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Ofen-karamellisierter Kohlrabi

Freitag, 7. November 2025


Für Einsteiger in die vegane Küche habe ich eine Faustregel: man nehme Soja-Sauce, Ahornsirup und Chili-Crisp und los gehts. Gefühlt benötigt man für die Mehrheit der Rezepte nicht sehr viel mehr als diese drei Gewürze. Zumindest auf Insta. Und dann gehört OBLIGATORISCH noch dieses Leute-ihr-könnt-euch-nicht-vorstellen-wie-köstlich-das-schmeckt-deshalb-mache-ich-noch-mein-Leckerlecker-Gesicht dazu. Et voilà: schon ist ein Reel für ein veganes Rezept fertig.

So, und ganz ohne Spott: man füge außerdem noch etwas Ingwer und Erdnussbutter hinzu und wirklich jeder kann easy vegan kochen. Stimmt ja soweit. Und diese im Ofen karamellisierte Kohlrabi finde ich richtig sensationell. Eines der besten Ideen für Kohlrabi. Und dabei eigentlich gar nichts Außergewöhnliches, alles irgendwie so ähnlich schon mal da gewesen und herrlich unkompliziert! Hier, der Miso-Sellerie etwa ist ein Blog-Geschwisterchen. Und in der Warteschleife erscheint hier ein weiterer Verwandter nämlich mit roter Bete. Und auf dem Foto habe ich dem Kohlrabi ebenfalls schon Butterrübchen an die Seite gestellt. Auch prima.

Als Begleitung hat mir Kürbis-Pü gut gefallen. Dann kann man noch ein schnelles Sößchen dazu machen. Oder aber ein Quinoa-Stew - wie ihr auf einem der Fotos seht - in welches das Kohlrabi-Grün und noch zwei Karotten reingewandert sind. Voilà! Schon habt ihr wieder schnell und gut gekocht!




Zutaten 2 P:

2 mittlere Kohlrabi 
....
Marinade:
2-3 EL Olivenöl
2 EL Tamari
1 EL Honig mit Chili (m: Kramer-Honig)
Salz, Pfeffer
1/2 TL Paprika-Pulver
1/4 TL Pimenton de la vera
....
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
1 TL Miso, dunkel
150ml Gemüsebrühe
1 TL Thymian
1 Spritzer Balsamico-Reduktion
1 TL Rübensirup
Olivenöl


Zubereitung:

Ofen auf 200° (Umluft) vorheizen.

Die Zutaten für die Marinade mischen und rühren, bis alles homogen verbunden ist. Großes Extra hier ist der Honig mit Chili - eine tolle Kombi, auf die ich beim Kochen gerne zurückgreife! Grüße gehen hiermit raus an Astrid und Andy von Kramer-Honig!

Ein Backblech mit Backpapier auslegen.

Die Kohlrabi schälen und in etwa 1,5cm - 2cm Scheiben schneiden - je dünner umso schneller sind sie fertig. Aber 1,5cm finde ich von der Dicke schon das Minimum. Die Scheiben von beiden Seiten mit der Marinade bepinseln.

Dann für ca. 20 min bei 200° in den Ofen schieben. Nach der Hälfte der Zeit die Scheiben drehen - wenn noch Marinade übrig ist, die bei der Gelegenheit darauf verteilen. Mit dem Messer eine Stichprobe machen, ob der Kohlrabi auch durch ist.

Nicht nötig - je nach weiterer Begleitung - macht während der Kohlrabi im Ofen ist, noch ein kleines begleitendes Sößchen. Dafür Schalotte und Knofi fein würfeln und in Olivenöl anschwitzen, abloschen mit Gemüsebrühe, Miso zufügen, Rübensirup und Thymian. Bei sanfter Hitze ca. 10min köcheln lassen. Zuletzt abschmecken mit Balsamico-Reduktion und Pfeffer.


Grillengezirpe: Süßkartoffel-Bratlinge

Sonntag, 9. Juli 2023


Die Tomaten werden rot, die Zucchini-Berge türmen sich auf den Markttischen, nachts bei offenem Fenster wird das in der Ferne leise Brummen der Mähdrescher von den Grillen übertönt, mittags rankt sich Groß und Klein um die Flüsse - es ist Hochsommer.

Da will man es sich in der Küche auch nicht unnötig kompliziert machen. Und, huch, wie konnte das passieren, da sind wir ja schon wieder bei meinem Küchen-Elaborat-Thema-Nummero-Eins gelandet, den Pufferchen.

Damit ihr den Countdown mit runterzählen könnt: ein weiteres stelle ich noch vor, bevor die große Olympiade ansteht. Und diese hier haben mir ausgesprochen gut gefallen.

Ist ja jetzt keine Sternenküche, Bratlinge, sprich: man mische einen Teig mit Gemüse, der zusammenhält und schon erzeugt man Gemüse-Frikadellen. Zwei Dinge sind dabei elementar: die Konsistenz und der Geschmack. Zum Thema *Würzen* gehe ich das nächste Mal tiefer ein, hier hat mich eben direkt das Mundgefühl überzeugt. Ich mag keinen schlapperigen, wattigen Lappen kauen, ich möchte bei einem Pufferchen gerne auf etwas Widerstand mit den Zähnen stoßen. Dem ist hier so.

Sehr oft hilft ein Ei für eine Konsistenz - nicht immer. Wer hier den ultimativen Ei-Ersatz-Trick raushauen will: bitte her damit. So lange ich hier Eier von glücklichen Landhühnern erhalte, sehe ich mich nicht genötigt, die ersetzen zu müssen.

Bref: ein Pflanzerl, das ohne Umschweife zu den Keepern rutscht: schnell gemacht, außen leicht knusprig, innen saftig, lecker und köstlich - überzeugt auf ganzer Linie! Ein Spitzen-Begleiter zu meinen geliebten Salat-Plus-Mittagessen und wie gemacht für den Hochsommer!



Ein Rezept, das sehr gut auch zu Zorras aktuellem Event *Schnelle Sommerrezepte* passt - die Süßkartoffel-Bratlinge sind locker in einer halben Stunde auf den Tisch gebracht.


Zutaten - 10 Stück/ 2P:

1 Süßkartoffel (ca. 300g)
2 Lorbeer-Blätter
150-180 Gemüse (m: 1 kleine Karotte, ein wenig Brokkoli, viel Erbsen)
1 mittelgroße Frühlingszwiebel
1 TL Thymian, getrocknet
2 Knofi
1 Ei
1 Mozzarella
15g Kartoffel-Stärke
50g Hafer-Kleie
1/2 TL Ras el Hanout
Piment d'Espelette
Kräutersalz
Pfeffer
Olivenöl

 

Zubereitung:

Süßkartoffel schälen, in Stücke schneiden und zusammen mit den Lorbeer-Blätter gar kochen, abschütten und ausdampfen lassen. Mit dem Kartoffel-Stampfer zerkleinern

Das weiße der Frühlingszwiebel fein hacken, ebenso Knofi, Karotte und Brokkoli. Mit den Zwiebeln angefangen alles kurz in etwas Olivenöl garen. Nun noch den Mozzarella würfeln sowie das Frühlingszwiebelgrün in feine Ringe und dann alle Zutaten miteinander vermengen.

Mit feuchten Händen 10 Kugeln formen, diese etwas flach drücken und wie sie in die Pfanne passen von beiden Seiten golden und leicht knusprig braten.

Zusammen mit einem Salat servieren.

Anmerkung m: Käse darin ist optional - ihr könnt nach Lust und Laune auch einen anderen verwenden


Inspiration: Kleine Spinatesser

 

Leichtsinn - fermentierter Kohlrabi mit Orange und Frühlingszwiebeln

Sonntag, 26. Juni 2022

 

Während der Schulzeit litt ich unter fürchterlicher Prüfungsangst. Vor jeder Klassenarbeit zwang sie mich aufs Klo und ein Monster im Nacken flüsterte mir zu: das kriegst du nicht hin, das kannst du nicht, du wirst versagen.

