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Nebelhorn - rote Gnocchi mit jungem Knofi und Artischocke

Sonntag, 26. März 2023


Drei Kiffer sitzen auf einer Bank. Fährt ein Auto vorbei. Sagt der erste - nach einer Viertelstunde: 'Ich glaube, das war ein Audi.' Sagt der zweite - wieder nach einer Weile: ' Ey nee, das war ein Opel'. Meint der Dritte... nach einiger Zeit: ' Ich geh jetzt heim, ihr seid mir echt zu stressig;'

Einer meiner Lieblingskiffer-Witze. Wie außerdem das Cartoon von der Kiffer-Oma, die von der Supermarkt-Kassiererin gefragt wird, ob sie eine Tüte will... Nee, antwortet die, wenn sie jetzt kiffe, vergesse sie wieder die Hälfte.

Dabei, zu Beginn bringt die Kifferei schon einen Fun-Faktor mit sich: man lässt das wohllüstige-wollüstige Tierchen in sich frei mit Lach-Flashs, Fress-Flashs und Juchtigkeit - in genau der Reihenfolge. Der Kopf wird dabei ausgeschaltet, umhüllt von weichen, selbstgebastelten, dicken Nebelschwaden nach einem tiefen Zug aus der Bong. Eintauchen ins Amöben-Feeling. Einfach leben, sollen sich andere um die Details kümmern. Tja, wie so oft fängt alles recht harmlos an.

Echt, was habe ich damals in den Wintermonaten oft ein Überbrückungskabel organisieren müssen. Morgens mit dem Auto auf Arbeit gefahren, vergessen, das Licht auszumachen und nach der Arbeit ist die Karre dann nicht mehr angesprungen. Tatsächlich habe ich damals immer jemanden mit Kabel zum Überrücken aufgetrieben - kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

Oder eine andere kleine Anekdote, wieder auf dem Weg zur Arbeit (weil die Mentalität galt: wer feiert kann auch Schaffen) geht mir doch mitten auf der Strasse das Auto aus. Tot. Geht nix mehr. Gut, dass der Vadder auf ADAC bestanden hatte, der schleppte mich dann zur nächsten Garage. Dort meinte der Mechaniker mich charmant anblinzelnd (#Jungmädchen-Vorteil): *Schreiben wir defekte Tankanzeige, sonst musst du's selbst bezahlen!* Peinlichpeinlich! Aber ALLE haben damals gekifft. In der Künstlerszene das Normalste der Welt. Nur macht man sich selten bewußt, dass man immer umgeben ist von einem Umfeld, das einem entspricht, das einen spiegelt. Ändert man sich selbst, ändern sich das Biotop samt Freunde... zwangsläufig.

Gut, verschusselt man halt mal was. Kann ja mal passieren. Wie eine Freundin, die zu der Zeit mit ihrem Freund ein Jahr durch Indien getingelt ist. Als ich sie vielleicht 15 Jahre später darauf ansprach, wie sehr ich sie um diese Reise beneidet hatte, weil mir damals noch der Mut zu solchen Abenteuern fehlte, war ihre Antwort ein gedehntes Jaaahhh, wenn mich heute nur mein Gedächtnis nicht so im Stich lassen würde... Kiffend alle Erlebnisse ausgelöscht... als wär's nie passiert... Einfach ein Weilchen for nothing gelebt... Wer will schon alles ganz genau wissen, seiner Wahrnehmung trauen oder klebt an Vergangenem, nich?! An dieser Stelle darf gerne selbstständig weitergedacht werden, was das in aller Konsequenz bedeutet, wenn *Erkenntnis das Ambrosia dieses Planeten* ist!

Und irgendwann, wenn man *sich locker macht* (wie's so gerne unter Seinesgleichen heißt), brav am Dope hängenbleibt und es konsequent durchzieht (natürlich ganz mit Obama ohne zu inhalieren),dann landet man man in Panikattacken, paranoiden Angstzuständen mit Verfolgungswahn und Depressionen - ohne dass dieses *irgendwann* jemand genau prognostizieren könnte. Weil man sich verfangen hat in einer lähmenden Orientierungslosigkeit, einer toten Ereignislosigkeit, die in den Wahnsinn treibt. Wer meint, kann sich auf diese Weise um die Auseinandersetzung mit der Welt drücken und stattdessen bei Raggae-Musik bis zur handfesten Neurose dümpeln. Mit Segen und Genehmigung von oben. Wenn das kein großer Spaß ist?!

 


Am Thema *Gnocchi* habe ich mich ja bereits sehr abgearbeitet. Und diese Kartoffel-Gnocchi sind mittlerweile meine Lieblinge, wenn ich mit Varianten spielen will. Die Konsistenz und ihre Formstabilität sind einfach super.

Hier habe ich sie eingefärbt mit Tomatenmark. Deshalb sind es aber - geschmacklich - noch keine Tomaten-Gnocchi, das ist lediglich ein *optisches Angebot*.  Der Gewürz-Stürmer in den Gnocchis ist der Parmesan.

Ich habe sie über mein Gnocchi-Brett (coucou Hannah) gerollt - ihr könnt sie aber nach Lust und Laune formen.


Zutaten 4P:

500g Kartoffeln*
100g Hartweizenmehl (oder feiner Hartweizengrieß)
100-120g Mehl (m: D1050)
1 Eigelb
100g Parmesan, gerieben
3 EL Tomatenmark
1/2 TL Piment d'Espelette
Salz

.Zutaten 2P
 
3 Artischocken
1/2 Bund frischer Knoblauch
Salz, Pfeffer
ein Schluck Noilly Prat
Olivenöl
50g Butter

 

Zubereitung: 

Kartoffeln als Pellkartoffeln kochen und noch warm durch die Presse drücken, zuerst mit dem Mehl (oder dem Hartweizengrieß) mischen, dann mit restlichen Zutaten. Den Teig nur so lange kneten, bis er homogen und nicht mehr klebend ist. 

WICHTIG: nicht überkneten, sonst wird der Teig speckig und immer schön mit Hartweizenmehl (oder Grieß) bestreuen, damit die ausgelegten Gnocchi sowie später die kochenden Gnocchi nicht aneinander kleben!

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Den Teig halbieren (= 4 Portionen). Aus dem Kartoffelteig nacheinander Würste von etwa Fingerdicke rollen, 1cm-Stück abschneiden und diese über das Gnocchibrett rollen - oder eben nach Wunsch formen. Nebeneinander auf ein Küchentuch auslegen und abdecken bis alle fertig gestellt sind. Die Hälfte (für 2Personen) so lange kochen, bis sie nach oben steigen, dann sofort in kaltem Wasser abschrecken (soll helfen, dass Rillenmuster zu bewahren), gut abtropfen lassen und warm stellen. (Die andere Hälfte der gegarten Gnocchi, die ich einfriere, lege ich nebeneinander auf Backpapier in eine Gratinform und friere sie so ein - später, wenn sie gefroren sind, fülle ich sie in eine Tüte um). Gnocchi garen, abtropfen lassen und warm stellen.

