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Mumi - gegarte Gewürz-Rote Bete

Sonntag, 23. April 2023


Wer schon länger mitliest, weiß, dass hier gerne Esoterik-Bashing betreiben wird. Selbsternannte Propehten, die glauben, sie können es besser wie die alten Weltreligionen, werden von mir nicht durchgewunken. Und: ich kann Dilletantimus einfach nicht ausstehen!

Für mich ist Esoterik wie eine Patch-Work-Decke, die aus unterschiedlichen, bunten Stückchen zusammengeklöppelt ist. Jedes einzeln für sich sich betrachtet mag wohl manchmal noch ganz hübsch anzusehen sein, aber mit etwas Abstand zeigt sich schnell, dass der Teppich keine geraden Begrenzungen hat, unterschiedlich dick ist, die Einzelteile sich nicht ineinander fügen - ja, dass ein durchgehender Gedanke fehlt, der ihm zugrunde liegt. Ein fliegender Teppich für Irrlichter. Oder gestückelte Willkür. Von zusammengesetzten Fetzchen kommt man niemals nie aufs große Ganze. Da mögen einzelne Details noch so hübsch sein.

Oder wie das gezeichnete Nashorn von Albrecht Dürer. Dafür, dass Dürer noch nie ein Nashorn gesehen hat und es nur nach beschreibenden Erzählungen angefertigte, ist es wirklich nicht schlecht geworden. Man sieht zumindest sofort: er meint Nashorn. Wäre die Esoterik mit ihren Theorien so dicht dran, hätte keiner was dagegen.

Mein liebster Vergleich für Esoterik war ja seither das Handpan. Kennt ihr bestimmt, diese metallene Schale mit Vertiefungen. Der nächste Schritt nach Klangschalen aber Äonen davon entfernt ein Instrument zu spielen. Mit kreisenden Bewegungen trommelt man mit den Fingern auf die Schale ein und erzeugt dabei Töne. Irgendwelche Töne. Es kommt mehr auf eine Stimmung an als auf eine Melodie. Sphärisch, nich, das ist das Stichwort. Wir haben im Nachbarort auch einen, der gerne Konzerte mit einem Handpan bestreitet. Wir nennen ihn Siddharta. Natürlich gehört einiges an Deko dazu: bißchen fernöstliche Klamotte, längere Haare, ein Bart, eine wuchtige Kette - die erste Assoziation außerhalb von Fasching sollte schon direkt *Guru* sein. Im Schneidersitz liegt die Schale auf den Beinen, die Augen sind nach innen gekehrt, oder halt einfach geschlossen (oder noch einfacher: halt bekifft) und dann wird sich ganz der Athmo hingegeben. 

Und dann habe ich Mumi entdeckt (für euch unten eingestellt). Ich gehe ja sowas von mit dem ersten Kommentar: *This is honestly the first time I hear someone play a recognizable melody on a handpan.* Tsss, Sachen gibts, oder? Echt niemals nie hätte ich für möglich gehalten, dass man mit einer Handpan richtige Lieder spielen kann! Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Mumi baut die Handpans sogar selbst. Tja, mit einem Schlag dreht sich meine Handpan vom Saulus zum Paulus. Anstelle für die Esoterik dient sich als viel besseres Beispiel für meine verehrte Homöopathie. Es liegt nicht am Instrument, es liegt am Spieler. Was kann das Instrument dafür, dass es kaum jemand richtig bedienen kann? Immer schön, wenn man an sich selbst merkt, dass man Wirkung und Ursache verwechselt hat. Die kleinen Erleuchtungen im Alltag.



Für das heutige Gemüse bekommt die Rote Bete ordentlich Gewürze verpasst. Rote Bete und ein beherzter Griff ins Gewürzregal verstehen sich sehr gut. Ich habe aus dem vegetarischen Original-Rezept eine vegane Variante gemacht - aber beides gut.

