oder in einer Jurte... immer schön raus damit!


Zutaten 2P:

Polenta
275ml Buttermilch
275ml Gemüsebrühe
120g Polenta
2 Lorbeerblätter
Salz, Pfeffer
1 Stück Parmesanrinde
2 TL Crème fraîche

Miso-Mayonnaise*:
80ml Erdnussöl (m: weniger)
2 TL weiße Miso-Paste
2 TL Senf, körnig
1 kleine Zitrone, die Zesten davon
Schnittlauch 

200g grüner Spargel
1 handvoll Erbsen
1 handvoll Saubohnen

Zubereitung:

Für die Polenta Buttermilch und Brühe miteinander erhitzen, Lorbeerblätter dazugeben ebenso wie die Käserinde und die Polenta einrieseln lassen. Bei leichter Hitze unter aufmerksamen Umrühren um das Anbrennen zu vermeiden die Polenta garen - dauert etwa 30-40min. Salzen, pfeffern und mit  Crème abschmecken.

Parallel dazu das Gemüse putzen: Erbsen puhlen, Saubohnen auch, diese aber zusätzlich aus ihrer Hülle befreien. Den grünen Spargel richten: Enden abschneiden und unteres Drittel schälen. 

Für die Mayo das Eigelb mit dem Senf vermengen und das Öl unter stetigem Rühren langsam anschütten. Mit Miso und Zitronenzesten abschmecken - *für diese Mayonnaise braucht es das Eigelb nicht zwingend. Für die Artischocken bereite ich eine ähnliche Begleitung (ohne Miso) zu und wenn ich mit Senf und etwas Zitronensaft beginne und das Öl in gleicher Manier einfließen lasse, dann entsteht eine ähnlich cremige Konsistenz (für alle Frisch-Eigelb-Verweigerer).

Den Spargel über Wasserdampf garen. Erbsen und Saubohnen kurz vor dem Servieren in kochendes Wasser geben und in zwei-drei Minuten gar ziehen lassen.

Die Polenta auf zwei Teller verteilen, Gemüse ebenfalls, die Mayo zum Gemüse setzen und mit Schnittlauchröllchen garnieren.

Inspiration: Nigel Slater und hier