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Freiheit: saftiger Zucchini-Cake

Sonntag, 29. September 2024


Wenn Frankreich morgen chinesisch verwaltet wird, dann lebe ich hier genau so weiter. Das ist eine Aussage, die ich dieses Jahr öfters rausgehauen habe. Und dann schaute ich in zweifelnde, entgeisterte Gesichter und erhielt eigentlich unisono die Antwort: *Das glaube ich nicht, dass du dann weiterhin so frei leben kannst. Ohne Demokratie. Ohne Meinungsfreiheit.* Ich merkte wohl: ich wurde für bekloppt erklärt.

Aber hey, nix davon, was Obrige beschlossen haben, beeinflußt mein alltäglichliches Leben hier in dem Haus, von dem aus ich ins Tal schaue. Bestimmt würde sich dann periphär das ein oder andere ändern. Möglicherweise ändert sich die Währung, zahlt man andere Steuern, vielleicht müßte ich eine Mütze tragen, wäre die gängige Musik eine andere oder ich müßte heimlich auf die Guinguettes zum Tanzen gehen. Vielleicht gäbe es weniger Bananen - ich weiß es nicht. Aber DAS würde mein Leben nicht wesentlich ändern, damit würde ich zurecht kommen - im Gegensatz zu Krieg.

Nehmt die Geschichtsbücher. Da wandern Grenzen ein bißchen nach rechts oder links, nach oben oder unten. Und dafür sind Menschen gestorben. Es ist mir ein unfassliches Rätsel. Und nachher sitzen Kravattenträger an Tischen, deren Angehöre nicht *gefallen* oder verstümmelt sind, unterzeichnen Verträge und einigen sich auf neue Grenzen. Bis zum heutigen Tag. Das ergibt doch keinen Sinn.

Mit Nationalitäten wische ich mir den Hintern ab - ich hatte es bereits davon: ein Lieblingspost von mir. Vaterland ist nichts, worüber ich mich identifiziere. Wenn mich das Reisen eines gelehrt hat, dann, dass ich überall leben kann. Existentiell ist es überall auf der Welt das Gleiche: du mußt essen, du mußt aufs Klo, du mußt schlafen. Und dann gibt es noch eine Regel, die man befolgen muss: halte dich von Politik fern. Dann kann man überall leben.

Weil ungemütlich bis gefährlich wird es, wnn man systemkritisch denkt und redet (s. Julian Assange). Dann ist die Überschrift,  unter welcher Art der Regierung man lebt, egal. Da sind sich nämlich alle herrschenden Schichten gleich: Kritik mag man nicht. Wer das beachtet, lebt überall.

Gerne füge ich an der Stelle die Episode von den Großeltern an von der verstorbenen Frau des Habib. Die haben im dritten Reich Juden zur Flucht in die Schweiz verholfen. Auch darüber erzählte ich schon. Keiner wußte etwas davon - noch nicht einmal die Familie. Sie redeten nicht, sie machten einfach. Und wollten möglich Konsequenzen ganz alleine tragen.

SO geht gelebte Freiheit. Das ist doch etwas Innerliches und bestimmt nicht etwas, das von Außen vorgegeben wird. Nur weil mir irgendjemand sagt, ich habe das gut zu finden oder aber dadagen zu protestieren, ist das noch lange nicht MEINE Meinung. Die bilde ich mir doch höchstpersönlich selbst. Unabhängig davon, wer gerade hupen darf. Ich rede doch nicht Blödsinn hinterher, nur weil das gerade gängiger Konsens ist. In Freiheit zu leben, bedeut, sich freiwillig Werten zu unterwerfen - und nicht, weil man dafür belohnt oder bestraft wird. Mit der Bürde individueller Freiheit muss man schon alleine zurecht kommen. Das ist doch nicht schwer zu verstehen!

Wobei der Hund wohl in den unterschiedlichen Erfahrungen begraben liegt. Ohne die kein Verständnis, keine Erkenntnis, kein Urteilsvermögen. Ich habe bereits in unterschiedlichen Ländern gelebt. Und aus diesen Eindrücken und Erlebtem speißt sich meine Haltung zum Thema *Weltenbürger*. Dabei vertraue ich meiner Wahrnehmung - ganz so, wie ein befreundeter Psychoanalytiker mal formulierte: *Der Irsinn beginnt da, wo du an deiner eigenen Wahrnehmung zweifelst.*  So einfach lasse ich mich in meinen Auffassungen nicht in die eine oder andere Richtung schubsen. Oder vom Pazifismus abbringen.



Ende der Zucchini-Saison - ein Teil der Zucchinipflanzen mußten der Senfsaaft bereits weichen. Noch ist aber die Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Dieser Zucchini-Cake eignet sich nicht nur hervorragend als Salat-Plus-Essen sondern macht sich mindestens so gut als Grill-Begleitung.

Es gilt wie eigentlich bei allen Zucchini-Rezepten (man kann es nicht oft genug wiederholen): viel hilft viel. Mehr ist mehr! Zucchini braucht ordentlich Unterstützung. Grundeigentlich bildet der Cake nur eine Basis und dann dürft ihr mit Gewürzen um euch werfen. Meine Version ist zitronig geworden.


Zucchini-Cake:

2 Zucchini (ca. 700g)*
4 Eier
100ml Milch
60ml Öl (m: Olive)
1 kleiner TL Zucker (m: Rohrzucker)
120g Mehl, gesiebt (m: 60g Einkorn-VK, 630 Dinkel)
11g Back-Pu
1 mittlere Karoffel, grob gerieben
2 Schalotten
3 Knoblauchzehen
2-3 EL Parmesan (m: Comté)
150g Ziegenfrischkäse
1 Salzzitrone
2 TL Zitronen-Thymian
1/2 Bund Basilikum
Salz, Pfeffer
Olivenöl

Zubereitung:

Zucchini in feine Scheiben von ca. 2mm hobeln. Mit Salz bestreuen, mischen und etwas Wasser ziehen lassen. Dann in etwas Olivenöl kurz (2-3min - nicht länger) dünsten, dabei den Deckel auflegen - Zucchini-Scheiben sollen nicht durchgebraten sein oder Farbe annehmen.

4 Eier mit dem Schneebesen verquirlen zusammen mit Zucker (gibt goldene Farbe), Salz und Pfeffer. Milch zufügen, ebenso Öl und zuletzt das gesiebte Mehl samt Backpulver untermischen. Gut vermengen, bis alles schön glatt und homogen ist.

Die Kartoffel schälen, grob reiben, dann gut ausdrücken (m: nacheinander zwischen den Händen) und gemeinsam mit der fein gehackten Schalotte und dem Knofi unter den Teig heben. Außerdem kommen die Kräuter hinzu: fein geschnittenen Basilikum, die feinst geschnittene Schale der Salzzitrone und der Zitronen-Thymian.

Ofen auf 180°C vorheizen.

Zuletzt die Zucchini-Scheiben dazu geben. Diese mit einer Schaumkelle aus der Pfanne heben, um das beim Dünsten abgegebene Wasser nicht mitzunehmen. Dann den geriebenen Käse zufügen sowie den in Würfel geschnittenen Ziegenfrischkäse.

Eine Form von 28cm gut buttern und den Boden mit Backpapier auslegen. Die Cake-Masse einfüllen, glatt streichen. Im vorgeheizten Ofen ca. 45min backen lassen.

Auskühlen lassen, dann Stürzen und in Scheiben schneiden. Entweder lauwarm zum Salat oder gut gekühlt zum Grillen - beispielsweise.

