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Dünkel: Rote Bete-Flammkuchen mit Petersiliencrème und Ziegengauda

Sonntag, 23. Oktober 2022

 

Ich kann es nicht leiden, wenn im Schuh die Socke Richtung Zehen rutscht. Was ist das ein gruseliger Scheiß, den die Socke da anstellt? Das kann einem jeden Spaziergang versauen. Und bedeutet unabwendbar das Ende der Socke in diesem Haushalt.

Dünkel kann ich ebenfalls nicht ab. Man dünkt sich erhaben, nur weil man in eine bessere Schicht geboren ist, sich attraktiv glaubt, sportlich, intelligent, gerissen, mächtig, weil man das dickere Auto/ Lastenfahrrad/ Handtasche... fährt, weil man sich für wichtig, unersätzlich, einmalig, aussergewöhnlich nimmt - die Auswüchse von Dünkel sind so zahlreich wie Sand am Meer. Und immer gleich bescheuert. Und es steht ausnahmslos niemandem gut zu Gesicht, die Nase ein paar Zentimeter höher zu tragen. Da kann doch keiner für Verständnis erwarten - echt nicht!

Dieser innerlich erlebten Erhabenheit, die vielen Besitzern möglicherweise noch nicht einmal bewußt ist, sind wir doch alle schon begegnet. Einbildung ist auch eine Bildung, hieß es früher. Und wenn man den Dünkel auf Erden eleminiert bekäme, weicht die Menschheit auf eine der vielen anderen, geistigen Krankheiten aus. Ich gebe den Glauben in der Hinsicht auf. Wenn Dünkel nur nicht so nerven würde als Gegenüber. Am liebsten würde man gegen diesen selbstgezimmerten Podest treten und rufen: *Komm runter, du Freak!* Oder mit der Nadel in diesen prallen Luftballon der Blasiertheit stechen. Aber gegen Selbstverblendung ist nunmal kein Kraut gewachsen.

Obwohl: eigentlich schon. Die Selbstwahrnehmung. Die Gewissenserforschung. Der gesunde Menschenverstand und damit eine natürliche Begabung sich selbst richtig einschätzen zu können. Mit Christian Morgenstern: *Höher als alles Vielwissen stelle ich die stete Selbstkontrolle, die absolute Skepsis gegen sich selbst.* Oder mit dem Habib: die *Große Null* als Lebenseinstellung, weil die sich von ganz alleine einstellt bei einer aufrichtigen Hinwendung zum Größten. Zu viel verlangt, ich weiß.

Strumpfhosen, die im Schritt Richtung Kniekehlen rutschen, machen mich auch wahnsinnig. Als würde einem zwischen den Oberschenkeln eine Schwimmhaut wachsen. Auch infernaler Superscheißdreck. Darum trage ich eigentlich nur Leggins, weil dem Gefühl gehe ich lieber aus dem Weg. Die Chance habe ich bei Dünkel ja leider nicht. 

 


Flammkuchen ist immer eine gute Idee, wenn es in der Küche schnell gehen soll und man nicht riesig Lust zum Kochen hat. Hiermit Vorschlag 15 zu einem weiteren dieser Gattung! Und ein - bei aller Bescheidenheit - richtig guter sogar. Zumindest innerhalb meines Geschmacksuniversums.


Zutaten 2P:

Flammkuchenteig
160g Dinkel 1050
60g Einkorn-Vollkorn
1 TL, klein Salz
1 EL Sesam
1 TL Koriander, geschrotet
2 EL Öl
120ml Wasser

Belag:
eine mittlere Rote Bete, gekocht
1-2 EL weißer Balsamico 
1 EL Olivenöl
1 kleine, rote Zwiebel
1 kleiner Bund Petersilie
150g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
Ziegengauda
Kreuzkümmel
ein paar Granatapfelkerne (optional)

 

Zubereitung:

Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz, den Thymian und das Öl mit 60ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen. 

Den Ofen mit einem Pizzastein vorheizen (ca. 250°). 
 
Die Rote Bete in Scheiben von ca. 2-3mm schneiden und diese marinieren mit dem Balsamico und dem Olivenöl. Salzen und pfeffern. Die Zwiebel schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden.
 
Die Petersilie fein wiegen und mit der Crème fraîche vermengen. Salzen und pfeffern.

Den Flammkuchenteig teilen, jeweils schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der Crème bestreichen, den Rote Bete-Scheiben und den Zwiebelringen belegen und mit Käse bestreuen. Zuletzt den Kreuzkümmel und die Granatapfelkerne darauf verteilen. Nochmals leicht würzen, mit Olivenöl beträufeln und die Flammkuchen im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Stich: Tarte flambée à la manière de bucheronne

Mittwoch, 4. September 2019


Manchmal gerate ich in Gespräche, die mich ans Quartett-Spielen erinnern. Kennt ihr noch diese ozzz-überober-langweiligen Autoquartett-Spielkarten? Wie ich gerade ergoogelt habe auch *Supertrumpf* genannt. Man versucht mit den besten, technischen Daten seiner aktuellen Spielkarte (Höchstgeschwindigkeit/ Motorleistung/ Anzahl der Zylinder...) die Werte der obersten Spielkarte der anderen zu übertrumpfen. Gelingt das, macht man einen Stich und darf in dieser Runde diese Karten seiner Mitspieler einkassieren.  

