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Pizza bianca - mit Zucchini

Sonntag, 8. September 2024

 

 

Bevor die Welt sich weiter dreht von Zucchini zu Kürbis, möchte ich gerne noch wenigstens zwei Rezepte mit euch teilen - schließlich darf keine Zucchini-Saison vrübergehen, in der nicht neue Rezepte ausprobiert werden. Beginnen werde ich mit dieser Pizza bianca - also fast weiß, aber das werdet ihr bestimmt durchgehen lassen.

Es gilt die gleiche Regel wie immer: mehr ist mehr, viel hilft viel. Schüchtern und zurückhaltend zu sein, darf man sich für andere Gelegenheiten aufheben, Zucchini aber braucht entschiedene, mutige,beherzte, wenn nicht gar verwegene Unterstützung. Sonst bleibt Zucchini ein blasses Gemüse, das vielen nur ablehnende Grimassen entlockt. Das hat dann wiederum aber nichts mit dem armen Zucchini zu tun, sondern nur mit dem Umgang dieser kleinen bis großen Keulen.

Wie lautet schließlich einer meiner Lieblingskalendersprüche, den ich mit Sicherheit nicht zum ersten Mal zitiere, und sich mit nichts Besser beweisen ließe als mit Zucchini:

*Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man daraus macht.* (Jean Anouilh)

 

 

Die Inspiration und Anregung zu dieser Pizza bianca geht auf liebe Feriengäste zurück (coucou Claudia und Martin), die Gastgeben zum Kinderspiel machen. Die beigefügten Fotos ihrer Pizza, die dokumentieren sollten, was aus dem mitgenommenen Gigors-Zucchini wurde, ließ keine Zweifel mehr, dass ich diese Pizza auf jeden Fall bei uns auf den Tisch bringen muss. Hoffentlich erreichen einen ähnlichen Nachmachzwang meine Bilder auch... Bleibt nur noch anzumerken, dass ich den Wild-Yeast-Pizzateig für den besten von allen halte und daher einst zum unerkannten Blog-Buster kürte!


Zutaten 1 Pizza:

Pizzateig (m: nach Wild Yeast)
ca. 500g Zucchini
ca. 2-3 EL Tapenade (m: schwarz)
ca. 2-3 EL Pesto (m: Bärlauch)
2 Kugeln Mozzarella
7-8 in Öl eingelegte Tomaten
Thymian
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

Zucchini in feine Streifen hobeln (m: Sparschäler), in eine Schüssel geben, salzen, mischen und ca. 10-15 min ziehen lassen. Zucchini zwischen den Händen gut ausdrücken.

Pizzateig auswellen (Wild Yeast-Teig zieht man in die richtige Größe). Mit Tapenade bestreichen (eher mit Hilfe eines Löffels den Boden punkten). Zucchini-Streifen darüber verteilen, sprenkeln mit den klein geschnittenen Tomaten, dann den in Scheiben geschnittenen Mozzarella darauf setzen und zuletzt die Käsescheiben toppen mit Pesto.

Jetzt noch pfeffern und mit Piment würzen, mit Thymian und etwas Olivenöl bestreuen und im heißen Ofen (m: auf Pizzastein) knsuprig backen.


Umstellung: Gänseblümchen-Gnocchi

Sonntag, 22. März 2020


Als würden die Insekten gerade in ein Mikrophon summen. Man hört sie viel deutlicher. Es ist ruhiger geworden in unserem Tal. Noch ruhiger - man kann es sich kaum vorstellen. Eine Dimension stiller. Shavasana für alle. Es blöcken die frisch geschlüpften Lämmer auf der Weide, es ruft der Steinadler und in der Ferne spielt eine zaghafte Trompete, durch die offenkundig seit langem keine Luft mehr durchgepustet wurde. Sonst nichts. Großes Durchatmen. Ich säe Radieschen, Schwarzwurzel, Erbsen und Petersilienwurzel, verbuddle die ersten Setzlinge Kohlrabi, während der Habib Tomaten, Basilikum und Bechermalven im Treibhaus in Töpfchen drückt. Dazu vorsommerlicher Sonnenschein und Mirabellenblütenduft.

Wenn SO Ausgangssperre geht, komme ich gut damit zurecht.

Allem Anfang wohnt... doch der Zauber verbleibt im Garten. Wir versuchen wie alle anderen uns in der neuen Situation zurecht zufinden. Dementsprechend gibt es viel zu erzählen: Wie erlebst du diese Umstellung gerade - bei mir läuft es so... Das Internet ist voller solcher Geschichten. 

Ich freue mich sehr, dass sich Crest kurzfristig dazu entschieden hat, seinen Samstagsmarkt stattfinden zu lassen. Als Gemüsejunkie hänge ich an meinen Dealern. Zuerst irren wir mit einigen anderen durch das leere Innenstädtchen. Der Markt wurde verlegt, wird mir in der Bäckerei erklärt, auf einen großen Parkplatz. Wir finden ihn leicht, er ist eingezäunt und an seinem Eingang steht Polizei. Sie verlangen unseren Passierschein - bei Christine, die aus Cannes bloggt einzusehen. Wir hatten unsere im Auto liegen lassen. Für mich nicht ganz nachvollziehbar, warum ich mich erklären muss, dass ich einkaufen will, wenn ich direkt auf Gemüse zulaufe. Aber es geht wohl um den erlaubten Radius, den man auf dem Land drehen darf. Wobei dafür keine klaren Regularien existieren. Die Dörfer liegen hier weit verstreut, die Wege zum nächsten Supermarkt sind nicht ums Eck.

