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WBD: Roggenliebling

Donnerstag, 16. Oktober 2025

 

Was gibt es Herrlicheres, als sich an einem grauen, gräuslich-garstigen Tag das Leben schöner zu kochen. Ein Teller Suppe, ein Stück selbstgebackenes Brot: Herz, was willst du mehr!

Heute feiert Zorra zusammen mit dem World-Bread-Day 20 jähriges Jubiläum. Zum 20sten Mal richtet Zorra aka *Kochtop 1 x umrühren bitte* dazu an diesem Tag das Brotback-Event aus und verbindet auf diese Weise Foodblogger auf der ganzen Welt. Seit ich blogge, bin auch ich dabei. Schließlich hat alles mit dem Brotbacken bei mir begonnen. Anschließend kam erst das Kochen. Und bevor ich gebloggt habe, gab es schon langelange zuvor die große Schwester des Bloggens, Zorra.

Ein Blog-Event-Ritual also, das ich mir also nicht entgehen lassen will und treu dabei sein werde, so lange es meinen Foodblog gibt. Ausgesucht für diesen Anlaß habe ich mir den Roggenliebling von Björn.

Wie schon öfters laut gemacht, bin ich ziemlich faul geworden, wenn es darum geht, neue Rezepte auszuprobieren. Ich habe meine Lieblinge, die variiere ich durch und bin damit völlig zufrieden. 

Ab und an kommt dann eben doch ein neuer Teig in die Knetmaschine. So habe ich mich zum Anlaß des WBD mal wieder beim Brotdoc umgeschaut und inspirieren lassen. Glücklicherweise habe ich direkt zwei Roggenlieblinge auf einen Schlag gebacken. Wir vergeben Bestnoten: ein super aromatisches Brot, das lange frisch hält und noch dazu aus vollem Korn besteht! Spitze!



Zorras Event zum World-Bread-Day will ich gerne nutzen, ein Mal mehr zum eigenen Brotbacken zu hause zu ermutigen. Brotbacken ist halb so wild, es braucht lediglich etwas Zeit. Und gute Rezepte. Der Rest findet sich ganz schnell: Backen mit Sauerteig - my way verlinke ich euch an der Stelle einfach auch mal wieder.

Heute wissen wir, dass gerade bei Brot - einem der absoluten Grundnahrungsmittel - die Ernährungsindustrie besonders herumgepfuscht hat (Super-Arte-Doku dazu: *Gluten - der Feind in meinem Brot*, sollte die mal wieder zu sehen sein, habt ihr meine Empfehlung). Und wenn der Habib und ich auf Deutschland-Besuch sind, schockt uns das Bäckerei-Sterben in Deutschland stets aufs Neue. Wie konnte das soweit kommen mit dem deutschen Kulturgut Brot?! Das ist wirklich ein Jammer! Es gilt: besser selber backen!


Zutaten - 1kg - Form:

Sauerteig:
175g Roggen-VK
170g Wasser (40°)
17g Roggen-ASG
....
Altbrot-Quellstück:
75g Altbrot, geröstet und gemahlen
150g Wasser (60°)
....
Hauptteig:
340g Wasser (40°)
Altbrot-Quellstück
reifer Sauerteig
310g Roggen-VK
190g Weizen-VK (m: Rotkorn-Weizen)
17g Salz
17g Rübensirup

Zubereitung:

Die Sauerteigzutaten gut verrühren und 10 bis 14 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen.
Das geröstete und gemahlene Altbrot mit dem Wasser übergießen und gut verrühren. 30 bis 60 Minuten quellen lassen.

Die Hauptteigzutaten in die Knetschüssel geben und 8 bis 10 Minuten langsam zu einem homogenen bindigen Teig kneten.

Den Teig 30 Minuten in der Schüssel reifen lassen.

Die Arbeitsfläche mit Roggenvollkornmehl bemehlen und den Teig aus der Schüssel auf die Arbeitsfläche geben.

Zunächst rundwirken und dann so langrollen, so dass die Oberseite des Teiges ohne Furchen und Falten ist.

Mit dem Schluss nach unten in die Kastenform legen und die Oberseite des Teiglings gleichmäßig bemehlen.

In einem vorgeheizten Ofen oder in der Gärbox bei 30 °C etwa 2 bis 2,5 Stunden reifen lassen. Bei Raumtemperatur dauert es länger. Der Teig sollte den Rand der Form erreicht haben und auf der Oberfläche etwa 0,5 bis 1 cm breite Risse aufweisen.

In den vorgeheizten Ofen bei 220 °C (Ober-/Unterhitze) einschießen und die Temperatur auf 200 °C abfallen lassen. Nach 2 Minuten etwas schwaden, dann werden die Risse rustikaler.
Insgesamt 60 Minuten in der Form backen, dann aus der Form nehmen und noch einmal 10 Minuten ohne Form zuende backen.

Nach dem Backen mindestens 6 bis 12 Stunden ruhen lassen vor dem ersten Anschneiden



WBD 2024: Dinkelweckerl

Mittwoch, 16. Oktober 2024


Brotbackfernsehen nannte es Juli einst- das bleibt mir ewig. Einfach weil jeder, dessen Herz mit Leidenschaft fürs Brotbacken schlägt, anfangs mit der Nase an der Ofentür klebt. Und ich würde lügen, wenn ich anderes behaupte, als dass ich bis heute gespannt auf Ofentrieb bin, wie das Brot aufspringt und wie die Krume ist. Allerdings bin ich nicht mehr so ehrgeizig wie zu Beginn. Ich greife hauptsächlich auf altbewährte Rezepte zurück

Schon zum 19. Mal lädt Zorra zum World Bread Day ein, einen Tag den wir Foodis unter Zorras Schirmherrschaft selbstverständlich mit selbst gebackenem Brot feiern. Einen Tag, an dem ich mitmache seit ich blogge: Weltbrottag-Beiträge (bitte hier entlang). Für heute habe ich mir ein neues Brötchenrezept bei Dietmar rausgesucht: die Dinkelweckerl

In den letzten Jahren ist ja mein absolutes Lieblingsbrötchen das rustikale Dinkelchen von Dietmar. Das backe ich mittlerweile nebenher. Nein: das Dinkelchen backt sich nebenher. Alle backen das nebenher, auch Anfänger. Und Faule. Unkomplizierter kann man nicht zu frischen Brötchen zum Frühstück kommen. Dinkel muss man lediglich ein bißchen Zeit geben und darf ihn nicht überkneten, daher benötigt der Teig nicht viel Zuwendung. Ich kann mich nur wiederholen: unbedingt ausprobieren!

Im Vergleich zu den rustikalen Dinkelchen sind die Dinkelweckerl deutlich aufwendiger. Aber mindestens genauso lecker. Für mich ja schon alleine mit Butter eine der größten Köstlichkeiten, die diese Welt zu bieten hat. Und irgendwann (davon träume ich) mache ich bei Meister Dietmar noch einen Backkurs - für schöner eingeschnittene Brote. Oder in diesem Fall: rustikaler eingeschlagene Dinkelweckerl...


 

Zutaten: 9 Stück

Sauerteig - 12h:
80g D630
80g Wasser
8g ASG
...
Brühstück - mindestens 3h:
80g D630
130g Wasser (100°C)
...
Quellstück - mindestens 3h:
30g Sonnenblumenkerne
30g Leinsaat
20g Sesam
80g Wasser (35C)
...
Hauptteig:
Sauerteig
Brühstück
Quellstöck
170g D630
180g Dinkel-Vollkorn
12 Salz
8g Hefe
ca.180g Wasser
(m: Mohn zum Bestreuen) 

 

Zubereitung:

Dinkelsauerteig, Brühstück, Quellstück rechtzeitig ansetzen (m: Brühstück und Quellstück mit Sauerteig angesetzt, dann kühl gestellt)

Am Backtag Dinkelsauerteig, Brühstück, Quellstück, Dinkelmehl und Wasser klumenfrei vermischen.
Anschließend 30 Minuten abgedeckt zur Autolyse stehen lassen.

Nach der Autolyse Salz und Hefe hinzufügen und 4 Minuten langsam mischen. Sollte der Teig zu fest erscheinen, kann Wasser nachgeschüttet werden. Den Teig so lange mischen, bis dieser sich von der Kesselwand löst. Anschließend den Teig eine weitere halbe Minute schnell kneten. 

Den Teig nach der Teigherstellung in eine geölte Wanne geben. Nach 30 Minuten 1x falten.