Anmerkung m: in welche Richtung ihr den Cake mit Gewürzen trimmt, liegt an Euren Vorlieben. Sehr gut passen auch getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten und entkernte Oliven. Dann mit Thymian, Oregano und/ oder Rosmarin begleitet, Piment d'Espelette, Pimenton de la vera... ihr macht das schon!

Ich habe dem Teig ganz am Schluß noch 2 EL Semmelbrösel zugefügt, weil meine Zucchini beim Garen nicht viel Wasser verloren hatten - zu flüssig sollte der Teig nicht sein. Nehmt ihr kleine, knackige Zucchini sollte das nicht notwendig sein. Mehr als 700g Zucchini würde ich nicht empfehlen (ich hatte etwas mehr verwendet).

Inspiration: YT - Ricette dolci

 

Ich darf auf meinem eigenen Blog immer noch nicht kommentieren - irgendeine Cookie-Einstellung hakt und ich checks nicht. Bis dahin wieder auf diese Weise:

Vielen Dank für die unterschiedlichen Perspektiven auf dieses Thema. Schön vielfältig - so mag ich das. Mit derlei Feedback macht Gedankenteilen wirklich Freude!

Mir wurde nochmals mehr bewußt, dass ich mehr *unter Menschen* als in *politischen Konstrukten* lebe. Und wie sehr die Dinge stets zusammenhängen. Keine Freiheit ohne Frieden. Keine Freiheit ohne Mut. Kein Mut ohne Vertrauen. Kein Vertrauen ohne Ehrlichkeit.... so verstricken sich Werte zu einem Ganzen. Und im Rahmen der kleinsten Möglichkeiten schafft sich jeder Mensch sein Reich selbst.

Quiche-ologie: Lauch-Tarte mit Münster und Birne

Freitag, 27. Oktober 2023


Ich lüfte keine Geheimnisse, wenn ich laut mache, dass ich mich hier ums Kochen kümmere. Und alles, was tagtäglich vollbracht werden will, Bedarf einer gewissen Routine. Im Idealfall ganz unverkrampft. Gegessen muss nun mal werden - das hat die Biologie für unsere Spezies so vorgesehen, dem kann man sich schlecht verweigern. Deshalb lieber eine Kür daraus machen als eine Pflicht. Ich zumindest bin in der Kür um Äonen besser als im Pflichtprogramm.

Fällt mir spontan gar nichts ein, dann schüttle ich mir eine Quiche aus dem Ärmel.

Mit Quiches und Tartes fing alles an, damals als ich nach Frankreich kam und als Küchenverweigerer der ersten Stunde versuchte einzusteigen in die Alchemie des Kochens. Quiche ist absolute Alltagsküche in Frankreich, eine Quiche kann hier auf dem Land eigentlich jeder. Selbst wenn man sonst am Herd keine Heldentaten vollbringt, aber eine Quiche fummelt sich allemal noch zusammen.

Stolpersteine gibt es bei einer Quiche nur zwei: der Teig für den Boden darf weder zu weich (klebrig) noch zu trocken (krümelig) sein. Und der Guß sollte beim Schneiden Standfestigkeit beweisen. Der Rest ist eine Frage des Würzens.

Ich habe schon einige Quiche-Rezepte verbloggt - auch mit Lauch, auch als Tarte Tatin mit Lauch.  Und - bien sûr - kristallisieren sich über die Jahre hinweg Vorlieben jeraus. Ich mag Tarteböden gerne ohne Ei, stattdessen verwende ich etwas Crème fraîche oder Quark - auf diese Weise wird der Boden plus croustillant! Für den Knusper-Effekt hilft außerdem eine gute Dosis Vollkornmehl. Pimpen kann man mit etwas extra geriebenem Käse, Kräutern oder klein gehackten Nüssen. Für den Guß nehme ich gerne auch einen Löffel Savora-Senf, eine echte Geheimzutat für einen unerwarteten Dreh und einst übernommen von Mme Pic.

Ansonsten wird improvisiert. Denn selten, dass ich ein und dieselbe Tarte zwei Mal genau gleich backe. Ausnahmen bestätigen die Regel - die vier etwa fallen mir ein -  oder aber sämtliche Tarte Tatin-Rezepte:


Eine alte kulinarische Liebe ist Obst in salzigem Essen, der ich in der heutigen Quiche mal wieder Tribut zolle. Beim Käse darf man auf eigene Neigungen zurückgreifen. Ich mag Münster ja sehr gerne, wieso er hier den Zuschlag bekam, kann mir aber ebenfalls Raclette-Käse gut vorstellen, einen fourme d'ambert oder einen Bleu - er wird dem sanften Lauch und der süßen Birne einen Konterpart entgegen setzen.



Zutaten - Tarteform  22cm/ 2P:

Boden 140g Mehl (m: 80g Einkorn-VK, 20g R1050, 40g D1040)
70g Butter, kalt, in Flöckchen
30g Quark
2 EL Rosmarin, fein gehackt
Salz
kaltes Wasser
...
4 Stangen Lauch (ca. 500g)
2 Eier
75g Crème fraîche
Thymian
1 TL Kümmel
1/2 TL Cumin
Piment d'Espelette
Kräutersalz
100g Münster
1 kleine Birne
Sonnenblumenöl
Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

Für den Tarteteig die Butter in Flöckchen unter den Teig arbeiten und mit Hilfe des Quarks und des Wassers und zusammen mit den restlichen Zutaten zügig zu einem homogenen Teig verkneten. In Folie wickeln und minestens eine halbe Stunde kalt stellen.

Auf einer bemehlten Arbeitsfläche den Teig auswellen und die gebutterte Form damit auskleiden, so dass ein Rand entsteht. Mit der Gabel mehrfach einstechen und etwa für 20min in die Tiefkühle stellen.

Das Dunkelgrün des Lauchs entfernen, je nach Notwendigkeit putzen, in dünne Ringe schneiden und in der Butter einige Minuten gar dünsten. Dabei mit Thymian würzen, außerdem mit Kümmel und Kreuzkümmel sowie Piment. Salzen, pfeffern Etwas abkühlen lassen.

Den Ofen auf 210° (m: Intensivbacken) vorheizen.

Die Crème mit den Eiern verquirlen und mit etwas Kräutersalz würzen. Die Hälfte des Lauchs auf den Tarteboden geben, den in Streifen geschnittenen Käse darauf verteilen, dann die andere Hälfte des Lauchs darüber geben und glatt streichen. Den Eierguß gleichmäßig darüber gießen. Die geschälte Birne fächerartig auf der Oberfläche setzen, leicht ölen und pfeffern. Die Quiche in den Ofen einschieben: 15min bei 210°, dann runterschalten auf 190° und weitere 20min backen, schließlich bei 180° - 5-10 min - gegebenenfalls abdecken, falls die Tarte von oben zu viel Farbe bekommt.

weichgespült: Tarte fine à la tomate

Freitag, 1. September 2023


Am Bach liegend, die Füße im Wasser baumelnd, von der Hitze in einen dämmrigen Weichspülermodus gedrückt, lachte ich mich mit einer Freundin, die aus Deutschland zu Besuch war, darüber schlapp, dass wir beide aus der Horizonalen heraus ein Daniela-Katzenberger-Lieblingsrezept nennen konnten: den Nudelsalat ihrer Mutter. Darüber hinaus konnten wir auch beide synchron wiedergeben, dass das Wichtigste an dem Salat ist, dass nichts Frisches dran kommt - sondern ebent nur Büchse. Why not, kann man bei Nudelsalat ja durchaus machen. Wobei ich schon über mich den Kopf schüttle, dass solcher Bullshit in meinen Gehirnzellen kleben bleibt statt wieder durch den Gulli entsorgt zu werden...

