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KI 1: Boule de pois chiche et couscous

Montag, 22. September 2025


Die Beleidigung *Fachidiot* scheint mir von der Bildfläche verschwunden. Schon ewig nicht mehr gehört. Im Gegenteil: nie wurden Experten öfters zu Rate gezogen wie heute. Aber ich behaupte, dass das sog. Expertentum gerade seinen Zenit überschreitet. KI bringt es mit sich. 

Und spätestens mit Corona musste Welt feststellen, dass es nicht nur eine Expertise zu einem Fachgebiet gibt, sondern verschiedene Perspektiven mit unterschiedlichen Bewertungen. Mit der Folge, dass sich jeder gezwungenermaßen seine eigene Meinung bilden muss - wenn er sich nicht einfach wie Grill von der großen Welle des Mainstreams treiben läßt.

Wissenschaftkritik seid ihr von mir gewohnt. Und ich befinde mich dabei in guter Gesellschaft. John Steinbeck schreibt in *Jenseits von Eden*:

Vielleicht ist das Wissen zu groß, oder vielleicht sind die Menschen zu klein geworden. Vielleicht werden sie dadurch, dass sie sich in die Beobachtung des Atoms hineinknien, selbst seelisch atomisiert. Vielleicht ist ein Spezialist nur ein Feigling, der Angst hat, einen Blick über seinen kleinen Pferch hinauszuwerfen. Und bedenken Sie, was jedem Spezialisten entgeht - die ganze Welt jenseits seines Bretterzauns.*

Auch Goethe wehrte sich vehement gegen die beginnende Zersplitterung  der Wissenschaft (Uni-Frankfurt/ Prof. Ulrike Landfester). Fachidioten nannte er abfällig *Singularisten* - im Gegensatz zu den Universalisten. Wider dem Druck der Spezialisierung befürwortete Goethe die Aufrechterhaltung der humanistischen Tradition des *studium generale*, zu dem Kenntnisse in den sieben freien Künsten zur Basisausbildung der Studierenden gehörten. Und das, obwohl Goethe bereits klar war, dass der ganzheitlich gebildete *uomo univerale* ein bildungspolitisches Auslaufmodell war. 

Unter dem Einfluß der Aufklärung nahmen die wissenschaftlichen Bereiche geradezu explosionsartig zu - etwas, das schon damals die Kapazität eines einzelnen überschritt. Goethe war sich der Grenzen des einzelnen Menschen sehr bewußt. Selbst wenn ein Wissenschaftler sein ganzes Leben der Wissenschaft widmen würde, so wäre er dennoch nie in der Lage, sich einen vollen Überblick zu verschaffen.

Und nun wertet KI in Bruchteilen von Sekunden einen riesigen Datenschatz aus. Das vermag kein Mensch. Nicht mal in der Spanne eines Lebens. Nur: was wenn die Summe der Details noch lange nicht das Ganze ist?

Nochmal John Steinbeck, der seinerzeits die aufkommende Industrialisierung beobachtete:

Wenn unsere Ernährung, Bekleidung und Behausung völlig dem komplizierten Prozeß der Massenproduktion entstammt, dann muß das Massenverfahren unweigerlich in unser Denken übergehen und alles andere Denken ausschalten. Massen- oder Kollektivproduktion ist heute so sehr in unsere Wirtschaft, unsere Politik, ja in unsere Religion eingedrungen, dass es Völker gibt, die den Begriff des Kollektivs an die Stelle des Gottesbegriffs gesetzt haben.

In Anbetracht dessen, was uns in der Zukunft erwartet, wirken derlei Gedanken noch harmlos. Aber ich empfinde sie als zutiefst visionär!. Wir stehen wirklich vor einer Zeitenwende. Umwälzende Ereignisse wurden seitens der Tech-Entwicklung losgetreten. Da bleibt kein Stein mehr auf dem anderen, einfach alles wird in absehbarer Zeit neu bewertet. 

Sam Altman, Mitbegründer von chatgpt, prognostiziert in einem Interview, dass seine Technologie jedes Jahr um 300 Prozent voranschreiten wird. Er spricht somit von exponentiellem Wachstum. Das bedeutet für dieses Jahr vier Mal so schnell, nächstes Jahr 16 mal so schnell, in 2 Jahren 64 mal so schnell, in 5 Jahren 1056 mal so schnell. Unvorstellbar! Alleine an dieser Geschwindigkeit läßt sich erkennen, dass das nix mehr zu tun hat mit unseren klassischen digitalen Geräten, die man seither kennt.

 


draußen vor dem Fenster umhüllen uns dicke, graue Regenwolken. Wie sehr ich sie wieder schätze nach dem trockenen Sommer! Wie gemütlich ich es drinnen finde. Hach, und wie schön, es sich dann obendrein noch gemütlich zu kochen mit Soul-Food!

Die Kugeln aus Kichererbsen und Couscous sind schnell gebastelt. Beim Essen aber stellte sich raus - Star ist mehr die Sauce denn die boules. Hülsenfrüchte neigen einfach dazu sämtliche Bratlinge, Puffer, Gemüse-Patties ectpp eine gewisse Trockenheit zu verleihen. Für mich sind die Hülsenfrucht-Frikos deshalb auch die schwierigste Sparte in einem meiner kulinarischen Lieblingsthemen. So wollen eben diese Kugeln zwingend und unbedingt in einer leckeren Sauce baden!

Meine Lieblingsbraten-Sauce ist diese dunkle Sauce. Die schmeckt derart herrlich unami und ist dabei derart leicht zuzubereiten. Sahne könnt ihr rauskürzen (wie hier) oder durch Crème fraîche ersetzen. Paprika ist eine gute Alternative zu Pilzen, gebunden habe ich die Sauce dieses Mal mit etwas Stärke - voilà! Ich bin mir sicher, ihr versteht die Idee!


Geschwister im Blog-Universum:


Zutaten - ca. 22 Stück (3-4P):

300g Kichererbsen (m: Dose)
150g Couscous, gekocht
1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Soja-Sauce
2 EL Petersilie, fein gehackt
1 TL Sumac
1 TL Paprika-Pu
Harissa
Salz, Pfeffer


Zubereitung:

Couscous übergießen mit gleicher Menge kochendem Wasser (m: ich nehme immer einen guten Schluck mehr), dann Geschirrtuch auflegen, darauf einen Deckel - und auf diese Weise gut 10-15min ziehen lassen.

Nun alle Zutaten miteinander vermengen, in einem Blender (oder mit dem Zauberstab) pürieren und gut würzig abschmecken. 

Mit feuchten Händen Kugeln formen (m: habe noch 2 EL Gemüsebrühe zugefügt, fehlte Flüssigkeit - zur besseren Formbarkeit) . Dabei dürft ihr die Größe wählen, die euch sympathisch ist - meine waren eher kleiner. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen.

Im Ofen bei 200°C (Umluft) - ca. 15 - 20 min garen.



was machst du an der welt - tomates farcies

Sonntag, 27. August 2023


An alle, die glauben, man könne die Welt in Einzelteile zerlegen, sezieren und mit dem Kopf das Geheimnis des Lebens entschlüsseln, an diese wende ich mich nicht.

Viel mehr berufe ich mich auf die Gruppe, die einsieht, dass *die Summe unserer Existenz, durch Vernunft dividiert, niemals rein aufgehe, sondern dass immer ein wunderlicher Bruch übrig bleibe * (Goethe). An jene adressiere ich mich, die in der Natur die Schöpfung eines großen Geistes wahrnehmen können und diese Erkenntnis geht einher mit einem Gefühl von Respekt, Ehrfurcht und Demut.

