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Hasenfutter

Dienstag, 4. April 2023

 


Ein bunter Querfeldein-Hasenritt durchs Blog-Archiv. Manches wird sich wiederholen mit dem, was ich euch in der Vergangenheit schon an Boards zusammengestellt habe - siehe dazu *Ostern - Spezial von 2020* oder *Frühlingsgefühle - Spargel & Bärlauch* oder *Das Bärlauch - Spezial ebenfall von 2020* oder *Das Karotten-Spezial von 2013* ( leider zerrissen ist, aber eine Vorstellung gibts ja doch), aber für jene die Ausschau halten, wird dich die ein oder andere kulinarische Inspiration dabei rausziehen lassen - c'est la idée!

 

 

              

 

            


             


             


              

 

 http://salzkorn.blogspot.fr/2011/12/arabische-sinnesfreude-mohrenkroketten.html             

 

              


verquere welt - Kinderteller

Freitag, 8. April 2022

 

Wenn die Lehrerin morgens das Klassenzimmer betrat, fragte sie als erstes: *Wer ist der Erbfeind?* Und die Klasse sprang auf und brüllte im Chor: *Der Franzose!* Und die Lehrerin wieder: *Was ist der Franzose?* Und die Klasse dröhnte: *Der Erbfeind!*

Normaler Unterrichtsbeginn in Deutschland während der Schulzeit der Großmutter des Habibs, Oma Franziska. Und viel geändert hat sich seither nicht. Warum lernt der Mensch nichts dazu, hat mein Dokumentarfilmer das allwissende Orakel gefragt. Doch wer ganz genau hinschaute, konnte feststellen, dass der Frage das Fragezeichen fehlte. Es war eine Feststellung. Manches ändert sich nicht. Politik ist Politik und Krieg ein dreckiges Geschäft.

Nicht, dass ich denke, ich kann den Aggressoren dieser Welt erklären, dass man mit Waffen keinen Frieden schließen kann. Was schon Erich Maria Remarque nicht geschafft hat (wer nicht lesen mag, der kann sich in der Arte-Mediathek die gelungene Verfilmung von *Zeit zu leben, Zeit zu sterben* mit einer zauberhaften Liselotte Pulver anschauen), das vermag ich auch nicht. Ebenso unmöglich das kranke, pervertierte Narrativ der amerikanischen Filmindustrie, welches die Waffenindustrie nährt, gerade zu stellen, nämlich dass es soetwas wie einen guten Mörder gibt, jenen, den man dann zum Helden stilisiert, weil er *den Feind* eleminiert hat, weil er sich als Opfer verteidigen muss... Jene wachen wohl aus ihrer Verblendung nicht mehr auf. 

Aber ich habe hier die Möglichkeit auf die Aktion in der taz hinzuweisen, die bereits tausende Unterschriften gesammelt hat gegen die Hochrüstungspläne: wir sind viele, die für Pazifismus und Abrüstung stehen. Man darf sich das Gegenteil nicht einreden lassen. Nein, meine Söhne gebe ich nicht - eines dieser schönen, leisen Lieder von Reinhard Mey, das Steigbügelhalter macht, um mal entschieden Position zu beziehen: Nein, meine Einwilligung zum Gegeneinander gebe ich nicht! Und nein, ich werde den Teufel tun und mich in diesen Wahn mit hineinziehen lassen!

Die Welt verdreht sich eh zusehens. Und zwischen Lüge und Wahrheit scheiden zu können, kommt mehr und mehr der Aschenbrödelaufgabe gleich, Erbsen von Linsen trennen zu müssen. Allerorts Verwirrung und Desorientierung. Und selten zwischen all den Irrlichtern ein heller Moment. Heute einer mit Alice Schwarzer. Ich staunte sehr über mich, dass wir zwei, die Alice und ich, mal einer Meinung sind - und zwar in der Transgender-Diskussion (hier im *Stern*) die weltweit dauerbefeuert wird (warum eigentlich?).

Ich brauche sie ja nicht, die Emanzen. Das sind doch seit jeher immer diese bullenbeißrigen Brunhilde-Typen, die das here Schild der Gleichberechtigung vor sich tragen, aber denen es viel eher um Macht, Herrschaft, Unterwerfung, Wichtigkeit und Einfluß geht. Nichts, wofür ich je gekämpft hätte. *Emanzipation war für mich nie ein Wort*, pflegte meine Großmutter gerne zu sagen, kriegsverwitet wie sie war, Mutter von vier Kindern und obendrein einen bettlägrigen Vater pflegend. Die Freiheit, die ich meine, geht auch in Beziehung anders. Sorry, dafür brauche ich Emanzipation nicht. Und in der Gesellschaft, in der ich groß wurde, bin ich aufgrund meines Geschlechtes nie vor verschlossenen Türen gestanden. Das mag mit den Türen zusammenhängen, durch die ich treten wollte...

Aber ganz und gar mit Alice, die sich deutlich gegen die Mode-Erscheinung stellt, sein Geschlecht zu verändern, gerade wie es einem Jugendlichen in den Sinn kommt. Was nicht zu verwechseln ist mit der Thematik der kleinen Gruppe echter Transsexueller. Ein verquerer Hype - darin stimme ich mit Frau Schwarzer überein: *Bei dieser ganzen Debatte wird meiner Meinung nach Natur mit Kultur verwechselt. Ich gehöre zu den Menschen, die die kulturelle Geschlechterrolle abschaffen wollen [...]* Jetzt aber geht man plötzlich her und sagt: 'Das biologische Geschlecht muss geändert werden.' Wir können die Natur aber nicht abschaffen.*

Sehr gut gesagt! Was stimmt denn mit der Natur auf einmal nicht mehr? *Was machst du an der Welt, sie ist schon gemacht, Gott der Schöpfer hat alles bedacht... (Goethe). Für mich kulminiert genau darin die Problematik unserer Zeit, ja genau das ist DER Brennpunkt unserer Zivilisation: das Rumdoktoren an der Natur, die Hybris des Menschen, sich über seine Herkunft zu stellen, das Missachten natürlicher Grenzen, das Sezieren ohne Zusammenhang, das Vergiften des eigenen Biotops. 

