Schon ewig her, dass ich einen Salat hier vorgestellt habe. Auch das letzte Ottolenghi-Rezept ist ewig her. Na, dann werden heute zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Ottolenghi setzt mal wieder auf die alte Methode des Confierens, wozu hier die Rote Beete bei hoher Temperatur gut verschlossen im eigenen Saft im Ofen gart. Gerne wird dabei Alufolie verwendet. Je länger ich mich mit dem Kochen beschäftige, umso mehr achte ich auf manche Dinge. Alufolie versuche ich zu meiden. Wer sich für das Kleingedruckte interessiert: weil Alufolie und Alzheimer in Zusammenhang stehen können. Ich weiche dann normalerweise auf Backpapier aus.
In diesem Fall bin ich sogar ganz umgeschwenkt und habe die Rote Bete dampfgegart. Für einen Salat für 2 Personen wollte ich den Backofen nicht anderthalb Stunden laufen lassen. Und hier auf dem Markt erhalte ich nur Rote Bete in schöner *Verkaufsgröße* - also keine kleinen Rote Bete-Kugeln. Was bedeutet: je größer die Rote Bete umso länger die Backzeit im Ofen.
Aber wie sagt eine meiner Lieblings-Yogalehrerinnen auf Youtube (Maeve McCaffrey) gerne: alles nur Angebote, alles nur Inspirationen um selbständig abzuwandeln. Die Grundidee ist nämlich toll, die Aromen harmonieren prima. Und hey, endlich mal ein Rezept, das meinen geschätzten Schnittlauch einen Gastauftritt beschert!
Rezept 4P:
1kg kleine, rote Bete (etwa 10 Stück)* 1 EL Olivenöl Salz, Pfeffer 3 EL weißer Balsamico 1/2 TL Ahornsirup 20g frischer Ingwer, geschält und fein gerieben 1/2 Bund Schnittlauch 1 TL schwarzer Sesam ... für das Dressing: 60g weiche Erdnussbutter 1 TL Ahornsiurp 1 1/2 EL Soja-Sauce 1 EL Limettensaft
Zubereitung:
Backofen auf 220° (Umluft) heizen. Die rote Bete auf ein großes Stück Alufolie (m: Backpapier) legen, mit EL Öl und 1/2 TL Salz bestreuen und fest einwickeln (zubinden), so dass die Rote Bete gut verschlossen ist.
Auf ein Backblech im Ofen ca. 1 1/2 Stunden backen bis die rote Bete leicht mit einem Messer zu durchstechen ist. Folie (Backpapier) entfernen, Rote Bete etwas abkühlen lassen, dann schälen.
Während der Ofenzeit die Marinade zubereiten. Dafür in einer großen Schüssel Limettensaft, Ahornsirup und 1/3 TL Salz sowie Ingwer gut miteinander verrühren. Jede geschälte Rote Bete nun in 6 Spalten schneiden, in der Marinade wenden und eine halbe Stunde ziehen lassen.
Dabei das Dressing zubereiten. Erdnussbutter, Ahornsirup, Limettensaft, Sojasauce mit 2 EL (warmen) Wasser glatt rühren.
Die Rote Bete nun zusammen mit der restlichen Marinade auf einem Teller (flachen Schüssel) anrichten, die Hälfte des Dressings und 1 EL Öl darüber geben und mit Schnittlauch und Sesamsaat bestreuen. Das restliche Dressing separat dazu reichen.
Wer auf der Zielgeraden gen Weihnachtsfeierlichkeiten auf den letzten Drücker quasi noch ein paar Plätzchen selbst backen möchte, für all die komme ich am 4. Advent mit dieser Idee um die Ecke.
Ich mache es mir mit Süßbäckerei ja gerne einfach. Für die Heidesand-Kekse muß man lediglich den Teig vermengen, zu Rollen formen und davon dann die einzelnen Plätzchen abschneiden. Wirklich sehr schön unkompliziert.
Der Clou darf aber nicht fehlen - schließlich ist nur ein Mal im Jahr Weihnachten. Hier greife ich auf den altbewährten Trick zurück, die Butter zu bräunen und sie zuvor zur Nussbutter zu machen. Das schmeckt gleich viel besser (Geschwister im Blog-Universum etwa diese Chai-Cookies). Den ungewöhnlichen Dreh gibt der Abrieb der Yuzu-Zitrone, die Bertrand von unserer Lebensgemeinschaft aus dem Dorf überraschend an seinem Marktstand im Angebot hatte. Das Aroma der Yuzu-Zitrone kann ich nur mit exotisch beschreiben - halt ein wenig anders wie Zitrone... Richtig unwiderstehlich werden die Plätzchen durch ein Drehen in einem Gemisch aus kandiertem Ingwer und Pistazie. Hoffentlich machen euch die Plätzchen so viel Freude wie mir!
Ich wünsche Euch allen ein schönes, besinnliches, harmonisches Weihnachtsfest!
Die Butter in einen kleinen Topf geben und schmelzen. Bei mittlerer Temperatur unter Beobachtung so lange köcheln lassen, bis das enthaltene Wasser verkocht ist. Dann zeigen sich unten im Topf kleine braune Punkte - das ist die sog. braune Butter. In dem Moment die Butter sofort in eine Schüssel geben und über Nacht darin erkalten lassen.
Am nächsten Tag die Butter schaumig rühren. Das ausgekratzte Mark der Vanilleschote, das Salz, den Abrieb der Yuzu-Zitrone und den Zucker dazugeben und weiter rühren, bis die Masse hell und luftig wird. Dann das Mehl hinzugeben und zügig einarbeiten. Den Teig zu Rollen mit 3cm Ø formen und diese in Backpapier oder Frischhaltefolie einwickeln. Über mehrere Stunden oder über Nacht in den Kühlschrank stellen.
Für die Variante mit dem Extra-Knusper-Glitzer-Rand den fein gehackten kandierten Ingwer mit der Pistazie vermengen und auf einer Arbeitsfläche verteilen (in etwa von Länge und Breite der Rollen). Ein Eiweiß mit je einer Prise Zucker und Salz steif schlagen. Die Rollen (m: 2 von 3) damit einpinseln und in dem Ingwer-Pistazien-Gemisch mit etwas Druck wälzen. Auf jeden Fall die Rollen eine halbe Stunde bis Stunden vor dem Backen aus dem Kühlschrank nehmen – so lassen sie sich später besser schneiden.
Den Backofen auf 200°C (O/U-Hitze) vorheizen.
Die Teigrollen in ca. 1cm dicke Stücke schneiden und mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Backblech setzen. Im vorgeheizten Backofen 10-12 Minuten backen und auf dem Blech vollständig auskühlen lassen. In Blechdosen an einem kühlen, trockenen Ort aufbewahren.
Eine der wunderbarsten Fähigkeiten von Büchern ist, dass sie verbinden können. Diesen Frühling habe ich *Marie de Brebis*, das ich von jemandem vom Tribe (coucou Monique) geschenkt bekommen hatte, jemandem vom Tribe (coucou Petra) während ihrer Zeit bei uns zum Lesen gegeben. Was uns dann noch näher zusammengebrachte, weil wir ganz ähnlich auf dieses Buch reagiert haben.
Ich erinnere mich, dass ich Vergleichbares mit *Krabat* erlebt hatte. Auf meiner ersten Reise alleine nahm ich *Krabat* mit, liebte die Geschichte wie beim ersten Mal lesen und nach mir verschlang es meine Mitbewohnerin (coucou Katharina), mit der ich mir auf Koh Tao den Bungalow teilte, um Geld zu sparen. Auch uns beide ließ das geteilte Leseempfinden enger zusammen rutschen. *Marie de Brebis* wie *Krabat* kommen entschieden auf die *Bücher meines Lebens - Edition 2*.
Wobei ich alle Bücher von Otfried Preußler toll finde- doch Krabat ganz besonders. Über diese abgrundtief hundsmiserable Verfilmung war ich damals so aufgebracht, dass ich Preußler einen Brandbrief der Entrüstung schreiben wollte. Er war aber kurz vor dem Kinostart gestorben.