Auf dem Teller ebenfalls noch zu sehen: fermentierter Kohlrabi, eingelegter Kürbis, schnell gegarter Mangold mit Tamari und ein Keeper in diesem Haushalt: die Buchweizen-Galettes. Was soll ich sagen: ich mag mein Essen. Wäre auch schlimm, wenn's anders wäre...

 

Rote Bete-Gemüse - 2P:

400g rote Bete
1 Zwiebel
1 TL Salz
1 Apfel
150g Sauerkraut (optional)
1 TL frisch gemahlene Gewürze (wie Nelke, Piment, Anis, Koriander, Senf, Ingwer)
100g Schmand (m: Kokoscrème)
1 EL Reisvollkornmehl
2 EL Butter (m: weggelassen)
Kräutersalz

 

Zubereitung:

Rote Bete würfeln oder stiften in 150ml Salzwasser ca. 15min kochen 

Apfel in kleine Würfel schneiden, kurz vor Garende zu Rote Bete geben (dann auch das Sauerkraut, das ich wie Inés rausgekürzt habe)

Gewürze, Schmand (oder Kokoscrème) und Reismehl zufügen. Mit Geschmack von Butter (oder Kokosfett) und Kräutersalz abschmecken (oder schöner: abrunden, wie es im Original heißt - das übernehme ich für zukünftige Beschreibungen).

via Kaltmamsell

 

Orchideen: salade aux fenouils, anis et pamplemousse

Dienstag, 14. März 2023

 

Früher - mindestens schon eine Dekade her - stellten Orchideen für mich der Inbegriff des Spießbürgertums dar. Da blüht diese zierlich verästelte, zarte Pflanze mit fast schon unnatürlicher Schönheit in den Fenstern zur Straßenseite und dahinter, hinter Blume und dem drappierten Vorhang-Gazé tobt Krieg: Ehepaare, die sich gegenseitig zu leid leben, Eltern, die ihren Kindern das Leben zu Hölle machen und Geschwister, die in Hauen und Stechen verstrickt sind. Aber das ist egal, wichtig ist der schöne Schein, versteckt hinter einer feengleichen, exotischen Plfanze.

Der angepasste Bürger, dem das Ansehen der Gesellschaft so wichtig ist, dass er dafür bereit ist, alle Energie für den äußeren Anstrich aufzuwenden, wird im Zuge dessen bei größtmöglicher verblendeter Selbstgerechtigkeit seine Innerlichkeit ebenso einbüßen wie einen gesunden Selbstbezug. Beeindruckend beschrieben von Leo Tolstoi in *Der Tod des Iwan Iljitsch*, ein Buch, das bei der Zusammenstellung II *Bücher meines Lebens* bestimmt nicht fehlen wird.

Für mich war das damals ein wesentlicher Gründe, warum ich mich so jung habe tätowieren lassen. Tattoos eigneten sich wunderbar als Rebellion gegen dieses verlogene Fassadentum. Ich dachte mir, wer sich an der angemalten Haut stört, weil seine Beurteilungskriterien derart oberflächlich sind und er nicht bereit ist, etwas genauer zu schauen, der sortiert sich doch dann idealerweise von alleine aus. So jemand brauche ich nicht in meinem Umfeld. Jugend halt. Alles mit großen Ausrufezeichen versehen, alles Statement! Und weil ich mich in der Künstlerwelt bewegte, begegneten mir zu meinem Erstaunen kaum Resentiments: den Künstlern billigt der Spießer mehr Freiheiten zu.

In der Jugend kann man sich schwer vorstellen, dass sich Dinge ändern, dass die Zeit weiterzieht und vergeht und mit ihr die ein oder andere Einstellung. Keiner konnte ahnen, dass sich die Haltung zu Tattoos derart drehen würde. Mittlerweile sind bald mehr Menschen tatöwiert wie nicht. Und die Tattoo-Fans leben heute genau das, was meinen Widerwillen einst erweckt hatte: die dekorierte Äußerlichkeit bzw. die Huldigung des Körpers.