Die Knoblauchstangen in feine Ringe schneiden - etwas Grün zur Seite stellen für die spätere Deko. Die Artischocken putzen und Zitronenwasser zwischenlagern.

Olivenöl erhitzen und Artischocken mit Knoblauch darin anbraten. Salzen und pfeffern. Mit Noilly Prat ablöschen, Hitze verringern, Deckel auflegen und die Artischocken in einigen Minuten fertig garen. 
 
Butter einschmelzen lassen, Gnocchi untermischen und sofort servieren. 

*Anmerkung m: habe anfangs gerne mehlig-kochende Kartoffeln verwendet, funktioniert aber auch mit festkochenden


passt nahtlos zu Daniels anderem Lied um das uralte Spiel *Trau-Schau-Wem*: Danger Dan *Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt* Wer noch ein bißchen tiefer einsteigen will: Daniel erzählt im Hotel Matze anschaulich von seinen Kiffer-Erfahrungen und wie er für das Lied gegen das Kiffen deutlich mehr Anfeindungen aushalten musste wie für letzteres verlinkte.

Meditation: Artischocken-Quiche mit getrockneten Tomaten und Knoblauch

Sonntag, 9. Mai 2021

 

Wenn ich in die Küche maschiere, dann weiß ich, was ich kochen will. Dann denke ich gar nicht weiter nach, dann mache ich einfach einen Arbeitsschritt nach dem nächsten. Dabei hake ich gerne jeden mit einem so gewissenhaften wie energischen *Sssooh!* ab - so lange bis ich das Essen fertig gekocht habe. Das läuft dann alles fast wie von alleine. Auf diese Weise stresst mich Kochen nie. 

Ist ja beim Sporteln ähnlich. Wie weißt Mady bei einem Wechsel einer fiesen Bauchübung an: *Gar nicht denken, einfach machen!* Ist SEHR oft tatsächlich das Beste, was man machen kann. Aber dieses *Just do it* ist leichter gesagt als getan. Und zwar weil der Kopf dem Körper ein Bein stellt. Im Yoga wird vom *monkey mind* gesprochen. Mit *monkey mind* ist die endlose Flut an Gedanken gemeint, die man nicht ausschalten kann und die wie ein dauer-unruhiges Äffchen im Gehirn-Käfig hin und herspringen. Und man bekommt diesen Affen nicht zur Ruhe - unabhängig von der Umgebung, selbst bei äußerer Stille. Ein ewig sich fortsetzender, unaufhaltsamer Bandwurmgedankensalat.

Unvergessen bleibt mir der philippinische Schamane, den ich zusammen mit dem Habib kennenlernte. Einer von denen, die mit ihren Händen operieren - und zwar bei geschlossener Bauchdecke. Ja, für jene mit wachen Augen und offenem Geist ist die Welt voller unerklärlicher Wunder. Eben dieser Schamane sprach davon, dass wir Weißen zu viel Spaghetti im Kopf hätten. Im Prinzip meinte er das Gleiche wie die Yogis mit dem Monkey. Wir tun uns schwer, das Gedankenkarussell mal auszuschalten, wir müllen uns geistig selbst zu - unkontrolliert und unbewußt. Die Laokoon-Geschichte - kommt mir ad hoc in den Sinn - erhält gerade einen weiteren Dreh!

Mein Vipassana-Meditationskurs in Yangoon war für mich eine harte Nuss - 10 Tage dehnten sich wie Gummibänder. Trotzdem werden alle, die regelmäßg meditieren bestätigen, wie wohltuend das fürs Allgemeinbefinden ist. Wie meinte der Habib: wir räumen alles auf, vom Wohnzimmer über die Festplatte, aber uns selbst müllen wir stetig zu und säubern uns nicht. Auf die Anregung meines Habibs hin - den ich bewundere für seine seismographische Sensibilität - habe ich also mit dem Meditieren begonnen. Und ich fühle mich ganz als Novitzin. *Gott kann nur den hören, der still ist*, findet der koptische Eremit in Ethiopien Abba Tesfay. Unsere stille Umgebung, unser harmonisches Wohnen hilft mir in meinen Anfängen sehr.

Denn das gilt es zu üben, das  ruhige Sitzen, der in sich gekehrte Blick ins Schwarze, die Zunge, die vom Gaumen gelöst ist, dieses Sich leer machen, nach innen lauchen, mal nix müssen, das Nichts aushalten, nur fühlen... Im Prinzip wie *Einfach nur machen* - nur ohne machen. Denken in Bildern ohne Begriffe.  *Pssscht* ermahne ich mich wiederholt, wie ein quengelndes Kind, das wieder und wieder versucht auszubüchsen.

Mein auserkorener Meditiationslehrer ist der französische Apnoetaucher Guillaume Néry. *Ich habe den Wunsch, über bestimmte Grenzen hinauszugehen, mich selbst herauszufordern. Und die Unbekannte, die es mir erlaubt, diese Grenze zu erreichen, ist ein Zustand inneren Friedens, den ich nur durch völliges Loslassen erreichen kann*. Er dient mir als Vorbild, denn wie er ohne zu atmen immer tiefer und tiefer auf den Grund des Meeres sinkt, das ist für mich DAS Bild!

Überhaupt empfehle ich die ganze Triologie von Arte *Was uns heilig ist*, denn eigentlich wußten alle vorgestellten Menschen zu beindrucken und ich hörte allen gerne zu. Wie die kanadische Qi-Gong und Yoga-Lehrerin Nicole Bordelau:* Zum spirituellen Weg gehört für mich auch, die Augen zu heben und den Raum über unseren Köpfen zu betrachten, Fragen zu stellen und mich mit etwas Schönerem, Größerem zu verbinden.* Oder die zweite Lektion von Sylvain Paquin *Laß dem Fluss seinen Lauf, er weiß, wo es lang geht, er wird dich ans Ziel bringen. Spar dir deine Kräfte für Turbulenzen. Denn wenn die Stromschnellen - also die Prüfungen des Lebens - kommen, wirst du deine ganze Energie brauchen, um sie zu bestehen.* Ich könnte noch viele, viele weitere Zitate herausgreifen, die mich alle zutiefst angesprochen haben, doch schaut selbst, es lohnt sich:

Ganz wunderbar wird anhand unterschiedlichen Menschen aufgezeigt, dass es piepegal ist, ob man die Betonung nun mehr auf Rückzug, Harmonie, Barmherzigkeit, Achtsamkeit oder Stille legt. Viele Wege helfen bei der Suche, mehr zu sich selbst zu finden, mit Kräften außerhalb seiner selbst oder dem Geist in Kontakt zu treten - alle Wege eint, dass sie stets individuell und nicht übertragbar sind.




Ich finde, ein Rezept mit Artischocken passt sehr gut heute dazu, denn der Artischocke wird nachgesagt, dass sie der Leber bei der Entgiftung hilft. Unumgänglich, ja vielleicht die ersten Schritte, wenn man getrieben ist von der Sehnsucht nach Heil und Einklang und gutem Wohnen in sich selbst.