Als würden sie sich gegenseitig bestärken und große, neuralgische Nester bilden, verließ ich mein Elternhaus mit einem ganzen Konglumerat an unterschiedlichen, weitergegebenen Ängsten, die mich alle klein hielten und hemmten. Es kam, wie es kommen mußte, dass ich mit stürmischer Faszination und Begeisterung auf einen waschechten Abenteurer wie meinen Habib reagierte. Was ein Kerl! Einer, der zigfach ganz alleine die endlose Sahara (4000km!) durchquert hatte und sich in Schwarzafrika bewegte wie meiner eins in Bad Segeberg (symbolisch gesprochen ;). Ein Bekannter (Angehöriger) meines Schlages meinte zu den Reisen des Habib lediglich kopfschüttelnd, man müsse die  Gefahr ja nicht extra suchen. Dem graute grad so nur alleine bei der Vorstellung vor so viel Unbekanntem, vor so viel Unberrechenbarem. Mochte die Großmutter einst gerne großspurig tönen: *Die Ängstlichen habens im Himmel auch nicht einfacher* - Angst läßt sich nicht einfach abschütteln sondern verbeißt sich wie ein Wolf im dichten Schafspelz.

Die Tage sprachen der Habib darüber, dass unseren Beobachtungen nach immer mehr Menschen ganz offensichtlich Mut fehlt. Und da fiel dem Habib ein andere Vorwurf der Angsthasen ein, von denen er wiederholt zu hören bekam, dass er leichtsinnig sei. In dem Moment floß ein nach innen gekehrtes Lächeln über sein Gesicht: *Leichtsinn... Es ist mir noch gar nie aufgefallen, was das für ein schönes Wort ist!* Wir ließen uns *Leichtsinn* auf der Zunge zergehen und entdeckten dabei, dass *leichtsinnig* das Gegenteil zu *schwermütig* darstellt. Denn wer schwermütig ist, der stürzt sich bestimmt nicht in Neues, der traut sich vorneweg nichts zu, der hängt in bleiernen Seilen gefangen - hingegen läßt der leichte Sinn über manches Hinderniss hinwegfliegen. Laut WHO haben die Pandemiejahre die psychischen Erkankungen weltweit um 25 Prozent ansteigen lassen. Das ist enorm, oder?

*Wir Menschen werden wunderbar geprüft; wir könnten's nicht ertragen, hätt uns nicht den holden Leichtsinn die Natur verliehen* (Tasso/ Goethe). Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wir wissen Bescheid und doch hilft uns alle Theorie hier nicht weiter. Mut zeigt sich im Tun. Mut geht Wille voraus, Neugier und vielleicht auch Lebenslust (aber bestimmt nicht die Suche nach dem schnellen Kick - um das hier mal abzugrenzen).

Ein anderer Goethe-Liebling ist dieser Satz: *Von der Kraft die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet.* Allen Freigeistern und gleichfalls all jenen, die spirituell streben bleibt nur, sich auszuliefern und zu stellen. Ganz, ganz oft geht mir in dem Zusammenhang der kleine, rumänische Junge durch den Sinn, der eine lange, schwere Krebserkrankung überstanden hatte und gefragt wurde, was er anderen Kindern, die Gleiches vor sich hätten, raten würde. Ich schrieb bereits darüber. Er antwortete ernst: *Mutig sein, an sich selbst glauben und jeden Tag beten.* Das ist so weise! Mit diesen drei Eigenschaften gibt er das Rüstzeug um prinzipiell gut durchs Leben zu kommen an die Hand.

Seien wir realistisch: Mut ist für dieses lebensgefährliche Leben unbedingt erfordlich. Unabkömmlich. Grundvoraussetzung. Völlig alternativlos. Und wenn das Außen zu bedrohlich erscheint, dann fängt man eben zuerst mit dem Inneren an.

*In sich zu gehen braucht ganz schön viel Mut, weil es nicht immer schön ist, was man da so sieht. Aber wenn man sich dem stellt, dann findet man plötzlich eine große Freiheit und öffnet sich für anderes. Man entwickelt seine Qualitäten und Werte - das ist ein großer Reichtum* sagt in einem Interview die wunderbare Isa von Zaz, die so singt, wie ich gerne singen könnte (und by the way übrigens auch keinen Alk mehr trinkt). Und deshalb gibts für heute ein Lied von ihr dazu.

Ja, es ist leichtsinnig, sagt die Vernunft - aber es ist, was es ist, sagt die Liebe, die allein den Stern über allem kennt (Erich Fried)! Also nur Mut - raus ins Leben mit euch! Oder strebt ihr anderes an wie ich? Nämlich irgendwann auch rückblickend wie der Habib zu sagen: mein Leben war unglaublich bunt, vielfältig, reich, gefüllt ... mit Leuchten in den Augen.



Ich will hier keine tiefere Anleitung zum Fermentieren geben sondern lediglich ermuntern. Man kann es ganz komplex angehen und viele Bücher drüber lesen. Oder es einfach ausprobieren. Letztere Type bin ich. Damit aber nichts schief geht, muss man dennoch auf Einiges achten. So dass ich euch mal weiterleite zum *Wurzelwerk*, wo man sich einen guten Überblick zum Thema verschaffen kann.

Für jene, die sich einen Ruck geben, mal mit dieser Art der Konservierung loszulegen, bietet das Fermentieren unglaublich viele Möglichkeiten. Und ich denke, dass es sich mittlerweile herumgesprochen hat, wie gesund die dabei entstehenden Mikroorganismen für die Darmflora und damit für die Gesundheit und das Immunsystem sind. Ein nächstes *Auf gehts!*!


Zutaten:

1kg Kohlrabi
1 Bund Frühlingszwiebeln
1 Orange, Schale und Fruchtfleich
20g Salz (ca. 4 TL) = 2%
 
 

 

Zubereitung:

Kohlrabi schälen, stiften in Julienne (m: Börner-Reibe). In einer Schüssel mit dem Salz mischen und einige Minuten (5-10min) stehen lassen.

Dann die Kohlrabi-Stifte von Hand kneten bis eine Lake-Schicht in der Schüssel stehen bleibt. Die in Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. Von der Orange die Schale in feine Streifen und das Fruchtfleich filetieren in kleine Stücke schneiden. Beides untermischen.

In ein entsprechendes Gärglas füllen und dabei gut verdichten. Oben im Gärgefäß ausreichend Platz frei lassen. Ist noch zu wenig Lake da, etwas aus der Schüssel nachfüllen.

Das Beschwerdekit einlegen (m: habe ich nicht), weil das Gemüse immer gut von der Lake abgedeckt sein muss, damit sich kein Schimmel bildet und das Gärgefäß verschließen.

Fermentiansdauer: 7-28 Tage bei Raumtemperatur

Nach 7 Tagen kann man testen - schmeckt es, dann weiterhin im Kühlen lagern, ansonsten weiter fermentieren lassen.

Anmerkung m: die ersten Tage stelle ich das Gärgefäß auf einen Teller, weil durch den Fermationsprozess etwas Flüssigkeit aus dem Glas gedrückt wird - das dauert aber lediglich 4-5 Tage. 

Inspiration: *Geschmacksrevolution Fermentieren* Ingrid Palmetshofer (Danke nochmals an die liebe Spenderin - die Karte ist rausgefallen und damit bin ich des Namen verlustig)

 

****Mit herzlichem Dank für all die freudemachenden Glückwunsch-Mails zum 11. Blog-Geburtstag****

 

verquere welt - Kinderteller

Freitag, 8. April 2022

 

Wenn die Lehrerin morgens das Klassenzimmer betrat, fragte sie als erstes: *Wer ist der Erbfeind?* Und die Klasse sprang auf und brüllte im Chor: *Der Franzose!* Und die Lehrerin wieder: *Was ist der Franzose?* Und die Klasse dröhnte: *Der Erbfeind!*

Normaler Unterrichtsbeginn in Deutschland während der Schulzeit der Großmutter des Habibs, Oma Franziska. Und viel geändert hat sich seither nicht. Warum lernt der Mensch nichts dazu, hat mein Dokumentarfilmer das allwissende Orakel gefragt. Doch wer ganz genau hinschaute, konnte feststellen, dass der Frage das Fragezeichen fehlte. Es war eine Feststellung. Manches ändert sich nicht. Politik ist Politik und Krieg ein dreckiges Geschäft.