Tja und etwas anderes hat sich ebenfalls gedreht: ich mag die Orchidee. Hier im ländlichen Frankreich sieht man die Blume seltener als Fensterschmuck und der Habib und ich wohnen eher ohne Zimmerpflanzen. Die machen mit großem Garten keinen wirklichen Sinn. Stattdessen gehört meine eigentliche Leidenschaft den heimischen Wildorchideen. Die sind weniger üppig wie ihre tropische Verwandtschaft aber bei genauerer Betrachtung nicht minder schön. Ein bißchen nerdig finde ich mein Hobby schon, oder? Aber meine Begeisterung hängt ganz entschieden mit der Drôme zusammen. Hier ist die Flora Obelix-gleich in den großen Orchideen-Topf gefallen. Felderweise stehen sie dicht an dicht und färben ganze Wiesen mit ihren Farben. Man muss schon sehr dump sein, um sich nicht an dieser Wildblume erfreuen zu können. Mehrfach habe ich euch an meiner Passion hier schon teilhaben lassen. Auf unserer Homepage *Sonne und Lavendel* erhielten sie eine eigene Seite.

Mit dem Riesenknabenkraut, auch Roberts Mastorchis genannt (oder...) beginnt jeden Frühling aufs Neude die Wildorchideen-Saison und meine Vorfreude auf ihr Blühen. Jedes Jahr aufs Neue bin ich gespannt, ob ich eine *neue Orchidee* erbeuten kann und habe die Hoffnung auf einen Frauenschuh seither noch nicht aufgegeben.

 


Am Ändern ist sich außerdem meine Haltung zu Pampelmoussen. Diese Frucht hat der liebe Gott nicht für mich erfunden. Ich laufe an ihnen vorbei, ohne sie zu bemerken. Ich übersehe sie, sie fallen mir einfach nie auf zwischen Orangen, Mandarinen und Zitronen. Es bedarf dann schon einer weiteren Inspiration von *les petits fournaux* um hier das welterste Rezept mit Pampelmousen vorzustellen. Ich mochte die Kombi von Fenchel, Anis und Pampelmusen sehr, ja, es war als würde ich damit ein kleines unbekanntes Geschmacks-Universum entdecken, eines, das sich lange vor mir versteckt hielt.


Salat 2P:

1 Fenchel (ca. 200g)
1 Pampelmuse
1 TL Anis
2 EL Olivenöl
1 EL Walnussöl
2 TL Ahorn-Sirup
1/2 TL Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer
1 Avocado
optional: einige Wildkräuter (zur Dekoration)

Zubereitung:

Fenchel rüsten, halbieren, vom Kern befreien und in feine Streifen hobeln.

Die Pampelmuse schalen und filitieren - dabei den Saft über einer Schüssel auffangen und den restlichen Saft in eben diese Schüssel pressen.

Das Olivenöl erhitzen und den Anis darin kurz rösten, bis er beginnt zu duften, dann den gehobelten Fenchel darin kurz wenden, dabei mit Piment würzen, salzen und pfeffern.

Den Fenchel in den Zitrus-Saft geben, mit den Früchten mischen und mit Ahorn-Sirup abschmecken. Etwas abkühlen lassen, dann das Nuss-Öl zufügen. Kurz vor dem Servieren die klein geschnittene Avocado sowie mit den Wildkräutern dekorieren. Idealerweise mariniert der Salat mindestens eine halbe Stunde.

Anmerkung m: Original war der Salat ohne Avocado - schlichter ist auch lecker


 

Prima Gelegenheit, mal wieder Pamplamoose einzuspielen, die ich euch schon 2x angeprießen habe - und zwar hier zum Szegediner Grünkern-Gulasch und zum Schokoladenkuchen mit Maronen und Haselnüssen - weil der Spaß am Musikmachen so herrlich rüberkommt und das eine sehr smoothe Covernummer von Red Hot Chili Peppers ist...


gut-achten: Cavatelli mit Fenchel, Tomatensugo und Pastis

Freitag, 11. Dezember 2020


Statistiken und Gutachten wollen festgestellt haben, dass sich die Mehrheit von uns im AZ mehr und mehr frustriert, antriebslos, gereizt, deprimiert und bleiern fühlt und dabei vereinsamt, verfettet und verarmt. Erschwerend komme die Dunkelheit und die Kälte hinzu, sowie die wiederholten Einschränkungen und das nicht absehbare Ende.