Wir essen gerne Artischocken, oft die großen als Ganzes gegart. Aber auch die kleinen kommen häufig auf den Tisch - mit etwas Übung sind sie schnell gerüstet. Dazu gibts ja mittlerweile ohne Ende Lehrfilmchen. Ich habe die Artischocke ganz südfranzösisch mit jungem Knoblauch kombiniert, für den die Drôme ja Anbaugebiet ist.


Zutaten - Tarteform 24cm (Durchmesser):

Tarteteig:
75g Einkorn-VK
75g Dinkel 1050
75g Butter, kalt
1 TL Crème fraîche 
1/2 TL Chiliflocken
Salz
etwas kaltes Wasser

3 Artischocken (je nach Größe auch 4)
2 junge Knoblauchstangen*
30g getrocknete Tomaten
100g Saint Félicien
50g Crème fraîche
1 Ei
Salz, Pfeffer
Abrieb einer 1/2 Zitrone
einige Zweige Zitronenthymian
Piment d'Espelette
Olivenöl
etwas Gemüsebrühe

Zubereitung:

Aus den Zutaten zügig einen homogenen Teig kneten - die Butter dafür flöckchenweise unterarbeiten -  und den Teig eingewickelt mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Die Tarteform buttern. Den Teig auswellen und die Tarte samt Rand auskleiden. Den Boden mehrfach einer Gabel einstechen. Für ca. 30min in die Tiefkühltruhe stellen. 
 
Die getrockneten Tomaten mit ein wenig kochendem Wasser übergießen und einige Minuten quellen lassen. Die Knoblauchstangen in feine Ringe schneiden. Die Artischocken putzen und Zitronenwasser zwischenlagern. Die Tomaten fein würfeln - in ca. 3 EL Restwasser etwas Gemüsebrühe lösen.

Olivenöl erhitzen und Artischocken mit Knoblauch darin anbraten. Mit Zitronenthymian würzen, salzen und pfeffern. Die wenige Gemüsebrühe zufügen, Hitze verringern, Deckel auflegen und die Artischocken in einigen Minuten fertig garen.

Währenddessen eine Crème rühren aus Käse, Crème Ei und Tomate. Mit Piment und Zitronenschale würzen. Salzen und pfeffern.

Den Backofen auf 200°C (Umluft/ m: Intensivbacken) vorheizen.

Die Crème auf dem Tarteboden verstreichen, die Artischocken darauf verteilen und etwas in die Crème drücken. Mit ein wenig Olivenöl beträufeln und für 20min in den Ofen schieben. Dann weitere 20-25min backen bei 180°C. Backzeit insgesamt 40-45min

 

Paris ist weit weg 2: venezianische Kartoffeln mit Fêves und Artischocken

Mittwoch, 2. Oktober 2019


Wie schon oft erwähnt ist ein Auto im französischen Outback unabdingbar und völlig alternativlos. Unserem letzten Auto - einem royalblauen Fiesta - trauere ich noch etwas hinterher. Der war mir so in Fleisch und Blut übergegangen, den konnte ich blind rückwärts in jede Parklücke quetschen. Den Fiesta hatten wir wirklich nach allen Regeln der Kunst runtergerockt (was im Übrigen auch eine Form von Ökologie ist). Am Schluß machten wir noch einen Ausflug mit ihm nach Nizza und konnten das Auto bedenkenlos unabgeschlossen in einer Seitenstrasse stehen lassen (alles andere wäre auch nicht möglich gewesen: die Zentralverriegelung war längst kaputt). DEN wollte ganz bestimmt keiner, da schaute niemand interessiert durch die Fensterscheibe.

Ganz treu gab er mit 450 Tausend Kilometer seinen Geist kurz nach dem Nachbarort auf - wir konnten also easy bis nach Hause zurücktrampen. Waren wir mit unserem Asi-Fiesta auf süddeutschen Strassen unterwegs, markierten wir unter all den vielen nagelneuen Statussymbolen das offensichtliche Ende der Nahrungskette. Und wurden nicht selten Opfer von fremdenfeindlichen Attacken. Der Rückschluß kein Geld und Ausländer scheint schräg veranlagte Menschen irgendwo zu triggern - ich hätte es nicht für möglich gehalten...

Nun, nachdem uns der treue Fista (so sein Spitzname) verlassen hatte, mußte ein neues Auto her. Wir entschieden uns wieder für einen Gebrauchtwagen - passend zu unserem Leben und zu unserer Umgebung, in der ein Auto ein reiner Gebrauchsgegenstand ist. Aber halt ein dringend notwendiger. Mit unserem Peugot-Kastenwagen schwimmen wir hier mit wie in einem Schwarm Fische. Wie inkognito. Die Kastenwägen sind einfach praktisch, verbrauchen wenig Sprit und sind dementsprechend extrem beliebt und verbreitet. Das hat zur Folge, dass fast jeder die Hand hebt, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind - es könnte ja jemand drinne sitzen, den man kennt...

Vier Jahre fahren wir jetzt mit dem Peugot. Und er hat sich seither optisch deutlich gewandelt, denn als wir ihn kauften, sah er noch tadellos aus. Womit ich bei einem weiteren, kulturellen Unterschied rausgekommen wäre: der Umgang mit Autos. Sind wir in Süddeutschland unterwegs, dann staunen wir über die Dichte von makellosen, gepflegten Autos, die alle frisch vom Band zu kommen scheinen. In Frankreich hingegen könnte man sich wohl in den meisten Autos einem Allergietest unterziehen. Die Hunde, die vielen Feldwege... Um es milde auszudrücken: die überwiegende Mehrzahl sieht nicht nach Garagenwagen aus. Also selbst wenn ich drüber nachdenke, habe ich hier noch nie eine Schlange an der Autoputzanlage gesehen. Gar nie.

Was mich als gebürtige Deutsche dann aber letztendlich doch kupfert, ist eben der aktuelle Zustand der Karosserie unseres Autos. Schaut man sich schräg die Seiten an, dann entdeckt man dort unzählige (!) kleine Dellen. Ähnlich einem seitlichen Hagelschaden - wäre das möglich. Doch die Dellen entstehen, wenn man regelmäßig neben Fränzis parkt. Die hauen nämlich ihre Türen beim Aussteigen sorglos an das Nachbarauto. Hey, und jetzt mal ehrlich: das wäre doch in Deutschland der Stoff aus dem Schlägereien gemacht sind, oder? Also mit der schwäbischen *Heilig's Blechle-Mentalität* wird man hier definitiv unglücklich. Oder zum Serienmörder.


