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Brokkoli-Kartoffel-Puffis mit Käse

Dienstag, 17. März 2026

 

Mit meinem mittelalten Erfahrungshorizont fällt mir auf, dass es bei manchen Themen gerne am ganz Grundsätzlichen hapert. Eines meiner Lieblingsbeispiele dafür ist Homöopathie. Es lohnt nicht, also überhaupt nicht, mit Menschen darüber zu diskutieren, die keinerlei Vorstellung haben von *Geist*. Da mangelt es (leider) an der Basic, dass Leben auf dem Planet Erde eine Zusammensetzung aus Materie (Hülle) und Geist (Inneres) ist. 

Ähnliches ist mir zum Thema menschliche Beziehung aufgefallen. Der Hauptgrund, warum viele Beziehungen scheitern, ist die banale Tatsache, dass der Andere nicht anders sein darf. Das klingt regelrecht dämlich, aber beobachtet doch selbst: wie schnell geht da ein Tauziehen los, wer *richtiger* ist. Auch darüber hatte ich es bereits. Eine epische Mächte-Rangelei, bei der jedes freundliche Gefühl mit Füßen gestoßen wird.

Öl auf meine Mühlen gießt unterstützend der Psychologe Ulrich Wilken (Insta), von dem ich mir nun bereits ein paar Reels angehört habe, die ich alle anregend empfand.

Ulrich Wilken schaut auf 40 Jahre therapeutischen Arbeitens zurück und nimmt dabei wiederkehrende Verhaltensmuster war. Wesentlicher Grund für die Differenzen von Paaren sei nicht die schlechte Kommunikation - das ist lediglich die Auswirkung. Er sagt: *was im Grund die Missverständnisse erzeugt, ist die innere Schwierigkeit, den anderen in seinem Anderssein zu akzeptieren.*

Stattdessen erwarte man, dass sich der andere dem eigenen Sein angleiche. Was einer Grundkränkung gleichkäme, weil was als Botschaft dabei vermittelt wird ist: Du bist falsch. Und dann fängt die Hackerei erst an mit *Ich? Was! Nein, DU bist nicht richtig! *Und worum streiten die Paare: wer die Welt richtig sieht, wer hat recht hat. Das ist die Form der Kommunikation. Die eigentlichen Missverständnisse sind auf diese Weise sogar erwartbar.*

Zwangsläufig geht die Neugier für den Anderen und seine Sicht der Dinge flöten - und zwar ganz unabhängig davon, ob man diese Sichtweise teilt oder nicht. Obendrein beraubt man sich dabei der Möglichkeit, seinen eigenen Horizont durch den Austausch mit einem anderen zu erweitern.

Das ist das Wichtige, fasst Ulrich Wilken zusammen: es hängt auch hier von der eigenen Haltung ab, von dem eigenen Sein, von der eigenen Perspektive auf die Welt und NICHT, dass der andere sich dem eigenen Sein angleichen muss. Es gilt eine innere Haltung und Wertschätzung zu entwickeln, ohne diesen Wunsch, dass sich der andere verändern möge, weil erst dann - so die Utopie - wird alles gut werden. Und das ist wiederum das Unwahrscheinlichste, was überhaupt passieren kann.*

Nicht wirklich Raketenphysik, doch logisch, oder? Keiner will, dass an einem rumgedoktort wird. Nur in der Umsetzung rappelts im Karton. 

Leichterdings kann man Paarbeziehung dann weiter hochabstrahieren, wenn es um Gruppenbildung geht. Da verschanzt sich dann der Mainstream hinter dem Block: wir denken ALLE so und wer es anders handhabt, muss falsch gepolt sein. Oder gar wenn es sich um Konflikte zwischen verschiedenen Ländern handelt. So dass die Schlußfolgerung lautet: frei lassen und Freiheit überhaupt vermag allein das Individuum.



Schön, dekliniere ich weiterhin die Gemüse-Bratlinge dieser Welt durch. Wieder eine neue Variante. Ähnliches habt ihr hier - bien sûr - bereits schon gesehen. Aber was will ich machen: ich liebe Puffis.

* etwa die Kartoffel-Calzone

* der Kinderteller

* oder die Blumenkohl-Kartoffel-Käslinge

... alles Artverwandte im Blog-Universum

Einen kleinen Umweg bastle ich in Zubereitung ein, um die wertvollen Inhaltsstoffe des Brokkoli nicht zu verderben - alle anderen, die einen Teufel drauf geben, werfen ihn mit den Kartoffeln in einen Topf.

Neuerdings bekommt der Brokkoli nämlich mehr Zeit von mir, seitdem ich folgendes weiß: bei Brokkoli reichert sich der gesundheitsförderliche Pflanzenstoff Sulforaphan an, wenn das Gemüse klein geschnitten wird und danach ruhen kann. Schneidet man den Brokkoli auf, wird ein Enzym aktiviert, welches die enthaltenen Senfölgykoside in Sulforaphan umwandelt. Je mehr Zeit man dem Enzym nach dem Schneiden gibt, desto mehr Sulforaphan bildet sich. Anschließend wird der Brokkoli gedünstet oder gebraten - voilà, voilà. Jetzt wißt ihr das auch.


Zutaten ca. 8 Stück:

400g Kartoffeln
250g Brokkoli
1 Ei
30g Kartoffel-Stärke
40g Mehl (m: D1050)
Salz, Pfeffer
Muskatnuss-Abrieb
optional: Kräuter der Wahl
(m: Bärlauch passt gerade prima)
4 Scheiben Käse
Sonnenblumenöl


Zubereitung:

Kartoffeln schälen, kleinschneiden und als Salzkartoffeln garen, abschütten und ausdampfen lassen. Brokkoli (s.o.) klein schneiden, ruhen lassen und dann je nach Lust entweder dämpfen oder braten (nicht zu weich: wegen der Inhaltsstoffe). Den Käse zu acht Vierecken schneiden

Alle Zutaten miteinander vermengen und würzen. Der Teig wird ziemlich klebrig bleiben, aber dafür in der Pfanne gut zusammen halten. Am besten, man arbeitet nun mit leicht geölten Händen. Den Teil aufteilen in etwa 8 gleichgroße Bälle. 

Einen Ball auf der Innenseite der linken Hand zu einem dünnen Kreis drücken mit Hilfe der rechten Hand. Den Käse in die Mitte legen und den Teig, die Teigränder darüberlegen und dann gut verschließen. Wenn der Käse noch irgendwo an der Seite rausguckt, dann läuft er während dem Backen gerne raus...

Nun von beiden Seiten die Puffis goldbraun braten.

Loop: Broccoli-Cheese-Fritters

Dienstag, 13. Januar 2026

 

Beginne ich das neue Jahr wie ich das alte beendet habe: einfache Landküche für jeden Tag, bref: mit Gemüseküche samt Gemüse-Puffer. Sowie weiterhin musikalischer Unterlegung. Angedacht fürs normale, einfache Volk. Also für all jene, die sich graue Tage gerne bunt kochen, für all jene, die sich nicht davor drücken, eine eigene Meinung zu entwickeln, für alle Gegen-den-Strom-Schwimmer, für Menschen mit âme rebelle wie in der Drôme, mit Natur-, Gemüse- und Küchenbezug, halt für alle, die sich das Leben etwas schöner kochen wollen. Sucht euch was aus.

Die Süßkartoffel-Gnocchi kennt ihr bereits. Ich liebe sie. Best of. Und so leicht kann man das Rezept mengenmäßig strecken. Sie werden am nächsten Tag nur noch knuspriger! Zigfach habe ich sie schon auf den Tisch gebracht. 

Verschriftlicht habe ich auch endlich mal mein Gewürzrotkraut. Mit Rotwein, genau wie es die Omas zubereitet haben. Auch das Rotkraut schmeckt am nächsten Tag aufgewärmt nochmals besser.



Das hundertundeinste Gemüsepflanzerl bildet den Mittelpunkt - Gnocchi und Rotkohl waren nämlich Reste vom Vortag - ihr habt es euch vermutlich bereits gedacht. Fritters mit viel Brokkoli und viel Käse. Kann nicht anders als schmecken. Außerdem halten sie gut zusammen, die Konsistenz stimmt und viel Öl zum Braten benötigen sie nicht - lauter wichtige Pflanzerl-Qualitätsmerkmale!


Zutaten 2P/ 7 Stück:

1 Brokkoli
2 EL Mehl (m: Dinkel 1050)
1 EL Kartoffel-Stärke
1 Ei
1/2 Feta (ca. 100-125g)
60g Käse, gerieben (m: Comté)
2 EL Petersilie, fein gehackt
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl

Zubereitung:

Brokkoli in Röschen teilen, Stiel schälen und klein schneiden und über Wasserdampf garen (nicht in Wasser kochen - sonst gehen die Vitamine im Wasser flöten).

Wenn der Brokkoli gar ist, diesen etwas abkühlen lassen, dann mit einem großen Messer fein bis mittelfein wiegen. 

Alle Zutaten miteinander vermengen, Feta-Käse dafür mittelfein gekrümmelt. Und dann mit den Händen 7 Kugeln formen und platt drücken. In einer Pfanne das Olivenöl erhitzen und die Fitters von beiden Seiten goldbraun braten.