Kann das die Möglichkeit sein? Und das soll man jetzt glauben? Also bitte, man  kann sich ja nun alles einreden lassen - es muss nur oft genug wiederholt werden... Tsss, selbst in den Medien allerortens ähnliches. Die Zeit etwa tut mit ihren *Kopf hoch*-Seiten so, als würde die Welt aus lauter Hängeohrhasen bestehen, die ohne Nackenstütze mit dem Kinn auf der Brust hängen. Die Damen und Herren Journalisten hantieren anscheinend zu viel mit warmen Waschlappen. Also man kanns auch übertreiben! Zumal Kultur und Tradition eh überbewertet sind - wir leben schließlich in einem neuen Jahrtausend! Leute, als würden wir uns so leicht runterziehen lassen, oder?!

Hier darf nun wirklich (dringend) - und das erwarte ich von meiner Leserschaft auch - mal ein Funken Rebellion aufblitzen! Hey, mal mit eigener Haltung dagegen halten! Eigeninitiative ist gefragt - und nicht immer erwarten, dass das Gute von alleine vom Himmel fällt. Eigenes Köpfchen anschalten! Und nicht auf verweichlichtes Akademiker-Kind machen! Pandemie hin, Pandemie her - wie sagte der bayrische Großvater einer Freundin von mir: *Im Krieg is mehr hi ganga!*

Eben. Dabei liegen die einfachen Antworten ja so nahe. Für all jene die im Frühjahr bereits genug Möbel gerückt haben, schlage ich vor: kocht euch was schönes! HAHH - wenn das mal nicht DIE Lösung für alles ist. Und zwar exakt in dem Moment, in dem nur noch der Lebensmittelhandel offen hat?! Kinners, man muss auch mal zur richtigen Zeit mit dem thematisch richtigen Blog am Start sein, oder?! Bitte - sowas von gerne!

Wer jetzt befürchtet, 2021 direkt mit Extrakilos zu starten, den darf ich darauf hinweisen, dass ja für alle Überlebenden weiterhin Abstand halten angesagt sein wird. Soll heißen: man wird ja wohl noch eine Weile gut zwei Stühle in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Kinos, in Veranstalltungshallen uswusf. zur Verfügung haben für die gewonnene Zusatzbreite (#lifehack). Oder wie schrieb mir eine liebe Blogleserin in einer Doppeldeutigkeit, die man erst mit der Testgenauigkeit von 2020 richtig versteht: immer schön negativ bleiben! Nie war Satire einfacher...



Wer bis heute noch keine frische Pasta zubereitet hat, dem ist von mir quasi kurz vor knapp noch zu helfen. Dafür braucht es nicht zwingend das Maschinchen, das ich zur Verfügung habe. Die Cavatelli lassen sich prima durch  Orcchiette ersetzen und den Bogen hat man im Nu raus, wie die kleinen Öhrchen von Hand zu formen sind! Wer weiß, vielleicht stellen sich dabei sogar die eigenen Ohren wieder steif nach oben auf. Also ich könnte mir das vorstellen, denn mit frischer Pasta ist erstaunlich viel zu bewirken - lasst euch das von jemanden mit Erfahrung gesagt sein...


Zutaten 2P:

100g Hartweizenmehl
70g Dinkel
90ml Wasser
 
1 Fenchel
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 TL Fenchelsaat, geschrotet
1/2 TL Anis, geschrotet
500g Tomanten-Sugo*
Pastis
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
Harissa
1 EL Crème fraîche (od. vegane Variante)
 Olivenöl

Zubereitung:

Für die Pasta das Mehl in eine Schüssel geben. Eine Mulde in die Mitte machen und das Wasser angießen.  Langsam Mehl und Wasser vermischen, und den Teig gut kneten: er soll nicht kleben und schön elastisch sein. Wenn nötig, nach etwas mehr Wasser einarbeiten. Den Teig in Frischhaltefolie wickeln und bei Zimmertemperatur mindestens eine halbe Stunde ruhen lassen (m: meinen Teig im Kühlschrank 2 Stunden ruhen lassen).

