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Zeitenwende: Kürbis-Maultaschen mit Kürbis-Essenz

Donnerstag, 26. Januar 2023

 

Wo ich hinhöre, fällt der Begriff *Zeitenwende*. Von Umbruch ist die Rede und von einer herausfordernden Phase für den Einzelnen. Seltene Einigkeit - spartenübergreifend. Wobei dann wieder jeder *Zeitenwende*ganz anders auslegt. Ein polyvalenter Ausdruck also - passt gerade irgendwie immer. Egal mit welchem Bezug. Liegen tatsächlich umwälzende Veränderungen in der Luft? Welchen Eindruck habt ihr?

Unlängst wieß ich euch auf das Phänomen *Polsprung* hin - superspannend, alleine die Möglichkeit!!! (mindestens vier Ausrufezeichen)  Nun erhält diese Mutmaßung weitere Unterstützung von chinesischen Geo-Wissenschaftlern, von zwei Seismologen der Universität Peking: Hat der innere Erdkern seine Rotation verlangsamt?  Die Forschung bezüglich des Erdkerns ist mit mindestens ähnlich vielen Fragezeichen belegt wie genaueren Überlegungen bezüglich der Fortbewegungen des Planeten Erde im Weltraum.

Also die Ausgangsthese ist, dass selbst der innerste Erdkern (bestehend aus Eisen und Nickel) um die Erdachse rotiert. Die beiden Wissenschaftler wollen nun herausgefunden haben, dass sich die Bewegung des inneren Kerns relativ zur äußeren Hülle kürzlich verlangsamt hat, bzw. nahezu *pausiert* - was darauf hindeuten könnte, dass der Erdkern möglicherweise eine Wende seiner Drehrichtung erfährt. Oder anders gesagt: dass das Verlangsamen des inneren Kerns bis zu einer Rotationsumkehr führen könnte

Desweiteren gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Erdkern einige grundlegenden Eigenschaften unseres Planeten beeinflußt und mit anderen periodischen Veränderungen auf der Erde zusammenfällt, etwa auch mit nachweisbaren Klimaschwankungen. Aber wie die Veränderungen der globalen Durchschnittstemperatur und der Anstieg des Meeresspiegels zusammenhängt mit den Prozessen tief im Innern der Erde, zählt zu den vielen anderen nicht vollends geklärten Fragen unseres aktuellen Wissenstandes. Alles ist im Wandel... paßt als Aussage auch immer.

Tja, kann keiner behaupten, wir leben nicht in spannenden Zeiten. Zumindest für mich wäre es die erste Zeitenwende, an der ich teilnehme... 

 


Das Wetter läd ein, es sich drinnen heimelig zu machen. Lege ich doch direkt das nächste Pasta-Rezept nach. Vielleicht höhlt steter Tropfen den Stein und ich bekomme euch animiert zur Kochbastelei. Das Gericht scheint - anhand der Zutatenliste - sehr ambitioniert zu sein, aber gerade eine Bouillon kocht sich eigentlich nebenher. Und die Maultaschen schmecken selbstredend auch ohne eigens gekochte Brühe angebraten zusammen mit Salat etwa. Aber bei uns ist Suppenwetter, so dass ich mich für dieses Mal für den Klassiker entschied: Maultaschen als Suppeneinlage. Oder ebent etwas veredelt: Kürbis-Maultaschen in Kürbis-Essenz. Ein Gericht, das nicht nur graue Januartage aufhellt!

 

Zutaten 2P:

Maultaschen - 12 Stück:
Pastateig:
100g Mehl (m: 50g D1050/30g Hartweizengrieß/ 20g D660)
1 Ei
1 EL Öl

Füllung:
300g Kürbis (m: Butternut)
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
25g getrocknete Tomaten
2 EL Petersilie, fein gehackt
50g Saint Félicien
1/2 Brötchen vom Vor(vor)tag (ca. 30g)
1/2 Ei
ca. 25g Semmelbrösel
Salz, Pfeffer
Harissa

1/2 Ei zum Verschließen

Zubereitung:

Zutaten für den Pastateig zu einem homogenen, nicht klebenden Teig verkneten, in Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kühl stellen.

Brötchen grob würfeln, mit heißem Wasser übergießen, ca 5-10 min quellen lassen, dann gut ausdrücken. Getrocknete Tomaten ebenfalls mit heißem Wasser übergießen und quellen lassen, klein würfeln. Zwiebel und Knofi fein würfeln, den Kübis in etwa 1cm Stücke schneiden. Zuerst Zwiebel mit dem Knofi in etwas Butter anbraten, dann Kürbis zufügen ebenso die Tomaten und etwa 3-4 EL Gemüsebrühe. Deckel auflegen und bei kleiner Hitze weich garen - darauf achten, dass der Kürbis nicht anhängt... gegebenenfalls noch ein wenig Brühe zufügen. Kurz vor Garende die Petersilie untermischen. Etwas auskühlen lassen, dann vermengen mit Käse, halbem Ei, dem eingeweichten Brötchen und den Semmelbröseln. Salzen, pfeffern und mit Harissa würzen.  Nudelteig halbieren und mit Marcato auf Stufe 6 auswellen (dabei immer mit Hartweizenmehl arbeiten) - weiter von Hand rollen, so dass 2 Bahnen  à 45cm x 15cm entstehen. Füllung mit Hilfe eines kleinen Löffels mit je etwas Abstand dazwischen entlang der langen Seite des Teiges aufsetzen. Restliche Nudelteigbahn samt Zwischenabstände mit halbem Ei bepinseln. Nun von der langen Seite her - wo die Füllung sitzt - den Teig eng aufrollen. Von der Mitte her die Zwischenränder gut andrücken (von der Mitte her deshalb, damit die Luft entweichen kann). Die Maultaschen auseinanderschneiden und auf ein sauberes Küchentuch legen. Ergibt je 6 Stück  (also insgesamt 12 Stück) - ca. 10 min in der siedendenen Brühe (oder gesalzenem Wasser) ziehen lassen. Die Maultaschen halten dabei gut zusammen und trüben die Brühe kaum ein.

Anmerkung m:  Maultaschen passen auch gut zu Salat - wer mag, brät sie dazu in Butter an


Zutaten Kürbis-Bouillon/ Kürbis-Essenz:

Kürbis-Bouillon:
500g Kürbis
1 Zwiebel
1 Karotte
3 Knoblauchzehen
1 Stück Fenchel
1 Stück Sellerie
1 Stück Navet
1 Stück Lauch
1/2 TL Curry-Pulver
2 TL Koriander
1 TL Kreuzkümmel
6 Pfefferkörner
2 Lorbeer-Blätter
1 Zweig Rosmarin
1 TL Salz
Olivenöl
1l Wasser
100ml Weißwein 

Zubereitung:

Kürbis in 1 cm große Würfel schneiden. Zwiebeln und Möhren schälen. Zwiebeln und Möhren in 1 cm würfeln. Restliches Gemüse ebenfalls so vorbereiten. Zwiebeln kurz in heißem Öl anrösten, dann Koriander und Curry mitrösten, schließlich Gemüse dazugeben und ebenfalls kurz anbraten. Mit Wasser auffüllen, Wein anschütten, einmal aufkochen lassen. Restliche Gewürze sowie Salz (m: Bärlauchsalz) dazugeben und bei geringer Hitze ca. 1 Stunde ziehen lassen. Anschließend alles durch ein feines Sieb abgießen, abschmecken und nach Wunsch nachwürzen - etwa mit etwas hellem Balsamico, Tamari und Ahornsirup

Anmerkung m:  In eine Bouillon kann man wunderbar Gemüsereste verwerten/ zu zweit haben wir nur die Hälfte der Bouillon gebraucht, die andere Hälfte habe ich für diese chinesische Eier-Suppe mit schwarzen Bohnen verwendet/ prima machen sich auch noch ein paar extra gegarte Kürbiswürfelchen in der Suppe als zusätzliche Einlage

Topping:

3 EL Kürbiskerne
10 Blätter Salbei
2 EL Olivenöl
1 Pr Zucker
1 Pr Salz
Kürbiskern-Öl

Das Topping zubereiten: Kürbiskerne in Öl zusammen mit dem Salbei (von Mittelachse befreit und in Streifen geschnitten) knusprig braten, dabei würzen mit Salz und Pfeffer. Zum Servieren Brühe in 2 Teller geben, Maultaschen dazu und mit dem Topping und etwas Kürbiskernöl beträufeln.

