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Johannisbeer-Kokos-Kuchen

Sonntag, 13. April 2025

 

Meine Freundin Mireille ist auf den Hund gekommen. Gemeinsam mit ihrer Tochter Claire adoptierte sie den jungen Rüden Bruno von einem Bauernhof. Gute drei Jahre ist er nun bei ihnen und ich staune bei jedem Besuch, wie viel Fell ein Hund tagtäglich verlieren kann. Hingegen wundere ich mich nicht, dass Bruno wirklich null hört. Mireille hat es so gar nicht mit Struktur, mit Organisation oder Hierarchien. Da hilft es auch nichts, wenn sie mahnend einen Zeigefinger nach oben streckt, betont streng guckt und sich zigfach wiederholt: ihre Befehle klingen einfach nach Vorschlag. Und beide haben die Kommandos bereits wenige Sekunden nach Aufforderung schon wieder vergessen...

Mireille nahm mal an einem Aktzeichenkurs mit. Der Leiter wies sie darauf hin, dass ihre Figuren aussehen würden, als ob sie keine Knochen hätten. Nur weiches Fleisch ohne jedes Gerüst. Genauso wie Mireille. Ein Baum ohne Stamm und Zweige. Ein Tiger ohne Zähne. Sie selbst würde sich als gefühlsbetont, nachgiebig, zart und liebevoll beschreiben. Das Problem ist: echtes, tiefes Gefühl braucht Klarheit, Ordnung und Eindeutigkeit (ich erinnere an die Klarheit des Bergkristalls) - das glatte Gegenteil von Mireilles Gefühlsdusselei. Ihrer Meinung nach ihre größte Stärke, von außen ihr Sargnagel.

Bruno, der drinnen ein Kampfkuschler ist und seine Streicheleinheiten mit Vehemenz einfordert, zeigt sich auf der Straße verändert. Andere Hunde mag er nicht. Selbst wenn sie drei Mal so groß sind wie er, knurrt er sie an. Das bringt Ärger mit sich. Menschen gegenüber verhält er sich richtig respektlos: da wird schon mal ein Hosenbein angepinkelt oder eine Handtasche. Das bringt auch Ärger. Hinzu kommt sein Jagdtrieb. Eine Maus oder einen Hasen in der Nase und er geht stiften. Um ihn vor sich selbst und vor der nahen Schnellstraße zu schützen, wird er nun immer angeleint. Dabei kreuzt er seinem Frauchen in endloser Manier vor den Füßen hin und her, dass es ein Grauen ist, dem beizuwohnen.

Man macht so leicht den Denkfehler, dass ein Leben ohne Regeln die große Freiheit bedeutet. Eben nicht. Siehe Bruno an der Leine. Alle, die in einer spirituellen Vorstellung von Welt leben, glauben, dass eine höhere Gerechtigkeit grundsätzlich eine Ungerechtigkeit ausgleichen wird, vertrauen auf Weisheit, die auf Wahrheit beruht. Nämlich, dass jede Tat ihre entsprechende Konsequenz schon hervorrufen wird. Ein strenges Weltbild, aber mit einem verlässlichen Rahmen, das Halt gibt und Geborgenheit. 

In Willkür lebt es sich ängstlich. Claire hat mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen. Sie hat Probleme sich einzuordnen, einzufügen und einzufühlen. Daher ist sie dankbar um alle Vorgaben, die ihr gemacht werden, weil sie von zuhause keine Orientierung erhält. So ist sie sofort bereit, sich akribisch an sämtliche Richtlinien zu halten - egal von welcher Seite sie kommen. Mireille schwört Stein und Bein für ihrer Tochter Claire alles getan zu haben, kein Wunsch blieb unerfüllt, kein Verbot wurde je ausgesprochen. Nur ein selbstbestimmter, fröhlicher junger Mensch wurde aus Claire so nicht.

Ich glaube, die Schwierigkeit liegt darin zu erkennen, wo man falsch abgebogen ist. Wobei die viel entscheidendere Frage lautet: lassen sich Gewohnheiten, die zu eingefleischten Mechanismen ausgewachsen sind, überhaupt wieder ändern. Verdreht ist verdreht. Auf ihnen beruht die eigene Existenz. Wie wieder in sich klar werden, wenn man selbst die Grenzen zwischen gut und böse, anständig und unanständig zu einem Brei verkocht hat. Da helfen auch keine Hinweise von außen - sofort wird pariert mit einer von den schönen, zurecht gelegten Entschuldigungen. Geisteskrank ist geisteskrank.



Beim Abtauen der Tiefkühle entdeckte ich noch viel ungenutztes Johannisbeer-Potenial - das dringend genutzt und gebraucht werden wollte. Also habe ich mich umgeschaut nach einer weiteren Kuchen-Idee mit Johannisbeeren. Für mich die beste Art, Johannisbeeren zu verwerten: in Kuchen. Als Beeren so direkt zu essen, sind sie mir zu sauer - und daher auch nix fürs Müsli. Im Kuchen aber bilden sie ein schönes Widerlager und mit dem Kokos verbindet sich die Gartenfrucht mit der großen, weiten Welt und zu einer Kombi von fruchtig, cremig, knusprig. 