Anschließend den Teig abgedeckt 75-90 Minuten bei Raumtemperatur reifen lassen.

Zur Aufarbeitung den Teig auf eine bemehlte Arbeitsplatte kippen und in 100g (m: ca 120g) schwere Teigstücke teilen. Die geteilten Teigstücke mit leichter Spannung rustikal zusammenfalten und mit Schluss nach unten auf bemehlte Leinentücher ablegen.

Endgare 30-45 Minuten bei Raumtemperatur.

Zum Backen die geformten Teiglinge auf Backblech (mit Teigschluss oben) absetzten.
Gebacken werden die Teiglinge im vorgeheizten Backrohr bei gleichbleibenden 235-240°C (Ober-Unterhitze) mit kräftigen Schaden.

Backzeit ca. 16-17 Minuten (m: etwas länger, da etwas schwerer)

Quelle: Dietmar - Homebaking 

 

World Bread Day: Brotweckerl

Montag, 16. Oktober 2023


Zorra richtet zum 18. Mal den World Bread Day aus und viele Blogger aus unterschiedlichen Ländern werden ihrem Aufruf wie jedes Jahr folgen und mitbacken.

Auch ich habe dafür extra gebacken. Ich bin ja eine recht faule Bäckerin geworden und schiebe am liebsten immer die gleichen Brote in den Ofen - daran hat sich nicht viel geändert.

Aber für den WBD habe ich mich mal wieder an einem neuen Rezept versucht und mich von Charlotte inspirieren lassen. Wer Erfahrung hat, kann es ja nicht lassen, dann doch noch immer etwas am Rezept rumzuschrauben. Zuallererst habe ich das Weizenweißmehl rausgekürzt. Eigentlich benutze ich kaum noch helles Weizenmehl. Ich glaube, das *Warum* muss ich gar nicht mehr so sehr erklären. Wen es dennoch tiefer interessiert, dem empfehle ich (ein Mal mehr) eine Arte-Doku und zwar *Gluten, der Feind in deinem Brot*. Und ja, da stellt sich heraus, dass einige wenige Player einen Großteil des Weizen-Weltmarktes unter sich aufgeteilt haben. Und die wenigen Weizensorten, die den Handel bestimmen, gehen alle im Prinzip auf eine genveränderte Weizenart zurück.

Ich weiche daher mittlerweile immer auf Dinkel aus. Wie Hildgeard von Bingen bin ich großer Dinkel-Fan. Wenngleich es auch da gilt, genauer hinzuschauen... wie überall... leider. Denn ursprüngliche Dinkelsorten - also sortenreiner Dinkel - ist gar nicht mehr leicht zu finden. Sehr oft wird unter Dinkel ein Dinkel-Weizen-Hybrid angeboten. Ja, heute steckt der Teufel permanent im Kleingedruckten. Mein Dinkel-Vollkorn nehme ich stets aus Deutschland mit und zwar von Davert (freie Werbung ;). Für Davert werden nur reine, nicht mit Weizen gekreuzte Dinkelsorten, wie "Oberkulmer Rotkorn", "Frankenkorn", "Schwabenkorn", "Holstenkorn", "Bauländer Spelz" und "Altgold" angebaut. Ist doch mal ein Hinweis, oder?

Davon abgesehen liebe ich an Dinkel einfach den guten Geschmack und seine Knetempfindlichkeit - das bedeutet nämlich: Dinkel darf man nur kurz kneten und man muss ihm immer wieder Päuschen zum Entspannen einräumen. Ideal für faule Brotbäcker wie mich.

Nun, um die Größe des Backofens voll zu nutzen, habe ich die Teigmenge erhöht und die Brötchen vergrößert. Man hat somit die Wahl, ob man den Teig in 12 *Bauarbeiter-Brötchen* teilt oder in 9 Brotweckerl (wie hier zu sehen), die man dann auch gut in kleine Scheiben schneiden kann. So oder so passen sie gut aufs Blech und den Teig muss man nur vorsichtig quadratisch ziehen, um dann die Teiglinge abzustechen. Ein Kinderspiel.

 


 Zutaten 12 Stück bzw. 9 Stück:

Roggen-Sauerteig - 12 h:
90g Roggen-Vollkorn
90g Wsser
9g ASG
.
Vorteig - 12 h:
110g Kamut-Vollkorn*
110g Wasser
2g Hefe
.
Quellstück - 8 h:
50g Leinsaat, geschrotet
50g Chia-Samen
14g Salz
175 Wasser
.
Autolyse-Teig:
Vorteig
100g Kamut-Vollkorn*
350g Dinkel 630
240g Wasser
 
Hauptteig
RST
Autolyse-Teig
QST
100g Dinkel 630
130g Wasser 
30g Walnussöl
Mohnsaat

 

Zubereitung:

Zutaten für den Sauerteig in einer Schüssel mischen und abgedeckt 12 Stunden bei Raumtemperatur zur Gare stellen.

Zutaten für den Vorteig mischen und abgedeckt 12 Stunden bei Raumtemperatur zur Gare stellen.

Leinsamen und Chia mit Wasser und Salz mischen und abgedeckt 8 Stunden bei 6–10 °C lagern (hier: Raumtemperatur).

Abends (Zeitplan s. unten) den Autolyse-Mehl mischen, ca. 2-3min kneten undabgedeckt 20 Minuten bei Zimmertemperatur ruhen lassen (Autolyse).

Hauptteigzutaten bis auf Wasser und das Öl zugeben und weitere 2 min unterkneten, dabei die Hälfte von Wasser und Öl schlückchenweise unterkneten. Weitere 15 min ruhen lassen. Nun wieder 2-3 min kneten und dabei schlückenweise restliches Wasser und Öl unterkneten. Der sehr weiche, klebende Teig löst sich am Ende des Knetvorgangs nicht von der Schüssel, aber vom Rand.

Abgedeckt anderthalb Stunden bei Raumtemperatur zur Gare stellen, dabei nach je 30 Minuten dehnen und falten. Anschließend über Nacht im Kühlschrank zur Gare stellen.

Teig anderntags entweder auf eine feuchte oder gut mit Mehl ausgestreute Arbeitsfläche kippen - hier zusammen mit Mohn - und 9 ca. gleich schwere Teiglinge abstechen / oder 12 Stück. Mit Mohn bestreuen.

Backstein im Ofen auf 250°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Teiglinge einschießen und mit Schwaden 20-25 Minuten mittelbraun backen. Nach 10 Minuten Schwaden ablassen und die Temperatur auf 230°C senken. Während der letzten 5 Minuten Backzeit die Ofentür einen Spalt breit öffnen, um eine röschere Kruste zu erhalten.

Anmerkung m: selbstredend habe ich Kamut schon gegen Dinkel-Vollkorn ausgetauscht. Hier zu sehen: erstere Variante. 


Zeitfahrplan:

7 Uhr morgens: Sauerteig und Vorteig hinstellen - ein wenig später das Quellstück/ 19 Uhr mit dem Autolyse-Teig beginnen/ nach Falten etwa 21 Uhr in den Kühlschrank/ backen - nächster Tag, m: nach 12-14 h im Kühli)

Inspiration: Charlotte aka Milchmädchen bzw. Lutz Geissler

 

Vorpremiere: Veggie-Frikadellos

Donnerstag, 10. August 2023


Heute gibt es mal reine Foodblog-Spielerei. Die Zusammenfassung - Edit 1 - von den Gemüse-Bratlingen steht an. Dabei türmen sich in der Wartehalte die einschlägigen Rezepte nur so. Das ist definitiv ein kulinarisches Lieblingsthema, denn ich werde in keinster Weise müde, mich weiterhin daran auszuprobieren. Oder sie mit viel Lust zu essen.

Diese Veggie-Frikadellos habe ich für die Vorpremiere ausgewählt, weil sie sich für vielerlei Dinge eignen, um solche Buletten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Genau genommen handelt es sich hierbei ja nicht um Gemüse-Bratlinge, sondern es ist ein Versuch, eine Frikadelle ohne Fleisch zu basteln. Viel Gemüse ist nicht drinne. Eigentlich eine Kategorie für sich. Oder eine Unterkategorie. Ihr merkt: ich mach da eine Wissenschaft draus...