Gut, SO anspruchsvoll, wie man meinen könnte, bin ich gar nicht. Gerne denke ich an unsere Marokko-Reise mit Jeep und Dachzelt, als ich den Habib bis zum Tor der Wüste begleitete. Das war ganz am Anfang, bevor ich kochen konnte und bevor ich mich fürs Essen auch nur zuständig fühlte. Und gefühlt ernährten wir uns die drei Wochen hauptsächlich von Fladenbrot, Lavachequirit-Käse und Mandarinen. Und es war super.

Nur koche ich allerdings schon so lange regelmäßig: wenn ich einen Tag lang nichts Frisches, kein Obst, keinen Salat, kein Gemüse zu mir genommen habe, dann fühle ich mich regelrecht verklumpt-verstopft-verschrumpelt. Oder lediglich eine Stulle mittags, wie ich es vieleviele Jahre gehandhabt hatte mit meiner Küchensperre... da muss heute spätestens am nächsten Tag wieder etwas Gekochtes auf den Tisch. Der Mensch ist ein Gewohnheitstierchen.

Nur habe ich manchmal eben auch keine Bock, mich schon wieder in die Küche zu stellen. Manchmal fehlt mir eine zündende Idee und das macht mich dann erst lustlos überhaupt mit dem Kochen anzufangen. Ein echtes Luxusproblem, je sais.

Tomaten-Tartes finden sich hier auf dem Blog bereits wie Sand am Meer. Ein Spitzen-Alltagsessen im Sommer. Die Inspiration für diese Tarte kam mir in der Bäckerei, wo ich mein Lieblingsbaguette kaufe. Ach, dachte ich, schau', so schlicht wie gut, das bastle ich zuhause mit unseren eigenen Tomaten nach. Voilà, voilà, meine Version der Tarte fine à la tomate, mit einer légèren Version eines Topfen-Blätterteigs.



Zutaten 2P:

180g Mehl (m: D1050)
1/2 TL Salz
120g Butter, kalt
120g Quark
8 Tomaten (cirka)
1 Ei
1 EL Crème fraîche
2 TL Savora Senf
Salz, Pfeffer
Thymian
Olivenöl

 

Zubereitung:

Die Butter in kleinen Flöckchen ins Mehl geben, Salz zufügen, ebenso den Quark und dann mittels eines Knethakens einen homogenen Teig herstellen (m: am Schluß händisch zur Kugel geknetet. Dann 1 Stunde kalt stellen.

Nun eine Tour geben, dann direkt eine doppelte Tour und über Nacht ruhen lassen.

Ofen auf 220°C vorheizen (m: Intensivbacken = starke Unterhitze) mit Backblech.

Den Tarteteig dünn ausrollen - ca, 1/2cm dick - und dann einen kleinen Rand ringsherum hochziehen. Direkt auf ein Backpapier bugsieren.

Ei, Crème und Senf vermengen und auf dem Boden verstreichen. Tomaten in dünne Scheiben schneiden und die Tarte damit dachziegelartig damit belegen. Salzen, pfeffern, mit Tyhmian bestreuen und mit Olivenöl beträufeln. 

Für ca. 30min in den heißen Ofen schieben. Der Boden soll von unten schön knusprig sein

Anmerkung m: wie man touriert, das könnt ihr euch abschauen bei meinem echten Blätterteig - völlig easy! Wichtig bei Blätterteig-Gebäcken ist das heiße Backen!

 

Dünkel: Rote Bete-Flammkuchen mit Petersiliencrème und Ziegengauda

Sonntag, 23. Oktober 2022

 

Ich kann es nicht leiden, wenn im Schuh die Socke Richtung Zehen rutscht. Was ist das ein gruseliger Scheiß, den die Socke da anstellt? Das kann einem jeden Spaziergang versauen. Und bedeutet unabwendbar das Ende der Socke in diesem Haushalt.

Dünkel kann ich ebenfalls nicht ab. Man dünkt sich erhaben, nur weil man in eine bessere Schicht geboren ist, sich attraktiv glaubt, sportlich, intelligent, gerissen, mächtig, weil man das dickere Auto/ Lastenfahrrad/ Handtasche... fährt, weil man sich für wichtig, unersätzlich, einmalig, aussergewöhnlich nimmt - die Auswüchse von Dünkel sind so zahlreich wie Sand am Meer. Und immer gleich bescheuert. Und es steht ausnahmslos niemandem gut zu Gesicht, die Nase ein paar Zentimeter höher zu tragen. Da kann doch keiner für Verständnis erwarten - echt nicht!

Dieser innerlich erlebten Erhabenheit, die vielen Besitzern möglicherweise noch nicht einmal bewußt ist, sind wir doch alle schon begegnet. Einbildung ist auch eine Bildung, hieß es früher. Und wenn man den Dünkel auf Erden eleminiert bekäme, weicht die Menschheit auf eine der vielen anderen, geistigen Krankheiten aus. Ich gebe den Glauben in der Hinsicht auf. Wenn Dünkel nur nicht so nerven würde als Gegenüber. Am liebsten würde man gegen diesen selbstgezimmerten Podest treten und rufen: *Komm runter, du Freak!* Oder mit der Nadel in diesen prallen Luftballon der Blasiertheit stechen. Aber gegen Selbstverblendung ist nunmal kein Kraut gewachsen.

Obwohl: eigentlich schon. Die Selbstwahrnehmung. Die Gewissenserforschung. Der gesunde Menschenverstand und damit eine natürliche Begabung sich selbst richtig einschätzen zu können. Mit Christian Morgenstern: *Höher als alles Vielwissen stelle ich die stete Selbstkontrolle, die absolute Skepsis gegen sich selbst.* Oder mit dem Habib: die *Große Null* als Lebenseinstellung, weil die sich von ganz alleine einstellt bei einer aufrichtigen Hinwendung zum Größten. Zu viel verlangt, ich weiß.

Strumpfhosen, die im Schritt Richtung Kniekehlen rutschen, machen mich auch wahnsinnig. Als würde einem zwischen den Oberschenkeln eine Schwimmhaut wachsen. Auch infernaler Superscheißdreck. Darum trage ich eigentlich nur Leggins, weil dem Gefühl gehe ich lieber aus dem Weg. Die Chance habe ich bei Dünkel ja leider nicht. 

 


Flammkuchen ist immer eine gute Idee, wenn es in der Küche schnell gehen soll und man nicht riesig Lust zum Kochen hat. Hiermit Vorschlag 15 zu einem weiteren dieser Gattung! Und ein - bei aller Bescheidenheit - richtig guter sogar. Zumindest innerhalb meines Geschmacksuniversums.


Zutaten 2P:

Flammkuchenteig
160g Dinkel 1050
60g Einkorn-Vollkorn
1 TL, klein Salz
1 EL Sesam
1 TL Koriander, geschrotet
2 EL Öl
120ml Wasser

Belag:
eine mittlere Rote Bete, gekocht
1-2 EL weißer Balsamico 
1 EL Olivenöl
1 kleine, rote Zwiebel
1 kleiner Bund Petersilie
150g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
Ziegengauda
Kreuzkümmel
ein paar Granatapfelkerne (optional)

 

Zubereitung:

Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz, den Thymian und das Öl mit 60ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen. 