Und weil wir kurz vor Ostern stehen: hier gehts weiter zu meinem OSTERN-SPEZIAL


Zutaten:

100g Butter
60g Rohrzucker
1P Vanille-Zucker
2 Eier
140g Mehl
1 1/2 TL Backpulver
50g Kokosflocken, feiner gemahlen
Abrieb einer Orange
..
400g Johannisbeeren (m: gefroren)
..
250g Milch
1/2 Päckchen Vanille-Pudding
1 EL Rohrzucker
100g Schmand (m: crème fraîche)
...
80g Kokosflocken
50g Mehl
90g Butter
60g Zucker


Zubereitung:

Für die Füllung aus Milch, Zucker und Puddingpulver einen Vanillepudding kochen. Dann den Schmand unterrühren und die Creme etwas abkühlen lassen, dabei immer wieder umrühren, damit sich keine Haut bildet.

Für den Teig die Butter schaumig schlagen, Zucker und Vanillezucker einrühren und weiter schlagen, bis der Zucker gut aufgelöst ist. Orangenschale dazufügen. Die Eier einzeln jeweils eine halbe Minute unterrühren. Das Mehl und das Kokos-Pulver mit dem Backpulver mischen und zum Schluss mit Milch unterrühren.

Den Teig in eine gefettete Springform (26 cm Durchmesser) füllen. Darauf die Johannisbeeren geben (TK-Beeren gefroren draufgeben) und anschließend die Pudding-Schmand-Masse darauf streichen.

Den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Aus Butter, Zucker, Mehl und Kokosraspeln Streusel herstellen und über die Pudding-Schmand-Masse streuen.

Den Kuchen ca. 60 Min. backen (Stäbchenprobe! - m: ca. 10 min länger). Den Kuchen auskühlen lassen, aus der Form lösen und evtl. noch mit Puderzucker bestreuen.

Inspi: CK

Abk. : Kokoskuchen mit Rhabarber und Lavendel

Sonntag, 4. Juni 2023

 

Genau genommen handelt es sich um ein Kokosblechrührkuchen mit Rhabarber und Johannisbeeren, weißer Schokolade, Orange und Lavendel. Aber das ist wie im richtigen Leben: zu viel Details schrecken ab. Es reicht eine kleine Überschrift, eine Einordnung, eine kurze Zusammenfassung - damit ist man doch meist schon bedient. *Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest* (Rilke). Vielleicht macht man es sich manchmal zu kompliziert. Bestimmt, da bin ich mir sicher, sollte man jede Form von Grübeln unterlassen. Das tut nicht gut, das führt zu nichts außer Kopfzerbrechen. Was (mir) nicht immer einfach fällt. Sehr oft erhält man nämlich keine Antwort vom Leben auf drängende Fragen. An mir kann das schaben. Wieder fällt mir Rilke dazu sein..., der sagt, dann habe doch einfach die ungelöste Frage selbst lieb... ich hatte es davon. Wäre nur der harte Reifen mit der Geduld nicht. Gut, in einem Rezept kommt spätestens mit der Zutatenliste sowieso alle Infos, die man benötigt.

Die Johannisbeeren etwa könnt ihr gut rauskürzen, wenn ihr schönen Himbeer-Rhabarber bekommt. Die gebe ich oft der Farbe zuliebe hinzu. Oder aber ihr mengt noch ein paar Himbeeren unter - auch super. In Südfrankreich bin ich froh, wenn ich überhaupt Rhabarber auftue. Auf dem Markt seltenst. Und bei uns im Garten habe ich die Hoffnung gesteckt, nach mehreren Versuchen ihn bei uns anzubauen. Er will nicht.

Mach dich rar und du wirst zum Star, sagt man. Das trifft bei mir und meinem Verhältnis zu Rhabarber den Nagel auf den Kopf. Als er noch als Riesen-Trumm im elterlichen Garten wuchs, wollte ich von Rhabarber nix wissen. Aber gerade im Frühling gelüstert mich hier im Süden wenigstens ein Mal im Frühjahr nach einem Kuchen mit Rhabarber.

Um dem Kuchen einen regionalen Twist zu verleihen, habe ich mit Lavendel *parfümiert*. Und unsere Feriengäste haben bestätigt: das darf man ruhig machen, selbst wenn es ungewöhnlich klingt - es schmeckt! Auf Lavendel im Essen reagieren ja viele skeptisch. But I do my very best um gegen diese Vorurteile anzuarbeiten. Naja, hänge ich es etwas tiefer auf: anzukochen.

 


 Zutaten:

1 1/2 kg Rhabarber (m: 1 kg Rhabarber, 250g Johannisbeeren)
250g Butter, weich
160g Rohrzucker (plus etwas mehr)
4 Eier
1 Pr Salz
300g Mehl (m: D630)
3 TL Back-Pulver
100g geriebener Kokos (und etwas plus)
3 EL Lavendel, fein gehackt
180g weiße Kuvertüre
1 Orange, Schale und Saft

 

 Zubereitung:

Rhabarber putzen und in 2 cm breite Stücke schneiden. Von der Orange 2 Tl Schale fein abreiben. 100 ml Saft auspressen. Kuvertüre hacken.

Butter, Zucker, 1 Prise Salz und Orangenschale mit den Quirlen des Handrührers mind. 5 min. schaumig schlagen. Eier nacheinander jeweils 30 Sek. unterrühren. Dann Mehl und Backpulver sowie Kokos mischen und abwechselnd mit dem Orangensaft unterrühren. Die Hälfte der Kuvertüre, sowie die Hälfte des fein gehackten Lavendel unterheben.


Teig auf ein gefettetes Backblech (40 x 30 cm) streichen, mit zusätzlichen Kokosflochen bestreuen und den Rhabarber und die Johannisbeeren darüber verteilen, außerdem dem restlichen Lavendel darüber streuen sowie 2-3 EL Rohrzucker. Im heißen Ofen bei 190 Grad (Umluft 170 Grad) auf der mittleren Schiene 20 min. backen. Restliche Kuvertüre auf den Kuchen streuen und weitere 15 min. backen. Auf dem Blech abkühlen lassen und in Stücke schneiden. 