Oft habe ich das nicht gespielt. Spätestens nach vier Runden sackt einem doch das Kinn gen Brust ob des Stumpfsinns und der Eintönigkeit. Wo soll da der Gag sein? Hat man halt mal jemand übertrumpft... und?

Derlei Spielerei kommen mir immer mal wieder in Unterhaltungen unter. Solche lassen sich erkennen etwa durch Überleitungen zur eigenen Wortmeldung wie: *Das ist ja noch gar nichts. Also I-C-H... * Halt ganz so, als würde man Quartett spielen aber inkognito jedoch mit vergleichbaren Spielregeln. Nich,  à la: *ich weiß halt noch ein bißchen mehr Schlaumeisterei, habe das deutlich bessere Dingenskirchen, die oppulentere Fitzlibutzli-Referenz, das gewaltigere Todschlag-Argument... BÄM! TRUMPF! Spiel-Satz-Sieg!

Aber Kinners: das bringt doch null Spaß. Außer dass eben einer den anderen mit irgendeiner Wichtigtuerei übertrumpft. *Was du schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen* - aber doch nicht andere Leute damit belästigen. Wer sich an das Individuelle hält, der geht von der Andersartigkeit der anderen aus und misst sich nie, überhaupt gar nie mit seinem Gegenüber. Welchen Sinn soll das auch ergeben? Ehrlich, das ist das glatte Gegenteil von einem erquicklichen Gespräch! 

Ja, ich weiß, in dieser Hinsicht bin ich versaut. Nicht von ungefähr steht in meiner *über mich* Seite, wie gerne ich mit dem Habib rede. Nach all den Jahren höre ich unverändert niemandem lieber zu als ihm, bin immer noch gespannt, was der Habib wahrnimmt, auf seine Eindrücke, seine Beobachtungen und neugierig auf seine Einschätzungen. Das ist SO bereichernd. Und SO horizonterweiternd. Zwei Paar Augen sehen mehr als eines... wenn beide gerne Welt und Menschen gucken. Das ist ein großes Geschenk und keine Selbstverständlichkeit, das wird mir mehr und mehr bewußt.

Ich habe auf diese Weise - als wunderbare Begleiterscheinung - meine Sinne deutlich gewetzt. Schließlich will ich nicht erleben, dass dem Habib im Gespräch mit mir der Kopf auf die Seite kippt vor Ermüdung...


Um ein Haar hätte ich diese Tarte *Salami-Pizza... nicht* getauft -  war optisch meine erste Assoziation. Außerdem kitzle ich bekanntermaßen gerne. Nun ist es ein *Flammkuchen nach Art der Holzfällerin* geworden - in Anlehnung an diese Bratkartoffeln. Für die hat der Habib damals eine Bratpfanne gewonnen (von Heike, die leider nicht mehr bloggt), eine Geschichte, die er bis heute sehr gerne erzählt. 

Preisverdächtig finde ich genauso diesen Flammkuchen. Superlecker! Sehr gut ließe dieser sich variieren mit gebratenen Pilzen, die man unter die Zwiebeln mischt. Oder man kürzt die Tapenade raus und bereichert die Zwiebeln durch mitgedünstete Apfelschnitze - ebenfalls bestimmt köstlich!

Zutaten 2P:

Flammkuchenteig:
160g Dinkel 1050
60g Einkorn-Vollkorn
1 EL Öl
Salz
1 TL Koriander, frisch geschrotet
1/2 TL Kreuzkümmel
120ml Wasser 

ca. 2 EL Crème fraîche
2 TL grüne Tapenade
Salz, Pfeffer  


1 Gemüsezwiebel
etwas Öl
2 TL Thymian
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker

100g Käse (m: Tomme de Montagne)

200g neue Kartoffeln (m: Vitelotte) 
3 TL Thymian
Salz, Pfeffer
Olivenöl 

Deko: Basilikum

Zubereitung:

Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz, den Koriander und das Öl mit 120ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen. 

Den Backofen mit einem Pizzastein auf 220° C vorheizen.

Die Kartoffeln schrubben und so fein wie möglich (m: ca. 2mm)  in eine Schüssel hobeln. 1 1/2 El Olivenöl sowie den Thymian zugeben, salzen und pfeffern. Alles gut durchmischen.

Ein Backblech mit Backpapier belegen und die Kartoffelscheibchen möglichst einlagig darauf verteilen. Das Blech für etwa 10 Minuten in den Ofen schieben, bis die Kartoffeln anfangen, braun zu werden.

Den Ofen mit einem Pizzastein auf 250°C hochfahren. 

Den Flammkuchenteig teilen, jeweils schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der Tapenade-Crème bestreichen. Dann jeweils hälftig mit Zwiebeln, Käse und Kartoffelscheiben belegen. Nochmals leicht pfeffern und die Flammkuchen im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Anmerkung m: Flammkuchenteig nach Juliane - der mich in seiner Schnelligkeit, Luftigkeit und prima Handhabe absolut überzeugt. Außerdem sollte - für mein Dafürhalten - Falmmkuchen ein Blitz-Essen sein!

