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Neugier: Lasagne aux carottes, fines herbes et comté

Mittwoch, 8. März 2023

 
 

Das Bild hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und bereitet mir Freude, wann immer ich daran denke: ein kleiner Junge, vielleicht 2 Jahre alt, wird von seinem Vater im Buggy geschoben. So weit so unaffällig. Was aber direkt ins Auge sticht ist, WIE das Bübchen im Buggy sitzt. Er sitzt nämlich aufrecht, gar leicht nach vorne gelehnt, fast ein wenig angespannt - beide Hände halten sich am Sicherheitsbügel fest, mit wachen Augen und gespitzten Ohren. Wie auf einem Wachposten. Wie ein Jäger im Hochsitz. Wie in der Achterbahn vor dem Start. Als würde hinter jeder Ecke etwas Großartiges warten, etwas Spannendes zu entdecken sein. Neugier am Anschlag, mittendrin im großen Park der Sensationen, im Abenteuer Leben, das Fleisch gewordene Sesamstraßenlied:  tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehen... A-l-l-e-s aufregend! Der Anblick amüsierte mich sehr!

Warum ist diese Art der Begeisterung schwer aufrecht zu erhalten? Anstelle von *aufregend* empfindet man das Leben später eher als *anstrengend*. Derart gespitzte Sinne bei einem Erwachsenen kenne ich eigentlich nur von meinem Habib, dem alten Afrikadurchquerer. In der Wüste muss man sich auf sich verlassen können, da kann man niemanden nach dem Weg fragen - zumindest nicht damals, als der Habib durch die Sahara turnte. Ich weiß auch noch, wie mir diese Wachheit zum ersten Mal an ihm auffiel. Ganz am Anfang, als der Habib und ich zusammengekommen sind, machten wir einen Ausflug an die Mittelmeerküste. Und ich erinnere mich, wie der Habib beim Mittagessen auf der Resto-Terrasse mit eben diesem Interesse für alles und jeden seinen Blick schweifen ließ. Wie eine Art gesteigerte Aufmerksamkeit. Ich stutzte darüber, denn ich begann dann ebenfalls den Kopf zu drehen: anscheinend entgeht mir was. Erde als großes Mysterium.

Neugier macht das Leben definitiv lebenswerter. Aber wie im Urwald auch, gilt es die Wahrnehmung zu schulen, Fährten lesen zu können, Vögelrufe auseinander zu halten uswusf - all das kann Orientierungshilfe bieten, all das kann im Dschungel gar lebenswichtig sein. Kunst-Unterricht samt seinen Bildbesprechungen wäre eine tolle Möglichkeit, um den Blick zu trainieren. Sehen, richtig sehen will gelernt sein. Und wenn das Auge weiß, worauf es zu achten hat, übt es mit der Zeit, Informationen viel schneller abzugreifen, zu filtern, zusammenzusetzen und auszuwerten. Mir hat in dieser Hinsicht die Beschäftigung mit Homöopathie Türen geöffnet.

*Wieviel Geheimnisse weißt du*
 *Drei* versetzte der Alte
 *Welches ist das wichtigste?* fragte der silberne König
 *Das offenbare* versetzte der Alte 
                  (Goethe - Das Märchen)

Das größte Geheimnis ist das Offensichtliche - das ist doch stark, oder?! Aber es braucht dafür *Augen, die sehen und Ohren, die hören können*. Stattdessen benutzen wir unsere Grundaussattung *Wahrnehmung* schlecht bis ungenügend (von Gedankenkraft will ich hier jetzt gar nicht anfangen). Und durch das Handy geben wir das Restvermögen sogar noch ab an ein Maschinchen. Blöder Fehler, saublöder Fehler. Damit steht man bereits mit einem Fuß im Irrsinn, der bekanntlich dort anfängt, wo man seiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kann...


 

Ziehe ich als Beispiel unser Lieblingsresto ran, das mich zu der heutigen Lasagne inspiriert hat. Diese haben wir dort schon zwei Mal gegessen, jedes Mal eine veritable Portion, die gut sättigte und wenig Platz für anderes übrig ließ außer einer kleinen Salat-Dekoration. Der verdiente Mittelpunkt gehörte der Lasagne, zurecht unangefochtener Star. Warum, das werdet ihr beim Nachkochen selbst herausfinden. Fines herbes bezeichnet übrigens eine Mischung aus frischen Kräutern, ich habe dafür Petersilie, jungen Knoblauch sowie Frühlingszwiebeln und Estragon verwendet.

Sehr oft ist ihr *assiette du jour* nämlich das Gegenteil: sehr überladen. Viele unterschiedliche kleine Gerichte, Geschäcker und Aromen drängen sich dicht an dicht nebeneinander. Das macht manchmal Spaß, manchmal ist es aber auch einfach zu viel des Guten.

Und weil sich alles in Allem spiegelt, gilt Gleiches für ihre Passion für Dekoration. Das Resto ist mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, aber es kracht mehr und mehr aus seinen Nähten, man weiß gar nicht mehr, wohin zuerst gucken. Übertrieben halt.

Kleine Beobachtungen wie diese machen den Alltag zum Erlebnis. Ich glaube, das ist mit einer der Gründe, warum ich mir das nicht entgehen lassen will. Und weil man mit der Zeit merkt, dass die Sinne sich schärfen lassen, je mehr sie auf Habacht sind. Und weil man seiner Beobachtungsgabe immer tiefer vertraut und damit seinem eigenen Urteil. Und Urteilsfähigkeit ist in meinem Universum, in dem der freie, eigenverantwortliche Mensch das Ideal ist, ein angestrebtes Ziel.


Zutaten 2P:

Lasagne-Blätter:
50g Kamut-VK
50g Dinkel 1050
1 Ei
Salz
....
500g Tomaten (m: halb stückig, halb Ofen-Tomaten)
2 Knoblauch-Zehen
2 Lorbeer-Blätter
1 TL Rohrzucker
Salz, Pfeffer
Thymian
Harissa
2 EL Balsamiko-Reduktion 
....
2 Karotten
150g fines herbes (frische Kräuter/ oder Mangold, nur das Grün)
100g Comté

 

Zubereitung:

Pastateig zubereiten, dafür alle Zutaten zu einem homogenen Teig kneten und eingewickelt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Dann die Sauce auf den Weg bringen. Dafür in Olivenöl den fein gewürfelten Knofi anschwitzen, Tomate zufügen, salzen, pfeffer, Thymian und Lorbeer-Blätter zufügen, würzen mit Zucker und Harissa und offen bei kleiner Hitze einreduzieren lassen auf etwa 300ml. Lorbeerblätter entfernen und abschmecken mit Balsamico-Reduktion. Gebenenfalls nochmals nachwürzen. Die Tomatensauce sollte sämig und gut würzig sein-

Karotten bürsten, der Länge nach halbieren und dann der Länge nach in lange Scheiben schneiden. In etwas Salzwasser mit einem kleinen Stich butter und einer Prise Zucker weich garen.

Die frischen Kräuter waschen, trocken schütteln - von Stielen befreien (Petersilie) und mittelfein hacken. (Mangold von den Stielen befreien (und diese für ein anderes Gericht verwenden), waschen und über Wasserdampf garen. Dann kleiner schneiden).

