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UPSTREUSELING: Streuselkuchen mit Rhabarber

Mittwoch, 28. April 2021

 

Mir gelüstete sehr nach deutschem Kuchen. Streuselkuchen um genau zu sein und zwar mit Rharbarber. Nur mit Rhabarber ist das in Südfrankreich so eine Sache. Mit dem Rhabarber, den wir dieses Frühjahr erneut gesetzt haben, starten wir  den ich-weiß-gar-nicht-wievielten-Versuch, ihn bei uns heimisch zu machen. Er will einfach nicht. Wenn ich mich da an das Ungetüm im Garten meiner Großmutter erinnere... Aber als Kind mochte ich Rhabarber überhaupt nicht. Wegen dem pelzigen Mundgefühl und so. Tja, und nun, wo er sich so rar macht, wird er auf einmal begehrlich.

Doch selbst auf dem Markt ist allerseltenst welcher aufzutreiben. Erst im Schickimicki-Gemüseladen, die ALLES haben (also auch alle Früchte sämtlicher Kolonien - wie etwa die Combava) bin ich fündig geworden. Sogar im *Sale*, weil sie ihren Rhababer nicht losgeworden sind. Die Verkäuferin stapelte mir also etwa 700g auf die Waage und schlug 6 Euro als Sonderangebot vor. Hmmm, ich schaute sie skeptisch an. 6 Euro - schon noch viel Geld für ein bißchen Rhabarber. Rarität hin oder her. Aber wir müssen hier in Südfrankreich nur übers Meer und sind im Maghreb: hier weiß man zu handeln. Und der Rhabarber musste schließlich weg. Sie schaufelte mir ein paar zusätzliche Stangen obendrauf und schaute mich lächelnd-fragend an. Und ich lächelte zurück. Es wird also zwei Kuchen mit Rhabarber geben.

Wobei ich schon verstehen kann, wieso die säuerlichen Stangen hier ein solcher Ladenhüter sind: warum sollte man Rhabarber kaufen, wenn man für weniger Geld bereits die süßen Erdbeeren aus Carpentras erbeuten kann? Dafür muss man wohl wie ich ursprünglich aus kälteren Gefielden stammen und/ oder deutschen Kuchen im Kopf haben!




Man könnte mir vorwerfen, dass wenn es nur geht, ich meinen Süßbäckereien mein Sugar-Spice unterjuble. Aber hey, ich steh' einfach drauf! Ich finde, nahezu jeder Kuchen bekommt damit das gewisse Eßwas! 

Und SO oft backe ich für uns beide gar keinen Süßkram. Wenn dann backe ich vor allem für unsere Feriengäste, um ihnen ihren Aufenthalt bei uns zu versüßen - vorzugsweise an Regentagen. Doch momentan muss ich mir dafür andere Anlässe suchen, wo doch weder das eine noch das andere stattfindet (einzelene Tropfen werden nicht gezählt). Doch Herrschaften, ich kann auch anders, also habe ich uns selbst vorbildlich den Tag verstreuselt - ist mir SUPER gelungen! Unten ein fluffig-saftiger Boden, samt süß-säuerlichen Rhabarber (auf den ich so juchtig war) plus meinem  DUBB-Gewürz = deutscher Obst-Streusel-Himmel.


Zutaten - 1/2 Blech (30 x 20cm):

Streusel:
75g Mehl
25g Haferflocken
25g Haselnuss, geröstet, eher in Krokant-Größe gemahlen
50g Rohrzucker
60g Butter, kalt
1 TL Sugar Spice
1 Pr Salz

Kuchenteig:
140g Mehl
1/2 Päckchen Weinstein-Backpulver
60g Haselnuss, geröstet, eher in Krokant-Größe gemahlen
60g Marzipan
50g Rohrzucker*
125 Butter, weich
2 Eier
50ml Milch
1 EL Crème fraîche

600g Rhabarber
100g Himbeeren
 


 

Zubereitung:

Mit den Händen die Zutaten für die Streusel zu einem krümeligen Teig verarbeiten. Kalt stellen.

Marzipan kurz in den Froster legen. Den Ofen auf 190 Grad (Umluft 170 Grad) vorheizen. Rhabarber putzen und zu Stücke von etwa 2-3 cm schneiden. Butter samt Zucker hell cremig aufschlagen. Dann ein Ei nach dem anderen sorgfältig unterrühren. Mehl mit Backpulver vermengen. Marzipan rob raspeln. Mehl abwechselnd mit Milch untermischen - ohne dabei zu lange zu rühren. Zuletzt kurz Crème und Marzipanraspeln unterheben.