Irren gehört zum Menschsein dazu. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Jeder vermeintliche Vorteil birgt ebenso einen Nachteil. Zu jedem Fortschritt gehört auch Verlust von Fähigkeiten. Beispielsweise hat sich gerade bestätigt, dass Apparatemedizin auch Risiken in sich birgt: jede Computertomographie erhöht das Krebsrisiko. Oder als man Kokain entdeckte, wurde es anfangs als Hustenmittel für Kinder in Apotheken verkauft ( s.Arte-Doku Drogen). Bevor überhaupt klar war, ob man es als Medikament überhaupt einsetzen kann, ging es um Money-Making. In erster Linie wird nicht geforscht, ob eine Substanz heilt, sondern ob und wie man damit Geld ziehen kann - auch hierzu diente mir eine weitere Arte-Doku als Gedankengeber, die über Diabetes.

Mehr Geld als mit Drogen kann man mit Waffen verdienen. Oder der Kombination aus beiden. Womit wir bei der Genomforschung gelandet wären. Wenn Molekularbiologen heute über "Leben" schreiben, benutzen sie das Vokabular der Informatiker: Es geht um Codes, Entschlüsselungen oder Programme...Jeder kennt die Metapher von der DNA als *Buch des Lebens*, in dem alles codiert ist. Es scheint heute, als wäre das gängige Wissenschaftssprache, aber dem war nicht immer so. Wie also sind diese Redeweisen entstanden? Erst mit dem Einbruch der Informationstheorie in die Mikrobiologie. Ende der fünfziger Jahre beginne die Erfolgsgeschichte dieser Metapher und eines ganzen Forschungszweiges - so Lily E. Kay in ihrem Buch über Wissenschaftsgeschichte, einen Forschungszweig,  den sie vorsichtig benennt als *militärisch-industriell-akademischen Komplex*. Gleichzeitig wurde in der Wissenschaft ein rein materielles Verständnis von Natur abgelöst durch unser heutiges informationelles Weltbild: Leben als verschlüsselte Information. Spannend, oder?

Darüber darf man sich ruhig Gedanken machen, denn wir leben mittendrin im Zeitalter der synthetischen Biologie. Die ersten Patente der mRNA-Technologie - die zu den Gentherapeutischen Arzneimittel  (GTMP) zählen, da sie wirken, indem *rekombinierte(synthetisierte) Gene* in den Körper injeziert werden - sind nun bekanntermaßen auf dem Markt. Die Menschheit durfte dieser Neuerung nicht nur hautnah beiwohnen sondern Teil davon werden. Offene Fragen inklusive - wie bei allen technischen Neuerungen. In diesem Fall weiterhin unklar: wo genau findet die Aufnahme der Substanz im Körper statt, wie verteilt sich diese im Organismus, wie lange wird ein Spike-Protein gebildet und wieviel davon... Zum Thema *unerwünschte Nebenwirkungen* verweise ich auf  Dr. John Campell, dessen gläserne, offene, wissenschaftliche Arbeitsweise schwer zu widerlegen ist. Weiter will ich darauf nicht eingehen: Information ist eine Holschuld und keine Bringschuld - das hat jeder für sich zu entscheiden, wie tief ihn das interessiert.

Bekannt ist hingegegen, dass die injezierten Spike-Proteine durch Blut, Muttermilch und Sperma weitergeben werden können. Das ist insofern wissenswert, als dass weitere Überlegungen im Raum stehen, sämtliche Impfungen auf mRNA-Technologie umzustellen - sowohl für Mensch wie für Tier. Auch sonst nimmt die Gentechnik rasant an Fahrt auf: die EU will den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft deutlich erleichtern.

Zusammengefasst kann man erkennen, dass sich Mensch nun klüger als die Natur dünkt - worauf ich eigentlich hinaus will. Wir werden Zeuge einer nie dagewesenen Erhebung über die Schöpfung, eine beispiellose Anmaßung gegenüber Gott, einer schrankenlosen Hybris, einhergehend mit einer nie dagewesenen Zerstörung der Natur. Wir glauben allen Ernstes, es besser zu wissen. Wir spielen *Gott* bei größtmöglicher Ahnungslosigkeit, indem wir uns abkoppeln von Naturgesetzen. Wie weit haben wir den Überblick über das, was wir hier treiben?  Wo soll das enden?

Gerne wird geredet über eine Spaltung der Gesellschaft. Und ja, mir wird immer bewußter, dass wir tatsächlich an einer Wegkreuzung angekommen sind, in der sich der einzelne zu entscheiden hat, auf welcher Seite er steht. Da hilft keine Moderation und keine Diplomatie mehr: zwei völlig unvereinbare Geisteshaltungen stehen sich gegenüber, da trennen im Grundsätzlichen ganze Himmel.

Was machst du an der Welt? Sie ist schon gemacht,
Der Herr der Schöpfung hat alles bedacht. (Goethe)
 

Schwere Gedanken - leichtes Rezept. Wir haben dieses Jahr besonders schöne Tomaten. Auch besonders schöne Ochsenherz-Tomaten. Ein schöner Schwung wurde reif und die riefen mir zu: fülle uns und stecke uns in den Ofen. Schnelle, unkomplizierte, leichte Landküche... wie immer.

Die Fritteuse könnt ihr wieder einpacken. Für die Zucchini-Beilage reicht eine Pfanne. Das kann man schon fast kein Rezept nennen, aber es tut der Zucchini ja SO gut, ordentlich Röstaromen abzubekommen. Dafür brät man sie scharf in Fett an und würzt sich anschließend lediglich mit etwas Gewürzsalz. Oder kippt später mehr Öl drauf sowie Minze und Knofi. Eine meiner liebsten Zubereitungsarten für schöne, kleine, knackige Zucchini!

 

Zutaten 2P:

6 coeur de boeuf - Tomaten (m: Sorte *Ananas*)*
60g Couscous
1 TL Ras el Hanout 
2 Lorbeer-Blätter
Gemüsebrühe
Pinienkerne
2 Knoblauchzehen
1/2 Bund Basilikum
1/2 TL Thymian, getrocknet
Harissa
Balsamico-Reduktion
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
100g Feta
Bergkäse (m: Tomme de brebis)
Olivenöl


Zubereitung:

Für das Couscous in etwas Kokosöl das Ras el Hanout anfangen lassen zu duften, dann Gemüsebrühe samt Lorbeerblätter zufügen und darin das Couscous nach Packungsangabe garen (m: VK-Couscous - benötigt etwas mehr Flüssigkeit und mehr Zeit). Anschließend die Lorbeer-Blätter entfernen.

Die Pinienkerne ohne Fett in der Pfanne rösten.

Von den Tomaten einen Hut abschneiden, zuerst den Strunk entfernen und dann das Innere mit Hilfe eines Löffels aushöhlen. Den Tomatensaft abschütten (m: und trinken) und gut Dreiviertel des Fruchtfleischs behalten (dabei vorwiegend Kerne aussortieren) und klein schneiden.

In einer kleinen Pfanne in etwas Olivenöl den fein gehackten Knoblauch kurz anrösten, dann die Tomatenstücke zufügen, mit Harissa und Balsamico-Reduktion würzen sowie etwas Zucker und dem Thymian, salzen, pfeffern und einreduzieren lassen, bis die Tomatensauce sämig wird. Das Couscous untermischen und nochmals nachwürzen. Vom Herd nehmen und zerkrümmelten Feta, wie kleingeschnittenen Basilikum und Pinienkerne untermischen. Die Tomaten mit dem Couscous füllen und mit geriebenem Bergkäse bestreuen

Ofen auf 180° (OU-Hitze) vorheizen (kann man aber auch schon während dem Aufheizen reinstellen) und die Tomaten für ca. 15min garen.

*Anmerkung m: die Menge der Tomaten hängt von der Größe ab. Ich habe mich für mittlere coeur de boeuf-Tomaten entschieden - daher 6 Stück. Besser Treibhaustomaten, da die eine deutlich dünnere Haut haben, Tomatendeckel habe ich nicht mitgegart im Ofen... kann man aber machen...