 
Geschwister im Blog-Universum:


russischer Bär an Kugeldistel

Insta-tauglich: Krauterich der Krautfladen

Sonntag, 10. Februar 2019


*Mika, du hast das Internet überhaupt nicht verstanden. Null. Z-E-R-O!!!* Pascales Augenbrauen erreichen fast ihren Haaransatz, während sie mit der erhobenen rechten Hand aus Daumen und Zeigefinger ein O formt (immer ein bißchen Drama in allem die Fränzi-Mädels). 

*Kein Instagram, kein Twitter, kein Facebook, kein Linkedin, kein Google+ - Internet bedeutet Vernetzung!!!* - sie betont die Silbe des letzten Satzes und dehnt dabei die Worte unnatürlich in die Länge, ganz so, als würde sie nicht nur an meinem Verständnis für das WWW zweifeln sondern an meiner kompletten Gehirnkapazität. *Vernetzung* wiederholt Pascale eindringlich (die Finger-Null fuchtelt wieder). *Und zwar 2.0. Zusätzlich zu Organisationen wie die den Rosenkreuzern, Freimaurern, den Rotariern, dem Lions Club, die politische Parteien-Riegen, die Studentenvereinigungen, kein Volk hat das besser verinnerlicht wie die Juden, wenigstens das Vitamin-B der Familie braucht es für den kleinsten Rahmen, ABER: ohne Seilschaft keine Trittleiter nach oben! Und was treibst du? Seit Jahren? Du gibst Morsezeichen in einem Ein-Frau-U-Boot. Du miemst die letzte Litfasssäule an einer einsamen Landstraße. Du...

*Ich bin nicht schuld*, bringe ich mich aus der Schußlinie und werfe mich in der Deutschen liebsten Schützengraben (an dem Thema *Schuld* und der Frage *Wer ist dafür verantwortlich* kann sich kein Land länger aufhalten). Ich kichere: *Ich habe keinen Instagram-Boyfriend. Hier, schau', es gibt jetzt einen neuen Beruf. *Influencerin-Chefsekretär*, Markenmaskottchen-Angestellter* oder *Reclamekleindarstellerin-Assistent* - ich halte ihr das Smartphone unter die Nase und zeige ihr dieses Bild - *Da kommt ein Selfie-Stick nicht mit, vielleicht noch was gepimpt durch Drohnen-Fotos, bref: Super Zukunftsperspektiven, aber der Habib hat komischerweise keinen Bock drauf.* 

*Tssss*, Pascale schüttelt den Kopf, *die spinnen, die Römer* und lacht auch. *Das neue Sado-Matriachat: sie klimpert mit ihren Wimpern anstelle der Peitsche und droht unterschwellig beim Hypnotisieren mit Geld-und Sexentzug: 'Jetzt-komm, du-willst-es- doch-auch, du-willst-auch-ein-SUPER-Foto-von-mir*

*Krass, oder?! Wie weit trägt Eitelkeit? Die schütten ihren Jungs doch was in den Tee! Das macht doch kein Mensch freiwillig mit.*
*Es ist schwer, gutes Personal zu finden*.
*Ben, jeder wie er meint, denkt, muss und es braucht*, wende ich ein. *Sie sind jung, sie brauchen das Geld. Velleicht reden die mehr als andere Paare miteinander? So abends vorm PC: Sehen meine Haare auf dem oder auf dem Bild besser aus? Gemeinsame Arbeit verbindet. Gütertrennung wird vermutlich schwer - aber das ist sie ja meistens...

*Naja, aber wenn du wolltest, könntest du ja trotzdem...
*Jaja, ich weiß*, unterbreche ich Pascale erneut *du hast schon recht. Klar macht NUR bloggen keinen Sinn - marktstrategisch, betriebswirtschaftlich, aufmerksamkeitstechnisch. Aber ich bin nun mal kein Follower-Typ. Und umgekehrt bin ich nix für Follower. Und der Konsum von Social Media gibt mir einfach überhaupt nichts. Trotzdem macht es Sinn. Auf meine Weise. Ein Thema nämlich wiederholt sich auf meinem Blog beharrlich: gehe deinen eigenen Weg, finde deine eigene Haltung, sei so individuell wie nur möglich, stehe zuallerst für dich und deine eigenen Werte ein. Vielleicht mache ich mir mit dem Schreiben darüber selbst Mut.*
*Alte, du machst mich fertig....*

Nur, damit ihr mal eine Vorstellung bekommt, wie sich mein Feedback so anhören kann. Aber fertiggemacht wird heute nicht, bevor nicht alle den Krauterich probiert haben - der einzig wahre, alltagstaugliche Krautfladen!


Zutaten 2P:

160g Dinkel 1050
60g Einkorn-Vollkorn
1 EL Öl
Salz
1 TL Koriander. frisch geschrotet
120ml Wasser

1 kleine Stange Lauch
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
170g Weißkohl
Öl
Salz, Pfeffer
Piment
Kümmel, ganz
ca. 170g Käse (m: gemischt/ Reste) 
Olivenöl

ca. 2 EL Crème fraiche
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz, den Koriander und das Öl mit 120ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen. 

Den Ofen mit einem Pizzastein vorheizen (ca. 250°). 

Knoblauch fein hacken, die Zwiebel ebenso. Den Lauch in feine Ringe, den Weißkohl in feine Streifen schneiden. Die Zwiebel in Öl glasig anschwitzen, dann Lauch und Kohl zufügen und nochmals mitdünsten. Mit Salz, Pfeffer und Piment abschmecken.
  
