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weichgespült: Tarte fine à la tomate

Freitag, 1. September 2023


Am Bach liegend, die Füße im Wasser baumelnd, von der Hitze in einen dämmrigen Weichspülermodus gedrückt, lachte ich mich mit einer Freundin, die aus Deutschland zu Besuch war, darüber schlapp, dass wir beide aus der Horizonalen heraus ein Daniela-Katzenberger-Lieblingsrezept nennen konnten: den Nudelsalat ihrer Mutter. Darüber hinaus konnten wir auch beide synchron wiedergeben, dass das Wichtigste an dem Salat ist, dass nichts Frisches dran kommt - sondern ebent nur Büchse. Why not, kann man bei Nudelsalat ja durchaus machen. Wobei ich schon über mich den Kopf schüttle, dass solcher Bullshit in meinen Gehirnzellen kleben bleibt statt wieder durch den Gulli entsorgt zu werden...

Gut, SO anspruchsvoll, wie man meinen könnte, bin ich gar nicht. Gerne denke ich an unsere Marokko-Reise mit Jeep und Dachzelt, als ich den Habib bis zum Tor der Wüste begleitete. Das war ganz am Anfang, bevor ich kochen konnte und bevor ich mich fürs Essen auch nur zuständig fühlte. Und gefühlt ernährten wir uns die drei Wochen hauptsächlich von Fladenbrot, Lavachequirit-Käse und Mandarinen. Und es war super.

Nur koche ich allerdings schon so lange regelmäßig: wenn ich einen Tag lang nichts Frisches, kein Obst, keinen Salat, kein Gemüse zu mir genommen habe, dann fühle ich mich regelrecht verklumpt-verstopft-verschrumpelt. Oder lediglich eine Stulle mittags, wie ich es vieleviele Jahre gehandhabt hatte mit meiner Küchensperre... da muss heute spätestens am nächsten Tag wieder etwas Gekochtes auf den Tisch. Der Mensch ist ein Gewohnheitstierchen.

Nur habe ich manchmal eben auch keine Bock, mich schon wieder in die Küche zu stellen. Manchmal fehlt mir eine zündende Idee und das macht mich dann erst lustlos überhaupt mit dem Kochen anzufangen. Ein echtes Luxusproblem, je sais.

Tomaten-Tartes finden sich hier auf dem Blog bereits wie Sand am Meer. Ein Spitzen-Alltagsessen im Sommer. Die Inspiration für diese Tarte kam mir in der Bäckerei, wo ich mein Lieblingsbaguette kaufe. Ach, dachte ich, schau', so schlicht wie gut, das bastle ich zuhause mit unseren eigenen Tomaten nach. Voilà, voilà, meine Version der Tarte fine à la tomate, mit einer légèren Version eines Topfen-Blätterteigs.



Zutaten 2P:

180g Mehl (m: D1050)
1/2 TL Salz
120g Butter, kalt
120g Quark
8 Tomaten (cirka)
1 Ei
1 EL Crème fraîche
2 TL Savora Senf
Salz, Pfeffer
Thymian
Olivenöl

 

Zubereitung:

Die Butter in kleinen Flöckchen ins Mehl geben, Salz zufügen, ebenso den Quark und dann mittels eines Knethakens einen homogenen Teig herstellen (m: am Schluß händisch zur Kugel geknetet. Dann 1 Stunde kalt stellen.

Nun eine Tour geben, dann direkt eine doppelte Tour und über Nacht ruhen lassen.

Ofen auf 220°C vorheizen (m: Intensivbacken = starke Unterhitze) mit Backblech.

Den Tarteteig dünn ausrollen - ca, 1/2cm dick - und dann einen kleinen Rand ringsherum hochziehen. Direkt auf ein Backpapier bugsieren.

Ei, Crème und Senf vermengen und auf dem Boden verstreichen. Tomaten in dünne Scheiben schneiden und die Tarte damit dachziegelartig damit belegen. Salzen, pfeffern, mit Tyhmian bestreuen und mit Olivenöl beträufeln. 

Für ca. 30min in den heißen Ofen schieben. Der Boden soll von unten schön knusprig sein

Anmerkung m: wie man touriert, das könnt ihr euch abschauen bei meinem echten Blätterteig - völlig easy! Wichtig bei Blätterteig-Gebäcken ist das heiße Backen!

 

Gefährten - Linsen-Brokkoli-Salat

Freitag, 30. Juni 2023


 

Ich erinnere mich noch gut, wie mir eine Feundin mit glühenden Backen frisch verliebt von ihrem heutigen Mann (und Vater ihrer vier Kinder) vorschwärmte. Wie sie meinte, sie würde schon dem Ende einer Party entgegenfiebern, weil auf dem Heimweg würden sie sich austauschen und sie wäre jedes Mal voller Vorfreude und Faszination, was er gesehen, gehört, wahrgenommen hatte und wie beurteilen würde...

Genau das berüht auch ein weiterer Film von *Green Renaissance*, von denen ich euch schon zwei andere vorgestellt habe. Ich freue mich immer, wenn ich etwas ausfindig mache, das mich anregt. Und die klugen Gedanken im Hinblick auf ihre Beziehung, die das Paar Anthony und Margy teilt, empfinde ich als sehr ispirierend. Ich gehe ganz mit Anthony, dass genau das eine der größten Bereicherungen ausmacht: *Das ist eines der wunderbaren Dinge, wenn man einen Gefährten hat, dass man die Welt durch ihre Augen sieht. Das erweitert den Blickwinkel. Ich kann Dinge teilen, die mich begeistern. Und ich kann Dinge teilen, die sie begeistern. Und manchmal ist es schwierig, diese Begeisterung zu finden - und das teilen wir ebenfalls. Aus dem gleichen Grund siehst du, wenn sie leiden und eine schwere Zeit durchmachen. Das ist genauso ein Teil, es mit ihren Augen zu sehen.* 

Wirklich nichts auf der Welt ist eine größere Lebensschule als in Beziehung zu leben. Denn durch nichts kommt man sich selbst näher, wird gespiegelt, erkennt Wunden und Kanten - an sich, an dem anderen.... und heilt im besten Fall in der Interaktion, im Zusammenspiel, im Austausch, in der Freiheit, die man sich zu gewähren hat, je intimer man miteinander ist. Deshalb reift eine Beziehung und wird kraftvoller, je tiefer sie berührt, je länger sie währt. Und wenn ihr Boden auf Anständigkeit und Ehrlichkeit gebaut ist, dann entsteht ein Humus, der möglich macht, dass man sich entwickeln darf, gedeihen, klarer werden und bewußter, purer, eindeutiger... wahrhaftiger wird.

Ich habe etwa immer davon geträumt, eine eigene Sprache mit einem anderen Menschen zu entwickeln. Und die stellt sich durch die manigfaltig gemeinsam gemachten Erfahrunge von ganz alleine ein. Da reicht ein Satz, ein Stichwort und unsere Augen kreuzen sich und wir beide wissen sofort, welche Assoziation der andere damit verbindet. Ein wunderbares Band, diese Geheimsprache!

Auseinandersetzungen sind mir Harmonie-Junkie trotzdem ein Greuel. Man steht sich so leicht auf den Eingeweiden. Aus nächster Nähe entstehen die größten Verletzungen. Der Affekt hinterläßt zu gerne schnell verbrannte Erde. Aber Reingefressenes eitert mit der Zeit - wir Margy so gut sagt - frißt schwellend und brandschatzt ebenfalls. Manchmal würde man sich auch am liebsten vor sich selbst verstecken. Es kann schon kompliziert sein. Dazu der Alltag, das gefräßige Monster. Immerhin kann man dieser Bestie mit Reisen kontern, raus aus Gewohnheit, raus aus festgefahrenen Mustern, und dem Leben wieder Raum und Möglichkeit bieten, sich und anderes neu zu entdecken. Bestimmt aber ist eine der größten Hilfen, sich seiner eigenen Themen bewußt zu sein. Auf der Meta-Ebene des Bewußtseins tut mancher Zusammenstoß  nicht ganz so weh - zumindest wenn der erste Schmerz weggeatmet ist.

Stürmt und braust das Leben und brausen wir zwei Köpfe aneinander, dann trägt mich doch mit der unerschütterlichen Gewissheit des Anfangs der Goethe-Zweiteiler: *Gegenüber zu großen Vorzüge eines anderen, gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe* - den Margy ganz schlicht in ihren Worten bestätigt. An der Dankbarkeit, jemanden begegnet zu sein, der einen erträgt, den man erträgt, ändert ganz bestimmt ein tosendes Gewitter nichts. So leicht geht echte Neugier nicht verloren.

Hey, und ohne jedes Zaudern: was mache ich mit Millionen von *followern*, wenn ich stattdessen einen einzigen Gefährten haben kann?!



Mit Blick auf die Teller könnte man meinen, ich bin schon wieder bei meinem momentanen Lieblingsthema: Gemüse-Bratlinge. Aber nein. Oder eher jein. Weil begleitend zu meinen Puffern braucht es ja auch etwas. Und dieser Salat macht sich einfach spitze zu meinen Pufferchen. Deshalb habe ich ihn auch schon mehrfach gemacht. Der lässt sich leicht abwandeln: mal anteilig (damals im Winter) mit Rosenkohl, Gemüse geröstet im Ofen oder gedünstet, oder statt Datteln gedörrte Aprikosen, etwas Rucola untergemischt und den Sesam rausgekürzt, die Linsen ausgekeimt (wie hier)... aber was schreibe ich, das merkt ihr selbst, wenn ihr nur erstmal dieses Grundgerüst nachgebastelt habt.

Und demnächst gibt es dann das vorerste Puffer-Ranking. Das *vorerste* - sonst mache ich da wieder eine epische Gedankenspielerei daraus und ringe mich zu keinem Ergebnis durch...

 

Zutaten 2P:

1 kleiner Brokkoli (ca. 450g)
70g Linsen (m: grüne)
2  Lorbeerblätter
1 Stück Kombu-Alge
1 rote Zwiebel
4 Datteln
2 TL Savora-Senf
1 TL Curry
3 EL Sesam-Öl
1 EL Tamari
1 EL Apfel-Essig
Salz, Pfeffer
Sesam-Saat (optional)


Zubereitung:

Linsen in doppelter Menge kaltem Wasser aufsetzen und zusammen mit den Lorbeerblättern und dem Stück Kombu in etwa 25min weich garen.

Brokkoli in Röschen teilen und über Wasserdampf garen. 

Währenddessen die Zwiebel halbieren und in dünne Streifen schneiden und in 1 EL Sesamöl glasig garen - dazu auch die klein gewürfelten Datteln zufügen. Zuletzt noch das Curry-Pulver anrösten.

Sobald die Linsen gar sind (Lorbeer-Blätter und Kombu entfernen), die Zwiebelmischung direkt untermengen, würzen mit restlichem Sesam-Öl, Savora-Senf, Apfelessig,Tamari, salzen und pfeffern. Dann den garen Brokkoli ebenfalls unterheben und nochmals gut würzig abschmecken

Inspiration: Schrot und Korn

 

Mumi - gegarte Gewürz-Rote Bete

Sonntag, 23. April 2023


Wer schon länger mitliest, weiß, dass hier gerne Esoterik-Bashing betreiben wird. Selbsternannte Propehten, die glauben, sie können es besser wie die alten Weltreligionen, werden von mir nicht durchgewunken. Und: ich kann Dilletantimus einfach nicht ausstehen!

Für mich ist Esoterik wie eine Patch-Work-Decke, die aus unterschiedlichen, bunten Stückchen zusammengeklöppelt ist. Jedes einzeln für sich sich betrachtet mag wohl manchmal noch ganz hübsch anzusehen sein, aber mit etwas Abstand zeigt sich schnell, dass der Teppich keine geraden Begrenzungen hat, unterschiedlich dick ist, die Einzelteile sich nicht ineinander fügen - ja, dass ein durchgehender Gedanke fehlt, der ihm zugrunde liegt. Ein fliegender Teppich für Irrlichter. Oder gestückelte Willkür. Von zusammengesetzten Fetzchen kommt man niemals nie aufs große Ganze. Da mögen einzelne Details noch so hübsch sein.

Oder wie das gezeichnete Nashorn von Albrecht Dürer. Dafür, dass Dürer noch nie ein Nashorn gesehen hat und es nur nach beschreibenden Erzählungen angefertigte, ist es wirklich nicht schlecht geworden. Man sieht zumindest sofort: er meint Nashorn. Wäre die Esoterik mit ihren Theorien so dicht dran, hätte keiner was dagegen.

Mein liebster Vergleich für Esoterik war ja seither das Handpan. Kennt ihr bestimmt, diese metallene Schale mit Vertiefungen. Der nächste Schritt nach Klangschalen aber Äonen davon entfernt ein Instrument zu spielen. Mit kreisenden Bewegungen trommelt man mit den Fingern auf die Schale ein und erzeugt dabei Töne. Irgendwelche Töne. Es kommt mehr auf eine Stimmung an als auf eine Melodie. Sphärisch, nich, das ist das Stichwort. Wir haben im Nachbarort auch einen, der gerne Konzerte mit einem Handpan bestreitet. Wir nennen ihn Siddharta. Natürlich gehört einiges an Deko dazu: bißchen fernöstliche Klamotte, längere Haare, ein Bart, eine wuchtige Kette - die erste Assoziation außerhalb von Fasching sollte schon direkt *Guru* sein. Im Schneidersitz liegt die Schale auf den Beinen, die Augen sind nach innen gekehrt, oder halt einfach geschlossen (oder noch einfacher: halt bekifft) und dann wird sich ganz der Athmo hingegeben. 

Und dann habe ich Mumi entdeckt (für euch unten eingestellt). Ich gehe ja sowas von mit dem ersten Kommentar: *This is honestly the first time I hear someone play a recognizable melody on a handpan.* Tsss, Sachen gibts, oder? Echt niemals nie hätte ich für möglich gehalten, dass man mit einer Handpan richtige Lieder spielen kann! Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Mumi baut die Handpans sogar selbst. Tja, mit einem Schlag dreht sich meine Handpan vom Saulus zum Paulus. Anstelle für die Esoterik dient sich als viel besseres Beispiel für meine verehrte Homöopathie. Es liegt nicht am Instrument, es liegt am Spieler. Was kann das Instrument dafür, dass es kaum jemand richtig bedienen kann? Immer schön, wenn man an sich selbst merkt, dass man Wirkung und Ursache verwechselt hat. Die kleinen Erleuchtungen im Alltag.



Für das heutige Gemüse bekommt die Rote Bete ordentlich Gewürze verpasst. Rote Bete und ein beherzter Griff ins Gewürzregal verstehen sich sehr gut. Ich habe aus dem vegetarischen Original-Rezept eine vegane Variante gemacht - aber beides gut.

Auf dem Teller ebenfalls noch zu sehen: fermentierter Kohlrabi, eingelegter Kürbis, schnell gegarter Mangold mit Tamari und ein Keeper in diesem Haushalt: die Buchweizen-Galettes. Was soll ich sagen: ich mag mein Essen. Wäre auch schlimm, wenn's anders wäre...

 

Rote Bete-Gemüse - 2P:

400g rote Bete
1 Zwiebel
1 TL Salz
1 Apfel
150g Sauerkraut (optional)
1 TL frisch gemahlene Gewürze (wie Nelke, Piment, Anis, Koriander, Senf, Ingwer)
100g Schmand (m: Kokoscrème)
1 EL Reisvollkornmehl
2 EL Butter (m: weggelassen)
Kräutersalz

 

Zubereitung:

Rote Bete würfeln oder stiften in 150ml Salzwasser ca. 15min kochen 

Apfel in kleine Würfel schneiden, kurz vor Garende zu Rote Bete geben (dann auch das Sauerkraut, das ich wie Inés rausgekürzt habe)

Gewürze, Schmand (oder Kokoscrème) und Reismehl zufügen. Mit Geschmack von Butter (oder Kokosfett) und Kräutersalz abschmecken (oder schöner: abrunden, wie es im Original heißt - das übernehme ich für zukünftige Beschreibungen).

via Kaltmamsell

 

völlig falscher Hase 2.0 - Grünkernbraten

Sonntag, 16. April 2023


Zurück zum Kerngeschäft eines Foodblogs: Essen.

Gerade ist ja Saure-Gurken-Zeit: die Kartoffeln treiben, die Karotten werden holzig, der Lauch ist kurz davor zu schießen und die Kohl-Vorräte gehen zu Neige. Zwischen Baum und Borke, alter und neuer Ernte. Schon klar, warum die Fastenzeit so plaziert war. Und warum man früher Tiere brauchte, um durchs Jahr zu kommen.

Ich finde, gerade ist die Zeit der Hülsenfrüchte. Und des (Pseudo)Getreides. Dazu mehr in einem nächsten Post. Heute stelle ich euch meine Version vom Veggie-Hackbraten 2.0 vor. Daran habe ich ziemlich getüftelt. Der Geschmack soll stimmen, aber auch die Konsistenz. Gerade letztere wolle anfangs nicht so, wie ich es will. Zu dem groben Getreide noch gehackte Nuss - das macht das Ganze schnell krümelig.

Ein Trick ist, die Grünkernmasse auf zwei kleine Kastenformen zu verteilen - das ergibt nachher für die Pfanne eine angenehme Größe zum Wenden. Trick 2 ist, den Grünkernbraten einen Tag zuvor zuzubereiten und dann am nächsten Tag erst in Scheiben schneiden. Da die Menge für uns zu zweit etwa auf 3 Mal reicht, friere ich eh einen Großteil ein - so dass ich persönlich mit dem Vorlauf gut zurecht komme. Griffbereite Grünkern-Buletten im Froster zu haben, ist sowieso wie auf Würstchen zurückgreifen zu können - dazu ist immer schnell gekocht. Trick 3 ist das Kartoffelmehl (aka Speisestärke), die zusammen mit den Eiern (und hier auch dem Käse) zusätzlichen Halt verspricht.

Bei einem Grünkernbraten verfolge ich das Konzept: viel hilft viel. Dieser Kamerad schlägt entschieden seinen Vorgänger. Der Rezeptetitel bleibt allerdings: ich liebe den Begriff *völlig falscher Hase* für einen Grünkernbraten. Oder Nussbraten. Oder Veggie-Hackbraten. Obendrein werden die Grünkernbraten-Scheiben super knusprig - und alleine das ist ein Hit an dieser Edition 2.0!

 


Zutaten 4-6P:

125g Grünkern, grob geschrotet
2 EL Butter
1 Zwiebel
1 Karotte
1 Lauch
2 EL Tamari
2 EL Petersilie, fein gehackt
350ml Gemüsebrühe
50g Mandeln, gemahlen
40g Kürbiskerne, grob gehackt
70g Käse, geraspelt (m: Comté)
1 TL Salz
70g Haferflocken
30g Speisestärke (m: Kartoffel)
2 Eier, Gr. L (m: 3 kleine Eier)
2 TL Thymian
2 EL Rosmarin
2 TL Senf (Dijon)
Harissa

 

Zubereitung

Den Grünkern mittelfeinbis groß schroten und in der Butter anrösten. Zwiebeln, Möhre und Porree fein würfeln und dazugeben. Außerdem Thymian und Rosmarin Anschließend mit 350ml Gemüsebrühe ablöschen und 20 Min. zugedeckt - ohne Hitzezufuhr - ausquellen lassen. Dann Petersilie untermischen, Tamari, Harissa und Senf. Gut würzig abschmecken.

Die Mandeln mahlen und den Bergkäse reiben. Beides, sowie die Eier, Meersalz, Thymian, Muskatnuss, die Haferflocken und frisch gemahlenen Pfeffer unter die Grünkernmasse rühren. 15 Min. ruhen lassen.

Den Boden der Kastenformen mit Backpapier auskleiden. Nun die Masse auf zwei gefettete, kleine Kastenformen verteilen und ca. 40min bei 175°C backen.

Vor dem Anschneiden am besten über Nacht ruhen lassen. Die Scheiben von beiden Seiten in Öl knusprig braten.

Inspiration: Schrot und Korn 

Anmerkung m: ich friere den restlichen Braten am Stück (oder halbiert) ein/ dazu passt natürlich Gemüse aller Art. Ich mag besonders gerne den rustikalen Weißkohl, der in Scheiben gebraten wird und schnell geht, dazu (inzwischen mache ich eine dunkle Sauce dazu etwas anders - irgendwann wirds vorgestellt ;). Aber auch Rosenkohl, Karotten-Pü...

 


Post-Ostern: Senf-Eier mit Pellkartoffeln und Buttergemüse

Mittwoch, 7. April 2021


Es war noch vor Covid  (die neue Zeitrechnung, die zukünftig wohl immer entscheidend sein wird: davor oder danach) als ich eine Doku sah über die Berliner Gastro-Szene. Ein Resto mit junger Equipe bot deutsche Hausmannskost an - begeistert, dass man heute (also damals) solche simplen Gerichte wieder auf die Karte setzen könne. Das wäre doch toll, dass Essen wie 'Pellkartoffeln mit Quark' oder 'Senf-Eier' so gut von der Kundschaft angenommen würde.

Da staunte ich auch. Also ehrlich jetzt, aber 'Pellkartoffeln mit Quark' wäre so ziemlich das allerletzte, was ich in einem Resto essen wollte. Jetzt nicht wegen dem Geschmack - der Habib isst das sogar sehr gerne -, aber  'Pellkartoffeln mit Quark' ist doch eigentlich kein Gericht. Das bringt man dann auf den Tisch, wenns schnell gehen muss und man keine Idee hat, was zubereiten. Das ist ja nun nicht gekocht! Also sowas geht wohl nur in der Großstadt, dachte ich mir, für echte Koch-Legastheniker, für Menschen ohne Küche und Kochtöpfe, für Workoholics, die noch nicht einmal Zeit haben, sich selbst einen Tee aufzugießen.

Aber wer weiß, ob nach dem Lockdown solche Gerichte noch laufen, denn selbst die hartnäckigsten Kochanfänger sollten in der Zwischenzeit gelernt haben (müssen), wie man Kartoffeln in Wasser gart und Kräuter klein hackt.

Was ich aber diesen ganz schlichten Essen zugute halten muss, ist, dass sie wunderbare Alltagküche sind, weil sie einem selbst in der Wiederholung immer gut schmecken. Schlicht schlägt raffiniert. Zumindest im Alltag, zumindest in meiner Welt.

Die Aussage dieses Berliner Kochs brachte mich dazu, selbst mal Senf-Eier zuzubereiten - tatsächlich habe ich das noch nie gegessen. Béchamel-Saucen hingegen - lange verpöhnt, diese Mehlpampe - mag ich seit meiner Kindheit. Ungeachtet ihres Rufs. Und ein paar hartgekochte Eier dürften gerade ebenfalls bei dem ein oder anderen übrig sein, oder? Ich habe unsere Eier dieses Jahr zum ersten Mal mit Rotkraut gefärbt. Sah sehr *alternativ* aus, *Camouflage-Eier* nannte sie der Habib, mais bon, pourquoi pas...


 

Zutaten 2P:

4 Eier, hart gekocht
1 EL Butter
2 EL Mehl
300ml Gemüsebrühe *
50ml Milch
50ml Sahne
Salz, Pfeffer
1 EL Tamari
2 TL Senf (Djon)
1 TL Honigsenf
1 TL gekörnter Senf
Pellkartoffeln
(m: pro Person 2 Kartoffeln)
400g gemischtes Gemüse (m: Karotten, Kohl, Lauch)
ein Stich Butter Butter schwenken
(optional: Petersilie zum Deokorieren)

Zubereitung;

Pellkartoffeln mit kaltem Wasser bedecken, Deckel auflegen und je nach Größe in etwa 30min weich garen. Abgießen, etwas ausdämpfen lassen, schälen und warm stellen.

Parallel Gemüse putzen, in einer breiten Pfanne knapp mit Gemüsebrühe bedecken, Deckel auflegen und bissfest garen. Abgießen und das Kochwasser auffangen. Warm stellen.

Für die Senfsauce die Butter in einem Topf schmelzen, das Mehl zufügen und mit einem Schneebesen 3-4min mitrösten ohne dass das Mehl dabei Farbe annimmt. 300ml des Kochwassers (Gemüsebrühe) anschütten und dabei stetig rühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Ebenso Milch und Sahne zufügen. 10min sanft köcheln lassen. Sollte die Sauce noch zu zäh sein, etwas zusätzliche Brühe anschütten.

In dieser Zeit die Butter in der Pfanne flüssig werden lassen und das gegarte Gemüse kurz darrin schwenken.

Vor dem Servieren den Senf unter die Béchamel-Sauce rühren - die Sauce sollte nicht mehr aufkochen, sonst droht der Senf auszuflocken und er verliert außerdem an Würze -, salzen, pfeffern und mit Tamari abschmecken.

Pellkartoffeln mit Gemüse und Senfsauce servieren. 

*Anmerkung: eine gute Béchamel steht und fällt mit der richtigen Konsistenz: nicht zu dick, nicht zu dünn. Also Flüssigkeit nach und nach anschütten, damit man diese nach Wunsch justieren kann.

 

Entzauberung - afrikanischer Eintopf

Sonntag, 27. September 2020


*Entzauberung* gehört zu den Erfahrungen, die mir nicht oft passieren - aus dem einfachen Grund weil schnell enflammbare Strohfeuer, die ebenso rasch wie sie auflodern ihr Licht, ihre Wärme und ihren Glanz verlieren, nicht meiner Art entspricht. Umso erstaunter bin ich von mir selbst, dass mir das dieses Jahr mehrfach passierte.

Angefangen hatte es, dass ich in einer dieser Tausch-Buchhandlungen in Thailand *Das Hotel New Hampshire* von John Irving entdeckte und mich daran erinnerte, wie sehr ich es einst mochte. Also eingesteckt und diesen Sommer wieder aufgeschlagen, um nach einem Viertel der Lektüre gernervt aufzugeben. Keine Ahnung, was mich damals faszinierte, jetzt konnte meine Begeisterung so gar nicht geweckt werden. Warum nur hatte mir das Buch beim ersten Mal Lesen gefallen? Vielleicht wäre der gute Teil noch gekommen?

Oder aber Guido-Maria, der meine *zu Tisch mit -Serie* begründete, weil er mich mit seiner fröhlichen, Menschen zugewandten Art, seiner guten Beobachtungsgabe und seinem Mutterwitz zu erheitern wußte. Doch schon bevor das Studio von Shopping-Queen bei Guido-Maria zuhause im Erdgeschoß eingezogen ist, hat sich für mich das Format samt seiner Gallionsfigur tot gelaufen. Der Esprit ist einfach nicht mehr der gleiche...

Anfang des Jahres verlinkte ich auf den Virologen Drosten, den mittlerweile in Deutschland wohl jeder kennt. Ich kann es gar nicht richtig erklären, weshalb ich ihm mein Vertrauen entzogen habe. Frei und unabhängig sollte mein idealer Wissenschaftler arbeiten können - doch jemandem der derart unter Beobachtung der Öffentlichkeit steht, dürfte das wohl schwerlich möglich sein. Mais bon, das dürfen andere gerne anders sehen - das ist lediglich mein subjektiver Eindruck aber eben der Grund, warum ich ihm keine Aufmerksamkeit mehr schenke.

Besonders überraschte mich, wie sehr sich meine Rezeption des Films *Die wunderbare Welt der Amélie* veränderte, den ich mal richtig super fand. Ja, die Hauptdarstellerin Audrey Tautou ist immer noch süß, ebenso hat der Soundtrack gute Momente oder kann man einzelne gute Ideen rauspicken, aber sonst...??? Der Film ist doch völlig überfrachtet, überladen, konfus, voller versprenkelte, verschnörkelte Details, die die eigentliche Geschichte totally erschlagen, vom Hauptgeschehen ablenken und Empathie unmöglich machen. Als wäre der Regisseur ein Messi, der jahrelang wild verschiedenste Schnipsel gesammelte hatte, nichts wegwerfen konnte, um dann ALLE mit Gewalt und wahllos in einem Film unterzubringen.

In dem Moment des erneuten Anguckens kam mir auch, dass ich einen weiteren Film dieses Regisseurs kenne - was mir bis dahin gar nicht bewußt war. Und das sogar von einer Vor-Premiere an einem lauen Sommerabend in einem Nachbarort von uns mitten auf dem idyllischen Dorfplatz (weil der Film teils dort gedreht wurde), und zwar unter der Anwesenheit eben dieses Herrn Regisseurs. Ein Film mit Sophie Marceau (genau, die von *La boum*), der auf deutsch *Vergiß mich nicht* heißt. Genauso überfrachtet, genauso verkopft, genauso an den Haaren herbeigezogen, genauso blutleer, genauso ohne wärmendes Gemüt. Ja, sogar noch etwas schlimmer.

Hey, aber umgekehrt *Verzauberung* hatte ich dieses Jahr auch - was ja nun mindestens den gleichen Seltenheitswert hat. Aber dazu ein anderes Mal...

 

 

Keine Woche ohne Eintopf, das unverzichtbare Durcheinander im Kochtopf, das immer gelingt, immer schmeckt und immer wärmt. Nix Zauber sondern schöner Alltag.


Zutaten 2P:

2 Karotten
1 Süßkartoffel
200g Buschbohnen
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 EL Erdnussbutter
150ml Mandelmich
150g Tomaten-Sugo*
200ml Gemüsebrühe
1 Stück Ingwer, Walnuss-Größe
1 TL Kreuzkümmel
1 TL Paprika-Pulver  
1-2 TL Senf (m: Savora)
Harissa
1 EL Mango-Chutney
Salz, Pfeffer

 
Deko: gehackte, gesalzene Erdnüsse

Zubereitung:

Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln, Karotten und Süßkartoffel klein schneiden. Die Buschbohnen gipfeln, kleiner schneiden und separat in Salzwasser al dente kochen. Mit kaltem Wasser abschrecken und beiseite stellen.

Parallel die gewürfelte Zwiebel in Kokos-Öl anbraten. Kreuzkümmel und Paprikapulver kurz mitrösten. Passierte Tomaten, feinst gewürfelter Inger, Mandelmilch und Brühe hinzugeben, außerdem die Karotten und 5 Minuten kochen lassen. Dann die Süßkartoffeln zufügen und weitere 10-15min sanft köcheln. Erdnussbutter unterrühren zusammen mit dem Senf.

Die Buschbohnen in den Topf geben, salzen und pfeffern. Mit Mango-Chutney und Harissa abschmecken. Hier kann man - wenn man den Eintopf flüssiger mag - noch etwas Brühe anschütten. Zum Servieren mit gehackten Erdnüssen bestreuen. 

*Anmerkung m: bei uns gab es dazu gekochte Hirse. Wer mag kann die Buschbohnen mit Kidney-Bohnen austauschen. Mais macht sich ebenfalls gut in diesem Eintopf - so wie auch etwas fein gehobelter Weißkohl.



Hochstapler: bunter Burger

Sonntag, 21. Juni 2020


In meinem bunten Burger versteckt sich ein Hochstapler in doppeltem Sinn, denn er kann die Brust noch so sehr aufpumpen, so halten ihn doch *Reste* zusammen. Genau genommen hatte ich mit einem Rest von Süßkartoffeln, die im Ofen gegart wurden (Teller folgt noch), überhaupt erst die Idee zu diesem Burger. Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, wird bei uns nicht weggeworfen, sondern eingeforen und harrt dann seiner Weiterverwertung. Gleiches gilt für den Tomaten-Apfel-Ketchup, den wir damals ebenfalls nicht sofort komplett verputzten. So bilden die Süßkartoffeln auf dem unteren Teil des Buns die süßlich-zitronige Creme während der Ketchup den fruchtig-säuerlichen Part auf dem oberen Teil übernimmt. Wir wollen ja ein ausgewogenes, spannendes und harmonisches Geschmackserlebnis kreieren, und nicht etwa der Willkür Tür und Tor öffnen - da darf man sich zu der Architektur schon Gedanken machen!

Eigentliches Grundgerüst meiner Burger-Vorstellung formierte das Drei-Gespann *Süßkartoffel-Bohnen-Avocado* - kann man gar nix mit falsch machen, die Drei funktionieren immer zusammen. Meine Avocado hatte sich jedoch am Stichtag geweigert, anständig reif zu sein - so mussten wir ohne sie auskommen. Und richtig vermisst habe ich sie dann beim Zubeißen auch nicht.

Kann man also wie ich auf Reste zurückgreifen, dann gilt es am Burgertag nur die Buns und die Patties zuzubereiten (und den Salat, wie es mir beim Schreiben wieder in Erinnerung kommt, es sei denn, man bringt ihn am Vortag auf den Weg) - so man kann nicht mehr von aufweniger Küche reden. Zumindest kam es mir nicht so vor. Für die Patties könnt ihr euch entscheiden, ob ihr anstelle von schwarzen Bohnen Kichererbsen verwendet - schmeckt beides gut, erstere sehen etwas hübscher darin aus, finde ich. Es ist eine Grundsatzgeschichte bei mir, dass ich nahezu immer meine Hülsenfrüchte selbst koche (seit Amy Chaplin stets mit einem Stück Kombu Alge) und sie dann einfriere. Ihr könnt ebenso Bohnen aus der Dose verwenden - wie ihr wollt. Wichtig - und zwar mit Achtung und Ausrufezeichen versehen! - ist, dass der Bohnen-Puffer definitiv überwürzt wird. Der Pattie bildet das Herzstück des Burgers und muss geschmacklich die Hauptrolle tragen - dafür braucht der Wumms! Sprich: viel hilft viel! Und bloss beim Abschmecken nicht schüchtern sein!

Begleitend gabs bei uns einen schlichten Krautsalat dazu - identisch wie hier: ganz unspektakulär aber schön frisch und knackig. Voilà, voilà, bleibt mir nur noch, viel Spaß beim Nachbasteln zu wünschen und guten Appetit! Und zum Schluß auf die alte Regel der Ernährungswissenschaften hinzuweisen: Bunt ist gesund!

Ein schönes Sommersonnenwende-Wochenende euch allen!


Zutaten 4 Burger:


Patties:
200g Kidney-Bohnen
200g schwarze Bohnen (oder Kichererbsen)*
1 kleine, rote Zwiebel
3 Knoblauchzehen
1 Ei (Grösse L)
1/2 - 1 TL Harissa
1 TL Dijon-Senf
1 EL Oliven-Tapenade
1 EL Tomatenmark
1/4 TL Pimenton de la vera
2 EL fein gehackte Kräuter
(m: Rosmarin, Oregano, Thymian)
1 EL Tamari-Sauce
2-3 EL Vollkornmehl (evt. plus/m: Einkorn)*

1 Tomate (m: eine große Rose de Berne)
1 Stück Gurke
4 Blätter Salat
4 Scheiben-Käse
12 Blätter Basilikum


1 Salzzitrone
1 EL Majo
Piment d'Espelette
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Für die Süßkartoffel-Crème alle Zutaten miteinander vermengen und abschmecken - eine Gabel oder ein Löffel reicht dafür, die derart gegarte Süßkartoffel ist bereits cremig.

Für die Patties kommt es darauf an, ob Bohnen selbst gekocht oder aus der Dose verwendet werden. Bei den (gut gespülten und abgetropften) Bohnen aus der Dose kann man einen Kartoffelstampfer verwenden, um die Bohnen etwas zu zerkleinern und zu zerdrücken. Für die selbstgekochten (die einfach eine andere Konsistenz wie die aus der Dose haben) nahm ich meinen Zauberstab zu Hilfe, um sie damit grob zu pürieren. Achtung: es soll kein Brei herauskommen, die Masse soll immernoch stückig, aber eben teils feiner sein (das hilft, dass die Patties besser zusammenhalten, aber noch einen guten Biss haben). Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln (wer mag, drückt den Knofi durch die Presse ;). Dann alle Zutaten gut miteinander vermengen und noch besser/ schärfer/ würziger abschmecken.

Jetzt alles andere Gemüse: Salat, Gurke, Tomaten, Basilikum richten.

Mit feuchten Händen vier etwa gleichgroße Kugeln formen und diese dann zu nicht zu dünnen, runden Puffern drücken. Von einer Seite golden braten, wenden, dann den Käse auf das Pattie auflegen außerdem einen Deckel auf die Pfanne und den Bohnen-Bratling von der anderen Seite golden braten und dabei den Käse schmelzen lassen.

In dieser Zeit damit beginnen, den Burger zu richten:
Buns aufschneiden und die obere Bun-Hälfte und bestreichen mit
* Tomaten-Apfel-Ketchup
Auf die untere Hälfte kommt
* Salat
* Süßkartoffelcrème
* fertig gebackenes Bohnen-Käse-Pattie
* Tomate
* Gurke
* Basilikum
obere Bun-Hälfte auflegen: und los gehts!

Pyramiden-Hundswurz

Lamiacucina - Spezial plus Spargel en Papillote mit Bozener Sauce

Sonntag, 3. Mai 2020


Es bilden sich ja gerne zwei Lager bei der Frage, ob Männer und Frauen befreundet sein können. Keine Ahnung, ob das andere können, aber ich hatte schon immer männliche Freunde - seit der Pupertät. Pfff, seit dem Kindergarten. Und nein, die waren auch nicht schwul. Das war schon im Kingergarten egal. Denn mit was soll es auch bitte anderes zu tun haben, als dass man sich mag?

Was ich allerdings nicht für möglich gehalten hätte, ist, dass man befreundet sein kann, ohne sich je gesehen zu haben. Befreundet lediglich über das Netz. Oder, wenn man so will, in guter alter Brieffreundschaft-Manier.

Mir kommt dabei *Gut gegen Nordwind* von Daniel Glattauer in den Sinn. Ein Büchlein, das ich für eine Winterreise mitnahm und bereits im Flieger in einem Rutsch durch hatte. Zwar geht es dabei eigentlich um eine Romanze, aber ich will einen anderen wesentlichen Punkt dieser Geschichte herausgreifen (Für alle, die noch vorhaben, das Buch zu lesen: Achung Spoiler!). Die zwei Protagonisten kommen sich - unkannterweise und per Zufall - über ihren Email-Austausch immer näher. Am Ende jedoch entscheidet einer von beiden, das lang anvisierte Treffen abzusagen - mit der Begründung, dass die Realität dem liebgewonnenen (möglicherweise konstruierten) Bild kaum standhalten könnte.

Diese Sorge trage ich bei einem möglichen Treffen mit Robert nicht. Ganz im Gegenteil - und darauf wollte ich hinaus - ich bin gewiß, dass ob mit oder ohne Begegnung im echten Leben ich Robert nicht mehr oder weniger zugetan sein könnte.

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass Robert von *Lamiacucina*  - neben Petra - eine meiner Säulenfiguren des Foodbloggens ist. Lange bevor ich selbst bloggte, habe ich schon seinen Blog verfolgt, so dass ich behaupten kann: Robert hat mir das Kochen beigebracht.

Robert, der schon seit 2007 bloggt, zählt zu den absoluten Pionieren der Foodie-Szene und er setzte Qualitätsmaßstäbe für alle nach ihm: schöne, ansprechende Bilder, spannende, zuverlässige Rezepte und dazu einleitende Texte, aus denen Bildung ohne Dünkel heraussprechen und ein feiner, menschenfreundlicher Schalk. Sowie ganz einfach seine anhaltende Freude am Kochen. Ich weiß gar nicht, wer den Begriff prägte, aber alsbald wurde er überall übernommen: Robert, der Grandseigneur der deutschen Foodblog-Szene, der, mit der Grandezza im Schlepptau.

