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Gastbeitrag von Hannah: Tomaten mit Kräuterfüllung

Dienstag, 15. September 2020


Anfang Juli – zum Glück vor der großen Hitzewelle - verbrachten wir eine Woche bei Micha und Fried / „Sonne und Lavendel“. Als kleine Ergänzung zu Michas „Herbergsmutterreihe“ möchte ich hier von der anderen Seite aus berichten, zumal das Wetter hierzulande jetzt glücklicherweise etwas auf „goldenen Spätsommer“ umgeschlagen hat, und ich gestimmt bin den Sommer Revue passieren zu lassen.
 
Und jaa, und was bringt man so aus dem Urlaub mit - neben Urlaubsbräune, Entspannung und vielen Eindrücken? Souvenirs. Quasi auf der Hand liegt ja, dass „Souvenir“ dem Französischen entlehnt ist, wörtlich übersetzt ein Erinnerungsstück. Etymologisch noch weiter gegraben hat se souvenir seine Wurzeln im Lateinischen und ist da eine Zusammensetzung aus den Wörtern sub (=von unten) und venire (=kommen).  Ein Souvenir „zieht“ also Erinnerungen von unten herauf.

Dabei können Souvenirs unterschiedlicher Art sein: Es kann sich dabei um Gegenstände handeln, die man mitgebracht hat, oder es können im übertragenen Sinne auch Eindrücke sein, die sich fest im Gedächnis verankert haben und untrennbar mit dem Ort des Erlebens verknüpft sind. Bilder, Gerüche und – für die meisten Leser hier – sicher auch Geschmäcker.

Logisch – und Micha erinnert auch nochmal daran - nimmt man aus einem Urlaub im Dep. Drome ganz handfeste Souvenirs wie Lavendelhonig, Einkorn, lila Knoblauch und natürlich guten Käse mit, schließlich werden alle diese Naturprodukte hier angebaut beziehungsweise produziert. Und wenn noch Platz im Auto ist, packt man noch sonnenverwöhnte Tomaten, Melonen und Pfirsiche dazu. Daheim angekommen tafelt man mit diesen Köstlichkeiten und erinnert sich.

Als weitere schöne Souvenirs brachten wir Lorbeer aus Micha und Frieds reichhaltigem Kräutergarten mit und Lavendel, abends auf der Terrasse zu festen duftenden „Knüppeln“ gebunden, ein sommerliches Kleidchen für unsere Tochter, das Lieblingskleid dieses Sommers, benannt nach dem Namen der Stadt, wo wir es kauften: „Das Die Kleid“, einen schönen Sonnenhut für meinen Mann, dem ersten Sonnenbrand am Kopf geschuldet und eine neue Lieblingssommerhose für mich – meiner Vorliebe für Second Hand Läden / Dinge mit Geschichte geschuldet, genauso wie drei kleine Tässchen für die Spielküche aus dem „Mitnahme-nicht-nur-Bücher-Häuschen“ im malerischen Piégros-la-Clastre.

Was ich noch mitnahm war das Vorhaben ein Rezept für gefüllte Tomaten zu entwickeln. Micha und ich hatten einen Versuch unternommen, der zwar durchaus gut schmeckte, aber noch nicht in Gänze „blogwürdig“ erschien. Daheim angekommen unternahm ich einen nächsten, der mir allein, weil er etwas ganz Anderes ist, auf jeden Fall mal zu notieren wert ist. Die Fotos sind leider nicht so toll geworden, aber das machen die Souvenir Fotos hoffentlich wieder wett. Ich servierte die gefüllten Tomaten – genauso wie Micha - mit dieser Zucchini-Tarte  - auch diese schöne Kombi war mir in guter Erinnerung geblieben. Als das Essen so auf dem Tisch stand, fragte unsere Tochter: „Hat das die Micha gekocht?“. So funktionieren Souvenirs.

Zutaten 4P:

6 mittelgroße Fleischtomaten
100 g frische Brennesselblätter
5 Zweige Basilikum
5 Zweige glatte Petersilie
30 g Frühlingszwiebeln
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
1 Ei
6 eingelegte Kirschpepperoni
2-3 EL Semmelbrösel
60 g kräftiger Hartkäse – z.B. Comté / Ziegen- oder Schafskäse ist ebenso eine gute Alternative!
20 g Zedernnüsse oder Pinienkerne
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Ofen auf 200° C Umluft vorheizen.
Brennnesseln waschen und gut abtropfen

Tomaten waschen, waagerecht halbieren und das Fruchtfleisch aushöhlen. (Dieses wird hier nicht weiter verwendet, natürlich schmeißen wir es aber nicht weg, sondern verwenden es anderweitig – z.B. im Gazpacho, in einer Tomatensoße oder auch einfach gewürzt und mit Basilikum und Parmesan und einigen weiteren Tomaten kalt zu Pasta.)