Inspiration: Chefsculinar

 

Freundlichkeit: chinesische Eiersuppe mit schwarzen Bohnen

Freitag, 20. Januar 2023

 

Ich bin Freund der Freundlichkeit. Oder hänge ich es tiefer auf: der Höflichkeit. Des Benimm. Der guten Kinderstube. Keiner will zurück zur starren Förmlichkeit, die Herr Knigge bestimmt. Nehme ich ein Beispiel aus meinem Erleben bei Vinted, der Monopol-Plattform für Second-Hand-Klamotte. Da gehts ja erstmal um nix. Ich deale schließlich nicht mit Hermés-Taschen oder der gleichen. *Kleckerles-Beträge* hätte die Oma das früher genannt. Eben nix, was einen reicher oder ärmer macht. Aber der Umgangston dort manchmal... Ist eine Grußformel zu viel verlangt? Ganze Sätze? Ausgeschriebene Worte? Ein Bitte oder Danke? Gerade wer sich als potentieller Kunde einführt tut so, als müsse der andere jetzt die Bitch spielen, nur weil er mit dem Geldschein wedelt? Da habe ich doch direkt keinen Bock mehr. Echt, kein Verständnis für so ein Gebaren. Gratulation, Kapitalismus verinnerlicht!

Das möchte ich abgrenzen von der erlebten Fielmann-Kundenfreundlichkeit mit Trainingscamp direkt im Vorhof der Hölle. So viel Falschheit schlägt einen ja regelrecht in die Flucht. A la *Man spürt die Absicht und ist verstimmt*. Dann ziehe ich wortkarge Stoffeligkeit wieder vor. Lieber echtes Leben als gefaktes. Sehr verläßlich eigentlich das Uralt-Prinzip von *Wie man in den Wald reinschreit, so schreit es zurück* - darüber kann man durchaus ein wenig sinnen...

Vielmehr rede ich von einem Umgang wie in der einen Werbung im deutschen Fernsehen vor Weihnachten: man denkt einen kleinen Moment mit für jemanden, läßt einen Fremden mit nur zwei Sachen in der Hand an der Kasse vor, trägt einer Omi die schwere Tasche die Treppe hoch, hält die Bahn auf, damit ein anderer noch reinspringen kann - der gute alte Pfadfinder-Spirit, ihr wißt schon... By the way: bin ich die einzige, die das befremdlich findet, dass eine Supermarktkette damit wirbt?

Ben, ich komme darauf durch eine kleine Begebenheit gestern, als ich durch die engen Straßen von Crest - dem nächsten Kleinstädchen - gefahren bin. Erst drückte ich mich an einer Baustellenraupe vorbei, um dann beim Abbiegen festzustecken zwischen zwei Lieferwägen; der eine einfach an die Hauswand geklemmt. Als ein Bauarbeiter mir entgegenkommt, lasse ich das Fenster runter und bitte ihn, mit diesem doch ein Stück vorzufahren. Der schüttelt bedauernd den Kopf als Antwort und sagt, das sei nicht sein Wagen. Mein Gesicht drückt *Argghhh!!!* aus. Er stuzt kurz und meint: *Komm', das passt schon, ich lotse dich durch!* Er drückt meine Außenspiegel rein und winkt mich geduldig durch die verstellte Passage. 

Hach, GROS Bisou! Das ist halt auch was, das einem im ländlichen Frankreich gar nicht mal selten begegnet, eine Art von Ritterlichkeit Frauen gegenüber, Galanterie, Charme-Offensiven mit kleiner Blinzelei - das weiß ich sehr zu schätzen, weil ich mag das pas de deux-Spiel der Geschlechter.

Und genau das meine ich. Was kann ein Lächeln manchmal entwaffnend wirken (ja, bei einem waschechten Bämul kann man es wieder stecken lassen), aber mir fallen leichterdings viele Situationen ein, die mit Freundlichkeit entweder entschäft wurden oder auf beiden Seiten gute Laune bewirkten. Ich für meinen  Teil habe festgestellt, dass man sich den Alltag mit exakt solchen Momenten ein kleines bißchen schöner machen kann und dieses Quäntchen lasse ich mir nicht entgehen.

 


Einen kalten Tag bekommt man wunderbar geboostert mit einer schönen Suppe. Diese Suppe ist sogar schnell gemacht und ist der raffiniertere Bruder einer echten Omi-Suppe. Der kleine Dreh hier ist, dass man die Brühe ein wenig anbindet, was ihr direkt mehr Schmelz verleiht. Und der unerwartete Star am Tellerrand - das blättrige und super knusprige chinesische Pfannenbrot - reiche ich euch am Sonntag dazu...

 

Zutaten 2P:

80 g kleine Shiitakepilze
2 Frühlingszwiebeln
2 Scheiben Ingwer
1 Knoblauchzehe
2 EL Öl
800 ml Gemüsebrühe* (m: selbstgemacht)
200g schwarze, gekochte Bohnen
4 EL Sojasauce
Reisessig
1 TL Speisestärke
2 Eier (M) (m: 1 großes)
Salz
Essig nach Geschmack
150g Gemüseinlage (m: Rest Kürbis und Rosenkohl)
60g Gersten-Graupen, gekocht*
Sesamöl

 

Zubereitung:

Shiitake vom Stiel lösen, größere Kappen halbieren. Den unteren Teil der Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden. Ingwer schälen und zusammen mit dem Knoblauch fein würfeln.

Öl in einem Topf erhitzen, die Pilze darin kurz anbraten. Knoblauch und Ingwer zugeben und hellbraun braten. Klein geschnittene Gemüsebeilage zufügen, Gemüsebrühe zugießen und aufkochen. Die Bohnen ebenfalls in den Topf geben, außderdem die gekochten Graupen - 5 Minuten offen köcheln lassen.

Sojasauce mit 1–2 Teelöffel Reisessig und Speisestärke glattrühren und in dünnem Strahl unter die kochende Suppe rühren, dabei bindet die Suppe leicht. Die Eier mit einem Schneebesen gründlich verquirlen und ebenfalls im dünnen Strahl in die Suppe geben, die Suppe dabei langsam rühren. 

Die Suppe mit Salz, eventuell noch etwas Essig und wenigen Tropfen Sesamöl abschmecken. Die grünen Frühlingszwiebeln in feine Röllchen schneiden und über die Suppe geben.

 

Anmerkung m: ich habe die Gemüsebrühe selbst gekocht - werde ich in zukünftigem Beitrag noch verlinken/ die schwarze Bohnen kochte ich mit einem Stück Kombu-Alge/ die Gerste kochte ich extra - am Vortag eingeweicht, am Suppentag 15 min in frischem Wasser köcheln und dann zugedeckt ziehen lassen - ursprünglich ist die einzige Suppen-Einlage der Suppe Pilze, Eier und Bohnen

Inspiration: Effilee

 

clichés franco-allmands: Kohlrabicremesuppe mit Radieschen

Mittwoch, 3. März 2021


Verallgemeinernde Urteile stimmen ja selten bis nie. Und kurioserweise ist ab und zu doch was dran. Als die Hälfte eines Paars mit Altersunterschied kenne ich mich damit aus, denn ich bin äußerst geübt im Umgang mit den stets gleichen Vorurteilen. Funktioniert wie ein Idiotendetektor - ich hatte es davon - oder wie ein grobes Raster, durch das all jene sausen, die nicht richtig hinsehen wollen und/ oder sich von ihren liebgewonnenen, vorgestanzten Bildern halt nicht trennen können.