Anmerkung m: wer keinen Kokos mag, kürzt ihn raus und nimmt insgesamt 400g Mehl

 

geistlose KI - weißer Schoko-Beeren-Cake

Samstag, 1. April 2023


Diese Woche habe ich im Netz bei einem kleinen Bilderquiz teilgenommen, bei dem ich den Unterschied erkennen sollte zwischen Fotos, die von KI erstellt wurden oder von einem fotographierenden Menschen (s. Stern). Um es direkt aufzulösen: keine Chance. Same-same but different. Ich habs nicht geschafft.

Zu ähnlichem Ergebnis kam Inés (aka Kaltmamsell) bei der Anwedungen von Texterstellung der KI ChatGP:  Foodblogs müssen endlich die “endlosen Labertextfahnen vor den eigentlichen Rezepten” nicht mehr selbst erfinden: Foodblogging 2023 (Formschub). Das bekommt ein Algorhythmus gleich gut hin.

Und im Gespräch mit einer Freundin, deren Mann in *der Branche* arbeitet, erzählte diese mir, dass er gerade mit der KI-Entwicklung rund um die Imitation der menschlichen Stimme beschäftigt sei. Etwa Arztpraxen könnten dadurch entlastet werden, wenn die Telefonauskunft in Zukunft auf häufig gestellte Fragen (nich, ganz so, wie es die Google-Suchmaschine anbietet) durch KI-Sprecher übernommen wird. Die Stimmen wären täuschend ähnlich und die Antworten decken ja immerhin eine statistische Mehrheit ausgewertetermaßen ab.

Dem gegenüber steht das Individuum. Denn individuell geht ganz anders, da sind wir uns wohl einig. Was aber macht den Kontrahenten zur Industrie 4.0 - das Einzelwesen - so wertvoll? Oder genauer nachgehakt: was macht dich als Individuum höchstpersönlich aus? Ist dir das bewußt?

Stand der Dinge ist: ob 'real' oder 'imitiert', ob 'Wahrheit' oder 'Fake' läßt sich nicht mehr scheiden. Das Auge ist täuschbar, das Gehör ebenso, bref: die Sinne dienen nicht mehr als Instrument, Spreu von Weizen trennen zu können. Was will der Verstand auf der Basis von verwirrten Sinnen auswerten?

*Allen gehört, was du denkst, dein eigen ist nur, was du fühlst.* (Schiller)

Tsss, schütteln jetzt einige den Kopf, und weil irgendwer irgendetwas fühlt, sollen dann Entscheidungen getroffen werden ?! Hochgradig spinnert! Nein, falsch! ICH, ganz alleine, eigenverantwortlich, selbstbestimmt habe zu einem höchstpersönlichen Urteil für mich selbst zu finden - das erst ist der erwachsen gewordene Mensch, das ist der einsame Weg des Individuum. Aber wie klar bist du dir deiner eigenen Gefühle? Wie gut ist der Draht zu deinem Herz? Mit der Frage wende ich mich an eine kleine Minderheit, weil mir bewußt ist, dass eine Mehrheit bereits von der anderen Welt, in der Maß und Zahl die Hoheit hat, geschluckt wurde.

Eine kleine Beispielgeschichte. In Marokko luden wir eine Bekannte vom Team Graf Zahl zum Geburtstags-Essen ein. Wir hatten das kleine Lokal bereits einige Zeit zuvor entdeckt und waren völlig verzaubert. In einem verwunschenen Garten, umrundet von blühenden Bougainvillea, Granatäpfelbäumen und Jasmin-Sträuchern wurde uns eine üppige Vielfalt von köstlicher Mezze aufgetischt. Dorthin führten wir sie also aus. Anschließend, der Habib hatte bereits bezahlt, drehte unsere Bekannte beim Verlassen nochmals um mit der Begründung, sie müsse auf Toilette. Da ich aber meinen Pullover vergessen hatte, erwischte ich sie dabei, wie sie stattdessen am Tisch nach der Rechnung griff. Sie brauchte eine Zahl (den Preis), die ihr einen Maßstab bot, um den Wert dieser Einladung einordnen zu können.

Ohne Innerlichkeit, ohne Zugriff zur eigenen Gefühlswelt bleibt ein eigenes Urteil verwehrt. Wie wunderschön fasst Erich Fried in Lyrik, dass der Verstandesebene der Zugriff zum Gefühl nicht möglich ist: *Es ist, was es ist* und veranschaulicht dabei im gleichen Moment, dass einzig das Gefühl in seiner Tiefe Gewissheit findet - weil es die Tür zum Wesen der Dinge ist. Etwas, das man anderen nicht erklären kann. Und nicht muss. Fühlende Wesen verstehen sich untereinander ohne Worte - s. James French.

Oder mit der allbekannten Weisheit von Saint-Exupéry: *Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. Man sieht nur mit dem Herzen gut.*

 


Wer meine Rührkuchen kennt und nachbäkt, der muß wie ich die Schlagseite zu den Brownie-Style-Kuchen haben: schön saftig, schön durchgezogen, schön lecker.


Zutaten - Kastenform 23cm:

170g Butter, weich
180g Zucker (m: Rohrzucker)
3 Eier
200ml Kefir
Schale einer Zitrone
300g Mehl (m: D630)
8g Weinstein-Backpulver
1/2 TL Salz
90g weiße Schoko, gehackt (oder Drops)
150g Beeren (m: gemischt)*

Zubereitung:

Backform mit Backpapier auskleiden.