Zedernnüsse in einer Pfanne ohne Fett leicht bräunen. Beiseite stellen
Nun etwas Olivenöl in die Pfanne und darin die feingewürfelte Schalotte und den ebenso fein gewürfelten Knoblauch sowie die Frühlingszwiebeln in Ringen andünsten.

Derweil die Brennnesseln, Basilikum und Petersilie fein hacken. Kirschpepperoni klein schneiden.

Käse reiben. 20 g davon beiseite stellen

Nun alle Zutaten für die Füllung mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Füllung in die Tomatenhälften geben. In eine Auflaufform stellen und mit dem restlichen Käse bestreuen und mit etwas Olivenöl beträufeln. Im Ofen ca. 25 Minuten backen.


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.
 
 

Gastbeitrag von Hannah: „Snickers“ Eiscrème ZweiPunktNull

Samstag, 27. Juni 2020


Eines vorneweg: Das Rezept, was ich hernach vorstelle, hat von den Inhaltsstoffen absolut nichts mit dem nährwerttechnisch eher bedenklichen Schokoriegel eines amerikanischen Lebensmittelgiganten zu tun.

Aaaber - mit eben jener industriezucker- und fettreichen Riegelbombe verbinden sowohl mein Mann als auch ich Grenzerfahrungen und in genau diesen kam uns der erste Biss in die Schokoummantelung, hindurch durch nussig, klebrig süße Karamellschicht einfach gigantisch gut vor. Das Phänomen dabei: Nie mehr schmeckte uns ein „Snickers“ wieder so gut und nie mehr sonst haben wir das Bedürfnis nach einem „Snickers“ gehabt außer in diesen Situationen: Bei meinem Mann war es eine Reise nach Nepal mit Trekking zum Mount Everest Base-Camp, und nachmittags ein obligatorisches „Snickers“ an einem der Kiosks auf dem Weg. Bei mir war es der Biss in ein Snickers, auf einer Skihütte erstanden, bei der ich auf einer Skitour ankam, durchgefroren und ausgehungert, unendlich glücklich und dankbar diese im Schneesturm gefunden zu haben und nun in einen Schokoriegel beißen zu dürfen.

Die Phase der Suche nach Grenzerfahrungen liegt bei uns beiden schon eine Weile zurück und so brauchen wir auch kein „Snickers“ mehr. Was wir aber nach wie vor lieben, ist die Kombination aus (Erd)nüssen und Schokolade. Dass diese auch gesünder geht, liegt auf der Hand - im „echten Snickers“ sind vermutlich verhältnismäßig wenig Nüsse und noch weniger Kakao – dafür in diesem Eis umso mehr. Fix gemacht, eine gute Verwertung von in der Sommerwärme schnell nachgereiften Tigerbananen und einfach lecker, ist es bei uns im Sommer eigentlich immer vorhanden. Nicht zuletzt, weil es DAS „Slokoslakeeneis“ unserer Tochter ist.


Bei den meisten „Nicecreamrezepten“, die man im Internet findet, wird das Obst zuerst tiefgefroren und dann verarbeitet. Hat zwar den Vorteil, dass man dann gleich eine (eis)kalte Masse hat, die man gleich essen kann, mir war das aber irgendwie zu unpraktisch und zu wenig flexibel. So habe ich einfach mal probiert die Bananen direkt zu verwenden, also ohne sie vorher zu gefrieren. Hat den Vorteil, dass man für diese Variante auch nicht unbedingt einen extrem leistungsstarken Mixer benötigt. Eine Eismaschine braucht man im Übrigen für dieses Eis auch nicht. Es ist auf jeden Fall cremig und ohne lange Kristalle. Lediglich leicht antauen sollte man es vorm Genießen.