Was will man auch machen? *Die Welt urteilt (nun mal) nach dem Scheine* (Goethe). Und außerdem macht es manchmal einfach Laune, in hohen Bögen gedanklich zu pauschalisieren ohne Rücksicht auf einzelne Befindlichkeiten - das sei allen gegönnt. Klischées entstehen durch eine gewisse Befremdung und werden getragen durch eine anhaltende Distanziertheit. Entschieden muss man für sämtliche Klischées alles Individuelle rigoros herauskürzen. Ich behalte mir vor, höchstpersönliche Eindrücke zu schildern, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben (sonst heißt es nachher noch, ich wäre tendenziös ;O).

Aber versuchen wir es zu Anfang unbedarft. Besonders gut lassen sich Urteile nämlich dann fällen, wenn man etwas/ oder jemand frisch kennenlernt. Zuerst fällt immer das ins Auge, was anders ist. Gerade im Vergleich.

Gelten die Fränzis aus deutscher Sicht als lockerer, chaotischer, lebendiger, lebenslustiger und mit ausgesprochenem Hang zum Protestieren, so werden umgekehrt die Deutschen als eher steif, kühl, kleinkariert, streng und Regel affin wahrgenommen. Wer Lust hat, sich in die Materie ein wenig einzuhören, dem empfehle ich den Youtube-Kanal Easy French und zum einschlägigen Thema deren Filme Was Franzosen über Deutsche denken und umgekehrt Was Deutsche über Franzosen denken.

Mir kam zum Thema deutsch-französisches Verhältnis mein Ex-Freund in den Sinn. Als mich mein strahlender Surferboy zum ersten Mal am Theater abholte, meinte eine Kollegin ganz beeindruckt: *Da hast du dir ja einen richtigen Sunnyboy geangelt*. Attraktiver Lausbub halt! Eine Freundin, die mit uns im Auto unterwegs war, als er hinterm Steuer saß, nannte ihn anschließend *Sorry*, weil er lächelnd  und beständig in alle Richtungen winkend die Verkehrsordnung zu seinen Gunsten auslegte und für all jene, denen er damit die Vorfahrt nahm, ein freundliches *Sorry* hatte. Wieder eine andere Freundin gab ihm den Spitzname *Easy*, weil er ohne Schwierigkeiten in lässiger Achtlosigkeit über alles hinweg sehen konnte - schlicht weil er nur sich selbst ernst nahm. Nie war das Ressonanz-Prinzip anschaulicher, wie wenn er sich im Bach vor den huschenden Wasserläufern vor Ekel nur so schüttelte. Er kam - wenn überhaupt - nie pünktlich, hielt Abmachungen aller Art etwas für Kleingeister, war unordentlich und maximal unzuverlässig, dabei meistens gut gelaunt, verschwenderisch und sehr spontan. Ein Flatteur, der es liebte in etwas zu schwelgen oder für etwas zu schwärmen und es ablehnte, sich einzufügen, unterzuordnen oder zu bescheiden. Ein eloquenter Redner mit Witz und Schlagfertigkeit, ein arbeitsscheuer Berufsurlauber, ein Pfuscher, ein Hochstapler und Schmarotzer, ein Chameur mit Klavierspielerhänden und Käsefüßen. Tja, und ich kann mir nicht helfen: er versprühte irgendwie südfranzösisches Flair...

 



Nun, es ist das eine, eine stürmische Affaire zu leben, das ganz andere ist der Alltag einer Beziehung (das warf ich schon Anna Gavalda vor in *Ich habe sie geliebt*). Oder eben auch etwas anderes, als miteinander zu arbeiten: *je vous appellerai* etwa nutzt man geschäftlich im Sinne von *Auf Wiedersehen*!

So ist es ganz normal, dass es einen riesigen Unterschied macht, sich mit anderen deutschen Expats über Fränzis zu unterhalten (derer es hier wie überall auf der Welt sehr viele hat) oder mit unseren Feriengästen. Unsere deutschsprachige Feriengäste sind die zauberhaftesten Frankreich-Fans, die man sich vorstellen kann, und deren Begeisterung durch den zusätzlichen rosa Urlaubsbrillenfilter nur verstärkt wird.

Aber um mal ein paar Stereotypen aufzubrechen (ich will ja schließlich auch meinen Spaß), so sind wir Deutschen allgemein toleranter und aufgeschlossener gegenüber anderen Kulturen, die unsere Sprache nicht sprechen - da können Fränzis ja gewaltig die Nase nach oben strecken. Außerdem sind wir sehr wendig im empathischen Mitdenken. Bürokratie ist in beiden Ländern ähnlich umfangreich wie lästig - nur kann man in F auch mal Fünfe gerade sein lassen. In Deutschland spricht man die Dinge direkter an sans tourner autour du pot/ ohne um den heißen Brei zu reden, wies die Fränzis gerne machen - aber auch, weil die französische Sprache reicher ist in ihrer finesse du detail (weshalb sie so schwer zu erlernen ist). Gerade Fränzis aus dem Süden können selbst mit Wildfremden direkt losplaudern, während wir Deutsche deutlich länger brauchen, um *zwischenmenschliche Betriebstemperatur* zu erreichen. Französische Beziehungsfilme sind irgendwie immer anstrengend und ziehen ihre Inspirationen aus Chauvinismus und überreizter, weiblicher Hysterie (nicht von ungefähr zählt F zu den führenden Länder im Bedarf für Psychopharmaka). Zum elitären, nationalen Selbstbewußtsein wird in Frankreich unverholender gestanden, erreicht aber die gleiche Höhe wie das der Deutschen, die damit nur gschamiger umgehen. Und für mich besonders überraschend: Fränzis selbst bezeichnen ihre Landsleute gerne als Volk der Dauernörgler.

Um aber keine Zweifel offen zu lassen - Muttersprache hin oder her - : ich lebe VIEL lieber und VIEL freier in Frankreich! Nicht nur wegen dem gepflegten Durcheinander, all den öffentlichen Klohäuschen, dem entspannten Einkaufen, der Minute mehr für die Begegnung oder der fratérnité mancher. Ganz (un)parteiisch schwärme ich, dass Frankreich einfach unglaublich schöne Landschaften beheimatet, die sensationelle, regionale Produkte hervorbringen! Und ich bin mittlerweile so gut akklimatisiert, dass auch ich ohne mit der Wimper zu zucken über rote Ampeln gehe, wenn nirgends ein Auto zu sehen ist. Nicht zu vergessen die französische Kleinkunst und die wundervollen, französischen Chansons. Vielleicht muß man dafür mal auf einem französischen Dorffest gesessen haben, wenn alle zusammen in einen der vielen Chansons einstimmen, die Volksgut sind und die mit der Mutterbrust aufgesogen werden - das sind magische Momente mit Gänsehaut-Garantie. 

 


 

Die Radieschen stammen erkennbar aus dem Treibhaus: ihr Grün ist dadurch besonders zart.  Denkt also bei einem schönen Bund Radieschen momentan auch an das feine Pesto, das man aus seinen Blättern machen kann! 