Auf dem Markt überall auf dem Boden markierte Distanzlinien, ungelenke Verkäufer, linkische Kunden, einige mit Handschuhen, wenige mit Mundschutz. Selbstbedienung ist offiziell nicht mehr erlaubt. Uraufführung einer lückenhaft vorgeschriebenen Choreographie. Und doch genießt man ein Stückchen Normalität: man plaudert mit Abstand miteinander - über ein einziges Thema. Es herrscht eine freundliche, zugewandte Stimmung. Die Sonne scheint, umgeben von viel Platz und frischem Essen. Noch ist alles nur anders. Noch touchiert das Virus kaum jemand unmittelbar.  Hauptsache die Infos sind so gesichert wie der Klo-Papier-Vorrat (herrlicher Link)

Vor den Lebensmittelläden bilden sich Schlangen - es gibt unterschiedliche Begrenzungen, wie viele Personen gleichzeitig einkaufen dürfen. Die gleichen Lücken wie überall (Mehl, Nudeln, Reis, Öl...) - fast alle hamstern. Fünf Wochen sind eine schwer zu überschauende Dauer. Man weiß nicht, was noch kommt. Die Stellschrauben können jederzeit enger gedreht werden (siehe Nizza mit seiner nächtlichen Ausgangssperre couvre-feu). Aus Verunsicherung will sich jeder versorgt wissen. Ich kann das verstehen.

Räumlich fühlen wir uns kaum eingeschränkt. Spaziergänge können wir in alle Richtungen unternehmen. Der große Garten ist jedes Jahr gleich arbeitsintensiv und fordert viel Aufmerksamkeit. Nur Feriengäste werden vorerst keine kommen - auch wenn für Ostern unsere gîtes wie immer frühjahresgeputzt glänzend bereit stehen. Weitere Gedanken dazu legen wir lieber auf Eis. 


Die Frage, wie man die Zwangspause nutzen kann, stellt sich uns also nicht vorrangig. Man könnte es Isaac Newton gleichtun, der,  nachdem die Universtät von Cambrigde im 17. Jahrhundert wegen der Großen Pest über ein Jahr geschlossen wurde, in dieser Zeit auf dem Land die entscheidenden Grundlagen legte für seine Theorie zum Licht und der Gravitationstheorie (via Dirk Müller). Wollen wir hoffen, dass sich für ähnlich geniale Köpfe die Home-Office (sehr witzig in der Heute-Show karikiert) entsprechend einrichten lässt...

Wir haben gestern auf der Terrasse den ersten Spargel der Saison gegessen. Da nichts gerade selbstverständlich ist, wurde er umso mehr genossen. Und zwar zusammen mit einer großen Portion Gänseblümchen - einer Inspiration, die ich von Petra mitgenommen habe. Zwar haben Gänseblümchen keinen großen Eigengeschmack (den verleiht meinen Gnocchi das Pesto), aber sie geben einen guten Biss. Und beim Gänseblümchenpflücken bin ich ganz und gar Kind - total alterslos, völlig aus der Zeit. Im Flow nennt man das heute - wenn man sich unbewußt als klitzekleiner Teil von etwas viel Größerem fühlt...   

Zutaten 2P:

100g Ziegenfrischkäse
80g Gänseblümchen
30g Parmesan, frisch gerieben
2 Eier, klein
40g Pesto (m: Bärlauch-Radieschenblätter)
90g Toastbrot, fein zerbröselt (m: Baguette-Semmelbrösel)

Zubereitung:

Ricotta, Parmesan, Spinat und Eier verrühren, die Brotbrösel untermischen und zum Schluss die Gänseblümchen (m: kleiner geschnitten) unterheben. Den Teig portionsweise auf die mit nicht zu wenig Weizendunst bemehlte Arbeitsfläche geben, zu einer Rolle formen, von dieser Stücke abschneiden und kleine Gnocchi abdrehen.

Die Gnocchi in leicht kochendes Salzwasser geben, die Hitze reduzieren und etwa 5 Minuten ziehen lassen.

Die Gnocchi mit einem Schaumlöffel aus dem Wasser nehmen, in Butter schwenken und auf vorgewärmten Tellern anrichten, mit Parmesan bestreuen und mit Gänseblümchen dekorieren.

*Anmerkung m: ich habe die Gänseblümchen kleiner geschnitten, weil mir sonst der Teig nicht zusammengehalten hätte - dann funktioniert das Rezept aber gut. Möglicherweise musste das sein, weil ich nicht wie Petra Toastbrot sondern Semmelbrösel verwendete.

Bei uns gab es einen Salat dazu.



Start up: Sauerkraut-Tortellini di grandi dimensioni

Dienstag, 28. Januar 2020


Nur weil ich gerne über Insta lästere, bin ich nicht kategorisch dagegen. Hey, ich bin schließlich kein schtroumpfiger Schmalspurganove (les Schtroumpfs - die Schlümpfe). Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Es kommt halt drauf an... gelle, immer schön die Differnzialschaltung drinne lassen - klingt gut, nich, ist aber bloß angetäuscht, ich habe keine Ahnung von Hydraulik. Und so gesehen von Insta auch recht wenig. Schließlich bin ich dort nicht angemeldet. Wobei es durchaus verführerische Momente gibt.

Etwa wenn ich auf einen Account wie diesen stoße: *Pasta Grannies*. Ist das toll??!! Bei denen wäre ich tatsächlich gerne Vereinsmitglied. Die Liebe zu selbstgemachter Pasta kennt kein Alter. Und ich bin eh gerne mit Menschen zusammen, die nicht nur meiner Generation (und meiner Zeitzone) angehören. Dann mischt sich zu unterschiedlichen Erfahrungen noch der Einfluß verschiedener, zeitlicher Epochen. Das macht den Austausch gleich doppelt spannend. Selbst wenn es aus meiner frühen Kindheit wenig in mein Gedächtnis geschafft hat, so erinnere ich mich gut daran, wie sehr ich meine Omas löcherte, mir von früher zu erzählen. In dem lesenswerten Buch *Vom Geist Afrikas* behauptet der Schriftsteller, dass diese beiden - alt und jung - Botschaften füreinander hätten, weshalb der Kontakt so wichtig ist.

Überhaupt weiß ich von meiner Zeit im Handwerk, dass die Gespräche sich wunderbarerweise vertiefen, wenn die Hände beschäftigt sind. Die ein oder andere (der ein oder andere) wird vielleicht schon an sich beobachtet haben, dass Hörspiele besonders gut beim Autofahren funktionieren. Ebenso kann man das Phänomen vom Stricken kennen. Während man scheinbar/ offensichtlich beschäftigt ist mit einer anderen Tätigkeit, konzentriert sich das Gehör umso mehr - dieser Sinn darf sich ja frei bewegen. Es klingt paradox, aber man ist in solchen Momenten weniger abgelenkt. Vielleicht mit deshalb, weil man sich auf diese Weise bei einer Unterhaltung gar nicht richtig anschaut (die Augen müssen bei den Händen bleiben), so dass man beinahe mehr zu sich selbst als zu den anderen spricht. Eine Art *passive, ungeteilte Aufmerksamkeit*.