Den Ofen mit einem Pizzastein vorheizen (ca. 250°). 
 
Die Rote Bete in Scheiben von ca. 2-3mm schneiden und diese marinieren mit dem Balsamico und dem Olivenöl. Salzen und pfeffern. Die Zwiebel schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden.
 
Die Petersilie fein wiegen und mit der Crème fraîche vermengen. Salzen und pfeffern.

Den Flammkuchenteig teilen, jeweils schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der Crème bestreichen, den Rote Bete-Scheiben und den Zwiebelringen belegen und mit Käse bestreuen. Zuletzt den Kreuzkümmel und die Granatapfelkerne darauf verteilen. Nochmals leicht würzen, mit Olivenöl beträufeln und die Flammkuchen im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Franco-allemand: Tarte alsacienne de choucroute et Munster

Mittwoch, 16. Februar 2022


Nicht nur mein Hang zu kernigen Vollkornbroten verrät meine deutschen, kulinarischen Wurzeln, ebenso meine Liebe zu Sauerkraut - womit ich gleichzeitig ein französisches Vorurteil bediene, nämlich dass ALLE Deutsche gerne Sauerkraut essen.

Im Verkauf aber stammt das Sauerkraut dann wieder aus dem Elsaß. Das französische Selbstverständnis ist verblendet egozentrisch. Da wird sich gerne gebärdet wie ein kleines Mädchen, das sein glitzerndes Prinzessinnenkleid angezogen hat, das fasziniert an sich herabblickt, das sich dabei um sich selbst dreht und strahlend in die Welt schaut: da kann nur Applaus kommen! 

Was? Wie? Andere Mütter sollen auch schöne Töchter haben? Aber doch nicht außerhalb Frankreichs! Man ist sich einfach sicher, dass Frankreich die hübschesten Mädchen, den besten Wein, die verwegensten Liebhaber, die eleganteste Mode, das leckerste Essen, die klingendste Sprache, die größte Käsevielfalt, die stimmungsvollste Musik, den perlendsten Champagner, die herrlichsten Landschaften undundund... hat. Der stolze Franzose - schamloses Leitkultur-Lebensgefühl: die Nase wird mit zusätzlich zurückgelegtem Nacken nach oben getragen. Oder eben: *Was man liebt, das weiß man auch zu loben!*

Und irgendwie haben die Fränzis es geschafft, das französische Selbstbewußtsein zum Exportschlager zu machen. *Leben wie Gott in Frankreich* sagen wir Deutsche und bestaunen das französische Savoir-Vivre. Wer nach Frankreich kommt, freut sich auf all die Köstlichkeiten, mit denen er selbst den Kofferraum ausstopfen will. Die Selbstverliebtheit der Franzosen ist irgendwie ansteckend.

Nun, ich liebe die französischen Produkte zum Kochen auch - von mir kann man keinen Widerspruch erwarten. Selbst wenn ich dabei mindestens so verankert bleibe in der deutschen Küche oder meiner Leidenschaft zur frischen italienischen Pasta. Kulinarisch bin ich überzeugt polyamor. Oder panamor - nennt es, wie ihr wollt. Da bleibe ich mir treu.

Fakt ist: das ist die beste Sauerkraut-Tarte, die ich je gemacht habe. Daran wird nicht weiter rumgetüftelt: das gibt meine Standart-Sauerkraut-Tarte. Der schmelzende, charakterstarke Münster in der Mitte ist die Krönung! Für Sauerkraut-Fans und Käsefreunde ist diese Tarte ein großes Fingerschlecken! Und für mich eine amour fou - franco-allemand!

 


Zutaten 2P/Tarteform ⌀22cm:

Tarteboden:
50g Einkorn-VK
50g Roggen-VK
40g Dinkel 1050
2 TL Thymian
Salz, Pfeffer
70g Butter
2 TL Crème fraîche
etwas kaltes Wasser

400g Sauerkraut (roh)*
1 Zwiebel
2 Knofi
1 kleiner Apfel
1 TL brauner Zucker
2 TL Thymian
3 Wacholderbeeren
2 Lorbeerblätter
70g Crème fraîche
1 Ei
Salz, Pfeffer
etwas Gemüsebrühe
Olivenöl 
100g Münster

Zubereitung:

Zuerst das Sauerkraut vorbereiten - idealerweise ist es (wie bei mir) der Rest vom Vortag. Zwiebel und Knofi frein würfeln. In Olivenöl anschwitzen und den fein gestifteten Apfel (m: mit Schale) mitschwitzen, sobald die Zwiebel glasig ist. Den Zucker darüber karamellisieren lassen. Sauerkraut, Gewürze und etwas Brühe anschütten. Bei kleiner Hitze und geschlossenem Deckel etwa 40min weich garen. Die Brühe sollte nahezu verkocht sein. Etwas abkühlen lassen, dann die Lorbeerblätter entfernen (wen es stört: ebenfalls die Wacholderbeeren).

Parallel den Tarteteig zubereiten: dafür die Butter in kleinen Flöckchen unter das Mehl (dem die Gewürze zugefügt wurden) untermischen. Dann so viel kaltes Wasser wie nötig untermischen und zügig zu einem homogenen Teig verkneten. In Folie wickeln und mindestens eine halbe Stunde kalt stellen.

Ofen auf 200°C (m: Intensiv-Backen) vorheizen.

Eine Tarteform (⌀22cm) buttern. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche auswellen und die Form samt Rand damit bekleiden. 

Die Crème mit dem Ei vermengen, anschließend das Sauerkraut unterziehen. Die Hälfte der Masse auf den Tarteboden verteilen. Den in Scheiben geschnittenen Münster darauf setzen, dann abdecken mit der zweiten Hälfte des Sauerkrauts.

In den heißen Ofen schieben. Für 20min backen, dann auf 180° runterschalten und weitere 20min backen.

Anmerkung m: mein Sauerkraut habe ich selbst fermentiert/ schneller und praktischer ist, wenn man auf bereits gekochtes Sauerkraut zurückgreifen kann - weshalb ich immer die doppelte Menge Sauerkraut zubereite / mit 500g Sauerkraut habe ich die gleiche Tarte auch schon gebacken...

 

Märchenidylle: Curried Cauliflower Cheese Filo Pie - Lava-Style

Sonntag, 7. November 2021

 

Liegt auf diesem Foto unser Dorf *Gigors* nicht wie in einer verzauberten Märchenlandschaft? Der Welt wie enthoben. Fast unecht. Fast zu schön um wahr zu sein.

Eine Kulisse wie gemacht um ins Träumen zu geraten: was wäre wenn auf der Erde alles laufen würde wie im Märchen. Das Gute siegt über das Böse, Lügen haben kurze Beine, der Anständige wird belohnt, auf den Übeltäter wartet die gerechte Strafe. Auf jede Aktion folgt unmittelbar die entsprechende Reaktion und jeder erhält die Konsequenz, den Bumerang seines Tuns direkt um die Ohren gehauen.