Krabat wurde mir gerade wieder lebendig, weil ich eine Doku über Otfried Preußler angeguckt habe (ja, schon wieder Arte, für die Interessierten unten eingestellt). Mit dem ersten Blick auf Otfried Preußler denkt man, was ein freundlicher, gutmütiger, anständiger Mann - manchen Menschen ist es einfach ins Gesicht geschrieben. Wie erstaunt war ich, dass Preußler über 10 Jahre an Krabat geschrieben hatte - sein Lebensbuch. Ein Buch, dass er sich beim Spazierengehen im Wald wieder und wieder ins Diktiergerät erzählte, daran änderte und feilte... bis sein Meisterwerk fertig war.
Wieviel von seiner eigenen Biographie darin steckt, auch darauf wäre ich
nicht gekommen: er verarbeitet darin seine eigenen traumatischen
Erfahrungen im Krieg und 5 Jahre Gefangenschaft in einem russischen Lager. Wieder entlassen mit 25 Jahren, zurück in Deutschland bei seiner großen Liebe Annelies quält ihn die Frage: wie konnte er, wie
konnte eine ganze Generation sich derart verführen lassen und in den Bann
böser Mächte geraten - seine Theaterstücke blieben völlig erfolglos, die Thematik interssierte in den 50igern niemanden. Nach dem Krieg beschäftigt mit Wiederaufbau und Verdrängung zieht man heile Welt samt Schlagermusik und Heimatfilmen jeder Art von Aufarbeitung vor.
Erst Mitte der 1990er zeigt die sog. *Wehrmachtsausstellung* Verbrechen
einfacher, deutscher Soldaten und löste ein gewaltiges und auch breitgefächertes Echo aus: von Protesten (à la *Diffamierung
stoppen!*) bishin zu Zuspruch - ein Land erinnert sich, fragt nach
Verantwortung der Väter bzw- Großväter-Generation und: der
Einzelverantwortung. Preußler fragt sich auch, wieso ausgerechnet er
überlebte.
Die Geschichte von *Krabat* dreht sich um die Frage, was fasziniert an bösen Mächten und wie kann ich ihnen zu widerstehen. Eigentlich ist es eine märchenhafte Fassung der biblischen Geschichte vom verlorenen Sohn. Preußler macht sich die alte sorbische Sage (die als Vorlage diente) von dem Waisenkind aus dem 17 Jhdt ganz zur Auseinandersetzung mit seinem eigenen Leben: der Schwarzmagier/ der
Diktator, der seine Knechte im Lager hält. Doch mit schwerer Rückkopplung: die Überlegungen setzen Preußler derart zu, dass er in eine schwere, psychische Krise gerät und die
Arbeit an diesem Buch zwischendrin aufgeben muss.
Die Sage spielt in einer Mühle. Wie oft hat der Habib mir dieses Bild vor Augen gesetzt: die Mühlarbeiter, die auf engen, steilen Stegen Doppelzenter-Säcke hochtragen müssen, Getreide-Säcke von 100kg. Heute eine unvorstellbare Viecherei. Der Habib schleppte noch 50kg Zementsäcke den Berg hoch, um dem Hang das Haus abzutrotzen. Heute wiegen die Zementsäcke lediglich 25kg.
Der Gedanke ist schon verführerisch, es im Leben durch magische Kräfte leichter zu haben, anderen voraus zu sein, größer, stärker, mächtiger. Als Jugendlicher hegt man gerne solche Wünsche und Sehnsüchte. Doch die Entscheidung, die Krabat am Ende fällt ist: ich will kein Zauberer mehr sein, ich will, dass das endet, selbst wenn ich dafür sterbe. Krabat entscheidet sich somit bewußt gegen alle Erleichterung, gegen alle Vorteile und für alle Mühen, Plagen, alles Leid und Elend, das unweigerlich dazugehört, wenn man sich dem Leben stellt. Er entscheidet sich in aller Bescheidenheit und Demut lieber hundsgewöhnlich zu sein, 08-15, einer von vielen, nichts Besonderes. Das rettet ihn, sowie die Liebe eines Mädchens, das fest im Glauben verankert ist.
Aber - und das ist das Wesentliche: er entscheidet sich damit gleichzeitig für die Freiheit. Und somit für das Gute. Denn das gilt es sich bewußt zu machen: nur das Gute läßt frei. Das Böse aber raubt dir deine Entscheidungsfähigkeit und Urteilsfähigkeit samt deinem freien Willen - so lautet Preußlers Erkenntnis aus seinen Erlebnissen. Rest seines Lebens bleibt er entschiedener Pazifist. Er hatte sich geschworen, berichtet seine Tochter in der Doku, sich nie wieder instrumentalisieren zu lassen, er
hat sich geschworen, nie wieder ein Gewehr in die Hand zu nehmen
*Es gibt eine Art von Zauberei, die man mühsam erlernen muss, das ist die, wie sie im Koraktor steht, Zeichen für Zeichen und Formel für Formel. Und dann gibt es eine, die wächst einem aus der Tiefe des Herzens zu, aus Sorge um jemanden, den man lieb hat*, schreibt Preußler in Krabat.
Im tiefen Mitgefühl liegt die eigentliche Magie.
Und einen Sonntag kann man leichterdings magischer machen, wenn man dazu Kuchen serviert. Ich stelle euch ein weiteres Apfelkuchen-Rezept vor. Denn Apfelkuchen-Rezepte, derer kann man unmöglich genug angesammelt haben. Und dieses Stück Kuchen wird euch in Erinnerung bleiben, da es mit ungewöhnlichen Aromen aufwartet: ein bißchen Kaffee, ein bißchen Inger, ein bißchen Kardamom, ein bißchen Orange. Noch nicht wirklich adventlich aber auf dem Weg dazu.
Zutaten:
Tarteteig: 200g Mehl 110g Butter, kalt 60g Rohrzucker 1 TL Crème fraîche Salz 10g Instant Espresso 5g Kakao 1/2 TL Kardamom etwas kaltes Wasser ... 500g Äpfel, entkernt, geschält 2 Eier 100g Mascarpone 200g Crème fraîche 60g Rohrzucker ca. 2cm Ingwer, gerieben 1 Orange, der Abrieb davon ... ca. 2-3 EL Muscovado-Zucker ca. 2-3 EL gehackte Nüsse (m: Haselnüsse)
Zubereitung:
Alle Zutaten für den Tarteboden miteinander vermengen und rasch zu einem glatten
Teig kneten. In Folie wickeln und etwa eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Danach eine Tartefom (oder Srpingform) mit dem Teig auslegen und dabei
einen Rand hochziehen. Den Boden mit einer Gabel mehrfach einstechen.
Für die Füllung die Äpfel schälen, entkernen und in schmale Spalten schneiden. Die Apfelspalten auf den Teig in der Springform verteilen.
Den Ofen auf 200° Grad vorheizen (m: Intensivbacken = mehr Unterhitze).
In einer Schüssel die Eier, den Zucker, Crème und Mascarpone verrühren, Ingwer und Orangenschale dazu reiben und untermischen. Die Masse über die Äpfel gießen. Zuletzt ein paar gehackte Nüsse sowie den Muscovado-Zucker auf den Kuchen streuen.
Den Kuchen ca. 45 Minuten fallend auf 180° Grad backen.
Anmerkung m: man kann den Guss auch mit 3 Eiern und 300g Schmand backen.
Aus dem Buch *Der Apfelbaum* von Christian Berkel zog ich mir außerdem den Satz *Wo Gefahr droht, erwächst das Rettende auch*. Ein schöner Satz, den ich schon lange nicht mehr gehört habe. Da liegt so viel Trost und Hoffnung. Nur glaube ich leider, dass sich ein Mensch durchaus zu weit - fatal - in Geschehnisse verstrickt haben kann, dass irgendwann ein *point of no return* erreicht ist. Etwa wenn Erbgut ein Mal verändert wurde oder bei chronischen Krankheiten ist das so einfach nicht wieder rückgängig zu machen.
Gerade hörte ich mir einen neuen, spannenden Bericht von Dr. John Campbell an - zum 3. internationalen Covid-Gipfel in Brüssel (auf jeden Fall auch dem weiteren Link folgen zu der zusammenfassenden Konferenz, wo die völlig ungeschminkte Meinung zur WHO laut gemacht wird). Worauf Campbell seinen Fingerzeig dabei richtet, ist mir Bestätigung und kein großer Paukenschlag... ich habe aus meiner Skepsis ja nie einen Hehl gemacht. Aber irgendwie staune ich trotzdem: was die Dimension der Skrupellosigkeit angeht... da reicht mein Fassungsvermögen einfach nicht hin.
Komischerweise hat das Poster hinter Campbell besonderen Eindruck auf mich gemacht, das von der Schafherde, in der ein einzelnes Schaf alleine in eine andere Richtung schaut und darunter steht: turn - look - see. Und irgendwie verhalf mir der Anblick zu der Erkenntnis, dass von der Herde Gefahr aus geht... genau dort, wo man früher einmal Schutz suchte. Mit dieser Betrachtung wurde mir bewußt, dass man in der Herde besser nicht unterschlupft, denn da hat sich gewaltig etwas gedreht. Das ist Teil der neuen Zeitqualität. Wer bis jetzt nicht aufgewacht ist, für den wirds langsam zu spät. Harari (von letztem Post) geistert mir weiterhin durch die Gedanken.
Er zieht die Social Media Welt als Beispiel für die Spaltung der Gesellschaft heran, in der primitive KI-Tools dafür benutzt werden, dort gepostetes Content zu kuratieren in relevante und irrelavante Beiträge. Harari beschreibt ein auf solche Weise zerrüttetes Amerikia, das über die leistungsfähgiste Informationstechnologie ever verfügt, jedoch mit dem Ergebnis, dass keiner mehr weiß, was er glauben soll: *American citizens can no langer agree who won the last elections, wheter climate change is real or whether the vaccines prevent illnesses or not.* (Amerikanische Bürger können sich nicht mehr darauf einigen, wer die letzten Wahlen gewonnen hat, ob der Klimawandel real ist oder ob die Impfstoffe Krankheiten verhindern oder nicht).
Genauer hingeschaut aber geht der Riss viel, viel tiefer als sich nicht mehr auf die gleichen Informationen einigen zu können: Die Menschheit hat sich geteilt. Und die Wissenschaft kann das nicht flicken. Der Zeitgeist verlangt den individuellen Mensch. Und die Konsequenz dessen ist, dass es für das Einzelwesen katastrophal wird, sich dem Mainstream anzuschließen. Die Masse reißt das Individuum mit ins Stereotype, ins Uniforme, ins Einheitsdenken - weg von sich selbst. Das Individuum hat sich im Gegenteil jetzt bewußt von der Masse abzulösen. Outstanding. Am Rande der Gesellschaft. Der Andersdenker. Der Außenseiter. Der Ausreißer. Der Geisterfahrer. Vorbei die Zeit, in der man sich wohlig in die große Gruppe kuscheln kann. Der Menschheitstraum *alle Menschen werden Brüder* war eh seit jeher die schönste aller Utopien. Aber jetzt, jetzt ist eine ganz neue Qualität an Selbstverantwortung, an Selbstfürsorge von nöten, um seinen innersten Kern zu schützen. Nur mit Hilfe eines gesunden Egoismus wird es möglich, seine Werte bewahren, entfalten und leben zu können. Oberste Priorität wird, auf sich zu achten. Für andere sorgen andere.
*Die Wahrheit ist heilig* proklammierte Tom Hanks gerade in Harvard, als er den Ehrendoktor verliehen bekam. Ebenfalls einer dieser Sätze, die dieser Tage Eindruck auf mich machten. Und genau darum gehts. Was ist dir als Einzelwesen heilig. Daran alleine gilt es sich zu orientieren, daran auszurichten, dahin stur-heil zu streben - mag die Herde drängen, wohin sie will, mögen die Wölfe heulen, wie sie wollen. Stelle dich also der Tatsache: das Individuum ist perse einsam (s. Rilke), dein Heiligtum sei *vor dir selbst bestehen können.*
Mein kleines Küchen-1x1 dreht sich ja gerade um *Pflanzerl* aller Art. Dieses hier habe ich euch bereits vorgestellt: das Pilz-Bulettchen. Sehr olymp-favorisiert. Ich bastle also eine solche Gemüse-Frikadelle der Wahl und dann noch ein bißchen begleitendes Gemüse... voilà, voià, so schnell ist gekocht.
Heute - als Salat-Plus-Gericht - habe ich uns dazu einfach einen Glasnudel-Salat gemacht. Wie kann das nicht schmecken?
Knoblauch und geschälten Ingwer feinst hacken. Die Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden - das Weiße zur Seite nehmen. Mit dem Grün, Knofi, Ingwer ud der Hälfte von Soja-Sauce, Ahornsirup, Limettensaft und -zesten, sowie Sesamöl ein Dressing mixen.
Koriander und Petersilie von den Stängeln befreien und mittelfein wiegen
Glasnudeln nach Packungsanweisung in Salzwasser garen.
Brokkoli über Wasserdampf weich kochen. Möhren mit der Böhrner-Reibe stiften. Paprika mit dem Sparschäler fein von der Haut befreien und in dünne Streifen schneiden.
Im restlichen Sesamöl das Weiß der Frühlingszwiebel und außerdem zusammen mit den Möhren und der Paprika kurz anbraten und mit der anderen Hälfte der Soja-Sauce ablöschen. Nun alles miteinander vermengen und nochmals abschmecken mit Salz und Pfeffer.
Zur Dekoration mit den gehackten Erdnüssen bestreut
servieren.
Wer schon länger mitliest, weiß, dass hier gerne Esoterik-Bashing betreiben wird. Selbsternannte Propehten, die glauben, sie können es besser wie die alten Weltreligionen, werden von mir nicht durchgewunken. Und: ich kann Dilletantimus einfach nicht ausstehen!
Für mich ist Esoterik wie eine Patch-Work-Decke, die aus unterschiedlichen, bunten Stückchen zusammengeklöppelt ist. Jedes einzeln für sich sich betrachtet mag wohl manchmal noch ganz hübsch anzusehen sein, aber mit etwas Abstand zeigt sich schnell, dass der Teppich keine geraden Begrenzungen hat, unterschiedlich dick ist, die Einzelteile sich nicht ineinander fügen - ja, dass ein durchgehender Gedanke fehlt, der ihm zugrunde liegt. Ein fliegender Teppich für Irrlichter. Oder gestückelte Willkür. Von zusammengesetzten Fetzchen kommt man niemals nie aufs große Ganze. Da mögen einzelne Details noch so hübsch sein.
Oder wie das gezeichnete Nashorn von Albrecht Dürer. Dafür, dass Dürer noch nie ein Nashorn gesehen hat und es nur nach beschreibenden Erzählungen angefertigte, ist es wirklich nicht schlecht geworden. Man sieht zumindest sofort: er meint Nashorn. Wäre die Esoterik mit ihren Theorien so dicht dran, hätte keiner was dagegen.
Mein liebster Vergleich für Esoterik war ja seither das Handpan. Kennt ihr bestimmt, diese metallene Schale mit Vertiefungen. Der nächste Schritt nach Klangschalen aber Äonen davon entfernt ein Instrument zu spielen. Mit kreisenden Bewegungen trommelt man mit den Fingern auf die Schale ein und erzeugt dabei Töne. Irgendwelche Töne. Es kommt mehr auf eine Stimmung an als auf eine Melodie. Sphärisch, nich, das ist das Stichwort. Wir haben im Nachbarort auch einen, der gerne Konzerte mit einem Handpan bestreitet. Wir nennen ihn Siddharta. Natürlich gehört einiges an Deko dazu: bißchen fernöstliche Klamotte, längere Haare, ein Bart, eine wuchtige Kette - die erste Assoziation außerhalb von Fasching sollte schon direkt *Guru* sein. Im Schneidersitz liegt die Schale auf den Beinen, die Augen sind nach innen gekehrt, oder halt einfach geschlossen (oder noch einfacher: halt bekifft) und dann wird sich ganz der Athmo hingegeben.
Und dann habe ich Mumi entdeckt (für euch unten eingestellt). Ich gehe ja sowas von mit dem ersten Kommentar: *This is honestly the first time I hear someone play a recognizable melody on a handpan.* Tsss, Sachen gibts, oder? Echt niemals nie hätte ich für möglich gehalten, dass man mit einer Handpan richtige Lieder spielen kann! Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Mumi baut die Handpans sogar selbst. Tja, mit einem Schlag dreht sich meine Handpan vom Saulus zum Paulus. Anstelle für die Esoterik dient sich als viel besseres Beispiel für meine verehrte Homöopathie. Es liegt nicht am Instrument, es liegt am Spieler. Was kann das Instrument dafür, dass es kaum jemand richtig bedienen kann? Immer schön, wenn man an sich selbst merkt, dass man Wirkung und Ursache verwechselt hat. Die kleinen Erleuchtungen im Alltag.
Für das heutige Gemüse bekommt die Rote Bete ordentlich Gewürze verpasst. Rote Bete und ein beherzter Griff ins Gewürzregal verstehen sich sehr gut. Ich habe aus dem vegetarischen Original-Rezept eine vegane Variante gemacht - aber beides gut.
Auf dem Teller ebenfalls noch zu sehen: fermentierter Kohlrabi, eingelegter Kürbis, schnell gegarter Mangold mit Tamari und ein Keeper in diesem Haushalt: die Buchweizen-Galettes. Was soll ich sagen: ich mag mein Essen. Wäre auch schlimm, wenn's anders wäre...
Rote Bete würfeln oder stiften in 150ml Salzwasser ca. 15min kochen
Apfel in kleine Würfel schneiden, kurz vor Garende zu Rote Bete geben (dann auch das Sauerkraut, das ich wie Inés rausgekürzt habe)
Gewürze, Schmand (oder Kokoscrème) und Reismehl zufügen. Mit Geschmack von Butter (oder Kokosfett) und Kräutersalz abschmecken (oder schöner: abrunden, wie es im Original heißt - das übernehme ich für zukünftige Beschreibungen).
Als wir in China waren - genau genommen in Shanghai - sind wir mit dem Transrapid gefahren. Das stand jetzt nicht auf meiner Bucket-Liste. Vorneweg deshalb, weil ich keine Bucket-Liste besitze. So etwas benötigen meiner Meinung nach nur Spakken, die dann nachher auch in einer Stau-Schlange am Gipfelgrad des Mount Everest stehen. Selber schuld - kein Mitleid. Die Motivation dahinter verschließt sich mir. Das ist doch getrieben vom gleichen Spirit wie Klo-Kritzeleien à la *I was here*. Warum macht man das? Ich finds strange. Meinen Lieblingsklo-Spruch habe ich, glaube ich, hier sogar schon mal festgehalten. Unten an einer Klotür, die nicht ganz zum Fußboden schloß sondern einen Spalt offen ließ, stand: *VORSICHT LIMBOTÄNZER!* Finde ich bis heute witzig; der Spruch bleibt mir ewig...
Und jetzt mal in der Magnetschwebebahn gesessen zu haben, hat wenig nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Weder spürt man die Beschleunigung noch die Geschwindigkeit besonders, noch rauscht die Landschaft so krass an einem vorbei, wie ich mir das vorgestellt hatte. Sensationen gehen defintiv anders. Jedes Fahrgeschäft auf der Kirmes geht mehr ab. Aber ich bin wohl für dergleichen auch nicht die richtige Zielgruppe. Warum man sich in irgendwelchen Karusells bis zur Übelkeit durchschwenken läßt, erschließt sich mir ebensowenig. Oder Bungee jumping? Kitzel für Scheintote. Augenblick-Kicks sind nicht mein Junk. Vielleicht weil nach meinem Erleben die schönsten und tiefsten Momente wie zufällig entstehen und sich nicht inszenieren lassen. Aber bitte, wer meint. Paragleiten würde ich hingegen mal ausprobieren...
Anyway, jetzt habe ich eine große Schleife gedreht, um bei meinem heutigen Rezept rauszukommen, den Malai Kofta, dem indischen Tomaten-Curry mit Kartoffel-Küchlein. Eigentlich esse ich sehr gerne indisch, meistens ist es mir dann aber für die tägliche Alltagsküche zu viel Gedöns, die Zutatenliste zu lange, die Vorbereitungen zu ausufernd... Und dann bleibts beim *eigentlich*.
Jetzt habe ich diese Malai Kofta schon zigfach zubereitet - ein Zwischenseufzer für die herrliche Kardamom-Note - und es auf diese Weise umgemodelt, dass ich von einer Version Malai Kofta - Transrapid sprechen möchte, eine abgekürzte und abgespeckte Variante: eben unkomplizierter und ohne Frittieren. Das mag dann vielleicht nicht mehr original sein, aber who cares. Das ist meine Linzertorte auch nicht und die ist trotzdem le top du top.
Und dieses-mein Malai Kofta schmeckt uns einfach super. Das ist der Grund, warum ich es derart oft auf den Tisch gebracht habe. Und (bien sûr) weil sie easy zu kochen sind. Die indischen Kartoffel-Küchlein funktionieren sowohl mit (selbstgemachtem) Paneer, mit Ziegenkäse und mit Tofu - alles ausprobiert. Up to you.
Mit Blick ins hauseigene Bloguniversum könnte meine Malai Kofta der exotische Bruder von diesem Teller sein...
Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden, in Salzwasser aufsetzen und gar kochen.
Parallel die Sauce zubereiten. Dafür Zwiebeln und Knofi fein würfeln. In Kokosfett anschwitzen. Zimtstange, Nelke und angequetsche Kardamom-Kapseln in ein Teebeutel geben und mit Küchengarn zubinden. Zusammen mit dem Garam Masala und dem geschälten, klein geschnittenen Ingwer ebenfalls ein wenig mitrösten. Tomate, Wasser und Kokoscrème anschütten. Salzen, pfeffern, eine Prise Zucker zufügen sowie etwas Harissa und bei kleiner Flamme etwa 15 min einköcheln lassen. Teebeutel entfernen, die Sauce mit dem Zauberstab pürieren und nochmals abschmecken.
Die gekochten Kartoffeln abschütten, etwas ausdämpfen lassen. Knofi und geschälten Ingwer fein würfeln. Karotte bürsten und grob raspeln, Alle Zutaten für die Kartoffel-Küchlein miteinander vermengen und zu flachgedrückten Kugeln formen - ergibt14 Stück à ca. 50g. Je nach Wunsch in Ghee/ Kokosfett oder einem anderen Pfanzenöl von beiden Seiten golden backen. Die fertigen warm stellen, bis alle gebraten sind.
Sauce in tiefe Teller geben, ein wenig Kokosmilch darüber ringeln und dann die Kartoffelküchlein in die Sauce setzen. Wer mag dekoriert mit etwas Petersilie.
Anmerkung m: die Ofentomaten und das zugefügte Wasser kann man ersetzen durch 400g passierte Tomaten/ Es ist reichlich Sauce im Verhältnis zu den Küchlein, aber ich finde das eine gelungene Kombi/ 7 Kartoffel-Küchlein erscheinen viel für eine Person - wir bewältigen das gut/ Und: coucou Stephanie - vielen Dank für die Anregung und die Idee mit den Erbsen und Karotten in den Küchlein!
Ich bin Freund der Freundlichkeit. Oder hänge ich es tiefer auf: der Höflichkeit. Des Benimm. Der guten Kinderstube. Keiner will zurück zur starren Förmlichkeit, die Herr Knigge bestimmt. Nehme ich ein Beispiel aus meinem Erleben bei Vinted, der Monopol-Plattform für Second-Hand-Klamotte. Da gehts ja erstmal um nix. Ich deale schließlich nicht mit Hermés-Taschen oder der gleichen. *Kleckerles-Beträge* hätte die Oma das früher genannt. Eben nix, was einen reicher oder ärmer macht. Aber der Umgangston dort manchmal... Ist eine Grußformel zu viel verlangt? Ganze Sätze? Ausgeschriebene Worte? Ein Bitte oder Danke? Gerade wer sich als potentieller Kunde einführt tut so, als müsse der andere jetzt die Bitch spielen, nur weil er mit dem Geldschein wedelt? Da habe ich doch direkt keinen Bock mehr. Echt, kein Verständnis für so ein Gebaren. Gratulation, Kapitalismus verinnerlicht!
Das möchte ich abgrenzen von der erlebten Fielmann-Kundenfreundlichkeit mit Trainingscamp direkt im Vorhof der Hölle. So viel Falschheit schlägt einen ja regelrecht in die Flucht. A la *Man spürt die Absicht und ist verstimmt*. Dann ziehe ich wortkarge Stoffeligkeit wieder vor. Lieber echtes Leben als gefaktes. Sehr verläßlich eigentlich das Uralt-Prinzip von *Wie man in den Wald reinschreit, so schreit es zurück* - darüber kann man durchaus ein wenig sinnen...
Vielmehr rede ich von einem Umgang wie in der einen Werbung im deutschen Fernsehen vor Weihnachten: man denkt einen kleinen Moment mit für jemanden, läßt einen Fremden mit nur zwei Sachen in der Hand an der Kasse vor, trägt einer Omi die schwere Tasche die Treppe hoch, hält die Bahn auf, damit ein anderer noch reinspringen kann - der gute alte Pfadfinder-Spirit, ihr wißt schon... By the way: bin ich die einzige, die das befremdlich findet, dass eine Supermarktkette damit wirbt?
Ben, ich komme darauf durch eine kleine Begebenheit gestern, als ich durch die engen Straßen von Crest - dem nächsten Kleinstädchen - gefahren bin. Erst drückte ich mich an einer Baustellenraupe vorbei, um dann beim Abbiegen festzustecken zwischen zwei Lieferwägen; der eine einfach an die Hauswand geklemmt. Als ein Bauarbeiter mir entgegenkommt, lasse ich das Fenster runter und bitte ihn, mit diesem doch ein Stück vorzufahren. Der schüttelt bedauernd den Kopf als Antwort und sagt, das sei nicht sein Wagen. Mein Gesicht drückt *Argghhh!!!* aus. Er stuzt kurz und meint: *Komm', das passt schon, ich lotse dich durch!* Er drückt meine Außenspiegel rein und winkt mich geduldig durch die verstellte Passage.
Hach, GROS Bisou! Das ist halt auch was, das einem im ländlichen Frankreich gar nicht mal selten begegnet, eine Art von Ritterlichkeit Frauen gegenüber, Galanterie, Charme-Offensiven mit kleiner Blinzelei - das weiß ich sehr zu schätzen, weil ich mag das pas de deux-Spiel der Geschlechter.
Und genau das meine ich. Was kann ein Lächeln manchmal entwaffnend wirken (ja, bei einem waschechten Bämul kann man es wieder stecken lassen), aber mir fallen leichterdings viele Situationen ein, die mit Freundlichkeit entweder entschäft wurden oder auf beiden Seiten gute Laune bewirkten. Ich für meinen Teil habe festgestellt, dass man sich den Alltag mit exakt solchen Momenten ein kleines bißchen schöner machen kann und dieses Quäntchen lasse ich mir nicht entgehen.
Einen kalten Tag bekommt man wunderbar geboostert mit einer schönen Suppe. Diese Suppe ist sogar schnell gemacht und ist der raffiniertere Bruder einer echten Omi-Suppe. Der kleine Dreh hier ist, dass man die Brühe ein wenig anbindet, was ihr direkt mehr Schmelz verleiht. Und der unerwartete Star am Tellerrand - das blättrige und super knusprige chinesische Pfannenbrot - reiche ich euch am Sonntag dazu...
Zutaten 2P:
80 g kleine Shiitakepilze 2 Frühlingszwiebeln 2 Scheiben Ingwer 1 Knoblauchzehe 2 EL Öl 800 ml Gemüsebrühe* (m: selbstgemacht) 200g schwarze, gekochte Bohnen 4 EL Sojasauce Reisessig 1 TL Speisestärke 2 Eier (M) (m: 1 großes) Salz Essig nach Geschmack 150g Gemüseinlage (m: Rest Kürbis und Rosenkohl) 60g Gersten-Graupen, gekocht* Sesamöl
Zubereitung:
Shiitake vom Stiel lösen,
größere Kappen halbieren. Den unteren Teil der Frühlingszwiebeln
in Ringe schneiden. Ingwer schälen und zusammen mit dem Knoblauch fein
würfeln.
Öl in einem Topf
erhitzen, die Pilze darin kurz anbraten. Knoblauch und Ingwer zugeben
und hellbraun braten. Klein geschnittene Gemüsebeilage zufügen, Gemüsebrühe zugießen und aufkochen. Die Bohnen ebenfalls in den Topf geben, außderdem die gekochten Graupen - 5 Minuten offen köcheln lassen.
Sojasauce
mit 1–2 Teelöffel Reisessig und Speisestärke glattrühren und in dünnem
Strahl unter die kochende Suppe rühren, dabei bindet die Suppe leicht.
Die Eier mit einem Schneebesen gründlich verquirlen und ebenfalls im
dünnen Strahl in die Suppe geben, die Suppe dabei langsam rühren.
Die
Suppe mit Salz, eventuell noch etwas Essig und wenigen Tropfen Sesamöl
abschmecken. Die grünen Frühlingszwiebeln in feine Röllchen schneiden
und über die Suppe geben.
Anmerkung m: ich habe die Gemüsebrühe selbst gekocht - werde ich in zukünftigem Beitrag noch verlinken/ die schwarze Bohnen kochte ich mit einem Stück Kombu-Alge/ die Gerste kochte ich extra - am Vortag eingeweicht, am Suppentag 15 min in frischem Wasser köcheln und dann zugedeckt ziehen lassen - ursprünglich ist die einzige Suppen-Einlage der Suppe Pilze, Eier und Bohnen
Wenn wir unterwegs auf den Flughäfen dieser Welt gelandet sind, dann rußte dem Habib bereits am Gepäckband das Aufeinandertreffen mit einer seiner liebsten Berufsgruppe: den Taxivermittlern. *Ich bin doch nicht zu doof, mir selbst ein Taxi klar zu machen, als dass ich auf diese Mtherfcker angewiesen wäre!* - deren Angebot selbstredend stets ein Vielfachen über dem üblichen Preises liegt (eh klar, die wollen schließlich mitverdienen). Gleiches gilt für die Märkte und Souks. Nicht jener, der mit Fleiß und im Schweiße seines Angesichts etwas herstellt, macht das eigentliche Buisness, sondern der Zwischenhändler, der lässig im Laden rumhängt und verkauft.
Die Plattform-Ökonomie wird zum Sargnargel des Mittelstandes, lautet eine Theorie (für tiefer Interssierte: s. Ernst Wolff). Tatsächlich kann man sich doch kaum noch eine Pizza bestellen, ohne dabei an Lieferando vorbeizukommen. Das kann man locker ausdehnen auf das Rufen eines Taxi, das Buchen eines Fluges, Hotels, den Kauf eines Pullovers, das Suchen eines Handwerkers.... just name ist... Jeder shoppt doch mittlerweile bei Amazon. Spätestens seit der Pandemie. Die einschlägigen Unternehmen à la airbnb, booking.com, Uber, Trivago... brauche ich gar nicht listen, um plastisch zu machen, wovon ich rede. Kennen wir alle.
Ginge das nicht genauso auch im viel Kleineren? In meiner Jugend hatte die Mitfahrzentrale noch ein Büro. Niedlich, oder? Und für was braucht es eigentlich eine europaweite Plattform für Second-Hand-Klamotte (Vinted). Der deutsche Kleiderkreisel war doch bereits sehr groß. Wen interssiert, wo ich in Berlin Pizza ordern kann, wenn ich mich in München aufhalte?
Nun, über dieses Thema bin ich gestolpert, weil dank einer der vielen
Plattformen, die ich selbst nicht nutze (Pinterest), gelangt gerade eines meiner
Rezepte zu dem Fame, den es grundsätzlich verdient: meine Linzer. Die Aufrufzahlen steigen und steigen. Keine
Ahnung, ob geholfen hat, dass ich wiederholt und wiederholt mit
Tolltolltoll (DUBB) darauf zurückverwiesen habe.
In der letzten Zeit habe ich selbst ebenfalls wirklich viel aus meinem Fundus gebacken. Logo, die Linzer gerade wieder. Aber auch die Nuss-Tarte mit Tonka (und etwas Lavendel - war super), den Marmor-Kuchen, den Butter-Sand-Kuchen sowie außdem den Kaffeekuchen. Wäre ich auf Insta, dann.... aber lassen wir das.
Zum ersten Advent stelle ich euch heute vegane Lebkuchen vor, die uns sehr gut gefallen. Professionell würden sie schmecken, urteilt der Habib. Und schnell gebastelt sind sie ebenfalls, was meiner Art der Zuckerbäckerei sehr entgegen kommt. Da reißt mir nämlich schnell der Geduldsfaden. Sogar energiesparend sind sie, da man sie nicht backen muss (das neueste aller Güte-Siegel). Sehr fein - mache ich bestimmt wieder! Jetzt stecke ich beim Frühstück die erste Kerze am Adventskranz an (selbstgedrehte Mischung aus Blautanne und Zeder), gen abend, wenn der Ofen brennt, raucht sicherlich auch ein Räucherstäbchen, dazu wird das erste Plätzchen in den Mund geschoben - Adventgemütlichkeit ist echt nicht schwer!
Datteln und Aprikosen klein schneiden, mit kochendem Wasser übergießen, abdecken und ca. 10min ziehen lassen - dann pürieren. Alle Zutaten - außer der Schokolade) zu einem homogenen, leicht klebrigen Teig vermengen (m: per Hand).
Kugeln von etwa 25g formen, diese flacher drücken und auf eine Platte (oder Kuchenform) mit Backpapier ausgelegt setzen. Für etwa 1/2 Stunde (oder auch Stunde) ins Tiefkühlfach stellen - dadurch werden sie griffiger (also leichter zu händeln, da nicht mehr klebrig).
Die Schokolade überm Wasserbad schmelzen (m: noch einen Stich Kokosfett zugefügt außerdem Kardamom) und die dickeren Plätzchen (flachgedrückten Kugeln) in die Kuvertüre tunken. Für das letzte Drittel habe ich noch etwas Kokosraspeln untergemischt (ebenso gut ein wenig gehackte Nuss) und die Plätzchen eher mit der restlichen Kuvertüre bestrichen (mit Hilfe eines Teelöffels). Wieder aufs Backpapier setzen und trocknen lassen.
Fahrrad fahren und Bio-Tomaten essen, macht noch keinen Naturbezug. Und sauber Müll trennen auch nicht. Sätze, die ich schon immer mal loswerden wollte!
Wann hattest du das letzte Mal einen Grasfleck auf der Hose, Kletten in den Haaren, die Nase in frisch gemähtem Heu? Gras zwischen den Zehen? Weißt du, wie Erde schmeckt? Und auch das sind nur schön klingende Äußerlichkeiten. Wie bei jeder Beziehung geht es um Qualität - und die läßt sich nicht demonstrieren oder messen, die läßt sich nur innerlich erfahren. Wenn, dann stellen sich in Beziehungen Fragen nach dem WIE: wie tief geht die Verbindung, wie nahe ist man sich, wie wird der Kontakt gepflegt, wie groß ist das Vertrauen? In dein Herz können andere schwer blicken.
Lange bevor die Ersten mit ihren Handys verwachsen waren, kündigte der Habib in seinen Seminaren bereits an, dass die große Entscheidung zwischen Natur und künstlicher Welt zu treffen sein wird - was damals noch einigermaßen abstrakt anmutete. Mittlerweile ist Technik und Wissenschaft in beeindruckendem Tempo foran geschritten und die künstliche Intelligenz nur eines der Flaggschiffe menschlichen Forschungsdrang. Parallel dazu aber wenden sich die Menschen der Industrienationen immer weiter ab von der Natur - ich hatte es dazu bereits vor Jahren: von der nachweisbaren Naturentfremdung.
Wie tiefgreifend sich diese Entwicklung auf unseren Alltag auswirken wird, nimmt im Sauseschritt neue Dimensionen an. Marc Zuckerberg verkündete dazu quasi den Startschuß, indem er Facebook in Metaverse umbenannte: in naher Zukunft wird unsere reale Welt in wesentlichen Teilen in eine künstliche, digitale Welt verlagert - samt Arbeitsplätze und Konsum (kurzer Eindruck dazu etwa im Webseminar - Dirk Müller)
Ganz deutlich formuliert es auch Klaus Schwab, genau, der Chef des Weltwirtschaftsforum von Davos, der unlängst mit *The Great Reset* von sich reden machte. In seinem neuesten Buch *The great Narrativ* (hörenswerte Rezension von Gunnar Kaiser) skizziert er seine transhumanistische Zukunftsvision. Diese besteht, in seinen
Worten, in einer *Verschmelzung der physischen, digitalen und
biologischen Sphären, mit Folgen für alle Disziplinen, Volkswirtschaften
und Branchen, was sogar die Vorstellungen in Frage stellen wird, was es
bedeutet, menschlich zu sein*. Weiter führt er aus:
*Es wird oft gesagt, dass das 19. Jahrhundert das Jahrhundert das der Chemie war, das 20. Jahrhundert das der Physik und das 21. Jahrhundert das der (synthetischen) Biologie wird. Ein Jahrhundert, in dem biologische Systeme so umgestaltet werden, dass sie den menschlichen Bedürfnissen entsprechen. Wir stehen am Beginn der genetischen Revolution. Mit der Pandemie hätte die synthetische Biologie seines Erachtens nach den erfolgreichen Beweis erbracht, zu halten, was sie verspreche: *Die ersten Impstoffe sind MRNA-Impfstoffe bei denen synthetische Stränge des genetischen Codes, die am Computer modelliert wurden, in unseren Körper eingebracht werden.* Eine Technologie, die zukünftig noch in viel größerem Maß zum Einsatz kommen soll...
An dieser Stelle möchte ich den Dalai Lama dazuziehen, der mich alleine deshalb schon total beeindruckt, weil er als Religionsführer äußert, dass alle Weltreligionen im Kern die gleiche Botschaft haben und der Buddhismus nur ein Weg von vielen ist. Obendrein bekräftigt er, benötige es die Religion nicht zwingend, um ein guter Mensch zu sein: ein gesunder Menschenverstand und allgemeingültige, ethische Prinzipien wären ausreichend. Doch in diesem Zusammenhang möchte ich seine Bedenken anknüpfen (Auszug aus *Das Buch der Menschlichkeit*):
*Ich bin in Sorge darüber. dass wir dazu neigen, die Grenzen der Wissenschaft aus dem Blick zu verlieren. Indem sie in weiten Kreisen die Religion als letzte Wissensquelle ersetzt, erhält die Wissenschaft selbst so etwas wie einen religiösen Anstrich. Und dadurch sind einige ihrer Anhänger in Gefahr, ihren Prinzipien blindes Vertrauen zu schenken und damit anderen Sichtweisen gegenüber intolerant zu werden.*
Der Dalai Lama (durchaus keiner, der den Fortschritt dank Wissenschaft
ablehnt) nennt als Beispiel für die Grenzen der Wissenschaft das
Bewußtsein: *Es gehört zu jener Art von Phänomenen, die weder
Gestalt, Masse noch Farbe besitzen und sich mit äußeren Mitteln nicht
untersuchen lassen. Das bedeutet nicht, dass diese Phänomene nicht
existieren, sondern lediglich , dass die Wissenschaft sie nicht dingfest
machen kann.* Trotz aller Bemühungen wissen wir bis heute nicht,
worum es sich bei Bewußtheit handelt, warum es da ist, wie es
funktioniert, was sein Wesen ist noch was der Grund für sein
Vorhandensein ausmacht.
Mit meinem heutigen Artikel will ich Bewußtheit schaffen für die Entscheidung, vor die die Menschheit nun mehr und mehr gestellt ist. Und ich will dafür werben, das eigene Bewußtsein dafür auch zu benutzen! Und zwar geht es um nichts Geringeres als DIE Gretchenfrage mit weitreichenden und tiefgreifenden Konsequenzen: reiner Materialismus oder beseelte Natur. Jeder
einzelne hat sich mit dieser Frage eigenverantwortlich auseinanderzusetzen und man kann diese
Enscheidung niemandem abnehmen. Wer nicht bewußt nach den Gesetzen der Natur lebt, dem wird automatisch der Materialismus übergestülpt.
Es gilt sich klar zu machen: Wer sich gegen die Natur stellt, sündigt wider den Geist.
Ihr seht es an den Fotos: diese Kebap aus rohen, roten Linsen habe ich uns bereits öfters zubereitet. Seitdem ich seltener blogge, veröffentliche ich fast nur noch Rezepte, die ich wiederholt auf den Tisch gebracht habe. Uns haben diese kleinen, knusprigen Dinger absolut überzeugt: gut gewürzt, schnell gemacht, super Konsistenz und eine echte Bereicherung für jeden Veggie-Teller - ob mit einem Pü oder den allseits beliebten, bunten Ofen-Gemüse. Eindeutig ein Keeper in meiner Küche!
Währrenddessen die Zwiebel fein würfeln, die Karotte bürsteln, die Kartoffel schälen und beides auf dem Gemüsehobel raspeln. Den Kohl (oder Lauch) fein schneiden. In etwas Olivenöl einige Minuten dünsten, kurz vor Ende die fein gewiegte Petersilie unterziehen - und zur Seite stellen.
Die Linsen in ein Sieb geben und abtropfen lassen. In einem Blender zusammen mit dem gewürfelten Knoblauch und dem Ingwer fein mixen.
Linsen, gedünstetes Gemüse, Nüsse und Gewürze in eine Schüssel geben und gut miteinander vermengen. Würzig abschmecken. In leicht geölten Händen kleine Frikadellen formen und in einer Pfanne mit erhitztem Olivenöl von beiden Seiten golden und knusprig braten.
Als Nicky vor 17 Jahren mit ihrem Blog *Delicious Days* an den Start ging, klebte sie mit ihrer Tastatur am Puls der Zeit - eine echte Pionierin. Oder halt volle First Foodblog Nation! Ja, sie war sowas von avantgarde, dass ich, als ich in einem Artikel einer Zeitschrift (Print!) über ihren Blog las, mir noch nicht einmal etwas unter einem *Blog* vorstellen konnte. Warum? Für was? Für wen? Nach einigen schönen Kochbüchern, die von ihr erschienen, bloggt sie heute nicht mehr.
Dafür erblickten parallel zu ihr andere Food-Blogs das Tageslicht wie Zorra, eine weitere Vorreiterin, oder Petra und Robert. Und selbst als ich vor 14 Jahren eine kurze Phase als Gastbloggerin im mittlerweile stillen Kuriositätenladen durchlief, konnte ich die Blogwelle noch sauber mitsurfen: mit viel Aufmerksamkeit, Begleitung und Zuwendung sowohl seitens der Leserschaft wie unter den Blog-Kollegen. Heute ist der *heiße Scheiß* (so hats Zorra genannt) längst weitergewandert in die Sozialen Medien, Insta und Konsorten... Oder aber auf Youtube, auf das etwa Sally (der ich nie gefolgt bin) von Anfang an gesetzt hatte und sich so ein eigenes Food-Imperium schuf. Wobei ich nicht verstehe, welche Koch-Legastheniker animierte Hilfestellung benötigen, um beispielsweise einen simplen Rührkuchen zusammenzuhauen. Naja, definitiv nicht mein Kino...
Bon, diesen kleinen Überblick über die Geschichte der Foodblogs schreibe ich nur, um klar zu machen, was es bedeutet, 10 Jahre durchgehend am Stück zu bloggen. Für diese Langstrecke muss schon einiges zusammenkommen (da spreche ich aus eigener Erfahrung), vorneweg zwei Dinge: man muss wirklich gerne und oft kochen und das Leben darf nicht in andauernde Stromschnellen geraten. Bref: Passion und Stetigkeit! Dann, ja dann mutiert man zum Urgestein in Foodistan und wird in den Ältestenrat der Zunft aufgenommen.
Und auf diese Weise entstehen große Online-Kochbücher, durch die sich eine einzige Person mit Hingabe gekocht hat, ganz wie im Falle von Andy und seinem Schweizer Food-Blog *Lieber Lecker*, das heute - Konfetti - 10 Jahre alt wird! Nichts leichter, als aus einem so großen Fundus ein Rezept herauszuziehen - egal für welchen Geschmack. Ich habe festlichen Anlaß mit Alltag kombiniert und mir zur Jubiläumsfeier seines 10 jährigen Bloggeburtstag ein Gericht für jeden Tag herausgesucht, welches schon kurz davor ist meine Blog-Buster-Kriterien zu erfüllen - denn es startete bei Miss Boulette und wurde mit gleicher Begeisterung von Andy wie von Petra nachgekocht: Fried Rice à la Vong.
Zuerst wollte ich mir ein von Andy als DUBB markiertes Rezept vornehmen und zwar den baskischen Käsekuchen. Andy hat nämlich als einer der wenigen den Spirit meines nach wie vor einzigen ins Leben gerufenen Blog-Events verstanden: man muss ein ausprobiertes Rezept nur als *le top du top* erkennen und dementsprechend ausrufen - und schon ist es ein DUBB. Dagegen entschieden habe ich mich, weil ich mir selbstkredenzt mit diesen schwerkalibrigen Zutaten möglicherweise den Genuß genommen hätte... zu einer solchen Süßigkeit lasse ich mich *lieber lecker* verführen!
So ist es dieses unkomplizierte Reisgericht geworden, dass entschieden gepimt wird durch den Ingwer-Knoblauch-Krokant. Wenn man dem Reis noch Erbsen, Frühlingszwiebeln oder Möhrchen untermischt, wird man den Charakter nicht tiefgreifend verändert haben. Den Geschmackstaktstock schwingt der Krokant - der macht diesen Teller besonders!
Lieber Andy, danke fürs Inspirieren - ich hoffe, du hast noch lange Freude daran, weiterhin Foodistan mit deiner Lust am Kochen zu erfreuen. Félicitation et bon anniversaire!
Zubereitung:
2 EL Sonnenblumenöl
2 Knoblauchzehen, fein gescheibelt
2 cm frischer Ingwer, geschält und fein gescheibelt
3 Stangen hellen Lauch, in ca. 5 mm Scheibchen
Salz
2 Portionen gekochter Reis vom Vortag (Reis oder Basmati)
2 Eier
1 TL Sesamöl (m: Chili-Öl)
2 TL Sojasauce Piment d'Espelette
Sesamkörner, geröstet (optional)
Zubereitung:
Knoblauch und Öl klein würfeln. Zusammen im Öl goldbraun rösten und dann mit einer Schaumkelle herausheben und auf Küchenpapier beiseite stellen - etwas salzen.
Nun den Lauch im aromatisierten Öl weich dünsten, ohne dass er Farbe annimmt, leicht salzen
Das Gemüse an den Rand der Pfanne schieben und den kalten Reis in die
Mitte geben. Die Hitze etwas erhöhen und braten bis der Reis wieder körnig zerfallen. Den Reis nun mit dem Gemüse vermischen und noch etwa 2
Minuten weiterbraten - ab und zu umrühren.
In einer separaten Pfanne 2 Spiegeleier braten. Die Portionen anrichten, mit etwas Sesamöl und
Sojasauce begiessen, das Ei daraufsetzen, den krokantigen Knoblauch und Ingwer darüberstreuen - wer mag garniert mit Sesam und Chiliflocken.
Anmerkung m: ich habe die Menge des Krokant für uns verdoppelt - und mein Rezept entsprechend verändert/ gebratenes Ei kann man hier prima etwa durch marinierten Tempeh/ Tofu ersetzen
*Und was die Mitte bringt ist offenbar, das was zu Ende bleibt und anfangs war*(Goethe). Weil wir das Wort *Entwicklung* nicht mehr richtig verstehen, schauen wir auch nicht mehr richtig hin. Dabei ist das Wort eigentlich selbsterklärend: etwas/ jemand ent-wickelt sich, rollt sich in Gänze auf. Der Prozeß des Wachstums zieht Geschehnisse lediglich zeitlich auseinander. Das ändert aber nichts daran, dass im Beginn bereits die komplette Geschichte versteckt ist. *In der 'Eins' ist alles enthalten, ist alles drin*, pfegt mein Habib zu sagen, *ein Kind kommt fertig auf die Welt.*
Aber anscheinend ist das für das menschliche Vorstellungsvermögen eine (zu) große Transferleistung: im Apfelkern bereits die Rinde, die Wurzeln, die Äste und Zweige, den Stamm, die Knospen, rosanen Blüten und Früchte zu sehen, die in dem schwarzen Samen eingeschlossen sind.
Schade eigentlich, dass nicht mehr im Bewußtsein verankert ist, wie symbolisch sich das Wesentliche offenbart - vielleicht würde die ein oder andere ihre Kinder mit größerer Neugier beobachten. Als Beispiel hatte ich mir vor Jahren dazu Gedanken gemacht zum Thema *Kuscheltiere*. Denn auch mein eigenes, verhätscheltes Kuscheltier verwieß ganz deutlich auf meinen in der Zukunft wartenden Habib. Mehr will ich darüber nicht erzählen (# intimitätskleinlich), aber so viel sei verraten, dass ich mein Stofftier mit einem Griff vorzeigen könnte. (s. dazu auch diese nette Fotoserie von runtergeliebten Kuscheltieren).
In meiner Jugend flüchtete ich mich viel in Träumereien. Und nie schwebte mir Ruhm, Karriere, Status oder Reichtum vor. Stattdessen ich malte mir in den lebhaftesten Farben aus, wie ich *dem Einen* irgendwann begegne, wie Innigkeit, Verbundenheit, Vertrauen, Hingabe und Ehrlichkeit vielleicht doch erfahrbar für mich werden könnte - wenn nicht im Elternhaus dann aber später... irgendwann (offenkundig: # Team Romantik)
Nun, aufgrund meiner eigenen Erfahrung bin ich der festen Überzeugung, dass man als Kind/ Jugendlicher ganz viele Vorahnungen hat, die eigene Biographie betreffend. Zumindest aber träumt man sich mit seiner Gedankenkraft wie mit einem Magneten einen großen Batzen seiner Vita heran und schöpft so mit an der eigenen Lebensgeschichte.
Für mich war seit jeher das Wichtigste, Spannendste und Interessanteste das Zwischenmenschliche/ menschliche Begegnungen. So ist es (hier) ein offenes Geheimnis, dass ich Kennenlerngeschichten liebe. Die kann man mir gar nicht umständlich und ausführlich genug erzählen. Denn auch für die gilt: in ihrem Anfang ist alles enthalten. Und stets staune ich, wie offenbarend dieser Startschuß ist für eine Beziehung und wie deutlich die Art und Weise des Erzählens die eigentlichen Verhältnisse wiederspiegelt. Tja, und wie wenige (leider) die große Liebe erfahren - das kommt damit by the way ebenfalls zu Tage.
Ein Vorurteil muß ich neuerdings über den Haufen werfen - dank Hannah und Shane (s.u.). Ich dachte, eine Liebesgeschichte, die im Internet beginnt, kann nicht romantisch sein. Kann sie aber! Wenn man ihrer Geschichte Glauben schenken mag. Tja, und ist das nicht die ganze große, generelle Frage dieser Zeit? Wem oder was glaubt man? Es gibt eine Opposition, die Hannah und Shane für Fake halten, alles lediglich publicity um Geld für Behinderte zu sammeln. Was sagt das über einen selbst aus, welcher Gruppe man sich anschließt? Oder über unsere so verlogene wie körperkultige Zeit, dass ein solcher Verdacht überhaupt aufkommt? Zweifel, weil zu schön, um wahr zu sein?
Nehmen wir einfach mal an, dass die beiden tatsächlich verheiratet sind. Dann aber muss ich feststellen, dass die Vorurteile gegenüber Paaren mit Altersunterschied absolutely nothing sind im Vergleich zu dem, was sich Paare anhören müssen, wenn einer von beiden körperlich eingeschränkt ist. Und zwar von den gleichen Spakken mit verkrüppelten Herzen, die wir zu gut kennen, die selbst keinen blassen Schimmer haben von Miteinander, Intimität und Harmonie. Doch wertvoller als diese Randerscheinung finde ich, wie unerklärlich Gottes Wege und wie Maschentausendabertausendweit manche Seelen im Teppichtibet miteinander verwoben sind. Immerhin so viel Gewissheit kann ich euch mitgeben: bei meiner eigenen Geschichte bin ich mir ganz sicher! Und bei Mozarts Pamina und Tamino sowieso!
Ein gelungenes Zusammenspiel verschiedener Texturen und Aromen ist dieser Teller, den ich euch heute vorschlage. Hauptakteur ist ganz klar der Tofu, der einen erstklassigen Gewürz-Rundumschlag hinlegt: von süß-salzig-unami-scharf-cremig... alles dabei. Gut, viel hilft auch viel - und mit Hoisin-Sauce sollte man wohl an alles Geschmack bekommen (gibt es die in D eigentlich in Bio?). Mein heimlicher Star aber war der Reis, in den ich mich hätte reinlegen können. Der war einfach köstlich dazu. Überhaupt, was soll ich sagen, wir haben diese Portion, die eigentlich drei Personen satt machen sollte, fast zu zweit geschafft. Vor allem dank meinem Engagement ;)
Zutaten 3P*:
400g Tofu 2-3 EL Maisstärke 1 1/2 TL 5 Spices (5 parfumes) Sonnenblumenöl 1 rote Zwiebel 1 Stück Ingwer (ca. 2cm) 2 Knofi 1 Chili (m: Harissa)* 3 TL Sesam 1 EL Soja-Sauce 2 EL Hoisin-Sauce 2 EL Ahornsirup 1 EL Tahini
150g Reis 125 ml Kokosmilch 125ml Gemüsebrühe (evt. plus) 50g Kokos-Raspel 2 Kardamom-Kapseln 1 Lorbeerblatt Salz, Pfeffer Kokos-Öl
1 Pak Choi (ca. 500g) 2 Karotten 2 Knoblauchzehen 2 EL Tamari 2 EL Gemüsebrühe Piment d'Espelette Olivenöl
Zubereitung:
Den Tofu aus der Packung nehmen, in Küchenpapier wickeln und pressen (beschweren), damit etwas Feuchigkeit verloren geht und der Tofu fester wird (m: ca. halbe Stunde).
Parallel den Reis aufsetzen. Den Kardamom andrücken und zusammen mit dem Lorbeerblatt in Kokosfett anrösten. Reis zugeben und ebenfalls kurz mitbraten. Dann Kokos-Raspeln, Brühe und Kokosmilch zufügen und bei kleiner Hitze und zugedeckt garen. Immer wieder umrühren und aufpassen, dass nichts am Topfboden anhängt. Gegebenenfalls noch etwas Brühe zufügen. Gewürze entfernen, salzen, peffern.
Den Pak Choi waschen. Die Stiele und die Blätter getrennt in Streifen schneiden. Die Karotten bürsten, halbieren und schräg in Scheiben schneiden. Den Knofi fein hacken. In einer großen Pfanne den Knoblauch in heißem Öl anbraten, die Karotten zugeben sowie die Pak Choi-Stiele. Kurz mitschwenken, dann Tamari und Brühe anschütten und bei kleiner Hitze und geschlossenem Deckel etwa 10 min garen. Kurz vor Ende das in Streifen geschnittene Grün ebenfalls weich garen. Nochmals abschmecken.
In einer Schüssel Stärke mit dem 5Spices mischen. Den Tofu in kleine Stücke brechen und darin gut wenden. In einem Wok (oder ähnlichen Pfanne) das Öl erhitzen und den Tofu darin knusprig braten. Währenddessen die Zwiebel in grobe Würfel schneiden, den Knofi sowie den Ingwer feinst hacken. Die Chili ebenfalls klein schneiden (m: Harissa verwendet, weil ich so die Schärfe für uns besser dosieren kann - je nach Chili-Sorte wird es mir sonst schnell zu scharf). Wenn der Tofu knusprig ist, Zwiebeln, Ingwer, Chili und Knofi sowie den Sesam zufügen und ebenfalls etwas mitrösten. Zuletzt die Zutaten in den restlichen Gewürze - Soja, Hoisin, Ahornsirup - schwenken. Als letzten Schliff die Tahini in die Pfanne schmelzen und alles ein wenig cremiger machen lassen.
Zusammen mit dem Kokos-Reis und dem Gemüse servieren.
Anmerkung m: Ich kann hier den Tofu nur in 200g Packungen kaufen - das war mir für dieses Gericht, in dem der Tofu die Hauptrolle spielt, für uns zwei an Menge zu wenig. 400g für 2 Personen sind wiederum recht viel, vorallem in Kombi mit Reis und Gemüse. Die Rezept-Menge sollte also gut für 3 Personen reichen
Ganz Service-Blog verlinke ich euch noch die documentary über Shane, dank der Hannah auf Shane aufmerksam wurde (wie sie hier erzählt) und dann noch auf den Youtube-Chanel der beiden mit der *How we met*-Episode. Doch bedeutend schöner als Kriegsberichtserstattungen, oder?