Zutaten 4P:

1 Rotkohl
1 rote Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 TL Rohrzucker
150ml Rotwein
60ml Balsamico-Essig
100ml Gemüsebrühe
1 EL Tamari
2 EL Preiselbeeren
1 Sternanis
2 Nelken
1 Stück Zimt
4 Piment-Körner
7 Pefferkörner
1/2 TL Kreuzkümmel
2 Lorbeer-Blätter
1 TL Thymian
Olivenöl

Zubereitung:

Gewürze - Sternanis, Nelke, Zimt, Piment, Pfeffer, Kreuzkümmel) in einem schweren Topf ohne Fett anrösten bis sie duften und in ein Gewürzsäckchen (Teebeutel) füllen. 

Rotkohl vierteln, Strunk entfernen und in feine Streifen schneiden. Zwiebeln schälen, halbieren und ebenfalls in feine Streifen schneiden.

Zwiebeln im erhitzen Olivenöl glasig dünsten, fein gewürfelten Knofi und Rohrzucker zufügen und kurz mitschwitzen. Rotkohl zufügen, Rotwein, Balsamico und Gemüsebrühe zufügen, ca. 1 TL Salz, das Gewürzsäckchen, Lorbeerblätter und Thymian sowie die Preiselbeeren. Deckel auflegen und bei sanfter Hitze in ca einer Stunde weich garen. Gegebenenfalls noch etwas Gemüsebrühe anschütten, sollte wärend des Kochens zuviel Flüssigkeit verdampfen. Abschmecken mit Tamari (eventeull noch etwas Balsamico und Rohrzucker). 

Vor dem Servieren Gewürzsäckchen und Lorbeerblätter entfernen.


Maktub - käsige Kürbis-Plätzchen

Sonntag, 16. November 2025


Maktub (مكتوب) kommt aus dem Arabischen und bedeutet wörtlich übersetzt 'es steht geschrieben'. Maktub wird in ähnlichem Sinne verwendet wie Schicksal. Wie Kismet. Für all jene, die an Schicksal glauben, gibt es so etwas wie eine Bestimmung für jeden einzelnen Menschen. 'Matub' bedeutet, dass die wesentlichen Eckpfeiler des Lebens bereits mit der Geburt feststehen. Man könnte von einem Lebensplan reden. Das heißt konsequenterweise, dass manche Ereignisse unausweichlich sind, unabänderbar: die Stunde des Todes, ein Unfall, eine Begegnung, die Anzahl der Kinder...

Mir ist diese Vorstellung von Schicksal zum ersten Mal in Paulo Coehlos Buch *Der Alchimist* begegnet. Zu jedem Anfang gehört ein entsprechendes Ende sowie eine Entwicklung, die die beiden miteinander verbindet. Nichts anderes versucht die Numerologie zu vermitteln: mit der 1 - dem Beginn - ist schon alles da. Der Rest wickelt sich lediglich aus. Dem Samen liegt die komplette Entwicklung bereits inne. Eigentlich logisch, oder?! Das kann man durchaus als kosmisches Gesetz nehmen und zwar für alle Anfänge: so wie etwas beginnt, wird es auch weitergehen.

Mich fasziniert diese Vorstellung von einer höheren Ordnung, einem tieferen Sinn in allem. Und ich bin damit fein, dass sich diese Idee in einer Größenordnung abspielt, die das menschliche Fassungsvermögen übersteigt. Vermutlich braucht es höchstpersönliche Erlebnisse, die eine Ahnung davon vermitteln. Wenn man jemanden trifft etwa, mit dem man direkt vertraut ist.

Für mich gibt es keine Zufälle - es ist maktub. Alles ist vorgezeichnet. Besonders begeistert mich dabei gerade mein Habib, der als hervorragendes Testimonial dient. Nun, da er Kraft seines Alters (man könnte sagen) das Hochplateau seines Lebens erreicht hat, ist es ihm möglich, weit ins Tal seiner Biographie zu schauen. Und die Geschehnisse verknüpfen sich rückblickend auf erstaunlichste Art und Weise, ja, als ob sich Perlen auf einer Schnur auffädeln.

*Wir hören von einer besonderen Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke erkenntlich sind, dass sie der Krone gehören. *(Goehte)

Ein offensichtlich roter Faden zieht sich durch das Leben des Habib und ich bin SEHR gespannt, ob ich diesen bei mir wohl irgendwann genau so deutlich erkennen darf. Bestimmt braucht es dafür ein gewisses Alter, noch bestimmter braucht es dafür Bewußtsein und Forscherdrang, was einen eigentlich selbst im Inneren zusammenhält. Beide haben wir keine Zweifel, dass wir geführt werden. Wer das verinnerlicht hat, bekommt die Möglichkeit Zuschauer seines eigenen Lebens zu werden, etwas mehr Abstand zu sich zu gewinnen. Einhergehend mit mehr Klarheit.

Ich erinnere mich, wie wir in meiner Kindheit einen Ausflug in den Stadtpark unternommen haben. Dort gab es eine kleine Anlage, in der Kinder in bunten Metallautos ihre Runden ziehen durften. Ich war vielleicht im Kindergartenalter. Und ich weiß noch haargenau, wie ich mir am Lenkrad hochkonzentriert einen abgekurbelt habe: bloß nicht aus der Kurve fallen. Wie hätte ich verstehen sollen, dass die Autos auf Schienen liefen und mein Einsatz völlig umsonst ist?

So in etwa stelle ich mir *maktub* vor. Manches läuft wie auf Schienen. Bien sûr nicht starr. Das Leben wäre nicht das Leben, wenn es nicht Bewegung in alles bringen würde. Und der Menscht hat - im Gegensatz zum Tier - durch die Superkraft der Überwindung, die Möglichkeit sich selbst zu ändern. Aber manche Ereignisse laufen ab, wie sie ablaufen sollen. Zwangsläufig. Egal ob ich kaspere oder nicht. Angenommen, dem ist so, dann hilft das doch enorm zu mehr Gelassenheit und Akzeptanz. Gleichzeitig bekommt mein Kanarienvogel Ego in seiner Verblendung als großer Maker ordentlich eins auf den Schnabel, während dem Menschlein nur bleibt, demütig die Augen gen Sternengewölbe zu heben. Ich finde, das nimmt viel Druck raus.

Manches ist, wie es ist. Es läßt sich nicht ändern. Aber auf diese Weise verschiebt sich die Wahrnehmung. Möglicherweise auch die Bewertung dessen, was mir passiert. Oder was ich selbst treibe. Denn für alle, die von Vorherbestimmung ausgehen, liegt die eigentliche Freiheit weniger im Reagieren als viel feinstofflicher in der Empfindung: *Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus* (Marie von Ebner-Eschenbach).  



November. Zeit für das erste Kürbisrezept! Mein liebster Kürbis ist und bleibt seit langem der Butternut. Den muss man zwar im Gegensatz zum Hokkaido schälen, aber ich finde der Butternut schmeckt einfach um Welten besser. 

Diese Rezept-Idee hat mir so gut gefallen, dass ich sie schon mehrfach ausprobiert habe. Dabei habe ich die Plätzchen dann auch mit unterschiedlichem Käse gefüllt, nur mit viel Salbei serviert, als Salat Plus-Essen, mit Mangold oder mit Kale-Wirsing. Immer prima. 


Zutaten 8 Stück:

350g Kürbismus (m: Butternut)*
100g Hartweizengrieß*
80g Vollkornmehl (m: Einkorn)
1 Ei
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
Piment d'Espelette
ca. 100g Gauda (m: Comté)*
Salbei
Butter/ Olivenöl




Zubereitung:

Für das Kürbismus den Kürbis am besten im Ofen garen  - dafür in dünne Spalten schneiden (oder gewürfelt im Topf mit sehr wenig Wasser). Je 'trockener* das Kürbismus umso weniger klebt der Teig später.

Nun alle Teigzutaten mischen. In etwa 8 gleichgroße Teigkugeln teilen. Die Kugeln auf der flachen Hand platt drücken. Mit geölten Hände geht es leichter, sollte der Teig noch kleben. Man kann auch noch etwas mehr Mehl zufügen, aber dann werden die Pätzchen in der Konsistenz auch fester. Nun ein Quader-förmiges Stück Käse (nicht zu knausrig von der Größe) in die Mitte setzen und mit Teig umschließen. Dabei auch in Plätzchenoptik formen.

Einige Salbeiblätter in etwas Öl kross frittieren.

In einer großen Pfanne ein Gemisch aus Butter und Öl erhitzen und die 8 Kürbis-Plätzchen mit weiterem Salbei von beiden Seiten goldbraun braten.

Wer mag toppt zum Servieren mit gerösteten Kürbiskernen und Parmesan - zusätzlich zum frittierten Salbei.

Anmerkung m: je mehr Mehl/ Grieß verwendet wird, umso fester werden die Plätzchen. Selbst wenn der Teig noch kleben sollte, mit öligen Händen läßt er sich gut verarbeiten und in der Pfanne halten sie prima zusammen/ auch schon mit Saint Nectaire-Käse oder Tomme gefüllt - Comté, Gauda und Tomme haben die Nase vorn. Alternativ zum Hartweizengrieß kann man auch gut 180g (oder auch glatt 200g) Weizengrieß verwenden.