Die süßsauren Radieschen bilden einen schönen Kontrast zu der lieblichen Kohlrabicremesuppe - das passt super. Unser Kohlrabi musste dringend geernet werde: zum einen, weil der drauf und dran ist zu schießen, zum anderen weil er der Erbsensaat weichen sollte! Ansonsten gilt: darauf achten, dass die Konsistenz stimmt - nix wichtiger bei einer guten Suppe, als dass sie weder zu dünn noch zu sämig ist!


Zutaten 2P:

Süßsaure Radieschen:
6 Radieschen
1 TL Zucker
4 EL Rotweinesig
2 TL Grenadine 
 
Suppe:
1 Schalotte
350g Kohlrabi
1 Stich Butter
100ml Portwein (oder Noilly Prat) 
300ml Gemüsebrühe (evt. plus) 
80ml Sahne
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Muskatnuss-Abrieb
etwas Zitronensaft
1 Pr Zucker
etwas Haselnuss-Öl
 
 
Zubereitung:

Die Radieschen vom Grün befreien (aufbewahren für Pesto oder Salatbereicherung) und mit dem V-Hobel in feine Scheiben hobeln. In einem kleinen Topf Rotweinessig und Zucker kurz aufkochen, damit sich der Zucker auflöst, dann das Grenadine zufügen und noch warm über die Radieschenscheiben geben. Mindestens eine halbe Stunde marinieren lassen, währenddessen immer mal wieder mischeln.

Dann die Suppe auf den Weg bringen. Dafür die fein gewürfelte Zwiebel in der Butter glasig dünsten. Den Kohlrabi schälen und in etwa 2cm große Stücke schneiden und ebenfalls kurz mit der Zwiebel zusammen mitdünsten. Mit Portwein ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Gemüsebrühe zufügen und bei sanfter Hitze etwa 15min bei geschlossenem Deckel gut weich köcheln lassen. Sahne zufügen und weitere 3-4min kochen. Nun sehr fein pürieren (wer mag, streicht die Suppe zusätzlich durch ein Sieb/ m: nicht gemacht). Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Piment, eine Prise Zucker, Muskat und Zitronensaft.

Die Suppe auf zwei Teller verteilen und mit den Radieschen garnieren. Zusätzlich mit etwas Haselnussöl (oder Kürbiskernöl) beträufeln. (m: getoppt mit etwas Knoblauchgrün)

 
Inspiration: Essen und Trinken
 
 


Um sich zumindest ein bißchen einfühlen zu können, stelle ich euch einen Lieblingschanson des Habib unten ein, den ich auch absolut spitze finde... wie vemutlich fast ausnahmslos alle Franzosen.

 

Gastbeitrag: Hannahs Kerbelsuppe

Donnerstag, 23. April 2020


„Grün, grün, grün, sind alle meine Kleider, grün, grün, grün ist alles was ich hab‘. Darum lieb‘ ich, alles was so grün ist, weil mein Schatz ein Gärtner, Gärtner ist.“  Natürlich singen wir „Gärtner“ und nicht „Jäger“, wie es meist heißt, einfach, weil uns die Gärtner viel näher sind als die Jäger. Bei einem Gärtner kann sich auch unsere dreijährige Tochter sehr gut vorstellen, was der so macht – dasselbe was sie auch mit Begeisterung tut. Was ein Jäger so macht, das war noch nie Thema, und ehrlich gesagt weiß ich selbst es auch gar nicht sooo genau und reduziere es wahrscheinlich zu sehr auf das Töten von Tieren und alle jagdbegeisterten Leser können mir wiedersprechen. Wie dem auch sei – nach meinem bisherigen Erleben gehören auf jeden Fall die Gärtner – ähnlich wie die Ornithologen - mit zu den angenehmsten Zeitgenossen. Und mit „Gärtner“ meine ich nicht die Gestalten, die mit Laubbläsern herumrennen, Sträuchern den „Hausmeisterschnitt“ verpassen und Granitstelen statt Hecken pflanzen.  „Gärtner“ sind für mich die Menschen, die leuchtende Augen bekommen, wenn die ersten Knospen schwellen, deren Händen man die Arbeit ansieht, in deren Gesichtern sich die Jahreszeiten eingekerbt haben. Menschen, die vor zarten Pflanzen andächtig in die Knie gehen, um sie zu bestaunen, Menschen, die sich sehnlichst Regen wünschen, wenn alle anderen vom „schönen Wetter“ schwärmen. Menschen, die in dem Verständnis leben, dass Pflanzen auch ein Wesen innewohnt. Menschen, die raunen: „Der Kerbel steht so schön – wann machen wir mal wieder Kerbelsuppe?“ Und genau diese Suppe essen wir dann mit großem Genuss.


Zutaten:

2 sehr große Gärtnerhände voll Kerbel (wer ihn nicht im Garten hat, sondern kaufen muss: 2 Bund)
1 Stange Lauch
500 g Kartoffeln
¾ l Gemüsebrühe
¼ l Weißwein *
1 Zitrone, Saft zum Abschmecken
150 – 250 ml süße Sahne (je nachdem wie kerbelbetont / sahnig man die Suppe mag)
Rapsöl zum Andünsten
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
Optional: 2 Eigelb **

Zubereitung:

Kerbel waschen und verlesen, dabei die dickeren Stengel abknipsen, die dünnen Verzweigungen zwischen den Blättern kann man ruhig dran belassen.
Kartoffeln schälen und in kleine Stücke schneiden, Lauch putzen und in Ringe schneiden.

Lauch in Rapsöl andünsten, Kartoffelwürfel und die Hälfte des Kerbels dazugeben. Kurz mit dünsten dann mit Weißwein ablöschen und mit Brühe aufgießen. Zugedeckt köcheln lassen bis die Kartoffeln gar sind. Dann den restlichen Kerbel dazugeben und alles pürieren. Nun mit Salz und Pfeffer sowie Zitronensaft abschmecken. Die süße Sahne mit etwas geriebener Muskatnuss sowie einer Prise Salz würzen und dann leicht anschlagen. Unter die Suppe ziehen.

* Da bei uns kleine Gärtner(innen) mitessen, ersetze ich den Weißwein durch mehr Brühe plus ein Schluck Weißweinessig. Weißwein ist aber schon feiner.

** Um aus der Suppe eine richtige Festtagssuppe zu machen (und wer Verwendung für zwei übrige Eiweiß hat) kann sie mit 2 Eigelb legieren. Diese dazu einfach verquirlen und nach dem Pürieren in die Suppe rühren. Dann nicht mehr kochen!


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.

WW-Klimakterium III: Türkische Suppe mit Tahini

Montag, 12. August 2019


Ein Hilfsmittel, um den Menschen zur Erkenntnis zu führen, ist die Verfremdung. Die Fabel beispielsweise transformiert Geschichten ins Tierreich. Menschliche Eigenschaften werden auf Tiere übertragen, wodurch der Mensch distanziert sein eigenes Verhalten betrachten kann - auf dass ihm auf diese Weise lehrreiche Schlüsse möglich werden. Umgekehrt kann man ebenfalls Erkenntnisgewinn erzielen - nämlich durch Vermenschlichung.

Stellen wir uns die Erde als schwer erkrankten Menschen vor. Die Diagnose haben wir soweit gestellt. Und nun? Ganz klar: Veränderungen müssen her. In der Anamnese lässt sich immer und immer wieder beobachten, wie wenig bereit der Mensch für Veränderungen ist. Selbst Schicksalsschläge und schwere Krankheiten bewegen ihn selten, etwas grundlegend ändern zu wollen. Stichwort *Systemerhalt* - ein faszinierendes Phänomen.