Den Teig gleichmäßig auf eine gefettete (oder mit Backpapier belegtes) Form verteilen und glatt streichen. Rhabarber und Himbeeren damit belegen, die Streusel darüber streuen und im heißen Ofen auf der mittleren Schiene 35-40 Minuten backen. 

  

*Anmerkung m: ich gebe immer noch ein paar meiner tiefegefrorenen Himbeeren dazu - wegen der schöneren Farbe (kann man auch weglassen)/ Marzipan ist ebenfalls ein Goodie, das durch 40g mehr Zucker ausgetauscht werden kann/ Probleme mit Nuss: dann Haselnuss in den Streuseln mit Haferflocken und im Kuchenteig mit Mehl ersetzen/ wenn man die Zutaten verdoppelt, füllt man direkt ein ganzes Blech (40 x 30 cm).

 


Last-Minute-Plätzchen: Marzipan-Stollen-Würfel

Donnerstag, 19. Dezember 2019


Wie oft liest man: gen Ende des Kalenders nimmt das Jahr erst so richtig Fahrt auf. Termine überrollen Termine, man schaut sich selbst beim Abarbeiten zu, so, als würde man aus dem Fenster eines fahrenden Zuges blicken, aber statt Landschaft rauschen Tage an einem vorbei.

Mich nötigt die Zeit diese Woche sehr - nur genau umgekehrt. Alles wurde Slomo. Erstaunlich wie sehr sich damit die Wahrnehmung verändert. Alles wird holzschnitzartig. Überdeutlich. Aller Tingeltangel rieselt wie an glatten Oberflächen runter. Vielleicht schreibe ich darüber, wenn es sich wieder ungedrückt atmen lässt, wenn es lichter wird.

Bis dahin will ich euch dieses *Last-Minute-Plätzchen* vorstellen, die so schnurgerade wie eine Rakete in den Favoriten-Olymp schießen. Ich bin diesen Würfeln völlig verfallen. Was vermutlich mit daran liegt, dass ich mein Stollenrezept seither nicht gefunden habe. Geht es euch genauso, dann habe ich hier DEN Ersatz. Obwohl, was heißt *Ersatz*: die stehen lässig auf eigenem Sockel.

Ich liebe diese kleinen Dinger und bin selbst mein bester Abnehmer. Trotzdem bleibt genug übrig, um die ein oder andere Tüte damit zu füllen - selbst wenn diese tradition allemande den Fränzis etwas exotisch dünkt. Ich fasse zusammen: diese Marzipan-Stollen-Würfel schmecken nicht nur göttlich, sondern mit ihnen hat man auf einen Schlag kinderleicht ein großes Blech oberleckerster Plätzchen hergestellt: Zutaten zusammenrühren, backen, in Würfel schneiden, genussbereit. Mehr Superlative können in einem einzigen Plätzchenrezept schwer zusammenkommen!


Zutaten - ein tiefes Blech:

400g Mehl
(m: davon 100g Einkorn-VK)
1 Pr Salz
1Päckchen Backpulver
100g Haselnüsse, gemahlen
250g Mager-Quark (m: 300g normalen)
120g Rohrzucker
200g Butter, weich
4 Eier
100g Zitronat
100g Orangeat
200g Rosinen
(m: 50g davon confit de gingembre)
200g Marzipan
1/4 TL Piment
1/4 TL Zimt
1/2 TL Kardamom
1/4 TL Muskatblüte
75g Rum
(m: 40ml Grand Manier, 1 Fläschen Rum-Aroma, 1/2 Fläschen Bittermandel)

100g Butter
(m: 75g)
Puderzucker


Zubereitung:

Rosinen, Zitronat und Orangeat (sowie den kandierten Ingwer) etwas kleiner hacken, in Rum (oder dem Aroma der Wahl) einweichen und gut durchziehen lassen (m: nur die Rosinen aromatisiert mit Grand Marnier - Fläschchen an kompletten Teig gegeben)

Eine Fettpfanne ca. 32 x 39 cm fetten. Die Backofen auf 175 °C (Umluft) vorheizen.