Nicht, dass ich denke, ich kann den Aggressoren dieser Welt erklären, dass man mit Waffen keinen Frieden schließen kann. Was schon Erich Maria Remarque nicht geschafft hat (wer nicht lesen mag, der kann sich in der Arte-Mediathek die gelungene Verfilmung von *Zeit zu leben, Zeit zu sterben* mit einer zauberhaften Liselotte Pulver anschauen), das vermag ich auch nicht. Ebenso unmöglich das kranke, pervertierte Narrativ der amerikanischen Filmindustrie, welches die Waffenindustrie nährt, gerade zu stellen, nämlich dass es soetwas wie einen guten Mörder gibt, jenen, den man dann zum Helden stilisiert, weil er *den Feind* eleminiert hat, weil er sich als Opfer verteidigen muss... Jene wachen wohl aus ihrer Verblendung nicht mehr auf. 

Aber ich habe hier die Möglichkeit auf die Aktion in der taz hinzuweisen, die bereits tausende Unterschriften gesammelt hat gegen die Hochrüstungspläne: wir sind viele, die für Pazifismus und Abrüstung stehen. Man darf sich das Gegenteil nicht einreden lassen. Nein, meine Söhne gebe ich nicht - eines dieser schönen, leisen Lieder von Reinhard Mey, das Steigbügelhalter macht, um mal entschieden Position zu beziehen: Nein, meine Einwilligung zum Gegeneinander gebe ich nicht! Und nein, ich werde den Teufel tun und mich in diesen Wahn mit hineinziehen lassen!

Die Welt verdreht sich eh zusehens. Und zwischen Lüge und Wahrheit scheiden zu können, kommt mehr und mehr der Aschenbrödelaufgabe gleich, Erbsen von Linsen trennen zu müssen. Allerorts Verwirrung und Desorientierung. Und selten zwischen all den Irrlichtern ein heller Moment. Heute einer mit Alice Schwarzer. Ich staunte sehr über mich, dass wir zwei, die Alice und ich, mal einer Meinung sind - und zwar in der Transgender-Diskussion (hier im *Stern*) die weltweit dauerbefeuert wird (warum eigentlich?).

Ich brauche sie ja nicht, die Emanzen. Das sind doch seit jeher immer diese bullenbeißrigen Brunhilde-Typen, die das here Schild der Gleichberechtigung vor sich tragen, aber denen es viel eher um Macht, Herrschaft, Unterwerfung, Wichtigkeit und Einfluß geht. Nichts, wofür ich je gekämpft hätte. *Emanzipation war für mich nie ein Wort*, pflegte meine Großmutter gerne zu sagen, kriegsverwitet wie sie war, Mutter von vier Kindern und obendrein einen bettlägrigen Vater pflegend. Die Freiheit, die ich meine, geht auch in Beziehung anders. Sorry, dafür brauche ich Emanzipation nicht. Und in der Gesellschaft, in der ich groß wurde, bin ich aufgrund meines Geschlechtes nie vor verschlossenen Türen gestanden. Das mag mit den Türen zusammenhängen, durch die ich treten wollte...

Aber ganz und gar mit Alice, die sich deutlich gegen die Mode-Erscheinung stellt, sein Geschlecht zu verändern, gerade wie es einem Jugendlichen in den Sinn kommt. Was nicht zu verwechseln ist mit der Thematik der kleinen Gruppe echter Transsexueller. Ein verquerer Hype - darin stimme ich mit Frau Schwarzer überein: *Bei dieser ganzen Debatte wird meiner Meinung nach Natur mit Kultur verwechselt. Ich gehöre zu den Menschen, die die kulturelle Geschlechterrolle abschaffen wollen [...]* Jetzt aber geht man plötzlich her und sagt: 'Das biologische Geschlecht muss geändert werden.' Wir können die Natur aber nicht abschaffen.*

Sehr gut gesagt! Was stimmt denn mit der Natur auf einmal nicht mehr? *Was machst du an der Welt, sie ist schon gemacht, Gott der Schöpfer hat alles bedacht... (Goethe). Für mich kulminiert genau darin die Problematik unserer Zeit, ja genau das ist DER Brennpunkt unserer Zivilisation: das Rumdoktoren an der Natur, die Hybris des Menschen, sich über seine Herkunft zu stellen, das Missachten natürlicher Grenzen, das Sezieren ohne Zusammenhang, das Vergiften des eigenen Biotops. 

 


Für mich sind diese mit Käse gefüllten Kartoffel-Plätzchen ein echter Kinderteller. Vielleicht weil ich selbst als Kind so gerne Schupfnudeln gegessen habe? Dazu etwas Rahmgemüse, das nahezu alle Kleinen mögen. Nun, wer weiß, nur weil die Kinder, die ich kenne, das mögen, sind deshalb ja nicht alle Kinder gleich. Vielleicht aber kocht ihr eure Zwuggel mit diesen Kartoffel-Plätzchen tatsächlich so appetitlich, wie ich mir das in meiner Phantasie vorstelle. Die kleinen, zufriedenen, satten Momente am Tisch - wie leicht ist sich daran zu erfreuen!


Zutaten 8 Stück:

450g Kartoffeln (m: Mona Lisa)
1 Ei
50g Hartweizengrieß
50g Mehl (m: Einkorn-VK)
Salz, Pfeffer
1 kleine Zwiebel
1/2 Bund Petersilie (oder Bärlauch)
Saint-Nectaire, in Würfel geschnitten (oder ein anderer, schmelzender Käse)
Butter/ Öl


 Zubereitung:

Die Kartoffeln in ausreichend kaltem Wasser aufsetzen und als Pellkartoffel garen - dauert je nach Größe etwa eine halbe Stunde.

Die Zwiebel fein würfeln und in etwas Butter glasig dünsten. Kurz vor Ende die fein gewiegte Petersilie zufügen (jetzt im Frühling passt auch gut Bärlauch).

Die Kartoffeln schälen, etwas ausdämpfen lassen und noch warm durch die Kartoffelpresse drücken. Mit dem Grieß und dem Mehl mischen, Zwiebel und das Ei zufügen, gut salzen und pfeffern und daraus rasch einen homogenen Teig kneten (nicht zu lange kneten, sonst wechselt Teigkonsistenz in komisch- speckig).

Einen großen Eßlöffel der Masse auf die Hand geben, flach drücken, mit Käsewürfel füllen, dann die Teigenden darüberklappen und gut verschließen und so fortfahren, bis 8 Kartoffel-Plätzchen gefüllt sind. In etwas Sonnenblumenöl von beiden Seiten goldbraun anbraten.

 

Anmerkung m: Dazu passt jedes Rahmgemüse - bei uns gab es Erbsen und Möhren, die ich mit jungem Knoblauch und Zitronenschalen-Abrieb gewürzt habe. Alternativ macht sich auch Rahm-Kohlrabi dazu gut, Lauch oder die ersten, jungen Mai-Rübchen. Die Plätzchen schmecken selbst kalt gut.

 

Geschwister im Blog-Universum:

     ****   Herbst-Kartoffel-Calzone   ****

     ****   Mozzarella-Kartoffel-Schnitzel   ****

 

 

Das war eine zweite, *erwachsenere* Version mit Soja-Geschnetzeltem, Pilzen und Münster gefüllt

Freipupser-Verein: Socca mit Kohlrabi und Erbsen in Tomatenrahm

Dienstag, 15. März 2022


Der Habib und ich sind nicht nur die weltweit kleinste Sekte, wir sind zeitgleich auch der kleinste Verein. Ganz zu Beginn unserer Beziehung meinte der Habib: *Gell, aber so einen Blödsinn wie Pupse verdrücken fangen wir gar nicht erst an!* Und wie jedes anständige Groupie stimmte ich meinem Guru aus voller Überzeugung zu - die Grenzen von Vereinsleben und Sektenstrukturen verschwimmen bei so einer übersichtlichen Mitgliederzahl... 

Wenn wir in Gesellschaft sind, dann leben wir unsere Freiheit im Umgang mit Körpergeräuschen nicht aus - zu groß ist die Konvention, dass das Schlimmste und Peinlichste, was einem passieren kann, ein Furz ist, der einem entfährt.

Schon öfters bin ich zurückgekommen auf meinen Meditationskurs in der Hauptstadt von Myanmar, Yangon, wo ich die Grundlagen der Vipassana-Technik erlernte. Entgegen aller tiefgestapelten Erwartungshaltungen (Erleuchtung) waren die 10 Tage Meditation über das burmesische Neujahr vor allem ultrakrass herausfordernd: das Sitzen, die Konzentration, die Zeitdehnung (!!!), kein Reden, dieses komplett auf sich selbst Zurückfallen. Und bei über 300 teilnehmenden Burmesen (Männer und Frauen getrennt) pupste es immer irgendwo im Raum. Du meine Güte, ging mir das auf den Sack! Aber in einem Land, in dem es zum normalen Usus gehört mit Inbrunst den Schleim von ganz unten hochzuziehen um auszurotzen, ist das schlicht eines: ganz normal (Was - by the way - sooo lange auch noch nicht bei uns vorbei ist. In der Kindheit des Habibs fanden sich Schilder in den Kirchen: *Auf den Boden spucken verboten!*). Tja, und bei all den Gefühlen, die beim anfänglichen Meditieren hochkommen, sind auch sehr viel negative darunter - die will man gerne katalysieren. Also macht man sie im Außen fest - und wenns nur am Pups von jemand anderem ist (Himmel, ist das symbolisch!).

Wenn Yoga mich eines gelehrt hat, dann dass Yoga ein Pups-Sport ist. Das passt so gar nicht in den makellosen Schein der bauchfreie Zweiteiler tragenden Mädchen, die Haare zum hohen Dutt geschlungen, die sich vor Makramée-Wandbehängen und Zimmerpflanzen verbiegen. Wird Yoga Richtung Abendstunden getätigt, dann wird Pupsen schnell unvermeidlich. Denn bei all dem Dehnen, Drehen und Entspannen werden auch die inneren Organe massiert - respekitve der Darmtrakt. Und mal ehrlich: leiden nicht viele von uns Mädels unter Blähungen? Was wohltuend, wenn sich der Wackerstein im Wamps auflöst!

Schade eigentlich, dass Rülpsen und Pupsen so verpöhnt geworden sind. Warum nur? Babys werden ja sogar mit Hingabe massiert für das erlösende Bäuerlein. Warum also kann man es nicht mehr nehmen wie Niesen: als eine natürliche Körperreaktion. Zumal Pupsen völlig virenfrei geschieht . Und wie sagt der Volksmund: *Laute Fürze stinken nicht, leise dafür fürchterlich*! Gut, bei den Stinkbomben wird die Umgebung notabene etwas in Mitleidenschaft gezogen. Begleitender Lachanfall ob des bröckelnden Schöngetue oft mit eingeschlossen. Aber könnte man sich bei einem lauten Pups nicht ebenfalls *Wohlsein* wünschen? Bei meiner Großmutter auf dem Klo hing eines dieser hölzernen Deko-Herzen auf dem in zierlicher Schrift zu lesen war: *Wenns Arscherl brummt, ists Herzerl gsund!*

Also bei Feriengästen könnte man über einen Zeitpass disskutieren um vorübergehend in den Freipupser-Verein aufgenommen zu werden. Allen anderen Unkonventionellen rate ich zu Ableger-Vereinen - dem Bäuchlein zuliebe und dem freieren Leben!

 


Vielleicht bin ich heute ein kleines bißchen übermütig, dass ich über ein derartiges Thema blogge. Einfach weil wir seit einigen Tagen auch wieder Freiatmer sind - die Maskenpflicht ist aufgehoben und der pass sanitaire wird seit heute nicht mehr benötigt für das soziale Leben. Es war stimmungsmäßig ein kleines Fest heute als wir in der nächsten Kleinstadt unterwegs waren. Man konnte es regelrecht mit Händen zu greifen, wie alle aufleben. So viele offensichtlich gut gelaunte Menschen! Und die Terrassen der Cafés waren so voll wie zuletzt im Sommer. Um lediglich eine einzige kleine Episode rauszugreifen: in meinem kleinen Stamm-Bioladen gibt es seit vielen Monaten eine Lieblingsmitarbeiterin, von der ich nur die Augenpartie ihres Gesichtes kenne. Und heute bestätigten wir uns unsere gegenseitige Sympathie strahlend von einem Ohr zum anderen. Offene Mimik - da reichen Worte nicht hin... Guter Moment, um mal *Danke für alles* zu sagen!

Zurück zu dem Organ, für das wir alle wohl zu allererst kochen: dem Bauch. Vieles sprießt und treibt gerade - Zwiebeln, Knoblauch, Lauch - das fördert Winde und Töne. Etwas, was dem Kohl, Wintergericht Nummer 1, ebenfalls nachgesagt wird. Wer streng konventionell leben und nicht unangenehm auffallen will, sollte diese Lebensmittel meiden.

Wer meiner Rezeptidee heute folgt, hat in einer halben Stunde ein feines Essen auf dem Tisch stehen. Die Socca, Kichererbsenpfannkuchen, werden ein echter Beilagenkeeper und wandern direkt in die vegane Hall of Fame zu den Buchweizen-Crêpes und den Linsen-Pfannkuchen. Definitiv lösen sie die bereits vor 11 Jahren verbloggen Kichererbsenerbsenpfannkuchen ab (schon wieder Ottolenghi)! Unkompliziert und lecker - genauso wie ich Alltagsküche liebe!

 

Zutaten 2P:

Socca:
120g Kichererbsenmehl
250ml Wasser
Salz
1 TL Thymian (optional)

eine mittlerer Kohlrabi
100g Erbsen
2 junge Knoblauch-Stangen, in feine Ringe geschnitten
2 EL Kokos-Crème
etwas Gemüsebrühe
1 EL Tomaten-Confit (alternativ: Tomaten-Pesto)
Salz, Pfeffer
1 Pr Rohrzucker
Piment d'Espelette 
Olivenöl

Zubereitung:

Das Kichererbsenmehl mit dem Wasser, dem Salz und dem Thymian verühren mit dem Schneebesen (droht keine weitere Gefahr der Verklumpung) und mindestens 4 Stunden oder länger quellen lassen (m: über Nacht quellen lassen).

Die Kohlrabi schälen, stiften und in Olivenöl golden anbraten, die Crème einschmelzen lassen, außerdem das Tomaten-Confit und die Brühe. Ebenso das Weiß des Knofi zufügen. Würzen mit Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und Piment. Deckel auflegen und bei leichter Hitze garen lassen. Kurz vor Ende die Erbsen zufügen. Nochmals abschmecken und zum Servieren mit dem Grün des jungen Knoblauch bestreuen.

Parallel die Socca backen (m: in einer kleinen Pfanne von 15cm Durchmesser). Dafür die beschichtete Pfanne gut erhitzen, wenig Olivenöl reingeben und den Kichererbsenteig schwenkend eingießen. Wenn der Crêpes kleine Bläschen bildet, dann stimmt die Temperatur. Den Crêpes Farbe annehmen lassen, dann wenden und fertig backen. Ergibt 8 Crêpes.

Zusammen mit dem Kohlrabi-Gemüse anrichten.

Inspiration Socca: SZ

 

Startschuß der Wildorchideen-Saison 2022

Hirtenessen: Polenta-Knödel

Freitag, 30. Juli 2021

 

*Sei du selbst*

*Liebe dich selbst*

*Rette dich selbst* 

Klingt toll, aber ich glaube nicht daran - wenngleich man diesen Dreiklang für eine (schöne) Utopie halten kann. Nur die allerwenigsten saugen das *Sei du selbst* mit der Muttermilch auf. Der Start, sprich die Kindheit, geht selten einher mit Aufrichtigkeit, Wertschätzung, Achtsamkeit oder anderer Werte, die eine solche Entwicklung überhaupt möglich machen. Dahingehend bin ich mir deshalb so sicher, weil die Welt sonst aus anderen Menschen bestünde.