Aber derlei Bratlinge sind auch echte Klassiker und anhand dieser kann ich viel verdeutlichen. Ein gutes Pflanzerl ist von der Konsistenz nicht labberig sondern hat Biss. Und: it's all about spices! Aus ein und demselben Rezept kann man unzählige Varianten kreieren - allein durch die Art, wie man sie würzt. Und wir stellen uns ja nicht in die Küche, um irgendwelche Luschen in die Pfanne zu werfen, stimmts?!

Beispiele:

    ---- Landküche: mit frischen Kräutern - Petersilie, Schnittlauch, Estragon, Dill, Korianer...
.
    ---- mediterran: Rosmarin, Thymian, Oregano, Oliven (tapenade), Knoblauch...
.
    ---- Gewürzmischungen: Curry, Ras el Hanout, Baharat, Garam Masala, Cinq Espices...
.
     ---- exotisch: Ingwer, Salzzitrone, Harissa...
.
    ---- schnell & easy: Pesto aller Art

 

Dieses Modell an Frikadello hat uns gut gefallen. Das Grundgerüst stimmt. Dabei kann man sich überlegen, ob es das Soja-Geschnetzelte braucht und man (stattdessen) nicht auf Pilze zurückgreift. Als Alternative etwa.

Das Ursprungsrezept nimmt dafür frisches Brot, das gewürfelt und im Ofen kurz geröstet wird. Dafür wird etwas Wasser zum Quellen dann an die Vormischung aus Brotwürfel und Soja-Geschnetzeltes gegeben. Ich habe dafür komplett getrocknetes Brot verwendet, dass mehrfach (da Vollkorn) mit kochendem Wasser wieder erweicht und dann gut ausgedrückt wird. Die Veganer ersetzen das Ei - noch hat mich seither kein Eiersatz richtig zufrieden gestellt. Meist gibt das Ei einfach einen guten Zusammenhalt.

Damit ihr seht, wie leicht es sich mit solchen Rezepten spielen läßt, habe ich daraus kurz danach überbackene Zucchini gebastelt (dafür die Zutatenliste etwas kleiner geschraubt - geht gut -, geraspelten Käse untergemischt und für ca. 35min in den heißen Ofen geschoben). 

Eine Nasenlänge hat DIE Uridee der Veggie-Frikadelle die Nase vorn, diese nämlich aus Grünkern - dafür sind diese mit Tofu und Brot aber deutlich schneller auf den Teller gebracht.




 Zutaten 2P/ 8 Stück:

30g kleines Soja-Geschnetzelte
50ml Gemüsebrühe
80g getrocknetes Brot*
125g Tofu*
2 Frühlingszwiebeln
3 Knoblauchzehen
(opt. 50g Shiitake-Pilze)
1/2 Bund Petersilie
2 TL Thymian
25g Kichererbesenmehl
20g Kartoffelstärke
(evt. 1-2 EL Semmelbrösel)
1 Ei
1 TL Pimenton dela vera
1 TL Paprika-Pu
1 EL Tamari 
Salz, Pfeffer
Sonnenblumenöl

 

 Zubereitung:

Soja-Geschnetzeltes wie gefordert für ca. 10 min in heißer Gemüsebrühe quellen lassen. Brot (je nach Frischegrad/ Trockenheit) in heißem Wasser einweichen, bis es ganz weich ist und dann gut ausdrücken.

Zwiebeln und Knofi (sowie Pilze) fein würfeln. Tofu zerkrümmeln. Und alle Zutaten in einer Schüssel gut vermengen und würzig abschmecken (eine solche Frikadelle will auf keinen Fall lasch daherkommen!).

Mit feuchten Händen 8 Frikadellen formen und im heißen Öl auf beiden Seiten golden und knusprig braten. 

Anmerkung m: bißchen mehr oder weniger Tofu - egal. 150g funktioniert genaus. Oder 100g...

Inspiration: Seitan is my motor 

 

Frohsinn: Dinkel-Taostbrot

Sonntag, 11. Juni 2023

 

Ich habe einen neuen Goethe-Liebling:

Nicht Wünschelrute 
nicht Alraune
die beste Zauberei
liegt in der guten Laune

Eigentlich eh klar: wenn's läuft, dann läuft's. Dann ist man auch gut drauf, dann fliegen einem die  gebratenen Tauben quasi von ganz alleine in den Mund. Kennt man, hat man alles schon mal erlebt. Allerdings geben diese Zeitabschnitte sehr leider nur ein kleines Intermezzo zwischen vielen anderen Epochen, die man bereitwillig überspringen würde für diese *läuft-wie-geschnitten-Brot-Perioden* und *aus-der-Bahn-hab-Schlittschuh-an-Phasen*. Weil wenn ein Gewicht wie ein Wackerstein auf der Brust liegt, dann ziehen die Mundwinkel nicht freiwillig nach oben. Wie auch?! Trotzdem frage ich mich, ob man das umdrehen kann. Die Dauerschleifengrübelei mit, was war zuerst da: das Huhn oder das Ei? Die gute Laune oder der Lauf? Irgendwelche Erfahrungsberichte aus dem echten Leben? 

Nun, wir streiten wohl nicht, wenn ich behaupte, dass jemand, der mit sonnigem Gemüt ausgestattet ist, eine größere Freude für sein Umfeld hermacht als das gegenteilige Exemplar. Schaut man direkt in zitronensaure Mimik, dann arbeitet man irgendwie schon gegen Widerstand an. Da wird einem die Tür vor der Nase zugeschlagen... nur vom Anblick.

Zufällig hörte ich den Fetzen eines Interviews mit einem Sänger, der sowohl in Japan, Belgien, Deutschland und Vietnam groß geworden ist. Fragt mich nicht nach dem Namen und nagelt mich nicht wegen den Ländern fest - in etwa diese Mischung. Er erzählte, dass es ihm nur immer wieder in Deutschland widerfahren würde, dass es heißt: *Hey, warum hast du denn so gute Laune?! - also dass er sich dafür rechtfertigen muss, gehobener Stimmung zu sein. Gute Laune wäre doch eine Lebenseinstellung und ganz normal. Sehr erfrischend. Und etwas skeptisch Kraft seines Alters denkt man im gleichen Moment: mal schauen, wie lange es trägt...

Aber eben kein Typ vom Team, der guckt, wie sieben Tage Regenwetter. Sagt man das noch? In Frankreich gibt es eine sehr ähnliche Bildmalerei: un visage long comme un jour sans pain (ein langes Gesicht ziehen wie ein Tag ohne Brot). Tsss, die Fränzis und ihr Brot, das sie zu allen Mahlzeiten brauchen. Selbst begleitend zum Mittagessen. Und weil ich selbst ja auch so gerne Brot esse, macht mich der Spruch lächeln. Wobei er wohl eher gemünzt ist auf Vergangenheiten, in denen gehungert wurde...

 


Ich backe mittlerweile am liebsten meine Vollkornbrote, das wissen treue Leser. Die mische ich auf, indem ich zwischendurch Semmeln zubereite. Mindestens mit ca. 50% Vollkorn. Weißmehl ist mein Ding nicht mehr. Und wenn dann nehme ich helles Dinkelmehl. Zum einen schmeckt mir Dinkel besser, zum anderen ist Dinkelmehl für faule Bäcker - es darf nicht lange geknetet werden, sondern braucht zwischen zwei kurzen Knetgängen einfach ein bißchen Zeit.

Irgendwie war mir nach Toast. Gefühlt ewig her, dass wir das zuletzt gegessen haben. Das Grundgerüst dazu entlieh ich mir beim Brotdoc Björn. Ich schneide den Toast nach Abkühlen in Scheiben, trenne diese durch Backpapierstreifen und so können wir uns nach Lust und Bedarf aus dem Froster bedienen. Passt gut zu unseren Essgewohnheiten und schmeckt super! Gute Gelegenheit auch mal wieder Werbung aus Überzeugung für den Online-Versand Minerva zu machen: seine Brotbackformen sind absolut spitze und deshalb von mir - nun nach Jahren: klarer Daumen hoch mit dicker Empfehlung.