Kartoffel-Spätzle

Sonntag, 26. Oktober 2025

 

Zu den Sternstunden meiner Kindheit zählten die Momente bei der Oma, die mit uns im Haus über uns wohnte. Es kam leider nicht oft vor, dass wir zum Spielen hoch durften. Aber wenn, dann stellte die Oma alles zur Verfügung, was sie hatte. Wir durften in ihren durchsichtigen, Spitzen verzierten Unterkleidern Prinzessin spielen. Wir durften sogar ihr Geschmeide anlegen, dass sie gut versteckt in kleinen Schachteln zwischen den Schlüpfern versteckte. Wir durften mit gestürzten Lippen unsere Milch aus bunt dekorierten Sammeltassen nippen und von erlesenen Tellerchen Rosinen picken. Das ganze Wohnzimmer wurde zu einem einzigen Beduinen-Lager mit einer Höhle aus Decken und Kissen. Und Vorgelesen hat die Oma auch, aus dem Gebrüder Grimm-Märchenbilderbuch, das ich heute noch besitze, mit meiner Lieblingsgeschichte *Die Gänsemagd*.

Der Oma habe ich zu verdanken, dass ich ein Pferdemädchen wurde, das reiten lernte. Und besonders an der Oma schätze ich ihren Gerechtigkeitssinn: nie hat sie eines ihrer Enkelkinder bevorzugt. Stets war sie im Geben auf gleiches Maß bedacht. Streng führte sie Buch darüber.

Zur Krönung bekam dann mal nur eines der Mädchen ihre Aufmerksamkeit. Ganz exklusiv. Dafür wurde man höchstpersönlich zum Mittagessen eingeladen und durffe sich sein Lieblingsgericht wünschen. Mein Lieblingsessen waren Kartoffel-Spätzle mit Rahm-Spinat. Angeblich mögen viele Kinder keinen Spinat, aber ich fand Spinat schon immer super. Die Oma behauptete von sich, dass niemand schönere Spätzle schaben könne, als sie. Und ich sehe, das alte, abgewetzte Messer mit Holzgriff noch vor mir, dass sie dafür stets benutzte.



Selbst wenn im Wesentlichen der Haussegen mehr als schief hing , so gab es doch immer Momente, die für kleine Lichtsprinkler sorgten. Leben eben.

An Kartoffel-Spätzle hatte ich mich schon mal versucht. Aber Ionen trennten sie von den Spätzle von der Oma. Und nun wurden sie mir wieder in Erinnerung gebracht! Vielen lieben Dank in die Pfalz an Susanne und Axel, die mir dieses Familien-Rezept erneut auferstehen ließen.

Wie es sich für ein derart vergangenheitsschwangeres Gericht gebührt, habe ich mich gehörig daran abgearbeitet. Denn je simpler ein Rezept ist, umso mehr Spielraum. Zumal ein waschechtes Omi-Rezept nicht wirklich nach Grammangaben funktioniert, sondern par pife (der Nase nach) gemacht wird wie der Fränzi sagt, halt aus der Lameng geschüttelt. Kartoffel-Spätzle bestehen aus rohen Kartoffeln, Mehl, Ei und Salz - der Rest ist Tingeltangel. Also ob man noch Muskatnuss-Abrieb zufügt, oder Thymian... Und die richtige Teigkonsistenz: das sieht man dann schon. Ihr versteht...



Ich habe also - wie von Susanne und Axel weitergegeben - die Kartoffeln im Hexler zerkleiner. Mal etwas feiner, mal ein wenig gröber. Dann habe ich sie fein gerieben und zuletzt die Raspel-Seite verwendet, die man sonst nie benutzt (ich nur für frischen Meerrettich) - und die stellte sich letztlich als Oma-Seite heraus. Ich habe aus dem Teig kleine Nocken geformt, ich habe ihn durchs Knöpfli-Brett gedrückt und selbstredend klassisch geschabt. Ich habe sie am nächsten Tag angebraten oder direkt verwendet... Alles richtig spitze! Je einfacher ein Rezept, umso alltäglicher landet es auf dem Tisch. Und solche Rezepte mag ich ja gerade besonders, wie die kürzlich verbloggten Quinoa-Pfannkuchen etwa...

Aber hier eine Richtlinie, die ich so auch von Susanne und Axel erhalten habe. Der Rest ist ausprobieren. Auch habe ich festgestellt, dass die frischen Kartoffeln jetzt etwas mehr Mehl benötigen, wie später, wenn sie bereits einige Zeit lagerten.



Zutaten ca. 3P:

ca. 350g Kartoffeln (m: Mona Lisa)*
1 Ei
ca. 150g Mehl (+/-  m: D1050)
Muskatnuss
Salz


Zubereitung:

Kartoffeln fein raspeln oder grob schneiden und in der Küchenmaschine fein hexeln oder zusammen mit dem Ei in einem hohen Gefäß mit dem Zauberstab pürieren. Mehl und Ei zufügen und weder zu einem zu flüssigen noch zu festen Teig vermengen. 5-10min ruhen lassen. Der Kartoffelspätzle-Teig ist etwas flüssiger als der klassische Spätzleteig. Den Kartoffelspätzle-Teig wird auch nicht geschlagen, bis er Blasen wirft wie sein Bruder;

Nun entweder in reichlich kochendes Wasser zu Spätzlen schaben, mit Hilfe eines Teelöffels als Nocken ins Wasser gleiten lassen oder das Knöpfli-Brett verwenden.

Die fertigen Kartoffel-Spätzle von der Wasseroberfläche abschöpfen und gut abtropfen lassen. Entweder warm stellen - mit einem Stick Butter zwischen den Lagen. Oder etwas ausdampfen lassen und dann anbraten....

Anmerkung m: ich verwende dafür gerne eine eher mehlig kochende Kartoffelsorte, die Mona Lisa. Das Foto von den geriebenen, handgeschabten Spätzle wird nachgereicht (ausgerechnet die hatte ich nicht fotographiert).



Nicht zu vergessen all die Kombinationsmöglichkeiten - neben Rahm-Spinat. Dafür einige Links für euch, damit ihr seht, wie herrlich kompatibel Kartoffel-Spätzle sind. In der Pfalz ißt man sie auch gerne einfach mit etwas Schmand, wurde mir erzählt. Ich finde sie auch super angebraten mit viel Butter und Petersilie. Oder Pangrattato (ihr wißt schon, Semmelbrösel in viel Butter knusprig gebraten mit Thymian und Knofi). Oder etwas Raclette-Käse in der Pfanne darüber schmelzen lassen,


 Oderoder...

Cake aux Crumbles, fruits et kéfir

Donnerstag, 4. September 2025


Ein guter Bekannter setzt sich zu uns an den Tisch im Café. Wir nennen ihn immer den Ingenieur. Er hat wie der Habib viel im Ausland gearbeitet hat - eine gemeinsame Schnittmenge an Erfahrung verbindet. Er fragt, wie es geht, wie man das so macht in Frankreich, und wartet kaum die Gegenfrage ab, bevor die ganze Geschichte schon aus ihm hervorbricht: das Haus der Schwiegereltern ist vor einigen Tagen abgebrannt. Die Worte sprudeln nur so aus ihm hervor. Zwischendrin entschuldigt er sich immer wieder für seinen Redeschwall. Er sucht keinen Rat oder Hinweise: er will sich den Schock von der Seele reden. Michael Endes *Momo* fällt mir ein, die alle aufgesucht haben, um mit ihr zu reden: weil sie so gut zuhören konnte...

Traumatisierte Menschen wollen erzählen, was ihnen widerfahren ist. Das ist zumindest die Erfahrung von Trauma-Expertin Maggie Schauer (Sternstunde der Philosophie SRF Kultur): *Da können wir uns zu nutzen machen, dass Menschen so angelegt sind, Geschichten zu erzählen. Es gibt Forscher, die sagen der Mensch ist nicht ein homo erectus sondern ein homo narrans. Wir sind storyteller. Wir erzählen natürlicherweise Geschichten. Jeder will eigentlich seine Lebensgeschichte erzählen.*

Dem steht allerdings die menschliche Vermeidungsstrategien gegenüber, dass man die dunklen Kapiteln des Lebens nicht gerne Revue passieren läßt. Dabei wäre es so wichtig, sich seiner *Wunden* (Traumata) bewußt zu sein - um sie nicht weiterzugeben. Oder weiter gefasst: um als Gesellschaft sozialkompetent miteinander umgehen zu können. Kaum ein Nachkriegskind hatte eine schöne Kindheit - spricht Elke Heidenreich für eine ganze Generation. Gedemütigte, geschlagene Kinder, nicht gewollt und nicht gesehen. Und dieses Sich-gegenseitig-Wunden-schlagen hört nicht von alleine auf. Es wiederholt sich und wiederholt sich in ähnlichen und unterschiedlichen Melodien. Das Ergebnis bleibt sich gleich: beziehungsunfähige, liebesunfähige, friedensunfähige Menschen. Das Bewußtsein dafür müßte doch mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sein, weil es unsere Gesellschaft zu der Gesellschaft formt, die sie ist.