 


lebendiges Grün - Ras-el-Hanout-Stew mit Frühlingsgemüse

Montag, 1. Mai 2023

 

Wir kehren zurück von einem kurzen Aufenthalt aus drei deutschen Städten. Und jetzt, mit dem Übergang zum Mai, könnte der Kontrast dazu mit Blick ins Tal nicht größer sein. Während unserer Abwesenheit hat der Trieb der Pflanzen, der Vegetation, der Schub des Frühlings an Fahrt aufgenommen. Das Auge wird überspült von Grün in all seinen Nuancen, ein Grün, das unbändig, wild, maßlos, verschwenderisch, überwältigend ist. Alles strotzt nur so vor Kraft, vor Regeneration, vor Üppigkeit. Nachts singt die Nachtigall wieder, morgens die ganze Vogelschar und mittags zwitschern aus den Brutkästen die ersten kleinen Meisen, unterbrochen von einzelnen Kuckuck-Rufen oder einem besuchenden Wiedehopf. Überall wächst und gedeiht es, alles ist am Werden.

Wenn ich im Garten bin, verfliegen die Stunden. Was riecht das gut! Wie wohltuend ist es, die Luft tief einatmen zu können. Ja, wie wohltuend ist es, wieder zurück auf unserem Fleckchen Erde, in unserem kleinen Garten Eden zu sein, in unserer freiheitsliebenden Drôme. Das ist mein Biotop, das ist mein Ort, an dem ich sein und wachsen kann, das ist mein Therapie-Zentrum, das mir Raum schenkt, mich zu entspannen, mich wahrzunehmen, mich auszuweiten. Und ich könnte alles einzeln benennen, vom Spazieren gehen, über Blumenstrauß binden, Unkraut jäten, Waldwaten, Setzlinge in die Erde drücken, über Wiesen kugeln... das alles beschreibt nur hinlänglich, wie gut mir diese natürliche Umgebung tut, wie alles in mir mit diesem satten Grün mitauflebt, wieviel Energie ich mir aus *Grün* ziehe.

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass ich nun wieder den Vergleich zum Stadtleben habe und selbst staune, in welchem Maße ich ausgewildert bin, wie sehr mir Leben in der Stadt fremd wurde.

Georg Simmels berühmtes Essay (bereits vor 100 Jahren geschrieben) kommt mir in den Sinn *Die Großstädte und das Geistesleben*. Und er beschreibt darin doch auch nichts anderes, als die Spaltung der Menschheit in zwei Gruppen - ganz so, wie es der Habib benennt. Die einen werden zu reinen Kopffüßlern, die anderen bewahren sich noch ein intaktes Gemüt - jeweils eine Adaption an ihre Umgebung.

Beides gleichzeitig geht nicht. Man hat immer die Wahl - gerade individuell. So ist Erde angelegt. Man hat sich zu entscheiden. Der Kopf jedoch (das darf man nicht vergessen) rückt die Dinge so lange hin und her, bis alles wieder passt. Und der Verstand glaubt, Vorteile gegen Nachteile gegeneinander abwiegen zu können - das Gefühl aber erhält keine Stimme. Ich habe eine schöne, kleine Beispielgeschichte dazu. Ich bin wieder mit der Mitfahrzentrale gefahren und unterhielt mich bei der Gelegenheit mit einem Studenten. Er wohnt in einem Studenten-Wohnheim, dessen Miete absolut unschlagbar ist, ein Mal die Woche kommt gar eine Putzfrau, ein Tiefgaragen-Parkplatz gibt es gratis obendrauf und zentrumsnah liegt es ebenfalls. Ein 6er im Stadt-Wohn-Lotto. Vermeintlich. Denn die Wände sind sehr dünn, das Wohnheim laut und das erste halbe Jahr konnte er trotz Ohrstöpsel kaum schlafen. Mein Student fühlt sich nicht wohl, jetzt wohnt er schon 2 Jahre dort, ein Zuhause ist es nicht, aber er hat sich damit arrangiert. Eine andere Wohnung mit ähnlichem Preis-Leistungsverhältnis ist nicht aufzutreiben. Was will man also machen. So bleibt er halt dort wohnen. Kurz: Verstand toppt Gefühl. Nicht, dass ich die Argumente nicht nachvollziehen kann. Und für eine bestimmte Phase kann man viel machen. Das Kunststück dabei ist, nicht abzustumpfen, taub zu werden, ledern...

Ich fühle gerade mit all denen, die von Beton eingesperrt und eingezwängt sind, *hinter tausend Wänden keine Welt*, während auf dem Land Kraftprotz Natur in seiner ganzen Lebendigkeit tobt. Ich wollte nicht tauschen, ich brauche den Mai mitten im Grün.




Und leichterdings kann man das Grün gerade ins Mittagessen integrieren. Das ist eine der unzähligen Varianten meines geliebten Stews, das es nahezu wöchentlich gibt. Das Stew ist ja so leicht abzuändern. Ich schaue immer, dass meine Mischungen insgesamt etwa 120g -130 g ergeben. Und los gehts mit dem Spielen...

Das Gemüse dazu ist Schwelgen in den ersten frischen Früchten, die die Erde wieder hergibt: Zuckerschoten, junge Mairübchen, grüner Spargel... Gutes Essen ist eigentlich immer unkompliziert!

 

Zutaten 2P:

40g Couscous
30g rote Linsen
30g Quinoa
30g Hirse
1 1/2 TL Ras el Hanout
1/2 TL Kurkuma
Kokosfett 
1 Lorbeer-Blatt
1 Stange junger Knoblauch (oder etwas Bärlauch)
Gemüsebrühe
eine handvoll frische Erbsen
1 EL Mandelmus
...
4 junge Mairübchen mit Grün (oder Butterrüben)
100g Zuckerschoten
200g grüner Spargel
1 Salz-Zitrone
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1/2 Bund Bärlauch (oder Kerbel/ oder Estragon)
ein Schuß Noilly
Saft einer halben Orange
1-2 TL Ahorn-Sirup
 Olivenöl

 

Zubereitung:

Knoblauchstange fein hacken und zusammen mit dem Ras el Hanout und dem Kurkuma in Kokosfett kurz anbraten. Restlichen Zutaten zufügen und in der Höhe von etwa 2,5cm mit Gemüsebrühe bedecken. Alles ca. 25min sanft köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit nichts anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe nachgießen. Die Konsistenz ist (wie etwa beim Porridge) wichtig: sollte schön cremig-seidig sein (also nicht zu trocken und nicht zu schwimmig). Kurz vor Ende der Garzeit die Erbsen sowie das Mandelmus untermischen und im heißen Stew gar ziehen lassen 

Mairübchen von Grün trennen, bürsten und je nach Größe halbieren und in dünne Scheiben schneiden. Das Grün in einer extra Schüssel ebenfalls klein machen - ca 2cm Breite. Zuckerschoten gipfeln und vom Faden befreien und in Streifen schneiden. Das untere Drittel des Spargel schälen und dieses Drittel längs in Stücke von etwa 1cm schneiden. Die Salzzitrone vierteln, das Fruchtfleisch herauslösen und entsorgen und die Schale in feinste Stücke schneiden.