Pastateig dünn auswellen (m: Marcato)  und in 5 gleichgroße Stücke schneiden. In einer breiten, tiefen Pfanne Wasser erhitzen, salzen und die Teigplatten nacheinander darin kochen. Auf einem sauberen Küchentuch glatt auslegen.

Den Ofen auf 200°C vorheizen.

Die 1kg-Form buttern und nun die Lasagne schichten: dafür mit ein wenig Tomatensauce beginnen, dann ein Lasagne-Blatt - Tomatensauce - Karotte - Mangold - Käse (geraspelter Comté) - Lasagneblatt .... mit einem Lasagneblatt, Tomatensauce und Käse abschließen.

Die Lasagne etwa für 25min in den Ofen schieben.
 
Anmerkung m: fines herbes wird eine Mischung aus unterschiedlichen frischen Kräutern bezeichnet - je nach Jahreszeit Petersilie, Kerbel, Schnittlauch, Estragon (aber auch Basilikum, Koriander... je nach Rezept und Aromenwunsch) - sie würzen diese Lasagne nochmals mit - und die Qualität der Sauce ist entscheidend bei dieser Lasagne: die muss schön sämig und gut würzig sein. Dadurch dass ich sie bereits 2 Mal zubereitet habe und beim 2. Mal die Sauce zu *dünn* wurde, weiß ich das gewiß. Wer keine Ofentomaten hat, nimmt stattdessen stückige Tomaten und zwar möglicherweise insgesamt 600 g, die dann auf die Hälfte einreduziert wird


Sommervariante: hier war die Sauce besser geglückt = würziger und sämiger

Follower - Zucchini-Lasagne

Sonntag, 7. August 2022


Wenn ich eines in all den Jahren Bloggerei nie bereut habe, dann dass ich mich von Anfang an den Sozialen Netzwerken verweigert habe. Twitter und Facebook fange ich überhaupt nichts mit an. Null. Habe ich nie konsumiert. Das Gleiche gilt für TikTok und all die anderen Nachkömmlinge. Instagram kann mich insofern mal anziehen, als dass ich Fotographie mag. Und Fotos kommen auf dieser Plattform sehr gut zur Geltung. Youtube wiederum kann ich mir nicht wegdenken, weil sie mir meine Yogalehrer in die Wohnung bringen. Youtube ist toll - und warum auch immer (?) kann ich es ohne Werbung nutzen.

Mich selbst oder Rezepte zu filmen, käme mir nicht in den Sinn. *Bühne* im engsten und auch weitesten Sinn hat mich noch nie interessiert. Den Reiz, sich darzustellen und zeigen zu wollen, kenne ich bien sûr dennoch - diese Lust befriedigt mir die gelegentliche Teilnahme an 12 von 12 in Gänze. Von Blog-Foodie-Kollegen lasse ich mich nach wie vor gerne zum Nachkochen inspirieren.

Wie ich hier laut machte, habe ich eine kleine handvoll Menschen, die ich gelegentlich auf ihren Accounts besuche. Sailing la Vagabond etwa. Oder das Yoga-Pärchen Bre und Flo. Ich fand diese neue Möglichkeit faszinierend, dass ein erfolgreicher Social Media Account eine Existenz ermöglicht. Zuerst sah ich darin eine neue Form von Freiheit. *Fand/ sah* - Vergangenheitsform. Einzig Mady Morrison bleibt in meiner kleinen Blase ein gelungenes Beispiel dafür, ihre Online-Präsenz lediglich und ausschließlich für berufliche Zwecke zu verwenden. Eisern behält sie ihr Privatleben für sich. Ihrem Erfolg tut das keinen Abbruch.

Meine heutige Skepsis rührt daher, dass ich beobachten musste, dass andere von dem Sog (der Eitelkeit/ Ehrgeiz/ Beifalls ?) geschluckt werden. Eben ihre Freiheit verlieren. Und dabei sind die Grenzen fließend, das verstehe ich schon: eben habe ich noch eine Szene aus meinem Leben dokumentiert, andere wie nebenher mitgenommen und teilhaben lassen. Und schon versuche ich Szenen herbeizuführen, damit ich für andere etwas *Vorzeigbares* festhalten kann. Wie verändert sich menschliches Verhalten, wenn man sich dabei beobachtet/ unbeobachtet weiß? 

Mit großem Unbehagen schaue ich eben solchen konstruierten Momenten bei meinen beiden mir durchaus sympathischen Jungfamilien zu, wie sie sich zunehmend selbst inszenieren, um möglichst viel Emotionen beim Betrachter zu wecken. Echte Menschen mit echten Gefühlen degradieren zu Schauspielern in einem selbstgeschriebenen Bühnenstück. Wie leicht und schnell das eine in das andere rutscht und der Zweck zur Absicht wird...

Das finde ich schlimm. Ruinös. Läßt sich ein einmal losgetretener Aushöhlungsprozess wieder stoppen? Wieviel Kraf braucht es, einer Sucht Einhalt zu gebieten?!

Der Ausverkauf von Privatem und Intimen ist der Ausverkauf der Seele. Mit der Selbstvermarktung verramscht man seine Innerlichkeit, gibt sie wie im Kaufladen der Öffentlichkeit preis. Der innere Tempel wird zur Markthalle (ich erinnere an *intimitätskleinlich*). Das ist der Anfang vom Ende. Zumindest in meiner Welt, in der Innerlichkeit und die Demut vor der Natur als Heimat und Herkunft, die existenziellsten Schätze eines Wesens ausmachen, das Wahrhaftigkeit anstrebt, Erkenntnis und Ichkraft.

 


 

Wahrscheinlich hängt es bei mir schon an diesem *Follower*-Ding. Lacht mich aus, aber schon aus Prinzip weigere ich mich, irgendjemand anderem zu followen. Dieser Button wird von mir nicht touchiert. Das nehme ich bierernst! Gerne besuche ich andere und lasse mich besuchen. Aber hinterherlaufen, nee, das ist wie ein Tandem-Fahrrad - dafür bin ich nicht geschaffen, wurde nicht für mich erfunden. Ich will meinen eigenen Weg suchen, brauche Platz und Raum dafür - und vertraue meine Gefolgschaft (ein äußerst exklusives Gut) nur jenen an, denen ich mit allen Sinnen vertrauen mag.


Lasagne ist ein Lieblingsessen von mir. Immer wenn ich uns verwöhnen will, dann gibt es Lasagne. Gut, eben auch gerne einfach frische Pasta. Das weckt in mir so das huggelige Mamaküche-Großfamiliengefühl... zumindest, wie ich es mir in rosaroten Farben in meiner Phantasie vorstelle...


Geschwister im Blog-Unisverum:


  **** mediterrane Lasagne

  **** Parmigiani-Lasagne


Zutaten 2P:

Lasagne-Blätter:
100g Mehl (m: halb Kamut-VK/ halb D 1050)
1 Ei
1 EL Öl
Salz
 
1 große Zucchini
2 Knoblauchzehen
2 TL Oregano
Kräutersalz
Olivenöl
200ml Milch
50ml Weißwein
25g Butter
2 EL Mehl
einige Salbeiblätter
1 Knoblauchzehe
Zitronenzesten
1 EL Tomatenmark
1 EL Tamari-Sauce
2 Romatomaten
1 Mozzarella
etwa Ziegen-Gauda

Zubereitung:

Pastateig zubereiten, dafür alle Zutaten zu einem homogenen Teig kneten und eingewickelt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Ofen auf 210°C vorheizen.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen, mit Olivenöl bestreichen. Zucchini fein hoben (m: 2-3mm) und dachziegelartig auf dem Backblech auslegen. Mit fein gehacktem Knofi und Oregano bestreuen, mit Kräutersalz würzen und mit Olivenöl besprenkeln. Für ca. 30 min in den Ofen schieben - so lange, bis sich die ersten braunen Stellen zeigen. Dann von der kurzen Seite aus in vier Streifen teilen.