Es ist immer die Kindheit, alles andere sind Fußnoten*, betont Maggie Schauer. Die Kindheit legt den entscheidenden Boden, wie psychisch gesund jemand ist, wie ich *Leben* seelisch verarbeite. Beziehungsweise eigentlich die Kindheit der Eltern, der Großeltern, wie die Mutter schwanger mit mir war, dann meine eigene Kindheit (das sind die vererbbaren Traumata). Wir brauchen mindestens 2 Generationen vorher, um zu verstehen, wie vulnerabel oder resilient wird da ein Mensch.

Das Beste, was passieren kann, ist Emanzipation. Wohl dem, der es schafft, die Opferrolle zu verlassen ohne dabei selbst wieder zum Täter zu werden. Wohl dem, der diese Spirale zu durchbrechen vermag, der seine Vorgeschichte kennt und diese zum Nährboden macht für Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung.

Ich glaube sehr, an die heilende Kraft des Gesprächs: Was ist erquickender als das Licht? Das Gespräch! (Goethe). Nichts verbindet Mensch mehr, als sich einander zuzuwenden und zuzuhören. Ein offenes Ohr, ein mitfühlendes Herz. GROSSES Pflaster für verletzte Gefühle. Und nirgendwo geht das besser, tiefer, vertrauter, zarter, begleitender, anhaltender, zugewandter als in einer Beziehung. Je mehr ein Paar miteinander im Gespräch ist, umso glücklicher sind sie miteinander. Du kannst dich nicht als Paar aus den Augen verlieren, das Interesse kann nicht einschlafen, die Vertrautheit nicht weichen, wenn man im Gespräch bleibt. Nichts heilt wohl so sehr wie eine Liebesbeziehung.

Dabei ist uns allen bestimmt klar, dass es Grausamkeiten gibt, die sich auch mit Therapie oder guten Gesprächen nicht wieder auslöschen lassen. Da reichen ein paar Stichwörter: Hiroshima (hält die Arte-Doku zum 80. Jahrestag jemand aus?). Gaza. Sklaverei. Konzentrationslager. Guantanamo. Da will man sich nicht hindenken. Da scheint bereits das Zuhören unerträglich.

Komischerweise hat mich die Einschätzung der australischen Ureinwohner (in *Sand-Talk*) getröstet. Die Aborigines halten die Menschen für eine aggressive Spezies. Männer wie Frauen. Regelrecht erfrischend, das so nüchtern zu lesen. Endlich spricht es mal jemand aus. Und dann, ja dann erwartet man gar nicht mehr viel von anderen. Dann muss man nicht mehr irgendwie *dagegenhalten*. Dann kann man nur positiv überrascht werden.



So ernste Themen hier immer, oder? Wer liest das mit? Nun, mit dem Habib zusammen von unserem Adlernest sich die Welt genauer anzuschauen, das geht ganz gut. Aus Neugier. Auf der Suche nach Klarheit, Wahrheit, Urteilsfähigkeit. Und der Habib hat zudem so viel gesehen von der Welt, so viel wertvolle Lebenserfahrung. Solche Beobachtungen machen mein Leben reicher, tiefer. Aber je ernster man es meint mit der Welt, umso mehr Konsequenzen hat es...

Zu sauren Themen gibt es Süßes. Es ist ein Feigenjahr. Die Bäume tragen der Trockenheit zu Trotz über und über und die Früchte sind süßer denn je. Hier hat jeder einen Feigenbaum im Garten stehen. Wer keine Feigen hat, kann auch Zwetschgen stattdessen verwenden. Oder Brombeeren. Oder Himbeeren/ Blaubeeren aus der Tiefkühle....


Geschwister im Blog-Universum:


Zutaten - Kastenform 25cm:

200g Butter, weich
140g Zucker (m: Rohrzucker)
1 Pr Salz
4 Eier
260g Mehl
2 1/2 TL Back-Pu
160ml Kefir
3 EL Mohn, gemahlen
1 Limette, Abrieb davon
...
Streusel:
45g Mehl
15g Haferflocken
25g Haselnüsse
30g Zucker
40g Butter
1/2 TL Sugar Spice
...
300g Frucht (m: 250g Feigen/ 50g Brombeeren)
Zubereitung:


Zuerst die Streusel zubereiten. Dafür alle Zutaten miteinander verkneten und kalt stellen.

Ofen auf 180° (O/U-Hitze) aufheizen.

Butter mit Zucker hell cremig aufschlagen, Limettenschale zufügen und die Pise Salz. Dann ein Ei nach dem anderen unterrühren. Dann abwechselnd Mehl/ Backpu und Kefir untermischen. Teig halbieren. In die eine Hälfte den Limettensaft untermischen, in die andere den gemahlenen Mohn

Form mit Backpapier auslegen..

Die beiden Teige abwechselnd in die vorbereitete Kastenform füllen und mit einem Holzstab durchmäandern. Die Früche darauf setzen und leicht eindrücken. Zuletzt den Streusel darauf verteilen.

Den Kuchen in den heißen Ofen schieben - insgesamt für ca. 55min backen. Stäbchenprobe.

Schmeckt (mir) am besten, wenn die Aromen im Kühli über Nacht durchziehen durften.

Anmerkung m: damit der Teig-Swirl besser zu Geltung kommt, habe ich in der Zutatenliste die Dosis erhöht. Ich bekomme hier im Outback keinen gemahlenen Mohn zu kaufen und habe daher ganzen verwendet. Gemahlenen Mohn aber würde ich bevorzugen...


Freidenker: Flognarde aux abricots et basilic

Montag, 28. Juli 2025

 

Was mich ebenfalls sehr an Cornelia Funke fasziniert hat (ich bin noch nicht durch), ist ihre Bereitwilligkeit ihr eigenes Denken grundsätzlich in Frage zu stellen. Dafür braucht es VIEL Selbstbewußtsein. Unser Denken ist unsere Existenz, die wir innerlich auf einen goldenen Sockel gestellt haben. Nichts, was sich einfach umwerfen lassen würde. Alles, was daran auch nur wackelt, bedroht diese Existenz. Also wird das tunlichst vermieden.

Nachdem ich nun 20 Jahre ausgewildert in Südfrankreich lebe, unzählige Stunden im Garten Unkraut rupfend, kann ich mir selbst ganz gut beim Denken zuhören. Keine Selbstverständlichkeit. Das ist wohl überhaupt der erste Schritt. Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf, was beschäftigt mich, wessen Geistes Kind bin ich, was wiederholt sich... Anfangs mußte ich feststellen, dass ich oftmals gar keine Kontrolle über meine Gedanken hatte. Beispiel Ohrwurm. Da läuft in einem was auf Dauerschleife und man sagt sich genervt, ist gut jetzt. Um wenige Minuten später wieder den gleichen Gassenhauer innerlich zu summen...

Der nächste Schritt ist, in seinen Gedanken Auslese zu treffen wie beim Unkraut rupfen im Garten. Diesen Gedanken mag ich nicht. Der tut mir nicht gut, den will ich nicht. Ich hatte ja viel aufzuarbeiten, als ich hierher kam. Da war mir mein Habib, dieser Garten und dieser Ort mit seiner Weite und Ruhe Therapie. Jahrelang. Immernoch. Wunderbar geholfen hat mir beim *gelenkte Denken* (so nenne ich das einfach mal) gegen negative Gedanken ein Mantra zu setzen, ein kurzes Gebet. Beharrlichkeit wirkt Wunder. In allen Bereichen. Heute kann ich sogar zunehmend unterscheiden, ob ein Gedanke von mir kommt oder wie ein Geistesblitz in mich gelegt wurde - aber das hat gedauert...

Auch bin ich noch am Üben, wenn es darum geht, gedanklich bei einem Thema zu bleiben, ein Thema bis zum Ende durchzudenken, aus unterschiedlichen Richtungen anzusehen. Immer wieder hüpfen die Gedanke woanders hin (à la *Habe ich Butter schon auf die Einkaufsliste gesetzt) und wie oft muss ich - im besten Fall - eine Volte drehen, um wieder zurückzukehren und anzuknüpfen.

Mir ist sehr bewußt, wie wenig Menschen Raum und Zeit haben, so nach innen zu schauen und sich derart mit sich selbst zu beschäftigen können. Es ist ein Geschenk des Lebens, wenn das möglich ist. Gnade. Die meisten Menschen hetzen doch durch die Woche und Samstag und Sonntag versucht man Montag bis Freitag zu vergessen.

Der weit größere Schritt ist der, den Cornelia macht und sich kritisch überlegt, in welchen Mustern sie denkt. Das macht nur derjenige, der nach Freiheit strebt, echter innerlicher Freiheit. Cornelia überlegt, in wie weit ist mein Denken geprägt von meiner Erziehung, meiner Kultur, meinem Kontinent, meiner Zivilisation. Vielleicht unterliege ich mit meinem Denken immer noch dem Überlegenheitsgefühl der weißen Rasse, dem immateriellen Erbe des Kolonialismus. Als Anregung nimmt sie das Buch Sand-Talk von Tyson Yunkaporta, welches ihr sehr geholfen hat, die Perspektive zu wechseln. (ich freue mich auch schon auf das Lesen). Eurer Denken unterscheidet sich grundlegend von dem unseren, da euer Denken geprägt ist von zwei Illusionen, Geld und Zeit, zitiert Cornelia Yunkaporta aus diesem Buch.