 


Für mich sind diese mit Käse gefüllten Kartoffel-Plätzchen ein echter Kinderteller. Vielleicht weil ich selbst als Kind so gerne Schupfnudeln gegessen habe? Dazu etwas Rahmgemüse, das nahezu alle Kleinen mögen. Nun, wer weiß, nur weil die Kinder, die ich kenne, das mögen, sind deshalb ja nicht alle Kinder gleich. Vielleicht aber kocht ihr eure Zwuggel mit diesen Kartoffel-Plätzchen tatsächlich so appetitlich, wie ich mir das in meiner Phantasie vorstelle. Die kleinen, zufriedenen, satten Momente am Tisch - wie leicht ist sich daran zu erfreuen!


Zutaten 8 Stück:

450g Kartoffeln (m: Mona Lisa)
1 Ei
50g Hartweizengrieß
50g Mehl (m: Einkorn-VK)
Salz, Pfeffer
1 kleine Zwiebel
1/2 Bund Petersilie (oder Bärlauch)
Saint-Nectaire, in Würfel geschnitten (oder ein anderer, schmelzender Käse)
Butter/ Öl


 Zubereitung:

Die Kartoffeln in ausreichend kaltem Wasser aufsetzen und als Pellkartoffel garen - dauert je nach Größe etwa eine halbe Stunde.

Die Zwiebel fein würfeln und in etwas Butter glasig dünsten. Kurz vor Ende die fein gewiegte Petersilie zufügen (jetzt im Frühling passt auch gut Bärlauch).

Die Kartoffeln schälen, etwas ausdämpfen lassen und noch warm durch die Kartoffelpresse drücken. Mit dem Grieß und dem Mehl mischen, Zwiebel und das Ei zufügen, gut salzen und pfeffern und daraus rasch einen homogenen Teig kneten (nicht zu lange kneten, sonst wechselt Teigkonsistenz in komisch- speckig).

Einen großen Eßlöffel der Masse auf die Hand geben, flach drücken, mit Käsewürfel füllen, dann die Teigenden darüberklappen und gut verschließen und so fortfahren, bis 8 Kartoffel-Plätzchen gefüllt sind. In etwas Sonnenblumenöl von beiden Seiten goldbraun anbraten.

 

Anmerkung m: Dazu passt jedes Rahmgemüse - bei uns gab es Erbsen und Möhren, die ich mit jungem Knoblauch und Zitronenschalen-Abrieb gewürzt habe. Alternativ macht sich auch Rahm-Kohlrabi dazu gut, Lauch oder die ersten, jungen Mai-Rübchen. Die Plätzchen schmecken selbst kalt gut.

 

Geschwister im Blog-Universum:

     ****   Herbst-Kartoffel-Calzone   ****

     ****   Mozzarella-Kartoffel-Schnitzel   ****

 

 

Das war eine zweite, *erwachsenere* Version mit Soja-Geschnetzeltem, Pilzen und Münster gefüllt

Fräse: grüner Spargel mit neuen Kartoffeln und Bärlauch-Hummus

Mittwoch, 5. Mai 2021


Alle, die einen Garten ihr eigenen nennen, wissen wie das NACH eines richtigen Landregens aussieht: man möchte wie ein Fräse durch den Garten kurbeln, man wünschte sich mehrere Arme wie die Göttin Shiva, man hätte gerne eine Armada an Wichteln und Zwerge als Verbündete, auf die man GENAU JETZT zurückgreifen könnte.

Alles will gleichzeitig gemacht werden: GENAU JETZT, wenn sich das Unkraut butterweich aus dem Boden ziehen lässt und die vorgezogenen Pflänzchen in krümmeligen Boden gesetzt werden wollen und die Aussaat die richtige, anhaltende Feuchtigkeit hat. Ich rechne dann meine Gartenarbeit gar nicht in Stunden sondern in *Grünabfall-Säcken*. Meine Hände sind noch weniger als sonst vorzeigbar und schon überhaupt (und sowieso nie) etwas für künstliche Fingernägel. 

Obendrein ist GENAU JETZT die Zeit, in der das Trocknen von Heilpflanzen wieder beginnt (Anfang machten u.a. Melisse, Rotklee und Borretsch). Echt, man möchte sich vierteilen können! Abends liegt man dann im Bett und gerne dürfte ein könnender Physio die erdverbogenen Glieder an ihren ursprünglichen Platz in der Horizontalen erinnern. Und doch fühlt man sich gebraucht, nützlich, als Teil vom Ganzen und sieht das Tageswerk befriedigend vor Augen. Tsss, das bißchen Muskelkatze - je m'en fou!

Ich liebe die Gartenarbeit im Mai. Unser Garten ist nie schöner, ein Stück Paradies, ein Baden in Fruchtbarkeit, Düften, Farben, Blumen und Kräutern. Wer GENAU JETZT durch unseren Garten läuft und nix Schönes entdeckt, dem fällt auch sonst nichts auf, was sein Wohlgefallen findet. Ja, logo, bin ich selbstverliebt, wenn ich von unserem Garten rede. *Der Hass ist parteiisch, aber die Liebe ist es noch mehr!* (Goethe)

 



Daher könnt ihr bestimmt nachvollziehen, dass dem Garten gerade jetzt meine ganze Aufmerksamkeit gewidmet ist. Aber gekocht wird ja doch. Teils aber in Waldfeen-Tempo - wie bei diesem Gericht, bei dem ich auf Vorräte in der Tiefkühle zurückgreifen konnte. Dann ist das Essen *husch-husch* und unkompliziert auf den Tisch gebracht. 