Jedes Reden kann die Motivation dahinter nicht verbergen, sondern der eigentliche Grund jeden Sprechens und Tuns liegt offen für jeden sichtbar. Eine wüste Hexe wird durch den Buckel und die Warze auf der Nase verraten, vom Bösewicht geht ein unerträglicher Geruch von Schwefel aus, weil Innen und Außen einander entsprechen, weil Tugendhaftigkeit mit Schönheit einhergeht und Schlechtigkeit mit Hässlichkeit. Alle, die Verantwortung tragen, haben sich diese Ehre erst verdient, durch Redlichkeit und viele guten Taten, mit denen sie sich über Jahre hinweg dieses Amtes würdig zeigten. Neid, Wut, Eifersucht, Missgunst, Hochmut und Ängste werden im Keime erstickt, weil die Menschen über die Jahrhunderte gelernt haben, solche Emotionen gar nicht erst hochkommen zu lassen. Miteinander teilen ist das Selbstverständlichste der Welt.

Habgier, Ausbeutung und Egoismus wurden verwandelt durch eine durchgängig altruistische Haltung den anderen gegenüber. Respekt und Achtung wird allem Leben gezollt, Pflanzen wie Tiere eingeschlossen. Der Mensch lebt zufrieden in Einklang mit seiner Umgebung, macht sich der Natur Untertan und freut sich von morgends bis abends am friedlichen Miteinander aller Geschöpfe.

 


Ein Ertrinken in Harmonie, Frieden und Glückseligkeit!

Kein Spiel mehr von Licht und Schatten.

Und dann? Dann wäre die Polarität aufgehoben und die Erde mit Materie und Geist gar nicht möglich. Und somit der Ort, an dem der Mensch in aller Freiheit Erfahrungen machen kann, um zu Erkenntnis zu gelangen - der Sinn des Lebens - wäre lediglich eine phantastische Idee.

Das darf man sich ins Bewußtsein holen, wenn die Sehnsucht nach eben einem solchen Ertrinken manchmal wie übermächtig über einen kommt. Aber davon zu träumen, tut dennoch gut. Und gar noch besser für all jene, die es vermögen, ihr Leben so weit es geht in diese Richtung zu basteln...

 



Golden wie unser Herbst ist dieser Pie!

Die Rezept-Inspiration habe ich von Ottolenghi übernommen. Mit dem Rezeptetitel ist bereits alles verraten: es schmeckt genauso, wie es heißt. Märchenhafte Versprechung also - es wird nicht geschummelt, es ist ein mummeliges Herbstgericht, knusprig, cremig, mit Käsefäden, bei dem sich die Blumenkohl-Füllung mit dem Anschnitt beinahe (also grobinetwaungefähr) wie Lava ergießt !

Béchamel-Sauce war sehr lange sehr out. Und wißt ihr was: mittlerweile ist mir der Status von Béchamel schietegal. Zumal ich Béchamel-Sauce schon immer mag. Gerade und besonders zu Blumenkohl.

 


Zutaten - kleine Springform: 

ca. 450g Blumenkohl
1 1/2 TL Curry*
2 EL Sonnenblumenöl
Salz, Pfeffer
(m: Thymian)
40g Butter
40g Mehl
ca. 100ml Blumenkohl-Sud*
ein Blubb Sahne
80g Käse, geraspelt (m: Tomme de brebis)
Salz, Pfeffer
etwas heller Balsamico 
ca. 6 viereckige Blätter Filoteig*
flüssige Butter

Zubereitung:

Ofen auf 200°C vorheizen.

Blumenkohl in kleine Röschen aufteilen und in einer großen Schüssel mit Öl, Curry, Salz und Pfeffer marinieren. Die Röschen auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech verteilen und für ca. 15min in den Ofen.

Aus Strunk und/ oder Blättern einen Sud kochen - dafür die Reste grob hacken und in Gemüsebrühe etwa 10-15min abgedeckt köcheln lassen. Sud abschütten und auffangen.

Die Butter in einem Topf schmelzen und das Mehl einrühren, dabei das Mehl dabei keine Farbe annehmen lassen. Unter stetigem Rühren mit dem Schneebesen den Sud anschütten und aufpassen, dass sich keine Klümpchen bilden. Rühren, rühren bis die Béchamel andickt, dabei den Schuß Sahne unterschmeicheln und die Sauce für die Pie-Füllung etwas mehr eindicken lassen als für eine übliche Sauce. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und etwas hellem Balsamico (Apfelessig/ Zitronensaft). Ein wenig abkühlen lassen, dann den geraspelten Käse untermischen.

Den Ofen auf 180° runterdrehen.

Eine kleine Springform buttern (Ottolenghi kleidet den Rand mit Backpapier aus - ich habe das nicht für nötig befunden). In einem kleinen Topf etwas Butter schmelzen lassen. Nun die Springform mit viereckigem Filoteig derart auskleiden, dass ein guter Teil auch über den Rand ragt (den will man später entweder über den Pie - so wie ich - oder wie Ottelenghi als vergrößerten Knusperrand über die gefüllte Tarte stülpen. Jedes Blatt Filo wird vorher mit Butter bepinselt und dann übereinander geschichtet bis die Form ausgelegt ist.

Die Hälfte der Béchamel in die Form geben, darauf die Blumenkohl-Röschen, und darauf dann wieder die restliche Béchamel. Die überlappenden Filoteigblätter als Rand darüberdrappieren und ebenfalls wieder mit etwas Butter bepinseln.

Ottolenghi stellt die Kuchenform noch auf ein etwas größeres Blech, damit eventuell herauslaufende Butter nicht den Ofenboden verunreinigt.

Für ca. 25min in den Ofen schieben. Dann den Rand der Form (und gegebenenfalls das Backpapier) entfernen und weitere 15-25min backen bis der Filoteig schön knusprig ist.

Dazu passt ein frischer Salat. 

Anmerkung m: meine Filoteig-Blätter sind rechteckig - ich nahm also 4 Stück und verbastelte die abgeschnittenen Reste (würde etwa 6 viereckige Blätter ergeben). Ottolenghi verwendet nicht wie ich einen Sud aus Blumenkohl-Abschnitten sondern Milch/ Ras el Hanout anstelle von Curry passt auch prima

Inspiration: YT - Ottolenghi Test Kitchen 

 

 

wer *Gigors* hier entdeckt, findet unser Dorf auch auf dem ersten Foto ;-)

Meditation: Artischocken-Quiche mit getrockneten Tomaten und Knoblauch

Sonntag, 9. Mai 2021

 

Wenn ich in die Küche maschiere, dann weiß ich, was ich kochen will. Dann denke ich gar nicht weiter nach, dann mache ich einfach einen Arbeitsschritt nach dem nächsten. Dabei hake ich gerne jeden mit einem so gewissenhaften wie energischen *Sssooh!* ab - so lange bis ich das Essen fertig gekocht habe. Das läuft dann alles fast wie von alleine. Auf diese Weise stresst mich Kochen nie. 

Ist ja beim Sporteln ähnlich. Wie weißt Mady bei einem Wechsel einer fiesen Bauchübung an: *Gar nicht denken, einfach machen!* Ist SEHR oft tatsächlich das Beste, was man machen kann. Aber dieses *Just do it* ist leichter gesagt als getan. Und zwar weil der Kopf dem Körper ein Bein stellt. Im Yoga wird vom *monkey mind* gesprochen. Mit *monkey mind* ist die endlose Flut an Gedanken gemeint, die man nicht ausschalten kann und die wie ein dauer-unruhiges Äffchen im Gehirn-Käfig hin und herspringen. Und man bekommt diesen Affen nicht zur Ruhe - unabhängig von der Umgebung, selbst bei äußerer Stille. Ein ewig sich fortsetzender, unaufhaltsamer Bandwurmgedankensalat.