Olivenöl in einer breiten Pfanne erhitzen und die Mairübchen sowie die Spargelenden-Stücke darin 4-5min wenden. Salzen und pfeffern. Die Salzzitrone zufügen. Mit Noilly ablöschen. Spargel-Spitzen zufügen. Bei kleiner Hitze Deckel kurz auflegen (ca. 5min) und garen lassen. Nun Mairübchen-Grün und Zuckerschoten untermengen, ebenso die frischen Kräuter der Wahl, den gepressten Orangensaft anschütten, Deckel nochmals auflegen und weitere 3 min kochen. Mit Piment würzen und mit Ahorn-Sirup abrunden. Zusammen mit dem Stew servieren.


das Böse 3/4 - All you need-Stew

Donnerstag, 3. Februar 2022

 

Jeden Winter wurde im Kleinen Haus im Badischen Staatstheater ein Stück extra für Kinder inszeniert. Besonders in Erinnerung blieb mir das klassische Kasperle-Theater - mit Schauspielern anstelle von Handpuppen. Die Aufführung drückte sich deshalb nachhaltig ins Gedächtnis, weil sich das Kleine Haus ganz in der Nähe meiner Werkstatt, die der Theaterplastiker, befand. Während wir am Arbeiten waren, dröhnte das Gebrüll der Kinder bis zu uns vor: *KASPER!!! PASS AUF!* Für viele Kinder ist es unerträglich, wenn das Böse über das Ahnungslose siegt. Dieses ausgewachsene Unrechtsempfinden, verwächst sich als Erwachsener seltsamerweise wieder. 

Ganz leicht wird man abgelenkt von der aktuellen Lebensphase (Karriere, Kinder, Umzug, Probleme...), und redet sich raus à la man muss schließlich auch von was leben, der Alltag frißt schon alle Energie, probieren kann mans ja mal, hat doch keiner mitbekommen...  die Anzahl der Ausflüchte geht gegen unendlich - aber dabei verliert sich gleichzeitig die Aufmerksamkeit für sich und für das Trau-Schau-Wem. Nun, zum irdischen Spiel gehört, dass jeder von uns gesehen und wahrgenommen werden will. Dann macht man sich schon mal wuchtiger und wichtiger und rückt die Dinge zu seinen Gunsten zurecht, beschönigt, vergrößert Erfolge, wirft sich in die Brust, hetzt gegen andere... - wer kennt das nicht. Jeder durchläuft akut immer wieder solche Phasen - dann dient es der Bewußtwerdung, chronisch aber führt es in unheilbare (geistige und körperliche) Krankheiten. 

Und Tricksen und Betrügen ist gar nicht mal so schwer (bereits ganz ohne raffinierte Manipulationstechniken). Und halt sowas von verführerisch: Lügen machen (erstmal) das Leben leichter, bequemer, vorteilhafter, gefälliger... - zumindest dem äußeren Anschein nach. Also warum den steinigen Weg der Wahrhaftigkeit wählen, wenn man die Rutschbahn nehmen kann? So zieht doch eine überragende Mehrheit eine schöne Lüge einer unbequemen Wahrheit vor (Tell my lies, tell me sweet little lies).

Das gilt es bei den anderen zunächst einmal zu akzeptieren - deshalb darf man sich Missionieren aus den Haaren kämmen. Die Welt ist wie sie ist: sie entstand durch Geist und läßt sich nur über Geist nachhaltig verändern. Änderung des Geistes beginnt individuell bei jedem selbst - über die Suche nach Wahrheit.

*Die Wahrheit ist ein simpel Ding, die jeder leicht begreifen kann. Allein, sie scheint euch zu gering und sie befriedigt nicht den Wundermann.* (Goethe)

Ja, die Wahrheit kommt oft völlig glanzlos daher, leise, ohne Pathos. Ganz im Gegenteil zum üppigen, ausufernden, lärmenden Schmierentheater, dessen Unterhaltungswert die untersten wie obersten Ränge zum Johlen bringt. Nichts einfacher als zu blenden, solange der Entertainment-Faktor stimmt. Ein gewaltiger Schlag Hysterie, viel Effekthascherei, ordentlich Rabatz, gemischt mit dem Triggern tiefster Ängste - funktioniert immer. Wie soll man dann noch in Ruhe über sich oder das Wesentliche nachdenken? Hinzu kommt: die den Menschen treibende Kraft seht ihm ja nicht auf die Stirn geschrieben. *Eine eigentlich ganz nette Person, eher unauffällig, hat immer freundlich gegrüßt*, heißt es dann in Nachhinein vom Nachbarn, der seine Tochter jahrelang im Keller einbetoniert und missbraucht hatte.

Auf Wahrheitssuche dreht sich der Verstand schnell um sich selbst wie eine kleine Katze, die ihren eigenen Schwanz jagd. *Durch Überlegung wird so etwas nicht geendet; vor dem Verstande sind alle Rechte gleich, und auf die steigende Waagschale läßt sich immer wieder ein Gegengewicht legen.*(Goethe) Its all about perspective! Auf mentaler Ebene gibt es keine Lösung, keine Erklärung, kein besseres oder schlechteres Argument. Hier gibt es für jede Wahrheit einen Gegenwahrheit, egal wie eine These lautet, so findet sich doch eine entsprechende Antithese - etwas, das sich üben läßt (s. Goehte das Hexen Einmaleins). Genau darum ist die Empfindungsebene so entscheidend.

Und um wieder zurückzukehren zu meinem Ausgangspunkt, Madagaskar: von dort brachten wir ein madegassisches Sprichwort mit, das lehrt, wie mit dem Bösen umzugehen ist: *Zeige niemals mit dem ausgestreckten Finger auf das, was sich hinter der Tarnung versteckt - es wird dir großes Unglück bringen*. Das Chamäleon ist Meister und Muttertier der Tarnung und Täuschung. Das doppelt einäugige Reptil passt sich seiner Umgebung an, suggeriert so Sicherheit, um dann mit der Zunge zu töten. Wiederholt beobachteten wir Madegassen, die sich bei dem Anblick eines Chamäleons zu Tode erschreckt haben - im Gegensatz zu den Touris, die begeistert und fasziniert mit der Kamera anrückten. Der Habib entdeckte im Chamäleon den Repästentant für die 3. Verdrehung des Geistes, auch genannt die Lustseuche (Syphilinum).

Sich dem Bösen im Außen den Weg zu stellen macht keinen Sinn. Es sei denn man glaubt, man müsse den Drachenkämpfer spielen. Bitte schön! Siehe Julian Assange: zero Lebensqualität aber dafür Heldenstatus. Wer will tauschen? Und, was hats gebracht? Man verliert Energie, die man für anderes, für sich selbst bräuchte.

Tja, es gibt nunmal nichts zu retten! Das Böse ist böse, weil es böse ist (ich erinne auch an Trude Simonsohn). Geistig nix zu holen für das Marvel-Universum. Stattdessen schluckt das Böse jene, die ihm zu nahe kommen - das funktioniert auf die gleiche Weise wie Co-Abhängigkeit bei Alkoholsüchtigen und deren Umfeld. Das Ungleichgewicht der Welt - so läufts nun mal. *Wer sich unter die Kleie mischt, wird von den Säuen gefressen!*, sagte die Omi gerne. Mehr als Abstand halten, bleibt nicht - zumindst für die, denen an Freiheit und Mündigkeit gelegen ist. Das wird nur in Partnerschaften und Familien schwierig.

Doch selbst im Inneren lauern Fallstricke. *Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert* besagt ein altes Sprichwort. Greife ich dafür in den Anamnese-Fundus des Habib. Gudrun (Name geändert) lag nachts neben ihrem Mann im Bett. Sie mußte dringend aufs Klo. Ihre Blase schien zu explodieren. Aber sie regte sich nicht: sie wollte den Schlaf ihres Mannes nicht stören. Sie glaubte, das wäre Rücksichtnahme. Demut. Eine Opfergabe. Liebe. So kann der Mensch sich selbst in die Irre führen: man meint es (vermeintlich) gut im Hinblick auf andere, hält sich für dienstbar, freundlich und hilfsbereit, betrügt und hintergeht sich aber in diesem Moment selbst.