Ja, es ist ein offenes Geheimnis, dass ich aus meinem Elternhaus viel aufzuarbeiten hatte. Und aus eigener Erfahrung kann ich deshalb mit Bestimmtheit sagen: mein Habib hat mich gesund geliebt. Erst mit ihm an meiner Seite konnte ich zu mir finden. Und die mich umgebende Natur half und hilft mir mit ihren heilenden Kräften ebenfalls sehr. Bis heute. Alleine hätte ich mich ganz bestimmt nicht an meinem Haaren aus meiner Misere gezogen. Selbst wenn ich noch so sehr gewollt hätte. Für einen solchen Gnadenakt bedarf es mehr.

Nein, niemand kann mir etwas anderes erzählen: keiner ist mehr als das ihn umgebende Umfeld. *Zeige mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist!* (Goethe). Jeder ist nur ein Teil seines Biotops. Gut, Mitgestalter, das schon, aber eben nicht alleiniger Erschaffer und als Anständiger schon gar nicht Beherrscher.

Zumal wir immer wieder das eklatante Ungleichgewicht verdrängen wollen, das nun mal auf Erden herrscht: es ist SO schnell kaputt gemacht und SO langsam aufgebaut. Oder auch in ein anderes Bild verlegt: man nehme einen Topf voller guter Kräuter und gebe ein einziges giftiges Kraut dazu und die Wirkweise kippt. Hat man aber umgekehrt einen Topf voller giftiger Kräuter und fügt ein heilendes Kraut hinzu, so ändert das rein gar nichts. Konsequent weitergedacht, beherrscht somit das Schadende/ Böse, denn das Heilende/ Gute lässt immer lässt frei. (*Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet und das ist mehr* Goethe).

Das bedeutet selbst für all die Günstlinge, die mit besten Ausgangsbedingungen ins Leben starten, dass es nicht zwangsläufig so weitergeht, denn auch jene bleiben nicht minder abhängig von ihrem Umfeld wie alle anderen. Sie können wohl leichter die Rolle des Rettenden übernehmen - doch nur mit dem passenden Gegenüber, das gerettet werden will. Alles Gute muss jeden Tag aufs Neue geschützt und errungen werden (*Nur wer immer strebend sich bemüht...*)

Wer darauf baut, dass es die Gesellschaft ist, die ihn der Not auffängt, der fährt auch Auto ohne je in den Rückspiegel zu schauen:

*Siehst du, das entzieht einem den Grund und den Boden, so dass man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll, das macht einen verzweifelt. Das zerbricht einem jeden Gedanken an Gerechtigkeit und Kultur und Menschheit und wie all das Gerede noch heißt, das sie uns eingetrichter haben. Wenn so etwas wie (dieser) Krieg bewußt möglich ist, dann ist alles andere Attrappe. Wie sollen wir mit dieser Erkenntnis in einer Welt, die der Phrase und Pose bedarf, existieren können?* (E.M. Remarque *Im Westen nichts Neues*).

Aber vielleicht muss man zumindest viel gereist sein, um Kultur als künstlichen Kitt einer Gesellschaft zu entlarven. Für alle tiefe Erkenntnis reicht keine Theorie, sondern bedarf es stets der eigenen Erfahrung. Auch kann man diese nachfolgenden Gedanken niemand erklären, jeder kann den Gehalt dieser Aussage nur in sich selbst fühlen:

*Die Natur ist Quelle des Glücks, des echten Glücks, das bezaubert und beruhigt. Sie stellt unsere tiefe Wahrheit dar, unsere Geschichte, unsere Erinnerung. Sie ist das, was wir vor allem sind, weil sich unser Bewusstsein zusammen mit diesem Sonnensystem entfaltet hat* (Christian Signol *Das wahre Glück des Lebens*).

 


 

Wunderts also jemanden, dass mich Susannes Rezeptebeschreibung direkt triggert, wenn sie erklärend dazu schreibt, dass dieses Gericht traditionell von rumänischen Hirten des Balkan gegessen wurde? Schon um mich geschehen. Ich musste direkt nachkochen. Dabei habe ich ganz den Knödeln die Hauptrolle überlassen und die zarte Kohlrabi hielt ihnen nur brav den Steigbügel zur vollen Aufmerksamkeit.


Zubereitung 8 Stück/ 2-3P:

15 g Butter
150 g Polenta (keine Instant-Polenta/ vorgekochte Polenta)
Salz
1-2 TL Thymian-Blättchen
Piment d'Espelette
125 g Schafs-Feta
Olivenöl

1 größere Kohlrabi
1 Stich Butter
Noilly Prat
1 Bund Schnittlauch
50g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft 

Zubereitung:

Für die Knödel 700 ml Wasser mit der Butter und 1/2 TL Salz sowie Thymian und Piment aufkochen. Den Maisgrieß unter Rühren einstreuen und alles unter Rühren bei schwacher Hitze ausquellen lassen. Die Polenta ganz auskühlen lassen. 

Ofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Ein Blech mit Backpapier auslegen.

Den Käse in kleine Würfel schneiden. Die Hände anfeuchten, je 2 EL der abgekühlten Polenta zwischen den Handflächen flach drücken, etwas Käse hineingeben, dann zu Bällchen rollen und auf das Blech legen. Bällchen mit etwas Olivenöl beträufeln und im heißen Ofen knapp 10 min warm backen. 

Parallel die Kohlrabi schälen und stiften. Die Kohlrabi in Butter al dente anbraten, ohne dass sie dabei Farbe annehmen. Salzen, pfeffern und mit einem guten Schuß Noilly ablöschen. Deckel kurz auflegen und den Kohlrabi zart dünsten - dabei aber nicht übergaren (also nur kurz). Die Crème unterziehen, mit Zitronensaft abschmecken, Schnittlauchröllchen bestreuen und zusammen mit den Knödel servieren.

*Anmerkung m: uns haben pro Person 3 Knödel satt gemacht/ ich empfehle, die Polenta wirklich gut auskühlen zu lassen, sonst neigen die Knödel dazu im Ofen aufzureißen (was allerdings nur ein Schönheitsproblem wäre)

Quelle: Susanne aka Magentratzerl


Anmerkung m: mit herzlichen Dank an meine Leserinnen, die mir diese beiden mich inspirierenden Bücher zukommen haben lassen. Zum einen an Kerstin, zum anderen bräuchte ich Hilfe: da ich Christian Signol eingeschweißt ließ, versäumte ich, direkt den Namen einzutragen - also falls du mitliest: melde dich bitte!







clichés franco-allmands: Kohlrabicremesuppe mit Radieschen

Mittwoch, 3. März 2021


Verallgemeinernde Urteile stimmen ja selten bis nie. Und kurioserweise ist ab und zu doch was dran. Als die Hälfte eines Paars mit Altersunterschied kenne ich mich damit aus, denn ich bin äußerst geübt im Umgang mit den stets gleichen Vorurteilen. Funktioniert wie ein Idiotendetektor - ich hatte es davon - oder wie ein grobes Raster, durch das all jene sausen, die nicht richtig hinsehen wollen und/ oder sich von ihren liebgewonnenen, vorgestanzten Bildern halt nicht trennen können.

Was will man auch machen? *Die Welt urteilt (nun mal) nach dem Scheine* (Goethe). Und außerdem macht es manchmal einfach Laune, in hohen Bögen gedanklich zu pauschalisieren ohne Rücksicht auf einzelne Befindlichkeiten - das sei allen gegönnt. Klischées entstehen durch eine gewisse Befremdung und werden getragen durch eine anhaltende Distanziertheit. Entschieden muss man für sämtliche Klischées alles Individuelle rigoros herauskürzen. Ich behalte mir vor, höchstpersönliche Eindrücke zu schildern, die keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben (sonst heißt es nachher noch, ich wäre tendenziös ;O).

Aber versuchen wir es zu Anfang unbedarft. Besonders gut lassen sich Urteile nämlich dann fällen, wenn man etwas/ oder jemand frisch kennenlernt. Zuerst fällt immer das ins Auge, was anders ist. Gerade im Vergleich.

Gelten die Fränzis aus deutscher Sicht als lockerer, chaotischer, lebendiger, lebenslustiger und mit ausgesprochenem Hang zum Protestieren, so werden umgekehrt die Deutschen als eher steif, kühl, kleinkariert, streng und Regel affin wahrgenommen. Wer Lust hat, sich in die Materie ein wenig einzuhören, dem empfehle ich den Youtube-Kanal Easy French und zum einschlägigen Thema deren Filme Was Franzosen über Deutsche denken und umgekehrt Was Deutsche über Franzosen denken.

Mir kam zum Thema deutsch-französisches Verhältnis mein Ex-Freund in den Sinn. Als mich mein strahlender Surferboy zum ersten Mal am Theater abholte, meinte eine Kollegin ganz beeindruckt: *Da hast du dir ja einen richtigen Sunnyboy geangelt*. Attraktiver Lausbub halt! Eine Freundin, die mit uns im Auto unterwegs war, als er hinterm Steuer saß, nannte ihn anschließend *Sorry*, weil er lächelnd  und beständig in alle Richtungen winkend die Verkehrsordnung zu seinen Gunsten auslegte und für all jene, denen er damit die Vorfahrt nahm, ein freundliches *Sorry* hatte. Wieder eine andere Freundin gab ihm den Spitzname *Easy*, weil er ohne Schwierigkeiten in lässiger Achtlosigkeit über alles hinweg sehen konnte - schlicht weil er nur sich selbst ernst nahm. Nie war das Ressonanz-Prinzip anschaulicher, wie wenn er sich im Bach vor den huschenden Wasserläufern vor Ekel nur so schüttelte. Er kam - wenn überhaupt - nie pünktlich, hielt Abmachungen aller Art etwas für Kleingeister, war unordentlich und maximal unzuverlässig, dabei meistens gut gelaunt, verschwenderisch und sehr spontan. Ein Flatteur, der es liebte in etwas zu schwelgen oder für etwas zu schwärmen und es ablehnte, sich einzufügen, unterzuordnen oder zu bescheiden. Ein eloquenter Redner mit Witz und Schlagfertigkeit, ein arbeitsscheuer Berufsurlauber, ein Pfuscher, ein Hochstapler und Schmarotzer, ein Chameur mit Klavierspielerhänden und Käsefüßen. Tja, und ich kann mir nicht helfen: er versprühte irgendwie südfranzösisches Flair...

 



Nun, es ist das eine, eine stürmische Affaire zu leben, das ganz andere ist der Alltag einer Beziehung (das warf ich schon Anna Gavalda vor in *Ich habe sie geliebt*). Oder eben auch etwas anderes, als miteinander zu arbeiten: *je vous appellerai* etwa nutzt man geschäftlich im Sinne von *Auf Wiedersehen*!

So ist es ganz normal, dass es einen riesigen Unterschied macht, sich mit anderen deutschen Expats über Fränzis zu unterhalten (derer es hier wie überall auf der Welt sehr viele hat) oder mit unseren Feriengästen. Unsere deutschsprachige Feriengäste sind die zauberhaftesten Frankreich-Fans, die man sich vorstellen kann, und deren Begeisterung durch den zusätzlichen rosa Urlaubsbrillenfilter nur verstärkt wird.

Aber um mal ein paar Stereotypen aufzubrechen (ich will ja schließlich auch meinen Spaß), so sind wir Deutschen allgemein toleranter und aufgeschlossener gegenüber anderen Kulturen, die unsere Sprache nicht sprechen - da können Fränzis ja gewaltig die Nase nach oben strecken. Außerdem sind wir sehr wendig im empathischen Mitdenken. Bürokratie ist in beiden Ländern ähnlich umfangreich wie lästig - nur kann man in F auch mal Fünfe gerade sein lassen. In Deutschland spricht man die Dinge direkter an sans tourner autour du pot/ ohne um den heißen Brei zu reden, wies die Fränzis gerne machen - aber auch, weil die französische Sprache reicher ist in ihrer finesse du detail (weshalb sie so schwer zu erlernen ist). Gerade Fränzis aus dem Süden können selbst mit Wildfremden direkt losplaudern, während wir Deutsche deutlich länger brauchen, um *zwischenmenschliche Betriebstemperatur* zu erreichen. Französische Beziehungsfilme sind irgendwie immer anstrengend und ziehen ihre Inspirationen aus Chauvinismus und überreizter, weiblicher Hysterie (nicht von ungefähr zählt F zu den führenden Länder im Bedarf für Psychopharmaka). Zum elitären, nationalen Selbstbewußtsein wird in Frankreich unverholender gestanden, erreicht aber die gleiche Höhe wie das der Deutschen, die damit nur gschamiger umgehen. Und für mich besonders überraschend: Fränzis selbst bezeichnen ihre Landsleute gerne als Volk der Dauernörgler.

Um aber keine Zweifel offen zu lassen - Muttersprache hin oder her - : ich lebe VIEL lieber und VIEL freier in Frankreich! Nicht nur wegen dem gepflegten Durcheinander, all den öffentlichen Klohäuschen, dem entspannten Einkaufen, der Minute mehr für die Begegnung oder der fratérnité mancher. Ganz (un)parteiisch schwärme ich, dass Frankreich einfach unglaublich schöne Landschaften beheimatet, die sensationelle, regionale Produkte hervorbringen! Und ich bin mittlerweile so gut akklimatisiert, dass auch ich ohne mit der Wimper zu zucken über rote Ampeln gehe, wenn nirgends ein Auto zu sehen ist. Nicht zu vergessen die französische Kleinkunst und die wundervollen, französischen Chansons. Vielleicht muß man dafür mal auf einem französischen Dorffest gesessen haben, wenn alle zusammen in einen der vielen Chansons einstimmen, die Volksgut sind und die mit der Mutterbrust aufgesogen werden - das sind magische Momente mit Gänsehaut-Garantie. 

 


 

Die Radieschen stammen erkennbar aus dem Treibhaus: ihr Grün ist dadurch besonders zart.  Denkt also bei einem schönen Bund Radieschen momentan auch an das feine Pesto, das man aus seinen Blättern machen kann! 

Die süßsauren Radieschen bilden einen schönen Kontrast zu der lieblichen Kohlrabicremesuppe - das passt super. Unser Kohlrabi musste dringend geernet werde: zum einen, weil der drauf und dran ist zu schießen, zum anderen weil er der Erbsensaat weichen sollte! Ansonsten gilt: darauf achten, dass die Konsistenz stimmt - nix wichtiger bei einer guten Suppe, als dass sie weder zu dünn noch zu sämig ist!


Zutaten 2P:

Süßsaure Radieschen:
6 Radieschen
1 TL Zucker
4 EL Rotweinesig
2 TL Grenadine 
 
Suppe:
1 Schalotte
350g Kohlrabi
1 Stich Butter
100ml Portwein (oder Noilly Prat) 
300ml Gemüsebrühe (evt. plus) 
80ml Sahne
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Muskatnuss-Abrieb
etwas Zitronensaft
1 Pr Zucker
etwas Haselnuss-Öl
 
 
Zubereitung:

Die Radieschen vom Grün befreien (aufbewahren für Pesto oder Salatbereicherung) und mit dem V-Hobel in feine Scheiben hobeln. In einem kleinen Topf Rotweinessig und Zucker kurz aufkochen, damit sich der Zucker auflöst, dann das Grenadine zufügen und noch warm über die Radieschenscheiben geben. Mindestens eine halbe Stunde marinieren lassen, währenddessen immer mal wieder mischeln.