Die Haselnüsse in einer beschichteten Pfanne, ohne Fett, rösten. Das Marzipan, am besten vorher kurz ins Gefrierfach legen, grob raspeln.

Mehl, Salz und Backpulver mischen, in eine Schüssel geben, Nüsse, Quark, Zucker, Vanillezucker, Eier, Butter und die Gewürze zugeben und zu einem homogenen Teig verrühren. Die eingeweichten Rosinen, Orangeat und Zitronat, kandierter Ingwer unter den Teig mischen ebenso wie zuletzt das Marzipan. Den Teig in die Fettpfanne geben und glatt streichen. Im vorgeheizten Ofen ca. 20 - 25 Minuten backen.

Dann die Butter flüssig werden lassen und den noch warmen Kuchen damit  schön bestreichen.

Mit Puderzucker bestäuben und in Stücke oder Würfel schneiden. Auskühlen lassen. (m: erst auskühlen lassen - dann geschnitten)

*Anmerkung m: beim nächsten Mal werde ich ein paar gehackte Nüsse untermischen (mal als grobe Idee: plus 100g gehackte Nüsse, dafür 50g Mehl weniger)

Inspiration: CK


Beschränkung: Mohnstriezel zu Ostern

Mittwoch, 17. April 2019


Eine große Passion von mir - seit ich schriftlich nachdenke - ist geworden, zu versuchen die Dinge in Zusammenhang zu bringen. Das Verknüpfen von Gedanken. Stricken mit Gedankenfäden. So verwebt sich dann dichter und dichter vor meinen geistigen Augen ein kleiner Gedankenkosmos.

Von dem Text über den Zwang der Menschen zu funktionieren hüpfte ich zu M.Buddenbohms Beobachtung von *stets bemüht, aber seltsam erschöpft* zu meinem geschätzten Philosophen Byung-Chul Han - auf den ich ja regelmäßig zurückkehre (aus dem einfachen Grund, weil wir uns einig sind). Ob vielleicht diese seltsame Überbewertung des Sports letztlich auch eine Krake des Turbokapitalismus ist? Versteht mich nicht falsch: gegen einen fitten Körper und  ausreichend Bewegung habe ich überhaupt nichts. Aber nur weil irgend jemand schneller, höher, weiter rennen kann (zum Beispiel), wird er in meinem Universum niemalsnie ein Held.

Die Mäßigung - wie wünschenswert sie doch meist ist. *Alles mit Maß und Ziel* - alter Goethe-Kalauer! Doch wenn es so einfach wäre... Unser Aufenthalt in Thailand (die Zusammenfassung steht nach Ostern an) hat mir sehr vor Augen geführt, wie wohltuend eine gewisse Beschränkung sich auf das allgmeine Lebensgefühl auswirkt. *Überprüfen Sie Ihre Haltung gegenüber Essen, Kleidung und Unterkunft. Indem Sie die Erwartungen zurückschrauben, fördern Sie Ihre Zufriedenheit*, meint der Dalai Lama. Unser kleiner Bungalow stand mitten in einem blühenden Garten, nicht weit vom Strand entfernt und wartete mit einer handvoll Quadratmeter auf: einer kleinen Küche samt einer Kochstelle, ein winziges Schalfzimmer und ein klitzzikleines Bad. Klar, hauptsächlich haben wir draußen gelebt - aber es fühlte sich extrem heimelig an. Vermutlich, weil wir uns diesen Ort auch so vertraut gemacht hatten. Der Kleiderschrank gefüllt mit überschaubarer Klamotte und das Essen wiederholte sich oft - einfach, weil wir uns so vegetarisch wie möglich ernähren wollten.

Unterwegs spielt Essen keine bedeutende Rolle für uns. Auf einer meiner Lieblingsreisen - wir waren mit dem 4x4 samt Dachzelt unterwegs - ernährten wir uns wochenlang hauptsächlich von Fladenbrot, Kiri-Käse und Mandarinen. Es war herrlich! Essen zur Religion zu erheben, halte ich für keine gute Idee. Anständig und mäßig und mit Freude - JA! Aber halt ohne Kapriolen. Kann man nicht schon froh sein, zu der Prozentzahl an Menschen zu gehören, die keinen Hunger leiden müssen?