Ben, das gilt jetzt natürlich nicht, wenn man gerade Maschen zählen muss, weil man sich mitten im Parcour eines schwierigen Musters befindet. Aber oftmals gehts nur darum, fleißig Reihen runterzustricken... wie in jeder handwerklichen Tätigkeit... ihr versteht bestimmt.

Eben genauso wie beim Pasta basteln. Deshalb stelle ich mir die Küchen-Gespräche beim kleinteiligen Nudeln-Herstellen für einen großen Holztisch voller geladener Menschen einfach herrlich vor! In diesen unruhigen Zeiten finden sich sowieso viel zu selten Gelegenheiten, in denen man sich gegenseitig ausschweifend Geschichten erzählt (man denke etwa an *Momo*) -  und nebenher könnte man dabei bergeweise Pastateig modellieren. Würde ich ein Start-up gründen wollen (und würde ich in der Stadt leben), es wäre exakt dieses! Nicht zu vergessen: der Geschmack: bei maschinell erstellter Pasta fehlt die Geheimzutat, die durch nichts zu ersetzen ist!
 

An der Größe meiner Tortellini lässt sich erkennen, dass mir wohl etwas Unterhaltung in der Küche fehlte - ich habe es mir einfach gemacht und schöne, große Tortellini geformt. Fast schon in Maultaschengröße. *Langer Faden - faules Mädchen*... ich wollte schließlich fertig werden. 

Die größte Herausforderung für mich - neben der Geduld - dabei ist, dass je nach Form die Füllung zum Pastateig passen muß. Das lässt sich stets schwer abschätzen. Ich habe hier nur Dreiviertel des Rezeptes zubereitet (insgesamt 14 Stück), dann ging mir die Fülle aus. Was aber dahingehend kein Problem darstellte, als dass für uns beide die Stückzahl bereits absolut ausreichend war. Den restlichen Pastateig fror ich ein - den gibt es mal als Suppeneinlage. Für euch habe ich mich bemüht, die Mengenangabe so anzupassen, dass alles prima aufgeht.

Zutaten 2-4P (ca.18 Stück)

Pasta-Teig:
100g Dinkel 630
40g Hartweizen
60g Einkorn-Vollkorn
Salz
1 Ei
2 Eigelb
1 EL Olivenöl
etwas kaltes Wasser

Füllung:
ca. 220g Sauerkraut, gegart, ausgedrückt
100g Kartoffeln, am Vortag gekocht, fein gerieben
120g Saint Marcellin
1/2 EL Rosmarin, fein gehackt
1 TL Thymian, getrocknet
(evt. 1 EL Semmelbrösel)
Piment d'Espelette

Petersilien-Pesto
Sonnenblumenöl
1 handvoll Walnusskerne
1 Bund Petersilie
(1/5 davon Feldsalat)
Salz, Pfeffer 
2 EL Walnussöl

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Pastateig einen homogenen Teig verkneten (nicht zu weich, nicht zu fest) und in Folie gewickelt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Für die Füllung das gegarte Sauerkraut fein schneiden, die Kartoffel fein reiben und dann alle anderen Zutaten miteinander vermengen und würzig abschmecken (leicht überwürzen - als Fülle verliert die Menge später sonst an Bums). Der Käse macht die Füllung schön cremig, sodass die Bindung mittels eines Eigelbs nicht notwenig ist.

Den Teig vierteln, durch die Marcato wellen (bis Stufe 6 von 7), von Hand noch etwas breiter wellen (auf ca. 14cm) und Quatrate von 14cm schneiden. Einen Teelöffel Füllung in eine Ecke setzen, die Kanten dieser Ecke mit Hilfe eines Pinsels anfeuchten und die Ecke umklappen und zu Dreiecken formen - mt Hilfe einer Gabel die Ränder gut andrücken. Die spitzen Ecken des Dreiecks verbinden und gut zusammendrücken. Die mittlere Spitze dabei nach oben klappen lassen (klingt komplizierter als es ist - nach spätestens der 2 Tortellini hat man den Bogen raus). Ravioli auf ein mit Hartweizenmehl (oder -grieß) bestreuchtes Küchentuch auslegen und mit einem weiteren Tuch abdecken. So fortfahren, bis alle Ravioles gefüllt sind.

Für das Pesto alle Zutaten (außer dem Walnuss-Öl) im Mixer fein pürieren. Abschmecken mit Salz und Pfeffer und dem Walnuss-Öl. Auf die tiefen Teller anrichten.

In reichlich siedendem Salzwasser die Tortellini garen (ca. 2min), gut abtropfen lassen und auf das vorbereitete Pesto setzen. 


Gemütsruhe: Spaghetti mit Pesto und pochiertem Ei

Sonntag, 24. März 2019


*Die Menschen hierzulande sind so damit beschäftigt zu funktioneren, sie kommen überhaupt nicht dazu, sich zu fragen: *Bin ich zufrieden? Geht es mir gut? Fühle ich mich wohl?* Das oberste aller Prinzipien ist - im Großen wie Kleinen - Systemerhalt. Also fließt die Energie dergestalt, dass man dem Mammon hinerherhechelt, um am Ende des Monats seine Rechnungen bezahlen zu können. Hauptsache alles funktioniert weiter wie bisher. Man selbst miteinrechnet. Was bleibt auch? Denn wehe dem, der durch das Raster fällt. Auf das System kann er nicht bauen.* So in etwa fassen sich die Eindrücke des Habib über unsere hiesige Kultur zusammen, seit wir wieder zurück aus den Tropen sind.

Zum ersten Mal überwinterten wir schlicht: kein großes Rumreisen, wir lebten Alltag an dem kleinen, unspektakulären Küstenort im Süden Thailands - mitten unter Thailändern mit ein paar verirrten Touristen. Auch das ein erstes Mal: wir sind an den gleichen Ort zurückgekehrt, an dem wir schon waren. Nach all den Wochen dort, kann ich mich ganz leicht in Gedanken dorthin zurückversetzen - ich habe dieses Fleckchen Erde verinnerlicht.