Sollte ich das ein oder andere Gemüt durch diese Lektüre erhitzt haben, versuche ich Neutralität herzustellen, indem es heute ein italienisch inspiriertes Gericht gibt (nich, à la *streiten sich zwei, freut sich der Dritte*). Artischocken esse ich besonders gerne. Und immer, wenn sie auf dem Markt zu einem guten Preis angeboten werden, kann ich selten widerstehen. Sehr oft mache ich sie uns als Vorspeise, aber natürlich passen sie ebenso prima zu diesen venezianischen Kartoffeln.

Zutaten 2P:

700g Kartoffeln
ca. 350 ml Gemüsebrühe
1 große Zwiebel
1 nussgroßes Stück Butter (od. pflanzlichen Ersatz)
Olivenöl
Salz, Pfeffer
1 EL Petersilie, gehackt
(ca. 200g Saubohnen, gepahlt)

4 kleine Artischocken
1 TL Thymian
Salz, Pfeffer
Olivenöl
1 Knoblauchzehe
2 EL Gemüsebrühe
Piment d'Espette

Zubereitung:

Die Kartoffeln schälen und in Würfel von etwa 1cm schneiden. Die Würfel auf Küchen-Krepp ausbreiten und trocknen lassen.

Die Zwiebel in dünne Halbringe schneiden (m: gröber gewürfelt) und in der Butter und einem Schuß Olivenöl mit Geduld (etwa5-10min) golden und glasig braten. Dann die Kartoffelwürfel zu den Zwiebeln in die Pfanne geben und weitere Minuten mitbraten.

Bei sanfter bis mittlerer Hitze die heiße Gemüsebrühe nach und nach zufügen, sodass die Kartoffeln stets knapp bedeckt sind. Salzen und pfeffern. Offen ca. 25min köcheln lassen bis die Brühe dicklich einkocht und die Kartoffeln gar sind, aber noch nicht zerfallen. Kurz vor Servieren die Saubohnen untermischen. Nochmals abschmecken und mit Petersilie bestreuen.

Paralell die Artischocken dazu zubereiten. Diese rüsten (lieber etwas zuviel wegschneiden als Holziges stehen zu lassen - an mich selbst addressiert, vierteln und in Zitronenwasser zwischenlagern. Die Artischocken in Olivenöl anbraten und Farbe annehmen lassen. Dann fein gehackten Knoblauch untermischen zusammen mit dem Thymian und weitere 2min braten. Würzen, die Gemüsebrühe anschütten, Hitze verkleinern, Deckel auflegen und gar ziehen lassen (in ca. 3-5min).

Anmerkung m: ich habe als Topping noch einige, knusprig gebratene Brotwürfel serviert...



Totally Gemüseliebe

Mittwoch, 24. Juli 2019


Jeder, der Gemüse liebt, liebt ofengeröstetes Gemüse. Erstes Gemüse-Groupie-Gesetz. Wer das nicht tut, der ist leider nicht normal. Der muss an einem sehr komischen Defekt leiden (kein Geschmackssinn?) oder eben nur vortäuschen, Gemüse zu lieben.

ADORE - hatte ich mir in der Jugend mal mit großen Buchstaben als Shirt-Aufdruck gebastelt, um mit dem schönen, englische Wort (welches es genau so auch in Frankreich gibt) als wandelnde Litfass-Säule Werbung zu laufen. Weil ich fand, dass dieses Verb in meiner Geburtsnation zu wenig im aktiven (!) Gebrauch ist - verbal wie tätig. J'adore... sagen die Fränzis häufig: die himmlen an, vergötteren, schwärmen,  brennen, mögen einfach vieles furchtbar gerne... Das hebt definitiv die Lebensqualität.

Exakt wie ein Ofenaufenthalt die Qualität von Gemüse zu heben vermag. Ich hatte wirklich schon sämtliches Gemüse im Ofen: Blumenkohl, Aubergine, Kürbis, grüner Spargel, Wirsing, Zucchini quasi bald nur noch, ohne die Ofen-Tomaten geht eh nix - das macht gar keinen Sinn, alles auflisten und verlinken zu wollen. Es sind einfach zu viele Gerichte, die ich so schon zubereitet habe. Und alle werden eigentlich zu DUBBs. Selbst Obst kann man auf diese Weise um mehr Geschmack bereichern wie Erdbeeren, Rhabarber, Äpfel....

Ich glaube, das wäre auch der Titel für ein Kochbuch von mir: *Rezepte mit ofengerösteten Gartenfrüchten* (jetzt nur mal so als Blaupause-Titel/ Skizze/ als grobes Konzept, ihr versteht) - aber das Thema gäbe lockerlecker ein ganzes Buch für mich her! Und sollte je ein derartiges Buch erscheinen, das nicht von mir ist, dann wurde die Idee von mir geklaut (ich wollte es nur rechtzeitig angemerkt haben)!

*Was gibt es denn heute*, fragte der Habib mich. Ich erklärte ausführlich. *Gemüse mit Gemüse also*, fasste der Habib zusammen. Und so kam es dann.

In dieses Gericht hätte ich mich ohne jede Untertreibung reinsetzen können. *Ohhh*, stöhnte ich am Mittagstisch gen Habib, *das könnte ich jeden Tag essen! Das wird ein waschechter Lieblingsteller!* Ich mochte einfach alles: die unterschiedlichen Temperaturen, Gewürze, Aromen, Texturen und dann noch gebettet auf einem eh absolut DUBB würdigen Karotten-Pü... franchement, je l'adore totalement! 
 

Zutaten 2P:

(plus ca. 4 EL Kokosmilch - dadurch etwas flüssiger)

5 kleine Kartoffeln, festkochend (m: Charlotte)
5 Artischocken
Rosmarin, Paprika-Pulver

1 rote Zwiebel
1/2 Fenchelknolle
1 Rote Beete
1 1/2 TL Sumach
1/2 TL Kreuzkümmel
1 TL Koriander

1 kleine, grüne Zucchini
Rosmarin, Thymian
eine handvoll Kirschtomaten 
Vanillezucker
Thymian
Rohrzucker

Sonnenblumenöl
fleur de sel, Pfeffer

1 griech. Schafsjoghurt
3 Knoblauchzehen
1/2 Gurke
einige Blätter Minze


Zubereitung:

Alles Gemüse putzen und rüsten. Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. Backblech mit Backpapier auslegen.

Das Gemüse in der Reihenfolge wie in der Zutatenliste in einer Schüssel würzen. Zu genannten Gewürzen kommt bei sämtlichem Gemüse noch Öl, Salz und Pfeffer an die Marinade.

Die Kartoffeln achteln, Artischocken vierteln und gut mit den aufgezählten Gewürzen marinieren - vorne als Streifen auf dem Backblech ausbreiten und in den Ofen schieben (insgesamt für 25min - zwischendrin mal wenden)

Als nächstes den entstrunkten und in Streifen geschnittenen Fenschel mit der ebenfalls halbierten und in Streifen geschnittenen Zwiebel mischen. Außerdem unter die Gewürzmischung unterziehen die geschälte rote Bete, die ich in feine Schnitze geschnitten habe - neben dem ersten Gemüse als Streifen auf das Backblech setzen und in den Ofen geben (insgesamt für 20-25min)

Die Zucchini vierteln, in Streifen schneiden und durch die Marinade schwenken, wieder neben das andere Gemüse auf das Backblech - nach 10 Minuten Garzeit des anderen Gemüses für 10 Minuten in den Ofen schieben.