Den Flammkuchenteig teilen, jeweils schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der mit Salz und Pfeffer gewürzten Crème bestreichen, den Pfanneninhalt auf beiden Fladen verteilen und mit dem gewürfelten Käse und Kümmel bestreuen. Nochmals leicht würzen, mit Olivenöl beträufeln und die Flammkuchen im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Anmerkung m: Flammkuchenteig nach Juliane - der mich in seiner Schnelligkeit, Luftigkeit und prima Handhabe absolut überzeugt. Außerdem sollte - für mein Dafürhalten - Falmmkuchen ein Blitz-Essen sein!


klar und verständlich: Thymian-Flammkuchen mit Kirschtomaten

Samstag, 1. September 2018


Alles ist komplex. Alles scheint undurchschaubar, vielschichtig, manchmal gar polyvalent. Wer will da durchsteigen. Nein, nein, es IST kompliziert. Permanent, fast gebetsmühlenartig bekommt man das auch suggeriert. Vorsicht: verzwickte und vertrackte Angelegenheit! Vorsicht: Hierfür braucht es eine Expertenmeinung!

Die wissenschaftliche Betrachtungsweise hat uns gelehrt, den Dingen immer tiefer auf den Grund gehen zu wollen. Es wurden die Zisselier-Instrumente gezückt, der Mikroskopblick angeschaltet und unaufhaltsam seziert. Vom Stöckchen ins Zweigchen. So spezifisch wie nur möglich. Bis man vor lauter Hackfleisch nicht mehr weiß, was es mal war. *Willst du dich am Ganzen erquicken, so mußt du das Ganze im Kleinen erblicken* sagt Goethe, der mit Aufkommen der wissenschaftlichen Arbeit bereits befürchtete, dass sich die verschiedenen Forschungssektoren zu sehr voneinander absondern und vereinzeln. Bei aller Detailverliebtheit wird versäumt gleichfalls und im gleichen Maße die Beziehungen und Vernetzungen unter den verschiedenen Wissenschaftsbereichen zu untersuchen und herzustellen. Mit einer Beschränkung auf ein einzelnes Fachgebiet drohe Starrsinn - so folgert Goethe weiter -  und versuche man dennoch über den Tellerrand zu schauen, drohe die Unzulänglichkeit. Je mehr Spezialistentum umso mehr gerät das große Ganze aus dem Blick, weil das uralte Prinzip der Analogie außer Acht gelassen wird.

Alles hängt mit allem zusammen - seien es nun die Abläufe im menschlichen Körper oder das Klima auf der Erde. Das macht es auf den ersten Blick nicht zugänglicher. *Die Natur ist wie ein Beil. Grad und einfach geht sie hindurch, und nur die unendliche Modifikation des einzelnen macht es so schwer, sie zu verstehen* befindet wieder Goethe. Das heißt: dem menschlichen, individuellen Verstand übergeordnet ist das Wesentliche und Wahrhaftige.

Kann man denn das Denken dahingehend trainieren, einfach, klar und verständlich zu sein? Ganz im Sinne der Natur. Richtung  dem großen Ganzen - also in die entgegengesetzter Richtung, die wir so sehr geübt und verinnerlicht haben. Ich versuche es zumindest, denn auch darin folge ich Goethe aus voller Überzeugung: *Das Wahre, Gute, Vortreffliche ist einfach*. Also übe ich mich zwischendurch darin (hier schon mal angedeutet oder auch hier), meinen Fokus so grob wie nur möglich einzustellen. Ich siebe mit Fragen wie: Finde ich diese Geschichte gut/ klar/ verständlich oder nicht? Will ich dabei mitmachen oder nicht? Simple Fragen mit Ja/Nein-Antworten.

Bei Büchern bin ich durchaus rigoros geworden. Nächstes Beispiel: Thomas Mann *Doktor Faustus*. Ich dachte, als Goethe-Groupie der ersten Stunde müsse ich dieses Stück Weltliteratur dringend gelesen haben. Und schleppte es mit nach Thailand (immerhin deutlich dünner als *der Zauberberg*, den ich ganz unterhaltsam in Erinnerung habe). Nach mühseliger Lektüre hielt ich auf Seite 4 inne, um dem Habib folgenden Satz daraus vorzulesen: *Die Natur selbst ist zu voll von vexatorisch ins zauberische spielenden Hevorbringungen, zweideutigen Launen, halbverhüllten und sonderbar ins Ungewisse weisenden Allusionen, daß nicht die züchtig sich beschränkende Frömmigkeit  eine gewagte Überschreitung darin hätte sehen sollen, sich mir ihr abzugeben.* 

Oder? Gehe direkt wieder zurück an den Satzanfang, geht dabei nicht über Los. *Sag' mal*, fragte ich den Habib, *muss ich mir das wirklich geben?* Der lachte nur und erwiderte:* Wer's verschraubt und verschachtelt braucht.* Ich habe es dann eingetauscht - ungelesen - gegen *Der menschliche Makel*. Unnötigen Komplikationen aus dem Weg zu gehen: funzt ebenfalls für mehr Einfachheit in meinem Leben...