Dann die Suppe auf den Weg bringen. Dafür die fein gewürfelte Zwiebel in der Butter glasig dünsten. Den Kohlrabi schälen und in etwa 2cm große Stücke schneiden und ebenfalls kurz mit der Zwiebel zusammen mitdünsten. Mit Portwein ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Gemüsebrühe zufügen und bei sanfter Hitze etwa 15min bei geschlossenem Deckel gut weich köcheln lassen. Sahne zufügen und weitere 3-4min kochen. Nun sehr fein pürieren (wer mag, streicht die Suppe zusätzlich durch ein Sieb/ m: nicht gemacht). Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Piment, eine Prise Zucker, Muskat und Zitronensaft.

Die Suppe auf zwei Teller verteilen und mit den Radieschen garnieren. Zusätzlich mit etwas Haselnussöl (oder Kürbiskernöl) beträufeln. (m: getoppt mit etwas Knoblauchgrün)

 
Inspiration: Essen und Trinken
 
 


Um sich zumindest ein bißchen einfühlen zu können, stelle ich euch einen Lieblingschanson des Habib unten ein, den ich auch absolut spitze finde... wie vemutlich fast ausnahmslos alle Franzosen.

 

aufge-pic-t: gratinierte Nudeln mit Kohlrabi und Mangold

Sonntag, 28. Juli 2019


Man könnte meinen, dass ich uns Pasta nur frisch zubereite. Aber nein, auch ich bin manchmal froh, wenn ich uns ein paar Nudeln einfach aus der Packung ins Wasser werfen kann. Es gibt eben Momente, in denen schnell gekocht sein will.

Ein Uralt-Trick - der nahezu jedes Essen genießbar macht - ist es, das Ganze mit Käse zu überbacken. Etwas, das leicht knuspert und obendrein Käsefäden zieht, das hat bei mir schon immer gewonnen.

Ein weiteren Dreh gibt in dieser béchameligen Sauce der Savora-Senf. Allen Foodies, die bei uns Urlaub machen, schreibe ich mehr oder weniger eine kleine Einkaufsliste, was sie UNBEDINGT aus der Drôme mitnehmen müssen: lila Knoblauch, Ziegenkäse, Lavendel- und Thymianhonig, Walnuss-Öl, Aprikosen und Pfirsiche, Piment d'Espelette, Tapenade, herbes de provence, ein Verveine-Pflänzchen und Savora-Senf (das ist - wie bereits erwähnt - die *kleine* Liste). Den Tipp mit dem Senf als Geschmacksverstärker hatte ich von Madame Pic für diese Tarte. Seither steht bei mir stets ein Glas im Kühlschrank. Für alle, die ihn nicht kennen, verleiht er jedem Gericht eine unbekannte Wendung. Und für die Eingeweihten ist er das Gewürz der Wahl, wenn ein nicht nennenswerter Kick beim Abschmecken fehlt. Er hat sein Platz also im selben Köcher wie meine geschätzte Balsamico-Reduktion.

So wird ein echtes Alltagsessen durchaus sonntagswürdig. Oder wie ich gerne nach den ersten zwei Gabeln ermunternd sage: *Es schmeckt besser, als es aussieht!*


Zutaten 2P:

180g Penne (m: Halb-VK)
1 mittlere Kohlrabi (oder 2 kleine)
250g Mangold
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
250ml Gemüsebrühe
50ml Sahne
1 TL Savora-Senf
1 Schuß Weißwein
1 Schuß Portwein
1 1/2 EL Mehl 
1 nussgroßes Stück Butter
Salz, Pfeffer
70g Bergkäse, gerieben (m: Comté)

Zubereitung:

Ofen auf  200° (O/U-Hitze) vorheizen.

Kohlrabi schälen, in 1cm Scheiben schneiden, mit 250ml Gemüsebrühe aufsetzen und in einigen Minuten (ca. 7 min) bissfest garen. Abschütten, Kochflüssigkeit auffangen, Kohlrabi abkühlen lassen, dann in Stifte schneiden.

Pasta in reichlich Salzwasser al dente garen. Abschütten und abtropfen lassen

Mangold rüsten. Dafür Stiele von Blättern trennen und Stiele (falls nötig) von Fäden befreien. Bei jungem Mangold - wie dem meinen - ist dieser Arbeitsschritt nicht notwenig. Stiele fein schneiden und zusammen mit der fein gewürfelten Schalotte in Butter anschwitzen.

Das Mehl darüber stäuben, kurz mitbraten, dann mit Weiß-und Portwein unter Rühren ablöschen und nach und nach die Gemüsebrühe anschütten und cremig einköcheln lassen. Die gestiften Kohlrabi untermischen. Die feingeschnittenen Mangold-Blätter in die Pfanne geben und in der Sauce zusammenfallen lassen. Sahne unterziehen, salzen, pfeffern, mit Savora-Senf würzig abschmecken. Die Pasta mit der Sauce mischen, nochmals würzen und in eine Gratinform umfüllen.

Mit geriebenem Käse überstreuen und auf mittlerer Schiene ca. 25min goldbraun backen.

sonnige Rouladen = Sommerrollen

Montag, 30. Juli 2018


Je älter meine Großmütter geworden sind, um so mehr einte sie eine Beschäftigung: in dem Ortsblättchen ihres jeweiligen Heimatdorfes, in dem sie beide von Kindheit an lebten, studierten sie mit größtem Interesse die Todesanzeigen. Mit wem zusammen war man nach wie vor am Start und wer überlebt wen - schien mir damals einigermaßen skurril...

So den ersten Hauch von Vorstellung, wie sich das anfühlen könnte, bekomme ich nun in meinem achten Bloggerjahr... Immer deutlicher wird mir, dass von meiner ursprünglichen Foodblog-Gang, mit der ich mal zusammen angetreten bin, kaum noch jemand bloggt. Lediglich eine kleine handvoll davon ist übrig geblieben. Was bin ich froh, dass meine Säulenfiguren Petra und Robert wenigstens fest stehen - ohne die ginge mir wohl die Orientierung in Foodistan verloren! Ansonsten kann ich gerade zusehen, wie mein Foodie-Hausen an schleichender Abwanderung leidet, ausdünnt, aufgibt, aufhört und ein kärglicher Rest das Rad von heimischen Online-Rezepten versucht weiterzudrehen. Mein Blogroll besteht hauptsächlich aus Foodblogs, die nicht mehr aktiv sind. Wenn das nicht nostalgisch macht...

Klar, nachgewachsen sind genügend andere. Vielleicht sollte ich nicht so fremdeln. Hierzu passt hervorragend dieser Artikel zur Einwanderung, der mit viel positiver Energie aufzeigt, dass nun die Chance besteht, Deutschland, pfffhhh... Europa ganz neu zu denken. Alles auf Neustart - man muß nur mit der Zeit gehen...

Fürs Bloggen bedeutet das für mich, dass ich mich wohl wieder öffnen sollte für neue Foodblogs - auch wenn ich meine alten Homies vermisse.... Habt ihr Ideen und Vorschläge, wem ich mehr auf den Teller schauen sollte? Mein Klausel ist: so wenig Werbung wie nur möglich - dafür lese ich nunmal keine Blogs, meine Zeit möchte ich mit anderen Inhalten und Anregungen füllen...

Weiterhin gilt für mich (Gruppe hin oder her): Social Media ist nicht mein Kontent. Die müssen dort ohne mich klarkommen. Aber ich spiele mit einer Veränderung (nach der Datenreform). Ich überlege nämlich, die Kommentarfunktion abzuschalten. Zum einen wäre ich damit rechtlich auf der sicheren Seite - ich hab's satt, mich für derlei technischen Firlefanz um die Hilfe anderer zu mühen, die mir bei der Umgestaltung helfen müssten (jaja: jedem seine Demütigung). Zum anderen nimmt die Kommentarlust sowieso exponentiell ab... Tja, und grundeigentlich kann man mich ja weiterhin über Mail  (salzkorn@email.de) erreichen für alle Korrekturen, Nachfragen, Anregungen, für jedes von mir so geschätzte Feedback und bereichernde Weiterdenken meiner Gedanken. Auch zu diesem Thema hätte ich gerne eure Meinung: was sagt ihr?