Die Kirschtomaten halbieren, würzen und für die letzten 5 Minuten mit in den Ofen geben.

Parallel das Karotten-Pü auf den Weg bringen. Außerdem das minzige Zaziki zubereiten. Gürke fein reiben, in einem Sieb gut ausdrücken, mit dem Joghurt, der fein geschnittenen Minze und dem durch die Knofi-Presse gequetschen Knoblauch mischen. Kalt stellen.

Zum Servieren das lauwarme Pü auf den Tellern verteilen, das heiße Gemüse darauf anrichten und den Zaziki zur Seite stellen.


 Geschwister im Blog-Universum (u.a.):




Schnuffi: Ziegenkäse-Ravioli mit Artischocken und Zucchini

Donnerstag, 27. Juni 2019


HÄHHHH - wohin sollen meine Garten-Turnschuhe verschwunden sein???? Die stehen IMMER am gleichen Platz. Nämlich vor der Terrassentür. Ich ziehe sie (logo) aus, bevor ich nach drinnen gehe (schließlich bin ich auch diejenige, die putzt). Ich tigere strümpfig noch ein paar Mal ziellos im Kreis. Wo sollen die Scheiß-Schuhe sein? Man zweifelt ja an seinem Verstand, wenn man etwas sucht. 

Bis ich ihn entdecke. Schnuffi liegt zwischen den Holzstühlen und der Wand der überdachten Terrasse. *Was machst du denn hier?*. Schwanzwedeln. *Komm, gib' es zu - du hast meine Schuhe entführt!* Schwanzwedeln.

Schnuffi wird ordentlich durchgekrault. Drei Mal wechselt er den Platz auf der Terrasse, wo er den kompletten Tag verbringt, bis wir zu Bett gehen. Ich weiß genau, wo er hingehört. Alle vom Dorf wissen das. Und für die, die es nicht wissen sollten, trägt er ein dickes, neongelbfarbendes Band um den Hals mit der Telefonnummer drauf. Schnuffi ist nämlich ein wertvoller Hund. Für seine Besitzer äußerst leider nicht im Sinne von Qualität (die sind nicht gerade berühmt für ihre Tierliebe), sondern weil ein ausgebildeter anatolischer Hirtenhund mehrere Tausend Euro kostet. Schnuffi arbeitet für seine Besitzer als sogenannter Herdenschutzhund. Heute hat er sich wohl frei genommen und ist stiften gegangen. Letztes Wochenende war hier transhumance, der Almauftrieb der Schafe - das hat er anscheinend zu nutzen gewußt. Ich bin total verknall in ihn. Wir nennen ihn auch gerne Mahatma, weil man sich unmöglich einen Hund vorstellen kann, der tiefenentspannter, liebenswürdiger und gutmütiger ist wie er. Da braucht es schon einen Wolf, um ihn zu provozieren. Er ist ungeheuer süß.

Allerdings ist er auch ungeheuer groß. Stehend erreicht er mindestens die Größe eines Kalbs und pro Woche kann er bestimmt locker einen Frolic-Sack vernichten. Für alle Menschen, die Angst vor Hunden haben, ist er der Endgegner. Und so richtig kompatibel mit Feriengästen ist der deshalb eigentlich nicht. Ich würde ihn trotzdem am liebsten behalten. Er ist ungeheuer süß.

Ich habe ihn selbstverständlich vom Scheitel bis zur Sohle durchgebürstet - hingebungsvolle Fellpflege muss sein - und unter Aufbringen all meiner Vernunft nix zu fressen gegeben. Was soll das schließlich werden? Eine Affaire? Wenn es die nicht schon ist...

Der reichste Bauer im Dorf, der mit den Schafen, hat nämlich viele Herden und mehrere Hirtenhunde. Schnuffi stand auch schon öfters mit Kollegen vor der Tür. Er besucht uns immer wieder. Ach, ehrlich, trotzdem - Schnuffi mag uns halt einfach genauso. Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit.

Es ist schon ein großer Preis, den wir für das Reisen jeden Winter bezahlen, eben deshalb darauf zu verzichten, mit Tieren - also domestizierten - zu leben. *Gell, Habibi* sage ich gerne zum Habib, *wenn wir irgendwann mal nicht mehr verreisen, dann halten wir uns einen ganzen Zoo!* So, jetzt kennt ihr meine Zukunftspläne. Die Schuhe habe ich übrigens (zusammen mit meinen Arbeitshandschuhen) später im Garten wiedergefunden - es war tatsächlich Schnuffi, der sie verschleppt hatte.


Zum Trost gabs für uns Pasta. Ich wißt: einen Grund für frische Pasta brauche ich nicht wirklich. Wenn ich uns etwas besonders Hübsches kochen will, dann gibt es eben selbstgemachte Nudeln. Dieses Mal eine Kreuzung aus Maultaschen und Ravioli - also für geübtere Hände eine schnellere Nummer.

Zutaten 2P:

16 Ravioli
Pastateig
100g Dinkel 639
100g Hartweizenmehl
2 Eier
Salz
Olivenöl

Füllung
160g Ziegenkäse (de caractère/ m: Picolin
40g Crème fraîche
1/2 Bund Basilikum
25g Semmelbrösel
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

6 kleine Artischocken
1 mittel-kleine Zucchini
3 Knoblauchzehen
Noilly Prat
Salz, Pfeffer
Olivenöl 

3 EL Pinienkerne, geröstet

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Pastateig einen homogenen Teig verkneten (nicht zu weich, nicht zu fest) und in Folie gewickelt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Für die Füllung das Basilikum fein schneiden und dann mit allen anderen Zutaten vermengen und würzig abschmecken (leicht überwürzen - als Fülle verliert die Menge später sonst an Bums)

Den Teig vierteln, durch die Marcato wellen (bis Stufe 6 von 7), von Hand noch etwas breiter wellen (auf ca. 15cm) und Quatrate von 15cm schneiden. Einen Teelöffel Füllung in eine Ecke setzen, die Kanten dieser Ecke mit Hilfe eines Pinsels anfeuchten und die Ecke umklappen - und zwar derart, dass die umgeklappte Ecke etwa 1cm breit die Füllung umschließt. Mit Hilfe einer Gabel die Ränder gut andrücken. Ravioles auf ein mit Hartweizenmehl (oder -grieß) bestreuchtes Küchentuch auslegen und mit einem weiteren Tuch abdecken. So fortfahren, bis alle Ravioles gefüllt sind.

Für das begleitende Gemüse die Artischocken putzen, je nach Größe halbieren oder vierteln und in Zitronenwasser zwischenlagern. Die Zucchini (ebenfalls je nach Größe) halbieren oder vierteln und in dünne Streifen schneiden. Den Knoblauch fein hacken.