Parallel die Milch mit Knofi und Salbeiblättern erhitzen, aufwellen lassen und dann mit geschlossenem Deckel ziehen lassen für 15min.

Um eine Béchamelsauce herzuzstellen, Butter in einem kleinen Topf schmelzen und das Mehl einrühren. Ein paar Minuten das Mehl rösten ohne Farbe annehmen zu lassen. Milch durch ein Sieb und Weißwein zufügen und mit einem Schneebesen zügig und stetig zu einer cremigen Sauce rühren. Salzen, pfeffern. Mit Tamari würzen und Zesten und Tomatenmark untermischen. Zur Seite stellen.

Pastateig dünn auswellen (m: Marcato)  und in 5 gleichgroße Stücke schneiden. In einer breiten, tiefen Pfanne Wasser erhitzen, salzen und die Teigplatten nacheinander darin kochen. Auf einem sauberen Küchentuch glatt auslegen.

Eine Form (m: 1l - Kastenform) buttern. Die Roma-Tomaten in sehr dünne Scheiben schneiden. Etwas Béchamelsauce auf den Boden geben, ein Pastablatt darauflegen, ein Streifen Ofen-Zucchini, ein 3-4 Tomatenscheiben, etwas Mozzarella, Sauce - nächstes Pastablatt (3x wiederholen), abschließen mit ein wenig Sauce und Ziegengauda. Nochmals mit etwas Oregano und Olivenöl toppen und für ca. 30 min bei 180°C in den Ofen schieben.

 


Im Zuge meiner Follower-Gedanken kam mir dieser Beatles-Song in den Sinn.... er geistert mir nun seit Tagen als Ohrwurm durch den Kopf - wobei wir hier gerade alle dem Regen hinterher laufen würden. Wie geht nochmal Regen?


landscape of fear - Lasagne aus ofengerösteten Tomaten und Auberginen

Sonntag, 8. August 2021

 

*Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?* spielten wir in meiner Kinheit oft. Kennt ihr das noch? *Niemand*, brüllt die Gruppe zurück, doch alles rennt, wenn er kommt. (Das soll hier keine Mohrenkopf-Diskussion werden - bei mir darf jeder die Wörter benutzen, die er will, so lange sie nicht getragen werden von einer gehässigen Gesinnung.)

Für mich stellt der schwarze Mann das Stellvertreterprinzip dar für das Andere/ Unbekannte/ Fremde/ Gefährliche. Bref: das Leben. Dem Leben, welchem die Jugend mit aller Erwartung, Spannung und Neugier gegenüberstehen sollte, voller brennender Gier, Ungeduld und Hoffnung auf all das, was vor ihnen liegt. Doch auf unterschiedlichste Arten drücken sich die meisten, bevor es richtig losgeht, durch einen Seitenausgang, um dem Leben auszuweichen und um sich nicht stellen zu müssen. Sei es Alkohol oder andere Drogen, das Vergraben in einem Beruf, exzessiver Sport, Sexsucht oderoder... alles unwesentliche Nebenschauplätze um sich rauszupissen, nicht versetzungsrelevante Nebenfächer, in denen man in Dauerschleife dann auch hängenbleibt.

Sehr oft liegt diesem Ducken irgendwelche Ängste zugrunde. Alle eint, dass sie sich einem rationalen Zugriff entziehen: ob diffuse Lebensängste wie konkrete Phobien vor Spinnen oder Schlangen, vor Höhe oder Tiefe... Auch das Resultat dieser inneren Ängste gleicht sich: sie engen den Menschen ein, blockieren ihn und er nimmt sich damit (bewußt oder unbewußt) ganze Erfahrungsräume.

Meinem Erleben nach findet sich auf diesem Planeten keine bessere Medizin, um sich dem Trüben in seiner Seele zu stellen, als sich aufzumachen und auf Weltentdeckung zu gehen. *Komischerweise ist es beim Reisen gerade das, was nachher wie Junk die Blutgefäße durchströmt: die Ungewissheit! Denn ja, ich komme immer wieder darauf zurück, weil es für die individuelle Weiterentwicklung nur eine Richtung gibt - there is no way out than trough: die Selbstüberwindung - eine der mächtigsten, menschlichen Waffen, um sich von inneren Hindernissen, seinem inneren Feind nicht den Weg abschneiden zu lassen; allerdings auch eine, die schwer in der Handhabung ist.

Über das Leitmotiv Angst habe ich mir - wie die Links zeigen - schon viel Gedanken gemacht. Aber immer besonders spannend, wenn man einen neuen Faden dazu weben und den Gedankenteppich weiterspinnen und größer werden lassen kann. Die Forschung der Wissenschaft ist auf folgendes faszinierendes Phänomen gestoßen, was sie *the landscape of fear* getauft hat: Ein Ökosystem gerät dann aus den Fugen, wenn die wichtigsten Fressfeinde fehlen. Dann entsteht ein Ungleichgewicht und die Bioversität verschwindet. Faktor Angst als Symbol für eine gesunde, intakte Artenvielfalt.

Wie etwa in dem Rewilding-Projekt in Mosambik zu beobachten ist, wo durch anhaltende Bürgerkriege ein Großteil des Tierbestands ausgerottet wurde. Die Ökologin Justine Atkins erregte dort mit ihrer Arbeit, wie sich "Landschaften der Angst" zu "Landschaften der Furchtlosigkeit" entwickelten, viel Aufmerksamkeit. Nun zum Nationalpark erhoben konnten sich die Grasfresser sehr vermehren, weil es keine Raubtiere mehr gab. Was verschiedene Folgen nach sich trug. Denn die Antilopen veränderten daraufhin ihr Verhalten. Sie streiften jetzt durch das offene Grasland, wo es besonders nahrhafte Pflanzen gab, an die sie sich früher nicht herangetraut hatten. Abgesehen davon, dass sie dadurch größer und dicker wurden, bedrohten sie nun die regionale Fauna. Und es zeigte sich, dass sich Spezies gegenseitig Futtergründe streitig machten, die sich in einem natürlichen, gesunden Biotop gar nicht in die Quere gekommen wären. (s. dazu auch  Arte Doku wiedererstarkte Wildnis - Mosambik und wiedererstarkte wildnis - Neustart in Tswalu).

Das ist doch phänomenologisch ein astreiner Superfund! Angst formt nicht nur den Einzelnen, Angst formt ganze Landschaften! Und zwar maßgeblich und essentiell!  Sinnlose Panik hat in der Evolution noch nie einen Vorteil gebracht. Begründete Vorsicht dagegen schon. (SZ - Ökosysteme, wo die Angst regiert). Heißt doch zusammengefasst. *Know your enemi!* Auf den Menschen übertragen ist das etwas schwierig, weil er sich schon zu lange für die Krone der Schöpfung hält. Da hilft es leider auch nicht viel, wenn Papst Franziskus schwer zurückrudert. Ein Mal die Nase zu hoch gehalten, erzählen sämtliche griechischen Sagen wie der verblendete Held seinem Ende entgegen schreitet. Wer ist also der schwarze Mann, den der Mensch wirklich fürchten sollte?