Dann die Pasta zu Teigsträngen von ca. 1,5cm Durchmesser rollen und durch die Demetra-Walze kurbeln. Auf einem sauberen Küchenhandtuch auslegen.

Zwiebel vierteln und in feine Streifen schneiden. Fenchel gegebenenfalls von äußeren holzigen Stellen befreien (wenn überhaupt nötig, reicht normal ein Sparschäler) vierteln, Strunk entfernen und in feine Streifen schneiden. Knoblauch fein hacken.

Die Zwiebel in Olivenöl glasig dünsten. Fenchel zufügen und weitere 5min braten. Dann geschrotete Fenchelsaat und Anis kurz mitrösten und mit einem guten Schluck Pastis ablöschen. Würzen mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker. Tomatensugo unterrühren, Deckel auflegen und bei sanfter Hitze etwa 15 Minuten köcheln lassen. Mit Harissa abschmecken und einen Löffel Crème unterziehen. 

Die Nudeln in reichlich Salzwasser al dente garen, abschütten und unter das Sugo mischen. Wer mag serviert die Pasta mit frisch geriebenem Parmesan. 


leichtes Warm up: Spekulatius-Buttermilch-Gugelhupf

Sonntag, 20. November 2016

Noch bin ich nicht in Adventsstimmung. Wie auch? Bei uns herrschen nahezu frühlingshafte Temperaturen. Im T-Shirt haben wir vorgestern Bäume geschnitten (ja, ist recht früh - aber was gemacht ist, ist gemacht) Zweige gehäckselt und Holz gestapelt. Prompt meinte tagsdrauf die Bäckerin beim Croissantkauf, ich wäre so braun gebrannt. Klassischer Fall von Bauarbeiter-Bräune: T-Shirt ausgezogen, sieht das nicht nach Strandurlaub aus...

Richtig in Stimmung brachten mich hingegen die Jungs von Metallica, deren Mucke neuerdings Kindergarten tauglich ist (naja lyrics fast). Aber früh übt sich, wer Metaller werden will! Was waren sie alle entsetzt, als sich der James damals die Haare abschnitt, erinnert ihr euch? Überraschend, dass er mit dem Job scheinbar lässig altert. Wie der Anthony, oder? Wobei der Anthony sich jetzt sogar den Schnauzer färbt - was wiederum einigermaßen albern ist. Also eitle Männer - das geht gar nich...

Ich bin ja großer Fan davon, mit Kinder zu singen. Viel zu singen. Wenn ich Gelegenheit finde, lasse ich sie nicht aus. Das wußte auch das Kind einer Kommilitonin - sooft es seine Mutter ins Atelier begleiten durfte, nahm es das Kinderliederbuch mit. Oskar wußte, ich würde begeistert mit ihm singen. Ihr erinnert euch an meinen Feenwunsch? Und nach wie vor gilt: als Ferienkind kann man sich bei uns ein Mal am Tag ein Eis ersingen. Singende Kinder sind doch heile Welt pur, oder? Ab und an brauche ich das.

Zusätzlicher musikalischer Sonnenschein, weils einfach so gut funktioniert - tanzen dazu auch. Schönen Sonntag euch...
Zutaten - 1 Gugelhupfform:

220g Butter, weich
250g Mehl (m: Dinkel 630, gesiebt)
50g gemahlene Mandeln
50g gehackte, geröstete Mandeln
190g Rohrzucker
100ml Buttermilch
4 Eier, Zimmertemperatur
1/2 Päckchen Back-Pulver
1,5 TL Spekulatius-Gewürz*
1/2 Orange, Abrieb davon
1 Pr Salz

Spekulatius-Gewürz:
2 Teile Zimt (frisch gerieben)
2 Teile Nelke, gemahlen
2 Teile Kardamom (Kapseln)
2 Teile Macis-Blüte (ganz)
1 Teile Piment  (ganz)
1 Teil Anis (ganz)
1 Teil Ingwer, gemahlen

In einem Mörser mit einem Eßlöffel des Zuckers von Gesamtzuckermenge fein zerstoßen und zerreiben - ich mischte eine Menge von etwa 2 TL für den Kuchen

Zubereitung:

Eine Gugelhupfform buttern und mit Mehl bestäuben. 