Zutaten:

2 gut reife Bananen
200 ml Kokosmilch (Dose)
75 g weiche Medjool Datteln*, entsteint gewogen
50 g + 25 g Erdnuss Mus „Crunchy“**
25 g Edel Kakao Pulver, ungesüßt
1 El Hanfsamen, geschält

Zubereitung:

Alle Zutaten bis auf 25 g des Erdnussmus‘ mit einem Standmixer oder leistungsstarken Pürierstab sehr gut pürieren.
Masse in eine Gefrierbox geben und nun die restlichen 25 g Erdnussmus in Tropfen draufgeben und ganz leicht einrühren.
Im Tiefkühler gefrieren.

* Wer keine weichen Datteln bekommt, nimmt die härteren und weicht sie 30 Minuten in etwas heißem Wasser ein. Die Datteln dann kurz abtropfen lassen und wie oben verwenden.

** Ich verwende stets ungesüßtes Erdnuss Mus. Gerne die leicht gesalzene „Crunchy“ Variante. Alternativ geht auch feines Erdnussmus ohne Salz, dann einfach eine Prise Salz zugeben.

Varianten mit zusätzlichen gerösteten Nüssen, Kakaonibs, Schokostückchen… alles lecker.
Statt der Kokosmilch kann auch die gleiche Menge süße Sahne verwendet werden, oder halb, halb...


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.

Gastbeitrag: Sauerteigtagliatelle mit Zwiebelcrèmesoße und Kapern von Hannah

Dienstag, 2. Juni 2020


Es ist mir absolut klar, dass es Originelleres gibt, als sich dieser Zeit näher mit dem Thema „Backen mit Sauerteig“ zu beschäftigen. Es war auch weder so, dass mich akuter Brot- oder Hefemangel dazu trieb, noch dass ich plötzlich mehr Zeit gehabt hätte – eher im Gegenteil. Vielleicht konnte ich mich aber dem medial fast omnipräsenten Impetus à la „Züchte dir jetzt deinen Sauerteig!“ doch nicht ganz entziehen – wie dem auch sei – seit einigen Wochen habe ich nun ein Anstellgut im Kühlschrank stehen, pflege und hege es und verwende es regelmäßig mit wachsender Freude. An dieser Stelle möchte ich auch nochmal meinen herzlichen Dank an Micha, Julia und Charlotte  aussprechen, die mir „den Steigbügel aufs Sauerteigpferd“ hielten und meine Fragen geduldig beantworteten. Hier lobe ich mir wirklich das Internet und natürlich besonders solche freundlichen und ambitionierten Foodbloggerinnen wie die genannten. Ja, so kann man sich an ein Koch-/Backthema dran wagen, das man bislang ausgeklammert hatte! Und als ich dann mein erstes Sauerteigbaby aus dem Ofen holte, fragte ich mich natürlich, warum ich damit so lange gewartet habe. Mir kam der Spruch in den Kopf vom Mann, der Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen soll. Irgendwie sollte es eine Variante davon geben, wo auch „Selbst ein Sauerteigbrot backen“ drin vorkommt… Für mich auf jeden Fall eine Urerfahrung.

Da meine Sauerteigbackerfahrungen nun noch wirklich in den Kinderschuhen stecken (aber: Dank zuverlässiger Rezepte ist alles bislang gelungen!) werde ich hier nun auch nicht mit einem Brotrezept ankommen, ne, ne… das überlasse ich denjenigen, die es können. Was mich aber von Anfang an bei dem Sauerteigprocedere irgendwie gestört hat, war die Tatsache, dass ich bei jedem Auffrischen des Anstellgutes einen Teil des alten ASGs in den Kompost entsorgen musste. Mag seltsam klingen, aber es widerstrebt mir zutiefst Lebensmittel wegzuschmeißen und sei es nur 1 Esslöffel Mehl - und das nicht erst seit Corona Zeiten. So war ich sehr glücklich, als ich auf Charlottes Blog einen reichen Fundus von Rezepten gefunden habe, bei denen ASG nicht nur als Starter für den Sauerteig verwendet wird, sondern einfach verkocht und verbacken wird. „Altes Anstellgut? – Aufessen!“ Treffender kann man nicht titeln. 