Denn ja, Fressfeinde hat der Mensch keine. Wovor also sich in acht nehmen? Geht es dabei nicht viel mehr um die mögliche, freie INNERE Entwicklung eines Menschen? Ich lande bei diesem Gedankenspiel direkt bei  homo homini lupus - der Mensch ist dem Menschen ein Wolf  (Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist). Oder wie Remarque es so gut ausdrückte: *Eine Hyäne ist immer eine Hyäne. Ein Mensch hat mehr Variationen.*

Der heutige Zeitgeist hat uns in eine Phase geführt, die man sich im Mittelalter nicht im Ansatz hätte vorstellen können, und die ich *das große Einerlei* nannte. Uns Menschen ist die Fähigkeit abhanden gekommen, urteilsfähig zu sein. Wir verweigern uns, zu einem Schluß zu kommen, wir verweigern uns dem Sinn des Lebens: der Erkenntnis. Aber wie kommt ein Mensch dahin, dass er sich zutraut ein Urteil über andere seiner Art zu fällen?

Ich behaupte, das ist nur möglich über folgenden Vierklang:

* der Mensch braucht in sich selbst einen festen Stand, einen Maßstab (Werte, denen er sich verpflichtet und freiwillig unterstellt), 

* er benötigt scharfe, klare, verlässliche Sinne (*Der Irrsinn beginnt da, wo du deiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen kannst*),  

* er benötigt eine funktionierende Selbstreflektion (Schillers Schlüssel: Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben, Willst du die andern verstehn, blick in dein eigenes Herz) und 

* er braucht einen inneren Kompaß (*Du musst immer wissen wo du bist und wo du hinwillst, sonst gehst du tot* ermahnt der Abenteurer). 

Zu viel verlangt? Über den Tisch gezogen worden und zum Futtertier dekradiert von anderen mit keinen guten Absichten? Tja, Pech für Egon, selber schuld - nicht aufgepasst!




Was ich kulinarisch überzeugend finde, dekliniere ich genauso durch, wie all das, was mich geistig fasziniert. Wenn ich mit ofengeröstetem Gemüse begonnen habe, ist noch immer was Köstliches bei rausgekommen. Und ich weiß nicht, ob ihrs wußtest: aber ich LIEBE frische Pastagerichte!


Zutaten 2P:

Lasagneblätter:
50g Kamut-Vollkorn
50g Hartweizenmehl (Semolina)
1 Ei
1 EL Olivenöl
2 TL Thymianblättchen, getrocknet
1 Pr Salz
 
600g Kirschtomaten
3-4 Knoblauchzehen
1 TL Thymian, getrocknet
1/2 TL Rohrzucker
Salz, Pfeffer
4-5 EL Olivenöl
 
1 Aubergine (ca. 450g)
Olivenöl
Salz, Pfeffer
1 EL Rosmarin, gehackt
 
etwas geriebenen Parmesan
1 Mozzarella 
Thymian
Olivenöl

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 5 Blätter* passend für meine 1kg-Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Ofen auf 210°C (Umluft) vorheizen.

Die Kirschtomaten halbieren, in eine ofenfeste Form setzen, klein gehackten Knofi ebenso wie Gewürze darüber streuen, würzen und mit Olivenöl beträufeln und für ca. 25min in den Ofen schieben.

Aubergine in ca, 3mm dicke Scheiben hobeln, auf zwei mit Backpapier ausgelegten und mit Olivenöl bestrichenen Backpapieren auslegen, nochmals mit Olivenöl bepinseln, würzen und ebenfalls für 25min in den Ofen (geht möglicherweise zusammen mit den Tomaten, wenn man es geschickt macht - dann zwischendurch die Feuchtigkeit immer wieder rauslassen aus dem Ofenraum).

Ofen auf 200°C runterschalten.

Die Lasagne schichten. Form mit Olivenöl auspinseln, beginnen mit etwas Tomate, Nudelblatt, Tomate, Aubergine, ein wenig Parmesan, Nudelblatt, Tomate... abschließen mit Lasagneblatt, etwas Tomate, den in Scheiben geschnittenen Mozzarella. Mit Olivenöl beträufeln und würzen und ab in den Ofen für weitere 20-25min.

Anmerkung m: ich habe für diese Lasagne lediglich 4 Nudelblätter verwendet - dann war meine 1kg-Kastenform samt Gemüse bereits voll gefüllt

 

    ****    Geschwister im Blog-Universum: mediterrane Lasagne    ****

 

Je ne suis pas... - Parmigiani-Lasagne

Samstag, 5. September 2020


Non, je ne suis pas Charlie Hebdo! Zum zweiten Mal in diesem Jahr kriselt es zwischen meiner Wahlheimat und mir. Was soll das? Erneut diesen Müll zu drucken, der für so viel Entrüstung gesorgt hatte? Und ein Staatspräsident, der hinsteht und verkündet: *Blasphemie ist Teil unserer Freiheit!* Das ist ja interessant (alamierend): Respektlosigkeit wird neuerdings also unter Freiheit einsortiert?! Vergessen wir Europäer mit der Lust an der Gotteslästerung im gleichen Moment auch unseren Humanismus?

Versteht mich nicht falsch. Selbstverständlich rechtfertigen geschmacklose Karikaturen keine Morde! Aber das zu beleidigen, was anderen lieb und teuer, ja gar heilig ist, entspricht nicht meinem Wertekanon! Ganz im Gegenteil: da schäme ich mich für meine Kultur in Grund und Boden! Religionen eint, dass sie versuchen Wege aufzuzeigen, wie friedliches Miteinander möglich ist. Und ja, Religion kann missbraucht werden. Zweifellos. Das hat die Geschichte mehrfach gezeigt. So, wie alles verdreht und missbraucht werden kann. Für mich sind diese Karrikaturen Missbrauch der Freiheit. Und Missbrauch der Kunst. 

Mit Freiheit muss man umgehen können. Freiheit unterliegt nämlich unbedingt Regeln und Gesetzen - das ist kein heiloses Durcheinander, keine Willkür und hat nichts gemein mit Anarchie. So wie sich in meinem Kunstverständnis ebenfalls die Kunst bestimmten Werten zu unterwerfen hat. *Takt ist der Verstand des Herzens* trifft es Karl Ferdinand Kutzkow so schön. Sind wir dazu nicht mehr fähig? Sind wir so sehr abgestumpft? Sind uns die verletzten Gefühle anderer einfach egal? Haben wir unsere Empathiefähigkeit verloren, eingebüßt, verkauft?

Was ist das überhaupt für eine Doppelmoral? Gegen Hass und Hetze im Internet will man gesetzlich vorgehen, aber in der Politik gehört es zum alltäglichen Geschäftsgebaren? Die eigentliche Absicht hinter dieser erneuten Schmähung ist doch nur zu offensichtlich: ein Mal mehr wird der arabischen Welt von uns Weißen der Mittelfinger gezeigt. Wir sind die Moderne, der Fortschritt, die Leitkultur, bref: *wir sind richtig - ihr seid falsch.* Dass man die Eitelkeit eines Volkes so tumb am nationalistischen Bauch kraulen kann. Ach, diese blinde, dumme, eingefleischte Hybris schmerzt mich umso mehr, als dass ich gerade (zutiefst beeindruckt) *Americanah* lese (FETTE Empfehlung!). Und man fragt sich automatisch, wieviel weitere Jahrhunderte diese Gattung Mensch braucht, um sich dort einzuordnen, wo sie hingehört.

