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Angeknabbert: Nordische Saaten-Cracker

Dienstag, 14. Januar 2020


*Sind Sie generell ein nervöser Charakter*, fragte mich Mme Docteur. *Jein*, zuckte ich die Schultern und mit Blick auf den Habib, *was den Habib betrifft: ja.* Meine größte Angst ist es, den Habib zu verlieren. Als Paar mit Altersunterschied schwebt von Anfang an die Zeit als drohendes Damokles-Schwert über uns - es scheint eine einfache Milchmädchen-Rechnung, weil das Leben genau so und gleichzeitig völlig anders funktioniert.

Doch Hand aufs Herz, ich gehöre wohl schon Team Rerun an. Kennt ihr den kleinen Bruder von Linus unterwegs auf dem Rücksitz des Fahrrads seiner Mutter: *ich kann es nicht leiden, wenn ich die Welt durch meine Finger angucken muss!* Kein Easy Rider, der Rerun. So wie ich. Naheliegend also, dass für mich die höchste und schwierigste aller zu erreichenden menschlichen Qualitäten, meine anvisierte Königsdiziplin die Gelassenheit ist. 

Und mit Gelassenheit meine ich das glatte Gegenteil von einem nebulösen *Wird schon werden* oder einem illusionär-verwobenem Optimismus. Nein, ich meine es genau so wie Jean Paul: *Mut besteht nicht darin, dass man die Gefahr blind übersieht sondern sehend überwindet.* Nicht von ungefähr haben Mut und Demut einen gemeinsamen Wortstamm. Denn für Demut - sich dem Leben passiv anzuvertrauen - braucht es den gleichen Mut, wie sich dem Leben aktiv zu stellen.

Je klarer, je nüchterner, je bewußter man versucht, seinen Geist zu trimmen - frei von Verblendung, Wunschdenken oder Rausch - umso weniger lässt sich verdrängen, wie fragil alles ist, wie sehr dem Wandel unterworfen, wie totsicher endlich. Und je mehr ich mir Gelassenheit wünsche und danach zu greifen hoffe, umso mehr scheint sie sich von mir zu entfernen. Sich locker machen auf taumelndem Grund = f wie fortgeschritten...

Bei generell nervösen Typen hat die fehlende innere Ruhe weniger mit der momentanten Lebenssituation zu tun. Stimmt etwas nicht, dann macht mir genau dieser Umstand Kummer, ist hingegen alles in Ordnung, dann macht mir alleine die Vorstellung einer möglichen, bedrohlichen Veränderung Sorgen. Bref: gelassen oder nicht gelassen zu sein ist eine Meisterschaft. Oder eine verinnerlichte Logik: *Wenn ein Problem gelöst werden kann, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Wenn nicht sind Sorgen sinnlos.* (Dalai Lama) - was stark an das altbekannte Gelassenheitsgebet erinnert.

Wie immer, wenn es um Qualität geht, dann sind die Übergänge fließend und eine Qualität lässt sich von der anderen nicht so leicht abgrenzen. Das heißt in diesem Fall: wo keine Gelassenheit da kein Urvertrauen und wo kein Urvertrauen wenig Mut, Risikobereitschaft und Tatkraft. Man darf sich bei einem nicht gelassenen Menschen also einen permanent (dezent) verspannten, nervösen, besorgten Menschen vorstellen.

Man sagt, das Mütterliche steht stellvertretend für eine gewisse Lebenstüchtigkeit, während das väterliche Prinzip Urvertrauen vermittelt. Jetzt könnte ich heulen wie ein Wolf bei Vollmond, dass mir in der Hinsicht schließlich wenig in die Wiege gelegt wurde. Doch das ist nie mein Ansatz gewesen. Ganz im Sinne der Bibel *Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der eignet sich nicht für das Reich Gottes* (Lukas 9,62). Oder eben ganz mit Goethe: *Was du von deinen Eltern erbst, erwirb es, um es zu besitzen.* Selbstschulung ist also einsame Erwachsenenbildung, bei der man sich an der eigenen Nase zu fassen und an den eigenen Haaren rauszuziehen hat (ein Dauerthema von mir).