Je gravierender eine Krankheit voranschreitet umso drastischere Veränderungen wären von Nöten. Sinnbildlich schiebt man die Dinge auf dem Tisch hin und her, versucht sie neu oder anders zu arrangieren, ist vielleicht sogar bereits, ein oder zwei Sachen davon zur Disposition zu stellen. Eher zu spät als zu früh. Jedoch irgendwann nützt es nichts mehr, etwas verbessern oder optimieren zu wollen. Das ganze System krankt. Die Platte müsste leer gewischt und komplett von vorne begonnen werden. Etwas, das im Großen wie im Kleinen sehr selten passiert. Der Energieaufwand, ein vorhandenes (selbst zerstörerisches) System zu erhalten, ist deutlich geringer, als ein neues zu installieren.

Übertragen auf die Klima-Debatte will ich veranschaulichen, dass es nichts hilft an dem jetzigen System mit den bekannten Auswirkungen herumdoktoren zu wollen. Es ändert am Wesentlichen nichts, wenn man noch ein bißchen akribischer Müll trennt, das Auto  öfters stehen lässt und auf die ein oder andere Flugreise verzichtet (wobei ich sowieso kein einziges leibhaftiges Beispiel parat hätte von jemanden, der dem Klima zuliebe auf sein Steak verzichtet oder Second-Hand-Klamotte kauft).

Auf der übergeordneten Ebene ist Fakt: Ein starker industrieller Sektor und Wohlstand in einem Land gehen fast zwangsläufig miteinander einher. Also je reicher ein Land, umso mehr Emissionen produziert es. Das gilt auch im Kleinen: Je reicher ein Mensch ist, umso mehr CO2 verursacht er - aus einer gemeinsamen Studie der Universität Antwerpen und der Freien Universität Brüssel geht hervor, dass die zehn Prozent der ärmsten Belgier viermal weniger CO2 verursachen als die reichsten zehn Prozent.

Reden wir über Klima, dann reden wir unausweichlich auch über Wohlstand.

Denn auf das Wachstum unserer Wirtschaft ist unser Wohlstand begründet, d.h. je mehr wir konsumieren, umso mehr kurbeln wir die Wirtschaft an. Gleichzeitig wissen wir zweifelsfrei: umso mehr ruinieren wir die Erde.

Nur wenn wir unseren Konsum grundlegend verändern, können wir unsere natürliche Lebensgrundlage erhalten. Es bedarf keiner meditativen-wissenschaftlichen-astro-physikalischen-betriebswirtschaftlichen Meisterleistung, um zu erkennen, dass wir also weniger (VIEL weniger) Dinge produzieren dürfen. Und diese wenigen Produkte müssten sehr langlebig sein - das geht einher, dass diese außerdem leicht und gut zu reparieren sein sollten. Deren Rohstoff-Bedarf sowie Energie-Verbrauch bei der Herstellung sollte im Verhältnis zu ihrem Nutzen und ihrer Haltbarkeit stehen und diese Produkte müßten obendrein in hohem Maße wiederverwertbar sein.

Bref: es bräuchte fundamentale Veränderungen, die unser seitheriges Wertesystem - und damit unumgänglich ebenso das kapitalistische Wirtschaftssystem -  betreffen. Derartige umwälzende Prozesse können nur Politik-Schaffende und Industrielle in Gang setzen. Nur von oben kann eine Gesellschaft/ eine Nation/ ein Kontinent/ die Welt zu einer solchen Kehrtwende geführt werden (*Die Treppe wird von oben nach unten geputzt* - Gesetz der Logik). Es bräuchte eine Oberschicht, die den Sinneswandel will samt einer Kraft à la Gandalf, die sich dem Bisherigen in den Weg stellt: DAS IST DEIN ENDE, TURBO-KAPITALISMUS!

So, und jetzt würde ich den sehen, der seinen Kindern allen Ernstes verklickert, dass wir uns in einem solchen Umbruch befinden?



Suppenzeit ist jederzeit. Und gerade wenn wir unterwegs sind, dann sind Suppen und Eintöpfe mittlerweile meine liebste Speise geworden. Mit der Auswirkung, dass ich uns - im Verhältnis zu früher - viel öfters eine solche zubereite.
 
Zutaten  2P:

1 rote Zwiebeln, fein gehackt
1 Msp Piment
1 Msp scharfes Paprikapulver
2 EL Tomatenpüree (m: 100ml Ofentomaten)
160 g rote Linsen
700-800ml Gemüsebouillon
1 Aubergine (ca. 260g)*
1 Tomaten, gehackt (m: Roma)
1 Zitrone, ausgepresst
Salz, Pfeffer
1 EL Tahini (Sesampaste)
Olivenöl

Knoblauch-Croûtons
Chili-Öl 
etwas frische Minze

Zubereitung:

Zwiebel fein hacken. Aubergine in Würfel von ca 0,5cm schneiden.

Zwiebeln in Butter andünsten bis sie glasig ist. Auberginenwürfel zufügen und ebenfalls leicht Farbe annehmen lassen, Gewürze und Tomatenpüree mitdünsten und die Linsen beifügen. Noch kurz weiter braten, dann mit Brühe auffüllen. Köcheln lassen, bis die Linsen gar sind.

Eine Kelle der Suppe aus der Pfanne nehmen und den Rest mixen, ungemixte Suppe wieder beifügen. Die gehackten Tomatenwürfel zugeben. Abschmecken mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer. 1 Esslöffel Tahini beigeben. Mit Croûtons, etwas Chili-Öl und Minze dekorieren.

Anmerkung m: Die Aubergine ist meine Zudichtung - verleiht der Suppe aber eine tolle Cremigkeit. Ebenso mochte ich den Hauch Minze als Deko vom Geschmack sehr!

Im Original wird seperat gekochter Reis (50 g Langkornreis) als Einlage in die Suppe gegeben und als Beilage werden türkische Mixed Pickles (in Salzlake eingelegtes Gemüse) und türkisches Fladenbrot vorgeschlagen.

Inspiration: Valentinas Kochbuch

Die Worte des Propheten: *Tanzt auf den Ruinen der alten, taumelnden Welt*

Zufallstreffer: Spargel-Suppe

Donnerstag, 2. Mai 2019


Als erstes Spargel-Rezept der Saison komme ich mit einem Suppen-Vorschlag um die Ecke. *Gmpfhh*, rümpft der ein oder andere bereits die Nase, *Suppe*. Aber M-o-m-e-n-t!

Die Suppe entstand als Resteessen und war vorneweg nicht zum Vebloggen gedacht. Dann aber waren wir uns am Tisch einig, dass das die beste Spargel-Suppe ist, die ich gekocht habe, sowie wir beide je gegessen haben - also wird sie aus diesen ja wohl bestechenden Gründen archiviert. Zumal ich vom Suppenkasper zum heißen Suppenfan mutiert bin. Vielleicht ziehe ich euch auf meine Seite...

Komischerweise erinnert mich die Spargelsuppe ein bißchen an die typische Tütensuppe. Nich? Das soll eine gute Assoziation sein? Das ist einigermaßen komisch. Vielleicht kennt der ein oder andere gar keine Tütensuppe von euch?! Aber ich gehörte lange Zeit dem Team *Wer sich nicht wehrt, kommt an Herd* an. Meine Mutter war beim Kochen rasend schlecht gelaunt und mörder-genervt. Nichts schlimmer, als als Hausfrau zu enden - das habe ich schnell gelernt. Ich wußte also, was es zu vermeiden galt: die Küche als Beschäftigungsraum.

In klassischen Rollenbildern zu denken, lag mir eh fern, dübeln kann ich selbst, also ließ ich mich bekochen. Wobei: meistens war Essen einfach unumgängliche und leidige Notwendigkeit. Ich war guter Kunde in den Bäckereien (Brezel, belegtes Brötchen), oder griff nach Fertigprodukten. Wie auch mal eine Tütensuppe. Etwas, das ich heute, wenn ich durch den Supermarkt laufe, überhaupt nicht mehr wahrnehme. Habe ich die Wahl (sprich: meine Küche und Garten um mich), dann ignoriere ich alle Tütensuppe dieser Welt schnippist. Aber ausschließen, in der Zukunft mal wieder danach zu greifen, würde ich nicht. Etwa zum Campen: wiegt nix und bekommt man im Rucksack lässig unter.