Schlicht halte ich es oft auch in der Küche. Ein schnelles, feines Essen, das aus guten, wenigen Zutaten besteht. Wie dieser Flammkuchen. Der Boden wurde mit wildem, selbst geschnittenem und getrocknetem Thymian gewürzt, darauf eine Zitronen-Knoblauch-Tomaten-Creme verstrichen und bestreut wurde das Ganze mit Kirschtomaten aus dem Garten, sowie etwas Comté-Käse und Oregano. Brauchts mehr? Gerade nicht...


Zutaten 2P/ 2 Flammkuchen:

160g Dinkel 1050
60g Einkorn-Vollkorn
1 TL, klein Salz
3 TL Thymian, getrocknet, fein gehackt
2 EL Öl
120ml Wasser

3 EL Crème fraîche
2 TL Tomate confite
1 TL Tomatenmark
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
1/2 Zitrone, Abrieb davon
Salz, Pfeffer
600g Kirschtomaten
100g Comté, gerieben
2 TL Oregano, getrocknet
etwas Olivenöl

Zubereitung:

Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz, den Thymian und das Öl mit 60ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen. 

Den Ofen mit einem Pizzastein vorheizen (ca. 250°). 

Knoblauch fein hacken. Zitronenschale abreiben. Mit Crème, Tomatenmark und Tomatenconfit vermengen. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und Piment würzen.

Die Kirschtomaten halbieren 
  
Den Flammkuchenteig teilen, jeweils schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der Crème bestreichen, den Tomatenhälften belegen und mit Käse und Oregano bestreuen. Nochmals leicht würzen, mit Olivenöl beträufeln und die Flammkuchen im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Anmerkung m: Flammkuchenteig nach Juliane - der mich in seiner Schnelligkeit, Luftigkeit und prima Handhabe absolut überzeugt. Außerdem sollte - für mein Dafürhalten - Falmmkuchen ein Blitz-Essen sein!


Eins und eins das macht: Pilz-Flammkuchen mit Petersiliencrème

Samstag, 23. September 2017


Was macht man mit einem einzigen, prächtigen Steinpilz und einer kleinen Hand völler Pfifferlinge - hier ergibt eins und eins eindeutig einen Flammkuchen.

Zugegeben sind die Pilze keine selbsterspürten Waldfindlinge, sondern lediglich erbeutete Markttrophäen. Angeblich sollen sie in Frankreich gefunden sein, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupte ich, dass sie nicht aus der Regionen stammen: VIEL zu trocken unser Klima, seit Wochen und immernoch. Aber der Versuchung, uns etwas Richtung Herbst zu schlecken, konnte ich einfach nicht widerstehen.

Eine große Überraschung stellte Julianes fernsehtauglichen Flammkuchenteig dar. Ein Blitzteig par excellence, der ohne Hefe auskommt, geschwindig zusammengeknetet und anschließend keine nennenswerte Ruhezeit zugeteilt wird. Und verblüfft muß ich zugeben: er schlägt wunderbar Blasen, ja er wird so super, dass ich geneigt bin, von einem DUBB zu reden - ein seither unentdecktes und völlig unterschätztes Rezept. So überzeugend, dass er meine seitherigen Flammkuchenteige tatsächlich überflügelt.


 Zutaten 1 Flammkuchen von ca. 26cm Durchmesser:


80g Mehl (m: T65)
30g Einkorn-Vollkorn
1/2 TL Salz
1 EL Olivenöl
60ml Wasser 

1 schöner Steinpilz
1 handvoll Pfifferlinge
3 EL Crème fraîche
2 EL Petersilie, fein gehackt
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
1 kleine, rote Zwiebel, fein gehackt
2 EL Comté-Würfel 
Olivenöl

Zubereitung:
 
Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz und das Öl mit 60ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen.

Den Ofen mit einem Pizzastein vorheizen (ca. 250°).

Pilze putzen, den Steinpilz in Scheiben schneiden, die Pfifferlinge je nach Größe etwas kleiner. In einer heißen Pfanne zuerst die Steinpilzscheiben kurz rösten und zur Seite stellen, dann ebenso mit den Pfifferlingen verfahren. Die Crème mit der Petersilie vermengen, salzen, pfeffern und mit Piment würzen.

Den Flammkuchenteig schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der Crème bestreichen, den Pilzen belegen, mit Zwiebelwürfel und Käsestückchen bestreuen. Den Flammkuchen im heißen Ofen knusprig braten.



*Denken schadet der Illusion* singt Hildegard - könnte bei Wahlen aller Art nicht schaden. Mich persönlich würde ja sehr erfreuen, wenn Politiker mal nicht nach ihren Worten, sondern ihren Taten beurteilt würden. Zweifelsohne brächte das automatisch viel Veränderung mit sich... konsequenzhalber. Dafür allerdings müßte man vorher gut zuhören und eine dementsprechende Erwartungshaltung aufgebauen. Oder man nimmt halt die Illusion...