Der Dalai Lama behauptet, das Grundübel zu kennen: „Wir wollen immer mehr und mehr und mehr.“ Reichtum, Schönheit, Karriere, den idealen Partner, perfekte Kinder, die neueste Mode, das teuerste Auto, Anerkennung, Status, Lob – in der Hektik agierten viele Menschen wie Automaten, deren Zweck allein das Geldverdienen sei. „Das ist vollkommen verkehrt“, mahnt der Buddhist. Nicht der monatliche Gehaltsscheck, sondern „der Zweck des Geldverdienens sollte das Glück der Menschen“ darstellen
Der Dalai Lama behauptet, das Grundübel zu kennen: „Wir wollen immer mehr und mehr und mehr.“ Reichtum, Schönheit, Karriere, den idealen Partner, perfekte Kinder, die neueste Mode, das teuerste Auto, Anerkennung, Status, Lob – in der Hektik agierten viele Menschen wie Automaten, deren Zweck allein das Geldverdienen sei. „Das ist vollkommen verkehrt“, mahnt der Buddhist. Nicht der monatliche Gehaltsscheck, sondern „der Zweck des Geldverdienens sollte das Glück der Menschen“ darstellen.
Wenn sich denn ein Zeitfenster öffnet, könnte man sich schon mal fragen, ob Konsum ein tragendes und ausfüllendes Lebenskonzept ist. *Wir wollen immer mehr und mehr und mehr*, findet der Dalai Lama. Reichtum, Schönheit, Karriere, den idealen Partner, perfekte Kinder, die neueste Mode, das teuerste Auto, Anerkennung, Status, Lob - in der Hektik agieren viele Menschen wie Automaten, deren Zweck allein das Geldverdienen sei. 

Mein Prof von der Kunstaka kommt mir in den Sinn - damals bereits mehrfacher Millionär. Er schwärmte von einem seiner schönsten Urlaube: als junger Kerl ohne Geld in den Taschen überquerte er mit zwei Freunden die Alpen auf dem Fahrrad, unterwegs übernachteten sie in Scheunen auf dem Stroh... Erlebnisse, die man nicht kaufen kann...
 
Nochmals komme ich auf den Dalai Lama zurück. Er wurde gefragt, was ihn am meisten überrascht; er sagte: *Der Mensch, denn er opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht genießt; das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt.*



Ostern verbinde ich mit Hefegbäck. Das hat sich in den letzten fünf Jahren nicht geändert. Nur vertraue ich mittlerweile auf meine altbewährten Rezepte. Eigentlich kennt ihr die Zutaten für den Mohnstriezel schon. Der Hefeteig ist nichts anderes wie der Schuedi und die Füllung gleicht nahezu den Mohnstriezel-Plätzchen (von denen ihr ebenso fein die Nuss-Füllung für den Zopf aufgreifen könnt) Ich habe lediglich alles neu kombiniert. Vielleicht kann ich so vormachen, wie schön sich mit guten Rezepten spielen läßt.

Zutaten:

Hefeteig:
300g Mehl
135ml Milch
40g Butter
30g Zucker
1 Ei
1/4 TL Salz
20g Hefe

Mohnfüllung:
140g Mohn, gemahlen
50g Butter
120ml Milch 
80g Marzipan
40g Mandelblättchen, fein gehackt
1 Orange, Abrieb davon
1/4 TL Kardamom
1 Ei

Streusel:
60g Mehl
60g gehobelte Mandeln
60g Rohrzucker
60g Butter, kalt in Flöckchen
1TL Sugar-Spice

Aprikosenmarmelade
etwas Zuckerguß


Zubereitung:


Hefe in 3 Esslöffel Milch auflösen und beiseite stellen. Restliche Milch, Butter und Zucker erhitzen, bis die Butter geschmolzen ist. Auf mindestens 38°C abkühlen lassen, sonst sterben die Hefekulturen ab. Ei unterschlagen.

Mehl in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben. Milchmischung und aufgelöste Hefe hinzufügen. Alles 4 Minuten auf Stufe 1 (von 4) kneten. Salz hinzugeben und auf Stufe 2 weitere 8 Minuten kneten. Zugedeckt an einem warmen Ort ca. 40 Minuten ruhen lassen.

Für die Mohnfüllung Mohn, Butter, Milch, kleingeschnittenen Marzipan und Gewürze kurz aufkochen, gut verrühren und 30min quellen lassen. Dann das Ei untermischen.

Die Zutaten für die Streusel miteinander homogen verkneten und kalt stellen.

Den Teig entgasen und kurz entspannen lassen, dann auswellen auf etwa 40cm x 30cm. Mit der Mohnfüllung bestreichen und von der langen Seite her aufrollen. Den Zopf auf ein Blech, das mit Backpaier ausgelegt ist, umsetzen. Nun mittig der Länge nach durchschneiden und die beiden Hälften miteinander gegeneinander verdrehen. Abgedeckt nochmals etwa eine knappe Stunde gehen lassen.

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. 

Den Zopf mit Wasser bestreichen und die Streusel darauf bröselig verteilen und etwas andrücken.

Den Striezel auf der zweiten Schiene von unten einschieben (m: mit Dampf) und ca. 35min backen.

Die Aprikosenmarmelade (etwa 3 EL) mit ein wenig Wasser erhitzen und grob aprikotieren (= optional). Abkühlen lassen.

Dann - wer mag - den Zopf mit Zuckerguß ebenfalls grob besprenkeln. Voilà!


Als kleines Special stelle ich euch nochmals ein Oster-Board mit Hefe-Gepäcken aus der Blog-eigenen Bäckerei zusammen. Darüber hinaus gibt es außerdem das Board Osterschleckereien I und Osterschleckerein II (mit Überschneidungen bei den unangezweifelten Gassenhauern ;)







Mitgefühl: Kleine Mohnstrudel oder Schoko-Nuss-Striezelchen

Sonntag, 9. Dezember 2018


Die oberste Maxime aller praktizierten Religionen sind Friede und Mitgefühl. Vielleicht aber sind diese Tugenden auch nichts anderes wie grundlegende Ethik, wie der Takt des Herzens, wie angewandte, innerer Werte, wie allgemeine Herzensbildung... So oder so - egal wie man es dreht und wendet - etwas, wozu man sich an einem 2. Advent durchaus Gedanken machen kann, so man denn will...

Im Judentum erzählt eine kleine Geschichte davon, dass Mitgefühl schicksalshafte, ja lebensrettende Auswirkungen haben kann.

Im Sufismus wird die Empathie *als eine notwendige Stufe* angesehen, um sich überhaupt als menschliches Wesen zu qualifizieren, denn sie stellt eine Herzensqualität dar, die sich erst entwickelt als *ein Folgephänomen einer angewandten Handlung*.

Um Mitgefühl - Karuna - kommt man ebensowenig im Sanskrit herum, vorallem wer danach strebt, ein echter Bodhisattva zu sein - Mitgefühl und Güte ist der höchste Dharma der Guten.

Papst Franziskus hat den Kampf gegen Armut zur Chefsache erklärt. So führte er letztes Jahr einen *Welttag der Armen ein*, an dem er einläd, *den Blick auf jene zu richten, die unsere Solidarität erflehen.* Auch wenn die Armen in den Augen der Welt wenig Ansehen genießen, so sind sie doch die, die uns den Weg zum Himmel öffnen, sie sind unser *Reisepass für das Paradies*, sagte der Papst in seiner Predigt  

Innere Werte wie *compassion* könnten jedoch nicht oder jedenfalls nicht überall auf die Religion gegründet werden, so die Haltung des Dalai Lama. Denn dann würden sie nicht die rund eine Milliarde Nichtgläubigen auf der Welt ansprechen. „Also brauchen wir Bildung über moralische Prinzipien, moralische Ethik, die nicht auf Religion gegründet ist, sondern auf wissenschaftliche Erkenntnisse und gemeinsame Erfahrung und den gemeinen Menschenverstand.“ Ethik first quasi.

Zwei weitere (aktuelle) Links passen hierzu noch ganz gut dazu:

° 25 Jahre *die Tafel* in Deutschland - mit immer mehr Rentnern, Kindern und Jugendlichen  (s. auch Deutschlandfunk)

° Forderung der Gelbwesten (s. ebenfalls wiederum Deutschlandfunk)

Meine kulinarische Empathie konzentriert sich heute blogtechnisch auf die Sanierung eines Links, der mittlerweile ins Leere läuft. Die kleinen Mohnstrudel hatte ich als Gastbeitrag bei Stephanies Blog *Stylingfieber* veröffentlicht - den sie allerdings seit geraumer Zeit geschlossen hat (hach, das allgemeine, fürchterliche Blogsterben...). Als ich sie unter meine diesjährigen Lieblinge auflisten wollte und eben jenen Missstand entdeckte, war klar, dass das für mich DIE Gelegenheit ist, sie uns für diesen Advent wieder zu backen. Neu im Angebot: die Schoko-Nuss-Füllung... für all jeden, die nicht nachvollziehbarerweise etwas gegen Mohn haben sollten...


Zutaten - ca. 2 Bleche:

Teig
250g Mehl (m: D 630)
60g Butter
50ml Öl (m: Sonnenblume)
60ml Wasser, lauwarm
1 Pr Salz
1 TL Vanillezucker

Mohn-Füllung:
140g Mohn, gemahlen*
50g Butter
100ml Milch
70g Marzipan (oder 50g Zucker) 
40g Mandelblättchen, fein gehackt
1 Orange, Abrieb davon
1 TL Kardamom

ODER
Schoko-Nuss-Füllung:
90g Schoko (m: 70% Kakao)
50g Haselnuss, gehackt (m: Krokant)
150g Haselnuss, gemahlen
90g Zucker
2 TL Kakao-Pulver
1 TL Zimt*
2 Msp Nelke*
2 Msp Macis*
2 TL Mandelmus
4 EL Sahne (evt. etwas mehr)

Hagelzucker

Zubereitung:

Öl und Butter zusammen erwärmen und schmelzen. Handwarmes Wasser, Zucker und Mehl dazugeben und alles mit den Knethaken des Handrührers zu einem glatten Teig verkneten. Abgedeckt für mindestens 30 Minuten kalt stellen.

Für die Mohnfüllung Mohn, Butter, Milch, kleingeschnittenen Marzipan und Gewürze aufkochen und 30min quellen lassen/ für die Schoko-Nuss-Füllung die Schokolade klein hacken. Haselnüsse, Zimt, Kakaopulver, Zucker, Mandelmus und Schokolade vermengen. Etwas Sahne (ca. 3-5 El) untermischen, sodass eine homogene, gerade so streichfähige Paste entsteht (darf auf keinen Fall zu flüssig werden!)

Den Teig auf wenig Mehl etwa 5 mm dick zu einem Rechteck  (ca. 40cm x 25cm) ausrollen. Die Mohnfüllung mit einem Esslöffel darauf verstreichen. Den Teig von der langen Seite aus aufrollen. Die Teigrolle (leicht angefeutet) im Hagelzucker wälzen und die Körnchen gut (!) andrücken. Die Rolle für 30 Minuten kalt stellen.

Den Backofen auf 180 Grad, Umluft 160 Grad, Gas Stufe 3 vorheizen. Die Teigrolle mit einem scharfen Messer, weil sonst der elastische Teig nicht geschnitten, sondern gequetscht wird, in etwa ½ cm dicke Scheiben schneiden. Durch den leichten Druck des Messers bekommen die Scheiben ihre ovale Form (m: ich habe sie wieder nach dem Schneiden leicht in eine runde Form gedrückt).

Die Plätzchen auf mit Backpapier ausgelegte Backbleche setzen und etwa 12-15 Minuten backen.

*Anmerkung m: ACHTUNG - die angegebenen Zutaten für eine Füllung (ob mit Mohn oder Schoko) bezieht sich immer auf die zuerst genannte Teigmenge. Ich hatte die Mengen halbiert und dementsprechend je auf eine Hälfte des ausgewellten Teiges verteilt.

Inspiration: Brigitte


1. Advent: Bethmännchen aka Marzipan-Kartoffeln

Sonntag, 2. Dezember 2018


Mit dem Start in die Adventszeit schlägt in Südfrankreich das Wetter vor, es sich drinnen muggelig zu machen. Einiges bietet dafür 3sat mit seiner Dokumentarfilm-Woche. Leider bleibt mir dank Fck-Geoblocking der Zugriff auf die Mediathek verwehrt, aber innerhalb von DEU, AUT und CH sollte es klappen.

*Unser täglich Brot* habe ich vor Jahren bereits gesehen - ein lohnenswerter Einblick in die Produktionsweise industrielle Ernährung. Sollten die nächsten Generationen fragen, wie wir das zulassen konnten, stecken wir in Erklärungsnot. So mitten im Informationszeitalter. Schale Ausreden à la *Das wußten wir ja gar nicht* darf man stecken lassen....

Die preisgekrönte Doku *More than Honey* fasziniert kurzweilig mit seinen Einblicken rund um das Wesen der Biene sowie eines ganzen Bienenvolkes. Ach, und als amerikanischer Ernährungsindustrie-Hochleistungsimker muss man die überlebenden Bienenvölker mit Antibiotika behandeln... krass...

Besondere Freude hatte ich an *Weit* - ein Freiburger Pärchen macht sich für mehrere Jahre auf Weltreise. Prima genauso ihre kleine Serie *Ohne Flugzeug um die Welt (1)-(28)*. Wer beim Gucken kein Fernweh bekommt, ist definitiv auf anderem Holz geschnitzt wie ich. Jugend ganz nach meinem Gusto! 

Dabei demonstrieren sie eindrücklich, dass ein solches Unterfangen keine Frage des Geldes ist. Es braucht den Reisepass des richtigen Landes (was beneiden uns viele darum), viel Neugier, die Sehnsucht nach Natur und Landschaft und die Bereitschaft mit wenig und Veränderung gut zurechtzukommen. Wer genau hinsieht, der entdeckt in *Weit* auch eine Hommage von Patrick an Gwen - seine Kamera ist stets mit liebevollen Augen auf sie gerichtet. Und eindeutig: eine solche Reise schweißt zusammen - so schnell bekommt die zwei nichts mehr auseinander.

Was mir aus *Weit* als Wissensdetail für die Ewigkeit bleiben wird, ist, dass ein mittelgroßes Containerschiff 180 Tonnen Schweröl verbraucht. Am Tag! (Näheres siehe etwa hier). Da kommt einem die Dieselabgassteuer - auch Ökosteuer - wie ein schlechter Witz vor...

*Was am Ende bleibt, ist die Erfahrung* resümieren sie ihre Doku. Das erinnerte mich, wie mühselig der Habib in den Seminaren den Teilnehmern versuchte zu vermitteln, dass der Sinn des Lebens die Erfahrung ist. Über diesen Satz darf man ruhig mal innehalten. *Der Sinn des Lebens ist die Erfahrung!*

Denn *Nein*, das hat rein gar nichts mit *Lernen* zu tun. Genau diese Diskussion schloß sich jedes Mal an. Generell werden diese zwei Qualitäten miteinander verwechselt. *Lernen* meint die Theorie, das Abrufen von geübten, trainierten, einstudierten Mustern. Erfahrung hingegen ist die Praxis, das Erleben. Das höchstpersönliche Hinausgehen in die Welt. Keine Theorie, kein Lesen, kein Seminar kann die eigene Erfahrung ersetzen. Nichts hat auch nur eine annähernde Tiefe. Erst mittels Erfahrung kann der Mensch Erkenntnis gewinnen. Und erst durch Erkenntnis kann der Mensch beginnen, sich Kraft seines Willens aus sich selbst heraus zu formen.

Kulinarische Tradtionen werden bei *grain de sel - Salzkorn* gepflegt. So komme ich zum ersten Advent mit einem neuen Plätzchenrezept ums Eck. Wer Marzipan-Kartoffeln liebt, der wird auch diese Bethmännchen mögen. Beim nächsten Mal würde ich mir das Glasieren mit Eigelb sparen - das tut für diese Plätzchen rein gar nichts. Vielleicht könnte man sie stattdessen durch etwas Kakao rollen?


Zutaten - ca. 35 Stück:

250g Marzipan, grob gehackt
1 Eiweiß
70g Puderzucker, gesiebt
65g Mandeln, gemahlen (m: geschält)
40g Mehl (m: D630)
2 TL Orangenwasser 
(oder 3 Tropfen Rosenwasser)

60g Mangeln, ganz, geschält, halbiert

Zubereitung:

Alle Zutaten von hand zu einer homogenen Masse verkneten und eine gute Stunde klat stellen. 35 Kugeln formen (Teig klebt etwas dabei, Hände leicht anfeuchten hilft). Je 3 Mandelhälften auf die Kugeln drücken - mit der Spitze nach oben. Dann die Bethmännchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen.

(Wer mag glasiert die Bethmännchen mit Eigelb (+ 1 EL Wasser verquirlt) (würde ich beim nächsten Mal nicht mehr machen) - das schützt wohl vor schnellerem Austrocknen.

Im vorgeheizten Ofen bei 150° (O/U-Hitze) ca. 15min backen. Abkühlen lassen und dann in einer Dose aufbewahren.

Quelle: Brigitte