Werbung für Tütensuppe wird das hier trotzdem nicht. Im Leben nicht kommt ein Pulver an den Geschmack dieses cremig-zartschmelzenden, daunig-weichen Spargel-Süppchen ran! Ihr werdet ja sehen...


Zutaten 2P:

300g Spargel
2 Kartoffeln (ca. 250g)
Gemüsebrühe
1 Schuß Rosé (oder Weißwein)
50-100ml Sahne
Salz, Pfeffer
Muskatnuss-Abrieb
2 Lorbeer-Blätter
1 EL Butter
1 EL Mehl

Zubereitung:

Spargel schälen und die Enden etwas großzügiger als sonst abschneiden. Mit einem guten 1/2 l Wasser aufsetzen, 1 Teelöffel Zucker zufügen, ebenso einen Schuß Essig und die Spargelschalen etwa 20min köcheln lassen. Kochflüssigkeit abschütten, Sud auffangen, Schalen wegwerfen. Den Spargel darin in mundgerechten Stücke bissfest garen. Dann die Spargel als Einlage zur Seite stellen.

Die Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden. Knapp mit etwas weniger als der Hälfe des Spargelsudes bedecken, Gemüsebrühe-Pulver (etwa 1 TL) und die Lorbeerblätter mit in den Topf geben und gut weich garen.

Die Butter in einem Topf schmelzen lassen, das Mehl einrühren und etwas braten ohne dass das Mehl Farbe annimmt. Mit Spargelsud ablöschen, gut und zügig dabei rühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Nicht allen Sud angießen (damit steuern wir am Ende die cremige Konsistenz). Nun mit dem guten Schuß Wein abschmecken. Die Lorbeerblätter aus den Kartoffeln entfernen und ebenfalls in diesen Topf umfüllen. Sehr fein pürieren. Sahne (je nach Wunsch mehr oder weniger) unterrühren und nun mit dem restlichen Sud die Suppe noch eventuell etwas dünner machen. Mit Salz und Muskatnuss würzen.

Spargel in der Suppe warmziehen lassen, in Teller füllen und mit Schnittlauch dekorieren.

*Anmerkung m: das nächste Mal koche ich die Spargelschalen nicht lange aus, sondern ziehe einen Fond auf die Weise, wie es Robert empfiehlt!


schwarzer Peter: Brokkoli-Erbsen-Suppe mit Zitronengras

Sonntag, 6. Januar 2019


Mit Epiphanie enden die Rauhnächte, die Zeit um den Jahreswechsel, in der von altersher gelaubt wird, dass die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits durchlässiger sind. Auch meine Gedanken über Spiritualität schließen mit ihnen ab und werden sich dann wieder ins Private zurückziehen.

Nimmt man als Beispiel für deutsche Mittelalter-Literatur (bekanntermaßen vor Zeiten des Buchdruckes und daher eine sehr überschauhbare, einst handschriftliche Bibiliothek) *Tristan und Isolde*, dann fällt sehr schnell der allgegenwärtigen Gottesbezug auf. Alleine bereits an der Häufigkeit mit der das Wort *Gott* fällt: auf jeder Buchseite mehrfach.

Nun, mögen viele einwenden, war ja im Mittelalter der Einfluss des Klerus unausweichlich. Das stimmt, doch gilt mitzubedenken, dass *Gott* als Wort stets gefüllt wurde mit dem größtmöglich Guten, das dem menschlichen Geist zu denken möglich war. Etwas, was sich bis heute nicht geändert hat - nur ist es nun eine individuelle Frage, zu welcher Größe der einzelne in der Lage ist, sich in Bezug zu setzen.

Dass heutzutage in unseren Breitengraten die Verblindlichkeit zu Gott rückläufig ist, erkennt man etwa an dem Schwund christlich-theophorer Namen - also Namen, die mit dem Wort Gott gebildet werden wie Gotthilf, Gottwald, Gottfried, Gottlieb... Herausragend finde ich dabei die Namensgebung *Fürchtegott* - Eltern, die ihr Kind damit zu einer wandelnden Mahnung für sich und seine Umgebung bestimm(t)en.

Hier müsste der eifrig Mitdenkende nun ins Straucheln kommen. Eben setzte man *Gott* gleich mit dem Inbegriff alles Guten und nun gilt es ihn zu fürchten  - genau der Widerspruch, auf die ich hinaus will. Von denen, die sich mit einer höheren Macht auseinandersetzen, bleiben viele stecken in einer Art pupertären Phase, in der sie Gott anklagen, wie (gemäß des Falles, ihn gäbe es tatsächlich) er so viele Schrecklichkeiten zulassen kann auf der von ihm gemachten Welt. Wer benötigt noch eine Hölle, wenn heute ein Blick gen Jemen ausreicht.

Soweit, so unfertig gedacht. Der Griff zu einem der ältesten Bücher der Welt, der Bibel, kann in diesem Dilemma weiterhelfen. So steht in der Genesis: *Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte.* Die Erde mit all seinen Rahmenbedingugen, seinen Prozessen und Gesetzen ist vollbracht. Mit der Vollendung kann Gott, der Schöpfer, nur noch sein Werk betrachten und nicht mehr in diese Abläufe eingreifen. Seine Arbeit ist getan. 

Erst anschließend wurde der Mensch - befähigt *Gut* und *Böse* zu unterscheiden - geschaffen, um diesen Planeten zu beleben, ausgesetzt den zuvor festgelegten Gesetzen, um eigenständig (und somit frei) Umgang mit ihnen zu finden. So verstanden bedeutet das eine völlige Verschiebung der Verantwortlichkeit: nicht Gott kann also zur Rechenschaft gezogen werden für alles Unrecht, sondern für die weitere Entwicklung sind die Geschöpfe (der einzelne Mensch) selbst verantwortlich. Womit auch wieder die Reinkarnation und die Karmagesetze ins Spiel kommen - ohne die geistige Gerechtigkeit niemals Sinn ergeben wird. Tja und dann könnte man mal beginnen, sich hineinzudenken, wieviele Gesetze es derer gibt, an denen nicht zu wackeln ist: gnadenlos geht die Sonne jeden Tag auf und jeden Tag unter... *Fürchtegott*.

Eigenverantwortung kann man sich nicht wirklich schön aber warm löffeln. Mit dieser schlichten Suppe. Brokkoli bereite ich uns während der Kohlsaison sehr häufig zu, weil Brokkoli besondere Vitamin-Power verspricht. Das bedeutet für uns: keine Woche ohne Brokkoli. Damit die Farbe hübsch appetitlich bleibt und nicht ins triste asch-ocker-khaki abschifft, mengte ich noch etwas Erbsen unter.


Zutaten 2P:

1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1 Brokkoli (ca. 400g)
150g Erbsen (m: tiefgefroren, eigene)
Gemüsebrühe
Kokoscrème*
1 Stange Zitronengras
Salz, Pfeffer
Abrieb und Saft 1/2 Zitrone
1/4 TL Ras el Hanout
Kokos-Butter 
Chili-Öl

Zubereitung:

Die Schalotte wie die Knoblauchzehen würfeln und in Kokosbutter anschwitzen. Zwei, drei Minuten das Ras el Hanout mit anbraten. Den in Röschen geteilten Brokkoli zufügen und knapp mit Gemüsebrühe bedecken.

Das Zitronengras mit der Messerrückseite anklopfen, in Stücke schneiden, damit sie in den Kochtopf passen und bei milder Hitze und aufgelegtem Deckel ca. 10min köcheln lassen.