Ich bin und bleibe Micha. Weltenbürgerin. Pazifistin.


Zuerst schleckte ich mir alle 10 Finger nach dieser Lasagne, dann habe ich den Klassiker *Parmigiani di Melanzane* auf den Tisch gebracht. Die Vorzeichen mehren sich, dass die Aubergine mein Lieblingssommergemüse 2020 wird! Und mit frisch zubereiteter Pasta aller Art kann ich mich bekanntermaßen ja stets kulinarisch verwöhnen.

Zutaten 2P:

50g Einkorn-Vollkorn
50g Dinkel 630
1 Eigelb
1 EL grüne Oliven-Tapenade
etwas Olivenöl

1kg Tomate
3 Knoblauchzehen
Thymian
1 Aubergine (ca. 400g)
2 EL grüne Oliven-Tapenade
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
2 TL Oregano
1 Mozzarella
80g Tomme de Chevre
Olivenöl

Zubereitung:
 
Die Tomaten überbrühen, häuten, halbieren, in eine ofenfeste Form setzen, mit Olivenöl beträufeln, mit kleingewürfeltem Knofi, Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und Thymian würzen und bei 220° (Umluft) ca. 45min in den Ofen schieben (quasi Ofentomaten - nur ein wenig kürzer und unpüriert ;)
 
Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 5 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Die Aubergine der Länge nach in Scheiben hoben (m: Börner - zweitdünnste Stufe), nebeneinaner auf ein mit Olivenöl bestrichenes Backpapier auf einem Backblech auslegen. Mit Olivenöl bepinseln und etwas getrocknetem Oregano bestreuen. Ebenfalls für 20min in den Ofen schieben. Alternativ kann man die Auberginen-Scheiben auch in der Pfanne braten.

Mozzarella in kleine Würfel schneiden.

Die Kastenform buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von den Ofen-Tomaten, Lasagneblatt mit etwas Tapenade besteichen, ein Viertel von den Auberginen-Scheiben, ein wenig Mozzarella, Tomatensauce, Lasagneblatt... das 3x wiederholen - abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas Ofentomaten, dem geriebenem Tomme-Käse, getrocknetem Oregano und etwas Olivenöl. Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben.
 

Parcours de vie: Wirsing-Lasagne mit Pilzen

Mittwoch, 4. März 2020


Dieser Tage kürzte ich einen Vorhang. Und dabei kam alles wieder hoch, was ich am Nähen hasse. Mit voller Überzeugung hatte ich damals im zweiten Schneiderlehrjahr meine Ausbildung abgebrochen. Dabei lief es gar nicht mal so schlecht - das erste Lehrjahr in der Industrie als Bekleidungsnäherin absolvierte ich als Beste von Baden-Württemberg.

Der Master-Plan nach dem Abi lautete nach beendeter Schneiderlehre Kostümbild zu studieren. Nicht, dass ich vorher je genäht hätte. Aber mir fiel einfach nix anderes ein. Was habe ich Jörg* aus meiner Klasse beneidet, dem in der 5. Klasse schon klar war, dass er Arzt werden würde. Hey, und ich habe ihn gegoogelt - er ist heute Arzt. Ich wußte damals nur, dass ich die Schnauze gestrichen voll hatte von all der Theorie.

Aber dass es in der Praxis dann derart hart kam. Keiner hatte mich beispielsweise vorher aufgeklärt, dass Bügeln unabdingbar zum Nähen gehört. BÜGELN!!! Ach und diese Hockerei und diese Mini-Mikroskop-Fummelei - ich fands Horror. Genauso wie das Hinwerfen. Das war auch Horror. Weil ein Plan B fiel natürlich zeitgleich nicht vom Himmel.

Und doch war das eine wertvolle Zeit - rückblickend. Selbst wenn sich solche Brüche in der *Karriere* nicht zwingend schmuck machen. Ich wollte sie nicht missen. Im Gespräch mit meiner Freundin Florence, deren berufliche Vergangenheit hauptsächlich aus Schleifen - allerdings erfolgreichen - zu bestehen scheint, fiel das Wort *parcours de vie* für Lebenslauf. Ach, das gefiel mir sofort. Das ist doch viel bildhafter: das Leben als Trimm-Dich-Parcours.

Ohne weitere Umschweife fiel ich gedanklich zurück in meine Reiterferien als Teenie, in denen ich im Haupt-und Landesgestüt mein Reitabzeichen machen wollte. Den Reiterpass hatte ich bereits in der Tasche. Und Herbstball, mein brauner Wallach mit dem weißen Stern und ich schwangen schnell in Harmonie durch die Dressur, nich (für alle Pferdemädchen), so wie in Avatar, wo die Na'vi ihren Zopf mit dem Pferdeschweif verbinden. Genau so. Nur beim Springen schien Herbstball irgendwie kaputt zu sein. Wir ritten in gerader Linie auf das Hindernis zu, wo er im letzten Moment einen zackigen Schlenker drumherum machte. So beharrlich, dass irgendwann der Reitlehrer aufstieg, um mal nachzusehen, wo die Bremse hängt. Und siehe da: mit einem eleganten Sprung flog mein Herbstball samt Reitlehrer über den Oxer. 

Ich hatte nicht zugeben wollen, dass ich - trotz Reiterpass - noch nie gesprungen war. Und üblicherweise hüpft man anfangs erst einmal über ein paar Balken in Bodennähe und nicht gleich über richtige Hindernisse. Herbstball hatte mich völlig richtig verstanden. Springen war mir wie Bügeln. Oder so

Vielleicht kann man sagen, dass je bunter und unterschiedlicher ein Feld mit *Schikanen* aller Art in einer Biographie aufgebaut ist, umso vielfältier sind die Erfahrungen, die man daraus gewinnen kann!? Mit absoluter Sicherheit aber geht das mit deutlich mehr Mühen vonstatten als das Lesen dieses Satzes. Sowieso sieht man mittendrin die Chancen weniger bis überhaupt nicht. Ich war damals tief enttäuscht, als das mit dem Reitabzeichen nichts wurde, hatte aber mit Abbruch der Schneiderlehre erlebt, dass es stimmt, dass wenn man eine Tür schließt, sich eine andere dafür öffnet.

Mein weiser, weitgereister, lebenskluger und wachsamer Habib prophezeit mir, dass ich irgendwann in der Lage sein werde - so wie er - Ereignisse wie Perlen auf eine Kette zu fädeln, die dann auf einmal einen Zusammenhang erkennen lassen und nicht vereinzelt in der Landschaft stehen. Der berühmte rote Faden - es gibt ihn wirklich: *Wir hören von einer besondern Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören* (Goehte *Wahlverwandtschaften*). Darauf lebe ich hin.

Um zurückzufinden zu meiner Gardine: ich brauchte endlos. Fürchterlich! Ich konnte mir selbst kaum zusehen - es handelte sich ja schließlich nicht um einen Plissée-Rock sondern lediglich um ein pupsiges Stück Stoff. Und zu aller Schmach ist mein Vorhang noch nicht einmal gerade geworden. Selbstverständlich werde ich verschweigen, dass ich es war, die ihn gekürzt hat. Und eine Schneiderlehre werde ich ebenfalls nie erwähnen, wenn ich mit irgendjemand vor diesem Fenster stehe.