Schon immer wurde bei Robert viel kommentiert, auch, weil er sich stets die Mühe machte, alle Kommentare zu beantworten. Hier - als Robert verkündet, dass er in Zukunft etwas kürzer treten will - kann man nachlesen, wie sehr seine Leserschaft an ihm hängt. Und hier in seinem Interview bei den kulinarischen Momentaufnahmen, wo er zudem ein Menu mit Claudio zusammenstellte, erhält man einen der raren Einblicke *behind the scenes*.

Zurückkommend an den Beginn meiner Bindung zu Robert, erinnere ich mich noch lebhaft daran, wie ich ihm - als eine von vielen und obendrein als Koch-Anfängerin - eine Mail schrieb. Und damals schon war *Lamiacuina* einer der ganz großen, viel besuchten Blogs. Das wunderschöne Fladenbrot hatte sich bei mir - wie so manches anfangs in der Küche - nicht aufplustern wollen, wieso  ich seinen Rat suchte. Wie aufgeregt war ich, als tatsächlich eine Email zurückkam - von Robert an mich höchstpersönlich.

Über all die Jahre habe ich wirklich unzählige Gerichte von ihm nachgekocht und viele davon wie selbstverständlich ins Repertoire übernommen worden, ganz so, als wäre ich damit aufgewachsen. Und dafür greife ich nur etwa die legendäre Blumenkohl-Lasagne heraus oder mein absolutes Lieblingsrezept für Zucchini samt all seinen vielen Abwandlungen. Oder das Daniel-Düsentrieb-Ei. Oderoder. Alles Blog-Buster. Eine gute Gelegenheit hier ein lang fälliges Lamiacucina-Spezial zusammenzustellen. 

Schimpfe gabs übrigens auch mal: ich hatte die Pasta ENTSCHIEDEN (!) zu wenig dünn ausgewellt. Bei solchen Gelegenheiten schüttelt mein Habib immer den Kopf über mich, weil ich für derlei Dinge ein Elefanten-Gedächtnis besitze. Zu meiner Ehrenrettung sei angemerkt: auch in die umgekehrte Richung. Die schönste Auszeichung, die mein Blog je erhielt, und zwar ohne je den Glanz verloren zu haben, war, als Robert über Wochen in seinem Side-Board auf meinen Blog verlinkte, mit dem Vermerk *aufgefallen*. Es macht mir auch im Nachhinein noch rote Backen vor Freude - SOOOO schön fand ich das! Wie oft rennen wir der Annerkennung der falschen hinterher (gerne in Massen) anstelle sich um die wenigen zu bemühen, die einem wirklich etwas bedeuten.

Oder um mein Goethe wieder ranzuziehen: ...denn sie hatte in ihrem Leben genugsam einsehen gelernt, wie hoch jede wahre Neigung zu schätzen sei, in einer Welt, wo Gleichgültigkeit und Abneigung eigentlich recht zu Hause sind.* 


Logo, wird das Spezial heute garniert mit einem weiteren, tollen Lamiacucina-Rezept: Spargel en Papillote mit Bozener Sauce. Alleine den Spargel mal ganz schlicht in Folie im Ofen zu garen, ist eine Entdeckung für sich! Dazu gab es zerhackte Kräuter-Pfannkuchen (in etwa ähnlich diesem Rezept, nur dass der ganze Teig in eine große Pfanne gegossen wird und bei/ nach dem Drehen zerhackt und dann fertig gebraten wird) mit viel wildem Schnittlauch (siehe Foto) und etwas gemischen Kräutern aus dem Garten.


Zutaten 2P:

1 kg Spargel
25 g gesalzene Butter
ein Hauch Muskat

(m: 1 Pr Zucker)

für die Bozner Sauce:
2 mittelhart gekochte Eier
1 TL Dijonsenf
60ml Olivenöl

1 EL Weißweinessig
1 EL Zitronensaft
2 EL Schnittlauch und Petersilie, fein geschnitten
Salz, weißer Pfeffer aus der Mühle
150g Joghurt (um die Sauce etwas leichter zu machen)

Zubereitung:

für die Spargeln:
(1) Backofen auf 180°C vorheizen. Spargel schälen. In einen Bratschlauch geben oder in Alufolie einwickeln und mit der Butter, Salz und einem Hauch Muskat ca. 30 Minuten im Backofen garen.

für die Boznersauce:
(2) Die Eier mittelhart kochen und leicht abkühlen lassen. Anschließend die Eier schälen und die Eigelb vom Eiweiß trennen. Die Eigelb durch ein Sieb streichen. Das Eigelb mit dem Öl mit einem Schneebesen (nicht mit einem Mixer ! sonst kann es bitter werden) zu einer Mayonnaise aufschlagen, bis die Sauce ein sämige Konsistenz hat. Joghurt unterschlagen. Mit Senf, Salz, Pfeffer, Essig und Zitronensaft würzen. Das Eiweiß fein hacken und zur Eigelbsauce hinzugeben. Zum Schluß die Kräuter unterheben.

(3) Die Spargeln auf einem Teller anrichten, mit dem Saft aus dem Bratschlauch beträufeln und mit der Sauce übergiessen.

*Anmerkung m: bei uns gabs dazu gehackte Kräuter-Pfannkuchen 




Hier die Reihe all der Rezepte, die ich auf dem Blog dokumentierter Weise von Robert nachgemacht habe. Dabei fehlen logischerweise die, die mich vorher schon in die Küche gezogen haben. Und die, an die ich mich nicht traute. Oder gibt es irgendjemand in der deutschen Foodie-Szene der filigranere, gefüllte Pasta zaubert?