 Die Erbsen zufügen und die Kokoscrème (etwa 100g) und weitere 5min garen lassen. Zitronengras entfernen, sehr sorgfältig pürieren und je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Brühe anschütten. Mit Salz, Pfeffer und Zitrone würzen.

Zum Servieren mit Chili-Öl garnieren.

*Anmerkung m: Mein Bioladen bietet mir sowohl Kokosmilch wie Kokoscrème an - letzteres ist ersteres konzentriert (also der abgesetzte cremige Teil davon)

Zur Deko bietet sich an, einige Erbsen seperat gar zu kochen, blanchieren und als Suppengarnitur aufzuheben.

Als Tipp da ich die Flüssigkeiten nicht bemessen habe: eher etwas weniger Brühe zufügen, um den Brokkoli gar zu kochen, nach dem Pürieren kann man immernoch mit Kokos oder Brühe justieren...


die Kohlverschwörung: Rotkohlsuppe vom Feinsten

Mittwoch, 12. Dezember 2018


Dieser verflixte Rotkohl hat sich gegen mich verschworen. Nicht von ungefähr einer der fiesesten deutschen Zungenbrecher: *Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid*. Wer den unfallfrei über die Lippen bekommt, muß einen Gendeffekt haben.

Ja, ich bin angefressen. *Schmeckt besser als es aussieht* war der häusliche Untertitel zum heutigen Teller. BÄM! - Treffer versenkt! Voll zentriert auf das Foodblogger-Ego! Ich bitte euch! Das geht doch gegen meine Foodie-Würde. Wenn man eines nach JAHREN der Foodbloggerei gelernt haben sollte, dann selbst Brekkies appetitlich zu verkaufen. Aber aus einer purpurnen Suppenschönheit keine Claudia Schiffer rauszuholen, sondern gar in eine Cindy von Marzahn zu verwandeln, ist schon wieder eine Kunst für sich. Findet ihr gar nicht so dramatisch? Mich schabts. Gmpfhhh... und ein solcher Downer direkt hintereinander weg. Man könnte glatt von *Krise* sprechen.

Zumal die Suppe wirklich köstlichst war. So wie eben ja das gedämpfte Rotkohl-Gemüse, aus dem diese Suppe hervorgeht. Jaja, denkt ihr, jetzt kommt der alte Fleischereifachverkäuferinnentrick: jetzt wird der Aufschnitt, der weg muss, angepriesen und schön geredet. Aber mir soll der kleine Finger abfallen, wenn ich lüge. Diese Suppe war ein Träumchen und sie wird es - wie ihr diese Woche noch sehen werdet - ohne Probleme in die *Hall of Fame* der Festtagsmenus schaffen. Dass mir seither keiner gesagt hat, dass Rotkohlsuppe derart gut schmeckt. Das soll euch nicht passieren.

Wenn ich für uns beide Rotkohl zubereite, dann nämlich immer gleich einen stattlichen Kopf im großen Schmortopf. Wissen doch alle, dass Rotkraut am nächsten Tag aufgewärmt viel besser schmeckt (dann etwa zu Haselnuss-Knöpfli oder Maronen-Spätzle). Exakt das macht das Geheimnis dieser Suppe - neben dem Holundersaft und den feinen Gewürzen. Wobei ich das Intensivieren multipliziert habe durch doppeltes Aufwärmen, denn sie entstand aus dem Rest vom Rest.


Zutaten 2P:

         mit Holunder und Birne*
1 Stange Zitronengras
2 kleine, lila Kartoffeln (m: vitelottes, ca. 150g)
100ml Sahne*
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
etwas Mandarinen und 
Zitronensaft

zum Verzieren 
etwas geschlagene Sahne
Frühlingszwiebelgrün oder frischer Koriander

Zubereitung:

Die Kartoffeln schälen, würfeln und in den Topf zum Rotkohl geben. Ebenso die angequetschte Zitronengrasstange (mit Hilfe des Messerrückens) zufügen - je nach Länge halbiert.

Gegebenenfalls noch etwas Wasser oder Brühe anschütten, Deckel auflegen und garen, bis die Kartoffeln gut weich sind. Zitronengras entfernen und feinst pürieren. Sahne angießen - und je nach gewünschter Konsistenz noch etwas Brühe. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Piment und etwas Mandarinen- sowie Zitronensaft.

Die Suppe auf zwei Teller verteilen, mit geschlagener Sahne (so wie bei mir nicht zu sehen ist) und etwas frischem Grün dekorieren. Mir hat das Frühlingszwiebelgrün sehr gut dazu gefallen - ich würde es gar als unverzichtbar bezeichnen.

*Anmerkung m: selbstverständlich kann man die Suppe auch auf direktem Wege zubereiten - ohne Umweg über das Rotkraut-Gemüse - es macht aber eigentlich keinen Sinn, weil man auf diese Weise auf einen Schlag zwei tolle Essen auf dem Tisch stehen hat.

Sahne lässt sich ebenfalls prima durch Kokos-Crème ersetzen.


Grundsätzlich: Rote Bete Gazpacho

Dienstag, 24. Juli 2018


Eigentlich muß man es doch faszinierend finden - so von außen betrachtet - dass einem menschlichen Körper die Zufuhr von Rohkost ausreicht, um die Maschinerie in Bewegung zu halten.

Derlei Probleme wie Menschen, die zuviel verarbeitetes Fleisch zu sich nehmen, sollten die Rohköstler schon mal definitiv nicht haben (und gerade das dabei hervorgehobende Problem des menschlichen Körpers mit Nitrat ist zeitgleich auch ein Problem des Grundwassers... ich wollte es nur angemerkt haben).

Mir fällt ja direkt als prominentes Beispiel Nena ein, die bekennende Rohköstlerin ist. Und die sieht lässig hundert Jahre jünger aus als sämtliche ihrer Altersgenossinnen. Bon, glatt übertrieben, ich gebs ja zu. So wie es eben auch viele für übertrieben halten, nur um dem Faltenwurf der Haut zu trotzen, lediglich noch eine handvoll Nahrungsmittel zu essen. Älter werden trotzdem alle - so oder so. Die Frage bleibt das Wie.

Mir leuchtet es durchaus ein, dass so weit als möglich frische, unverarbeitete und pflanzliche Nährstoffe zu sich zu nehmen, der Gesundheit nicht abträglich sein können. Für den Gedanken muß wohl kaum jemand tiefer in sich gehen und meditieren. Das liegt auf der Hand. Bücher, wie das von Dr. Bruker versuchen aufzuzeigen, wie sehr unser Essen unser Leben bestimmt. Es gibt sogar Untersuchungen, die soweit gehen wollen, dass eine bestimmte Ernährung im Krankheitsfall durchaus als (begleitende) Therapie funktionieren kann - wie beispielsweise das Buch *Krebszellen mögen keine Himbeeren*.

Das uralte Sprichwort *Du bist, was du ißt* klingt in meinen Ohren bei Rohkost in besonders hellen Tönen. Wir sind uns bestimmt einig, dass dieser Satz nicht nur auf Äußerlichkeiten abzielt. Schon allein beim Kauen wird eine Substanz in ihre größtmöglichen Einzelteile zerlegt. Dabei vergrößert sich die Oberfläche - ein äußerst spannendes Phänomen, das Prinzip der Oberflächenvergrößerung, auf welches übrigens auch die Homöopathie zurückgreift. Mit der Vergrößerung  der Oberfläche verstärkt sich gleichzeitig die Wirkung. Aus homöopathischer Sicht kann man dieses Sprichwort also nur unterstreichen.