Grünen Spargel im Ofen zu garen, ist sowieso meine liebste Zubereitung für grünen Spargel. Den Hummus mache ich nur großportionsweise - Hummus bereichert viele Gerichte. Und die confierten Kirschtomaten zählen schon lange zu meinen Einmach-Standarts - sie sind auf diesem Teller schwer verzichtbar, da sie einen ausgesprochen feinen Kontrapunkt kreiieren! Die fermentierte Bärlauch-Sauce schmeckt, finde ich, etwas edler als Pesto - aber ganz wie ihr wollt, ganz wie ihr könnt.


Zutaten 2P:

500g grüner Spargel
Olivenöl 
1 Pr Zucker
1 Pr Salz

400g kleine, junge Kartöffelchen (m: délicatesse)
Rosmarin
fleur de sel
Olivenöl
1/4 TL Paprika-Pulver

Hummus*
300g Kichererbsen, getrocknet
ca 3 EL fermentierte Bärlauchsauce
Piment d'Espelette
Zitronensaft
1 EL Tahini
2 Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer

250g confierte Kirschtomaten (m: eigene, Froster)

Zubereitung: 

Kichererbsen am Abend zuvor mit ausreichend Wasser bedecken und quellen lassen. 

Quellwasser der Kichererbsen abschütten, mit neuem Wasser aufsetzen und weich garen - dauert ca. 45min (m: mit einem Stück Kombu-Alge). Kochwasser auffangen und aufbewahren - Kichererbsen häuten (dafür diese zwischen den Handflächen hin-und herrollen - dabei löst sich die Schale - nun zurück in eine Schale mit Wasser geben, dabei schwimmt die Schale oben an der Wasseroberfläche und die Kichererbsen sinken nach unten).
 
Alle Zutaten in einem Mixer geben und so cremig und glatt wie möglich pürieren. Mit den restlichen Zutaten würzig abschmecken - mit dem aufgefangenen Kochwasser zur gewünschten Konsistenz bringen.

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. 

Kartöffelchen waschen, trocken tupfen, Rosmarin fein hacken, alles in einer Schüssel mit 2 EL Olivenöl, Paprika-Pulver und fleur de sel mischen, in eine ofenfeste Form geben und - je nach Größe - für etwa 25-30min in Ofen geben.

Das Ende des Spargels abschneiden und das untere Drittel schälen, mit Olivenöl bestreichen und salzen, pfeffern, sowie mit einer Prise Zucker würzen. Für insgesamt ca. 15-17 Minuten im Ofen garen - entsprechend nach den Kartoffeln in den Ofenschieben, damit beides gleichzeitig fertig wird. Die Kirschtomaten auf die schnelle Variante (ebenfalls mariniert in Olivenöl, einer fein gehackten Knoblauchzehe, gesalzen und gezuckert) mit den Spargel zusammen im Ofen rösten.

Hummus auf einen Teller anrichten, Kartoffeln und Spargel darauf verteilen und die Kirschtomaten zuletzt dazwischen setzen. Servieren.

*Anmerkung m: üblicherweise confiere ich unsere Kirschtomaten für den Froster länger bei weniger Hitze (man kann für dieses Gericht aber auch den Turbo einlegen)/ für das Hummus gleich mehr Kichererbsen einweichen und eine größere Menge machen - Rest einfrieren

 

Geschwister im Blog-Universum: grüner Ofenspargel mit Zitrünen-Pü 

 

sonnen und zur Schau stellen gleichzeitig - Smaragdeidechse-Männer-Leben

Fatalismus: gemusterte Kräuter-Ravioli

Donnerstag, 15. April 2021


Und wenn uns morgen eine Pandemie dahinrafft, dann haben wir heute noch gut gelebt! Mit nichts läßt sich dieser Fatalismus besser verwirklichen, als sich an meine Erkenntnis sowie außerdem an mein Blog-Motto zu halten: *Man kann sich das Leben etwas schöner kochen. Und wenn es nur ein Quäntchen ist - ça suffit!* Diese Aussage gilt immer, diese Aussage funktioniert immer. Selbst wenn das Boot hart auf Kante segelt. Nehmen wir jedes Essen als Henkersmahlzeit und das Jetzt und Hier wird wieder zum Fest! Oder auch: wie man das Selbstverständliche zum Besonderen macht - Zauberei für Fortgeschrittene!

Davor kann man in der Küche der Welt den Rücken zukehren und einfach vergessen, was im Draußen tobt. Man besinnt sich auf das Existentielle, man spielt in kleinsten Tönen Alchemie und hebt Zutaten in einen neuen Seinszustand.

Was bietet denn der Alltag an besseren Möglichkeiten, um mit seinen Liebsten einen guten Moment zusammenzuverbringen, als gemeinsam am Eßtisch eine anständige Mahlzeit zu teilen?

Die Notwendigkeit, essen zu müssen, kann auf diese Weise umgewandelt werden von reiner Pflichtveranstaltung zur Kürinszenierung. Und es ist gleichzeitig die Umsetzung einer meiner liebsten Kalendersprüche (von all den unzähligen, die im Laufe eines halben Lebens zu mir gefunden haben): *Die Dinge sind nie so, wie sie sind sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht!* (Jean Anouilh).