(*Name von der Reduktion geändert)


Zu diesem Text gehört eindeutig Pasta, oder?! Eine Lasagne. Dann wird das Leben fast wie automatisch weniger kompliziert wie das Kürzen eines Plissée-Rocks...

Zutaten 2-4P:

60g Einkorn-VK
40g Hartweizenmehl
1 Ei
1 EL Öl

400g Wirsing
50ml Gemüsebrühe
1/2 TL Kreuzkümmel
2 EL Sonnenblumenöl

150g Champignons
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
40g getrocknete Tomaten
1 EL Rosmarin, fein gehackt
1 TL Thymian, getrocknet
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl

35g Butter
1 1/2 EL Mehl
1 Schuß Weißwein
50ml Sahne

120g geriebener Käse (m: Tomme de Montagne)

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 6 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Den Wirsing in mittelfeine Stücke schneiden, mit dem Sonnenblumenöl mischen und mit dem Kreuzkümmel würzen - bei 200° für ca. 15min in den Ofen schieben, zwischendurch wenden. Dann die Gemüsebrühe anschütten und für weitere 5min im Ofen garen. Salzen und pfeffern.

Die getrockneten Tomaten mit kochendem Wasser übergießen und 15min ziehen lassen. Die Tomaten kleinschneiden - das Einweichwasser aufbewahren. Die Zwiebel fein würfeln, den Knoblauch von seinem Trieb befreien und ebenfalls fein würfeln. Die Pilze in Scheiben schneiden (je nach Größe vielleicht noch etwas kleiner). Die Zwiebel in wenig Olivenöl glasig dünsten, Pilze zufügen und mit den Tomante, dem Knoblauch und Rosmarin sowie Thymian weiter braten. Salzen, pfeffern und mit Piment würzen. Alles zur Seite in eine Schüssel geben. Die Pfanne zurück auf die Flamme stellen und den Bratansatz mit einem guten Schuß Weißwein lösen. Zusammen mit dem Einweichwasser der Tomanten kurz aufkochen lassen. Vom Herd ziehen.

In einem kleinen Topf die Butter schmelzen lassen, das Mehl darin rösten und mit dem Einweichwasser (insgesamt ca. 100ml) und der Sahne zu einer cremigen Béchamel-Sauce rühren. Salzen und pfeffern. Die Pilzmischung unterrühren.

Backofen auf 200°C Umluft vorheizen.

Nun das Schichten beginnen in eine gefettete Auflaufform (beginnend mit etwas Pilzsauce auf den Boden der Form):  Lasagane-Blatt/  Pilzsauce/ Wirsing/ Käse - beenden mit einem Pastablatt etwas Pilzsauce und ordentlich Käse

Im heißen Ofen ca. 30min knusprig golden gratinieren lassen.

Inspiration: Essen und Trinken


Baukasten: Lasagne weiß-grün

Sonntag, 2. Juni 2019


Wären die Menschen zufriedener, wenn das Leben wie ein Baukasten-System funktionieren würde? Wenn man - sagen wir mit der Volljährigkeit - einen Fragebogen ausfüllen dürfte, um verschiedene Eigenschaften, bestimmte Qualitäten festlegen zu können? Vielleicht kommt das ja in Zukunft. Mit der Gen-Forschung bieten sich bald vieleviele Möglichkeiten, wenn es beispielsweise um das Thema *Kinderwunsch* geht. Da wird bereits im vorhinein viel festzulegen sein. 

Aber ob ein paar Kreuzchen, für die man sich vorab entscheiden durfte, zu mehr Zufriedenheit im eigenen Leben führt? Hmmmm, ich weiß es nicht.... Für mich, die ich an Vorherbestimmung glaube, eh eine komplett verrückte Vorstellung. Aber heute - man gibt sich aufgeklärt - haben doch die meisten Firlefanz wie Kismet als mögliche Erklärung für Unerklärbares rausgestrichen. 

So oder so bleibt die wichtigste Vorraussetzung - also ob mit Fragebogen oder ohne -, dass man wissen sollte, was man will. Ansonsten wirds selbst bei einem schlichten Multiple-Choice-Fragebogen doof. Wahlfreiheit bleibt Wahlfreiheit - ob groß oder klein. Bon, die hat man wohl weniger, wenn es darum geht, welche Kinder einem zugeteilt werden, aber für das eigene Leben darf man die Zügel durchaus in die Hand nehmen. Wenn man will. Oder ist das mehr ein Können?

In meiner Jugendzeit galt das Motto *Verwirkliche dich selbst*. Vorallem in beruflicher Hinsicht. Und das ging durchaus einher mit einem gewissen gesellschaftlichen Druck. Auf jeden Fall hielt mir dieses Angebot ganz deutlich vor Augen, dass in den Breitengraten, in denen ich aufwachse, Emanzipation sehr weit fortgeschritten ist. Ich hatte den Eindruck, wirklich alles machen zu können, was ich will. Ich musste halt nur wissen, wohin mit mir. Gleichzeitig versperrten mir diese vielen offenen Türen den schlichten Gedankengang, ebenso karrieretechnisch ganz kleine Brötchen zu backen und mein Glück in der Familie zu suchen. Das war in meinem Umfeld einfach keine Option: eine junge Frau braucht eine gute Ausbildung. Wenngleich ich immer wieder feststellen muss, dass bis heute Frauen in anderen Kulturen mit vielen Kindern um sich sehr glücklich sein können. Bei wenn-dann-Sätzen muss man in der Schlussfolgerung aufpassen (das weiß niemand besser wie die Mathematik).

Fakt ist: für die handelsübliche irdische Vorgehensweise hilft, wenn man Schritte absichtlich Richtung Zielvorstellung macht. Übrigens ist der gerade verlinkte Artikel ein Lieblingsartikel von mir - der wird demnächst in *Pro centum* wieder auftauchen. Ebenso wie dieser, bei dem es generell um *Zufriedenheit* geht. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass man auch bekommt, was man will. Wer nur *Ferrari* oder *Waschbrettbauch* im Kopf hat, der hat früher oder später ein rotes Auto vor der Tür und kann eine durchtrainierte Köprermitte sein eigen nennen - und wenn es sich dabei um einen Gebrauchtwagen sowie einer Schönheitsoperation handelt. Stichwort Fokusierung. Dafür setzt man dann sämtliche Hebel in Bewegung, dafür ist man bereit viel zu tun. Und irgendwann zieht das wie ein Magnet.

Soweit so gut. Gehen die Wünsche allerdings tiefer, dann wird es schwieriger. Dafür braucht es eine Verbindung zu seinem Inneren, eine Vorstellung seiner selbst. Dann könnte ich erst - rein theoretisch - damit beginnen, die Dinge passend zu gestalten. Die Königsklasse quasi: ein eigenes Biotop. Zweifelhaft ob das überhaupt möchlich ist - es scheint mir sehr abhängig von einer Vielzahl an Faktoren. Eine fragile Angelegenheit zudem, wenn man die Schicksalsschläge miteinberechnet. Und vergessen darf man weiterhin nicht die eigene Beschränktheit durch die Betriebsblindheit: Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand.