Ofen auf 170° (Umluft) vorheizen.

Die gehackten Mandeln mit 2 EL von der Gesamtzuckermenge in einer Pfanne karamellisieren lassen und zur Seite stellen.

Die weiche Butter mit dem Restzucker (also -1EL Gewürzzucker, -2 EL Mandelzucker) schaumig schlagen. Die Eier nach einander unterrühren. Ebenfalls die Gewürze, die Prise Salz und die Orangenschalen. Mehl mit Backpulver mischen. Abwechselnd Buttermilch und Mehl in die Teig rühren. Zuletzt die Mandeln untermischen.

Den Teig in die Form füllen und den Kuchen ca. 50-60min (m: ca. 52min) backen. Stäbchenprobe. 15min in der Form abkühlen lassen, dann auf ein Kuchengitter stürzen. Mit Puderzucker bestäuben.
Inspiration: La petite cuisine


Es ist ja nicht so, dass ich nicht noch andere Ideen in petto hätte - aus dem Fundus habe ich euch Lieblinge zusammen gekruschtelt. Im Zweifelsfall einfach zusätzlich *einschlägige Gewürze* in den Teig unterjubeln. Die Linzer backe ich - natürlich - auch wieder... MUSS. Und den Rotweinkuchen backe ich mitlerweile ohne Cranberries, nachdem ich irgendwo aufgeschnappt habe, wie die in die Tüten wackeln (schlimm) . Ich ersetze sie einfach durch mehr gehackte Schocki.


http://salzkorn.blogspot.fr/2011/12/einweihung-zum-4advent.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2013/04/gezierter-gewurzkuchen-mit-kakao.htmlhttp://salzkorn.blogspot.fr/2013/04/irgendwie-80er-gepimter-evergreen.html
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Zwiegespalten: Orangen-Olivenöl-Kekse mit Anis

Dienstag, 10. Februar 2015

Mit großer Spannung wartete ich auf mein Rezensionsexemplar *Immer schon vegan* von Katharina Seiser. Für die Buchidee, eine Sammlung veganer Rezepte ohne jede artifiziellen Ersatzprodukte, erhält sie von mir vorneweg eine 1 mit Sternchen. Für mich ein Buchkonzept absolut am Puls der Zeit - meinen Nerv hätte sie nicht mittiger treffen können. Nicht von ungefähr schließe ich mich ihrem Vorwort in vollem Umfang an. Schön ist es mit seinem Einband aus Leinen in Händen zu halten. 

Zugegebenermaßen war die Erwartungshaltung immens… ein Tatbestand, der in den seltensten Fällen gut geht. Andersrum hingegen funktioniert komischerweise öfters. Mein erster Eindruck, als ich das Buch vorfreudig durchblätterte, war also Ernüchterung - leider. 
Und der erste Eindruck macht nun mal die Optik, sprich die Fotos. Das ist die unscheinbare Moni an der Bushaltestelle auf dem Weg zur Arbeit in zartem Pastell mit blassem Teint. Und sofort beschleicht einen das gerne gezückte Vorurteil, ob vegane Küche nicht doch ein wenig fad und geschmacksneutral daher kommt. Wobei ich fast noch schwanke, ob mir so viel Purismus nicht Respekt abnötigt, in Zeiten, in denen Foodblogs lieber ihren üppigen Dekofundus in Szene setzen, um völlig vom Inhalt des Tellers abzulenken. Aber SO matt und kraftlos inszeniert...?! Hingegen die Kollagen, die Kathas Hände bei der Zubereitung zeigen, gefallen mir gut. Hätte man diese Idee doch nur ausgebaut, gerne mit mehr von Katha im Bild.