Vorneweg gleich kann ich versichern: Das ASG schmeckt nicht penetrant säuerlich raus – nein, gar nicht – und zwar weder in herzhaften Gerichten noch in süßem Gebäck! Auch Micha gibt ihr ASG nicht nur in Brotteige aller Art, sondern mischt es auch mal in den Pastateig – wie hier bei diesen feinen Bandnudeln. Vorstellen möchte ich hier nun Sauerteigtagliatelle, die in einem Sternanissud gegart werden und mit einer Zwiebelcrèmesoße mit Kapern serviert werden. Klingt exotisch? Schmeckt aber gar nicht so speziell, wie es sich vielleicht anhört. Bei den Tagliatelle ist der Anteil ASG zu Mehl und Grieß ja eh relativ gering. Es sind also keine „sauren Nudeln“! Aber der Sternanis? Auch hier: Keine Sorge: Die Pasta schmeckt nicht nach Weihnachten! Und die Zwiebelcrème hat meines Erachtens das Ding zum DUBB – guckt man auf ihre „Laufbahn“: Kreiert von Massimiliano Alajmo, stellte Robert sie vor, Charlotte zog nach  und nun möchte ich auch hier nochmal drauf hinweisen: Lohnt sich! Toller Geschmack und dennoch ganz schnell gemacht! Bei uns gab es dazu noch ofengeröstete Kirschtomaten mit Ziegenkäse und einen grünen Salat.


Zutaten 2-3 Personen:

65 g Anstellgut vom Roggensauer
1 Ei Gr. L
75 g Dinkelgrieß (h: Vollkorn Dinkelgrieß)
75 g Dinkelmehl 1050, gesiebt
75 g Dinkelmehl 630, gesiebt (original: Weizenmehl T 550)
etwas kaltes Wasser


Zutaten Soße und Tomaten
½ Sternanis
150 g rote Zwiebeln (h: Mischung aus roten und weißen Zwiebeln, sowie Schalotten; original: Tropeazwiebeln)
2 EL Olivenöl
2 EL Kapern gewässert, gut abgetropft und grob gehackt
Salz
schwarzer Pfeffer
20 g Butter
30 g Parmesan, gerieben
Parmesan zum Servieren

Kirschtomaten
Olivenöl
1 TL Ahornsirup
Thymian
Salz
70g Ziegenfrischkäse


Zubereitung:

Zwei Liter Wasser auf etwa 80°C erwärmen, Sternanis hineingeben und zugedeckt 30 Minuten (h: länger) ziehen lassen. Wasser salzen.

Zutaten für die Pasta zu einem geschmeidigen Pastateig verkneten und mithilfe der Nudelmaschine zu Tagliatelle verarbeiten (h: Stufe 5 von 8). Tatsächlich ist keine Ruhezeit zwischen der Teigherstellung und der Verarbeitung notwendig.

Für die Sauce die Zwiebeln schälen und fein hacken. Olivenöl in einem mittelgroßen Topf erhitzen, Zwiebelwürfel zugeben und sorgsam dünsten, bis sie glasig und gar sind, dauert etwa 15 Minuten. 100 ml Sternanissud zugeben und mit dem Stabmixer pürieren. Gehackte Kapern, Butter und gerieben Parmesan einrühren und mit Pfeffer und Salz abschmecken. Warm halten.

Parallel die Tomaten vorbereiten: Kreuzweise einritzen, in Auflaufform setzen mit Olivenöl und Ahornsirup beträufeln, Thymian und Salz drüber streuen.


Im Ofen (Umluftgrill) kurz anschmoren (ca. 10 Minuten) dann zerbröckelten Ziegenfrischkäse dazugeben und nochmals 5 Minuten grillen.

Pasta im Sternanissud al dente kochen. Abgießen und mit der Sauce mischen. Mit gehobeltem Parmesan und den Tomaten servieren.


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.

