Feiertagsessen oder Hochzeitsessen: Blanquette de Veau nach Siebeck
Montag, 20. Mai 2013
Auf der einen Seite des Rheins heißt es *Blanquette de Veau* auf der anderen *Eingemachtes Kalbfleisch*. Aber unabhängig der Nationalität ist man sich einig, dass es sich hierbei um ein Festtagsessen handelt.
Als Kind wurde mir gar erzählt, es handle sich um ein Hochzeitsessen. Das hat mich stets sehr beeindruckt. Obwohl ich keines der Mädchen war, die geträumt haben vom weißen Rüschenkleid, der schimmelbespannten Kutsche und dem Mann, der vorm Altar den Schleier lüpft. Von der großen, tiefen Liebe allerdings schon. Die versuche ich aber lieber jeden Tag aufs Neue zu leben, als sie an einem Tag für andere zu zelebrieren.
Sehr gut gefällt mir die Art und Weise wie Tuaregs eine Hochzeit begehen (ein Ereignis, das mein Habib als alter Wüsten-Abenteurer selbst miterleben durfte). Sieben Tage und sieben Nächte dauert dieses Fest, das die Braut unter den Frauen und der Bräutigam unter den Männern verbringt! Dabei geht es nicht darum, sich selbst zu feiern, sondern die Eingeladenen sollen erfreut werden. Oberstes Gebot bleibt: nicht übermütig werden, man will ja keine bösen Geister rufen.
Anfangs bin ich immer mit verklärtem Schwung zu meinen Hochzeits-Einladungen gegangen - aber mittlerweile (30pulsplus) bin ich ernüchtert: die meisten dieser Feiern waren ozzz langweilig und ein Mordstress für die eigentlichen Hauptakteure...
Bon, zurück zum Festtagsschmaus: Nudeln mit etwas Kräutern drinne (zarter Kerbel, feine Petersilie), die Pilze für ein schönes Nussaroma angebraten wie Astrid es so wunderbar beschreibt (bin ich froh, dass andere lieber während des Kochens fotographieren) und die Sauce ganz nach Siebeck, die auch Sabine ins Schwärmen bringt.
Pfingsten oder Hochzeit? Das Essen bleibt ein Fest!
Zutaten 4 P:
1,2 kg Kalbfleisch für Ragout
(Siebeck verwendet das dicke Ende der Kalbsbrust)
das Weiße einer dicken Stange Lauch, der Länge nach halbiert
1 große Möhre, der Länge nach halbiert
1 große Zwiebel, geschält und in 8 Stücke geschnitten
1 Stück Sellerie, so groß wie ein Finger (m: etwas größer)
1 TL Salz
6 zerdrückte weiße Pfefferkörner
1 Lorbeerblatt
8 Nelken (in die Zwiebelstücke gesteckt)
1 Zweig Thymian
3 ungeschälte, zerdrückte Knoblauchzehen
2 gute Hände voll Schalotten oder kleine runde Zwiebeln, enthäutet
300 g Champignons, geputzt, ohne Stiel
Butter
Saft einer halben Zitrone
ein guter Schluck Sahne zum Ablöschen
200ml Sahne
ein großer Schluck trockener Vermouth (Noilly Prat z.B.)
Einen Topf mit Wasser aufsetzen, zum Kochen bringen, kräftig salzen und
darin das in grobe Würfel geschnittene Kalbfleisch eine Minute
blanchieren. Abgießen. Lauch, Möhren, Zwiebel und Sellerie zusammen mit
den Fleischstücken in kaltem Wasser aufsetzen (so dass alles nur mit
Wasser knapp bedeckt ist), Gewürze dazu und ganz langsam zum Kochen
bringen. Für ca. 1 1/2 Stunden ganz langsam vor sich hinsimmern lassen,
auf keinen Fall heftig kochen lassen. Es bildet sich eventuell etwas
Schaum, der braucht nicht abgeschöpft zu werden, am Ende der Garzeit ist
die Brühe ohnehin klar, was aber auch keine große Rolle spielt, weil
wir daraus die cremige Sauce kochen werden.
Während das Kalbfleisch gart, die Schalotten vorbereiten und zur Seite
stellen. Sie kommen erst nach 1 Stunde Garzeit zum Ragout in den Topf
und sollen nur noch 1/2 Stunde mit schmurgeln und nicht zerfallen.
Die Champignonstücke zubereiten wie Astrid beschreibt,
salzen, mit dem Saft einer halben Zitrone beträufeln und mit einem guten
Schluck Sahne ablöschen. Zur Seite stellen. Die Champignons kommen ganz
am Schluss zum Fleisch, wenn alles andere bereits fertig ist.
Nach 1 1/2 Stunden werden Fleisch und Schalotten heraus gefischt und
warm gestellt. Dann Sud durch ein Sieb gießen und etwa die Hälfte davon
in eine Kasserolle geben und kräftig einkochen lassen. Etwas
Zitronensaft dazu, vielleicht Salz, Pfeffer, und mit 200 ml Sahne
ablöschen und cremig einreduzieren lassen. Mit Vermouth abschmecken,
dann erst die Champignons hinein, nochmals abschmecken. Die Sauce ist
jetzt hellbraun und sämig. Sollte sie zu flüssig sein, evtl. mit etwas
in Wasser angerührter Speisestärke binden.
Quelle: Siebeck/ bzw. Sabine von Bonjour Alsace 
