Zutaten 2 Brote - für 1kg-Formen:

Vorteig*:
220 Dinkel-Vollkorn
220g Wasser
2g Hefe
...
Kochstück
50g Dinkel-Vollkorn
220g Milch
...
Hauptteig:
Vorteig
Kochstück
230g Dinkel-Vollkorn
600g Dinkel 630
210g Wasser
60g Butter, weich
20g Zucker
20g Rüben-Sirup
20g Salz
22g Hefe
 


 

Zubereitung:

Den Vorteig kann man flexibel ansetzen: entweder bei 2 Stunden Raumtemperatur gehen lassen, oder 1 Stunde anspringen lassen und dann über Nacht (10-12 Stunden) in den Kühli (ich habe ihn auch schon morgens angesetzt und nachmittags gebacken, dann etwa 7 Stunden im Kalten geparkt) - also je nach gewünschtem Zeitplan

Kochstück in einem Topf unter ständigemRühren mit dem Schneebesen zum Kochen bringen und auf die Konsistenz von Pudding einkochen lassen - dann abkühlen lassen.

Für den Hauptteig alle Zutaten miteinander vermengen, ca.3min kneten, dann abgedeckt ca. 15min ruhen lassen und nochmals 3min kneten. Nun ca. 45min abgedeckt ruhen lassen. Den Teig teilen.

Eine Hälfte jemals nochmals vierteln, rund wirken, dann straff zu 4 Zylindern wirken. Diese mit der Rollnaht Richtung Seitenwände in die gefettete Form setzen. Weitere ca. 45-50 min gehen lassen.

Bei 200° ca 40-45min backen. Schwaden nicht notwenig. Wer hat und mag mit Deckel (nicht wirklich notwenig, wird auch so ein schöner Toast)

Inspiration: Brotdoc

 

Haltung: pain de paix

Dienstag, 14. Februar 2023


Wenn ich mich in meinem Inet oder auch speziell meinem Blogistan umschaue, dann bin ich enttäuscht darüber, nicht viel mehr eindeutigen Friedensappellen zu begegnen: *Hört auf mit dem Totschlagen!*  Eben anstelle von vorgegebenen Solidaritätsbekundungen. Ich war mir einfach gewiß, dass es einen absoluten Konsens für Frieden und gegen Krieg gibt. Ähnlich einiger anderer Themen, wozu ich 2019 Erwin Pelzig mal verlinkt hatte. Aber gerade wenn es um etwas derart Grundsätzliches geht wie Krieg und Frieden, bin ich ohne weiter Nachzudenken davon ausgegangen, dass unabhängig von Partei oder Couleur der Wille zum Frieden die Mehrheit, ja die Basis dieser Demokratie ausmacht. So muss ich zweifeln, ob ich die deutsche Gesellschaft richtig beurteilt habe.

Weil wo enden wir denn, wenn man die Unterstützung von kriegerischen Konflikten weiterdenkt. Zwei streiten sich, dann schenkt ein dritter ihnen eine Machete und sagt: Klärt das unter euch! Oder wie jetzt? Als kleines Kind habe ich meine Schwester mal gebissen. Richtig kräftig. Den ganzen Tag ging daraufhin Schimpf und Schande über mich. Und obwohl alle wußten, dass ich kein Piranha bin, der in jedes vorüberziehende Fleisch seine Zähne schlägt, hat keiner nachgefragt: *Ja warum hast du sie denn gebissen?*

Aber ich will mich gar nicht in irgendwelchen Details verlieren. Jeder noch so bittere Kompromiss, jeder noch so teuer erkaufte Frieden ist besser als das Sterben von weiteren Menschen. Sind wir uns nicht einig? Das tut mir richtig weh, das zu aktzeptieren. Mir ist ein Türke so lieb wie ein Chinese, ein Russe, Italiener, Amerikaner, Palestinänser, Inder... Wenn wir neuerdings angehalten werden, dass unterschiedliche Geschlechter überholt sind, dann müßten uns verschiedene Rassen doch drei Mal wurscht sein.

Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer haben gemeinsam ein *Manifest für Frieden* aufgestellt, welches man hier unterschreiben kann. Natürlich werden sie - kennt man ja bereits - wieder angefeindet, Zuspruch aus den falschen Reihen zu erhalten. Bei einem derart dummen wie verdrehten Argument schwillt mir mächtig der Kamm! Nichts leichter als etwas in ein schräges Licht zu rücken. Wenn Ottolenghi morgen (Achtung: totally erfunden) einen Hundewelpen überfährt, finde ich seine Rezepte weiterhin toll - und sympathisiere deshalb nicht mit jemanden, der kleine Hunde tötet. Wenn zeitgleich mit mir ein Neonazi an der Obsttheke nach einem Apfel greift, kaufe ich ungeachtet dessen einen. Und nur weil sich ein Spakken unter eine Demonstration mischt, ist nicht zwangsläufig der generelle Protest falsch. Wenn  jemand etwas Richtiges sagt, bleibt es richtig, selbst wenn er dem zugeordnet falschen Lager angehört. Umgekehrt wird Scheiße nicht besser, selbst wenn sie einer vermeintlich anständigen Quelle entspringt.

Und stellen wir uns doch eine Demonstration für den Krieg vor. Wer läuft den da vorneweg mit wenn nicht die Finstersten, die für Mord und Todschlag, für Gewalt und Zerstörung plädieren! Sollte sich bei einer solchen Kundgebung ein Hippie untermischen, er würde wohl die ganze Veranstaltung nicht unterlaufen können. Ich frage mich, wie gehirnamputiert muss man sein, um derlei Argumentationen zu folgen???!

Vermutlich sind die Extremos gar nicht das Problem. Die haben zumindest eine Haltung, wenn auch eine die zum Kotzen ist. Das Problem sind all die, denen das Rückgrat fehlt: die Mitläufer. Jene, denen die anderen einfach egal sind und für die nur entscheidend ist, Hauptsache selbst so bequem wie möglich durchzukommen. An der Stelle bin ich dann doch froh, in Frankreich zu leben, wo die landesweiten Demonstrationen sich auch gegen die Kriegspolitik richten und eben nicht alleine der Protest ist von *faulen Franzosen, die nicht länger für die Rente arbeiten wollen wie alle anderen in Europa*.

Schön weiterhin die Friedensnoten von Radio München, die für dieses Mal das grandiose Reinhart Mey-Lied *Nein, meine Söhne geb' ich nicht!* vorstellen. Die neue eingespielte Version gefällt mir nicht so. Viel mehr schätze ich besonders den eindrücklichen Text von Reinhard Mey und dafür braucht es nicht mehr als seine leise Art.

 

 

Warum ich heute am Valentinstag, dem Tag der Liebe, das Brot *pain de paix* - Friedensbrot getauft habe, brauche ich wohl nicht weiter auszuführen. Und komplett Verirrte, die einem erklären, dass Liebe und Hass zusammgenhören, nur weil sie generell den guten alten Kippling nicht verstehen können (*Ost ist Ost, und West ist West, und niemals treffen sich die beiden*), die bekomme ich kleiner Foodblog bestimmt nicht eingefangen.

Meine Herz schlägt seit Beginn an für Vollkornbrote. Nur machen freigeschobene Brote mehr Spaß beim Backen. Da klebe ich immernoch oft mit der Nase an der Backofentür und erfreue mich am Brotback-Fernsehen, während ich auf nichts Geringeres hoffe als einen vorbildlichen Ofentrieb.

 

Zutaten 2 Brote:

Sauerteig - 12-16 h bei Raumtemperatur:
120g Emmer-Vollkorn
120g Wasser
10g Weizen-ASG (aufgefrischt)
..
Quellstück:
100g Roggen-Vollkorn
100g Einkorn 
125g Joghurt
18g Salz
100ml Wasser
...
Hauptteig:
Sauerteig
Quellstück
400g Weizen T65
90g Dinkel 1050
1 EL Rübensirup 
30g Altbrot

9g Hefe
2 EL Walnuss-Öl
ca. 330ml Wasser 

 

Zubereitung:

Am Vortag Sauerteig und Quellstück ansetzen - Quellstück zeitgleich mit dem Sauerteig, Sauerteig etwa bei 23°, Quellstück kalt stellen.
 
Alle Zutaten (aber nur 300ml Wasser und ohne Öl) ca. 10min kneten. Erst gen Ende dad Öl und je nach Teigbeschaffenheit noch schlückchenweise etwas Wasser zufügen.

Den Teig in eine geölte Schüssel geben, 1x falten, abdecken, dann 45min Teigruhe, nochmals falten, dann weitere  45min nochmals ruhen lassen (also insgesamt 90min). Den Teig dabei warm stellen. Er sollte nach der Teigruhe sichtbar angesprungen sein. Den Teig teilen und rund wirken zu zwei Broten. Teiglinge in vorbereitete Gärkörbchen setzen (m: Mischung aus Weizenmehl und Maisstärke), darin nochmals 10min ruhen lassen, dann entweder im Warmen zur fast vollen Gare gehen lassen oder wie ich in den Keller stellen - dann braucht es etwas länger (bei mir knapp 90min) .