Passend zu der Dauerhitze gibt es ein weiteres schönes Sommeressen. Ich aß die Salatrollen, die in Reispapier eingewickelt sind, zum ersten Mal in Kambodscha. Und gar nicht viel später fand ich allerortens Rezepte dazu. Meine Variante ließ sich sehr von les Gourmandises vegetariennes inspirieren - seit jeher ein Blog mit vielen tollen Rezept-Ideen... auch wenn sich Melissa ebenfalls sehr rar macht.


Zutaten 2P:

6 runde Blätter Reispapier
6 (kleine) Blätter Blattsalat 

plus etwas Salat in Streifen
Koriander
Gurke, in Stiften
Karotte, in dünnen Stiften

(m: Karotten in allen Farben)
Kohlrabi, in dünnen Stiften
Avocado, in Streifen
Thai-Basilikum

weitere Möglichkeiten:


50g Glasnudeln, nach Packungsangabe zubereitet und abgeschreckt 
ca. 150g Tofu (hier: bereits marinierter)
kurz gedünstetes oder gebratenes Gemüse
wie Brokkoli, Zucchini, Paprika
Sprossen aller Art
Mango, in Stiften
Chinakohl/ Weikohl/
Rotkohl in Streifen - mit etwas Salz weichgeknetet
Frühlingszwiebeln
Minze


Zubereitung:

Zuerst all die Rohkost als mise en place richten. Dann das Reispapier kurz rundherum in lauwarmes Wasser tauchen (auch wenn es sich noch nicht richtig weich anfühlt, reicht es das Papier in 2 Umdrehungen zu befeuchten). Dann idealerweise das Reispapier glatt auf ein Holzbrett auslegen. (ganz mit Melissa: das Brett saugt noch etwas Flüssigkeit auf und verhindert so, dass das Papier zu weich und damit rissig wird.)

Belegt wird lediglich die untere Hälfte - dabei die Ränder frei lassen. Melissa verlinkte für die Technik dieses Video (durchaus hilfreich für all jene, die zum ersten Mal wickeln). Ich habe als verstärkende Unterlage mit einem Stück Salatblatt begonnen - zur Zierde bereits darunter etwas Koriander oder Borretschblüten. Dann all die klein geschnittenen Rohkost darauf setzen und dabei achten, die Rolle nicht zu überfüllen. Das Reisblatt samt Füllung eng bis zur Mitte wickeln, dann beide Seiten zur Mitte einschlagen und fertig rollen.


Sauce:

2 EL Sojasauce (m: Tamari)
2 EL Wasser
2 TL Limettensaft
1 TL Wasabi
1 Zehe Knoblauch, fein gehackt


Quelle: Melissa aka les gourmandises vegetariennes




Europas einziger ursprünglicher Wildwasserfluß: la Drôme

Nicht für viel Geld: Brokkoli-Laibchen mit Kohlrabi-Karotten-Salat

Donnerstag, 24. Mai 2018


Eine kleine Schlagzeile diesen Winter blieb mir im Gedächtnis: *Adele (ihr wißt schon, die Sängerin) schlug einen Auftritt für eine Millionen-Gage aus mit der Begründung, sie sei verhindert. Und zwar - jetzt kommts - sie sei gerade deshalb verhindert, weil sie im Garten mit Unkrautjäten beschäftigt sei.

Unwillkürlich ging mir im gleichen Moment die Geschichte durch den Kopf, die vermutlich jeder kennt, die vom armen Fischer und vom Betriebswirt.

Ich habe mir für diesen Monat fest vorgenommen, dass Adele mich begleitet, denn im Mai gibt es gewohnheitsgemäß draußen besonders viel zu tun ist. Genau jetzt, wenn das Unkraut um mich herum nur so explodiert und mir selbst die vielen Arme einer Göttin Kali nicht ausreichen würden, um den sprießenden Widersachern Einhalt zu gebieten, wenn ich mir mit dreckigen Händen den Schweiß von der Stirn streiche und mich wie Sisphos' Sprößling fühle, mit schmerzendem Knick im Rücken und Blasen an den Fingern, dann, ja dann denke ich an Adele samt dem Luxus, der mit dieser einfachen Tätigkeit verbunden ist. Eine Beschäftigung, die sich viele erst erlauben können, wenn sie mehrfache Millionäre sind. Also so in etwa eben.

Wobei mich das Spiel gerade schon an David und Goliath erinnert - ob der Größe unseres Gartens. Man braucht ihm nur kurz den Rücken zudrehen und dann scheint es, als ob die Natur jeden Versuch von Kultur für einen Schenkelklopfer hält. Was könnte ich kleine, wuselnde, energetische, nachtaktive Wichel als Unkrautvernichter gut gebrauchen. Herje, einfach im Mondlicht kurz drüberrennen lassen - das wärs.  Pffffhh, Rasenmäherroboter, das ist was für ein überschaubares, standartisiertes Gelände samt klarer Umrißlinie -  bref: das Gegenteil von unserem ausufernden Terrassengrundstück.

Ehrlich gesagt, stelle ich mir Adele im Garten auch so mehr Rosemunde-Plicher-mäßig vor,  wie sie mit Strohhut und einer sehr schicken Jeanslatzhose, sowie einem geflochtenen Weidekorb am Arm von Rosenbusch zu Rosenbusch flaniert,um hier und dort eine welke Blüte abzuschneiden. So Hochglanz-Gartenzeitschrift mäßig. So Teilzeit-Schönwetter-Gartenambitionierte eben. Keine, die kniend den Unkrautstecher zückt, zuhackt, um dann zerrend mit rotem Kopf die Brombeerwurzeln trotzdem nicht richtig rausgezogen bekommt, sich dabei einen Fingernagel abreißt sowie ein Loch ins Shirt und einen Schwall unfläter Worte unterdrückt...

Aber hey, es gibt Menschen, denen das so viel Wert ist, wie ein Millionen-Gig, das muß man sich nur gerade immer wieder bewußt machen... Dann läufts...

Immer wieder habe ich kleine Küchen-Themen, an denen ich mich ein bißchen abarbeite. Gnocchi waren lange so ein Steckenpferd. Sehr viel Gemüse habe ich mittlerweile so verwandelt. Nun habe ich mich auf Gemüse-Bratlinge eingeschossen... Ihr werdet ja sehen, da kommt demnächst ein einschlägiges Rezept nach dem anderen.


Zutaten 3-4P:

500g Brokkoli
40g Haferflocken
40g gemahlene Mandeln
50g Dinkel-Vollkornmehl 
2 Eier 
2 junge Knoblauchstangen, in feine Ringe
2 TL Senf 
2 TL Thymian, fein gehackt
2 TL Rosmarin, fein gehackt
Kräutersalz
Piment d'Espelette
Pfeffer 
Rapsöl

1 Kohlrabi
3 Karotten
Salz, Pfeffer
2 EL Apfelessig
2-3 EL Sonnenblumenöl
1 Pr Zucker

Zubereitung:

Den Brokkoli über Dampf weich garen (weich aber nicht zu weich). Sehr gut ausdampfen lassen und nicht zu fein pürieren. Mit allen Zutaten vermengen vermengen und pikant abschmecken (Gemüse-Bulettchen aller Art dürfen gerne etwas überwürzt sein - sie vertragen viel und man erwartet ja auch viel von ihnen). 

Bällchen davon formen (m: zwischen Tischtennis-und Golfball/ kann aber nicht mehr sagen, wieviele ich geformt habe... vergessen... ausreichend auf jeden Fall für ca. 4P für ein Salat-Plus-Essen). Die Bällchen geformt ca. 15-20min im kalten ruhen lassen. Dann von beiden Seiten in Rapsöl anbraten.

Für den Salat Kohlrabi schälen und Karotten bürsten. Beide sehr fein reiben. Mit dem Dressing vermengen und etwa 10min marinieren lassen.

Wer mag zusätzlich mit einem grünen Salat servieren.