Über allen anderen Werten steht die Eigenverantwortung: sündige nicht gegen dich selbst! 

*So bleibt die eigentliche Religion ein Inneres, ja Individuelles, denn sie hat ganz allein mit dem Gewissen zu tun* (Goethe)



Im Vergleich zu den eigentlichen irdischen Herausforderungen ist es ein Kinderspiel, sich mit Gemüse glücklich zu kochen. Mit diesem Stew steht geschwind und unkompliziert ein abwechslungsreiches Essen auf dem Tisch, das ein wohliges Bäuchlein zaubert. Wie man abwechselt, habe ich euch unten im Rezept beschrieben.

Und gepimpt ist diese Grütze auch schnell, wenn man sie als Sättigungsbeilage (häßliches Wort) verwendet - s. die All you can eat- Teller, die ich euch auch fotographiert habe. Holt euch etwas fermentiertes Gemüse dazu (stehen hier gerade mehrere Gläser herum - ich muß euch mal etwas zeigen), oder süß-sauer eingelegtes Gemüse (machte ich letztens Herbst einige), ofengeröstetes Gemüse (immer eine gute Idee), einfach ein bißchen Rohkost (oder einen Salat), Pesto dazu, streut ein paar Nüsse darüber oder greift in die Roule ta Boule-Ideen, Puffer, Gemüse-Confit, Ofentomaten, Ajvar (ebenfalls neu bei mir in den Konserven), Hummus, Chutney.... Ihr seht: tobt euch aus. Das Stew ist wirklich eine tolle Grundlage, eine super Basic, im Sommer wie im Winter - nicht von ungefähr bereite ich es uns wirklich häufig zu. Es hat auch Vorteile, dass ich weniger blogge: die meisten Rezepte, die ich euch nun zeige, sind besonders geschätzt.

 

 

 

Zutaten 2P:

70g Quinoa (m: bunt)
50g rote Linsen
50g Buchweizen
70g Couscous (m: Vollwert)*
2 Lorbeerblätter
2 Knoblauchzehen
1 Stück Kombu-Alge
1 Stück Stangen-Sellerie, fein gewürfelt
1 TL Thymian
1 TL weißes Miso
Gemüsebrühe
Zitronensaft (oder weißer Balsamico)
Frühlingszwiebel/ Petersilie

 

Zubereitung:

Knoblauch schälen und andrücken. Alle Zutaten in einen Topf geben und in der Höhe von etwa 2,5cm mit Gemüsebrühe bedecken. Alles ca. 25min sanft köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit nichts anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe nachgießen. Die Konsistenz ist (wie etwa beim Porridge) wichtig: sollte schön cremig-seidig sein (also nicht zu trocken und nicht zu schwimmig).

Lorbeerblätter und Kombu-Alge rausfischeln. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft. Mit frischen Kräutern dekorieren (verwende ich Petersilie, dann koche ich die Stiele im Stew mit).

Möglichkeiten zu pimpen sind endlos: s.o./ Zutatenmenge reicht für 2 Personen - ohne zusätzliche Extras - also insgesamt an Körnern etwa 250g - dann wißt ihr, wie ihr wechseln könnt s.u.

 

Anmerkung m: es gibt ganz viele Varianten, allein schon wenn man die Verhältnisse der Zutaten verändert. Oder die Zutaten: grüne Linsen untermischen und/ oder Hirse und/ oder  Perlgraupen und/ oder Bulgur - wer mag, kann noch einen Löffel Nussmuss unterziehen, um es noch cremiger zu machen.


Voilà l'été - Knoblauch-Zitronen-Couscous mit Ofengemüse und Tomaten-Gazpacho-Sauce

Montag, 6. Juli 2020


Den Sommer verbringt man in Südfrankreich draußen - alles andere kann nur Stubenhocker sein. Zumal der Sommer jetzt besonders schön ist. Noch hat die erschlagende Hitze nicht eingesetzt und die Wiesen nicht verbrannt, sondern bei goldenem Sonnenschein weht eine leichte, frische Prise, die Sicht ist klar und und abends kühlt die Temperatur so ab, dass man sich gerne ein wenig zudeckt und besonders gut schläft. Schöner wird der Sommer nicht mehr.

Also gehts auch in der Küche schnell zu - und dementsprechend auf dem Foodblog. Reiz dieses Tellers macht die Gartenernte, die Frische, die Kombination der Gewürze, der Unterschied der Temperaturen und die Leichtigkeit aus. Bei uns gab es dieses Essen nun schon 2 Mal kurz hintereinander - einfach weil es so Sommer tauglich ist. So variabel vom Gemüse. So unkompliziert. Und weils mir einfach gut schmeckt. Und die ersten eigenen Tomaten lange am besten einfach roh schmecken...


Zutaten 2P:

120g Couscous (m: Vollkorn)*
2-3 Knoblauchzehen
1/2 Salzzitrone*
2 Frühlingszwiebeln
Olivenöl
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft

1 Coeur de boeuf - Tomate (m: noir de crimée)*
1 Stück Melone (m: Charentais)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

buntes Gemüse
(m: 1 kleiner Brokkoli, 1 Karotte, 1 Paprika, 1/2 Fenchel,
1 Rote Bete, 1 rote Zwiebel)
Olivenöl
1/2 TL Sumach
1/2 TL Koriander
1/4 TL Kreuzkümmel
1 EL Rosmarin, fein gehackt
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Ofen auf 200°C (Umluft) vorheizen. In einer Schüssel Öl mit Gewürzen mischen. Das Gemüse rüsten: putzen und in kleine Stücke schneiden. In der Schüssel marinieren und in einer ofenfesten Form für etwa 20 Minuten (je nach Gemüse etwas kürzer oder länger) in den heißen Ofen schieben.

Die Tomate kurz in kochendes Wasser geben, dann häuten und gemeinsam mit einem Stück Melone fein pürieren. Mit Salz, Pfeffer und Piment würzen und kalt stellen.

In der Zwischenzeit das Couscous in der gleichen Menge kochendem Salz-Wasser zusammen mit dem klein gehackten Knofi und der fein gehackten Schale der Salzzitrone (Fleisch vorher entfernen!) etwa 5min köcheln -  und weitere gute 5min unter geschlossenem Deckel quellen lassen. Dann Olivenöl locker untermischen und die in Ringe geschnittenen Frühlingszwiebeln. Nochmals abschmecken, wer mag, würzt noch mit etwas Zitronensaft.

Alles miteinander servieren.

*Anmerkung m: Varianten sind ganz viele möglich. Man könnte die Gazpacho raffinierter gestalten - etwa wie diese Gazpacho - oder zum Couscous eine schöne handvoll Erbsen zufügen. Oder aber auch gerne die ganze Salzzitrone für das Couscous verwenden. Oder auch Zitronen-Basilikum daruntermiaschen.  Übrigens: Vollkorn-Couscous schmeckt genau wie das weiße. Und anstelle einer Fleischtomate nehmt ihr einfach 3 normale.


Zucchini-Kutter

Freitag, 6. Juli 2018


Keiner, der im eigenen Garten Zucchini anbaut, wird dieses Gemüse wohl die Kronjuwelen der heimischen Aufzucht nennen. Ganz im Gegenteil - um uns rum genügend, die sehr gerne und sehr großzügig Zucchini nach rechts und links verschenken. Irgendwann ballert die Pflanze mit ihren Früchten wie Schrot um sich und man weiß nicht wohin damit. Ja, nicht wenig Kinder von eben solchen Gärtnern, die sich genau in dieser Zeit eine Überdosis eingeholt haben. Denen kann man im ausgewachsenen Alter mit Zucchini vor der Nase wedeln und die fliehen wie Vampire vor Knoblauch.