Mit den Jahren habe ich einige tief beeindruckende und höchstpersönliche Erlebnisse, die mir gezeigt haben, dass ich gut geführt werde, dass eine wohlmeinende Kraft mir Schutz gewährt. Nie würde ich die der Öffentlichkeit preis geben (ihr erinnert euch: ich bin intimitätskleinlich). Und trotzdem scheint alte Muster durchbrechen zu wollen einer Sisiphos-Aufgabe gleichzukommen. Meine Neigung zur Nervosität habe ich noch lange nicht abgelegt.

Was mir enorm hilft - um zum Praxisteil zu kommen -, ist ein Konglumerat aus vielem wie etwa meine harmonische Beziehung, viel Natur um mich, freigestellt zu sein von allzuviel Pflicht inklusive dem festen Willen, mich ändern zu wollen. Wunder wirken für mich Mandra-mäßig Sätze zu wiederholen, wie um dem Inneren vorzubeten, woran es sich zu orientieren hat, wenn es in sich holpert. Eine Wohltat für den Geist. Das ist bien sûr eine ganz und gar individuelle Geschichte, welchen Anker man wie setzt. Ich liebe das Teresa von Avila-Zitat sehr. Oder das 7. Kapitel aus dem West-östlichen Divan von Goethe. Oder aber ich lese wieder und wieder das Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, wenn es in mir besonders stürmt und braust.

Aber ja, *erst muss man Gott irgendwo finden* (Rilke - samt lesenswerter Artikel im Dlf) und dabei kann niemand niemandem helfen... Schon gar nicht, wenn man seine eigenen Entdeckungen anstellen, seinen Geist eigenständige Erfahrungen machen lassen will. Und sich dafür aufmacht auf den steinigem Weg, eingefleischte Mechanismen abzulegen - der Selbstbefreiung zuliebe (im übrigen ein Weg, der niemals die Marktstrasse der *käuflichen Spiritualität* = Esoterik kreuzen wird).


*Pour votre santé, évitez de grignoter entre les repas* (*Für die Gesundheit vermeiden sie zwischen den Mahlzeiten zu naschen*) empfiehlt das französische Gesundheitsministerium. 

Weder hat je zuviel Knabberei noch Grübelei gut getan. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und dann muss ja noch geklärt werden, was man so alles knabbern kann. Diese Cracker zählen eindeutig zu den hochwertigen Genüssen: gesund und - wie der Habib befand: lecker die Dinger! Mit einem Merci an Annette, die uns während letzter Feriengäste-Saison zuerst mit den Saaten-Crackern anfütterte und dann auch noch das Rezept rausrückte!


Zutaten - 2 Bleche:

trockene Mischung:
50g Kürbiskerne
50g Sonnenblumenkerne
75g Sesam
75g Leinsaat
25g Chia-Samen
16g Flohsamenschalen
3/4 TL Salz
1 TL Backpulver

nasse Mischung
350ml Wasser
50ml Öl (m: Sonnenblume)

Zubereitung:

Die größeren Samen etwas kleiner hacken. Dann sowohl die trockene Mischung miteinander vermengen sowie Öl und Wasser zusammengeben - schließlich diese beide Mischungen  gut mischend und eine halbe Stunde ruhen lassen, bis der Teig sich gut verbunden hat.

2 Backbleche richten. Den Teig halbieren. Die eine Hälfte auf ein Backpapier geben, ein zweites Backpapier drüber leben und den Teig zwischen den Papieren auf etwa die Größe des Backblechs dünn auswellen. Auf das Backblech setzen und das obere Papier abziehen. Mit der zweiten Teighälfte genauso verfahren.