Den Ofen mit einem Backstein rechtzeitig aufheizen.

Die Brote einschneiden, mit Dampf bei 240° in den Ofen schieben. Nach 10min den Dampf ablassen. Insgesamt bei fallender Temperatur auf 200° insgesamt ca. 60min backen - die letzten 5min mit offener Tür. (Klopfprobe)´
 
 

Knusperknusper: blättriges chinesisches Käse-Pfannenbrot

Sonntag, 22. Januar 2023

 

So unaufwendig wie dieses Pfannenbrot auf den Weg zu bringen ist, so nochalant  reiche ich euch heute das Rezept dazu. Für die Vegetarier unter meinen Bloglesern ist das eine echte Alternative zum geliebten Sansibar-Chapati.

Begeistert hat mich zum einen die tolle Knusprigkeit und die ausgefuchste Zubereitung. Für vier Brote ist der Teig ausgelegt und der ist schnell zusammengeknetet. Auch beim Ausrollen gibt es einen Abkürzungstrick: zuerst werden die vier Fladen auf eine bestimmte Breite vorausgewellt, dann einfach aufeinander gelegt und auf diese Weise bis zur Strudelteig-Dünne weitergerollt. Aber ja: siehe Rezept.

Mehr brauche ich euch als zusätzliche Erklärung gar nicht an die Hand geben. Damit kann man ein Salat-Plus-Essen ebenso gut bestreiten wie jedes Gericht, bei dem eine Knusper-Komponente oder eine Sättigungsbeilage fehlt. Bref: Prädikat *spitze*! Und gute Gelegenheit auch an das *Garlic-Naan* zurückzuerinnern!

Ein chinesisches Rezept passt gut heute: Happy New Year, ein schönes Jahr im Wasser-Hasen. Das Zeichen des Hasen steht in der chinesischen Kultur für Langlebigkeit, Frieden und Wohlstand. Chinesische Wahrsager erwarten ein Jahr voller Harmonie und Konfliktlösung - da nehmen wir gerne das Komplett-Paket, oder?

 


Zutaten 4 Stück:

150g Mehl (m: T65)
95g Wasser
1/4 TL Salz

80g Grün von Frühlingszwiebeln
1 Pr Backpulver
50g geriebener Käse (m: Comté)

20g Mehl
20g Maisstärke
20g Demi-Sel-Butter, flüssig
Sonnenblumenöl 


Zubereitung:

Aus den ersten drei Zutaten einen geschmeidigen, homogenen Teig kneten - geht gut per Hand. Dann diesen abgedeckt 10min ruhen lassen.

Das Grün der Frühlingszwiebeln in feine Röllchen schneiden. Mit einer Prise Backpulver überstreuen - das soll die grüne Farbe der Zwiebeln beim Backen erhalten. 

20g Mehl mit 20g Maisstärke mischen Den Teig in vier gleichgroße Stücke teilen. Die einzelnen Stücke straff rund wirken/ falten. Dann nacheinander die Teigstücke auf der Mehl-Maisstärke-Mischung rund wellen auf einen Durchmesser von ca. 18cm. Wenn alle diese Größe haben, die Kreise bepudert mit der Mehl-Mischung aufeinanderlegen (das bewirkt, dass sie nicht aneinander kleben bleiben) und so gestapelt weiter auswellen auf ca. 28cm Durchmesser - alle vier sind nun Strudelteig-dünn. 

Die Fladen wieder voneinander trennen und nacheinander glatt auf der Arbeitsfläche auslegen, mit der Butter bestreichen, Frühlingszwiebeln und Käse darüber streuen. Ein Drittel nach innen umklappen, das andere Drittel von außen drüber legen. Den Teigstreifen nochmals mit Butter bepinseln und wieder ein Drittel nach innen klappen und das andere Drittel darauffalten. Mit allen vier Fladen so verfahren, so dass nahezu viereckige Fladenbrote entstehen.

In heißem Öl von beiden Seiten golden knusprig braten - die Fladenbrote bleiben selbst beim Warmhalten im Ofen schön crunchy.

Quelle: Youtube - Helly's Simple Recipes

 


 

Spiritualität vs. Esoterik: Hua Juan - gedämpfte Brötchen

Mittwoch, 21. Dezember 2022

 

Wenn es einen Gott gibt, dann schaut er sicher nicht wohlgefällig auf die weiße Menschenrasse. Bei diesem kleinen Gedankenspiel sind wir uns einig, oder? Hey, so viel realistische Selbsteinschätzung muss drin sein. Kolonialismus, zwei Weltkriege und ein dritter in Arbeit, die Ausbeutung der Erde, der Umgang mit Tieren... © by white race. Karma - die Konsequenz aller Taten - löst sich nicht einfach in Luft auf.

Man könnte meinen, jetzt zu Weihnachten ploppt hierzulande noch ein letzter Restbestand auf eines Bedürfnis, sich Göttlichem hinzuwenden. Aber nimmt man mein kleines Blog-Event vor Jahren mit der Frage *Was bedeutet für dich Weihnachten* repäsentativ, dann spielte für nicht eines meiner teilnehmenden Mädels mehr Spiritualität eine Rolle in der Auseinandersetzung mit Weihnachten. Kirche und Religiösität sind rum. Vorbei. Aber einen Ersatz haben wir ebenfalls nicht dafür. Wir haben uns von Gott abgewendet. Wir brauchen Gott nicht mehr.

Warum soll es Gott geben? Weshalb sollte ich mich der Dramatik des Lebens stellen? Wodurch Leben entsteht, kann ich doch mit Maß und Zahl analysieren. Wozu mich eingliedern, wo ich bereits über den Dingen stehe.

Gut veranschaulicht die Arte-Doku *Spiritualität 2.0 - der Traum vom optimierten Ich* was es bedeutet, keine Verbindung mehr zu haben zur universellen Einheit: angehimmelte Gurus puschen in bester Ami-Life-Coach-Leistungssport-Manier Menschen dazu mittels Autosuggestion ihr Ego zu boostern um im Außen besser anzukommen. Auf dem Weg zum Maximus. Das Große, das wir anbeten, sind wir selbst. Na denn man tau! 

Ja, die Beziehung zu Gott hat jeder selbst zu knüpfen. Höchst individuell. Keine Zwischeninstanz, keine Mittler von Nöten. Genau deswegen: Erstmal muss man Gott irgendwo finden (Rilke). Ganz wie meine Investigativ-Journalisten, denen ich die letzten Jahre verstärkt zuhöre, betonen: Information ist eine Holschuld und keine Bringschuld. Nur wer Fragen hat erhält Information. Gleiches gilt für die spirituelle Suche. Keiner kommt mit dem Silbertablett vorbei und reicht Antworten.

Allahu akbar heißt übersetzt eben nicht *Gott ist groß* sondern *Gott ist größer* - das macht einen gewaltigen Unterschied, für alljene, die darüber nachdenken. Ich will in der Lage sein, in allen Tempeln der Erde das jeweils Größte anzubeten, sagt Rilke sinngemäß. Denke so gross du nur kannst - Gott ist größer. Und dann sehne dich nach dieser Nähe.

Ein spiritueller Weg beginnt definitiv nicht esoterik-like mit einem Kindergeburtstag à la *Du bist ganz wundervoll, so wie du bist*, sondern, rollt sich eher umgekehrt auf. Ihr kennt bestimmt die Anekdote: Ein Lama wird gefragt: Wie erhalte ich Erleuchtung? Die Antwort lautet: Klo putzen, Klo putzen, Klo putzen. Ohne, dass man sich selbst nicht dem stellt, was im Inneren im Weg steht - Ängste und Hochmut - gibt es keine Weiterentwicklung. Nicht zu vergessen das Familienkarma (oder neudeutsch die transgenerationale Weitergabe von Traumata), das in Bann schlägt. Schlüssel zur Befreiung sind Erfahrungen, Erkenntnis und Selbstreflexion. Auf diese Weise knüpfe ich einen Draht zu meinen eigentlichen Beweggründen - meinem Wesen, das ganz unabhängig ist von Dingen wie Namen, Herkunft, Adresse, Alter, Beruf, Kreditkarte, Freunde, Beruf, Partner. Sonst nämlich wird es schwer bis unmöglich, anzunehmen was war, was aber jetzt nicht mehr zu ändern ist - sei es noch so ungeheuerlich. Daher gilt es, seinen Frieden mit der Vergangenheit zu schließen. Kein Neustart ist vorher denkbar, sondern nur neues Karma stapelt sich obendrauf. Also *nimm dein Bett und wandle!*

Die Hoffnung aller Suchenden winkt in der Ferne: die Überwindung des Ego, der Mensch, der sich freiwillig Werten unterstellt, der in der Lage ist, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, der das Mentale zum Schweigen bringt, der sich innerlich leer und zum Gefäß machen kann, und im stillen Bewußtsein Kontakt zu der Welt findet, die unsere eigentliche Heimat ist, der geistigen Welt. Doch dieser Gnadenakt ist nicht für alle bestimmt - ganz wie beim Lottospiel: alle können gewinnen, aber halt nicht jeder. Die Evolution ist verschwenderisch. Nicht jede Kaulquappe wird zum Frosch. 