Ofen auf 170°C (Umluft) vorheizen

Mehl zusammen mit dem Back-Pu sieben. 1 EL davon zur Seite nehmen und darin die Beeren marinieren.

Butter mit Zucker hell schaumig aufschlagen. Eier nacheinander unterrühren. Zitronenschale, Salz und Schoko zufügen. Dann abwechselnd Kefir und Mehl beischütten. Nicht zu lange rühren, nur so lange bis ein homogener Teig entstanden ist.

Die Hälfte des Teiges in die Kastenform füllen. Beeren darauf verteilen. Restlichen Teig darauf setzen und glatt streichen und auf der 2. Schiene von unten in den Ofen schieben.

Backzeit ca. 70-75 min - Stäbchenprobe.

Anmerkung m: man kann sich auch nur für Himbeeren entscheiden. Oder Blaubeeren. Oder Brombeeren. Und weniger Frucht (80-100g) funktioniert der Cake auch gut...

Inspiration: Margot (coucou Margot)

 


Und weil wir in die Karwoche übergehen, und weil ich mit stolz geschwellter Brust der Minderheit der Pazifisten angehöre, und weil vor mir schon ganz andere Geister dafür eingetreten sind:

 

Ich halte es lieber mit meinem Landsmann Jesus Christus. Leiden ist mir eben wirklich lieber als Gewalt üben - Albert Einstein

Inspiration³ : Tarte mit Johannisbeeren, Holunderblüten-Sirup und Verveine

Sonntag, 9. Juni 2019


Der Holunder blüht verschwenderisch und duftet dabei derart betörend und berauschend, dass auf dem Land an ihm gerade kein Weg vorbeiführt. Gleichzeitg verfärben sich an den Sträuchern die ersten Johannisbeeren rot und erinnern mich daran, dass noch welche von letztem Jahr tiefgekühlt auf Verwertung warten. 

Eine weitere Weisung in Richtung dieser Tarte waren freundliche Feriengäste aus der Schweiz, die auf der Suche nach einem Tarte-Rezept erst über das Blog gestolpert waren, um schließlich als Urlauber bei uns zu landen. Ich wußte die Zeichen wohl zu lesen und trollte mich brav gen Küche, um allen gesehenen, gerochenen und erzählten Boten der Zeit gerecht zu werden. So einfach kann Kochen oder Backen sein, wenn die Musen flüstern...

Zutaten:

240g Mehl
130g Butter
Salz
60g Zucker
1 TL Crème fraîche
(oder 1 Ei)
etwas kaltes Wasser
Abrieb einer 1/2 Tonka-Bohne

450g Johannisbeeren
250g Mascarpone
1 Ei
6 EL Holunderblütensirup
40g Zucker*
12 Blätter Verveine 


Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Tarteboden einen homogenen Teig kneten und mindestens eine halbe Stunde kalt stellen. Eine Tarteform buttern, den Teig auswellen und die Form damit samt Rand auskleiden. Den Boden mit der Gabel mehrfach einstechen und ca. eine halbe Stunde in die Tiefkühle stellen.

Den Ofen auf 200° Umluft vorheizen. Die Tarte mit Backpapier auslegen, mit Hülsenfrüchte belegen und 10min backen - Backpapier und Hülsenfrüchte entfernen und weitere 10min backen.
Währenddessen von den Verveine-Blättern die Mittelrippe herausschneiden und fein hacken. Mascarpone, Ei, Holunderblütensirup, Zucker und Verveine mit einem Handrührgerät glatt rühren. Die Johannisbeeren untermischen.
Den Backofen von Umluft auf Ober-/Unterhitze umstellen. Den Belag auf den vorgebackenen Boden verstreichen und die Tarte weitere 20min bei 190° und 15min bei 180° backen. Auskühlen lassen - ich finde, etwas gekühlt schmeckt die Tarte besonders erfrischend.

*Anmerkung m: Die Johannisbeeren lassen sich auch prima durch Brombeeren, Himbeeren oder Blaubeeren ersetzen. Möglicherweise würde ich den Zucker dann etwas reduzieren, weil man weniger Säure als bei den Johannisbeeren ausbalancieren muss.


Rosenzeit: Kefir-Gugl mit Himbeeren und Johannisbeeren

Mittwoch, 23. Januar 2019


Während dieser elendlangen Busfahrten zum Gymnasium und zurück verschlang ich Denise-Romane. Die gabs damals am Kiosk am Busbahnhof in einem metallenen Drehständer, verheissend harmlos rosa und hellblau eingebunden, ein Pärchenbild als Cover wie von der Bravo geklaut, auf Altpapier gedruckt. Verwickelte Liebesgeschichten, die in der Jetztzeit angesiedelt waren: auf der ersten Seite lernten sie sich kennen, auf der letzten kamen sie zusammen. Die Frage war das Wie.

Fortbildung, bei der auf nichts aufgebaut wurde außer auf viel Hoffnung und Sehnsucht. Eine Lesephase, die genau so endete wie sie begann: in der Pupertät.  Ein schlechtes (jüngst gelesenes) Beispiel für dieses Genre in der Literatur ist übrigends *Die Einsamkeit der Primzahlen*: zwei Verhaltensauffällige, Gemütskranke irren um sich herum - anstrengend und ermüdend (schade eigentlich bei dem schönen Titel).