Die Artischocken in etwas Olivenöl anbraten, ca. 5min, dann den Zucchini und den Knoblauch zufügen und weitere 4min braten. Mit Noilly ablöschen, Deckel auflegen, Flamme verkleinern und weitere 2min garen. Salzen, pfeffern

In reichlich siedendem Salzwasser die Ravioles parallel garen (ca. 2min), gut abtropfen lassen und zusammen mit dem Gemüse und großzügig Olivenöl servieren. Wer mag pfeffert und salzt nochmals leicht. Zuletzt mit den Pinienkernen toppen.


Allgemeinwesen: mediterraner Eintopf mit Artischocken und Erbsen

Freitag, 1. Februar 2019


*Was soll man denken, wenn man im Kabarett Nachrichten erfährt und Nachrichten zum Kabarett werden* hörte ich eine Kritik bezüglich *Die Anstalt*, eine Sendung die ich sehr schätze für ihre sorgfältigen Recherchen, ihren Informationsgehalt und die interessante Verknüpfung der Fakten.

Politisches Kabarett war irgendwie noch nie sexy, oder? Derlei Komik wird leicht ungemütlich oder gar anklagend - eine Stimmung, die sich wohl bei Systemkritik schlecht vermeiden lässt. Wir Deutschen sollten der Führrungsriege unseres Landes samt seinem Propaganda-Apparat ja besonders skeptisch gegenüberstehen - müßte man meinen. Ob unserer Vergangenheit. Unnötig zu erwähnen wie falsch das deutsche  Volk einst gelenkt wurde. Eigentlich gebranntes Kind...

Komischerweise werden jedoch Widerständler lieber in die Verschwörungstheoretikerecke gedrückt oder mit Plattitüden à la *Jaha, dann sollen doch die in die Politik gehen und es besser machen* platt gemacht. Wobei sich das in meiner kindlichen Auffassung von Demokratie nicht SO schwierig gestalten dürfte. Demokratie ist die Staatsform, deren Maxime es ist im Interessenverbund der Mehrheit verbindliche Entscheidungen zu treffen. Das dürfte - rein theoretisch - nur die Auswertung von Zahlen sein: was der größten Menge der Menschen innerhalb dieser Staatsform zugute kommt, kann man bestimmt auswerten und realisieren. Der umgesetzte Volkswillen durch Volksvertreter. That's all.

Tja, wenn es mal so einfach wäre, könnte man dagegen hauen. Aber manchmal ist es auch nicht so kompliziert wie immer getan wird. Meine Rede. Manchmal wäre gut daran getan, einfach wieder öfters zu *verallgemeinern* (oder sich an Beispielen orientieren - auch ne Möglichkeit).

Mein unangefochtener König des politischen Kabaretts ist und bleibt Volker Pispers, der leider seit geraumer Zeit und nach dreißigjähriger Tätigkeit die Bühne verlassen hat. Aus einem seiner letzten Auftritte fiel mir erneut die Redewendung *divide et impera* (teile und herrsche) auf, welche auf diesem Blog ja erst kürzlich zu Weihnachten fiel. Nun, dachte ich mir, was wäre denn der umgekehrte Gedankenweg. Und da landete ich bei der Solidaritätsgemeinschaft. Oder etwas pathetischer: Schicksalsgemeinschaft. Die zentralen Themen, die eine Gesellschaft regeln, bleiben Rente, Gesundheitswesen, Bildung, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Steuergerechtigkeit. Das sind die Kernfragen über die wir diskutieren müssen, wollen wir über den großen Rest reden: Wie wollen wir leben? In Deutschland? In Europa? In der Welt? Dann lassen wir uns nicht weiterhin mit unbedeutenden Nebenschauplätzen ablenken.

Nicht nur die Gelbwesten-Bewegung zeigt, dass Politik und Bürger in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Weltweit kann man Unzufriedenheit darüber beobachten. Greife ich nur mal die überwiegend (!) friedlichen Proteste in Hamburg zum G20-Gipfel als Beispiel auf. Tiefgreifende und zwar generelle Meinungsverschiedenheiten, die mittlerweile selbst die Jüngsten verstehen und Schüler und Kinder auf die Strasse bringen (letzteres beeindruckendes Bild: March for our lives) - einen Tatbestand, den ich so erschütternd wie beschämend finde (an alle Erwachsenen: Hallo Haltung?!)

Womit ich wieder bei der Vereinfachung herauskomme. Denn tatsächlich kristallisiert sich heraus, dass ein Volk viel konsensfähiger ist, als uns gerne glauben gemacht wird. Urban Pirol hat in seinem Jahresrückblick  einige Beispiele aufgeführt, für die sich klare Mehrheiten finden: Abschaffung von Glyphosat (Wunsch und Wille von 86% der Deutschen), Begrenzung der Amtszeit von Bundeskanzler und Ministern auf zwei Legislaturperioden (54%), Anhebung des Mindeststundenlohns wenigstens auf 12 Euro (82%), keine Rüstungsexporte in Krisengebiete, Aufnahme von flüchtenden Menschen in Not (82%), kostenloser Nahverkehr, bezahlbarer Wohnraum...

Sehr aus dem Herzen sprach mir auch Erwin Pelzig in der vorletzten Sendung der Anstalt zum Thema *Fleischindustrie* - so sehr, dass ich seinen Beitrag hier einstelle und mit drei Ausrufezeichen versehe!!! Hiermit geschehen. Und zwar nicht als Foodblog oder gar als vegetarischer Foodblog, sondern weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir ganz unabhängig von jedweder Couleur oder Geschmacksrichtung hinter Herrn Pelzig als die Mehrheit dieser Gesellschaft stehen! (noch ein Ausrufezeichen, jawohl).

Wenn jetzt nicht ein Eintopf wie die Faust aufs Auge als Abschluß zu diesem Post paßt, also dann weiß ich auch nicht. Zum aktuellen Wetter paßt er übrigens auch. Wer an keine frischen Artischkocken bekommt, könnte sie durch eingelegte aus dem Glas ersetzen.


Zutaten 2P:

200g Einkorn, ganzes Korn
2 Artischocken
100g Erbsen (m: gefroren, eigene)
100g Kichererbsen, gekocht*
40g getrocknete Tomaten 
1 TL getrockneter Thymian
1 Lorbeer-Blatt
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Noilly Prat
Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer 
Piment d'Espelette
Olivenöl

6 grüne Oliven
frisch geriebener Parmesan

Zubereitung:

Einkorn am Abend zuvor einweichen. Mit frischem Wasser spülen und nun leicht bedeckt mit Gemüsebrühe aufsetzen und ca. 10min vorkochen. Abschütten, Kochwasser auffangen.

Tomaten mit Wasser überbrühen und ca. 10min ziehen lassen. Artischocken putzen, achteln und in Zitronenwasser zur Seite stellen.