Ästhetik ist Geschmacksache, nur bei einem Kochbuch für mich der maßgebliche Anreiz nachzukochen. An der Qualität von Kathas Rezepten bin ich dennoch nicht ins Zweifeln geraten – dafür schätze ich ihre bisherige Arbeit zu sehr, als dass ich mich hätte beirren lassen. Die Gliederung in vier Jahreszeiten samt der fünften Jederzeit, der beiliegende Saisonkalender, sowie die Einführung sind durchdacht und liebevoll gestaltet. Und nach vier nachgekochten Rezepten hält der Praxistest, was ich mir von Kathas Kochbuch erhoffte: gelingsichere, köstliche Rezepte. Angefangen habe ich mit meinen ersten veganen Keksen (Fazit der Rezension, wie hier, erhaltet ihr nach diesen vier Gerichten).

Beim Runterrechnen des Rezeptes habe ich wohl nicht die ideale Teigkonsistenz getroffen. Der Teig zeigte sich wiederholt faserig als ich ihn in Stränge rollte – das ging mir etwas auf den Keks (Achtung: Wortwitz). Aus dem Ofen holte ich aber dann einen der knusprigsten ihrer Art heraus. Verblüffenderweise verliert sich die Knusprigkeit auch in den kommenden Tagen nicht. Geschmacklich konnten sie obendrein überzeugen, bref: ich kann sie euch sehr empfehlen.
Zutaten - 3 Bleche:*

1 Zitrone
2-3 Orangen
200g Zucker (m: Vollrohrzucker)
250ml Olivenöl (mild, fruchtig)
800g Weizenmehl (W550)
1 geh. TL Anis
gut 1/2 TL Salz
1 TL Backpulver
1/2 TL Natron (Soda)

optional: Sesam zum Bestreuen

Zubereitung:

Von Zitrone und Orange die Schalen abreiben und diese mit dem Zucker von Hand (knetend) vermengen, bis der Zucker feucht und gelb ist. Das Olivenöl mit dem Handrührer (Katha nimmt den Rührer und nicht den Kneter) einarbeiten - Zucker löst sich dabei nicht völlig auf.

Orangen und Zitrone auspressen: es werden 200ml Orangensaft und 50ml Zitronensaft benötigt. Mehl mit Anis, Salz, und Backpulver mit Hilfe einer Gabel mischen.

In eine etwas größere Schüssel den Zitrussaft mit dem Natron mischen und vorsichtig umrühren - schäumt stark. Schüsselinhalt mit Olivenöl-Zuckermischung verrühren. Nun das Mehl unterkneten und solange arbeiten, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst, eventuell noch etwas Mehl zufügen. Der Teig soll weich und geschmeidig sein, aber nicht an den Händen kleben.

Ofen auf 175° vorheizen.

Auf einer Arbeisfläche ohne Mehl (Teig ist ölig, er klebt nicht) haselnussgroße oder etwas größere Stücke vom Teig abnehmen (etwa mit einer Teigkarte) und zu Rollen von 1/2 - 1cm Durchmesser und je nach Form von etwa 10cm Länge: zu Schnecken, Ringen oder Zöpfen formen und nach Wunsch die Oberseite in etwas Sesam drücken.

Mit wenig Abstand auf ein Blech mit Backpapier legen und je nach Größe und Dicke 25-30min hellbraun backen (die Unter- und Oberseite sollen Farbe angenommen haben). Auf einem Gitter komplett auskühlen lassen.

*Anmerkung m: Nur ein Blech, also ein Drittel der Menge, zubereitet. Die Variante mit Anis gewählt. Kathas erster Vorschlag ist 1 geh TL Zimt und 1/2 TL gemahlene Nelke.

Quelle: Immer schon vegan - Katharina Seiser, mit Dank an den Brandstätter-Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar zu Verfügung stellte.