Ums Eck wartet der nächste Haken bereits: bin ich denn in der Lage, das Gegenteil direkt mitzudenken, also fähig, in Einheiten zu denken. Meine erste Mediävistik-Arbeit (daran erinnere ich mich gut) gründete auf der zentralen These, dass die Menschen im Mittelalter eben genau das gewohnt waren: Gegensätze bereits gedanklich zu verbinden. Ein RIESEN Unterschied zu heute, wo das Wissen um Polarität praktisch verloren ging. Aber nur auf diese Weise wäre man gewappnet für das *Gesamt-Paket* seiner Wünsche. Stichwort: Konsequenz.

Abgesehen davon glaube ich nicht, dass generell alle Menschen für Zufriedenheit geschaffen sind oder die einhergehende Eintönigkeit aushalten würden. Ach, wäre es so einfach mit der Zufriedenheit, dann wäre es ja jeder...


Hingegen bei dieser Lasagne funktioniert das Modell Baukausten hervorragend. Unter dem Sammelbegriff *Grün* bitte ich euch, so findig wie es nur geht zu sein. Gerade leben wir in der größtmöglichen Fülle von Grün. Also sammelt Brennnessel, greift den leidigen Gierscht dem Kochtopf zuliebe mit dem Messer an, zieht die Melde dazu - egal ob Wildkräuter oder Zuchtgrün: für diese Lasagne könnt ihr einen bunten Strauß an *Grün* mischen, wie er euch zur Verfügung steht.

Für *weiß* gelten gleiche Gesetze. Ich verwendete *Petersilienwurzel* - ein Mitbringsel aus Deuschland, denn das findet sich hier in Südfankreich auf den Märkten nicht - aber ebenso eignen sich Butterrübchen oder Sellerie. Wenn wir die Farbfamilie ausweiten auf *orange* dann könnt ihr gleichfalls ausweichen auf Karotte und Süßkartoffel. Hauptsache ihr macht diese adorable Lasagne nach - alles andere wäre ein Versäumnis!


Zutaten 2-4P:

100g Mehl
(halb Einkorn-Vollkorn)
1 Ei (Größe M)
Salz
1 EL Öl

500g Spinat
(m: plus Melde, Rauke, Brennnessel) *
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
etwas Butter

250g Petersilienwurzel*
150ml Gemüsebrühe
40g Butter
2 EL Mehl
50ml Weißwein (oder Rosé)
150ml Milch
1 EL Crème fraîche*
Salz, Pfeffer
Muskatnussabrieb

geriebener Käse (m: Tomme de Montagne)*
2 EL Semmelbrösel
etwas Olivenöl

Zubereitung: 

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 6 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Die Petersilienwurzel schälen, klein schneiden und in der Gemüsebrühe bei geschlossenem Deckel weich garen. Fein pürieren.

Grünzeugs waschen (mein Spinat war so zart und jung - die Stiele musste ich nicht entfernen) und entweder über Dampf zusammenfallen lassen oder in wenig Wasser und unter Wenden garen. Letzterenfalls zuerst abtropfen lassen, etwas abkühlen lassen und klein hacken.

Die Zwiebel und den Knoblauch fein würfeln und in etwas Butter hell golden braten. Spinat untermischen und mit den Gewürzen abschmecken.

Für die Béchamel die Butter zusammen mit dem Mehl anschwitzen, mit Wein und Milch unter ständigem Rühren ablöschen. Das Pü untermischen und zu einer cremigen Sauce vermengen. Salzen, pfeffern und mit Muskatnuss-Abrieb würzen.

Die Kastenform buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von der Béchamel, etwas Grün, geriebener Käse, Lasagneblatt - das solange wiederholen bis zum Deckel. Diesen abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas Béchamel sowie Semmelbrösel, geriebenem Käse und etwas Olivenöl. Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben. 

*Anmerkung m: Gemüse und Grün ist wie oben erwähnt abwandelbar - auch ein anderer Bergkäse läßt sich zu der Lasagne denken

die kleinste von mir entdeckte Gottesanbeterin - so groß wie ein Haar am Unterarm...

Bonuszeit: Lasagne mit Wirsing und Kürbis-Béchamel

Donnerstag, 10. Januar 2019


Ob die früher jeden Tag ein paar Stunden extra bekommen haben? Wie so eine Art Bonus-Track? Aber nur für aktive Nutzung. Pffffhhh, bißchen Blog schreiben, bißchen Kolumne. Was einst allein Brieffreundschaften gepflegt wurden. Von vielen mit vielen. Personalisierte Texte! (Gut, vielleicht haben sie Absätze übernommen, wer weiß, also ich hätte das bestimmt gemacht). Etwa zu Goethezeiten. Forschung-Reisen-Schreiben. Dabei reiste es sich noch deutlich langsamer und es schrieb sich lediglich von Hand. Wann haben die das alles gemacht und wie unter einen Hut gebracht?

Genau das dachte ich wieder bei der Lektüre meines Buchgeschenk zu meinem letzten Geburtstag: *Mein Weg durch Himmel und Hölle* von Alexandra David-Néel. In dem gelungenen Vorwort von Thomas Wartmann heißt es: *Sie versuchte, sich täglich zwanzig Wörter aus vier verschiedenen Sprachen zu merken, und rechnete sich aus, dass sie auf diese Weise 7300 Wörter pro Sprache in ihr multilinguistisches Vokabular aufnehmen kann.*

Ähäm, finde nur ich das sehr ambitioniert? Oder rede ich mir nur mein Spatzenhirn auf Normalgröße? Allein für die Motivation braucht es doch bereits eine Hochbegabung, oder?

Die taffe, eigensinnige, klare, neugierige, abenteuerlustige, kleinwüchsige Mme David-Néel in ihrem Buch auf ihrer wilden Reise durch Tibet zu begleiten, machte mir auf jeden Fall großes Vergnügen. Schon vor hundert Jahren gibt sie Beispiel, wie man Feminismus lebt und setzt dabei so hübsche Werbesprüche wie *Just do it* oder *Geht nicht, gibts nicht* einfach in die Tat um.  

Alexandra David-Néel, geboren 1868 bei Paris, studierte als erste Frau an der Sorbonne orientalische Sprachen (Sanskrit und Mandarin) sowie vergleichende Religionswissenschaften. Ab 1888 verbrachte sie, nur unterbrochen von Lehraufträgen in Paris und Vortragsreisen, ihr Leben in Asien, vor allem in Indien und Tibet. Dort wurde sie als erste Europäerin in den Stand eines Lamas (*Lampe der Weisheit*) erhoben. Der Welt wird sie vorallem als französische Reiseschriftstellerin und Forscherin zur Orientalistik in Erinnerung behalten und mir mit ein paar Zitaten, die ich bestimmt bei passender Gelegenheit zücken werde.

Nun, heute benötigt man bereits unerwarteten Freiraum, wenn man mal wieder so Leckereien wie hausgemachte Lasagne zubereiten will. Eingeschneit mit den richtigen Vorräten sollte sich doch ein Zeitfenster öffnen. Die Belohnung folgt auf dem Fuß: Schöner leben mit frischer Pasta!