Bref, nur weil ich mal einen Smoothie getrunken habe, maße ich mir - logo - nicht an, eine echten Ratschluß zur Rohkosternährung fällen zu können. Dafür fehlt mir schlicht die Erfahrung.  Aber ich bin angefixt. Ich habe mir fest vorgenommen, mal im Selbstversuch 10 Tage roh-vegan zu essen. Mal schauen, was für Eindrücke mir das bringt...

Zur Gazpacho, dem ersten Rezept aus *Was dein Herz begehrt*, muß ich bestimmt nicht viel mehr zu sagen: ein schönes, frisches Sommeressen, dass gerade wenn es so heiß ist wie zur Zeit in jeder Hinsicht befriedigt: schnell auf dem Tisch gebracht, ohne schwer im Magen zu liegen samt dem Gefühl, genug Energie für einen Sonnentag zu haben....


Zutaten 2P:

300g Tomaten
1/2 Paprika (m: rot)
1/2 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe (m: zwei)
1 mittelgroße Rote Bete
2 EL Olivenöl
1 Avocado
1 handvoll Pekannüsse (m: Pinienkerne), gehackt

Zubereitung:

Alle Zutaten in einen Mixer geben und zu einer homogenen, cremigen Masse verarbeiten. Auf zwei Schüsseln verteilen und nach Geschmack verzieren. (m: mit Salz und Pfeffer sowie etwas Chili abgeschmeckt) 

Quelle: *Was dein Herz begehrt* von Ute Ludwig und Achim Sauerberg aka *Nordisch Roh*

einer meiner liebsten Gartenblumen: la rose trémière/ die Stockmalve

Nouruz - As-e-Reshteh

Dienstag, 20. März 2018


In Iran ist uns der Zoroastrismus zum ersten Mal begegnet. Ja, sogar eine deutschsprachige Reisegruppe, die rein auf den Spuren der Zarathustrier unterwegs waren, kreuzte uns. Und jetzt auch in meiner Lektüre in Thailand tauchten sie immer wieder auf. Eines dieser Bücher (ich werde noch darauf zurückkommen) brachte mich auch auf das Neujahresfest Nouruz, das Frühlingsfest oder auch das Fest der Tag- und Nachtgleiche, das seinen Ursprung findet in in der "heidnischen" Religion des Zoroastrismus, und das am heutigen Tag  gefeiert wird.

In dem Buch werden nicht nur die Zeremonien beschrieben, die symbolische Tischdekoration und die verschiedenen Gerichte, sondern auch die religionsübergreifende Gesinnung, mit der Nouruz gefeiert wird. *Heute sind wir weder Muslime noch Juden noch Christen* heißt es in diesem Buch *heute sind wir alle Brüder! Heute sind wir Zoroastrier*. 

Grundsätzlich beten die Zoroastrier das Licht an und gehen - wie eigentlich alle Religionen - von einem Dualismus aus, also dass die Erde sowohl das Gute wie das Böse beheimatet: zwischen dem Herrn des Lichtes und jenem der Finsternis tobt ein Kampf, dessen Schauplatz die Erde ist. In eben diesem Gegensatz ist der Mensch gestellt.

Oder um es mit Nietzsche zu formulieren (*Also sprach Zarathustra*):
*Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden? Alle Wesen bisher schufen Etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser grossen Fluth sein und lieber noch zum Thiere zurückgehn, als den Menschen überwinden.*

Doch wie geht *menschliches Wachstum*? Gehen wir davon aus, dass jeder Mensch individuell ist. Jeder hat seine Vorlieben und seine Abneigungen. Ein  Konzept also, zu dem wir 100 prozentig stehen. Aber jedes Konzept hat immer ein polares Gegenüber, mit dem wir uns sehr schwer tun. Wer die Wärme liebt, freundet sich erst einmal mit der Kälte schwer an.

Und wir sind aufgefordert, das Gegenüber zu integrieren! Das ist nicht leicht, kostet Kraft, Überwindung, tut weh, macht Angst....

Wenn uns diese Integration aber geling, so erweitert und vergrößert sich unser Konzept, wir wachsen in jeder Hinsicht zu einem neuen, besseren Konzept, zu einem neuen, erweiterten Menschen. NUR- dieses neue Konzept hat auch wieder ein Gegenüber, ein anderes, neues Gegenüber, und dieses gilt es wiederum zu integrieren, immer und immer wieder neu - so geht die menschliche Evolution!

Meine Brüder, zur Nächstenliebe rathe ich euch nicht: ich rathe euch zur Fernsten-Liebe.“ (nochmals Nietzsche *Also sprach Zarathustra).

In Yazd - einer iranischer Stadt, in der wir uns länger aufgehalten haben - finden sich noch einige kultische Bestattungsorte der Zarathustrier wie *Türme des Schweigens*. In dem Silk Road Hotel fühlten wir uns warm willkommen und ebenso allerköstlichst bekocht. Die As-e-Reshteh aßen wir dort besonders gerne.

Nouraz ist nationaler Feiertag in vielen Ländern und wird etwa gefeiert in: Iran, Aserbaidschan, Afghanistan, Kasachstan, Kirgisistan, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, in der Türkei, in Usbekistan, Georgien (ein Tag) und Indien bei den Parsen als Jamschidi-Fest (siehe auch Holi). 

Einen schönes, neues Jahr zum dritten Mal (nach diesen und diesen Wünschen) und euch allen viel Licht und Lust am Streben danach!



Zutaten 2P - Schnellvariante:

150g weiße Bohnen, gekocht*
100g Linsen, gekocht*
100g Saubohnen, gefroren*
1 Bund Petersilie
150g Spinat
2 Zwiebeln
1/2 TL Kurkuma
120g Pasta (m: kurze Penne)
600ml Gemüsebrühe
1 TL Sumac
Sonnenblumenöl
2 TL getrocknete Minze
etwas Zitronensaft
Deko
Joghurt
Safran-Wasser
Minzöl

Zubereitung:

Die Zwiebeln schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden. In 2 EL Öl zusammen mit dem Kurkuma in ca. 10-15min goldbraun rösten. Mit etwas Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen. Zur Seite stellen.

5 EL Sonnenblumenöl erhitzen, die getrocknete Minze unterrühren, kurz rösten, vom Feuer ziehen und zur Seite stellen.

Den Spinat waschen, von den Stielen befreien, abtropfen lassen und sehr fein hacken. Petersilie waschen, ebenfalls von den Stielen befreien und gleichfalls fein hacken.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Pasta darin al dente kochen - abschütten und zur Seite stellen.

Die Linsen zusammen mit den weißen Bohnen mit 300ml Gemüsebrühe 5-10min  köcheln lassen. Petersilie und Spinat zufügen und weitere 15min köcheln lassen. Mit 1 Teelöffel Minzöl, Salz und Pfeffer würzen. Pasta und restliche Brühe anschütten, Saubohnen unterrühen und weitere 2min köcheln lassen. Salzen, peffern und mit Zitronensaft abschmecken.

Die Suppe auf zwei Teller verteilen. Zum Servieren mit den Kurkuma-Zwiebeln, Joghurt, Minzöl und Safranwasser dekorieren und mit Sumac besträuen.

*Anmerkung m: Im Original-Rezept werden getrocknete, weiße Bohnen sowie getrocknete Saubohnen verwendet und diese mit den Linsen mit Wasser bedeckt und ca. 1 Stunde 15min köcheln gelassen. Ich würde - für diesen Weg - sowohl die Bohnen wie die Saubohnen am Abend zuvor in Wasser quellen lassen: das verkürzt die Kochzeit und die Verträglichkeit. Das gemeinsame, lange Kochen - im Gegensatz zu meiner Schnellvariante - macht den Eintopf sämiger und schlonziger, weil die Hülsenfrüchte fast musig zerfallen. Die etwas längere Zubereitungszeit lohnt also durchaus!

 Inspiration: Tasting Table