Weil ja, streiche aus dem Denken der weißen Rasse Geld und Zeit samt der Leistungsidee, die daraus potenziert wurde. Was bleibt denn dann noch übrig? Kein Lebensbereich, der nicht davon touchiert würde, egal welcher Beruf, Profit, Marge, Versicherungswesen, Sport, Forschung....Wer kann sich überhaupt ein Denken vorstellen, aus dem diese zwei Komponenten - Zeit und Geld - herausgefiltert ist? Überall wirkt das verinnerlichtes Maß und Zahl-Prinzip. Wie Welt wahrnehmen und beurteilen ohne diese beiden Parameter? Es scheint nicht möglich für unsere Zivilisation. Man traut es sich in keinster Weise zu. Das ist doch riesig spannend, oder nicht?!



Naja, Flognarde klingt exotischer als es ist - im Prinzip reden wir eigentlich von einer Art Clafoutis. Nur wird klassischerweise der Clafoutis mit Kirschen zubereitet. Deshalb weicht man auf den Begriff Flognarde aus, den Fruchtauflauf. (Krass, findet ihr auch, WIE viel schicker sich alles immer auf französisch anhört!!). Und Clafoutis kennt meine Leserschaft: der unkomplizierte, französischen Pfannkuchen-Kuchen. Aber in einer sehr schönen Variante. Wieder etwas anders. Und wer Pfannkuchen liebt, wer Clafoutis liebt, und wer wie ich die Kombi aus Obst und Kräutern liebt, der wird auch diesem Flognarde verfallen...


Geschwister im Blog-Universum:


Zutaten - cm:

4 Eier
200ml Milch
150ml Sahne
80g Mehl (m: D630)
80g Rohrzucker
Vanillezucker
Butter
ca. 400g Aprikosen
Basilikum*


Zubereitung:

In einer Schüssel Mehl und Zucker vermischen. Die Eier zufügen, die Vanille (das Vanillemark) und mit einem Schneebesen gut vermengen

Nach und nach die Milch und die Sahne zufügen und klümpchenfrei unterrühren.

Die Aprikosen halbieren, entkernen und je nach Größe vierteln.

Die Kuchenform (m: moule à manque) buttern. Die Aprikosen in der Form verteilen und den fein geschnittenen Basilikum darüber streuen. Die Rührteigmischung vorsichtig einfüllen und die Form mindestens 20min im Kühlschrank ruhen lassen.

Bei 180° für ca. 35min im Ofen backen.

Schmeckt am besten gekühlt 

PS: Tolle Idee, Aprikose mit Basilikum zu kombinieren. Richtig toll etwa Zitronenbasilikum. Aber schmeckt ebenso mit Thymian oder Lavendel hervorragend!

Kürbis-Kartoffelkugeln aus dem Ofen

Samstag, 19. April 2025

 

Heute wird nicht darüber sinniert, ob ein Nutella-Brot auch Butter braucht - zu Ostern ist deep talk dran. Tsss, deep-talk, wie albern kann ein Wort sein, oder? Ich hätte gerne, dass ihr ein Gedankenspiel mitmacht. Schön unverkrampft. Ganz so wie es Dostojewski in *Die Brüder Karamasow* handhabt, bzw. die kleine, darin enthaltene Parabel: *Der Großinquisitor*.  Nämlich einfach mal als einerlei angenommen, ob es Gott wirklich gibt oder ob er lediglich eine Erfindung des Menschen ist. Erstmal egal ob uferlose Phantasie oder beweisbarer Realismus. Um sich mit dieser großartigsten aller Ideen auseinander zu setzen, spielt das im Wesentlichen keine Rolle. Denke dir ein Wesen so groß, so weise, so schöpfend, so kreativ, so liebend, so lichtvoll, so mächtig, so allumfassend und alldurchdringend wie du in der Lage bist – und nenne es Gott, Allah, Manitu oder Shiva…. und stelle dich in Beziehung dazu. Spiritualität für Einsteiger.

Wobei sich Dostojewski klar festlegt: Ein Wunder ist es, dass ein solcher Gedanke – der Gedanke der Notwendigkeit eines Gottes – einem so wilden und bösen Tier wie der Mensch in den Kopf kommen konnte: So heilig, so rührend, so weise und so ehrenvoll für den Menschen ist dieser Gedanke.

Allein der Gedanke! Allein die Vorstellung! Allein die Möglichkeit!

Denn allein der Versuch, sich zu einem solchen Wesen in Relation zu setzen, gibt einen ganz anderen Maßstab. Wenn nicht der Mensch sich selbst als Maß aller Dinge nimmt, sondern er über sich freiwillig eine Macht installiert, ändert das in der Bewertung einfach alles: nach innen wie nach außen.

Bei manchen provoziert die Vorstellung einer solchen Existenz Ängste. Nichts anderes was die Geschichte von Frank Schätzing in *Der Schwarm* erzählt. Ich blieb in der ersten Folge der Serien-Verfilmung hängen (das Buch kenne ich nicht), weil mich die Parallele faszinierte zu den Orcas, die in der Straße von Gibraltar immer wieder Segelboote angreifen. Was als Wissenschaftskrimi beginnt, geht in eine Phantasy-Story über. Grundidee ist, dass die Natur zurückschlägt und als (Achtung Spoiler) ungreifbare Intelligenz, die alle Meereswesen durchströmt, sich gegen die Menschheit stellt. 

Das Mindset ähnelt Goethes Beobachtung (Wilhelm Meisters Wanderschaften): *Man fürchtet ein bekanntes oder unbekanntes mächtiges Wesen, der Starke versucht es zu bekämpfen, der Schwache zu vermeiden, beide wünschen es loszuwerden und fühlen sich glücklich, wenn sie es auf kurze Zeit beseitigt haben.*  

Für Goethe ist die einzige Antwort gegenüber einer höheren Macht das Gefühl der Ehrfurcht.- als Grundgefühl aller Spiritualität. Kann man denn Ehrfurcht vor einer Maschine empfinden, die Daten auswertet und sich eigenständig weiterprogrammiert? Selbst bei unterschiedlichem Maßstab (s.o.) wohl eher nicht. Ehrfurcht ist ein Gefühl, das mehr benötigt als die Anerkennung einer Überlegenheit. Und: letzteres ist reine Kopfsache. Wer sich abgenabelt hat von der Vorstellung einer Schöpfung, also wenn der Bezugspunkt nicht hin zu etwas Höherem leitet, der nimmt sich als Mensch zwangsläufig selbst als Mittelpunkt.

Nirgendwo kommt das deutlicher zu Tage als in den Social Media. Mehr kann Mensch nicht um sich kreisen, der Tanz um sich selbst, der Kult um die eigene Person,. Da hat die Götterdämmerung längst eingesetzt. Da sitzt man höchstpersönlich im Thron und zeigt für niemanden so viel Interesse wie für sich selbst. Wen soll man da noch anbeten - außer vielleicht andere Nixi-Superstars. Und gut, ja, für jene ist vielleicht die KI der Weisheit letzter Schluss. 

Was wäre das eine traurige Geschichte. All die Jahrtausende dauernde Entwicklung dieses Planeten von Dinosaurier über Ötzi mündet darin, dass der Mensch sich einer Maschine unterstellt. Nun, das hier ist ein großer Spielplatz, jeder sucht andere Erfahrungen. Aber große Entscheidungen stehen an: Geist oder künstliche Welt. Für jene, die nach geistiger Entwicklung streben, gilt es sich mit Fragen auseinanderzusetzen wie: wozu und an was sich orientieren? Was unterscheidet die Menschen wesentlich? Überlegungen, die bereits Mozart umtrieb (s. die Zauberflöte). Was trennt niedere Liebe von höherer Liebe? Wer gleicht mehr einem triebhaften Tier? Oder anders gedreht: wie kann Mensch das Tier in sich überwinden? Wie kann Mensch sich veredeln? 




Wieviel Prozent der Christen wissen überhaupt noch, was an Ostern gefeiert wird. Was meint ihr? In Frankreich sind es sicher weniger als 50 Prozent. 

Ich habe ein Salat Plus-Essen für Euch. Die Knödel garen im Ofen und werden so am Boden schön knusprig, innen sind sie flaumig. Dazu kann man jeden Salat machen, auf den man Lust hat. Ein unkompliziertes Essen, das gemeinsame Schnittmenge hat mit einem meiner Lieblingsthemen: den Puffern.


Zutaten - 6 Stück/ 3P:

400g Kartoffeln (m: Mona Lisa)
350g Kürbis (m: Butternut)
1 Zwiebel
3 EL frische Kräuter (m: Petersilie, Bärlauch, Knoblauch)
1 Ei
150g Frischkäse
60g Semmelbrösel
60g Hartweizengrieß, fein
1 TL Kümmel, gemahlen
Piment d'Espelette
Butter
Olivenöl
Tomme de Brebis


Zubereitung:

Kartoffeln als Pellkartoffeln aufsetzen und weich garen.

In der Zwischenzeit die Zwiebel fein würfeln. Den Kürbis schälen und ebenfalls in kleine Stücke schneiden - je kleiner, umso schneller ist der Kürbis nachher gar. Die Zwiebeln in Olivenöl glasig braten, dann den Kürbis zufügen und ebenfalls mitbraten . Sehr wenig Wasser zufügen, Deckel auflegen und weich dünsten - das Wasser sollte vollständig verdunsten sein. Etwas abkühlen lassen

Kartoffeln schälen und in eine Schüssel geben, etwas ausdampfen lassen. Kürbis-Zwiebeln dazugeben und mit dem Kartoffelstampfer fein stampfen (darf noch kleine Stückchen haben). Ei, Frischkäse und Gewürze untermischen, würzen mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Piment.