Gastbeitrag: Erdbeerbisquitrolle von Hannah

Sonntag, 10. Mai 2020


Neulich im Bioladen I
Seit einigen Wochen gibt es nun unter meinen Gastbeiträgen ein kleines „Über Mich“. Da ist nun auch nachlesbar, dass mein Mann und ich einen kleinen Bio-Laden führen. Hier herrscht natürlich im Zeichen der Corona Pandemie nun auch seit Wochen Ausnahmezustand, was gerade von meinem Mann (ich bin derzeit nicht aktiv im Ladengeschehen dabei, weil wir ja unsere kleine Tochter daheim haben), viel Kraft, Flexibilität und starke Nerven abverlangt. Und auch hier -wie schon von Micha treffend bemängelt- ärgern wir uns über die absolut schwammigen und realitätsfernen Worte der Politiker: Da gab es am 20.03.20 die Rede von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann in der er unter anderem proklamiert, dass der Ladenbesitzer „verpflichtet ist mit den Kräften, die er hat“ dafür zu sorgen, dass die Zugangsbeschränkungen für seinen Laden eingehalten werden und er „organisieren muss“, dass „weder im noch vor dem Laden Schlangen entstehen“. Wir hörten diese Worte Freitag abends um 22.30 Uhr und mussten nun eine Lösung finden, wie diese Forderung am nächsten Morgen ab 9.00 umzusetzen ist. Drei Kunden - dass es drei sein dürfen, schlossen wir aus dem „Versammlungsverbot“, was ebenfalls zu diesem Zeitpunkt ausgesprochen wurde - dürfen sich gleichzeitig im Laden aufhalten, sieben wollen rein, eine Schlange darf nicht entstehen… Was macht man mit der Mutter, die mit ihren zwei Kleinkindern einkauft? Gelten die als „Eins“ oder als „drei Kunden“, während draußen fünf andere warten? Wirklich konkrete Aussagen fehlen und letztlich muss man sich alles irgendwie selbst zusammen schustern – von angemessenen und durchführbaren Zugangsbeschränkungen, Hygienemaßnahmen, Mundschutz nähen…

Völlig unbeeindruckt von dem ganzen Zinnober zeigen sich indes viele Angehörige der Risikogruppe Ü 70, 80, 90 Jahre. Weiterhin kommen sie täglich in den Laden, kaufen ihren Tagesbedarf, zahlen bar, das Angebot ihnen die Einkäufe zu liefern, lehnen sie dankend ab: „Ich will mich doch bewegen.“ Irgendwo auch verständlich.

Als unbeeindruckt, unzuständig und unzulänglich bewiesen sich auch diverse Behörden: Der Sohn einer Mitarbeiterin kam von seinem (aufgrund Corona abgebrochenem) Auslandsaufenthalt aus Kanada zurück. Am Flughafen Frankfurt erkundigte sich der pflichtbewusste junge Mann (seines Zeichens Pfadfinder), ob es für ihn irgendwelche Quarantäne Vorschriften gäbe, er irgendwas beachten müsse… Am Flughafen sagte man ihm, dass man nichts dergleichen wüsste und er sich bitte beim örtlichen Gesundheitsamt melden solle. Das tat er dann brav und auf seinen Anruf hin wurde ihm hier mitgeteilt, dass man dafür nicht zuständig sei, er solle sich bitte beim Ordnungsamt melden. Auch das tat er und auch hier war man eher überrascht und sagte ihm dann, man würde ihm ein Formular senden, das könne er ja mal ausfüllen und sie würden es zu ihren Akten heften. Als ich diese Geschichte hörte, musste ich wirklich auch lachen, denn wer kann von sich sagen, dass er mit 19 Jahren dermaßen pflichtbewusst gewesen ist und quasi seinem Quarantäneerlass hinterhertelefoniert? Wie dem auch sei, der Pfadfinder hat sich jetzt selbst 14 Tage lang Quarantäne verordnet. Wenn’s sonst hier niemand genau nimmt, dann wenigstens er…. Für mich hinterlässt diese Begebenheit wieder einmal das Gefühl einer gewissen Willkür der Maßnahmen ausgesetzt zu sein.

Für heute ein letztes Beispiel aus dem Ladengeschehen, was meinem Mann das Ladnerleben derzeit manchmal etwas schwer macht: Einer Kundin, die in der vergangenen Tagen immer wieder nach frischer Hefe gefragt hatte, konnte mein Mann sagen, dass heute endlich wieder eine Verpackungseinheit mitgeliefert worden sei. Erfreut ging die Dame zum Kühlregal und kam mit 10 Päckchen zurück. Zehn!!! Zwölf Päckchen sind in der Packung drin. Liebe Leute, wofür braucht ihr SO VIEL Hefe auf einmal? Und dass Hamsterkäufe keinen Sinn machen, und lediglich denen wirklich schaden, die nicht hamstern, sollten wir doch alle spätestens aus der Klopapiergeschichte gelernt haben.  Genug davon – wende ich meinen Blick in die Natur wird mir einmal mehr bewusst wie wie wohltuend und verlässlich diese doch immer ist. Mag auch das Weltgeschehen hohe Wogen schlagen, die Natur zeigt sich gänzlich unbeeindruckt und es wurde Frühling, die Obstbäume blühten, die Zwiebelblüher schoben sich aus der Erde, die Wiesen erst gelb von Löwenzahn, dann silbern von Pusteblumen und ganz verlässlich kommt jetzt die Erdbeerzeit. Und da ich von Michas Blog auch Verlässlichkeit gewohnt bin, Stichwort „Service Blog“ , reiche ich euch hier das Rezept für eine Erdbeer- Pistazienbisquit-Rolle durch. (Aus gegebenem Anlass: Ein Kuchen, der übrigens ganz ohne Hefe und mit sehr wenig Mehl auskommt.)