Hingegen ein echtes Bomben-Beispiel ist *Stolz und Vorurteil* von Jane Austen - ich war während der Lektüre wie zu besten Zeiten völlig im Fieber, wann sie sich endlich in die Arme fallen. Aber das nur unter uns im Geheimen, niemals würde ich das öffentlich zugeben! Am Kuriosesten an dieser Geschichte ist ja, dass die Verfilmung auch funktioniert. Jede Kameraeinstellung eine Postkarte. Kitsch as Kitsch can. *Ein kleines Wunder* urteilte damals die FAZ - und das ist es indeed. Vermutlich mit weil Keira Knightley mit ihrer verspannten Kieferpartie auf ganz natürliche Weise dieses Eigensinnige, Trotzige, Verweigernde mitbringt, das die Rolle der Elizabeth so hervorragend kleidet.

All das Überzuckerte-Klebrig-Dämmerige mit Nippes und Sonnenuntergang, am Valentinstag mit oppulenter Hochzeitsfeier, samt utopischen Versprechungen und Schwüren, als wisse man, was die Zukunft bringt, gestanzten Rollenbildern, protzigen Geschenken, die den Gegenwert der Gefühle spiegeln sollen, Kerzen, Negligés, Rosenduft oder (direkt aus der Hölle) Paare, die miteinander in Babysprache kommunizieren - die Typographie des Grauens ohne auch nur den Hauch eines romantischen Moments für mich.

Aber bitte, jeder darf Romantik interpretieren, wie er will. Für meine Zwillingsschwester ist Romantik gar eine bloße Erfindung ihrer Epoche (sie schrieb ihre Magisterarbeit darüber). Und das erwähne ich nicht als Anklage, sondern um aufzuzeigen, wie unterschiedlich zweieiige Zwillinge stets sind und sie trotzdem behaarlich von der Gesellschaft in den Topf der eineiigen geworfen werden. Es ist wohl zu viel von der Außenwelt verlangt genauer hinzuschauen, wo es sich doch viel einfacher mit Klischées lebt.

In meinem Leben gebührt der Romantik ein zentraler Platz. Zwei Menschen, die miteinander füreinander sind. Nix polyamor, nix Tandra, nix Swinger, nix freie Liebe. Zwei, die einen Kern bilden. Wie beim Fangenspielen als Kind. Es gibt den Bereich der Jagd und einen ganz kleinen Ort, da ist *Haus*, geschützt und bestenfalls selbst kreiert mit Vertrauen und Ehrlichkeit. Ein Verbund ganz freiwilliger Art. Nicht aus Pflicht heraus, nicht der Biologie gehorchend. Das gelebte Mysterium eines Baumes: 

Ginkgo Biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut
 

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

 
Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?
 

(JW v. Goethe)

Habib, du bist die Erfüllung eines Jungmädchentraums, aber du bist ein scheußlicher Zeitbeschleuniger: die letzten Jahre vergingen viel zu schnell! Rosenzeit mit Wermut. Versüße ich uns den *Weil-nichts-bleibt-wie-es-ist*-Moment mit einem Kuchen, gatschig und saftig ganz wie ein Rührkuchen sein muss und sein sollte... zumindest, wenn er aus meiner Gugelhupfform fällt!


Zutaten - Gugelhupfform*:

300g Weizenmehl (m: Dinkel 630)
250g Johannisbeeren (m: gemischt mit Himbeeren)
200g weiche Butter
200g Rohrzucker
150ml Buttermilch
1 Vanille-Stange, das Mark davon
4 Eier*
2 TL Backpulver
eine Prise Salz

Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung:

Den Ofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Guglhupfform einfetten und ein wenig mit Mehl ausstäuben.

Die Vanilleschote halbieren und das Mark herrausschaben. Die Butter mit dem Zucker und der Vanille aufschlagen bis die Masse aufhellt und cremig wird. Ein Ei nach nach dem anderen zugeben, dabei jeweils eine Minute weiterrühren.

In einer anderen Schüssel die trockenen Zutaten vermengen: das Mehl mit dem Backpulver und der Prise Salz vermischen. 

Mehl-Mischung und Buttermilch im Wechsel zum Kuchenteig geben - dabei nicht zu lange rühren. 

Die Johannisbeeren und Himbeeren (gm: eigene, gefroren) dazugeben und einmal kurz unterheben. 

Dann den Teig in die Form geben, drei bis vier Mal die Form auf die Küchenplatte hauen, damit sich eventuelle Bläschen auflösen. Für 60 Minuten backen.

Den Kuchen abkühlen lassen, erst dann aus der Form stürzen. 

*Anmerkung m: Um die Kuchen-Gugelhupfform ganz zu füllen, könnte (sollte - so mache ich das nächste Mal) man die Zutatenmenge mit 1,25 multiplizieren


Inspiration: Über-see-Mädchen

High on emotion: Grießflammerie-Tarte mit Himbeeren und Johannisbeeren

Donnerstag, 12. April 2018


Mit den Händen in der Luft gewedelt, mit der Hüfte um sich selbst gekreiselt und dazu ein gekichertes*Schalalalala E-M-O-T-I-O-N* im Chris de Burg-Refrain-Sound - das ist das gelebte *I feel you*. Und nicht ganz ernst gemeint - bei DER Songauswahl. Das zieht als alberner Gassenhauer unter uns Mädels, aber selbst wenn ich mir die Showeinlage als Kopfkino nur für mich mache, dann wirkt sie bei schlechten Gefühlen abmildernd und bei guten pushend. 

Zu *emotionaler Küche* fällt mir sofort als erstes Grießflammerie ein. Mir hilft Grießbrei genau so als Seelentröster wie als Tüpfelchen auf dem i. Ein Grießbrei steckt eindeutig voller guter Gefühle! Bref: DIE Geheimwaffe für alle Gelegenheiten. Ehrlich, kann man Grießbrei nicht mögen?

So ist es eigentlich verwunderlich, dass ich bisher noch keine Grießflammerie-Tarte gebacken habe - das kann doch nur eine gute Idee sein. Und was soll ich sagen? SUPER-lecker! Ich habe von allen Seiten nur Daumen-hoch bekommen und sowas von locker zwei Stücke verdrückt bekommen... lässigst!


Zutaten - 26cm:

Tarteteig:
150g Mehl (m: D630)
100g Butter
70g gemahlene Mandeln (m: geschält)
60g Rohrzucker (m: zu Staubzucker gemahlen)
1 Pr Salz
Bittermandel-Aroma
1/4 TL Kardamom
50g Quark
etwas kaltes Wasser

350ml Milch
40g Grieß
15g Zucker
1 Vanilleschote
250g Quark
45g Rohrzucker
1 Ei
20g Speisestärke, gesiebt
20g gemahlene Mandeln
100g Himbeeren (geforen)*
100g Johannisbeeren (-"-)*

Puderzucker zum Bestäuben



Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Tarteboden einen homogenen Teig kneten und mindestens eine halbe Stunde kalt stellen. Eine Tarteform buttern, den Teig auswellen und die Form damit samt Rand auskleiden. Den Boden mit der Gabel mehrfach einstechen und ca. eine halbe Stunde in die Tiefkühle stellen.

Paralell den Grießbrei zubereiten: die Milch mit dem Vanillemark aufkochen, den Grieß, plus 15g Zucker mit einem Schneebesen einrühren, die Hitze reduzieren und unter Rühren etwa 5min weiter köcheln und den Grießbrei eindicken lassen. Komplett auskühlen lassen - dabei ab und an umrühren damit sich keine Haut bildet.

Den Ofen auf 190° Umluft vorheizen. Die Tarte mit Backpapier auslegen, mit Hülsenfrüchte belegen und 25min backen - Backpapier und Hülsenfrüchte entfernen und weitere 10min backen.

Währenddessen das Ei, die gesiebte Stärke, die Mandeln, den Zucker und den Quark mit dem Handrührer in den Grießbrei untermischen. Die geforenen Früchte auf dem vorgebackenen Boden verteilen, darauf die Grieß-Quarkmasse gießen und glatt streichen.

Den Ofen auf 150° O/U-Hitze runterschalten und die Tarte in 35min fertig backen.

*Anmerkung m: man kann natürlich auch frische Früchte verwenden, aber ich habe auf meine geforenen Garten-Vorräte zurück gegriffen. Alternativ würde sich auch eine Lieblingsmarmelade anbieten - dann eventuell den Zucker in der Quarkmasse etwas verringern...


Frei sein: Gugelhupf mit Joghurt und Johannisbeeren

Mittwoch, 14. Juni 2017

Mich rührte die kleine Geschichte an, die Maximilian in seinen 12ern versteckte: mit Kreide die wenigen Buchstaben *Frei sein* auf den Bürgersteig zu kritzeln, die vom nächsten Regen fortgespült werden, stellt erstaunlicherweise eine Ordnungswidrigkeit dar. Soso, eine Ordnungswidrigkeit...

Wie symbolisch das ist, oder? Mit einer solch gänzlich unbedeutenden Aktion erreicht man berreits die Grenzen der Freiheit. Und touchiert diese kleine Botschaft nicht eine der Grundsehnsüchte des Menschen: frein sein zu wollen?

Kinners, was war das für ein Freiheitsflash, als ich zum ersten Mal alleine im Auto saß! Endlich Führerschein! Ich dachte, ALLE müßten mich sehen, und dann denken: da schau an, die Kleine ist jetzt unabhängig. Abhauen zu können, und mich dafür nur ins Auto setzen zu müssen, das war für mich das ultimative Marlboro-Gefühl! Fenster auf, Motor an, Mucke an und weg war ich! Es hielt viele Festtage an, dieses Gefühl der weiten, offenen, endlosen Prärie um mich!

Oder wenn ich - als ich noch in meinem 8-Stunden-Arbeitesverhältnis lebte - meinem Arbeitgeber einen Tag stahl, um blau zu machen. Wie oft kam das vor in all den Jahren? Es läßt sich an einer Hand abzählen. Aber dieses Gefühl, mitten in der Woche Zeit für mich und zu meiner eigenen Gestaltung zu haben, fühlte sich an wie ein Geschenk - Momos Zeitsparkasse abgetrotzt...

Klar, wenn wir winters unterwegs auf Reisen sind, das ist jedes Mal eine ganze Epoche der Selbstbestimmung. Und direkt rutscht mir auch Emily Ruete wieder durch den Sinn, die Prinzessin aus dem sansibarischen Sultanspalast, die der Liebe und einer Schwangerschaft wegen in Deutschland strandete und die schon vor über hundert Jahren von einer Überreglementierung der deutschen Gesellschaft sprach - für sie gleichgesetzt mit Gefängnisgitterstäben.

*Frei sein* mit Kreide auf den Gehweg geschrieben, stellt also eine Ordnungswidrigkeit dar. Doch, das nehme ich als pars pro toto.

Und damit mir dieser Post heute nicht zu nachdenklich oder gar zu traurig gerät, gibt es ein süßes Widerlager dazu: einen Kuchen mal wieder mit schwerer Schlagseite Richtung Brownie. Er ist wie gemacht, um damit vor die Hütte zu gehen, um damit mit Kreide auf den Boden - Scherzken - , um damit ins Schwimmbad zu gehen, auf die Parkbank oder Hauptsache irgendwo, irgendwie nach draußen. An der frischen Luft fühlt es sich gleich von ganz alleine ein Stückchen freier an...

Zutaten:

320g Mehl
30g Speisestärke, gesiebt
1 TL Backpulver
250g Butter, weich
5 Eier, getrennt 
230g Zucker (m: Rohrzucker)
200g Joghurt, natur
50g Crème fraîche
1 Vanillestange, das Mark davon
1 Pr Salz
250g Johannisbeeren

Zubereitung:

Die Butter mit dem Zucker und dem Vanillemark sehr schaumig rühren. Die Eidotter einzeln unterrühren. Mehl mit Backpulver vermischen, sieben und abwechselnd mit Joghurt und Créme zur Buttermasse geben. Eiweiß mit einer Prise Salz zu Schnee schlagen und unter die Teigmasse heben. Zuletzt die Johannisbeeren untermengen.

Den Teig in eine gefettete, bemehlte Gugelhupfform füllen und im vorgeheizten Backrohr bei 175°C ca. 60 Minuten backen.  Nach drei Viertel der Backzeit eventuell mit Folie abdecken.

Den Gugelhupf etwa 20m in der Form auskühlen lassen, dann stürzen und mit Puderzucker bestäuben.

175° (O/U-Hitze) ca. 60-65min

La belle vie: Nuss-Mohn-Beeren-Käsekuchen-Schnitten

Samstag, 18. März 2017

Jede Reise bringt mir etwas anderes bei. Jede Reise birgt ihre eigene Lektion über das Leben. Keine allerdings war für mich so Mark erschütternd wie unser Aufenthalt in Madagaskar. Ich weiß nicht, wie oft ich in den Monaten danach meine Sätze mit: *Und was ich von Madagaskar gelernt habe...* begonnen habe. Viele. Sehr viele. Bis heute.

Ich glaube, dass eben diese tiefgreifenden Eindrücke für mich genau der Junk des Reisen ausmacht: die Rückkopplung auf mich selbst. Was ebent exakt der Unterschied ist zwischen *Reise* und *Urlaub*. Die eigentliche Botschaft, die in einer Reise für mich versteckt ist, erkenne ich manchmal erst zeitversetzt, manches bereits vor Ort. Wie könnte es anders sein, schickte auch Iran mich in die Schule.

Die Ankunft in Teheran war nix anderes wie ein echter Kulturschock! Und ich meine nicht die iranische Kultur (überhaupt nicht!), ich meine diese brodelnde 15-Millionen-Einwohner-Metropole. Ich hatte ja überhaupt keine Ahnung, wie manche Städte auf dieser Welt in den letzten Jahren explodierten. Wie moderne Stadt geht?! Für mich, die in einem Zwergendorf lebt, in dem es keine Straßennamen gibt, kam das einem Supergau für meine Sinne gleich. Sorry, aber so geht Vorhof der Hölle: der Lärm, der Gestank, diese Massen an Menschen, das Geschiebe und Gedränge. Dafür sind der Habib und ich nicht gemacht.

Damit verbunden war meine Erkenntnis, wie klein die Zone um den Äquator im Verhältnis zum kompletten Globus ist, in der das Klima Garten überhaupt möglich macht - ein schmaler Streifen Fruchtbarkeit. Was ein Glück, überhaupt gärtnern zu können. Was ein Schatz solch ein Garten! Was ein Kleinod! Etwas, für das man keine Mühe scheut. Eine Erkenntnis, die mir die persische Kultur voraus hatte, deren Auffassung von *Garten* Richtung Eden greift. Die Ethymologie verdeutlicht es bereits: von dem altpersische Wort für Garten *Paradaidha* leitet sich in vielen Sprachen das Wort *Paradies* ab. Wieder bedauerten wir, lediglich im Winter Iran besuchen zu können, denn nicht nur viele Monumente, sondern auch viele persische Gärten stehen in Iran unter UNESCO-Weltkulturerbe. Und die entfalten ihre Schönheit naturgemäß nicht, wenn es friert.

So sage ich dieses Frühjahr in einem ganz neuen Brustton der Überzeugung NEIN, den Frühling in der Stadt verbringen.... aber doch nicht freiwillig! Dann würde ich ja die Pfirsichblüte verpassen. Den Rausch in Rosa. Nie ist das Leben süßer als zur Blütezeit - also muß dazu was Süßes her. Unmöglich war es mir, mich richtig zu entscheiden, was ich uns backen will. Ich wollte alles, ich wollte die Fülle des Frühlings: Nuss, Mohn, Käsekuchen, Frucht, Streusel, Schokolade. Gut, die Schoko flog in der Zielgeraden raus. Man kann wohl nie alles haben. Aber fast.

Zutaten Form 24cm x 20cm:

Nuss-Streusel-Teig
80g Haselnüsse, gehackt, geröstet
1 Pr Salz
240g Mehl
130g Butter
1/2 TL Zimt
100g Zucker (m: Vollrohr)
evt. etwas kaltes Wasser

Mohn:
100g Mohn, gemahlen
30g Butter
40g Zucker (m: Vollrohr)
70ml Milch

Füllung
400g Quark
30g Zucker (m: Vollrohr)
30g Speisestärke, gesiebt
2 Eier
etwas gemahlene Vanille
Mohn-Mischung (s.o.)
150g gemischte Beeren (m: eigene, gefroren)

 Zubereitung:

Mit dem selbstgemachten Mohnback beginnen: dafür Butter, Milch, Mohn und Zucker aufkochen und etwa 30min quellen lassen.