Unvergessen bleibt mir der philippinische Schamane, den ich zusammen mit dem Habib kennenlernte. Einer von denen, die mit ihren Händen operieren - und zwar bei geschlossener Bauchdecke. Ja, für jene mit wachen Augen und offenem Geist ist die Welt voller unerklärlicher Wunder. Eben dieser Schamane sprach davon, dass wir Weißen zu viel Spaghetti im Kopf hätten. Im Prinzip meinte er das Gleiche wie die Yogis mit dem Monkey. Wir tun uns schwer, das Gedankenkarussell mal auszuschalten, wir müllen uns geistig selbst zu - unkontrolliert und unbewußt. Die Laokoon-Geschichte - kommt mir ad hoc in den Sinn - erhält gerade einen weiteren Dreh!

Mein Vipassana-Meditationskurs in Yangoon war für mich eine harte Nuss - 10 Tage dehnten sich wie Gummibänder. Trotzdem werden alle, die regelmäßg meditieren bestätigen, wie wohltuend das fürs Allgemeinbefinden ist. Wie meinte der Habib: wir räumen alles auf, vom Wohnzimmer über die Festplatte, aber uns selbst müllen wir stetig zu und säubern uns nicht. Auf die Anregung meines Habibs hin - den ich bewundere für seine seismographische Sensibilität - habe ich also mit dem Meditieren begonnen. Und ich fühle mich ganz als Novitzin. *Gott kann nur den hören, der still ist*, findet der koptische Eremit in Ethiopien Abba Tesfay. Unsere stille Umgebung, unser harmonisches Wohnen hilft mir in meinen Anfängen sehr.

Denn das gilt es zu üben, das  ruhige Sitzen, der in sich gekehrte Blick ins Schwarze, die Zunge, die vom Gaumen gelöst ist, dieses Sich leer machen, nach innen lauchen, mal nix müssen, das Nichts aushalten, nur fühlen... Im Prinzip wie *Einfach nur machen* - nur ohne machen. Denken in Bildern ohne Begriffe.  *Pssscht* ermahne ich mich wiederholt, wie ein quengelndes Kind, das wieder und wieder versucht auszubüchsen.

Mein auserkorener Meditiationslehrer ist der französische Apnoetaucher Guillaume Néry. *Ich habe den Wunsch, über bestimmte Grenzen hinauszugehen, mich selbst herauszufordern. Und die Unbekannte, die es mir erlaubt, diese Grenze zu erreichen, ist ein Zustand inneren Friedens, den ich nur durch völliges Loslassen erreichen kann*. Er dient mir als Vorbild, denn wie er ohne zu atmen immer tiefer und tiefer auf den Grund des Meeres sinkt, das ist für mich DAS Bild!

Überhaupt empfehle ich die ganze Triologie von Arte *Was uns heilig ist*, denn eigentlich wußten alle vorgestellten Menschen zu beindrucken und ich hörte allen gerne zu. Wie die kanadische Qi-Gong und Yoga-Lehrerin Nicole Bordelau:* Zum spirituellen Weg gehört für mich auch, die Augen zu heben und den Raum über unseren Köpfen zu betrachten, Fragen zu stellen und mich mit etwas Schönerem, Größerem zu verbinden.* Oder die zweite Lektion von Sylvain Paquin *Laß dem Fluss seinen Lauf, er weiß, wo es lang geht, er wird dich ans Ziel bringen. Spar dir deine Kräfte für Turbulenzen. Denn wenn die Stromschnellen - also die Prüfungen des Lebens - kommen, wirst du deine ganze Energie brauchen, um sie zu bestehen.* Ich könnte noch viele, viele weitere Zitate herausgreifen, die mich alle zutiefst angesprochen haben, doch schaut selbst, es lohnt sich:

Ganz wunderbar wird anhand unterschiedlichen Menschen aufgezeigt, dass es piepegal ist, ob man die Betonung nun mehr auf Rückzug, Harmonie, Barmherzigkeit, Achtsamkeit oder Stille legt. Viele Wege helfen bei der Suche, mehr zu sich selbst zu finden, mit Kräften außerhalb seiner selbst oder dem Geist in Kontakt zu treten - alle Wege eint, dass sie stets individuell und nicht übertragbar sind.




Ich finde, ein Rezept mit Artischocken passt sehr gut heute dazu, denn der Artischocke wird nachgesagt, dass sie der Leber bei der Entgiftung hilft. Unumgänglich, ja vielleicht die ersten Schritte, wenn man getrieben ist von der Sehnsucht nach Heil und Einklang und gutem Wohnen in sich selbst.

Wir essen gerne Artischocken, oft die großen als Ganzes gegart. Aber auch die kleinen kommen häufig auf den Tisch - mit etwas Übung sind sie schnell gerüstet. Dazu gibts ja mittlerweile ohne Ende Lehrfilmchen. Ich habe die Artischocke ganz südfranzösisch mit jungem Knoblauch kombiniert, für den die Drôme ja Anbaugebiet ist.


Zutaten - Tarteform 24cm (Durchmesser):

Tarteteig:
75g Einkorn-VK
75g Dinkel 1050
75g Butter, kalt
1 TL Crème fraîche 
1/2 TL Chiliflocken
Salz
etwas kaltes Wasser

3 Artischocken (je nach Größe auch 4)
2 junge Knoblauchstangen*
30g getrocknete Tomaten
100g Saint Félicien
50g Crème fraîche
1 Ei
Salz, Pfeffer
Abrieb einer 1/2 Zitrone
einige Zweige Zitronenthymian
Piment d'Espelette
Olivenöl
etwas Gemüsebrühe

Zubereitung:

Aus den Zutaten zügig einen homogenen Teig kneten - die Butter dafür flöckchenweise unterarbeiten -  und den Teig eingewickelt mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Die Tarteform buttern. Den Teig auswellen und die Tarte samt Rand auskleiden. Den Boden mehrfach einer Gabel einstechen. Für ca. 30min in die Tiefkühltruhe stellen. 
 
Die getrockneten Tomaten mit ein wenig kochendem Wasser übergießen und einige Minuten quellen lassen. Die Knoblauchstangen in feine Ringe schneiden. Die Artischocken putzen und Zitronenwasser zwischenlagern. Die Tomaten fein würfeln - in ca. 3 EL Restwasser etwas Gemüsebrühe lösen.

Olivenöl erhitzen und Artischocken mit Knoblauch darin anbraten. Mit Zitronenthymian würzen, salzen und pfeffern. Die wenige Gemüsebrühe zufügen, Hitze verringern, Deckel auflegen und die Artischocken in einigen Minuten fertig garen.

Währenddessen eine Crème rühren aus Käse, Crème Ei und Tomate. Mit Piment und Zitronenschale würzen. Salzen und pfeffern.

Den Backofen auf 200°C (Umluft/ m: Intensivbacken) vorheizen.

Die Crème auf dem Tarteboden verstreichen, die Artischocken darauf verteilen und etwas in die Crème drücken. Mit ein wenig Olivenöl beträufeln und für 20min in den Ofen schieben. Dann weitere 20-25min backen bei 180°C. Backzeit insgesamt 40-45min

 

meine Zunft: Veggie - Lahmacun

Freitag, 23. April 2021


Sich selbst gegenüber ist man geschlagen von einer veritablen Betriebsblindheit. Aber mir ist gerade etwas über mich klar geworden: ich stand schon immer am Rand. 