Grüne Pirouetten: Flammkuchen Primavera

Sonntag, 9. April 2017


Der Garten umschlingt mich. Das Grün im Außen umschlingt meine Gedanken. Alles ist im Werden, alles im Entstehen. Jeder Tag birgt bereits eine sichtbare Veränderung: Gras, das gen Himmel springt, Blätter, die sich aus hölzernem Nichts drücken, Knospen, die aufploppen oder zu schneien beginnen. Alles schwimmt vor blühend-duftigem Leben: die Bäume, Sträuche und Bäume strömen mit Kraft ihrer Bestimmung entgegen - nie ist spürbarer, greifbarer, wie sich die Erde um sich selbst, um die Sonne dreht... Bahnen in spiraligen Pirouetten im Weltraum zieht - wiederholend und doch nie gleich... aus sich heraus und doch wie von außen angestoßen. Es ist ein gewaltiges Festspiel - und wie jeder Frühling erscheint er mir SO noch nie erlebt.  Ein einziges Spektakel - nur für mich, das genauso auch ohne mich stattfindet. Meine Sinne erfassen lediglich einen Bruchteil. DAS ist größer als ich.

Meine Gedanken können nichts Festes fassen - zu sehr ist alles in Bewegung. Also rupfe ich Unkraut und lasse mich einfach treiben, wie ein Käfer, der auf den Rücken gefallen ist. Nur ohne dabei mit den Beinchen zu zappeln. Irgendwann wird der Strom wieder breiter und dannn kugle ich mich wieder zum Stehen. Lebenserfahrung...
 
 Zutaten 2P:

80g Einkorn-Vollkorn
100g Dinkel 630
40g Dinkel 1050
4g Hefe
140g Wasser
1 EL Olivenöl
2 EL Sesam
1/2 TL Salz

100g Spinat
2-3 Frühlingszwiebeln
3 Knoblauchstangen
2 (großzügige) EL Crème fraîche
160g Saint Nectaire
200g grüner Spargel
1 TL Bärlauch-Öl
1 EL Olivenöl
1 TL Zitronensaft
1/2 TL Holunderblütensirup
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Flammkuchenteig 5 Stunden vor dem geplanten Essen sorgfältig (also mit etwas Geduld) einen homogenen Teig verkneten (möglich ist ebenfalls den Teig bereits am Vorabend zuzubereiten: eine Stunde bei Raumtemperatur anspringen lassen, abdecken und in den Kühlschrank stellen - oder mit mehr Hefe 1 Stunde direkt vor dem Essen). Teig aufgehen lassen.

Das Bärlauchöl zubereiten - wie hier beschrieben: dieses Mal allerdings mehr Öl verwendet und als solches Rapsöl.

Den Spargel diagonal in 1/2cm breite Stücke schneiden - in kochendem Wasser (mit einer Prise Zucker und einem Schuß Weißweinessig) bißfest garen. Abschütten und mit Bärlauchöl, Holunderblütensirup, Zitronensaft, Salz und Pfeffer marinieren.

Den Backofen mit einem Pizzastein vorheizen.

Die Frühlingszwiebeln fein schneiden - etwas von dem Grün zur Seite stellen. Den Knoblauch in feine Ringe schneiden. Den Käse würfeln. Den Spinat waschen, von den Stielen befreien, im kochendem Wasser zusammenfallen lassen, kalt abschrecken, gut ausdrücken und mittelfein hacken.

Den Teig halbieren auswellen - auf Backpapier umschichten und schön dünn wellen. Die Crème fraîche salzen und pfeffern. Auf dem Boden verstreichen. Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Spinat darauf verteilen. Den Käse darüber streuen. Nochmals leicht salzen und pfeffern. Im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Aus dem Ofen holen, in Stücke schneiden und mit dem marinierten Spargel und dem Frühlingszwiebelgrün toppen.

*Anmerkung m: wer heiß auf Bärlauch ist, gebe einen weiteren Teelöffel von dem Öl in die Crème fraîche

Hirtenfladen - Flammkuchen mit Sauerkraut

Donnerstag, 19. Januar 2017

Eine Farbe wie die Dezember-Grasfelder, bevor sie vom Raureif überzuckert wurden. Oder wie das Winterfell der Esel, die darauf weiden. Dieser Farbpalette inspierte zu dem Namen des Flammkuchens. Et voilà: so gut schmeckt unbunt!

Ich hätte ihn eigentlich auch Zaunkönig-Flammkuchen nennen können. Der Zaunkönig ist mir ein Freund aus unserem Garten: klein, unauffällig, farblos - und trotzdem total niedlich! Aber ich komme vom Stöckchen ins Zweigchen. 

So schnell und unkomplziert ist dieses Mal gekocht. Wenn man brav mitgezogen hat: das Sauerkraut ist nämlich ein Rest von hier. Und für Raclette-Käse habe ich ja seit Kindheit an eine Schwäche - den habe ich in der Kombi ebenfalls nochmals übernommen. Den Fettgehalt dieses Käses braucht man, um sein Fell besser gegen die Kälte stellen zu können. Damit man so gut geschützt wie die Esel durch eisige Windböen laufen kann. Nur ein wenig Rohkost, damit ist es dieser Tage nicht getan. Aber dazu begleitend ein Feldsalat gerreicht (vielleicht mit karamellisierten Walnüssen) und fertig ist ein Alltagsessen par excellence!
Zutaten 2P:

100g Roggenmehl 1050
60g Einkorn-Vollkorn
60g Dinkelmehl 1150
8g Hefe
(optional: 1TL Roggen-ASG)
130ml Wasser (evt. einen Schluck plus)
1 EL Olivenöl
1/2 TL Salz
1/4 TL Kreuzkümmel

200-250g Sauerkraut nach diesem Rezept
100g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
2 TL Thymianblättchen
100g Raclette-Käse

Zubereitung:

Abends aus den Zutaten für den Flammkuchenboden einen homogenen Teig kneten - 1 Stunde beim Raumtemperatur anspringen lassen, dann abgedeckt über Nacht in den Kühlschrank stellen. (Alternativ - wenn Teig am selben Tag zubereitet werden soll - die Hefemenge auf 12g erhöhen und an einem warmen Ort den Teig gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat).