Schon gar nicht die Kaulquappen, die nicht von ihrem Sockel runterzusteigen wollen und auf eigene Bedeutung pochen. Oder selbst keinen blassen Schimmer haben, was sie bewegt. Wieviel Mensch - im höchsten Sinn des Wortes - in einem steckt, beweist sich einzig im Praxistest, jenseits von aller Philosophie und allen Wortspielereien, für sich ganz allein: Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.“ (Goethe)

 

 

Mitten während das Blog im anstrengenden Baustellenmodus hängt, schlage ich euch eine vegane Festtages-Inspiration vor. Die gedämpften Brötchen Hua Juan - wieder mal inspiriert von Susanne - sind schick und lecker und passen sowohl zu jedem Salat wie jedem Eintopf. Wir waren beide überzeugt. Eine schöne Abwechslung auf dem Eßtisch und das Zubereiten hat mir Spaß gemacht.

Fünf Versuche zum Formen hatte ich, was sich als weniger tricky herausstellte als angenommen. Trotzdem sehen sie entschieden nach *Prototyp* aus. Das geht noch deutlich hübscher. Mein Stolperstein war das Öl, mit dem ich zu großzügig war beim Anschwitzen der Frühlingszwiebeln umging, so dass mir die kleinen Origami-Brötchen fast aus den Fingern geflutscht sind, wenn ich sie beim Drehen halten wollte. Eigentlich sind diese Schönlinge echt gut machbar und kein Hexenwerk.

Die gibt es also 100 pro wieder und dann werde ich zu dem Rezept *Making of*-Fotos nachposten, bis dahin erklärt dieses kleine Youtube-Filmchen mehr als hundert Worte.


Zutaten 2P/ 5 Stück:

150g Mehl (30g Einkorn-VK/ 120g T65)
5g Hefe
1/2 TL Haushaltsnatron
1 EL Sonnenblumenöl
15g Rohrzucker
1/2 TL Salz
85g Wasser
2 kleine Frühlingszwiebeln
Chili-Flocken
2-3 EL Sonnenblumenöl
Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

Alle trockenen Zutaten in eine Teigschüssel geben und vermischen. Öl und Wasser zugeben und alles zu einem glatten Teig verkneten, der sich vom Rand der Schüssel löst. Bedeckt an einem warmen Ort zu doppelter Größe aufgehen lassen; das dauert ungefähr eine Stunde.

Inzwischen aus Backpapier 5 Quadrate mit ca. 7 cm Seitenlänge zuschneiden. Die Frühlingszwiebeln putzen und in feine Röllchen schneiden. In Olivenöl anschwitzen bis sie gerade beginnen leicht golden zu werden - salzen, pfeffern und mit Chili würzen.

Die Arbeitsfläche leicht mit Mehl bestäuben und den Teig zu einem Quadrat von 25 x 25 cm ausrollen. Die Oberfläche mit dem Öl bepinseln.

Nun das obere Drittel des Teiges über die Füllung klappen, dann das untere Drittel darüber schlagen. Das so entstandene Rechteck in 10 gleich breite Streifen schneiden. Zwei Teigstreifen übereinander legen. Mit einem Essstäbchen der Länge nach mittig den Teig nach unten drücken, bis er an den Seiten hochkommt. Teigstreifen umdrehen, die glatte Seite ist nun oben. Mit Gefühl in die Länge ziehen. Mit den Streifen eine Schlaufe formen - Teigenden werden in den Fingern zusammengehalten und in diese Schlaufe quer ein Essstäbchen quer einführen. Dieses 2 Mal um sich selbst drehen. Dann - die Teigenden mit einer Hand gen Boden drückend - das Eßstäbchen mit Druck nach unten rausziehen. Die Teigenden mit einer Hand weiter halten, mit der anderen Hand das Stäbchen nach unten drückend herausziehen. Das fertige Bao auf ein Stück Backpapier legen.

Die fertigen Baos mit einem Geschirrtuch bedeckt nochmals 40 min ruhen lassen.

Zum Garen Wasser in einem Dämpftopf erhitzen und die Bao 12 bis 15 min dämpfen.

Die Hua Juan schmecken frisch und noch warm am besten, man kann sie aber auch gut unter Dampf oder in der Mikrowelle regenerieren. 

Quelle: magentratzerl / Youtube - Anleitung

 


Joyeux Noël euch allen!

World Bread Day 2022 - Dinkel-Kamütelchen

Sonntag, 16. Oktober 2022


Schön, wenn's einem daheim so richtig hyggelig vorkommt, oder? Hyggelig, das so schöne, eingedeutschte, dänisch-norwegische Wort für wohliglich, gemütlich, heimelig, nestig, weich-warm-gut! Olfaktorisch ist Brotbacken in dieser Hinsicht eine Wucht mit Knusperkruste - denn die Nase weiß sofort was es geschlagen hat: es riecht eindeutig hyggelig! Wohlfühlen dank Brotbacken... manche Dinge sind so gar nicht schwierig.

Alleine das Wort *Brot* triggert in mir ganz viele Assoziationen. Als ich vor über 15 Jahren mit dem Brotbacken begann, galt das noch als recht nerdiges Hobby. Ein paar viele geschlossene Handwerksbäckereien und Pandemiejahre später, ereifern sich nun nicht mehr nur echte Ökos, Prepper oder Brotliebhaber für diese Freizeitbeschäftigung. Seit ich blogge, nehme ich an Zorras World Bread Day teil - mein liebstes Event und auch mein einziges übergreifendes Foodie-Event, das mit meiner regelmäßgen Mitwirkung stattfindet. Vielen Dank an dieser Stelle, Zorra, für deinen jährlichen Einsatz für dieses Event auf deinem Blog *1 x umrühren aka Kochtopf*

Für mich kulminiert alleine in dem Begriff *Brot* ganz viel von dem, was existenzielles Leben auf der Erde ausmacht. Nicht von ungefähr gehört in so vielen Ländern Brot zu den absoluten Grundnahrungsmitteln. Ein frommer Wunsch bleibt, mit allen sein Brot zu teilen. Da könnte sich die Welt - wenn es nach mir ginge - ein Scheibchen abschneiden von der französischen Kultur. Geht man hier ins Restaurant wird stets ein kleiner Brotkorb und eine Karaffe Wasser auf den Tisch gestellt. Wer hungrig kommt, soll sich satt essen können - mit Brot und Wasser als Basis.

Heute möchte ich mich außer an Zorras Event noch der Aktion der internationalen Umweltorganisation *Navdanya* (Neun Samen) anschließen *Unser Brot, unsere Freiheit*. Die Organisation warnt schon seit Jahren davor, dass die Welternährung nicht monopolisiert in die Hände weniger Industriekonzerne gelangen darf. *Echte Nahrung ist das Recht aller Lebewesen. Zu essen bedeutet lebendig zu sein. Echte Nahrung zu essen, bedeutet gesund zu sein. Echte Nahrung ist der Schlüssel zur Gesundheit unseres Planeten sowie auch zu unserer eigenen Gesundheit und unserem Wohlbefinden

Navdanya erinnert daran, dass Nahrung und Lebensmittel auf unserem Planeten den Kreislauf des Lebens bestimmen. Im Lebensnetz sei Nahrung das Geschenk der Erde, das große verbindende Element zwischen Boden, Pflanzen, Tieren und Menschen.