Erneut können wir über die thailändische Mentalität nur Gutes berichten. In puncto *Toleranz* sind die Thais vermutlich unschlagbar. Unseren Bungalow ließen wir unabgeschlossen... immer. Wir mußten uns keine Sorgen machen - eigentlich wegen überhaupt gar nichts. (Bon, das Wetter machte die Ausnahme - dazu komme ich noch). Von der Militärjunta bekamen wir ebensowenig mit wie von der Monarchie. Und selten, dass wir als Touris andere Preise zahlen sollten als die Einheimischen. Klar, der Lebensstandart dort ist deutlich niedriger, doch die Thais stehen auf dicke Autos und wenn sie selbst keines fahren, dann träumen sie davon. Doch der Leistungsdruck, der ständige Blick auf die Uhr, dieses Maß-und-Zahl in Reinkultur - von dem hat das thailändische Hinterland noch keinen blassen Schimmer. Mit dem Ergebnis, dass es dem Gemüt der Menschen eklatant, offensichtlich, mit Händen greifbar viel besser geht. Stichwort: freundliche, lächelnde Gesichter.

Mein Lieblingsbeispiel ist Weewy, wie sie auf dem Sofa liegt. Das Bild bleibt mir ewig. Weewy wie sie mit angezogenen Knien seitlich auf dem Sofa liegt mit zwei Extra-Kissen, um es sich zusätzlich gemütlich zu polstern. Weewy, die sich mit ihren fast 40 Jahren immernoch dieses Jungmädchenhafte bewahrt hat, kuschelte mit katzenhafter Geschmeidigkeit und kindlicher Gelöstheit wie hingegossen auf diesem Sofa. Wie der leibhaftige Inbegriff für jemanden, der in sich ruht, mit dem Nichts umgehen und warten kann. Wie jemand, der einfach gerade entspannt und chillt. Soviel Wellness, Sauna, Yoga, Spa, Massage, Tai Chi, Aroma-Therapie kann man bei uns gar nicht machen, um dahin zu kommen - nämlich derart runterzufahren. Zwanglos. Sorglos. Planlos. Weewy könnte man in unseren Breitengraten ausleihen und in das Wohnzimmer verspannter Familien legen, nur damit sie ein bißchen abstrahlt und ausdünstet. Als Vorbild: Kinners, so geht das mit der Gemütsruhe.

Viel Action ist für den Klassiker Spaghetti mit Pesto nicht nötig. Kein Grund zur Hektik also. Hier zeige ich euch die de luxe-Variante mit selbstgemachten Spaghetti und den Löwenzähnen im Pesto sowie als Krönung einem Daniel-Düsentrieb-Ei. Immer wieder schön für mich, wenn ich mein Essen essen darf.... Das schmeckt nicht nur, das wirkt obendrein. Denn nicht dass ihr mir nun vor lauter Entspannung in die Frühjahrsmüdigkeit abrutscht - dagegen sollen die Inhaltsstoffe des Löwenzahn wirken. Die regen nämlich den Stoffwechsel an und stärken zusätzlich Niere und Leber.


Zutaten 2P:

100g Einkornmehl*
100g Hartweizenmehl
2 Eier
Salz
Olivenöl

2 EL Löwenzahn-Pesto

2 pochierte Daniel-Düsentrieb-Eier

etwas Parmesan zum Dekorieren
(Optional noch etwas Schnittlauch)

Zubereitung:

Den Einkorn mahlen und sieben (Kleie kam bei uns ins morgendliche Porridge). Aus den Zutaten für die Spaghetti einen homogenen Teig kneten, in Folie packen und mindestens 1 Stunde kühl stellen.

Den Teig dritteln und dünn auswellen - m: mit meiner Marcato Stufe 5 von 7. Dann zu Spaghetti schneiden.

WICHTIG: beim Auswellen sowie später nach dem Schneiden, wenn man die Spaghetti auf einem sauberen Küchentuch ausbreitet immer schön mit Hartweizenmehl arbeiten - das verhindert, dass die Spaghetti zusammenkleben: sowohl auf dem Tuch wie später beim Kochen im Wasser (gerade bei Spaghetti ist die Gefahr groß, dass die Nudeln nachher beim Kochen zusammenpappen).

Die zu pochierenden Eier auf den Weg bringen - ganz wie Robert es macht - an seine Methode halte ich mich stur (weil so gelingen die Eier immer)!

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Die Spaghetti darin 1-2min garen, abschütten und etwas Kochwasser auffangen. Die Spaghetti mit dem Pesto mischen und soviel Pastawasser zufügen, dass das Pesto die Nudeln schön umschmeichelt. Mit den pochierten Eiern und etwas Parmesan (m: sowie eingen Schnittlauch-Röllchen) garnieren.


Pesto aus Löwenzähnen... im Risotto

Sonntag, 17. März 2019


Zu den schönsten Gartenlegenden zählt, dass ein zweigeteilter Regenwurm ein doppelter Regenwurm ist. Vermehrung durch Zwangsbeglückung quasi. Oder ein richtig verkappter Zuwachssegen. Schön wär's schon, oder? Dann könnte man hacken, was die Hacke hergibt. Leider ist dem nicht so. Im günstigsten Fall lebt das vordere Teil des Regenwurms weiter - dafür muss der Kopf und mindestens 40 Segmente (von bis zu 180) unversehrt geblieben sein.

An diese Geschichte denke ich jedes Frühjahr, wenn ich am Umgraben bin. Für alle Beteiligten wählte ich dafür gerne auch mal eine Grelinette. Nur Psychopathen, Sado-Masochisten und prinzipiell Gemütskranke empfinden Lust, wenn sie ihre besten Mitarbeiter (oder überhaupt andere) massakrieren. Manchmal erwische ich trotzdem einen Regenwurm und dann wünschte ich, dass die Legende wahr wäre...