Den Backofen mit einem Pizzastein gut vorheizen. Den Teig halbieren, vorwellen, dann auf  leicht bemehltes Backpapier umbetten und ganz dünn auswellen. Die Crème salzen und pfeffern und auf den beiden Böden verstreichen. Das abgetropfte Sauerkraut darauf verteilen, ebenso den Thymian. Die Rinde vom Raclette-Käse abschneiden, in Wüfelchen schneiden und ebenfalls über das Sauerkraut streuen. Nacheinander im heißen Ofen knusprig backen.

Flammkuchen mit trompette de la mort, Saint Marcellin und Brombeeren samt Brombeer-Balsamico

Dienstag, 27. September 2016

Brombeeren gehört allen. So wie dir als Kind, sobald du draußen bist, alles mit gehört: das ist auch deine Wiese, dein Wald, dein Bach, dein Weg... Die Natur gehört kindgefühlt allen. Und für die Brombeeren gilt das in den meisten Fällen tatsächlich. Sie wachsen gerne am Wegesrand, dort, wo keiner ihnen den Gar ausmacht. Niemand hat Brombeeren im Garten angeplanzt - also nicht freiwillig. (Ebensowenig verstehe ich an der Stelle Menschen, die sich FREIWILLIG so abartige Pflanzen wie Efeu oder Schlingenknöterich aus der Gärtnerei mitnehmen - man holt sich doch nicht absichtlich die Pest in den Garten....)

Bon, ich bin also losgetigert, um uns nochmals ein Töpfchen mit Brombeeren zu plücken. Dabei vergaß ich, dass die Brombeerhecken in Hausesnähe es belieben, sich an abschüßige Hänge zu schmiegen. Als zusätzliche Schikane zog ich meine profillosen Stoffturnschuhe an - sich einfach so die Arme von den Brombeeren verkratzen lassen, kann ja jeder. Es ist wirklich ein tolles Brombeerjahr bei uns. Das darf nicht ungenutzt verstreichen. Also gleich nochmals ein Mittagessen mit Brombeeren.

Die Herbsttrompeten sind zugegebenermaßen gekauft. Und einen ähnlichen Käse wie den Saint Marcellin stellte ich euch bereits vor. Er ist der große Bruder des Saint Félicien - großer Bruder, was den Fettgehalt betrifft (s. Näheres hier). Ein echter Sonntagskäse. Und wie gemacht für den Flammkuchen. Zusammen mit dem Brombeer-Balsamico erhält die einfache Landküche einen schönen, kleinen Schwung Raffinesse...
Zutaten 2P:

Teig - 5h bei Raumtemperatur:
110g Dinkel 1050
40g Roggen 1050
100g Weizen T65 (W550)
7g Hefe
1 EL Öl
1/2 TL Salz
ca. 150ml Wasser

Belag:
3 EL Crème Fraîche
Salz, Pfeffer
1/2 Bund Thymian

2 Saint Marcellin (à  80g)
2 handvoll Totentrompeten (ca. 150g)

Olivenöl 
Salz, Pfeffer

Brombeer-Balsamico:
100g Balsamico
150 Brombeeren
35g brauner Zucker
1 Lorbeerblatt
3 Piment-Körner 
Zubereitung:

Den Brombeer-Balsamico am besten bereits am Vortag herstellen. Dafür alle Zutaten zugedeckt auf kleiner Flamme ca.10min leise köcheln lassen. Dann über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag durch ein Sieb streichen.

Morgens den Flammkuchenteig zubereiten. Die Hefe im Wasser lösen, dann alle Zutaten miteinander vermengen und daraus sorgfältig einen homogenen Teig kneten. Zugedeckt bei Raumtemperatur ca. 4 Stunden gehen lassen.

Den Ofen mit einem Backstein gut vorheizen.

Die Pilze putzen. Die Crème salzen und pfeffern. Den Marcellin in Streifen schneiden.

Den Teig teilen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche nacheinander sehr dünn auswellen - zuletzt bereits auf Backpapier.

Die Hälfte der Crème darauf verstreichen, ebenso die Hälfte des Käses verteilen. Die Hälfte der Pilze darüber streuen, gleichfalls des Thymians und der Brombeeren. Salzen, pfeffern, mit etwas Olivenöl (wenig) beträufeln und im Ofen knusprig backen.

Zusammen mit dem Brombeer-Balsamico servieren. 

Anmerkung m: keine Sorge, wenn vom Brombeer-Balsamico etwas übrig bleibt - wir werden ihn als Dressing verwerten...
Den letzten Flammkuchen gabs als Klassiker: bestrichen mit gesalzener und gepfefferter Crème, belegt mit Ziegenfrischkäse und Feigen, etwas Thymian, ein wenig Olivenöl - fertig ist der Genuß...