Außerdem weißen sie darauf hin, dass die derzeitige Preiskrise und die sich abzeichnende Hungerkrise das Symptom eines Systems darstellt, das aus dem Ruder gelaufen ist: * Nach Angaben der FAO, der Weltbank und des Internationalen Expertengremiums für nachhaltige Ernährungssysteme (IPES) besteht derzeit keine Gefahr einer weltweiten Nahrungsmittelknappheit. Da Lebensmittel zu einem finanziellen Vermögenswert und einer Ware geworden sind, ist die übermäßige Spekulation aufgrund der Finanzialisierung von Lebensmitteln die Ursache der Krise. Das bedeutet einen steilen Anstieg der Preise für die Verbraucher und größere Unternehmensgewinne für Finanzakteure und Agrarkonzerne.

Wer hier länger mitliest weiß, dass ich sehr skeptisch bin, ob das Ruder im großen Ganzen noch rumzureißen ist (s. meine Reihe WW-Klimakterium), weil ich mich umfänglich Gus Speth, Prof. für Nachhaltige Entwicklung, anschließe (ich zitiere zum zweiten Mal):Früher dachte ich, dass die größten Umweltprobleme der Verlust der Artenvielfalt, der Kollaps der Ökosysteme und der Klimawandel wären. Ich dachte, 30 Jahre gute Wissenschaft könnte diese Probleme angehen. Ich habe mich geirrt. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit, und um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel. Und wir Wissenschaftler wissen nicht, wie man das macht.”

Die Gründerin von Navdanya International, die Physikerin und Trägerin des alternativen Nobelpreises Dr. Vandanya Shiva, hofft auf das schöpferisch Potenzial des Menschen: "Lasst uns unser schöpferisches Potenzial mit den höheren planetarischen Gesetzen und den höheren Gesetzen der Menschheit in Einklang bringen, die Leben und Wohlergehen für alle ermöglichen."

Und ich möchte präzisieren, dass einzig ein geistigen Wandel Veränderung zu bewirken vermag und jeder kann dafür nur bei sich selbst, seiner eigenen Gedankenwelt beginnen:

*Du bist es, der diese Welt erschafft - jeden Augenblick* (Buddha Shakyamuni)

 


Mittlerweile bin ich sehr bequem geworden, was das Brotbacken angeht. Meine Lieblingsbrote habe ich euch vor Kurzem vorgestellt - und um die kreise ich in der letzten Zeit beharrlich.

Backe ich Brötchen, dann gerade nur noch die Sonntagsdinkelbrötchen in tausendundeiner Abwandlung. Sie passen halt zu gut zu unseren Lebensgewohnheiten. Riesig anders sind die heutigen Brötchen, die von Björn inspiriert sind, nicht: wieder ziemlich vollkornig, wieder mit Übernachtgare, wieder mit hellem Dinkel. Sie sind wieder so bequem zuzubereiten, dass sie totally Beginner friendly sind - man braucht zudem keinerlei Spezial-Equipment. Da kann sich jeder bedenkenlos ausprobieren.

Unterschiedlich ist, dass man zeitlich flexibler ist und dass man weniger Platz im Kühlschrank benötigt, weil nur die Teigschüssel darin geparkt wird.


Zutaten - 9 Stück:

Quellstück:
60g Altbrot
20g Goldleinsaat
20g Sonnenblumenkerne, geröstet, gehackt
100ml Wasser

Autolyseteig:
240g Kamut-Vollkorn
300g Dinkel 630 (m: davon 30g R1150)
50g ASG (m: 2 Tage davor aufgefrischt)
420g Wasser

Hauptteig:
Quellstück
Autolyseteig
13g Salz
4g Hefe
20g Wasser
1 TL Rübensirup
1 EL Walnussöl 
Mohn zum Bestreuen

Zubereitung:

Die Quellstückzutaten vermengen und 1 Stunde quellen lassen.
Die Zutaten des Autolyseteigs 3 Minuten langsam verkneten und 1 Stunde abgedeckt quellen lassen.
Quellstück, Salz, Wallnussöl und Hefe zum Hauptteig geben (nicht die 20g Wasser) und 4 Minuten langsam kneten, dann 20 Minuten abgedeckt Teigruhe. Ein zweites Mal für 3-4 Minunten kneten - dabei schlückchenweise die 20g Wasser anschütten - bis ein glatter Teig entstanden ist.
Den Teig in eine eingeölte Teigwanne legen und ca. 60 - 70 Minuten bei Raumtemperatur anspringen lassen. Nach 30 und nach 50 Minuten einmal in der Schüssel dehnen und falten.
Die Teigwanne gut abgedeckt für 12 bis 24 Stunden bei 5°C im Kühlschrank weiter reifen lassen.
Am Backtag aus dem Kühlschrank nehmen und den Teig auf die bemehlte und mit Mohn bestreute Arbeitsfläche stürzen.
Vom rechteckigen Teig drei gleich breite Streifen abstechen und diese vorsichtig etwas länglich ziehen Jeden der Streifen mit einer Teigkarte in drei gleich große Teiglinge teilen.
Die Teiglinge mit Hilfe zweier Teigkarten etwas in Form schieben, aufnehmen und auf ein vorbereitetes Backblech setzen und nochmals mit Mohn bestreuen. Abdecken.
Den Ofen einschalten und 30-40 Minuten auf 250 °C Heißluft-/Umluft vorheizen.
Die Bleche in den Ofen einschießen und gut schwaden. Die Temperatur auf 240 °C herunterstellen. Die Brötchen 18 bis 20 Minuten dunkel abbacken und aus dem Ofen nehmen. Mit Wasser besprühen.    *Anmerkung m: unsere Frühstücksbrötchen sind verhältnismäßig groß. Wir essen morgens eine Hälfte davon und abends die zweite...
Inspiration: Björn von Brotdoc 

Lieblingsbrote, favorite bread recipes, pains préferés

Sonntag, 30. Januar 2022

 

 

       

        

Was treibt man, wenn man auf einmal viel Freizeit zuhause verbringt? Man fängt ein Rentner-Hobby an wie Brotbacken.

Wobei ich glaube, dass sich das längst gedreht hat. Das war damals als ich vor 15 Jahren mit dem Brotbacken begonnen habe neben Imkern der Klassiker. Heute schmückt man sich doch gerne auch als Hipster mit einem solchen Hobby, oder? Gut, was schreibe ich: keine Ahnung was in den Metropolen dieser Welt so läuft - je m'en fous ob mottig oder modern. Der Geruch von frisch gebackenem Brot im Haus ist an muckeligem Gefühl eigentlich nicht zu toppen. Schön, wenn das andere für sich genauso entdecken!

Ich bin schon immer Brotliebhaber - ganz besonders während meiner Trauma-Verarbeitungszeit. Ihr erinnert euch, dieses *Wer-sich-nicht-wehrt-kommt-an-Herd*-Dingens. Da ich nicht gekocht habe, ernährte ich mich von Stullen. Und die war schon immer vollkornlastig. Exakt das war auch der Grund, weshalb ich in Südfrankreich mit dem Brotbacken anfing: schlimmes Vermissen von deutschem Brot! Damals war ein Vollkornbrot kaum aufzutreiben. In Kombi mit Saaten sind sie hier nach wie vor schwer zu finden.

Tja, alte Liebe rostet nicht. Diese Art Brote sind nach wie vor meine allerallerhäufigst gebackene Sorte.

Weil Mails und Aufrufzahlen den momentanen Trend zum heimischen Brotbacken belegen, habe ich euch einige meiner Lieblinge aus dem Fundus herausgesucht. Denn ich selbst greife fast nur noch auf Rezepte von hier zurück. Warum in die Ferne schweifen.... ich habe schon so viel ausprobiert. Viele neue Fotos belegen, dass ich auf bestimmte Brote bevorzugt zurückgreife. Meine Bäckerei käme mit einer handvoll verschiedener Brote - trotz riesiger Auswahl - aus. Es braucht nur ein gutes Rezept und allein mit diesem kann man sich durch Austauschen von Getreide, Anschüttflüssigkeit und Saaten immer wieder aufs Neue beglücken.