Zwiebeln und Knoblauch fein hacken. Tomaten abtropfen lassen und ebenfalls fein hacken. Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten in dem Olivenöl anbraten. Einkorn zugeben, Gemüseconfit, Noilly und einen Teil der Gemüsebrühe. Thymian und Lorbeerblatt untermischen, Deckel auflegen und 10min leicht köcheln lassen. Kichererbsen und Artischocken untermischen, falls nötig nochmals Gemüsebrühe zufügen und weitere 15-20min köcheln lassen. Kurz vor dem Servieren die Erbsen dazu geben und kurz gar ziehen lassen.

Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Piment.

Zum Servieren, die grünen Oliven entsteinen und grob hacken. Mit dem Parmesan garnieren.

*Anmerkung m: ich habe mir angewöhnt, immer selbst gekochte Kichererbsen geforen in der Tiefkühle portionsweise griffbereit zu haben - sie schmecken einfach viel besser als die aus der Dose, aber brauchen eben Vorlauf: einweichen, kochen... und die Zeit fehlt manchmal beim spontanen Essenzubereiten. In diesem Fall könnte man sie aber immerhin zusammen mit dem Einkorn am Abend zuvor einweichen.



Gewöhnlich: Mai-Rübchen-Pü mit Artischocken und grünem Spargel mediterraner Art

Mittwoch, 24. Mai 2017

Die erste Heu-Ernte. In dem Geruch von frisch gemähtem Heu, könnte ich mich wälzen. Mama Erde. Auf meiner Erklärungsliste, warum meine Wurzeln Landboden brauchen, liegt diese Nasenkitzelei ganz weit oben. 

Für mich sind, seit ich im französischen Outback lebe, die Tage länger geworden. Dafür vergehen die Jahre viel schneller als früher. Möglicherweise habe ich das schon mal geschrieben. Bei nahezu sechs Jahren Bloggerei steigt die Wahrscheinlichkeit, sich zu wiederholen. So, wie sich auch Ereignisse wie Heu-Ernte jährlich wiederholen. Landqualität. Diese geht einher mit Schlichtheit, Einfachheit, Gewöhnlichkeit. Großes Mysterium, dass sich ausgerechnet hinter diesen Begriffen, die Pforte zu den großen Wahrheiten verbirgt - kein Mensch hält es für möglich.

*Wenn wir die Natur des Geistes verwirklichen, so sagen die Meister, erweist sie sich als unerwartet gewöhnlich. Spirituelle Wahrheit ist nichts Kompliziertes oder Esoterisches, sie ist einfach tiefgründer, gesunder Menschenverstand. Wenn wir die Natur des Geistes erkennen, fallen die Schichten der Verwirrung ab. [...] In einer der größten buddhistischen Traditionen wird die Natur des Geistes «Weisheit der Gewöhnlichkeit» genannt. [...] Eben weil wir unnötigerweise so kompliziert sind, können wir manchmal die Natur des Geistes nicht erkennen, selbst wenn sie uns von einem Meister demonstriert wird - sie ist zu einfach für uns.*

*Das tibetische Buch vom Leben und Sterben* von Sogyal Rinpoche ist eine große Bereicherung und eine warme Empfehlung für alle Suchende. Bestimmt werde ich zukünftig nochmals auf das Buch zurück kommen

Allen Liebhaber der mediterranen Küche kann ich dieses Spargelgericht ans Herz legen. Feine Gemüseküche, die auch durch ihre unterschiedlichen Texturen zu bestechen weiß.


Zutaten 2P:

500g Navet (Mairübchen)*
150g Kartoffeln
1 kleine Karotte
1 Schalotte
Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
optional: 1 Zweiglein Liebstöckel)
1 Stich Butter

ein Bund Artischocken
300g grüner Spargel
2 Knoblauchzehen
5 Tomaten, in Öl eingelegt
12 schwarze Oliven
viel Zitronen-Thymian
Salz, Pfeffer
Olivenöl
4 EL Gemüsebrühe

1 Scheibe Brot vom Vortag gewürfelt
etwas Thymian
Salz, Pfeffer
etwas Butter

Zubereitung:

Das Gemüse für das Pü putzen, schälen und in Stücke schneiden. Die Zwiebel in etwas Butter glasig dünsten. Dann die Mairübchen zufügen und ebenfalls etwas Farbe annehmen lassen. Karotte, Karoffel und Liebstöckel zufügen, knapp mit Gemüsebrühe bedecken, Deckel auflegen und in etwa 20min weich garen. Abschütten und sehr gut abtropfen lassen (evt. noch etwas Brühe auffangen - um später damit die ideale Konsistenz herstellen zu können). Den Liebstöckel entfernen. Den Stich Butter zufügen, glatt pürieren, nochmals abschmecken und warm stellen.

Die Artischocken putzen, vierteln und in Zitronenwasser lagern. Den grünen Spargel schälen und in mundgerechte Stücke schneiden. Den Knoblauch fein würfeln. Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Artischocken, Knoblauch und Spargel darin anbraten, zusammen mit dem fein geschnittenen Thymian. Gemüsebrühe zufügen, Deckel auflegen und bei kleiner Hitze in etwa 8min fertig garen (Probe an Spargel mit Messer). Oliven und klein geschnittene Tomate zufügen, salzen, pfeffern.

Die Brotwürfel als Topping in der Butter knusprig braten. Alles miteinander servieren.

Anmerkung m: wegen Nachfragen: ich habe für dieses Rezept diese Speisrübe verwendet. Ihre Verwandten funktionieren für dieses Rezept eben so gut.

Fingerfood für ein Rendez-Vous

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Mit den Fingern zu essen, finde ich sehr sinnlich. Ähnlich wie wenn man etwas an der frischen Luft ißt, steigert das den Geschmackssinn. Und es verlangsamt die Essensaufnahme. Entschleunigung mögen ja alle Sinne. Fingerfood ist für mich deshalb ein ideales Essen für ein Date, ein Rendez-vous à deux, bei dem man sich immer wieder die Finger abschleckt, ins Gespräch kommt und dabei verliebte Blicke austauscht. Ein Auftakt.

Eben genau dafür serviere ich eine dieser prächtigen, bretonischen Artischocke mit einer Rouille und Miesmuscheln mit Tomatenbaguette. Ein Essenserlebnis, um *passer un bon moment ensemble*, einen entspannten Moment miteinander am Tisch zu verbringen.

Wer mag, stellt noch einen Kerzenleuchter dazu. Mir taugt die harmonische Stimmung mit dem Habib um Welten mehr.