Ofen auf 200°C (OU-Hitze) vorheizen

Eine Gratinform ölen. Aus dem Teig mit nassen Händen 6 Kugeln formen - sollte der Teig noch zu weich sein, zusätzliche Semmelbrösel verwenden. Die Kugeln in die Gratinform setzen und mit Butterflöckchen toppen.

In den heißen Ofen schieben und 30 min garen lassen. Dann den geraspelten Käse über die Kugeln verteilen und weitere 15min backen.


Freiheit: saftiger Zucchini-Cake

Sonntag, 29. September 2024


Wenn Frankreich morgen chinesisch verwaltet wird, dann lebe ich hier genau so weiter. Das ist eine Aussage, die ich dieses Jahr öfters rausgehauen habe. Und dann schaute ich in zweifelnde, entgeisterte Gesichter und erhielt eigentlich unisono die Antwort: *Das glaube ich nicht, dass du dann weiterhin so frei leben kannst. Ohne Demokratie. Ohne Meinungsfreiheit.* Ich merkte wohl: ich wurde für bekloppt erklärt.

Aber hey, nix davon, was Obrige beschlossen haben, beeinflußt mein alltäglichliches Leben hier in dem Haus, von dem aus ich ins Tal schaue. Bestimmt würde sich dann periphär das ein oder andere ändern. Möglicherweise ändert sich die Währung, zahlt man andere Steuern, vielleicht müßte ich eine Mütze tragen, wäre die gängige Musik eine andere oder ich müßte heimlich auf die Guinguettes zum Tanzen gehen. Vielleicht gäbe es weniger Bananen - ich weiß es nicht. Aber DAS würde mein Leben nicht wesentlich ändern, damit würde ich zurecht kommen - im Gegensatz zu Krieg.

Nehmt die Geschichtsbücher. Da wandern Grenzen ein bißchen nach rechts oder links, nach oben oder unten. Und dafür sind Menschen gestorben. Es ist mir ein unfassliches Rätsel. Und nachher sitzen Kravattenträger an Tischen, deren Angehöre nicht *gefallen* oder verstümmelt sind, unterzeichnen Verträge und einigen sich auf neue Grenzen. Bis zum heutigen Tag. Das ergibt doch keinen Sinn.

Mit Nationalitäten wische ich mir den Hintern ab - ich hatte es bereits davon: ein Lieblingspost von mir. Vaterland ist nichts, worüber ich mich identifiziere. Wenn mich das Reisen eines gelehrt hat, dann, dass ich überall leben kann. Existentiell ist es überall auf der Welt das Gleiche: du mußt essen, du mußt aufs Klo, du mußt schlafen. Und dann gibt es noch eine Regel, die man befolgen muss: halte dich von Politik fern. Dann kann man überall leben.

Weil ungemütlich bis gefährlich wird es, wnn man systemkritisch denkt und redet (s. Julian Assange). Dann ist die Überschrift,  unter welcher Art der Regierung man lebt, egal. Da sind sich nämlich alle herrschenden Schichten gleich: Kritik mag man nicht. Wer das beachtet, lebt überall.

Gerne füge ich an der Stelle die Episode von den Großeltern an von der verstorbenen Frau des Habib. Die haben im dritten Reich Juden zur Flucht in die Schweiz verholfen. Auch darüber erzählte ich schon. Keiner wußte etwas davon - noch nicht einmal die Familie. Sie redeten nicht, sie machten einfach. Und wollten möglich Konsequenzen ganz alleine tragen.

SO geht gelebte Freiheit. Das ist doch etwas Innerliches und bestimmt nicht etwas, das von Außen vorgegeben wird. Nur weil mir irgendjemand sagt, ich habe das gut zu finden oder aber dadagen zu protestieren, ist das noch lange nicht MEINE Meinung. Die bilde ich mir doch höchstpersönlich selbst. Unabhängig davon, wer gerade hupen darf. Ich rede doch nicht Blödsinn hinterher, nur weil das gerade gängiger Konsens ist. In Freiheit zu leben, bedeut, sich freiwillig Werten zu unterwerfen - und nicht, weil man dafür belohnt oder bestraft wird. Mit der Bürde individueller Freiheit muss man schon alleine zurecht kommen. Das ist doch nicht schwer zu verstehen!

Wobei der Hund wohl in den unterschiedlichen Erfahrungen begraben liegt. Ohne die kein Verständnis, keine Erkenntnis, kein Urteilsvermögen. Ich habe bereits in unterschiedlichen Ländern gelebt. Und aus diesen Eindrücken und Erlebtem speißt sich meine Haltung zum Thema *Weltenbürger*. Dabei vertraue ich meiner Wahrnehmung - ganz so, wie ein befreundeter Psychoanalytiker mal formulierte: *Der Irsinn beginnt da, wo du an deiner eigenen Wahrnehmung zweifelst.*  So einfach lasse ich mich in meinen Auffassungen nicht in die eine oder andere Richtung schubsen. Oder vom Pazifismus abbringen.



Ende der Zucchini-Saison - ein Teil der Zucchinipflanzen mußten der Senfsaaft bereits weichen. Noch ist aber die Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Dieser Zucchini-Cake eignet sich nicht nur hervorragend als Salat-Plus-Essen sondern macht sich mindestens so gut als Grill-Begleitung.

Es gilt wie eigentlich bei allen Zucchini-Rezepten (man kann es nicht oft genug wiederholen): viel hilft viel. Mehr ist mehr! Zucchini braucht ordentlich Unterstützung. Grundeigentlich bildet der Cake nur eine Basis und dann dürft ihr mit Gewürzen um euch werfen. Meine Version ist zitronig geworden.


Zucchini-Cake:

2 Zucchini (ca. 700g)*
4 Eier
100ml Milch
60ml Öl (m: Olive)
1 kleiner TL Zucker (m: Rohrzucker)
120g Mehl, gesiebt (m: 60g Einkorn-VK, 630 Dinkel)
11g Back-Pu
1 mittlere Karoffel, grob gerieben
2 Schalotten
3 Knoblauchzehen
2-3 EL Parmesan (m: Comté)
150g Ziegenfrischkäse
1 Salzzitrone
2 TL Zitronen-Thymian
1/2 Bund Basilikum
Salz, Pfeffer
Olivenöl

Zubereitung:

Zucchini in feine Scheiben von ca. 2mm hobeln. Mit Salz bestreuen, mischen und etwas Wasser ziehen lassen. Dann in etwas Olivenöl kurz (2-3min - nicht länger) dünsten, dabei den Deckel auflegen - Zucchini-Scheiben sollen nicht durchgebraten sein oder Farbe annehmen.

4 Eier mit dem Schneebesen verquirlen zusammen mit Zucker (gibt goldene Farbe), Salz und Pfeffer. Milch zufügen, ebenso Öl und zuletzt das gesiebte Mehl samt Backpulver untermischen. Gut vermengen, bis alles schön glatt und homogen ist.

Die Kartoffel schälen, grob reiben, dann gut ausdrücken (m: nacheinander zwischen den Händen) und gemeinsam mit der fein gehackten Schalotte und dem Knofi unter den Teig heben. Außerdem kommen die Kräuter hinzu: fein geschnittenen Basilikum, die feinst geschnittene Schale der Salzzitrone und der Zitronen-Thymian.

Ofen auf 180°C vorheizen.

Zuletzt die Zucchini-Scheiben dazu geben. Diese mit einer Schaumkelle aus der Pfanne heben, um das beim Dünsten abgegebene Wasser nicht mitzunehmen. Dann den geriebenen Käse zufügen sowie den in Würfel geschnittenen Ziegenfrischkäse.

Eine Form von 28cm gut buttern und den Boden mit Backpapier auslegen. Die Cake-Masse einfüllen, glatt streichen. Im vorgeheizten Ofen ca. 45min backen lassen.

Auskühlen lassen, dann Stürzen und in Scheiben schneiden. Entweder lauwarm zum Salat oder gut gekühlt zum Grillen - beispielsweise.

Anmerkung m: in welche Richtung ihr den Cake mit Gewürzen trimmt, liegt an Euren Vorlieben. Sehr gut passen auch getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten und entkernte Oliven. Dann mit Thymian, Oregano und/ oder Rosmarin begleitet, Piment d'Espelette, Pimenton de la vera... ihr macht das schon!

Ich habe dem Teig ganz am Schluß noch 2 EL Semmelbrösel zugefügt, weil meine Zucchini beim Garen nicht viel Wasser verloren hatten - zu flüssig sollte der Teig nicht sein. Nehmt ihr kleine, knackige Zucchini sollte das nicht notwendig sein. Mehr als 700g Zucchini würde ich nicht empfehlen (ich hatte etwas mehr verwendet).

Inspiration: YT - Ricette dolci

 

Ich darf auf meinem eigenen Blog immer noch nicht kommentieren - irgendeine Cookie-Einstellung hakt und ich checks nicht. Bis dahin wieder auf diese Weise:

Vielen Dank für die unterschiedlichen Perspektiven auf dieses Thema. Schön vielfältig - so mag ich das. Mit derlei Feedback macht Gedankenteilen wirklich Freude!