Tja, das kann mir nicht passieren. Ich freue mich tierisch (vachement sagt der Franzi und zieht dabei die Kuh der Sau vor) über unseren ersten Zucchini. Das ist der große Vorteil der saisonalen Ernährung. Wir haben schon ewig keine Zucchini mehr gegessen, denn wenn, dann essen wir sie nur aus dem eigenen Garten. Und genießen jede Mahlzeit sehr. Für den allerweltersten Zucchini 2018 habe ich frische Bandnudeln zubereitet - wer hier länger mitliest, weiß, dass dies ein typischer Grain-de-sel-Festakt ist.

Euch kommt nun zugute, dass ich weniger blogge. Fast alle Gerichte, die ich nun veröffentliche, habe ich zumeist zwei Mal zubereitet. Diese Zucchini-Schiffchen entstanden eigentlich als Reste-Essen, denn ich hatte noch zwei Kartoffeln vom Vortag übrig. Weil es aber so gut geschmeckt hat und die Füllung sich auch in ihrer leichten Klebrigkeit wirklich als ideal heraus gestellt hat, wird das nun als Rezept verschriftlicht. Auch für mich bis zur nächsten Wiederholung: Zucchini-Kutter at its best und zwar als Verwertung von mittelgroßen Zucchini! Dazu gab es übrigens in etwa diesen Karottensalat.


Zutaten - 2P:

1 mittlere Zucchini
2 Kartoffeln, vom Vortag (ca. 200g)
50g Couscous
(100ml kochendes Wasser)
100g Ziegenfrischkäse
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1/2 Salzzitrone
1 EL Tomaten-Confit*
2 EL frische Kräuter (m: Oregano/ Thymian/ Rosmarin)
je 6 grüne und schwarze Oliven
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl
2 Scheiben Käse

Zubereitung:

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen.

Die Zucchini halbieren und derart entkernen, dass etwa 1cm dicke Schicht als Kutter übrig bleibt. Etwa die Hälfte (und zwar die mit mehr Zucchini-Kernen) entsorgen, den Rest klein schneiden.

Couscous mit kochendem Wasser übergießen, salzen, 5min leicht köcheln lassen und weitere 5min quellen lassen. Mit dem Tomaten-Confit vermengen. Salzzitrone vom Fruchtfleisch befreien und die Schale in feine, kurze Streifen schneiden. Ebenfalls unter das Couscous mischen.

Schalotte und Knoblauch fein hacken. Kartoffen schälen und in etwa 1/2cm breite Würfel schneiden. Die Kräuter ebenfalls fein hacken. Alles zusammen im Olivenöl garen und rösten. Dabei salzen und pfeffern.

Entkernte und gehackten Oliven, sowie gewürfelten Ziegenkäse sowohl mit Couscous wie Kartoffeln und Zucchini vermengen und würzig abschmecken (leicht überwürzen - Zucchini schluckt bekanntermaßen Gewürze).

Die Füllung auf die zwei Zucchinihälften verteilen (schön frachtig-bauchig darauf verteilen - geht am besten von Hand). Mit Olivenöl besprenkeln und ca. 17min in den Ofen geben. Dann den Scheibenkäse auf die Zucchini legen und für weitere 5min überbacken.

*Anmerkung m: In Ermangelung von Tomatenconfit kann es mit Pesto-Rosso ersetzt werden...

Schachbrettfalter an blühendem Oregano

Individualität: Kräuter-Couscous mit grünem Spargel

Montag, 14. Mai 2018


Selten, dass ich mich für ein Buch entscheide auf Grund der kurzen Rezensionen der Klappenseiten. *Wahnsinnig und ergreifend wie Dostojewski oder Dickens. Besser geht's nicht* SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Oder *Philip Roth ist schlicht und einfach der größte Romancier, der heute in englischer Sprache schreibt* FAZ. Zwei herausgegriffene Mini-Lobeshymnen. Nun, ich kannte Philip Roth nicht und dementsprechend das Buch *Der menschliche Makel* ebenso wenig. In einem Bücherregal in einem finnisch-thailändisch betriebenen Resto in Thailand mit überwiegend finnischen Büchern fischte ich mir dieses heraus. BÄM - was ein Buch! Fette Beute. Aber sowas von!

Zu Beginn jedoch war ich kurz vor Aufgabe (ihr erinnert euch an meine neue Striktheit), denn mein Eindruck der ersten Seiten war, dass mir diese Geschichte zu amerikanisch sowie zu vulgär wird. Nach Überwindung des Anfangs inhalierte ich. Ein Minus bleibt (das einzige Minus), dass die geschilderte Sexualität überhaupt nichts mit meiner Erlebniswelt zu tun hat - aber darüber konnte ich gut hinweg lesen. 

Was ein kluges Buch! Klug im Sinne von durchdacht. Klug im Sinne von gebildet. Selten - eine weitere Außergewöhnlichkeit - dass ich nach Abschluß des Buches derart viele Fragezeichen an die Seitenränder gemalt hatte. Bei griechischen Dramen tun sich bei mir bedauerlicherweise (!) schwarze Löcher auf. Doch wie wundervoll bohème lässt sich damit anspielen und kunstvoll Bögen schlagen. Ich war mächtig beeindruckt. Wie überhaupt von dieser von Philip Roth entworfenen Biographie, die zu keiner Zeit künstlich wirkt, oder eben erfunden, weil zu sehr *ausgeklügelt*. 

Philip Roth spielt die Idee durch, wie radikal man Selbstverwirklichung treiben kann und beschäftigt sich somit mit einem meiner liebsten Themen, das der Individualität. Sein Hauptprotagonist ist Coleman, *der größte der großen Pioniere des Ichs.* In erfrischender Lebendigkeit der Sprache plus einigen Nebenschauplätzen zur amerikanischen Zeitgeschichte wie Rassentrennung oder Kriegsveteranen geht es um das ganz große Thema der Menschwerdung.  Zu tiefst faszinierend wirft Philip Roth einen kunterbunten Regenbogen an Fragen auf:

Wie geht freie Lebensführung? Wie sehr hindert Zeitgeist oder Gesellschaft? Wie sehr lassen wir uns davon einengen? Haben wir überhaupt eine Vision für unser Leben? Wie sehr wird unser Leben bestimmt durch Prägung im Elternhaus, Bildung, Konventionen, Neigungen, Erfolg, Talent? Wie gehen wir mit Hindernissen um? Wie sehr wollen wir Teil der Gesellschaft samt deren Gesetze sein? Schöpfen wir unser Potenial aus? Geht es darum? Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen für unsere eigene Vorstellung von Leben und Freiheit? Anständigkeit, Schicklichkeit, Ehrlichkeit, Sittlichkeit - sind das Richtlinien? Wer legt fest, was das ist? Wie gut kennen wir uns selbst? Wie gehen wir mit Begierde/ Sexualität um? Gibt es Schicksal? Etwas, das uns zum Spielball macht, selbst wenn wir uns für den Spielführer halten? Kann man der Gesellschaft, dem Diktat von *wir*, überhaupt entrinnen? Welche Kraft braucht es dazu?

Und für mich die große Stärke dieses Buches, die unterschwellig wiederkehrende Frage: Stolpert man nicht so oder so immer wieder über sich selbst?

Auch erinnerte ich mit an einen Goethe-Satz aus *Die Wahlverwandtschaften*: *Man nimmt in der Welt jeden wofür er sich gibt; aber er hat sich auch für etwas zu geben.*

Ich könnte noch fort- und fortfahren mit meiner Begeisterung. Also kürze ich ab mit einem laut ausgerufenem LESEN! und einem Textauszug, um euch ein Beispiel zu geben für Roths Sprache: *Ihr Haar war spektkulär, ein labyrinthischer, wuchender Kranz aus Locken und Spiralen, so wirr wie ein Fadenknäuel und ausladend genug, um daraus eine Weihnachtsdekoration zu basteln. Alle Unruhe ihrer Kindheit schien sich in den Windungen dieses undurchdringlichen Haardickichts niedergeschlagen zu haben. Ihr unbezähmbares Haar. Man hätte Töpfe damit putzen können, ohne dadurch seine Beschaffenheit zu verändern - als wäre es etwas aus den tintendunklen Tiefen des Meers, eine Art drahtiger, riffbildender Organismus, eine lebendige, üppig sprießende, onyxfarbene Hybride aus Staude und Koralle mit möglicher pharmazeutischen Eigenschaften.*

Unangezweifeltes Fazit für mich: MEHR Philip Roth.