Worüber ich ebenfalls beim Bereiten der Frühbeete stolperte, sind die unzähligen Steine, die ich spätestens beim Recheln rauslese. Es dürften in diesen Beeten ÜBERHAUPT keine Steine mehr zu finden sein. Wir kultivieren den Garten ja nun seit vielen Jahren. Wir sammeln bereits seit vielen Spatenstichen die Steine heraus. Es ist, als würden sie nachwachsen. Es ist wirklich ein Mysterium.

Nun wißt ihr grob alles, was mir so durch den Sinn geht, während der Gartenarbeit. Vielleicht fehlt noch, dass ich mir gerne dabei überlege, was ich uns später kochen könnte. Und da bietet sich der Löwenzahn an, auf den in Südfrankreich gerade unsere Nachbarn der älteren Generationen regelrecht abfahren. Von ihnen werde ich stets darauf hingeweisen, dass jetzt der Moment zum Schneiden ist (vor der Blüte)... Vielleicht Kindheitserinnerungen? Bon, zweifellos Wildkräuter at its best! Und ganz ehrlich: ich hätte mich in das Risotto reinsetzen können!

Weitere Rezepte mit Löwenzahn: dieser Salat mit Kartoffel-Vinaigrette oder der Löwenzahn-Blütenhonig


Zutaten - 2P:

1 Zwiebel
170g Rundkornreis (m: Halbvollkorn)
Noilly Prat
Gemüsebrühe
50g Ziegenfrischkäse
200g Brokkoli
2 EL Löwenzahn-Pesto
etwas Butter

Zubereitung:

Die Zwiebel fein würfeln und in der Butter weich dünsten. Risottoreis zufügen und so lange mitrösten, bis er glasig wird. Mit einem großzügigen Schuß Noilly Prat ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Dann nach und nach mit einer schwachen Gemüsebrühe (Salz kommt später noch hinzu mit dem Pesto) auffüllen, rühren und dabei achten, dass der Reis nicht anhängt.

Währenddessen den Brokkoli in feine Würfel von 1/2 cm würfeln. Kurz vor Ende der Garzeit (die bei Halbvollkornreis deutlich länger braucht) - ca. 5 min vorher - den Brokkoli untermischen.

Vor dem Servieren den kleiner gehackten Ziegenkäse unterrühren zusammen mit dem Pesto - das Risotto sollte schön schlonzig sein. Dementsprechend eventuell noch etwas Gemüsebrühe zufügen. Nochmals abschmecken. Mit einigen zurückbehaltene Sonnenblumenkernen und etwas geriebenem Parmesan dekorieren.


Pesto
für ca. 6 EL Pesto:

70g Löwenzahn*
50g Sonnenblumen, geröstet*
40g Parmesan
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer
Sonnenblumenöl*
5 Stiele Petersilie*
15 Stiele Pimpinelle*

Zubereitung:

Sonnenblume rösten und zur Seite stellen. Knoblauch schälen, vom Trieb befreien und grob hacken. Parmesan ebenfalls grob zerkleinern. Löwenzahn waschen, gut trocken tupfen und in feine Streifen schneiden. Petersilie und Pimpinelle falls nötig auch - beide von den groben Stielen befreien. Alle Zutaten in einen Mixer geben und fein pürieren (am besten nach und nach).

Das Pesto in ein Glas umfüllen und die oberste Schicht mit Öl abdecken, um Oxidation zu vermeiden.

Anmerkung m: Der Löwenzahn welkt relativ schnell nach dem Abschneiden - er sollte dementsprechend bald danach verarbeitet werden.

Sonnenblumenöl läßt sich auch gut durch Olivenöl ersetzen - das Pesto ist schnell gemixt, die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass das Olivenöl davon bitter wird. Ich gebe an meine Pestos meist nur soviel Öl hinzu wie nötig, um sie mixen zu können. Dabei entsteht dann eine Paste, die ebeno als Brotaufstrich oder Würzmittel dienen kann. Mit Öl zu einem klassischen Pesto läßt sich leichterdings immer strcken. 

Sonnenblumenkerne kann man nach belieben durch Pinienkerne ersetzen.

Die Zugabe von Pimpinelle und Petersilie ist optional.


Land-Geschmack: Kräuter-Spaghetti

Sonntag, 6. Mai 2018


Den Unterschied von Stadt- und Landküche machen die frischen Kräuter. Wenn ich ins Großmutter Dorf fuhr auf einen Besuch, dann richtete sie mir stets eine Kleinigkeit zu essen. Der Garten hinter dem Häuschen war ziemlich verwildert - viele, ja die meisten der Arbeiten waren ihr mittlerweile zu mühselig geworden. Gerade das Knien auf dem Boden oder aus der Hocke wieder in den Stand zu kommen, das wollten die Glieder nicht mehr mitmachen. Und doch konnte sie nie aufhören, wenigstens ein paar wenige Dinge anzubauen, ein bißchen zu hacken, die überschaubare Aufzucht zu hegen und zu gießen - wie aus einem inneren Drang, der selbst stärker war als der Zerfall ihres Körpers.

Doch es war der Garten ihrer Mutter und bereits der Garten der Mutter ihres Vaters, bref: ein Garten, der über viele Generationen bereits angelegt war. Vieles kam einfach von alleine jeden Frühling wieder. Der Schnittlauch etwa wuchs wild zwischen den Steinplatten auf dem Weg zwischen den Beeten. Egal, was sie als Mahlzeit vorbereitete: es war immer etwas frisches Grün darüber gestreut. Für mich DER Geschmack von Gartenküche.

Und der Geschmack von Frühling! 
Noch gibt es kaum etwas zu ernten, aber die frischen Kräuter könnte man in ihrer Üppigkeit mit der Sichel kürzen. Zartes Grün, das wild nach oben schießt allerortens.


Genauso gibt es für diese Spaghetti keine Beschränkungen. Eigentlich ist das gar kein Rezept - es ist eine haltlose Achterbahnfahrt durch den Garten. Alles Kraut, das euch schmeckt und in eurem Garten wächst, darf verwendet werden. Und hier in Südfrankreich gehört obligatorisch der junge Knoblauch mit dazu. Ansonsten viel Schnittlauch, Petersilie, Thymian, Pimpinelle, Estragon, etwas Minze oder Melisse und Verveine, Bärlauch (schon wieder rum) und Rauke - worüber ihr drüber stolpert, was der Garten hergibt.