Voll real: Flammkuchen mit Paprika und Reblochon

Freitag, 5. Februar 2016


Das Instagram-Model Essena O’Neill (bei SZ deutlich bissiger) kündigt unter aufklärerischer Entrüstung ihren dicken Follower-Account. Nur um nicht völlig den Anschluß zu verlieren: ist das jetzt eine Berufsbezeichnung? Instagram-Model?! Und wenn wir schon dabei sind: weit mehr würde mich interessieren, WIE eine halbnackte Halbwüchsige, die Teebeutel und Crèmetuben in ihr (angeblich) tägliches Leben einbaut, mit derlei Inhalt auf das Interesse von abertausenden von Menschen stoßen kann?? WIE?? Nee, ehrlich, da kommt mein Spatz im Hirn nich mit… 

Also gut, nun ist es also raus: Instagram ist NICHT das echte Leben. Puh, oder? Das will erst einmal verdauen werden. Instagram soll also kein Abbild der Realität sein. Schlimme Sache das! Demnächst heißt es noch, bie Cola handle es sich um eine zuckerhaltige Brause ... tsss... Als hätte überhaupt jemand Instagram für mehr als ein Guckloch in einen Schaukasten gehalten.

Was mich persönlich an dieser Geschichte besonders wundert, war die allgemeine Resonanz: Pfff, Fake oder nicht Fake – scheißegal. So oder so recht. Wie als Indiz dafür, dass Schein und Sein immer mehr zu einem zusammenfließen. Keine Feste mehr dazwischen. Alles einerlei. Wie manipulierte Fußball- oder Tennisspiele, Worteuphemismen wie Bio-Diesel oder Aufklärungsflüge. Solange es unterhält, solange es konsumierbar ist, solange es das Gewissen beruhigt, nimmt mans, wie es kommt. Wer wird da groß Federlesen? 

Ich weiß noch (Obacht, jetzt wird’s grauhaarig), wie meine Schwestern und ich die aufgerissenen, entsetzten Augen nicht vom Bildschirm losreißen konnten, als die neu installierte Satellitenschüssel Sendungen aus dem All (bon, eigentlich Amerika) übertrug. Heimlich schlichen wir uns ins Fernsehzimmer und das nackte Grauen packte uns bei den Bildern: dass sich Männer in einem Ring so etwas antun können!!! Es brauchte die Überzeugungskraft eines Schulfreundes, der uns lachend damit aufzog, dass Wrestling doch nur Show ist. Fake. Dann sahen wir es auch. Und schämten uns, dass wir so einfach zu manipulieren waren. Dorfkinder halt. Die waren schon immer leichter hinters Licht zu führen. 

Zugegebenermaßen ist das mittlerweile raffinierter geworden. Ist ein Film Dokumentation oder Animation? Wer vermag das auseinander zu halten? Aber deshalb ganz die Wahrnehmung auf Dimmer schalten? Anstelle aus der Zusammensetzung der Sinne ein buntes Bild zu malen, wird der Pinsel lediglich im Wasserglas ausgeschwenkt. Und nun begnügt man sich mit Zusammenfließen aller Farben ins trübe Graus. Das undefinierbare Bequeme... Da halte ich mit einem bunten Paprika-Flammkuchen dagegen, der sich ergab, als ich das Treibhaus winterlichtete. Hatte ich den köstlich-cremigen *Reblochon* schon unter meiner Rubrik Vive le fromage français bereits vorgestellt? Ich gaube nicht. Zumindest habe ich schon sehr oft damit gekocht (hier oder hier etwa).
Zutaten:

120g Weizenmehl (T65)
30g Roggenmehl (1150)
7g Hefe
Salz
75ml Wasser
1 EL Öl

3 EL Crème fraîche
Salz, Pfeffer
Harissa
2 Knoblauchzehen, fein gehakt
1/2 TL Paprika-Pulver
1Msp Pimentòn de la vera

1 Zwiebel
2 rote Paprika
1 TL Honig (m: Thymianhonig)
Salz, Pfeffer
3 Zweige Thymian
Olivenöl

200g Reblochon

1/2 Bund Petersilie, mittelfein geschnitten

Zubereitung:

Den Teig sorgfältig zusammenkneten und 40min gehen lassen.

Zwiebel schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden. Paprika halbieren, entkernen und mit einem Sparschäler von der Haut befreien. Paprika ebenfalls in feine Streifen schneiden: Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Paprika und Zwiebel darin ohne Farbe annehmen zu lassen zusammen mit dem Thymian garen. Mit Honig, Salz und Pfeffern würzen. Abkühlen lassen.

Die Zutaten der Crème miteinander vermengen und pikant abschmecken. Den Käse in Scheiben schneiden, die Petersilie mittelfein hacken.

Aus Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche halbieren und sehr dünn auswellen (m: finales Auswellen mache ich bereits auf dem Backpapier). Jeweils mit der Hälfte der Crème bestreichen, des Käses und dem Gemüse belegen. Mit etwas Olivenöl beträufeln und nacheinander auf dem mit einem Backstein vorgeheizten Ofen knusprig backen. Vor dem Servieren mit Petersilie besträuen.