Den Backofen auf 190° OU-Hitze vorheizen.

Aus den Zutaten für den Nuss-Streusel mit Hilfe des Knethackens des Rührgeräts einen homogenen Teig kneten. 400g davon als Boden eine vorbereitete Form (m: mit Backpapier ausgelegt) drücken. Den Boden 15min vorbacken.

In der Zwischenzeit Quark, Speisestärke, Eier und Zucker klümpchenfrei verrühren. Den verquollenen Mohn gut untermischen.

Den Quark auf den vorgebackenen gießen, glatt streichen. Die Beeren darüber verteilen und zuletzt den übrigen Nuss-Teig als Streusel über die Beeren krümeln. Für weitere 35min fertig backen.

Drei in einem: russische Zupfkuchen-Muffins mit Beeren

Sonntag, 26. Februar 2017

Viel Bewegung an frischer Luft - sprich Gartenarbeit - macht müde. Um die Batterien nachmittags wieder aufzuladen, buk ich uns was Süßes in Portionen: russische Zupfkuchen-Muffins mit Beeren. Die schlagen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: knusprig schokoladig, saftig cremig und frisch beerig. Eine kleine 360°-Drehung der Zuckerbäckerei, die vollen Akku verspricht.

Nur abends könnte ich dann dennoch mit der Sonne ins Bett. Damit mein (gut gepflegter) Biorhythmus nicht völlig aus den Fugen gerät, habe ich mich wach gehalten mit Filmchen schauen in der 3sat-Mediathek. Und siehe da, ich stolperte über eine mir völlig unbekannte Serie: *der Meisterfälscher*. Zweidreivier Teile sah ich mir also an - und fühlte mich gut unterhalten.

Der Fall Beltracci ging ja laut durch die Medien: ein Maler, der den Kunstmarkt über lange Zeit mit (gelungenen) Fälschungen durcheinander wirbelte. Dabei kopierte er nicht einfach Originale, sondern - dafür braucht es mehr Können - malte im Stile verstorbener Maler *verloren geglaubte* neue Bilder. Eine WinWin-Situation für alle: Geldanleger und vorneweg Händler. Erstmal.

Anhand von musealen Jutesack-Inschriften wie diesen könnte man glauben, der Kunstbetrieb hätte keine Probleme, sich selbst auf die Schippe zu nehmen, aber zu sehr in die Praxis umsetzen darf man es wohl nicht. Gut, gut, Betrug ist Betrug, eine falsche Unterschrift eben Urkundenfälschung. Da beißt die Maus kein Faden ab. Dennoch kam derart ans Licht, dass in diesem hochpreisigen Kunstbetrieb was faulig mufft - und das sehe nicht nur ich so. Ein Tatbestand, den die Szene Beltracci auch nach verbüßter Haftstrafe nachträgt: für nahezu sämtliche deutschen Ausstellungen hat er Hausverbot.

Ihm selbst zuzuschauen, finde ich erheiternd. Ein bißchen Selbstüberschätzung, ein bißchen schräg, dabei wirklich allerfreundlichst mit seiner Frau... Bereits sein Vater war Kirchenmaler, er selbst malt nun seit 50 Jahren - selbst in seiner Zelle hörte er nicht auf - bref: einer, der malen muß. Sein Handwerk durch Kopien alter Meister zu verbessern, ist übrigens keine neue Idee. Darin übten sich schon Altvordere wie etwa der Malerfürst Rubens. Auf die obligaten Promis, die er in dem Format vor der Kamera malt, hätte ich getrost verzichten können. Weil er sie aber stets in dem Stil eines berühmten Malers porträtiert, gibts immernoch eine kleine Prise Kunstgeschichte obendrauf - wie gesagt: mich hat es wach gehalten... Aber mal ehrlich, den Klimt kann er ja gar nich, oder? Dafür gefällt mir sein Dix.
Zutaten 12 Stück:

250g Mehl
1 Pr Salz
125g Butter, weich
25g Kakao-Pu
1/4 TL Kardamom
120g Zucker
30g Quark
kaltes Wasser

350g Quark
100ml Sahne (oder Eierlikör)
60g Rohrzucker (mit Vanille angesetzt)
2 Eier
30g Speisestärke

150g gemischte Beeren, gefroren

Zubereitung:

Die Zutaten für den Schokoteig sorgfältig zu einem homogenen Teig verkneten, in Folie wickeln und 1 Stunde kalt stellen. Währenddessen die Muffinsform gut buttern.

Dann auf einer bemehlten Arbeitsfläche den Teig auswellen und  mit einem Ausstecher von etwa 9cm Kreise ausstechen. Damit die Mulden füllen. Einen Restteig sollte zum späteren Dekorieren bleiben - bei mir etwa 15g pro Muffin.

Die Muffinsform kurz in die Tiefkühle stellen.

Den Ofen auf 180° OU-Hitze vorheizen.

Die Quarkfüllung vorbereiten: dafür sämtliche Zutaten miteinander verquirlen: Quark, Sahne (oder Eierlikör), Zucker, Eier und Speisestärke. Die Füllung auf die 12 vorbereiteten Muffins verteilen - am besten mit Hilfe einer Schöpfkelle. Die Beeren ebenfalls auf die Muffins verteilen, sowie den restlichen Schokoteig.

Für ca. 40min backen - gegebenfalls gen Ende abdecken, damit sie von oben nicht zu dunkel werden.

Aus dem Ofen nehmen, für etwa 15min abkühlen lassen, dann vorsichtig auf den Muffinformen rausholen und auf einem Kuchengitter komplett abkühlen lassen.