Gegessen wird dazu ein frisches Mai-Couscous mit grünem Spargel. Das Pesto - dieses Mal wieder nur fein gehackt - hatte ich einst als royal bezeichnet und ich bleibe dabei. Mir dünkte, als ob ich eine zu große Menge gekocht hätte, allein: es wurden keine Reste gelassen.
 

Zutaten 2P:

130g Couscous, grob
130ml Wasser
Salz

500g grüner Spargel
1 Pr Zucker
1 Bund Koriander
einige Stiele Minze
einige Stiele Basilikum (m: vietnamesisch)
1 Avocado
2-3 TL Tahini (Sesampaste)
Limettensaft
Salz, Pfeffer
2 EL geröstete Pinienkerne
Olivenöl

Zubereitung:

Die frischen Kräuter sehr fein hacken. Pinienkerne ohne Fett in einer Pfanne rösten und zur Seite stellen.

Das untere Drittel des grünen Spargels putzen und die Enden abschneiden. In mundgerechte Stücke schneiden. 

Den Spargel in etwas Olivenöl anrösten und den Zucker darüber karamellisieren lassen. Salzen, pfeffern, 2-3 EL Wasser zufügen, Deckel auflegen und bissfest garen (dauert etwa 7min).

Couscous in die gleiche Menge kochendes und gesalzenes Wasser geben, Deckel auflegen und ca. 5min quellen lassen. Parallel dazu die Tahini-Sauce anrühen - dafür die Sesampaste mit Zitronensaft, etwas Wasser, Salz und Pfeffer anrühren. Die Sauce zusammen mit dem Kräutern unter das Couscous heben, ebenso den fertig gegarten Spargel und die Pinienkerne. Zuletzt die klein geschnittene Avocado untermengen und direkt servieren.


schon wieder verblüht: der wunderbar duftende Goldlack

Biographien - Douce Steiners Couscous mit Auberginenröllchen

Donnerstag, 27. Juli 2017


Neben meinem Steckenpferd-Thema liebe ich Biographien allgemein sehr. Ganz innig wieder mit meinem Goethe (aus Wahlverwandtschaften): * Dem einzelnen bleibe die Freiheit, sich mit dem zu beschäftigen, was ihn anzieht, was ihm Freude macht, was ihm nützlich deucht; aber das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch.*

Und in jeder Biographie finden sich Details, zu denen ich lächelnd nicke oder kräftig den Kopf schüttle - da geht es mir wie wohl allen: Ich bin ein Mensch. Nichts Menschliches ist mir fremd (Terenz). Für mich sind Lebensgeschichten spannender wie jeder Krimi und der Inbegriff dafür, wie vielfältig, wie individuell, wie unbegreiflich unterschiedlich die menschlichen Wege sind: ein endloses Kaleidoskop von menschlichen Möglichkeiten in alle Richtungen...

Biographien entfalten naturgemäß ihren Reiz dann besonders, wenn man sie rückwärts betrachtet. Erst so schleicht sich manchmal - bewußt oder unbewußt - ein Sinn in eine Lebensgeschichte, werden Wegkreuzungen sichtbar, Begegnungen zu tiefen oder flüchtigen, Begebenheiten unausweichlich und folgerichtig, lassen sich Konsequenzen, ja, Zusammenhänge erkennen, wird mit Abstand und Erfahrung bewertet, gewogen und eingeschätzt.

Für all diejenigen, die einen ähnlichen Faible haben, empfehle ich dieses Interview mit Elke Heidenreich. Regelrecht klebrig lausche ich Elke, wie sich versucht, aus einzelnen Maschen, aus einzelnen Geschichten, einen Pullover, ein Leben zu stricken - ihr eigenes. Das ist aus vielerlei Gründen kurzweilig. Zum einen, weil ich an Elke schon immer diese Ungezwungenheit mochte. Sie hat erkennbar keinerlei Interesse an Fassade. Ihr ganzes Wesen strömt einen störrischen Freigeist aus, der nicht bereit ist, sich hinter Schminke zu verstecken. Rau auch ihre vom Krieg (da ist er wieder) noch geprägte Kindheit mit seinen Nachwehen.

Wie gut gefällt mir ihre Beobachtung, dass manches im Leben *traumtänzerisch* passiert. Über ihren literarischen Erfolg sagt sie: *Ich schaffe alles schlafwandlerisch. Ich weiß nie warum. Man darf mich nicht wecken und sagen, wie hast du's gemacht. Ich habe keine Ahnung.* Und das kennt bestimmt nicht nur Elke, dass etwa in schöpferischen Prozessen oder Momenten großer Gefühlstiefe das Bewußtsein nicht mitkommt.  Elke zweifelt nicht, dass ihre Geschichten auch etwas mit ihr zu tun haben - sie konnten nur mir so passieren, meint sie. Und so nennt sie ihr neues Buch *Alles kein Zufall*. Aber so richtig an ein Drüben, an geistige Zusammenhänge will sie inkonsequenterweise dennoch nicht glauben...

Natürlich merkt man ihr auch an, dass sie sich Zeit ihres Lebens übte, mit Worten zu spielen. Sie ist eine gute Erzählerin und damit gleichzeitig eine gute Selbstdarstellerin. Ich erinnere mich dabei an diese Beobachtung: für Offenheit und Ehrlichkeit sieht man im Gegenzug vieles nach. Sie übt oft sehr unbeschönigt eigene Manöverkritik - das nimmt mich für sie ein.

Erstaunlich für mich selbst - als Rückkopplung - finde ich, dass man bei anderen Menschen so viel leichter erkennt, wenn sie sich selbst in die Tasche lügen, die Dinge so drehen und wenden, dass sie milde-freundlicher klingen. Das machen wir alle - nur sind wir dabei betriebsblind und es fällt uns in aller Regel noch nicht einmal auf.

Zurück zum Essen! Der Hochsommer ist da und mit ihm sein kulinarisches Dreigestirn: Zucchini, Aubergine, Tomate! Die fantastischen Drei werden uns hier nun öfters begegnen. Beginn macht ein köstliches Rezept, das von Douce Steiner inspiriert ist. Besonders gut gefällt mir die Schlichtheit der Zutaten und wie gefällig sie dieses Essen anrichtet und präsentiert.

Zubereitung 2P*:

2 Auberginen
3 Zweige Thymian
1 Schalotte
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
ca. 5 EL Gemüsebrühe
ca. 1 Zitrone, Saft davon 
Salz, Pfeffer
Olivenöl

90g Couscous
200ml Gemüsebrühe
1 Bund Basilikum
1 Limone, Zesten, etwas Saft
Basilikum-Öl
Harissa
(optional: 1 TL délice de tomate**)

zum Anrichten: diese Paprika-Sauce

Zubereitung:

Die Auberginen der Länge nach und in der Mitte in 12 dünne Scheiben schneiden (m: Börner-Hobel). In wenig Öl in einer Pfanne von beiden Seiten leicht Farbe annehmen lassen - auf einem Küchentuch etwas entfetten.