Zutaten 2P:

120g Dinkel-Vollkorn
1 Ei
1 TL Tomatenmark
Chili-Flocken
1 EL Öl
Salz

300g Wirsing
Muskatnuss
5 Salbei-Blätter
Salz, Pfeffer
Olivenöl
 
250g Kürbis (m: Butternut)
1 Stück Butter
Gemüsebrühe
Noilly Prat
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker
1 Pr Curry
1 Stück Ingwer
1 EL Mehl
50ml Sahne

100g Tomme de Montagne, gerieben
2 EL gehackte Kürbiskerne

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 6 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Den Wirsing waschen, von seinen Rippen befreien und in ca. 1-2cm dicke Streifen schneiden. In Salzwasser etwa 8min garen, blanchieren und gut abtropfen lassen. Die Salbeiblätter in feine Streifen schneiden und zusammen mit dem Wirsing in dem Olivenöl kurz schwenken. Salzen, pfeffern und zur Seite stellen.

Den Kürbis schälen und würfeln. In der Butter kurz anbraten, das Curry ebenfalls kurz mitrösten, mit Noilly ablöschen, dann knapp mit Gemüsebrühe bedecken und zusammen mit dem Stück Ingwer und aufgelegtem Deckel gar kochen. Ingwer entfernen. Pürieren. Sahne angießen und mit einer Roux binden und nochmals etwas köcheln lassen. Abschmecken, salzen, pfeffern und Prise Zucker zugeben. Die Konsistenz sollte einer schönen, cremigen Béchamelsauce entsprechen.

Die Kastenform (24cm) buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von der Béchamelsauce, Lasagneblatt, Wirsing, Béchamel, etwas geriebener Käse, Lasagneblatt... wiederholen bis alles aufgebraucht ist - abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas geriebenem Käse, gehackten Kürbiskernen und etwas Olivenöl. Salzen, pfeffern Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben.
Vor dem Anschneiden kurz etwas abkühlen und festigen lassen.


Andersdenker: mediterrane Lasagne

Freitag, 7. September 2018



Die Spezies der Andersdenker füllt den übergeordneten Topf von der noch spezielleren Gruppe der Individualisten. Was sie eint ist das Gefühl in einer Gegenstromanlage zu schwimmen.

„Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die Meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.“ (Albert Einstein)

Einer der bekanntesten und berühmtesten Andersmacher der Drôme ist der Facteur Cheval samt seinem Palais Idéal. Im vorletzten Jahrhundert sammelte der Briefträger auf dem Nachhauseweg Steine (immerhin einer Tour von über 30 Kilometern), um mit ihnen unermüdlich über 30 Jahre hinweg einen einzigartigen Phantasiepalast zu erbauen - inspiert von der Natur oder den Bildern, die auf den Postkarten abgebildet waren, die er tagtäglich austrug. Galt er zu Lebzeiten als Spinner und Außenseiter, beschert er heute seiner Gemeinde einen beträchtlichen Reichtum dank der vielen Touristen, die Hauterives nur wegen seines zauberhaften Palais besuchen.

Der Facteur kam mir in den Sinn, als ich diesen kleinen und beeindruckenden Film über den Förster und Naturschützer Hans Bibelriether im Fernsehen sah, unter dessen Leitung der Bayrische Wald von einem Forstbetrieb in einen Naturpark verwandelt wurde. Er stellte sich mit seinen Überzeugungen gegen Traditionen und sah sich hartem Widerstand gegenüber sowohl der Holz- wie Jagdlobby. Vor allem seine eiserne Haltung, kein Gift gegen den Borkenkäfer einzusetzen, sondern die Natur sich selbst regenerien zu lassen, um den Wald auf diese Weise zu renaturieren, weckte sehr viel Gegenwehr und kann im Nachhinein nur imponieren. Mittlerweile ist Bibelriether mehrfach ausgezeichnet und geehrt worden für sein Lebenswerk. Mehr allerdings als das berührte mich die Laudatio der Tochter auf ihren Vater: *Für mich ist mein Vater eines der größten Vorbilder einfach durch seine Charakterstärke. Ich kenne nur sehr wenige Menschen, die so geradlinig sind und so uneitel. Ich versuche ihm in der Beziehung nachzueifern, als dass ich auch versuche, das zu machen, was ich für richtig halte und auch nicht mich selbst in den Vordergrund zu stellen, sondern die Sachen, die wichtig sind im Leben.*

Diese Lasagne zeigt euch keine Weltneuheit, sondern ich habe Altbewährtes kombiniert. Etwas Vorlauf braucht es, bis die handgebastelte und traditionelle Lasagne so geschichtet in den Ofen geschoben werden kann. Aber wer noch nie so eine von grundauf selbstgemachte Pasta gegessen hat - hier sogar mit lauter Gemüse aus dem Garten - hat keinerlei Vorstellung, was er verpasst. Hausmannkost, wie ich sie nur aus der eigenen Küche kenne...


Zutaten 2-3P - 1kg-Kastenform:

Lasagneblätter
60g Dinkel 1050
40g Hartweizenmehl
1 Eigelb
(etwas Eiweiß)
1 TL grüne Oliven-Tapenade
Salz

1 große Zucchini
1 kleine Aubergine
400g Tomaten
1 rote Zwiebel
4 Knoblauchzehen, fein gehackt
2-3 EL frische Kräuter, kleingehackt
(m: Rosmarin/ Thymian/ Oregano)
2 Lorbeerblätter
100g geriebener Comte
Salz, Pfeffer
etwas brauner Zucker
Piment d'Espelette
Balsamiko-Reduktion
Olivenöl

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 5 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Backofen auf 210° Umluft vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen und dünn mit Öl bestreichen. Die Zucchini in dünne Scheiben hoben (m: Börner - dünnste Stufe) und dachziegelartig auf dem Backblech ausbreiten. 2 feingehackte Knoblauchzehen und etwas gehackten Rosmarin darüber verteilen, salzen, pfeffern und etwas mit Olivenöl beträufeln - für ca. 25min in den Ofen schieben.

Die Aubergine ebenfalls in Scheiben hoben (m: Börner - zweitdünnste Stufe) - ebenfalls auf ein mit Olivenöl bestrichenes Backpapier auf einem Backblech auslegen... allerdings nebeneinander. Mit Olivenöl beträufeln und etwas getrocknetem Oregano. Ebenfalls für 20min in den Ofen schieben (m: zur Hälfte gemeinsam mit dem Zucchini - andere Hälfte auf 200° runtergeschalten und zu O/U-Hitze.

Die Zwiebel fein würfeln. In etwas Olivenöl die Zwiebel mit dem Knofi und den Kräutern andünsten. Die Tomaten dabei von ihrem Strunk entfernen, würfeln und ebenso wie die Lorbeerblätter in den Topf geben. Bei kleiner Hitze und aufgelegtem Deckel ca. 10min köcheln lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Piment, Zucker und Balsamiko-Reduktion (dabei leicht überwürzen - die Lasagne schluckt noch etwas davon). Die Lorbeer-Blätter entfernen. Mit einer kleinen Roux die Sauce binden.

Die Kastenform buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von der Tomatensauce, Lasagneblatt, 1/4 von den Zucchini (dafür die Zucchini auf dem Bleck der Breite nach in 4 Streifen schneiden) auf die Pasta legen, ein Viertel von den Auberginen-Scheiben, etwas geriebener Käse, 2 EL Tomatensauce, Lasagneblatt... das 3x wiederholen - abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas geriebenem Käse, getrocknetem Oregano und etwas Olivenöl. Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben.