SOCIAL MEDIA

Sonntag, 7. August 2022

Follower - Zucchini-Lasagne


Wenn ich eines in all den Jahren Bloggerei nie bereut habe, dann dass ich mich von Anfang an den Sozialen Netzwerken verweigert habe. Twitter und Facebook fange ich überhaupt nichts mit an. Null. Habe ich nie konsumiert. Das Gleiche gilt für TikTok und all die anderen Nachkömmlinge. Instagram kann mich insofern mal anziehen, als dass ich Fotographie mag. Und Fotos kommen auf dieser Plattform sehr gut zur Geltung. Youtube wiederum kann ich mir nicht wegdenken, weil sie mir meine Yogalehrer in die Wohnung bringen. Youtube ist toll - und warum auch immer (?) kann ich es ohne Werbung nutzen.

Mich selbst oder Rezepte zu filmen, käme mir nicht in den Sinn. *Bühne* im engsten und auch weitesten Sinn hat mich noch nie interessiert. Den Reiz, sich darzustellen und zeigen zu wollen, kenne ich bien sûr dennoch - diese Lust befriedigt mir die gelegentliche Teilnahme an 12 von 12 in Gänze. Von Blog-Foodie-Kollegen lasse ich mich nach wie vor gerne zum Nachkochen inspirieren.

Wie ich hier laut machte, habe ich eine kleine handvoll Menschen, die ich gelegentlich auf ihren Accounts besuche. Sailing la Vagabond etwa. Oder das Yoga-Pärchen Bre und Flo. Ich fand diese neue Möglichkeit faszinierend, dass ein erfolgreicher Social Media Account eine Existenz ermöglicht. Zuerst sah ich darin eine neue Form von Freiheit. *Fand/ sah* - Vergangenheitsform. Einzig Mady Morrison bleibt in meiner kleinen Blase ein gelungenes Beispiel dafür, ihre Online-Präsenz lediglich und ausschließlich für berufliche Zwecke zu verwenden. Eisern behält sie ihr Privatleben für sich. Ihrem Erfolg tut das keinen Abbruch.

Meine heutige Skepsis rührt daher, dass ich beobachten musste, dass andere von dem Sog (der Eitelkeit/ Ehrgeiz/ Beifalls ?) geschluckt werden. Eben ihre Freiheit verlieren. Und dabei sind die Grenzen fließend, das verstehe ich schon: eben habe ich noch eine Szene aus meinem Leben dokumentiert, andere wie nebenher mitgenommen und teilhaben lassen. Und schon versuche ich Szenen herbeizuführen, damit ich für andere etwas *Vorzeigbares* festhalten kann. Wie verändert sich menschliches Verhalten, wenn man sich dabei beobachtet/ unbeobachtet weiß? 

Mit großem Unbehagen schaue ich eben solchen konstruierten Momenten bei meinen beiden mir durchaus sympathischen Jungfamilien zu, wie sie sich zunehmend selbst inszenieren, um möglichst viel Emotionen beim Betrachter zu wecken. Echte Menschen mit echten Gefühlen degradieren zu Schauspielern in einem selbstgeschriebenen Bühnenstück. Wie leicht und schnell das eine in das andere rutscht und der Zweck zur Absicht wird...

Das finde ich schlimm. Ruinös. Läßt sich ein einmal losgetretener Aushöhlungsprozess wieder stoppen? Wieviel Kraf braucht es, einer Sucht Einhalt zu gebieten?!

Der Ausverkauf von Privatem und Intimen ist der Ausverkauf der Seele. Mit der Selbstvermarktung verramscht man seine Innerlichkeit, gibt sie wie im Kaufladen der Öffentlichkeit preis. Der innere Tempel wird zur Markthalle (ich erinnere an *intimitätskleinlich*). Das ist der Anfang vom Ende. Zumindest in meiner Welt, in der Innerlichkeit und die Demut vor der Natur als Heimat und Herkunft, die existenziellsten Schätze eines Wesens ausmachen, das Wahrhaftigkeit anstrebt, Erkenntnis und Ichkraft.

 


 

Wahrscheinlich hängt es bei mir schon an diesem *Follower*-Ding. Lacht mich aus, aber schon aus Prinzip weigere ich mich, irgendjemand anderem zu followen. Dieser Button wird von mir nicht touchiert. Das nehme ich bierernst! Gerne besuche ich andere und lasse mich besuchen. Aber hinterherlaufen, nee, das ist wie ein Tandem-Fahrrad - dafür bin ich nicht geschaffen, wurde nicht für mich erfunden. Ich will meinen eigenen Weg suchen, brauche Platz und Raum dafür - und vertraue meine Gefolgschaft (ein äußerst exklusives Gut) nur jenen an, denen ich mit allen Sinnen vertrauen mag.


Lasagne ist ein Lieblingsessen von mir. Immer wenn ich uns verwöhnen will, dann gibt es Lasagne. Gut, eben auch gerne einfach frische Pasta. Das weckt in mir so das huggelige Mamaküche-Großfamiliengefühl... zumindest, wie ich es mir in rosaroten Farben in meiner Phantasie vorstelle...


Geschwister im Blog-Unisverum:


  **** mediterrane Lasagne

  **** Parmigiani-Lasagne


Zutaten 2P:

Lasagne-Blätter:
100g Mehl (m: halb Kamut-VK/ halb D 1050)
1 Ei
1 EL Öl
Salz
 
1 große Zucchini
2 Knoblauchzehen
2 TL Oregano
Kräutersalz
Olivenöl
200ml Milch
50ml Weißwein
25g Butter
2 EL Mehl
einige Salbeiblätter
1 Knoblauchzehe
Zitronenzesten
1 EL Tomatenmark
1 EL Tamari-Sauce
2 Romatomaten
1 Mozzarella
etwa Ziegen-Gauda

Zubereitung:

Pastateig zubereiten, dafür alle Zutaten zu einem homogenen Teig kneten und eingewickelt mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

Ofen auf 210°C vorheizen.

Ein Backblech mit Backpapier auslegen, mit Olivenöl bestreichen. Zucchini fein hoben (m: 2-3mm) und dachziegelartig auf dem Backblech auslegen. Mit fein gehacktem Knofi und Oregano bestreuen, mit Kräutersalz würzen und mit Olivenöl besprenkeln. Für ca. 30 min in den Ofen schieben - so lange, bis sich die ersten braunen Stellen zeigen. Dann von der kurzen Seite aus in vier Streifen teilen.

Parallel die Milch mit Knofi und Salbeiblättern erhitzen, aufwellen lassen und dann mit geschlossenem Deckel ziehen lassen für 15min.

Um eine Béchamelsauce herzuzstellen, Butter in einem kleinen Topf schmelzen und das Mehl einrühren. Ein paar Minuten das Mehl rösten ohne Farbe annehmen zu lassen. Milch durch ein Sieb und Weißwein zufügen und mit einem Schneebesen zügig und stetig zu einer cremigen Sauce rühren. Salzen, pfeffern. Mit Tamari würzen und Zesten und Tomatenmark untermischen. Zur Seite stellen.

Pastateig dünn auswellen (m: Marcato)  und in 5 gleichgroße Stücke schneiden. In einer breiten, tiefen Pfanne Wasser erhitzen, salzen und die Teigplatten nacheinander darin kochen. Auf einem sauberen Küchentuch glatt auslegen.

Eine Form (m: 1l - Kastenform) buttern. Die Roma-Tomaten in sehr dünne Scheiben schneiden. Etwas Béchamelsauce auf den Boden geben, ein Pastablatt darauflegen, ein Streifen Ofen-Zucchini, ein 3-4 Tomatenscheiben, etwas Mozzarella, Sauce - nächstes Pastablatt (3x wiederholen), abschließen mit ein wenig Sauce und Ziegengauda. Nochmals mit etwas Oregano und Olivenöl toppen und für ca. 30 min bei 180°C in den Ofen schieben.

 


Im Zuge meiner Follower-Gedanken kam mir dieser Beatles-Song in den Sinn.... er geistert mir nun seit Tagen als Ohrwurm durch den Kopf - wobei wir hier gerade alle dem Regen hinterher laufen würden. Wie geht nochmal Regen?


Montag, 1. August 2022

Für Faule: überbackene Ofen-Auberginen

 

Die Hitze und Trockenheit nimmt mir meine Blogzeit - morgens, wenn die Welt ruhig und still liegt, schreibe ich am liebsten. Diese Zeit aber gehört nun dem Gießen. Dabei komme ich mir vor wie Don Quichotte - ich kämpfe vergebens gegen etwas an, das größer ist. Einige unserer Pfanzen sind bereits vertrocknet - das ganze Ausmaß der Verluste wird erst später sichtbar. Man darf gerade gar nicht daran denken, wieviel Arbeit, Leidenschaft und ja, auch Geld in den Garten geflossen ist.

Garten hat noch nie so wenig Sinn gemacht. Aber ich liebe unseren Garten und habe die Hoffnung, dass dieser Sommer ein Ausreißer bleibt und nicht zur Regel wird.

Um nicht völlig aus dem Rhytmus zu kommen, wird heute ohne viel Erzählung einfach ein Rezept veröffentlicht. Derer warten ganz viele auf ihren Moment. Nur sind sie ebenfalls weder eingetippt noch die Fotos bearbeitet. Es braucht halt doch ausreichend *Nebenherzeit* zum Bloggen. Oder einfach meine frühen Morgenstunden....

Heute stelle ich euch überbackene Auberginen vor - ein Gericht für faule Kocher, den das Gemüse gart im Prinzip alleine im Ofen vor sich hin. Der Sommer in Südfrankreich gehört der Aubergine, den Zucchini und den Tomaten - ganz wie für den Rest des Jahres Kohl und Rüben das Regiment übernehmen.

Für Auberginen habe ich mittlerweile viele tolle Rezepte gesammelt, probiere aber immer auch gerne neue aus. Für dieses Gericht habe ich ein richtig, stattliches Exempar gewählt - nimmt man pro Person eine kleinere, funktioniert es ebenso. Unkomplizierte, leckere Gemüseküche.

 


Zutaten 2P:

1 Aubergine (m: ca. 300g)
70g Hirse
2 Lorbeerblätter
1 Eiertomaten
1 rote Paprika
1 EL Tomatenmark
1 Frühlingszwiebel
2 Knoblauchzehen
1/2 TL Paprikapulver
1 Pr geräuchertes Paprikapulver 
Harissa
1 handvoll frischer Basilikum
Oregano 
Salz, Pfeffer
70g Hirse
2 Lorbeerblätter 
Ziegengauda
Semmelbrösel
Olivenöl

Zubereitung:

 Ofen auf 220°C vorheizen.

Aubergine halbieren, in eine ofenfeste Form mit der Schnittkante nach oben setzen. Schnittkante mit Olivenöl bestreichen und salzen und für 25 min in den Ofen schieben. (bei kleineren Auberginen schält man lediglich ein gutes Drittel der schwarzen Haut mit dem Sparschäler ab und verfährt weiter wie bei einer großen - dann allerdings reicht eine niedrigere Temperatur 200° und eine kürzere Zeit im Ofen 20min).

Währenddessen die Hirse zusammen mit den Lorbeerblättern und etwas Kräutersalz gar kochen. Paprika mit dem Sparschäler schälen (der besseren Bekömmlichkeit zuliebe) und Paprika, Tomate sehr klein schneiden (geht auch für ganz Faule kurz in Hexler zu werfen). Knofi und Frühlingszwiebel  sowie Basilikum ebenfalls fein hacken.

Die gegarte Hirse (Lorbeerblätter entfernen) mit dem klein geschnittenen Gemüse und den Kräutern mischen. Tomantenmark und Gewürze zufügen und würzig abschmecken. Sollte die Masse zu feucht sein, einen Löffel Semmelbrösel untermischen.

Die Aubergine aus dem Ofen nehmen - Ofen auf 200°C runterdrehen - und der Länge nach 2-3 Schnitte setzen, ohne dass die Haut am Boden beschädigt wird, lediglich mit der Absicht die Aubergine dadurch etwas breiter aufzufächern.

Die Füllung auf beide Auberginen-Hälften verteilen. Mit Käse toppen und mit Semmelbrösel und Oregano bestreuen. Einen ordentlichen Schwung Olivenöl darüberträufeln und nochmals für ca. 20 min in den Ofen schieben.

Anmerkung m: Wers käsiger mag, gibt bereits in die Füllung Käse - und Mozzarella oder ein anderer schmelzender Käse eignet sich (logo) ebenfalls/ man kann für die Füllung anstelle von Hirse 2-3 Scheiben kleingeschnittenes, altbackenes Brot verwenden/ Petersilie statt Basilikum... up to you


Mittwoch, 20. Juli 2022

ver*huhn*zt - Chicken Nuggets aus Tofu


Ist das ein schlimmes Wortspiel? Ver*huhn*zt. Bitte! Da rollen sich doch einem die Fußnägel hoch! Wobei es für das Thema, worauf ich hinaus will, eigentlich noch nicht fürchterlich genug ist. *Man* (die Menschheit) bastelt nämlich schwer am Huhn. 

Und zwar haben israelische Forscher 'Hühner per CRISPR/Cas gentechnisch so verändert, dass keine männlichen Nachkommen schlüpfen. Dabei soll nur an die männlichen Nachkommen ein tödliches Gen weitergegeben werden, welches die Küken (Embryo) schon im Ei absterben lässt. Gleichzeitig sollen sich die weiblichen Nachkommen normal entwickeln und als Legehennen eingesetzt werden' (via Agrar-Presseportal). Die*Neuerfindung Huhn* soll sogar schon zum Patent angemeldet worden sein. Und eine amerikanische Kooperation zur Vermarktung hat sich ebenfalls bereits gefunden.