Den Backofen auf 175° (Umluft) vorheizen.

Die Bleche in den Ofen schieben und für ca. 30-45min backen. Sollte der Teig nach einer halben Stunde noch nicht durchgebacken sein, die Platte drehen und nochmals ein paar Minuten weiterbacken (je nach Ofen) - Achtung: die Ränder des Teiges sind so dünn, dass sie schneller dunkel werden können - dann die Backbleche drehen.

Die Bleche aus dem Ofen nehmen, das Backpapier abziehen und auskühlen lassen. Nun die Saaten-Cracker in die gewünschte Größe brechen und in einer gut verschließbaren Dose aufbewahren.

Anmerkung m: ich habe das Rezept halbiert - wer mag, kann auch gleich wie im Original die doppelte Menge für 4 Bleche backen...

Quelle: hier


Ungestüm: Sonnenblumenbrot mit Chia und Bier

Mittwoch, 30. Mai 2018


Selten, dass das Wetter für Gärtner so ist, wie man es sich wünscht. Meistens gibt es ein Zuviel des einen und ein Zuwenig des anderen. Und die Dosen, beziehungsweise die Perioden stimmen auch nicht. Wenn ich gerade aus dem Fenster schaue, dannn müßte die Natur eigentlich Schmatz-Geräusche machen vor lauter Saftigkeit. So grün und fruchtbar habe ich die Frühlinge in Südfrankreich noch selten erlebt. Diese wunderbaren Gewitterschauer immer wieder.

Kennt ihr eigentlich die Sage von dem Bauern, der stets unzufrieden mit dem Wetter ist und von Gott den Wunsch gewährt bekommt, ein Jahr selbst das Wetter machen zu dürfen? Nun, die Geschichte ist schnell zusammengefaßt: in schönstem Reigen wechselt er Sonne und Regen ab. Doch als es ans Ernten und Dreschen der Ähren geht, mußt der Bauer feststellen, dass alle Ähren taub sind. Er hatte beim Wettermachen den Wind vergessen.

Ich kenne die Geschichte sogar noch ein wenig anders, nämlich dass den Halmen bereits der Halt und die Stärke fehlt und ein Regenschauer alle platt und leer zu Boden drückte. Aber egal, so oder so, den Wind als Teil eines notwendigen Klimas für die Erde hätten wohl die meisten vergessen. Mit ihm verbindet man eher unangenehme Dinge oder auch eine Kraft, die man nicht kontrollieren kann: *Wer Wind sät, erntet Sturm*. Verhältnisse, die sich drehen können, unerwartete Veränderungen, Gegenwind. Oder gar ganze Charaktere, Typ Luftikus, Windbeutel, Windhund, jemand, der *sein Fähnchen mit dem Wind dreht*. Aber auch in Geschwindigkeit steckt der Wind, ebenso wie in überwinden. Der Wind beeinflußt viel mehr, als uns bewußt ist - siehe nur allein diesen Berg an Redensarten zum Thema Wind - etwas, das ich mir sehr gerne genauer anschauen, findet man in ihnen wie in Märchen alte Volksweisheit.

Tja, und ich habe Wind bekommen, dass Dietmar ein schönes Brotrezept veröffentlicht hat, mit einer Brotzutat, von der ich so begeistert bin wie von Dietmars Broten: Chia-Samen. Ganz im Stiel der Marie Antoinette könnte ich zum heutigen Brot sagen, wenn ihr kein Wasser zum Brotbacken habt, dann nehmt doch Bier. In Gigors sitzt man gar für beides an der Quelle. Unser Leitungswasser wird von der Bergquelle gespeist und die Gemeinde beheimatet zudem eine junge Brauerei (von wegen, die trinken in Frankreich nur Wein): Les Trois Becs - benannt nach dem markanten Berg, der uns auf der Terrasse direkt gegenüber steht. Ein kühles Helles (in diesem Fall eher ein angewärmtes) habe ich mit in das Brot von Dietmar fließen lassen. Ein so saftiges Brot wie gerade unser Garten und ich weiß jetzt bereits, welches Rezept von Dietmar als nächstes auf meine To-Do-Liste wandert.


Zutaten - 2 kleinere Kastenformen à 20cm Länge:

Dinkel-Vorteig:
130g Dinkel-Vollkornmehl 
130g Wasser
1-2g Hefe
Hefe zuerst im Wasser auflösen und anschließend mit dem Mehl ordentlich verrühren. Zugedeckt 12 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen.
 
Roggen-Sauerteig:
65g Roggen-Vollkornmehl
50g Wasser
6g Roggen-ASG
Anstellgut im Wasser auflösen und anschließend mit dem Vollkornmehl ordentlich verrühren. Zugedeckt neben dem Poolish 12 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen.
Quellstück:
300g Bier, ca. 50° (m: Blonde des trois Becs)
50g Chia-Samen
50g Sonnenblumen
15g Leinsaat
15g Dinkelflocken
Alles gut verrühren und bis zur Weiterverarbeitung im Kühlschrank lagern. 

Brotteig:
Sauerteig
Vorteig
Quellstück 
190g Dinkelmehl 630
170g Roggenmehl 997
65g Einkorn-Vollkornmehl
14g Salz
3g Hefe
120ml Wasser (etwas Wasser zurückbehalten, denn die Wasseraufnahme kann durch das Quellstück oder der Mehle etwas unterschiedlich ausfallen)


Zubereitung:


Alle Zutaten vom Hauptteig 8 Minuten langsam kneten. Anschließend wird der Teig so lange am schnellen Gang geknetet bis sich dieser vollständig von der Kesselwand löst. 

Anschließend in einer geölten Wanne 60 Minuten reifen lassen (nach 30 Minuten einmal falten).

Danach wird der Teig in 4 gleich große Stücke geteilt und zu runden Laiben geformt.

Nach dem Formen mit Wasser bestreichen und in einer Saatenmischung (Sesam/Leinsamen) wälzen. Danach in Kastenformen von 20cm Länge legen und auf die Gare stellen. 

Bei voller Gare mit kräftigen Schwaden bei 250°C in den Ofen schieben. Nach 10 Minuten Backzeit die Backtemperatur auf 200°C reduzieren.
Gesamtbackzeit der Brote ca. 50 Minuten (Schwaden erst gegen Ende der Backzeit ablassen).

*Anmerkung m: ich hatte die Brote mit etwas mehr Teig gebacken (Originalrezept von Dietmar x 0,725) - da hatte der Teig allerding etwas zu wenig Entfaltungsfreiheit - beim nächsten Mal dann so 


Phasen: Roggen-Einkorn mit Chia & Mohn

Freitag, 18. August 2017


Was tritt nicht alles als Phase in Erscheinung?! Ein Lied, das man über Tage hoch und runter hört, der Lieblingswitz von Kindern, der in Dauerschleife allen anderen Nerven plättet, das Lieblings-T-Shirt, nach dem man einen Sommer lang jeden Morgen stetig greift, oder meine momentane Anhänglichkeit zu Chia, den (das?) ich gerade in jeden Brotteig werfen könnte. 

In der homöopathischen Anamnese ist (sollte) das einer der Hauptaugenmerke ausmachen: geht es um eine akute oder eine chronische Geschichte. Akut - also als Phase - verzeiht das Leben erstaunlich - ja, riesig -  viel. Sowohl körperlich wie geistig (darin unterscheidet die Homöopathie ja aus ihrem grundsätzlichen Denksystem heraus). Man kann durchaus ein Weilchen Kette rauchen, regelmäßig zur Flasche greifen, die Nächte zum Tag machen, sich von Burger und Pommes ernähren uswusf: Körper und Geist regenerieren wieder. Fatal allerdings wird es, wenn schlechte Sitte zur Gewohnheit wird, sprich chronisch. Oh, wie erzählt die griechische Mythe, dann frißt Kronos seine eigenen Kinder. Ihr kennt das alte Sprichwort aus dem Talmud: *Achte auf deine Gedanken...uswusf*. Genau das ist der Stoff, aus dem unheilbare Krankheiten entstehen.

Wie lange meine Begeisterung für Chia noch anhält? Keine Ahnung. Und mir auch völlig Jacke wie Hose, ob *Chia* nun von irgendjemanden als Superfood -  das doofe Wort - klassifiziert wird oder nicht. Fakt ist: Chia ist mir dienlich.

Seit einigen Broten habe ich für mich entdeckt, dass ein Chia-Quellstück dem Brot eine bessere Frischhalte-Qualität verleiht und den Brotteig auflockert. Zwei super Eigenschaften. Gerade letzteres war einer der Hauptgründe, wieso ich nicht so gerne mit Einkorn gebacken habe. Sehr, sehr gerne als Anteil in Quiches- und Tarteböden - den Geschmack fand ich von Anfang an einnehmend - aber die Brote wurden mir doch leider schnell kompakt. Nun, seht euch das Foto an: von Wackerstein kann keine Rede sein. Ein tolles Brot, das ich direkt  zwei Mal hintereinander gebacken habe!
 

Zutaten - 2 Brote für 750g-Kastenformen:

Sauerteig:
150g Roggen-Vollkorn
30g Roggen-ASG (aufgefrischt)
150g Wasser

150g Einkorn-Vollkorn
30g Weizen-ASG (aufgefrischt)
150g Wasser

Quellstück:
30g Chia-Samen
100g Wasser

Brühstück:
50g Einkorn-Vollkorn
30g Altbrot
170g Wasser, siedend

Hauptteig:
Roggen-Sauerteig
Einkorn-Sauerteig
Brühstück
Quellstück
200g Roggen-Vollkorn
150g Einkorn-Vollkorn
15g Salz
30g Mohn
180-200g Wasser (m: 200g)

Zubereitung:

Die beiden Sauerteige am Vortag anrühren und 12-16 Stunden bei 20-22°C reifen lassen. Ebenso das Brühstück am Vortag ansetzen, sowie das Quellstück, beide (das Brühstück nachdem es abgekühlt ist) abdecken und in den Kühlschrank stellen

Am Backtag alle Zutaten in die Schüssel geben und ca. 12min langsam kneten lassen.

Teigruhe: 60 min

Währenddessen die Formen buttern. Mit Hilfe eines Löffels den Teig auf die zwei Kastenformen verteilen, mit Wasser die Oberfläche abstreichen (wer mag, bestreut mit Mohn) und ca. 2 Stunden im Warmen abgedeckt gehen lassen

Nochmals mit Wasser benetzen, die Brote stippen und bei 240°C fallend auf 200°C ca. 60 Minuten mit Dampf backen. Klopfprobe! Die letzten Minuten außerhalb der Form backen für eine bessere Kruste.

Brot-Spleen: Dinkel-Roggen-Brot mit Kürbiskernen und Chia

Freitag, 10. März 2017

*Ihr Deutschen seid ja echt strange mit eurem Kult ums Brot. Ich habe einen deutschen Arbeitskollegen, der kauft sein Brot nur in einem Fünf-Sterne-Hotel in Doha und nimmt dafür echt einen ganz schönen Wege auf sich*. Tja, ich konnte meinem Leidensgefährten aus Katar nicht widersprechen. Was Brot anbelangt, HABEN wir Deutsche zweifellos einen Hau wech. Ich bestehe sogar auf  meinen Brot-Spleen! Ich LIEBE deutsches Brot! Jawohl!

Der Katari, der ursprünglich aus Jordanien kam, und ich waren ins Plaudern gekommen auf dem Flughafen in Istanbul. Sein Flug war ebenso wie unserer dank sensationellem Schneefalls gestrichen und auf den nächsten Tag verschoben worden. Wir hatten also Zeit, viel Zeit. Und streiften sämtliche Themen querfeldein. Neben seinen lustigen Geschichten, wie die traditionelle Heiratsvermittlung in Katar von statten geht (seine Eltern scherten aus und ich bekam eine meiner so geschätzt-gesammelten Kennenlerngeschichten par excellence erzählt) blieben mir die folgenden Äußerungen von ihm besonders in Erinnerung.

Er meinte, er habe lange davon geträumt, nach Europa auszuwandern. Dafür überhaupt ein Visa zu erlangen, wäre - wie für viele Länder - auch mit seinem Pass kein leichtes Unterfangen gewesen. Aber mittlerweile wäre Europa kein Ort mehr, um dorthin zu ziehen, fuhr er fort: *Ich meine nicht nur die Probleme, die Europa mit den Flüchtlingen hat. Die sinkende Wirtschaftskraft. Die sozialen Unruhen. Der Terrorismus. VIEL zu unsicher. Also Katar, das ist 100% sicher. 1000%.* Ich schaute ihn staunend an. Gut, die Gesetze wären auch sehr streng, aber das Leben dort eigentlich sehr angenehm. Wenn, dann würde er heute vielleicht nach Kanada auswandern wollen. Oder doch in Katar bleiben.

Nun, ich bin ein Land weiter ausgewandert und muß auf heimisches Brot nicht verzichten. Das ist immerhin was. Für eine Deutsche sogar sehr viel. Und seit ich blogge, gabs noch nie eine so lange Pause zwischen zwei vorgestellten Broten. Das muß sich dringend ändern. Diese Inspiration geht auf Stefanie zurück. Ich wußte augenblicklich, dass  ich dieses Brot nachbacken will. Flohsamen waren im französischen Outback nicht aufzutreiben. Wie eine Kommentatorin von Stefanie hatte auch ich die Idee, diese mit Chia-Samen zu erstezen. Und das Brot wurde nicht gut, es wurde hervorragend. Mit diesem Rezept wird gespielt - das ist eines, was sicher ist. Tausend prozentig!
 Zutaten:

Sauerteig 12-16 Stunden bei 25°C :
125g Roggen-Vollkorn
125g Wasser
10g Roggen-ASG (aufgefrischt)

Brühstück 12-16 Stunden (Kühlschrank):
150g Kürbiskerne
30g Sesam
60g Leinsaat
16g Salz
185g Wasser, kochend

Quellstück 1 - 12-16 Stunden (Kühlschrank):
200g Dinkel-Vollkorn
50g Einkorn-Vollkorn
185g Wasser, kalt

Quellstück 2:
(mindestens 3 Stunden vorquellen lassen 
oder mit den anderen Teigen zusammen ansetzen) 
40g Chia-Samen
120g Wasser, kalt 

Hauptteig:
Sauerteig,
Brühstück
Quellstück 1
Quellstück 2
250g Dinkel 630
2 TL Gerstenmalz
2 EL Walnussöl 
30ml Wasser
6g Hefe 

Zubereitung:
Für den Sauerteig alle Zutaten vermischen und 12-16 Stunden bei 25°C gehen lassen.
Die Saaten anrösten und mit kochendem Wasser verrühren und abkühlen lassen. Über Nacht im Kühlschrank aufbewahren. Falls die Saaten nicht alles Wasser aufnehmen, muss die Wassermenge im Teig entsprechend reduziert werden. 

Den Chia-Samen mit Wasser vermengen.

Für die kalte Autolyse das Dinkelvollkornmehl mit Wasser verrühren und über Nacht im Kühlschrank aufbewahren.

Am nächsten Morgen das Brühstück und Quellstück auf Raumtemperatur bringen. Den Sauerteig zusammen mit dem Quellstück 1, Wasser, Dinkelmehl, Chia-Samen, Malz und Hefe 7 min mit langsamer Geschwindigkeit kneten. Nun das Öl hinzufügen und weitere 3 min langsam kneten.  Zuletzt das Saaten-Brühstück hinzufügen und unterkneten.

2 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen.

Den Teig zu einem runden Brot formen. Mit der Saumseite in ein vorbereitetes Gärkörbchen geben.
1 Stunde gehen lassen.

In der Zwischenzeit den Ofen mit einem großen gußeisernen Topf auf 250°C erhitzen.

Das Gärkörbchen mit Geschick umdrehen und das Brot in den Topf fallen lassen, Deckel wieder auflegen und 10 min bei 250°C backen. Dann fallend weitere 55min bei fallender Temperatur backen, die letzten fünf Minuten ohne Topf. Klopfprobe.

Chia-Pfirsich-Mandelpudding

Freitag, 18. Dezember 2015

Der 10 tägige Aufenthalt im Vipassana-Center von Rangun, der Hauptstadt von Burma (hier schon mal davon erzählt), kann man mittels einer Geldspende (nach eigenem Ermessen) entlohnen oder (falls man keine finanziellen Mittel zur Verfügung hat) mittels Einbringen der eigenen Arbeitskraft. Eben solche ehemaligen Vipassana-Schüler waren es, die für mich und die über 300 Burmesen für die Dauer des Kurses das (vegane) Essen zubereiteten.*

Dort habe ich zum allerersten Mal in meinem Leben Tapioka-Perlen gegessen (und hielt sie für künstlich, also ein Produkt der Ernährungsindustrie). Wie es oft so ist, bei einer Begegnung mit einem gänzlich neuartigem Geschmack, weiß man nicht, ob man das nun gut oder nich so super finden soll. Fremd halt.

Eben so erging es mir auch mit den Chia-Samen. *Gar nicht mal so toll* war meine erste Einschätzung. Die Konsistenz erinnert etwas an Tapioka. Ein *eigenartiges*, ungewohntes Mundgefühl. Wollte man die Chiasamen pürieren, dann braucht es einen sehr guten Blender, damit sie richtig fein und zu Mousse werden (wobei man sich dann aber eine Besonderheit von den Chaisamen nimmt).

Vorläufiges Fazit: Dieses Dessert ist als Einstieg gut, aber ich bin für mich selbst gespannt, was mir mit Chaisamen noch einfällt. Loben tue ich mich allerdings jeden Morgen beim Müsli, dass ich die herrlichen Pfirische vom Sommer für uns eingeweckt habe. Ohne Zucker - und sie halten sich hervorragend (für mich als Erinnerung, kommendes Jahr die doppelte Menge einzumachen).
Zutaten 4P:

50g Chaisamen
100g Pfirsiche, eingemacht
300ml Mandelmilch
40g Kokosblütenzucker (evt. plus)
1 Vanilleschote, das Mark davon

eingemachte Pfirsiche zum Dekorieren 

Zubereitung:

Pfirische pürieren und  mit Milch, Chiasamen, Vanille und Zucker in eine Schüssel geben und gut verrühren. Die Mischung auf 4 hohe Gläser verteilen und zum Quellen (am besten über Nacht) in den Kühlschrank stellen, bis sie eine geleeartige Konsistenz hat. (m: 1 Stunde bei Raumtemperatur in der Schüssel anziehen lassen, dann erst auf die Gläser verteilt.

Zusammen mit Pfirisichkompott serviert. 

*Anmerkung m: Diesen Hinweis (ausnahmsweise nicht zum Rezept) kann ich mir an der Stelle nicht verkneifen: Was fettes Geld kostet, taugt NIE zur geistigen Schulung - das widerspricht sich nämlich.