Mir wurde nochmals mehr bewußt, dass ich mehr *unter Menschen* als in *politischen Konstrukten* lebe. Und wie sehr die Dinge stets zusammenhängen. Keine Freiheit ohne Frieden. Keine Freiheit ohne Mut. Kein Mut ohne Vertrauen. Kein Vertrauen ohne Ehrlichkeit.... so verstricken sich Werte zu einem Ganzen. Und im Rahmen der kleinsten Möglichkeiten schafft sich jeder Mensch sein Reich selbst.

7x7 auf einen Streich: Linsen-Gottebullar

Samstag, 4. November 2023


Als das komplette Backblech mit - genau genommen - 50 Linsenbällchen gefüllt war, dachte ich mir: Mon Dieu, wer soll das alles essen. Da hätte uns die Hälfe lässig gereicht.

Aber ums vorweg zu nehmen: alle sind vernichtet. Ich habe beim ersten Mal die Pilzsauce zu den Gottebullar zubereitet, dann natürlich begleitend zu meinen hochgeschätzten Metallica-Bowls, es gab die Paprika-Sauce dazu und zuletzt eines meiner liebsten und unkompliziertesten Kohlrezepte: scharf angebratene Kohlspalten mit in etwa dieser Sauce . Bref: bloß das Rezept nicht halbieren - ihr würdet es schwer bereuen. Und aufgetaut und angebraten sind die kleinen Bällchen schnell, werden schön knusprig und brauchen nicht viel Fett.

Irgendwie komme ich mir die letzte Zeit manchmal komisch vor, übers Kochen zu schreiben. Wie es in meiner Kindheit so gerne hieß: du ißt deinen Teller nicht auf und in Afrika verhungern Kinder. Wobei ich streng erzogen wurde. Der Teller musste aufgegessen werden, das war gar keine Frage. Meine Meinung als Kind interessierte niemanden. Dabei hatten die Hände auf dem Tisch zu liegen, die Handgelenke an der Tischkante. Man durfte mitessen aber nicht auffallen, Kindergeplapper war nicht erwünscht. Eben nettes Miteinander am Eßtisch - als hätte man Kinder nur dem Drill zuliebe...

Naja, und heute vergleiche ich selbst in meinem Kopf mein Leben hier mit einem Leben dort. Und dann scheint es mir so banal, so ignorant, so komplett selbstbezogen über Eßgeschichten zu schreiben. Woanders kämpfen Menschen ums Überleben, können eingesperrt von Grenzzäunen nicht entkommen, sondern nur zwischen Trümmern fliehen, ohne Strom, Wasser, Lebensmittel, medizinische Versorgung, umgeben von Tod, Verlust und drohenden Seuchen. Wie könnte eine Hölle toppen, was auf Erden passiert? Geht das, Unrecht nicht als Unrecht zu erkennen? Irgendwie klappert der Zeitgeist permanent ab, wo man steht.

Ein Bewußtseins-Booster, dass der Alltag gar nicht so beschißen sein kann, als dass man nicht dankbar sein muss, sich um den ganz alltäglichen Kram kümmern zu dürfen. Und zwischendrin kann man - wie jeden Tag - überlegen, was koche ich heute, wie bekomme ich uns heute satt. Besser kanns kaum laufen. Was man hat, ist nix wert... Erich Maria Remarque fällt mir ein und *das Kuhglück*, von dem die Jugend träumte, während ihre Welt aus den Fugen geraten war. Kuhglück als unerreichbarer, unvorstellbarer, friedlicher, einförmiger, spießiger Alltag. Keiner weiß, wann der Wind wieder dreht, wieviel Dosis man in einem Leben davon geschenkt bekommt...



Wie alle Puffer aus Linsen, tut auch diesen gut, von Sauce oder Dipp flankiert zu werden. Wobei ich schon deutlich trockenere Exemplare zubereitet habe. Diese Linsen-Bällchen, zu denen mich Ulrike von Küchenlatein angestiftet hat, kommen definitiv unter die besten, die ich je aus grünen oder braunen Linsen gemacht habe. Ihr werdet ja... eines Tages... bei der großen Puffer-Zusammenfassung noch sehen! Danke, Ulrike, für die schöne Inspi!


Zubereitung - 50 Stück:

200g Grüne Linsen, mindestens 6 Stunden eingeweicht
75g Graupen
100g Champignons, in Scheiben geschnitten
1/2 TL Muskatnuss, frisch gerieben 
2 TL Kreuzkümmel
60g Sonnenblumenkerne, geröstet
100g Spinat (m: teils Petersilie)
2 EL Olivenöl
1 Zwiebel, geschält, gewürfelt
2 Zehe Knoblauch, geschält, gewürfelt 
2 TL Thymian
75g Haferflocken
2 Essl. Sojasauce
30g Apfelessig
75g Kartoffelmehl
1 Ei, Größe M
Harissa
Salz
Pfeffer

 


Zubereitung:

Linsen gut abtropfen lassen. Graupen nach Packungsanweisung 20 Minuten kochen und abtropfen lassen.

Eine Pfanne mit der Hälfte des Öls erhitzen. Zuerst die Pilze anbraten, bis sie leicht goldbraun sind. Zwiebel und Knoblauch dazugeben und 5-6 Minuten weiter braten. Zum Schluss den Spinat zufügen.
Alles zusammen mit den Sonnenblumenkernen, den eingeweichten Linsen, Graupen, Haferflocken, Sojasauce, Muskatnuss, Apfelessig, Kartoffelmehl, Thymian, Kreuzkümmel, Harissa und Ei in in eine Küchenmaschine (Food Prozessor) geben. Etwa 2 Minuten grob vermischen.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Füllung auf die Größe einer Walnuss (15 Gramm) (m: möglicherweise größer geformt, nicht gewogen) formen (m: mit freuchten Händen) und auf ein gefettetes Backblech legen. Im Ofen bei 150° ca. 15 Minuten backen.

Anmerkung m: Gewürz-technisch habe ich meinen Senf dazu gegeben - das Original könnt ihr bei Ulrike sehen/ wieviel Bällchen pro Person hängt vom begleitenden Gericht ab - ich würde mal durchschnittlich mit 5-6 Stück rechnen.

Quelle: Ulrike aka Küchenlatein

 

Quiche-ologie: Lauch-Tarte mit Münster und Birne

Freitag, 27. Oktober 2023


Ich lüfte keine Geheimnisse, wenn ich laut mache, dass ich mich hier ums Kochen kümmere. Und alles, was tagtäglich vollbracht werden will, Bedarf einer gewissen Routine. Im Idealfall ganz unverkrampft. Gegessen muss nun mal werden - das hat die Biologie für unsere Spezies so vorgesehen, dem kann man sich schlecht verweigern. Deshalb lieber eine Kür daraus machen als eine Pflicht. Ich zumindest bin in der Kür um Äonen besser als im Pflichtprogramm.

Fällt mir spontan gar nichts ein, dann schüttle ich mir eine Quiche aus dem Ärmel.

Mit Quiches und Tartes fing alles an, damals als ich nach Frankreich kam und als Küchenverweigerer der ersten Stunde versuchte einzusteigen in die Alchemie des Kochens. Quiche ist absolute Alltagsküche in Frankreich, eine Quiche kann hier auf dem Land eigentlich jeder. Selbst wenn man sonst am Herd keine Heldentaten vollbringt, aber eine Quiche fummelt sich allemal noch zusammen.

Stolpersteine gibt es bei einer Quiche nur zwei: der Teig für den Boden darf weder zu weich (klebrig) noch zu trocken (krümelig) sein. Und der Guß sollte beim Schneiden Standfestigkeit beweisen. Der Rest ist eine Frage des Würzens.

Ich habe schon einige Quiche-Rezepte verbloggt - auch mit Lauch, auch als Tarte Tatin mit Lauch.  Und - bien sûr - kristallisieren sich über die Jahre hinweg Vorlieben jeraus. Ich mag Tarteböden gerne ohne Ei, stattdessen verwende ich etwas Crème fraîche oder Quark - auf diese Weise wird der Boden plus croustillant! Für den Knusper-Effekt hilft außerdem eine gute Dosis Vollkornmehl. Pimpen kann man mit etwas extra geriebenem Käse, Kräutern oder klein gehackten Nüssen. Für den Guß nehme ich gerne auch einen Löffel Savora-Senf, eine echte Geheimzutat für einen unerwarteten Dreh und einst übernommen von Mme Pic.

Ansonsten wird improvisiert. Denn selten, dass ich ein und dieselbe Tarte zwei Mal genau gleich backe. Ausnahmen bestätigen die Regel - die vier etwa fallen mir ein -  oder aber sämtliche Tarte Tatin-Rezepte:


Eine alte kulinarische Liebe ist Obst in salzigem Essen, der ich in der heutigen Quiche mal wieder Tribut zolle. Beim Käse darf man auf eigene Neigungen zurückgreifen. Ich mag Münster ja sehr gerne, wieso er hier den Zuschlag bekam, kann mir aber ebenfalls Raclette-Käse gut vorstellen, einen fourme d'ambert oder einen Bleu - er wird dem sanften Lauch und der süßen Birne einen Konterpart entgegen setzen.



Zutaten - Tarteform  22cm/ 2P:

Boden 140g Mehl (m: 80g Einkorn-VK, 20g R1050, 40g D1040)
70g Butter, kalt, in Flöckchen
30g Quark
2 EL Rosmarin, fein gehackt
Salz
kaltes Wasser
...
4 Stangen Lauch (ca. 500g)
2 Eier
75g Crème fraîche
Thymian
1 TL Kümmel
1/2 TL Cumin
Piment d'Espelette
Kräutersalz
100g Münster
1 kleine Birne
Sonnenblumenöl
Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

Für den Tarteteig die Butter in Flöckchen unter den Teig arbeiten und mit Hilfe des Quarks und des Wassers und zusammen mit den restlichen Zutaten zügig zu einem homogenen Teig verkneten. In Folie wickeln und minestens eine halbe Stunde kalt stellen.

Auf einer bemehlten Arbeitsfläche den Teig auswellen und die gebutterte Form damit auskleiden, so dass ein Rand entsteht. Mit der Gabel mehrfach einstechen und etwa für 20min in die Tiefkühle stellen.

Das Dunkelgrün des Lauchs entfernen, je nach Notwendigkeit putzen, in dünne Ringe schneiden und in der Butter einige Minuten gar dünsten. Dabei mit Thymian würzen, außerdem mit Kümmel und Kreuzkümmel sowie Piment. Salzen, pfeffern Etwas abkühlen lassen.

Den Ofen auf 210° (m: Intensivbacken) vorheizen.

Die Crème mit den Eiern verquirlen und mit etwas Kräutersalz würzen. Die Hälfte des Lauchs auf den Tarteboden geben, den in Streifen geschnittenen Käse darauf verteilen, dann die andere Hälfte des Lauchs darüber geben und glatt streichen. Den Eierguß gleichmäßig darüber gießen. Die geschälte Birne fächerartig auf der Oberfläche setzen, leicht ölen und pfeffern. Die Quiche in den Ofen einschieben: 15min bei 210°, dann runterschalten auf 190° und weitere 20min backen, schließlich bei 180° - 5-10 min - gegebenenfalls abdecken, falls die Tarte von oben zu viel Farbe bekommt.

besternt - Lieblingstarte mit Walnuss und Zwetschgen

Sonntag, 1. Oktober 2023


Der Habib und ich unternahmen für kurze Zeit einen Rollenwechsel: nicht wir vermieten die Ferienwohnung sondern wir verkrümelten uns zwischendrin einfach selbst zum Urlauben. Ca changes les idées - das bringt auf andere Gedanken. Und tatsächlich brachte der Perspektivwechsel einiges an Bereicherung für mich. Abgesehen davon, dass wir ein übertrieben launig-klassisches Touri-Programm gefahren haben ob der Kürze der Zeit, fühlten wir uns in dem Appartement sehr wohl. 

Tatsächlich haben wir über die bloodyfcking Monopolistenplattform gebucht, die wir umgekehrt als Betreiber dissen. Christine, unsere sympathische Vermieterin, klagte mir schwer ihr Leid, dass die an der Decke klebende Anspruchshaltung der Gäste ihr zunehmend das Leben schwer macht... was sich ohne Umschweife in der Bewertung niederschlagen würde. Über das Bewertungssystem von dieser Plattform muss ich bestimmt nicht mehr viel schreiben - die meisten haben darüber mit Sicherheit schon Unterkünfte gebucht. Das wird man ja anschließend als Gast sehr kleinteilig befragt sowie animiert in unterschiedlichen Kategorien (Sauberkeit, Ausstattung, Lage, Einchecken usw...) Sterne zu vergeben. 

Und ehrlich, ich weiß nicht, was es da rumzudoktoren gibt: über Sämtliches kann man sich üblicherweise im Vorhinein informieren, das ist alles sehr gut beschrieben. Passt mir die Lage nicht, dann suche ich mir eine andere Unterkunft aus. Und ich wüßte nicht, was ein nagelneuer Teller oder ein unbenutzer Stuhl so anderes kann als ein gebrauchter, und ob man nicht auch zurechtkommt mit einem Flusen in einem Eck für die Dauer von wenigen Tagen. Zumal ein fabrikneu eingerichtetes Zimmer eh den Charme eines Möbelhauses verströmt, oder? Außerdem hat man ein Appartement gemietet und kein Appartementverleiher. Hey, man hat Urlaub, man will es sich schön machen, eine gute Zeit haben. Da achtet man (ich) doch automatisch auf die schönen Dinge und sucht nicht das Haar in der Suppe. Aber das Spiel kennt man ja. Man kennt es aus Familie und Beziehungen: wer kritisieren will, der findet was zum Hacken. Oder ebenfalls schönes Beispiel das perfekte Dinner. Leider nicht 100 prozentig perfekt, das hat man nun mal genau zu nehmen... wenn man schon mal gefragt wird... Und viele werden gerne gefragt, womöglich im verblendeten Glauben, damit anderen einen Dienst zu erweisen und Orentierungshilfe zu bieten, weil die ja alle zu bescheuert sind, sich selbst ein Urteil zu bilden.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was ich beschißener finde: das Bewertungssystem oder wie die Menschen damit umgehen. Und mit meiner Kritik stehe ich nicht alleine da - es reicht ein wenig quer zu lesen, um einen sehr guten Eindruck von der Ungerechtigkeit zu erhalten, die daraus für die Gastgeber resultiert - ohne dagegen wirklich etwas tun zu können. Am Ende schaut nämlich alles nur nach einer beknackten Zahl, das reicht als Info, um die genau geht es schließlich.

Weil wo fließt eigentlich mit in die Bewertung, dass jede Unterkunft eine Geschichte hat, der *Hoster* dort vielleicht im Elternhaus aufgewachsen ist, oder das Haus renoviert oder wie mein Habib gar komplett neu erschaffen hat. Aber kann man den *Charakter* eines Ortes und seine Eigenheiten in Zahlen ausdrücken? Wie fängt man Ambiente und Atmosphäre ein? Schwupps, und da sind wir mal wieder bei einem Lieblingsthema von mir: dem Fühlen!

Es rührte mich sehr, dass Christine meinte, dass wir die ersten wären, die erkannt hätten, dass ihr Zuhause eine Seele habe - seit 2017... seit sie bei dieser Plattform ist. Das konnten wir gar nicht glauben. Was ist los mit der Welt?

Aber was will man erwarten von dem allgorithmischen System einer Plattform, die nur vermittelt aber nichts produziert und das Kritisieren nicht nur impliziert sondern provoziert. Maß und Zahl seziert und tötet dabei. Lebendig ist nie perfekt, bestimmt nicht steril und ein bunter Ort niemals ein *Superhost* . 




Sämtliche Sterne erhält seit jeher diese Tarte mit Mandeln, Himbeeren und Pinienkerne. Ein ähnlich freundliches Feedback habe ich die Tage in den Kommentaren erhalten für die Tarte mit Blaubeeren, Minze und Frischkäse. Tartes habe ich wirklich einige tolle Evergreens, die ich selbst ebenfalls seit vielen Jahren schätze. 

Meine Nusstarte ist ganz leicht zu verwandeln in eine wunderbare Spätsommer-Tarte, die die letzten Nüsse verbraucht, bevor die neuen fallen und der reichhaltigen Zwetschgen-Ernte versucht, gerecht zu werden. Durch die anhaltende Trockenheit sind die Zwetschgen recht fest und nicht sehr saftig. Ich konnte so locker 600g auf die Nussmasse setzen. Früchte mit viel Saft würde ich mengenmäßig etwas reduzieren. Ansonsten kam diese Tarte derart gut an, dass ich sie direkt 2 Mal hintereinand gebacken habe.

 

Zutaten:

Boden:
200g Mehl
110g Butter, kalt
60g Zucker
1 Prise Salz 
1 EL Crème fraîche
etwas kaltes Wasser


Guß:
50g geröstete, gehackte Walnüsse
100g geröstete, gemahlene Walnüsse
100g Butter
80g Rohrzucker
3 Eier
1-2 El brauner Rum
 je 1 EL Lavendel und Rosmarin, fein gehackt

ca. 600g Zwetschgen*


Zubereitung:

Die Butter in Flöckchen mit den restlichen Zutaten für den Tarteboden zügig zu einem homogenen Teig verarbeiten und zu einer Kugel formen, in Folie packen. Diesen für mindestens eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
 
Die Tarteform butten, den Teil ausrollen und die Form samt Rand damit auskleiden. Den Boden mehrfach mit einer Gabel einstechen und die Form (eingehüllt in eine Tüte) für etwa 15min in die Tiefkühltruhe stellen.

Den Backofen auf 200° vorheizen (Umluft)
 
Die Butter schmelzen. Zucker und gemahlenen Mandeln in eine Schüssel geben und die geschmolzene Butter unterrühren. Die Eier zugeben und kräftig schlagen, bis die Masse aufhellt. Zuletzt die gehackten Nüsse, Rum und Kräuter unermischen.
 
Die Mandelmasse glatt auf dem Tarteboden verstreichen. Dann die entkernten Zwetschgen darauf setzen und etwas in die Masse drücken. In den heißen Ofen schieben und ca. 45min fallend auf 180° backen.

Schmeckt am besten durchgezogen am nächsten Tag.