 


Dabei sehen die Ravioli aufwendiger aus, als sie sind. Trotzdem war das natürlich Sonntagsküche bei uns: das ist die kulinarische Ostermontag-Nachlese - ich gehöre ja nun auch nicht zu den Geduldigsten auf diesem Planeten. Aber wer noch eines draufsetzen und weitergehen will, der darf daraus gerne winzige Tortellini-Artefakte basteln...  man kann sich schon zusätzliche Schikanen einbauen... also so ist das nicht... Im Vergleich verkünstelte ich mich auf jeden Fall deutlich mehr an den Trofie - nur so als kleine Leitlinie!

Ansonsten handelt es sich um eines dieser Gerichte, die ich deshalb so mag, weil es eigentlich ein arme Leute Essen ist: nicht die Exklusivität der Zutaten macht den Genuß, sondern die zugewandte Zubereitung. Teuerste Zutat (also im Ranking von Mehl, Kartoffeln, Eier und Kräuter) wird wohl der regionale Ziegen-Käse *Saint Félicien* gewesen sein - einen Käse, den ich sehr gerne für Füllungen aller Art verwende, weil er schön cremig ist und Charakter hat!

 

Zutaten 2-4P:

Nudelteig 
200g Mehl (m: 100g feiner Hartweizengrieß, 70g Dinkel 630, 30g Roggen 1150)
2 Eier
1 EL Olivenöl

Füllung:
250g Kartoffeln (m: mehlig, am Vortag gekocht)
120g Saint Félicien
40g Bergkäse (m: Tomme de Brebis)
2 EL Kräuter-Pesto (m: Bärlauch, Melisse, Minze, Verveine, Petersilie)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

Butter
feine Petersilien-Blättchen, Pimpinelle...

Zutaten:

Aus den Zutaten für den Nudelteig einen homogenen, elastischen Teig kneten, der nicht zu fest und nicht zu weich ist. In Folie wickeln und im Kühlschrank wenigstens 1 Stunde ruhen lassen.

Die Kartoffeln mit einer Gabel fein zerdrücken, mit den restlichen Zutaten vermengen und gut würzig abschmecken.

Dann mit Hilfe der Mercato auswellen. Teig vierteln und die Teigbahnen bis Stufe 6 von 7 auswellen. Dann jeweils eine Teigbahn glatt auslegen, auf die Hälfte legen, so dass sich eine deutlich sichtbare Bruchkante ergibt. Einen Pinsel nehmen und die Bahnen bis zur Falz (also Hälfte) mit etwas Wasser anfeuchten und mit feinen Kräuterblättchen belegen (m: Petersilie, Pimpinelle). Blättchen dann nochmals ein wenig von oben anfeuchte, Teigbahn zusammenklappen und wieder von vorne (also bei Stufe 2) durch die Marcato drehen bis Stufe 6. Dabei darauf achten, dass man mit der Bruchkante (zusammengeklappten Mitte) zuerst durch die Maschine dreht. Ansonsten gilt wie immer: schön mit Hartweizenmehl (feinem Grieß) arbeiten, sonst kleben die Ravioli nachher im Wasser zusammen.

Dann jeweils eine Teigbahn nehmen, zur Hälfte anfeuchten, im Abstand von 5cm in 2 Reihen ein Löffelchen Füllung setzen, die andere Hälfte Teigbahn darüberklappen, ringsherum um die Füllung gut andrücken und Quadrate schneiden. Nebeneinander auf ein mit Hartweizenmehl ausgelegtes Küchentuch auslegen und mit einem weiteren abdecken.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Ravioli darin 2-3min garen.

Gleichzeitig in einer breiten, tiefen Pfanne einen guten Stich Butter zum Schmelzen bringen. Die Ravioli aus dem Wasser heben und direkt in der geschmolzenen Butter schwenken. Mit etwas frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen und servieren.

*Anmerkung m: wichtig ist bei einer solch verzierten Pasta, dass man nur zarte, dünne Blättchen verwendet - auf keinen Fall mit Stielen: die Teigbahnen werden schließlich sehr dünn ausgewellt und sollen nachher beim Ravioli-Basteln nicht reißen!

 

Wenn wir schon dabei sind: prima eignen sich solche verzierten Teigbahnen, um daraus Cannelloni (hier mit Kerbel und Spargel) herzustellen - als weiterer Anreiz für Küchenfummeleien

 

April-Booster: fermentierte Bärlauch-Sauce

Samstag, 10. April 2021

 

Wißt ihr, warum Bärlauch Bärlauch heißt? Mir wars bisher nicht bekannt. Der Name ist dem Volksglauben entlehnt, dass Bärlauch angeblich so kräftigend ist, dass er selbst klapprige Bären nach ihrem Winterschlaf wieder in Top-Form bringt! Jetzt wißt ihr Bescheid! Und auch warum kein Weg am Bärlauch vorbei führt!

Mag ja sein, dass jetzt nicht jedem Bärlauch richtig super schmeckt. Aber das gleicht er mit all seinen umwerfenden Vorteilen lässig aus. So stärkt er das Immunsystem, schützt vor freien Radikalen, er gilt als entzündungshemmend und antibakteriell, senkt den Blutdruck, sorgt für eine gute Darmflora, bref: er wirkt wie ein natürliches Antibiotika. Ich bin geneigt zu behaupten, Bärlauch ist das Lebertran der Pflanzenwelt.

Bon, ist vielleicht ein bißchen übertrieben, aber die grobe Richtung stimmt! Darauf, dass Bärlauch ein Frühlings-Booster ist, darauf einigen wir uns bestimmt!

Für mich gehört er als Frühlingsbote unbedingt auf den Teller. Zu meinen bisherigen Standarts wie Pesto und Öl kommt nun noch die fermentierte Bärlauch-Sauce hinzu, zu der mich *Buschfunkistan* angestiftet hat. Denn hier potenzieren wir die Heilwirkung von Bärlauch noch zusätzlich durch das Fermentieren, wodurch der Bärlauch obendrein probiotisch wird.