 
Das Rad bzw. die Rolle habe ich auch nicht neu erfunden, sondern mich dabei an zwei – ebenfalls sehr leckeren - Rezepten Erdbeertörtchen auf Pistazien-Biskuit und Erdbeer-Roulade mit Basilikum-Crème aus Michas Erdbeerrezeptefundus orientiert. 

Zutaten:

4 Eiweiß
4 Eigelb
80 g Rohrzucker + zum Bestreuen des Bisquits
40 g Speisestärke, gesiebt
40 g Mehl (h: Dinkel Vollkorn, gesiebt)
1/2 TL Weinsteinback-Pulver
40 g Pistazien, gemahlen

500 g Erdbeeren
250 g Quark 20%
100 g Mascarpone
125 ml Sahne
80 g cremiger Honig
3 EL Orangensaft, frisch gepresst
1 TL Zitronenzesten
Mark ½ Vanilleschote
6 Blatt Gelatine

Mittelfein gemahlene Pistazien zum Bestreuen

Zubereitung:

Ofen auf 180°C vorheizen.

Mehl und Speisestärke sieben mit gemahlenen Pistazien und Backpulver vermischen.

Eiweiß mit 2 EL Wasser sehr schaumig schlagen. Zucker einrieseln lassen und dabei weiter rühren. Bei sehr langsamen Rühren ein Eigelb nach dem anderen leicht unter die Eiweiß schlagen.

Das Mehlgemisch unter die geschlagene Eiweiß-Zucker-Mischung heben.

Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech etwa 1- 2 cm dick verstreichen. 10 Minuten backen. Das Blech herausnehmen, den Bisquit mit etwas Rohrzucker bestreuen. Ein zweites Backpapier in Backblechgröße darüberlegen. Indem man beide Backpapiere zusammenhält den Bisquit drehen, sodass es nun auf der mit Zucker bestreuten Seite auf dem zweiten Backpapier auf dem Blech liegt. So auskühlen lassen. (Derart bleibt der Bisquit so biegsam, dass man ihn später rollen kann.)

250g der Erdbeeren mit dem Honig und den Zitronenzesten pürieren. Mit Quark und Mascarpone vermischen. Die Gelatine nach Packungsvorgabe in kaltem Wasser einweichen und anschließen ausdrücken. In dem Orangensaft auf kleiner Flamme auflösen lassen und mit der Erdbeer-Quarkmasse sorgfältig vermischen. Kühl stellen

Wenn die Gelatine anfängt anzuziehen, die Sahne steif schlagen und unterziehen. Masse wieder kühl stellen.

Restliche 250 g Erdbeeren in kleine Stücke schneiden.

Papier vorsichtig vom Bisquit abziehen und die Crème auf den Teig streichen. Anschließend die kleingeschnittenen Erdbeeren gleichmäßig auf der Crème verteilen.
Bisquit von der langen Seite her einrollen und im Backpapier eingepackt mindestens 4 h – gerne auch über Nacht - kühlen. Vor dem Servieren mit den gemahlenen Pistazien bestreuen.


©Hannah Nußbaumer, lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Ettenheim, wo sie mit viel Leidenschaft einen Bio-Laden betreiben. Hannah liebt als Gartenarchitektin das Leben mit und im Garten, das Sammeln, Ernten und Kochen. Ohne ihre beiden Herzensmenschen um sich herum wollte sie nicht sein, und ohne schöne (Kinder)Bücher, Stifte und der Möglichkeit sich draußen zu bewegen würde ihr etwas fehlen. Das Binden von Blumenkränzen, das Herstellen eines Hefeteiges sowie das (Er)kennen der uns umgebenden Umwelt sollte ihrer Meinung nach den gleichen Stellenwert haben wie Algebra und Grammatik.