Müßte ich mich auf 5 Brote beschränken, dann habe ich euch zwei davon bereits verraten. Und zwar in meinem Post *Backen mit Sauerteig... my way*. Das Paderborner von Gerd (für das ich mittlerweile fast nur Vollkorn verwende) backt sich quasi nebenher sowie das Bauernbrot von Günther (mit dem ich wieder und wieder spiele) - beides sind absolute Anfängerbrote, weil sie immer gelingen. Tatsächlich würde ich Newbies raten, sich an den beiden abzuarbeiten und sie in verschiedenen Ausführungen hintereinander weg zu wiederholen, um ein Gespür für die richtige Teigkonsistenz zu bekommen. Der damit einhergehende Erfolg wird bestimmt Freude bereiten. 

Dann zählen weiter dazu das Einkornbrot von Dietmar - Einkorn ist mein absolutes Lieblingsgetreide geworden. Nicht nur weil die Haute-Provence Anbaugebiet dafür ist, Farbe und Geschmack des Einkorns finde ich unschlagbar! Außerdem gehört auf die Liste ein weiteres Günther Brot und zwar sein Volles Roggen mit Sonnenblumenkerne. Günther schrieb mir, dass er die Idee mit den Sonnenblumenkernen von mir aufgegriffen hätte, worauf das Brot wieder besser im Verkauf lief... Zu guter letzt backe ich seit Jahren einfach gerne den Hamster mit richtig vielen Saaten. 

Was Brötchen angeht, so orgle ich tatsächlich gerade die Sonntagsdinkelbrötchen hoch und runter, verweise euch aber ebenso weiter auf die Ohmm-Shanties, Grobies Dreiecksbrötchen, die Wurzelknoten nach Marlene sowie die rustikalen Dinkelchen nochmals nach Dietmar.

Mein letztes Brot, das ich gebacken habe, war Julis Meisenknödelbrot mit Einkorn anstelle von Dinkel und überhaupt mit mehr Vollkorn - richtig super! Vielleicht ist was dabei für euch! Viel Spaß und gutes Gelingen!

Sonntagsdinkelbrötchen zum Neustart

Donnerstag, 6. Januar 2022

 

Traditionell habe ich stets das neue Foodblog-Jahr mit einem Brot-Rezept begonnen. Also zumindest meistens. Doch ich brauche niemanden erklären: die letzten beiden Jahre waren turbulent. So bin ich vergangenen Dezember nicht dazugekommen wie ebenfalls fast kontinuierlich meine Menu-Vorschläge für euch zusammenzustellen. Irgendwie ging das unter - und schwupps, schon war das Zeitfenster auch vorbei, in denen ich die Menus üblicherweise gepostet habe.

Wie es wohl um den Fortbestand von überhaupt Tradition und Kultur bestellt ist (von Religion fange ich gar nicht mehr an, die spielt in unseren Breitengraden ja schon lange eine untergeordnete Rolle)? Ich frage mich, ob nach zwei (oder drei, vier... ?)-jähriger Pandemie-Pause einfach wieder angeknüpft werden kann - ganz so, als wäre nix gewesen. Was meint ihr? Findet sich das von alleine wieder ein? Oder ist ein Bruch ein Bruch und verändert maßgeblich alles, weil ein nahtloser Weitergang von Sitten und Gebräuchen durch ein Aussetzen eben nicht wieder herzustellen ist?

Mein Lieblingsbeispiel, das ich für diese Überlegung heranziehe, sind die Männerballet-Gruppen an Fasching. In wievielen deutschen Dörfen raffen sich die Jungs zusammen, um für den alljährlichen Auftritt an Karneval zu proben. Was man halt so alles machen kann neben dem Biertrinken. Versteht mich nicht falsch! Nichts ist mir herzlich egaler wie Männerballet. Denn ganz ehrlich, eine Faschingsveranstaltung ohne Alk ist wie Schnorcheln mit Schnupfen: das macht einfach keinen Sinn. Aber gibts einen harmloseren Spaß als Männerbalett? Eben. Was ich mir versuche vorzustellen, ist, ob sich solche Kleinstvereine wieder aus dem Boden stampfen lassen nach so einem langen Aussetzer.

Jetzt gibt es bestimmt schlimmeres kulturelles Artensterben als Mänerballet. Ich meine halt nur... was verschwindet vielleicht nach diesen Dürrejahren von der Bühne auf Nimmerwiedersehen. Andererseits heißt es: *Distanz schafft klare Gedanken*. Gilt selbst für Paare mit Beziehungsproblemen. Und nach einer Pause, einem Bruch besteht die Möglichkeit auf Neustart zu gehen und nochmals (er)frischt zu beginnen. Und man kann bewußt, Dinge anders machen, ausschließen oder integrieren. Es wäre auch eine Chance... Ich höre in meinem Umfeld eine große Sehnsucht heraus, nach einer Welt die anders gestaltet ist - und zwar auf allen Ebenen: sozial, kulturell, ökonomisch. Wie könnte eine andere Welt mit anderen Beziehungen und Strukturen aussehen? Welchen Werten könnte man sich verpflichten? Und wenns nur im Kleinen ist als Lebensgemeinschaft? Sind doch schöne Gedanken, oder?

 


Nun, wenn man sonntags ausgeträumt hat, dann kann man den Tag ganz prima mit diesen Brötchen beginnen. Man kann sich gemütlich am Frühstückstisch streiten, ob mit Marmelade oder Honig bestrichen und ob begleitet von Tee oder Kaffee. Bei uns hat sich gerade hin und wieder das Frühstücksei zum Start in den Tag zwischen die sonstige Porridge-Gewohnheit gedrückt. 

Gerade für Berufstätige finde ich diese Brötchen ideal, weil man sich den Zeitplan sehr gut drumherum gestalten kann. Ihr dürft nur nicht aus dem Bett kugeln und direkt frühstücken wollen. Zeit zum Backen sollte noch sein. Oder aber ihr backt sie tiefgefroren auf dem Toaster auf - so mache ich das ebenfalls gerne. Die Brötchen schmecken dann genau so wie frisch aus dem Ofen. Anfängertauglich ist das Rezept obendrein, denn es kommt nur Hefe zum Einsatz. Und selbst ums Formen kann man sich drücken, denn der Teig sowie die Übernacht-Gare lässt zu, dass man sie einfach absticht...

 

Zutaten - 9 Stück:

Vorteig - ca. 10-12 Stunden:
110g Einkorn-VK*
110g Wasser
1g Hefe

Quellstück - ca. 10-12 Stunden:
210g Emmer-VK*
220g Wasser (oder 240g Kefir/Buttermilch)*
14g Salz

Hauptteig - ca. 10-14 Stunden:
Vorteig
Quellstück
400g Dinkel 630*
6g Hefe
ca. 150g Wasser
1 EL Rübensirup
Mohnsaat (oder andere Körner) zum Verwenden

Zubereitung: 

Vorteig und Quellstück morgens ansetzen (8 Uhr). Hefeteig anspringen lassen, dann beide Vorteige abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Abends (ca. 19 Uhr) für den Hauptteig alle Zutaten ca. 4min miteinander verkneten - Dinkel neigt dazu, schnell überknetet zu sein. 15 min ruhen lassen. Dann weitere 3min kneten. Teig sollte sich vom Schüsselrand lösen. Möglicherweise dabei noch ein Schlückchen Wasser zufügen (gerade wenn man für das Quellstück Kefir oder Buttermilch verwendet, kann das nötig sein).

Eine gute Stunde im Warmen abgedeckt ruhen lassen (der Teig sollte sichtbar angesprungen sein).

Nun entweder den Teig vorsichtig auf eine bemehlte und mit Mohn bestreute Arbeitsfläche kippen, vorsichtig quadratisch ziehen und 9 ca. gleichgroße Quadrate abstechen. Oder aber 9 Teiglinge rund schleifen, Oberfläche anfeuchten und in Mohn wälzen.

Mit der Oberfläche mit etwas Abstand und nach unten auf ein bemehltes Leinentuch (und Backblech) setzen und abgedeckt in den Kühlschrank schieben.

Am nächsten Morgen (10-14 Stunden später) den Ofen vorheizen auf 240°, mit Dampf einschieben, Dampf nach 10 min ablassen. Für insgesamt etwa 22min backen ) Klopfprobe. Letzten Minuten mit leicht geöffneter Tür backen.

Anmerkung m: Das Vollkornmehl habe ich schon nach Belieben ausgetauscht mit Dinkel oder Kamut - alles supi/ wenn man die Brötchen nur absticht und nicht formen will, darf man einen Schluck Wasser mehr an den Teig geben.

Neueste Variante mit Kamut-VK und Purpurweize-VK plus 150g gekochte Kartoffeln -  sehr schön!