Die übrige Aubergine in Würfel schneiden, die Zwiebel fein schneiden. In etwa 4 EL Öl zuerst die Zwiebel zusammen mit den Thymianblättchen glasig dünsten, Auberginenwürfel zufügen, ebenfalls kurz mitrösten. Und bei kleiner Flamme und aufgelegtem Deckel samt Zitronensaft und Brühe die Auberginen zu einem Mus verkochen. Salzen, pfeffern und mit Piment würzen.

Das Püree portionsweise auf die Auberginenscheiben setzen und aufrollen. Vor dem Servieren - falls man sie nicht kalt genießen mag - nochmals in einer Pfanne erwärmen.

Parallel das Couscous in die kochende Gemüsebrühe schütten und ca. 15min bei aufgelegtem Deckel quellen lassen. Den Basilikum sehr fein hacken. Die Gewürze, das Öl untermischen, abschmecken und mit zwei Löffeln Nocken abstechen (sollte das nicht möglich sein, fehlt Flüssigkeit - etwa Brühe).

*Anmerkung m: dieses Gericht eignet sich auch wunderbar als Vorspeise - dann für 4 Personen. Es läßt sich prima vorbereiten und damit ideal für eine Gäste-Einladung! 

**délice de tomate ist ein Püree aus in Öl eingelegten Tomaten, Knoblauch und Gewürzen
 Inspiration: Douce Steiner

Pietà: Caponata mit Petersilien-Couscous

Dienstag, 6. September 2016

Nachts während einer wilden Klassenfeier in der Akademie ließ unser Prof in Dauerschleife Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Robert-Hupka in Übergröße an die Atelier-Wand werfen (hier einige darunter). Wie alle, die sich irgendwie von der Bildhauerei oder vielleicht von der Kunst überhaupt angezogen fühlen, führen alle Wege nach Rom. Zwar hatte ich die *Pietà* von Michelangelo im Petersdom bereits gesehen, aber nicht aus der Nähe, nicht aus allen Blickwinkeln (wie auch durch das Panzerglas seit dem Attentat). Diese Bilderserie war mir dadurch größere Offenbarung als die Skulptur in echt. Dieser Ausdruck von Würde und Erhabenheit packte mich völlig. Mit unfasslichen 25 Jahren stellte Michelangelo sein Werk fertig! Tja, es gibt Genies und es gibt die anderen...

Gerhart Hauptmann, der sich in seiner Jugend ein Jahr in Rom als Bildhauer versuchte, beschreibt seinen Eindruck so: *Alles Titanentum des Titanen ist hier zerbrochen vor einer rätselhaften Übermacht. Keine Madonna irgendwelchen Meisters hat die unergründliche Tiefe dieser Pietà. Diese Maria ist Wissende, Erdmutter, Gottesmutter. Nicht zerbrochen, sondern nur ruhig geworden in übermenschlicher Leidenskraft. Und plötzlich, in einem Augenblick, kam es mir vor als sei sie der Gestalt gewordene Genius Michelangelos in seiner tiefsten und eigensten Schöne.*

Wieder Alltagsküche. Wieder aus dem Garten. Durchaus mit Ähnlichkeiten zu dieser Pasta...
Zutaten:

2 Auberginen
Olivenöl
1 rote Zwiebel, fein gewürfelt
2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
1 EL Kapern
4 Tomaten, gehäutet, klein geschnitten
einige schwarze Oliven (m: vergessen)
Rosmarin, fein gehackt
1 EL Honig (m: Thymian-Honig)
Salz, Pfeffer
Harissa
2 EL Balsamico
einige geröstete Pinienkerne

1/2 Bund Petersilie
120g Couscous
Salz
Öl (m: das Öl von eingelegten Tomaten)

Zubereitung:

Die Auberginen in 2-3cm große Würfel schneiden. Salzen und 30min ziehen lassen. Das Wasser von den Auerginen abtupfen (m: nicht gemacht - bei meinen erntefrischen Auberginen nicht notwendig).

die Auberginenwürfel bei starker Hitze portionsweise goldgelb braten. Dann in der gleichen Pfanne Zwiebeln zusammen mit dem Knoblauch und den Rosmarin glasig dünsten. Die Auberginen dazufügen, alles an den Rand schieben und den Honig in der Mitte flüssig werden lassen. Alles miteinander vermengen und den Balsamico zufügen. Nun restliche Zutaten: Tomaten, Kapern und Oliven untermischen und ca. weitere 10min köcheln lassen. Mit Harissa, Salz und Pfeffer abschmecken.

Parallel das Couscous in Salzwasser kochen und die fein gehackte Petersilie untermengen sowie das Öl. Zusammen servieren und mit den Pinienkernen bestreuen. Wer mag, gibt noch etwas Ziegenfrischkäse darüber - schmeckt ebenfalls sehr gut dazu.

Lückenbüßer: Hirse mit Rote Bete - Grün und Cassis

Samstag, 4. Juni 2016

Der ein oder andere fragt sich womöglich, was ißt die eigentlich, wenn sie es nicht fotographiert. Für uns bedeuten *hinter den Kulissen-Tage* *Entlastungstage*, das heißt, ich bereite uns meist etwas Leichtes zu, was früher wohl unter dem Wort *Schonkost* lief - sozusagen der Vorläufer von *rein pflanzlich* bzw. *vegan*. Eigentlich also eher Pionier wie Lückenbüßer. Solche Tage baue ich etwa 2x die Woche ein. Warum? Weil sie uns wohl tun. Und ich löse alle Spekulationen auf: gerade ist es gerne Hirse. Hirse läßt sich natürlich ebenso gut ersetzt denken durch Couscous oder Bulgur, aber momentan ist es eben vorzugsweise Hirse. Eigentlich Fast Food.

Hirse kocht sich schnell und von allein und nebenher schnippele ich zügig etwas Gemüsiges. Zur Zeit wird auf dem Markt die erste, junge Rote Bete des Jahres angeboten. Im Bund samt Grün. Und das Grün ist viel zu schade, als dass man es wegwirft.
Zutaten 2P:

1 Bund Rote Bete 
2 Schalotte
70ml Cassis
1 TL brauner Zucker (oder Honig)
1/2 TL Koriander, gemörsert
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
90g Hirse
Öl

1 Joghurt 
2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
3 Zweige Minze
1 Pr Sellerie-Salz 

Zubereitung:

Die Hirse in der doppelten Menge Wasser (180ml) mit einer guten Prise Salz zum Kochen bringen und ca. 20min sanft köcheln lassen bis die Hirse das Wasser ganz aufgenommen hat.

Die Stiele von der Beete abdrehen. Die Rote Bete in Wasser aufsetzen und weich garen. Kalt abschrecken und die Hälfte schälen und fein schneiden. (Die andere Hälfte der ungeschälten Bete in den Kühlschrank verfrachten für einen Salat am nächsten Tag). Das Grün waschen, trocken schleudern und fein schneiden. Schalotte fein würfeln. Die Schalotte in dem Öl glasig dünsten. Die fein geschnittenen Stiele dazufügen und weitere 5min garen. Die klein geschnittenen Bete untermischen. Mit Zucker, Salz, Pfeffer und Koriander würzen. Den Cassis anschütten und etwas einköcheln lassen. Deckel auflegen und bei kleiner Hitze weitere 5min garen. Mit Piment abschmecken und mit der Hirse vermengen.

Parallel für den Dipp den Knoblauch fein würfeln und die Minze fein schneiden. Mit dem Joghurt vermengen und mit Selleriesalz würzen. Zusammen servieren

*Anmerkung m: den Cassis bereite ich jährlich in etwa wie Petra zu - allerdings aus Jostabeeren und ohne das Ante-Geliermittel.
Eine andere Variante: Hirse mit dieser Sauce plus einer weiteren Paprika, die ich würfle. Ich würze mit Zitronenthymian und bestreue mit jungem Knoblauch.

Weitere Ideen mit Couscous oder Bulgur: 



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