Drängte mich meine Familie unfreiwillig in die Außenseiterrolle, so wählte ich diese Position später mit Absicht. Die Zeit im Handwerk, dann die Jahre, in denen ich am Theater als Bühnenplastikerin gearbeitet habe und später mein Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie, machten mir bewußt, dass ich unter jenen meinen Platz gefunden hatte. So habe ich die direkte Sprache der Handwerker schätzen gelernt, bei denen ohne jeden Knoten  Scheiße *Scheiße* heißt, ebenso wie ich mich im chaotisch-bunten-unangepassten Kosmos der Künstler wohl fühlte - denn er schenkt mir Raum für Selbstbestimmung. Für diese gewonnene Freiheit verzichte ich gerne auf das mollige Gefühl, in der Masse untertauchen zu können. Ich habe kapiert, dass es die kleine Gruppe gibt, denen Freiheit alles bedeutet, und die andere, größere, die nichts mehr scheut als Selbstverantwortung und deshalb sehnlichst nach Vorgaben aller Art ruft (s. dazu Dostojewskis *Der Großinsquisitor*).

Ja, tatsächlich war das einer der Gründe, wieso ich mich so jung habe tätowieren lassen: wenn mich wegen ein bißchen Farbe euer bürgerliche Maßstab der Äußerlichkeiten verurteilt, dann sortiert ihr euch von alleine aus - dann brauche ich euch nicht! (In der Jugend besteht die Welt ja voller Sätze mit Ausrufezeichen, die Fragezeichen kommen erst mit dem Alter hinzu). Hey, und damals galt ein Tattoo noch als richtiges Statment, man mischte sich unter Matrosen, Knaxis und die Outlaws - nicht wie heute, wo jeder Assi und Fußballspieler zugetackert ist. Dass sich die Geschichte mal so drehen würde, wer hätte das damals für möglich gehalten?!

Naja, und gegen die hochgehaltene Fassade meines Sparkassen-Vaters konnte ich nebenbei auch hervorragend rebellieren, die ganz den deutschen Konformismus repräsentierte, das unausgelöschte, still weiterlebende Erbe des dritten Reichs. Vielleicht hat es der Mainstream in Deutschland deshalb so leicht. Vielleicht weil man es ja bereits von der Schule kennt: Musterschüler spült es leichter nach oben. Als Jugendliche habe ich darüber gekotzt, dass in Deutschland Frauen ab einem gewissen Alter alle im gleichen Einheitslook unterwegs waren mit Nylonstrümpfen und der Standart-Oma-Dauerwelle auf dem Kopf!

Nun lebe ich - wie vor vielen Jahren so lustig ein Paketzusteller meinte - am Ende der Welt in einem kleinen, französischen Dorf (wieder an dessen Rand) in Beziehung mit einem Mann, der deutlich älter ist, und wir pfeifen dabei auf die für andere so wichtigen Konventionen. Wer sich nicht einfühlen kann, dem empfehle ich einen konsequenten Alkohol-Verzicht für wenigstens 1-2 Jahre: auf diese Weise wird von ganz allein gelehrt, wie leicht einem ohne jedes Verschulden der Platz als Gast am Zaun zugeteilt wird...

 *Ermangelung ist Weisheit* erklärt der Masai-Stammesälteste in *Down to earth* (einen Film, den ich nicht oft genug empfehlen kann). Wie recht er hat! So wurde mir erst mit dem vergangengen Jahr bewußt, WIE sehr ich mich der Guilde der Künstler zugehörig fühle (und gärtnern, kochen, fotographieren und schreiben ist nur ein kleines Ventil - irgendwann, das weiß ich, werde ich in der Bildhauerei wieder Zuflucht nehmen). Wir Künstler kommen damit zurecht, dass andere anders sind. Wir leben ganz selbstverständlich in einer heterogenen Gesellschaft (das inspiriert!), aber versuchen mit unserer Tätigkeit unseren friedlichen Teil zum Ganzen, zum Miteinander beizutragen: die Nahrung fürs Gemüt  (#Pazifismus, #Non, je ne suis pas Charlie, #für Kunst, die dem Schönen, Wahren, Guten verpflichtet ist)! 

Dafür braucht es einen gewissen Abstand zu dem Großteil der Bevölkerung, denn nur aus der Distanz läßt sich gut beobachten. Ich staune gerade selbst über mich, wie sehr mich die Flashmobs berühren - es gibt sie noch, die anderen, meine kleine Zunft. *Danser encore* flattert weiter und weiter: in den Gare de l'Est von Paris (vorangesellt der Satz: *la peur de la mort n'empêche pas de mourir mais elle empêche de vivre!*), nach La Chapelle en Vercors (ein Steinwurf von uns entfernt, und  wißt ihr, wen ich dort entdeckt habe? Den Vater von meinem Birk!), nach Zürich, Brüssel, Berlin, Freiburg, Bologne, Barcelona... Das Herz geht mir auf, wenn ich die Menschen singen und tanzen sehe! *Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst, und man verknüpft sich nicht sicherer mit ihr als durch die Kunst!* (Goethe)

Wie untrennbar Gesellschaft, Kunst und Kultur zusammengehören gilt es aktuell ganz neu zu denken und sich vorzustellen anhand einer Holzskulptur, die sich im Museum Jekaterinburg befindet: sie wurde als älteste, menschliche Holzskulptur von Wissenschaftlern nun auf ein Alter von sagenumwobene (!) 12 000 Jahre datiert - was unser Bild einer Gemeinschaft aus Jägern und Sammlern revolutionieren muss! Tja, wer Kunst und Kultur nicht entsprechend wertzuschätzen vermag, der hat nicht nur vom Menschsein nichts verstanden, sondern der darf sich geistig noch nicht mal zu den Neandertalern ans Feuer setzen!

 


Lahmacun wird klassisch mit Hack gemacht - ich habe bereits hier mal eine vegane Version vorgestellt. Nun biete ich euch eine weitere, vegetarische Variante an.


Zutaten 2-4P:

Vorteig:
75g Einkorn-Vollkorn
75g Wasser
1g Hefe

Hauptteig:
175g Mehl (m:T65)
90-100ml Wasser (m: davon ein Schuß Milch)
1/2 TL Salz
7g Hefe
1 EL Öl 

400g Blumenkohl
Thymian
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1 Stange Lauch
3 Pilze
100ml Ofentomaten
2 EL Tomatenmark
1 TL Harissa
2 EL Tamari
1 Zweig Rosmarin, fein gehackt
2 TL Oregano

Belag:
Feta
Paprika, gewürfelt
grüner Salat
Zwiebelringe

Joghurtsauce:
Minze, fein gehackt
Knoblauchzehen, fein gehackt
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

 


 

Zubereitung:

Vorteig am Abend zuvor ansetzen: Zutaten vermengen, Teig bei Raumtemperatur etwa eine halbe Stunde anspringen lassen, dann abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Dann alle Zutaten für den Hauptteig vermengen, ins warme Stellen, abdecken und aufgehen lasen, bis er sich sein Volumen verdoppelt hat (dauert etwa 1 Stunde).

Parallel den Belag zubereiten. Ofen auf 220° vorheizen - direkt mit Pizzastein. Blumenkohl im Hexler kleiner schreddern (nicht zu muß, soll stückig sein), in eine ofenfeste Form geben, mit 1-2EL Olivenöl und Thymian vermengen und im Ofen rösten, bis er Röstaromen angenommen hat (dauert etwa 15min - zwischendrin wenden). 