Wie lange diese Sauce hält, kann ich euch nicht sagen. Aber ich merke schon: bei mir kommt sie schnell weg. Bereits bei den fermentieren Rote Beten (dazu komme ich noch), habe ich festgestellt, dass die Fermentation die geschmacklichen Kanten etwas runder schleift. Schmeckt die Rote Bete fermentiert weniger erdig, so schmeckt der Bärlauch weniger nach Knoblauch.  Ich habe die Sauce bereits in eine Salat-Vinaigrette gemischt, in eine Quiche versteckt und als Topping eines Bärlauch-Risottos verwendet. Eine echte Bereicherung, die Sauce wird in diesem Haushalt definitiv ein Keeper!


 

Ach, und für alle, die man wie mich nicht mehr überzeugen muss von der Heilkraft von Mutter Natur, für die habe ich noch einen Tipp, den ich wiederum erhielt von einer lieben Leserin (coucou Lisa) - und den ich gemäß meinem neuen*Beeing a funghi in the forest*-Prinzip auch mit euch teilen will.

Noch hat die Pharma-Industrie keine Medikamente für Covid-Erkankte an der Hand, so dass sich einige in Selbsthilfegruppen organisieren - gerade wenn es um die Suche nach Therapie-Ideen rund um Langzeitfolgen geht. Hier kommt Artemisia unnua ins Spiel, der einjährige Beifuß. Populär ist er schon lange in Madagaskar und anderen afrikanischen Staaten, wo man erfolgreich Malaria damit behandelt (eine Entdeckung, die immerhin mit dem medizinischen Nobelpreis ausgezeichnet wurde). Erste Laborstudien zeigen sich vielversprechend ebenfalls Covid betreffend.

Und eine weitere Empfehlung kann ich euch direkt hinterherschieben. Und zwar haben wir das durch und durch sympathische Familienunternehmen *Kasimir und Lieselotte* entdeckt, mit deren Online-Handel wir die besten Erfahrungen gemacht haben - falls ihr euch entsprechend eindecken wollt. Bitte schön! Gerne geschehen!

 

Zutaten - 1 Glas:

150g Bärlauch
2 TL Steinsalz
Abrieb einer halben Zitrone
Wasser
 (optional Glasgewicht)*

Zubereitung:

Das Glas inklusive Deckel sterilisieren (m: mit kochendem Wasser). Die Kräuter waschen und in das vorbereitete Glas stopfen

Nun Wasser-Füllmenge und Kräutergewicht addieren und die exakte Salzmenge zum Fermentieren errechnen = 2 Prozent. Das Wasser sollte die Kräuter komplett bedecken, damit kein Sauerstoff an den Bärlauch gelangt. Deshalb kommt ein Glasgewicht (ebenfalls sterilisiert) zum Einsatz (m: ersetzt durch kleines Glasgefäß, das ich mit Wasser füllte und mir als Gewicht im Glas ausreichte).

Eine Woche  fermentieren lassen - gut zu erkennen an aufsteigenden Bläschen.

Dann die Lake zum guten Teil abschütten und den Bärlauch in einem Hochleistungsmixer feinst pürieren. Zur gewünschten Konsistenz wieder etwas Salz-Lake zufügen. Wieder in sterilisierte Gläser/ Flaschen/ Behälter füllen. Um den weiteren Fermentationsprozess zu verlangsamen, diese dann im Kühlschrank aufbewahren.

*Anmerkung m: ich habe das Glasgewicht durch ein mit Wasser gefülltes Gläschen ersetzt, welches in mein Füllglas passte/ ich habe mich wie Buschfunkistan nicht streng an die 2%-Regel gehalten - daher keine Gramm-Angaben

150g Bärlauch sind lediglich ein Richtwert - logo, könnt ihr auch mehr auf einen Schlag fermentieren!

Quelle: Buschfunkistan (youtube)

 

letztes Jahr habe ich euch - ganz Service-Blog - ein Board zusammengestellt:

**** Bärlauch-Spezial ****



Spezie: wildes Pflanzerl

Mittwoch, 31. März 2021


Seitdem ich gerne koche, habe ich schon so manche Gerichte durchdekliniert. Gnocchi etwa. Oder Serviettenknödel. Oder nach wie vor vegetarische Buletten. Gemüse-Puffer sind endlos spannend, vielseitig und wandelbar - und pimpen jeden Vegi-Teller (da steht echt mal ein Spezial-Board mit Lieblingen aus). Dabei kommt es nicht nur auf den Geschmack an, sondern dass sie gut zusammenhalten. Letzteres stellt sich spätestens in der Pfanne heraus, wenn sie sich gut wenden lassen - oder auf der Zielgerade zerbröseln. Worüber ich mich ja scheckig ärgern kann, wenn auf ein Rezept in der Hinsicht kein Verlaß ist. Das sollte euch bei mir nicht passieren - hoffe ich!!

Jetzt versuche ich gerade zwei Passionen miteinander zu verbinden: meine Spezies die Pflanzerl mit den Wildkräutern. Was denkbar einfach ist. Man tausche einfach in den Rezepten Spinat mit dem grünen Wildfang seiner Wahl.

Hier stelle ich ein schönes, grünes Pflanzerl vor, in das ich hauptsächlich Brennnessel verbastelt habe. Aber auch Bärlauch-Pesto kam zum Einsatz, das ich durch etwas Minze, Petersilie, Pimpinelle und Melisse erweitert habe. Warum sich in der Fülle beschränken? Zum ersten Spargel an diesen atemberaubenden Frühlingstagen auf der Terrasse ein Gedicht! Es geht halt nichts über Selberkochen!

 



Zutaten 2P - 5/6 Stück:

120 Quinoa
150g Erbsen (m: tiefgekühlte, eigene)
eine handvoll Brennnessel (ca. 40-50g)
1-2 TL Bärlauch-Pesto
40g Haferflocken
1 EL Semmelbrösel
40g geriebener Käse (m: Comté)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl

 

Zubereitung:

Quinoa in 250ml Gemüsebrühe geben, ca. 12min köcheln lassen, dabei gelegentlich umrühren - dann bei geschlossenem Deckel etwa 10min weiter quellen lassen.

Erbsen in kochendem Wasser kurz gar ziehen lassen, abschütten, abschrecken und gut abtropfen lassen. 

Brennnessel in wenig kochendem Wasser zusammenfallen lassen, dann abschütten, etwas auskühlen lassen, gut ausdrücken und zusammen mit den Erbsen pürieren.

Alle Zutaten miteinand vermengen und daraus 5 oder 6 Buletten formen und im heißen Olivenöl von beiden Seiten golden braten.

Anmerkung m: wie ich beim Linksetzen feststellte, machte ich sonst gerne das Pesto recht puristisch - hier habe ich noch einige Nüsse (Mandeln - aber Pinienkerne oder Haselnüsse gehen ebenfalls prima) und Parmesan dazu gegeben!

 

die Grazie Feldhyazinthe

Marcel Marceau - Polenta-Bärlauch-Laibchen mit Rotwein-Schalotten

Sonntag, 21. März 2021

 

Von all den Möglichkeiten und Freiheiten, die ich mal als selbstverständlich annahm, vermisse ich u.a. besonders, mit dem Habib in einem Café zu sitzen und Menschen zu beobachten: eine echte, gemeinsame Passion, das Intersesse am Menschen, die Lust an der Phänomenologie, die Verfeinerung unserer homöopathischen Studien - das war immer SO inspirierend und wurde und wurde nicht fad. Das fehlt mir sehr!

Regelrecht unerträglich finde ich, dass durch die Maskentragerei die Gesichter hinter einem Stück Stoff verschwinden. All die nonverbale Kommunikation, die so en passant geschieht und die ganz leicht wildfremde Menschen für ein paar Augenblicke verbindet, fällt völlig weg. Kann man sich als soziales Wesen mehr behindert fühlen, als wenn man kein Lächeln mehr austauschen kann?

*Pantomimik ist ein Esperanto der Gebärden und damit die am weitesten verbreitete Weltsprache überhaupt*, sagt Marcel Marceau.

Vermutlich ist mir Frankreichs großer Pantomime Marcel Marceau durch meine Sehnsucht wieder in den Sinn gekommen. Ich hatte das große Glück Marcel Marceau noch live auf seiner letzten Tour zu sehen -  ungeachtet seines Alters füllte er in großer Lässigkeit die Bühne. 2007 verstarb er und liegt nun begraben auf dem schönen Pariser Park-Friedhof Père Lachaise. Mich fasziniert an Marcel Marceau, wie er es schafft, nur mit Mimik und Gebärde emotionale Geschichten zu erzählen ohne dass auch nur ein Wort seine Lippen verlässt.

Dabei habe ich eigentlich Clown-Sperre. Doch als eben solcher, als der tragischkomische Clown *Bip* feierte er besondere Erfolge: im Ringelhemd, einem weiß geschminkten Gesicht, einem zerbeulten Seidenhut und einer roten Blume wurde er einem weltweiten Publikum bekannt.

Früh schon, habe ich nun gelesen, war er angezogen vom Schauspiel. Aber in seiner Jugend war daran nicht zu denken: als in Straßburg lebender Jude hatte er im 2. Weltkrieg ganz andere Probleme. Zusammen mit seinem Bruder schloß er sich der Widerstandsbewegung an, fälsche Pässe (u.a. auch einen eigenen - den Namen sollte er später als Künstler behalten). Drei Mal half er dabei, jüdische Kinder über die Grenze in die Schweiz zu schmuggeln: Arte machte zu diesem Thema einen kleinen Kurzfilm.

Einer seiner großen Idole war der Stummfilm-Star Charlie Chaplin (dem er nur ein Mal und auch noch zufällig auf dem Flughafen begegnen sollte) - und so machte er die *Kunst der Stille* zu seinem Beruf. Erstaunlicherweise schaffte er ausgerechnet in Deutschland seinen großen Durchbruch. 1951 blieb er für zwei Monate in Berlin; zu seinen Aufführungen kamen auch Bertolt Brecht und der Kritiker Friedrich Luft, der schrieb: *Marceau macht eine Kunst, das muss man gesehen haben*. Oder wie sagt Marcel Marceau selbst in einem Interview, das er auf deutsch führte  (hier in der BR-Mediathek):

*Pantomie ist die Kunst der Bewegung, der Gebärde, die  Menschen zeigt in Handlungen, die komisch-tragisch sind und die die tiefsten Bestrebungen des Menschen zeigen [...] Wir Pantomimen machen das Unsichtbare sichtbar und das Sichtbare unsichtbar.*

Allein an seiner poetischen Art sich auszudrücken, zeigt sich die künstlerische Seele von Marceau, der sehr sprachbegabt war, gut deutsch und englisch sprach aber auch zeichnete und malte. 1978 gründete der die Schauspielschule École Internationale de Mimodrame de Paris, in der Pantomime, Tanz, Fechten und Schauspiel gelehrt wurden. Ich behaupte, Marceau ist nicht wegzudenken aus der reichen, lebendigen (und hoffentlich Pandemie-überlebenden) französischen Straßentheaterszene. 

Schon zu Lebzeiten zweifelte Marcel Marceau manchmal, ob für seine *Kunst der Stille* die Welt mittlerweile nicht zu laut geworden wäre: *Finden uns nicht die bewegensten Momente im Leben ohne Worte?*

Jede Form der Kommunikation kann man nicht hoch genug halten - ganz mit Humboldt: *Sprache ist der Schlüssel zur Welt* - aber ganz besonders das, was zwischen den Zeilen steht und was im echten Leben und Austausch die nonverbale Kommunikation (Mimik und Gestik) ausmacht, trägt die eigentliche Botschaft: ein Zucken der Mundwinkel, eine fahrige Handbewegung, das Hochgehen der Augenbrauen... Das Grimmsche Wörterbuch schreibt einleitend: *Die Gebärde, *ein lange wichtiges Wort mit viel weiterem Lebens- und Begriffskreis als jetzt, gleich seinem Zeitworte [gebaren]*

Und nun bleiben alle zarten, vagen Signale des Gesichts wie kleine Insekten in einem Fliegengitter hängen. Entbehrt ihr diese Form des menschlichen Miteinanders auch so sehr?



 

Ganz gewiß dauert es noch etwas, bis man von Winterküche auf Frühling umschwenken kann. Geduld - das große Zauberwort! Bis die ersten Frühbeete Früchte tragen, kann man sich zumindest aber schon mal an den ersten Kräutern laben. Und da gehts mir wie einem Wildtierchen: ich weiß gar nicht, wo ich zuerst reinbeißen soll: es leuchtet und winkt alles so einladend frisch und grün!

Geschwister im Blog-Universum: gebratene Bärlauch-Polenta


Zutaten 2P:

100g Maisgrieß
400ml Gemüsebrühe
1 Ei
1/2 Bund Bärlauch*
60g Bergkäse
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette 

Rotwein-Schalotten:
100g Schalotten (m: auch einige sehr kleine Zwiebelchen)
100ml Rotwein
100ml Portwein
1 Zweig Rosmarin
2 Zweige Thymian
1 Zweig Lavendel
2 Nelken
1 TL Zucker
 
Rotwein-Sauce:
60ml Rotwein
70ml Portwein
70ml Veggie-Jus
60ml Gemüsebrühe
2 EL Tamari
2 EL Balsamico-Reduktion
1/4 TL Thymian
1 Knoblauch
1 Stück Butter
Salz, Pfeffer
Roux* 

Zubereitung:

Für die Rotwein-Schalotten alle Zutaten in einen kleinen Topf geben. Die Flüssigkeit nahezu vollständig einköcheln lassen (m: bis auf 1 EL) und die Schalotten beiseite stellen.

Für die Sauce die Knofi fein würfeln und in der Butter kurz anrösten lassen. Dann ablöschen mit Rotwein und Portwein ablöschen. Brühe und Veggie-Jus zufügen - außerdem den Thymian. Etwas einköcheln lassen, abschmecken mit Balsamico-Reduktion, und Tamari. Salzen und pfeffern. Binden mit einer kleinen Roux. Die Rotwein-Schalotten zufügen.Warm stellen.

Bärlauch säubern und feinst hacken. Für die Gemüsesuppe aufkochen, die Polenta einrießen lassen und unter ständigem Rühren zu einem dicken Brei einkochen. Vom Herd ziehen und etwas abkühlen lassen.
 
Dann Bärlauch, Ei und Käse unter die Polenta mischen. Mit Salz, Pfeffer und Piment abschmecken und mit feuchten Händen flache Laibchen daraus formen.In einer Pfanne Öl erhitzen, die Laibchen darin beidseitig langsam (m: auf heißer Flamme) goldbraun braten.
 
Anmerkung m: Wer ein anderes Kraut wie Bärlauch bevorzugt - etwa Brennessel, Giersch...  darf sich hier kreativ ausleben!

 

Dieses Stück gehörte zur Aufführung auch damals in Baden-Baden - es blieb mir bis heute im Gedächntis: der Maskenbauer:

Geier - gebackenes Blumenkohl-Sandwich mit Spinat/ Lauch und Käse

Mittwoch, 15. April 2020


Der Geier ist bei uns der größte Vogel im Himmel mit einer Flügelspannweite von beinahe 3 Metern. Und wo ein Geier ist, da ist normalerweise auch ein zweiter. Wenn im Frühling die Schafe im Tal verteilt auf den Wiesen stehen, dann lassen sich die Geier von der Terrasse beobachen. Und eine ganze Kolonie von Geiern - über 40 Stück - die in mächtigen Spiralen der Thermik folgen, ist großes Kino, ist ein eindruckvolles Spektakel!

Ich denke, wenn ich die Geier sehe, an die Pyramiden, die wir in Ägypten besuchten, deren Türstürze oft mit Geier-Hieroglpyphen geschmückt sind, so dass man, um von einem Raum in den anderen zu gelangen, unter ihnen hindurch muß. Wer es versteht: tief symbolisch.

Und mir fallen die Himmelsbestattungen ein, die uns in Tibet begegneten. Und zuletzt im Iran in Zusammenhang mit dem Zoroastrismus, wo wir die *Türme des Schweigens* begutachteten, der Ort an dem die Tote den Geiern übergeben wurden. Gut, müsste (!) ich mich jetzt entscheiden, wo ich lieber Bestatter wäre, dann wohl eher in unserem Kulturkreis. Denn für die Geier müssen die Leichen von den Ragyapas - Gebete rezitierend - entsprechend zerstückelt und die Knochen gar mit Hämmern pulverisiert werden. Auf diese Weise wird der Tote restlos von den Vögeln in den Himmel getragen. Eigentlich ein schöneres Bild.

Für den Toten selbst sollte die Art der Bestattung gleich sein. Egal ob als spiritueller Mensch oder nicht. Denn geht der eine davon aus, dass der Geist samt Bewußtsein ohne Körper fortlebt und die Hülle dann eh nicht mehr gebraucht wird, so hat sich für den Atheisten mit dem Tod ja sowieso alles komplett erledigt. Ein Gedankenspiel, das gut passt zum Fest der Auferstehen, das wir gerade gefeiert haben. 

Nur wurde mir jüngst wieder vor Augen gehalten, dass die Mehrheit der Menschen einfach nullkommanull Vorstellung von *Geist* hat. Ein  Wort, das wohl nur mit Mühe mit Inhalt gefüllt werden kann. Das hat mir die Sendung über Hexenverfolgung regelrecht demonstriert (unterirdisch in dem Zusammenhang auch das Thema der Denunziation - welches, wie ich erschüttert registriere, eine Renaissance erlebt). Aber worauf ich eigentlich rauswollte: im Mittelalter wurden die bereits verschacherten Leichen der *Hexen* wieder ausgegraben, um ihnen dann die Gliedmaßen abzutrennen, damit diese Teufel nicht in ihren Körper zurückkehren und Rache nehmen können. Da schlägt man sich doch die Hand vor den Kopf. Aber soviel weiter sind wir seither nicht gekommen. Ehrlich, kein Wunder kapieren die wenigsten Polarität - oder die Tiefe von Homöopathie...

Nun, um alle meine Geier-Assoziationen loszuwerden, verweise ich euch noch auf den alten, Schwarz-Weiß-Film *Die Geierwally*. Dieser Film war wiederum die Empfehlung eines französischen Freundes, der definitiv mein Telefonjocker für Geschichte und bewegte Bilder wäre. Ein ganz tolles cineastisches Zeitzeugnis!

Zuguterletzt muss ich euch noch die Geschichte von meinem sensationellen Geier-Foto erzählen. Erkennt ihr auf dem einen Bild die Feder, die der Geier im Flug verliert? Exakt diese habe ich später ganz am Rande unseres Gartens in einer Hecke gefunden. Hätte ich keine Beweis-Dokumente - das würde mir doch kein Schwein glauben, oder?!


Zurück zum Teller. Wir essen nachwievor viel Kohl, weil ich uns damit auf einen Einkaufsschlag mit viel Gemüse eindecken kann. Und das Einkaufen von Lebensmitteln war noch nie freudloser wie momentan. 

Die Blumenkohlscheiben halten gebacken gut zusammen. Wir haben diese Sandwiches schon gegessen in der Spinat-Wildkräuter-Edition (jedes frische Kraut erhält gerade seine Extra-Aufmerksamkeit - das werdet ihr in den kommenden Rezepten sehen) und in der Variante mit Lauch (der nun bald anfangen wird zu schießen und runter muss vom Feld). Wir bevorzugten als Füllung den Lauch, der sich geschmacklich besser ins Gesamte einfügt. Wirklich lecker, die knusprige untere Blumenkohl-Scheibe, der zerlaufene Käse... nicht von ungefähr habe ich dieses Gericht bald wieder auf den Tisch gebracht.

Zutaten 2P:

1 Blumenkohl (600g)
2 Frühlingszwiebeln
(oder junger Knoblauch)
4 EL Butter
Salz, Muskat
2 Eier (M)
40g Einkorn-Vollkornmehl
50g Semmelbrösel
200 g Blattspinat/ Wildkräuter
(oder besser: 2 Stangen Lauch)
125 g Raclettekäse in Scheiben
Butter/ Öl

Zubereitung:

Blumenkohl in Röschen teilen (m: über Wasserdampf al dente gegart) und im Universalzerkleinerer oder in einem guten Mixer fein mixen - allerdings nicht zu völligem Mus.

Frühlingszwiebeln (oder junge Knoblauchstangen) putzen und in feine Ringe schneiden und diese kurz in etwas Butter schwenken. Mit wenig Salz und Muskat würzen. Abkühlen lassen.

Den Ofen auf 220 Grad vorheizen (Umluft 200 Grad).

Blumenkohl mit Eiern, Zwiebeln und Mehl und Bröseln mischen, abschmecken. Die Masse soll so fest sein, dass man sie gerade gut formen kann. Ein Backblech buttern (besser auf Backpapier) oder mit einer Silikonmatte auslegen.
Die Blumenkohlmasse darauf zu 4 Rechtecken formen, die an Toastscheiben erinnern. Mit jeweils ein wenig Bröseln bestreuen.

Im Ofen etwa 20 Min. backen, dann herausnehmen und abkühlen lassen.

TK-Spinat einfach auftauen lassen und dann gründlich ausdrücken. Oder frischen Spinat waschen und in reichlich kochendem Salzwasser einmal aufwallen lassen, dann abgießen, abschrecken und ebenfalls ausdrücken. Ein paarmal durchschneiden, dann leicht salzen. (im Falle von Lauch: diesen in Butter kurz rösten, 3-4 EL Gemüsebrühe dazugeben, mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen und weich garen).

Butter in einer Pfanne aufschäumen lassen, alle 4 Blumenkohl-Scheiben mit der Bröselseite nach unten einlegen (ging in meiner größten Pfanne nur nacheinander - also jeweils 2 Scheiben), das geht am besten mit einem breiten Pfannenwender.

Zwei Scheiben mit Spinat belegen, 2 Min. backen. Spinat mit Käse belegen und mit Pfeffer bestreuen.

Mit den beiden anderen Blumenkohlscheiben belegen (m: Deckel auflegen), noch kurz durchwärmen und dann auf Teller setzen.
 
Quelle: SZ-Magazin