Ein Mal angestoßen, befinden wir uns in einer regelrechten Artischocken-Phase. Die Artischocken schmecken gerade besonders gut - selbst mit einer einfachen Senf-Vinaigrette. Und übrigens auch mit Kindern am Tisch...
 Zutaten 2 P:

2 Artischocken

1kg Miesmuscheln (m: bouchot)
1 Zwiebel
1 Karotte
2 Knoblauchzehen
1 Stangensellerie
1/2 kleine Fenchelknolle
150ml leichte Gemüsebrühe
100ml Weißwein
ein Schuß Pastis
1 Lorbeer-Blatt
1 Stück Orangenschale
1 Zweig Thymian
2 EL Petersilie, fein geschnitten
1 Msp Chili
Olivenöl

Rouille
50g Weißbrot, ohne Rinde
1 Knoblauchzehe
Salz
1 frisches Eigelb (Größe L)
¼ TL edelsüßes Paprikapulver
Chilipulver oder Piment d'Espelette
5-6 EL Olivenöl

 
Zubereitung:

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Von den Artischocken von Hand den Stiel abbrechen - damit zieht man Fasern aus dem Artischockenboden. Die Artischocken in dem Salzwasser ca. 25-35min kochen (je nach Größe). Sie sind durch, wenn sich ein Blatt leicht löst, wenn man darin zieht.

Zwiebeln und Knoblauch schälen und klein hacken. Fenchel, Möhre und Sellerie waschen, putzen und alles klein würfeln. Das Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen. Zwiebeln und Knoblauch darin goldgelb andünsten, Möhre, Sellerie und Fenchel dazugeben und weiterdünsten, bis das Gemüse leicht Farbe annimmt.

Weißwein anschütten und 2-3 Min. kochen lassen. Die Hitze reduzieren und 150ml Gemüsebrühe sowie Pastis dazugießen. Orangenschale, Lorbeerblatt, Thymian und Petersilie waschen und dazugeben. Alles mit Pfeffer und 1 Msp. Chili würzen und zugedeckt bei mittlerer Hitze 20min köcheln lassen. Währenddessen die Muscheln in kaltem Wasser säubern, offene Muscheln wegwerfen. 

Für die Rouille das Brot klein würfeln. Das Brot in ca. 6 EL der Muschelbrühe für 5-10 Min. einweichen. Den Knoblauch fein hacken. Das Eigelb in ein hohes Rührgefäß geben, den Knoblauch, das breiig zerdrücken Brot, den Knoblauch zufügen. Würzen mitSalz,  Paprika- und 1-2 Msp. Chilipulver. Mit dem Pürierstab auf mittlerer Stufe pürieren, dabei nach und nach das Öl dazulaufen lassen. Auf diese Weise alles zu einer dicken, gleichmäßigen Mayonnaise pürieren, diese nochmals abschmecken mit Salz und Pfeffer.

Die Artischocken mit der Schöpfkelle aus dem Wasser heben und in Suppentöpfe setzen. Mit der Rouille zusammen servieren.

Parallel Muscheln bei großer Hitze  in den Gemüsesud schütten und bei aufgelegtem 5-10 Min. garen, bis sich die Muscheln geöffnet haben. Die Pfanne zwischendurch mal rütteln. (Geschlossene Muscheln später unbedingt aussortieren!)

*Anmerkung:  Für die gegessenen Artischockenblätter eine große Schüssel auf den Tisch stellen. Den Artischockenboden nach fertig gegessener Blätter vom Heu befreien und den Boden ebenfalls in die Rouille dippen (dafür darf man dann auch Besteck verwenden). Die geleerte Schüssel kann man anschließend ebenso für die Miesmuscheln brauchen. Man verwendet übrigens eine leere Miesmuschel wie eine Zange, um die Muscheln von der Schale zum Mund zu führen.

Fushion: Mediterrane Schupfnudeln mit Artischocken und Oliven

Freitag, 31. Juli 2015

In Zeiten von Umani, Superfood, Paleo usw. muß sich Fushion-Küche ganz weit hinten anstellen. Als old-school bestenfalls. Vielleicht sogar als überholt. Das gibts schließlich schon EWIG. Wer mixt nicht einfach weltweit zusammen, beliebig, wie es ihm paßt und setzt einen klingenden Namen dazu. Notfalls zückt man: Revolution - damit sollte alles erlaubt sein. Neue Namen - neue Kunden. Auf derartige Marktstrategien reagiere ich großzügig gelangweilt. Deshalb werde ich meine Nahrung nicht im Internet bestellen, sondern weiter schauen, was der Garten hergibt. Egal was andere irgendwo für neue Trends ausrufen.

Ich habe heute also fusioniert in der Küche und mein badisches Grundnahrungsmittel konsequent einfranzösischt. Was hat es lange gebraucht, bis mir klar wurde, dass Bubenspitzle eigentlich das Gleiche sind wie Gnocchi - nur in anderer Form in einem anderen Land. Und ich liebe Gnocchi! Genauso innig wie Schupfnudeln.

Damit meine Schupfnudeln - ein Wort, dass selbst der alkoholisierteste Fränzi wohl nie über die Lippen bekäme - sich richtig schön einschnuckeln in die französische Küche wurde sehr viel Thymian an den Teig gegeben. Und getrocknete Tomaten. Dazu Knoblauch, Oliven, Artischocken und Zitronenbasilikum - tja und kein Einheimischer wäre auf die Idee gekommen, dass dieses Gericht einen völlig unaussprechbaren Namen hat...
Zutaten:

300g Kartoffeln (am Vortag gekocht)
120g Mehl
1 Ei
2 TL getrockneter Thymian
50g Tomaten, getrocknet, in Öl eingelegt, klein geschnitten
Salz

3 kleine Artischocken
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
grüne und schwarze Oliven
Olivenöl
Zitronenbasilikum, in Streifen geschnitten
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1 Zitrone 

Zubereitung:

Für die Schupfnudeln die Kartoffeln schälen und durch die Kartoffelpresse drücken. Mit allen anderen Zutaten mischen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem homogenen Teig verkneten. Zu zwei langen Rollen formen von ca. 2cm Dicke. Stücke von etwa 1,5cm Breite abschneiden und mit den Handflächen länglich rollen.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Die Schupfnudeln wie sie fertig sind ins Wasser geben und sobald sie an die Wasseroberfläche steigen mit einer Schaumkelle rausheben, abtropfen lassen und auf eine Platte nebeneinander setzen.

Die Artischocken rüsten, vierteln und in Zitronenwasser zwischenlagern. Die Zwiebel schälen, halbieren und in feine Streifen schneiden. Den Knoblauch fein würfeln.

In zwei Pfannen etwas Olivenöl erhitzen. In der einen Pfanne die Schupfnudeln rundherum knusprig braten. In der anderen Pfanne zuerst die Artischocken anbraten. Wenn die etwas Farbe angenommen haben die Zwiebeln mitdünsten (damit die Aritschocken schneller gar werden gebe ich gerne 2-3 EL Gemüsebrühe dazu und lege den Deckel für 3-4min auf - aber Vorsicht: sie sollen nicht weichgekocht werden, sondern gar sein, aber noch Biss haben). Zuletzt Knoblauch und Oliven untermischen. Salzen und pfeffern.

Vor dem Servieren beide Pfanneninhalte miteinander vermengen, mit Piment d'Espelette würzen und den Zitronenbasilikum darüber streuen.