Für die Sauce Gemüse putzen und klein würfeln. Zuerst die Schalotte in Olivenöl andünsten, dann Knofi zugeben und Lauch und Pilze und weitere 5min mitbraten. Ofentomaten, Tomatenmark, Gewürze und den Ofen-Blumenkohl unterrühren und bei kleiner Hitze ca. 5min köcheln lassen. Salzen, pfeffern, würzig abschmecken mit Harissa und Tamari.

Den Teig vierteln und daraus vier dünne Fladen ausrollen. Die Sauce auf die vier Fladen verteilen und je zwei hintereinander auf dem heißen Pizzastein backen.

Währenddessen die Joghurt-Sauce zusammenrühren und den Belag richten

Zum Servieren mit zerkrümmelten Feta, in Streifen geschnittenen Salat, Zwiebelringe und Paprika-Würfel belegen.

*Anmerkung m: als Variante kann man die Fladen noch dünner als Flammkuchen wellen und backen, so dass man sie zum essen Wickeln kann wie ein Yufka. 

 


Bal kabakli gül böreği - Börek-Rosen mit Kürbis-Walnuss-Füllung

Dienstag, 12. Januar 2021


In Südfrankreich befinden wir uns inmitten eines Ausbruchs einer kleinen Eiszeit. Zumindest fühlt es sich so an. Seit Weihnachten klettern die Temperaturen selbst tagsüber selten über Null. Der Himmel zeigt sich in eben jenem momoton-grau-bleiernen Anstrich, der die Bewohner eines kleinen gallischen Dorfs einst veranlasste zu befürchten, er könne jederzeit auf sie hinabstürzen. Und um sich gegen die feuchte Kälte zu wappnen, benötigt man grob geschätzt eine Tonne an Klamotten, in denen man sich nur bewegen kann wie eines dieser beknackten Teletubbies. Der zusätzliche Mundschutz, die dauer-beschlagende Brille, die triefende Nase, drei Monate kaum Geselligkeit - es ist zum aus der Haut fahren. 

Obendrein erneut verschärfte Beschränkungen... Ich komme mir vor wie ein zu eng geschnürtes Paket, das zu platzen droht. Ganz so, als hätte ich über Nacht mehrere Kleidergrößen zugenommen und nun presst mich alles ein, was ich mir über den Kopf oder Hintern ziehe: alles zwickt, kneift und passt nicht. Von allen Seiten werde ich gedeckelt.

Am liebsten würde ich einen Schrei lassen, mich mit gestreckter Faust ein Mal im Kreis drehen und alles niederbügeln, was mir zu nahe kommt. Ein Befreiungsschlag gegen diesen beißenden Zwinger, der mich umkreist und mir die Zähne zeigt. Ich kann es nicht leiden, wenn man versucht, mich klein zu halten - das hatte ich ausreichend im Elternhaus!

Warum ist nicht wenigstens Beamen schon erfunden?! Eine kleine Auszeit von dem Mist nehmen, mal wieder durchatmen - das würde schon Erleichterung veschaffen. Und zwar - wütend mit den Füßen aufstampfend -  JETZT SOFORT! Ich habe die Nase voll! Selbst die Zeit hat eine eigenartige Kaugummi-artige Konsistenz - die Tage fließen zäh und schwer trennbar ineinander über...

 

 

Ja, Zwergenaufstand, ich weiß. Aber so mache ich mir wenigstens mal etwas Luft. Das ist schließlich schon ein Nadelöhr, durch das die Menschheit gerade gedrückt wird. Wie bedeutungslos aber sind individuelle Befindlichkeiten in Anbetracht geschichtlicher Abläufe, denen man nur staunend (fassungslos) hospitieren kann?! Trotzdem freue ich mich sehr darauf, wenn endlich ein Silberstreifen am Horizont zu sehen ist, der das Ende markiert. Der fehlt mir als hoffnungsstiftendes Licht enorm!

Ich schaue aus dem Fenster bis auf die verhangende Spitze des Troi Becs, jenen Berg, der unsere Tal und damit unseren Panoramablick begrenzt. Gott sei Dank habe ich diese Weite um mich, die schon vieles relativiert. Gott sei Dank ist mein Habibi die erste Wahl von Habibi! Gott sei Dank kann ich uns wenigstens was Feines kochen. Sonst könnte ich Vogelstrauß-Anfälle schwer unterdrücken.

Heute habe ich uns kleine Päckchen gewickelt - um wieder an oben anzuknüpfen. Börek zählt bekanntermaßen zu einem Lieblingsgericht. Börek kennt man in Zigarrenform, als Schneckchen oder als Spirale. Diese türkische Technik eine Füllung mit Teig zu ummanteln finde ich eine besonders hübsche - unten habe ich euch zu einem Youtube-Film verlinkt, der das sehr schön veranschaulicht. Man kann sie einzeln in der Muffinsform backen (prima für Vorspeisenteller) oder nebeneinander in einer dicht schließenden Form! Knuspernder, stimmungsaufhellender Genuss!


Zutaten 2P:

6 Filo-Blätter (Yufka/ Brick-Teig)
250g Kürbis, grob geraspelt
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
2 EL Petersilie, fein gehackt
2 EL Walnüsse, geröstet, gehackt
120g Schafkäse (Feta/ m: Ziegenkäse und ein Rest Bergkäse)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl

100g Joghurt (m: Schafsjoghurt)
80ml Milch
25ml Öl  (m: Sonnenblumenöl)
2 TL Mehl
Salz, Pfeffer

flüssige Butter zum Bepinseln

Zubereitung:

Für die Füllung Schalotte und Knoblauch fein würfeln.  In etwas Olivenöl glasig dünsten, geriebenen Kürbis dazu und kurz ebenfalls mitbraten, bis er leicht zusammenfällt. Petersilie untermischen. Würzen und etwas abkühlen lassen. Zusammen mit Walnüsse und Käse in einer Schüssel vermischen.   Joghurt, Öl, Milch und Mehl klümpchenfrei miteinander vermengen, salzen und pfeffern.
Die Yufkablättern ausbreiten - je nach Größe zuschneiden. Ich habe meine rechteckigen Brick-Blätter schräg (nicht genau diagnola) halbiert, so dass ich ein sehr unregelmäßiges Fünfeck erhielt. Große runde Yufkablätter viertelt man - aber das wird euch klar, wenn ihr das unten verlinkte Filmchen anschaut..  
Ein Dreieck auf der Arbeitsfläche ausbreiten und mithilfe eines Pinsels etwas Butter auf ein Dreieck streichen. Mit Zeigefinger und Daumen die Mitte des Teigdreicks leicht anheben und nach rechts verdrehen, um auf diese Weise einen Wirbel zu bekommen. Mitte wie umliegender Teig mit dem Joghurtgemisch besprenkeln. In das Zentrum des Wirbels 1 Esslöffel der Füllung platzieren. Die Seiten des Yufkablattes über die Füllung schlagen. In eine gebutterte Gratinform setzen und das 11 mal wiederholen bis die Form voll ist.  In die Zwischenräume (falls vorhanden) das restliche Joghurt-Gemisch verteilen. Alle Röschen mit Butter bepinseln..  
Im vorgeheizten Backofen bei 190 °C Ober-, Unterhitze ca. 35 Minuten backen.
*Anmerkung m: im Outback bekomme ich nicht den besten Yufka-Teig. Würde ich in der Stadt leben, würde ich ihn mir möglicherweise beim Türken besorgen. Meine Brickblätter waren schon relativ trocken und rissen sehr leicht. Die Röschen funktionieren trotzdem - sie werden nur nicht ganz so perfekt. Bei uns gabs einen großen Salat dazu.