Ebenso halte ich es mit dem Fett: die klein gehackten Kräuter habe ich in Butter und etwas Olivenöl angebraten, gewürzt mit fleur de sel, Pfeffer, etwas Piment d'Espelette, die Spaghetti schön feucht mit etwas Pastawasser darunter gehoben und noch einen Schwups Crème fraîche dazu gemischt. Wer mag, besprenkelt am Tisch zusätzlich mit Olivenöl, bestreut frisch geriebenen Parmesan... Alle Kalorien gebraucht und erwünscht - der Garten braucht gerade Pferdestärken... mindestens.... So einfach, so gut, so ländlich!

Wer mag, der stellt auch aus seinen Lieblingskräutern ein Pesto her - ich allerdings ziehe hier die gehackte Variante vor.

... und als Sonntag-Special eine kleine, Kräuter-verliebte Rezepte-Auswahl, in denen man überwiegend mit dem Angebot des Gartens spielen darf:










im Mai schwimmende Pasta mit Spargel und Zuckerschoten

Dienstag, 9. Mai 2017

Im Mai dreht man dem Garten ein Mal kurz den Rücken zu, um den Unkräutern die Zeit zu geben verstohlen-hinterrücks zu explodieren. Jaja, ich weiß. Das heißt jetzt neuerdings nicht mehr *Unkräuter* sondern *Beikräuter*. Wir nennen unsere Schnecken ja deswegen auch *Beischnecken*... Scherz!

 *Der Hass ist parteiisch, aber die Liebe ist es noch mehr* (JWG). Eben. Versteht mich nicht falsch. Ich habe ÜBERHAUPT nichts dagegen, wenn sich die Schnecken dieser Welt in anderen Gärten an fürsorglich hochgezogenem Babygemüse-Stängeln satt laben. Gar nichts. Oder wenn der einnehmende Efeu außerhalb unseres Gartens umrankt, was ihm in die Quere kommt. Die Brombeeren mit ihren Stacheln dort nach allem stechen und der Schlingenknöterich mit seinen Tentakeln da Rodeo spielt. Wirklich. Da bin ich sowas von tolerant. Regelrecht schmerzfrei. Erde ist die ganz große Spielwiese. Alle haben sie ihre Daseinsberechtigung. Nur halt nicht in meinem Garten.

Ich wiederhole mich bestimmt, aber ich kann es gar nicht oft genug sagen: der Garten ist für mich ein Großmeister der Lebensphilosophie. Er lehrt mich so viel - einfach über die Symbolik. Und ich meine jetzt nicht den üblichen *Unkraut vergeht nicht* - Kalauer. Nehmt die Unmitbeikräuter. Selbstfürsorge ist die oberste aller menschlichen Aufgaben. In einem abstürzenden Flugzeug herrschen die gleichen Bedingungen wie außerhalb: zuerst muß ich Luft zum Atmen bekommen, DANN kann ich auch anderen helfen. (Ansonsten, iss klar, ist man zu gar nix zu gebrauchen). Deshalb ist es wichtig, ja lebenswichtig, darauf zu achten, wen ich in meine Peripherie lasse. Nich, ihr wißt schon, das olle Ding mit Trau-Schau-Wem!

Nun, die *herbes aromatiques* schießen gerade ihrer Art nach ins Kraut, wieso nichts näher liegt, als Pesto stets griffbereit im Kühlschrank stehen zu haben. Warum man sich Pesto kauft, erschließt sich mir nicht. Kräuter zusammen mit Öl in einen Mixer zu werfen, müßte selbst für Küchenlegastheniker möglich sein. Ich habe uns zusätzlich etwas Gemüse unter die Nudeln gemischt. So blieb dennoch neben dem Kochen genug Zeit zum Unkrautjäten
Zutaten 2P:

180g Pasta 
400g grüner Spargel
100g Zuckerschoten
1 Grün einer Frühlingszwiebel, in Röllchen geschnitten
2 EL (großzügig) Frühlings-Paste*
2 EL Mandeln*, geröstet, gemahlen
2 EL Parmesan, frisch gerieben
Olivenöl
Pfeffer,
Piment d'Espelette
(optional: etwas Zitronenschalen-Abrieb)

Zubereitung:

Die Frühlingspaste habe ich bereits hier beschrieben. Dafür könnte ihr alle Kräuter nehmen, die eßbar sind, auf die ihr Lust habt und an die ihr dran kommt. Für das klassische Pesto gebe ich noch Nüsse dazu (auch hierfür habt ihr freie Wahl: Walnüsse/ Pinienkerne/ Haselnüsse...) frisch geriebenen Käse und ordentlich von dem guten Olivenöl. Zum Mixen der Kräuter nehme ich entweder Sonnenblumenöl oder Rapsöl - Oilvenöl kann beim Schreddern mit den Kräutern Bitterstoffe entwickeln (deshalb gebe ich es erst anschließend für mein Pesto hinzu)

Von dem grünen Spargel die Enden abschneiden, das untere Drittel schälen und in mundgerechte Stücke schneiden. Dann im Spargelsud (hier zuletzt erwähnt) garen. Die Zuckerschoten gipfeln und von ihrem Faden befreien - in Streifen schneiden. Die letzten zwei Minuten zu dem Spargel geben.

Parallel die Nudeln in reichlich Salzwasser kochen. Die Nudeln abgießen, dabei etwas von dem Nudelwasser auffangen. Gemüse, Pesto und Nudeln alles miteinander vermengen und mit Olivenöl und Pastawasser eine gefällige Konsistenz herstellen. Nochmals abschmecken mit Salz, Pfeffer und Piment, dann mit Parmesan bestreut servieren

äußerlich grün: Tarte mit Spargel, Erbsen, Ziegenkäse und Pesto

Montag, 30. Mai 2016

Die Erwartungshaltung, dass Schule vorbereiten soll, das Leben eigenverantworlich in Freiheit zu führen, wie man es sich wünscht, hat sich für mich nicht erfüllt. All die vielen auswendig gelernten Details, die zusammengesetzt kein Ganzes, noch nicht ein mal ein Puzzel ergeben - ein mosaikhaftes Stückwerk ohne roten Faden. Danach hatte ich die Schnauze so richtig dicke von aller Theorie. *Was man schwarz auf weiß besitzt, dass kann man getrost nach Hause tragen*. Und dort zum anderen Papier im Regal einsortieren. Ich wollte Praxis.

Dass mich das Leben nach vielen Kurven dennoch an die Uni verfrachtete, überraschte niemanden mehr als mich. Und neben der Erfahrung, dass mir studieren um Welten einfacher fiel als die Schullaufbahn, verdanke ich der Zeit dort vor allem aber eines: ich bin gefeit vor allem Dünkel! Kein Professorentitel noch eine andere here Auszeichnung vermag mir seither Hochachtung oder Ehrfurcht einzuflößen. 

Es wird überall nur mit Wasser gekocht. Und gerade der Status höherer Bildung dient leichterdings und hervorragend zur schmucken Maskarade. Und geht zudem nicht zwangsläufig einher mit überlegener Intelligenz. Über diesen Mehrwert des Studiums bin ich froh. Ich gebe zu, das klingt nahezu blasphemisch. Doch eben diese Erkenntnis birgt für mich eine größere Freiheit, ja Unbefangenheit im Umgang mit Menschen. Äußerlichkeiten vermögen mich weder einzuschüchtern noch mich zu einem Urteil zu verleiten, welches an irgendeinen gesellschaftlichen Rang geknüpft ist. Das Maß aller Dinge kann doch nur das Wesen, der Charakter sein.

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muss in dir selber leben.

Wenn's deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht'ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können. 
(Theodor Fontane)

Die Ausbildung zur Anständigkeit, Redlichkeit, Wahrhaftigkeit, die Herzensbildung bleibt gänzlich *dir* überlassen und kann keine Universität, keine Institution, keine Gesellschaftsform noch eine Gemeinschaft für *dich* übernehmen. Was ich übernehmen kann, ist einen kleinen Vorschlag für eine weitere Tarte zu liefern -  so grün wie der grünste aller Monate, der Mai: mit grünem Spargel, Erbsen und dicken Bohnen. Verfrischt mit frischem Grün als Pesto aus Minze und Radieschenblätter.
Zutaten - längliche Tarteform 34cm x 11cm:

Tarteteig
100g Dinkel 1050
60g Dinkelvollkorn
80g Butter, in kleinen Flöckchen
Salz
2 EL Quark oder Joghurt
etwas kaltes Wasser

1 Ziegenfrischkäse (ca. 120g)
100g Erbsen
50g fêves (gepuhlt, geschält)
500g grüner Spargel
1/2 Limette, Abrieb davon
1 Pr Zucker
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
3 EL geriebener Parmesan
etwas Öl

3 Zweige Minze
1/2 Bund Radieschen
1 EL Holunderblütensirup
etwas Limettensaft
Salz, Pfeffer
2 EL Sonnenblumenöl
2 EL Haselnussöl 

Zubereitung:

Die Zutaten für den Tarteteig homogen verkneten und mindestens 1 Stunde eingewickelt im Kühlschrank ruhen lassen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und die gebutterte Form damit auskleiden. Für 20min in die Tiefkühltruhe stellen. Den Spargel putzen und schälen.

Den Ofen auf 200° vorheizen. Den Spargel mit Öl bepinseln und für ca 10min im Backofen garen. Währenddessen die Crème aus Ziegenfrischkäse, Erbsen und dicken Bohnen herstellen. Dazu alle Zutaten fein pürieren und mit Salz, Pfeffer, Zucker, Piment d'Espelette und Limettenschale würzen.

Den Tarteboden mit der Crème bestreichen. Die Spargelstangen dicht an dicht darauf verteilen und den Parmesan darüber streuen.

Im 190° heißen Ofen ca. 40min backen (falls die Tarte von oben zu dunkel werden droht: abdecken). Parallel dazu das Pesto zubereiten. Dafür das Radieschengrün zusammen mit den Minzblättern, Sonnenblumenöl, Holunderblütensirup und Limettensaft pürieren. Salzen, pfeffern und das Haselnussöl untermischen. Einige Radieschen fein würfeln.

Die Tarte nach dem Backen kurz ruhen lassen und mit einem scharfen Messer in Stücke schneiden. Gemeinsam mit dem Pesto servieren und die feingewürfelten Radieschen darüber streuen.
Inspiration: Britta von Karmafoodra

Von hier und dort: Rösti mit Blogbuster-Spargelpesto und gefüllter Zucchini

Montag, 24. Juni 2013

Das von Katia ausgehende Pesto vom grünen Spargel muß man als Blogbuster bezeichnen, denn die Liste all derer, die es nachgemacht haben, ist lange. Sabine hat es mit ihrer Begeisterung erst so richtig ins Rennen geworfen und so wurde es munter von Blog zu Blog ziehend abgeändert. Ich habe hälftig fêves dazugegeben, denn die harmonieren zu dem Spargel wirklich super, grünen es auf und es schleckt sich tatsächlich nahezu vollautomatisch weg. Gleichmäßige Angetanheit beider Geschlechter kann auch ich nur vermelden.

Zur Pasta habe ich dieses Pesto ebenfalls bereits gegessen, da bekommt es aber nur eingeschränkt eine Empfehlung, weil der zarte Geschmack sehr mit Zitrone verändert werden muß, um nicht lasch daher zu kommen.

Anbei eine Knusperkomponente in Form von Ralfs Rösti. Ich habe schon sämtliche Röstis von Ralf nachgebacken (super (!) auch der mit den Süßkartoffeln - da ist nur mein Foto so doof geworden), aber diese hier werden besonders knusprig.

Immer wieder gerne sitzt im Sommer der immer wieder anders gefüllte Zuchhini mit auf dem Teller.

Zutaten:

Rösti:
500g Kartoffeln
1 Eiweiß
Salz, Pfeffer

Pesto:
200 g grüner Spargel
150g fêves, ausgelöst und geschält
1 Handvoll Mandeln, geschält,
100 g Parmesan, in kleine Stücke gebrochen
1 Zehe vom jungen Knoblauch, fein gewürfelt
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer,
Zitronensaft, Zitronenabrieb
Olivenöl

gefüllter Zucchini:
2 runde, gelbe Zucchini
2 Knoblauchzehen
3 Scheiben geräucherter Speck
Harissa
2 EL Semmelbrösel
2 EL crème fraîche
2 EL gemischte, feingeschnittene Kräuter (Oregano, Thymian, Petersilie)
Zubereitung:

Die Ende des Spargels abschneiden und das untere Drittel schälen. In Stücke schneiden, dann gut 10 min kochen. Die Spitzen zur Seite legen. Die fêves 2 Minuten in kochendem Wasser garen, dann abschrecken und zusammen mit den Spargelstücken in einen Mixer geben. Alle restlichen Zutaten hinzufügen und zu einem Pesto pürieren. Evtl. nochmals mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken. Olivenöl bis zur gewünschten Konsistenz zugeben.

Ofen auf 195°C vorheizen.

Von den Zucchini einen Deckel abschneiden und aushöhlen (geht am besten mit einem Melonen-Avocado-Kugelausstecher). Eine Auflaufform ölen und darauf die ausgehölten Zucchini setzen. Leer 10 Minuten im Ofen backen.

Die herausgeschaffte Zucchini klein schneiden, ebenso den Knoblauch, den geräucherten Schinken und die frischen Kräuter. Alles zusammen auf großer Flamme andünsten, damit der Zucchini keine Gelegenheit zum Wässern bekommt. Mit der Crème und den Bröseln mischen. Abschmecken mit Harissa, Salz und Pfeffer.

Die Zucchini aus dem Ofen nehmen, den Pfanneninhalt in die Zucchini füllen und weitere 20 min backen. Die Deckel als Deko nur beim ersten Mal mitbacken.

Die Kartoffeln schälen und in sehr feine Streifen schneiden. Mit dem Eiweiß vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. In einer Pfanne etwas Butterfett erhitzen und die Hälfte der Kartoffelmasse hinein geben und zu einer flachen Rösti formen. Von jeder Seite bei mittlerer Hitze einige Minuten braten. Warm stellen und den nächsten Rösti braten. (Fertig gebacken Zucchini habe ich warm gehalten mit den Röstis)
Quelle: Spargelpesto Katia von bollis kitchen, bzw. Sabine von Bonjour Alsace/ Kartoffelrösti: Ralf von Only food

Romeo und Julia: Erbsennockerl mit Pesto aus Karottengrün

Mittwoch, 8. Mai 2013

Gnocchis, Nocken und Knödel sind mein Ding - kann ich endlos und in allen Varianten immer essen. Dabei sind sie frühlingshaft leicht und schwebend im Wasser gegart. Wie es so ist, kann man auch hier wieder von einer ausgeprägten Phase reden. Aber ich muß mich im vorraus gar nicht erklären, ihr werdet damit noch regelrecht beworfen. Ihr müßt nur fangen...

Vorallem wenn sie mit wenig Mehl auskommen und sie so richtigrichtig gemüselastig sind. Erbse total in der Nocke. Toll!

Allerdings zwang mich hier die Not zur Tugend. Ausgegangen bin ich nämlich von Sybilles Rezept, das Gnocchi herstellen möchte. Nachdem ich aber bereits am Maximum der Mehlzugabe für mich angelangt, und an rollen nicht zu denken war, habe ich gelöffelt. Dauert zwar etwas länger als Gnocchis von der Rolle abschneiden, dafür aber wurden sie luftig, locker und SEHR erbselig!
Und was dazu? Wer im Reiche der Flora gehört seit Äonen und Anbeginn der Zeitrechnung zusammen? Erbse und Karotte - Romeo und Julia unter den Gemüsesorten.

Für das Pesto wurden nur die zartesten jungen Farne der Karotte verwendet. Wer diese noch nie gekostet hat, wird erstaunt sein, wie kräftig grün der Geschmack ist. Er erinnert mich ein wenig an Gartenrauke (die wiederum deutlich stärker schmeckt wie gekaufter Ruccola). Aber was versuche ich, Geschmack zu erklären - ist ja fast wie Farbe beschreiben zu wollen. Selber schlecken!

Ich habe dieses Gericht geliebt  - wie angesteckt von Romeo und Julia. Ihr habt Zeit zum Kochen am Feiertag und kommt an gute Biokarotten noch mit Farn? Dann gibts nur eines: Nachmachen!
Zutaten:

Erbsen-Nocken:
400g junge Erbsen (m: tiefgekühlt)
110g Ziegenfrischkäse
4 EL Mehl
1 Eigelb
Salz, Pfeffer

Pesto aus Karottengrün:
3 EL Karottengrün, fein geschnitten
2 EL glatte Petersilie, fein geschnitten
1/2 TL Melisse, fein geschnitten (einige wenige Blättchen)
1/2 TL Minze, fein geschnitten (einige wenige Blättchen)
1/2 TL Limetten-Abrieb
2 EL Saft einer Limette
3 EL Mandeln, geschält, gemahlen
5 EL Parmesan
Salz, Pfeffer
Olivenöl, das gute
Zubereitung:

Die Zutaten für das Pesto mit Hilfe einer Küchenmaschine fein pürieren. Olivenöl dabei so angießen, bis es eine gefällige Konsistenz hat.

Erbsen kurz in kochendes Wasser geben. Abgießen und pürieren. Ein Sieb mit Küchentüchern auslegen und das Püree einfüllen. Gut abtropfen lassen, bis sich das Püree einigermaßen trocken anfühlt (m: wahrscheinlich zu kurz).

Mit den restlichen Zutaten verrühren. Mit dem Mehl ein bisschen ausprobieren. Waren die Erbsen noch sehr feucht, brauchts vielleicht ein bisschen mehr.
 
Sehr kleine Gnocchi formen (m: Nockerl gelöffelt wie hier). In Salzwasser garziehen lassen (m: habe die Nockerln kurz auf einem Teller zwischengelagert, bis alle fertig waren und dann vor dem Servieren mit etwas Olivenöl in der Pfanne warm geschwenkt - Obacht, dabei bleiben, sie hängen leicht an).

Mit dem Pesto vermischen und sich verlieben...
Quelle Erbsen-Nockerl: Sybille von Tomatenblüte