Um solchen Innovationen keine Steine in den Weg zu legen, hält sich die EU nicht mit tiefergehenden Kontrollen auf. Profit first. Die Patentanmelder gehen von einer *100% sicheren Technologie* aus - und derlei Angaben 'scheinen für die EU-Kommission auszureichen, um die Legehennen samt deren Eier von der gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungsprüfung und Kennzeichnung auszunehmen'. Prima!

Sehr vermutlich wird eine solche Einmischung in die Natur für *humaner* befunden - schließlich würde der seither völlig *unhumane* Prozess des männlichen Kükenschredderns dadurch abgelöst; bzw. bereits vorverlegt ins Ei. Und wo genau fängt Leben jetzt an... wer will das definieren? Da landet man ja ganz schnell in diesem verschlungenen Klassiker der Philosophie: was war zuerst da, das Huhn oder das Ei. Und wem wird bei derlei Überlegungen nicht ähnlich durmelig wie bei diesem unerträglichen Dauerschleifenkindergartenlied vom dem sich umkehrenden, roten Pferd...  Last but not least: was ist schon human? 

Halten wir also fest: It's all about perspective. Oder wie heißt es ebenfalls so schön: es hat halt alles seine Vor-und Nachteile. Etwa dass durch die Verfahren der neuen Gentechnik auch unbeabsichtigte und unvorhersehbare genetische Veränderungen ausgelöst werden können. Brave New World beginnt u.a mit Frankensteins Hühnern.

Gut, das nennt sich dann wohl (oder übel) Evolution Dreipunktnull: Menschen haben nun mehrere Geschlechter, das Huhn nurmehr nur noch eines. Das wars für den Halunken Hahn. Und sein *Schmäh* wie diese gezeichnete Postkarte von Michael Sawo, wo ihm der ganze Hühnerstall *Hühnerficker* hinterherruft (über die wir uns Mädels in der Pupertät kaputt gelacht haben), gehört eh schon längst nostalgischen Orten an...


 

Noch bekomme ich Eier von unserer Nachbarin (erinnert ihr euch noch an die Putzerhühner?). Und bei der kräht unbekümmert weiterhin der Hahn auf dem Mist. Sollte die mal keinen Bock mehr auf Huhn haben, dann muss ich entweder selbst ran oder auf Eier verzichten. My Erbgut - my choice... oder so...

Zu diesem Thema passt doch wie gemacht das heutige Rezept. Und was soll ich sagen: ich fand diese Nuggets absolut spitze! Jetzt steinigt mich nicht! Ich behaupte ja nicht, dass die Dinger genaus so wie Chicken Nuggets schmecken (als ob ich eine Ahnung hätte wie Chicken Nuggets schmecken). Aber who cares? Die Teilchen schmecken super - das reicht mir völlig. Und wenn ihr euch für diese Tofu-Stückchen andere Namen ausdenken wollt, nur raus damit (jetzt wäre eine Kommentarfunktion doch wieder lustig).

 

Zutaten 4P:

500g Tofu
Marinade:
2 EL Soja-Sauce
2 EL Sonnenblumenöl
1 1/2 TL geräuchertes Paprika-Pu
1/4 TL Curry
1 TL Knoblauchpulver 

ca. 40g Maisstärke gemischt 
mit 1/2 TL geräuchertes Paprika-Pu
Sonnenblumenöl zum Braten

 

Zubereitung:

Am Vorabend Tofu 30min zwischen Küchentüchern beschweren, pressen, damit er etwas Feuchtigkeit verliert. Dann wieder einwickeln (möglicherweise wenn klug geöffnet in die einstige Verpackung) und über Nacht einfrieren, 

Am nächsten Tag komplett auftauen lassen, wieder 30min zwischen Küchentüchern auspressen.

Ofen auf 200°C vorheizen.

Tofu in Stücke rupfen/ zupfen. Die Marinade herstellen, indem alle Zutaten in einer größeren Schüssel miteinander vermengt werden. Die Tofu-Stückchen darin wenden. Dann das Gemisch aus Maisstärke und geräuchertem Paprika-Pulver darüber streuen und den Tofu auch darin nochmals wenden. 

Ein Backblech mit Backpapier auslegen und mit Öl besprenkeln, die Tofu-Stücken darauf verteilen und in 30min backen  knusprig backen.

Anmerkung m: nur die Hälfte gemacht/ bei uns gabs dazu gleichzeitig gebackene Ofen-Kartoffeln, etwas pfannengerühres Gemüse sowie Rohkost. Die *Käse-Sauce* aus Cashews stelle ich ein anderes Mal vor... aber ein Dipp zum Ditschen gehört auf jeden Fall dazu!

Quelle: YT: Healthy Foodie PH 

 

Montag, 18. Juli 2022

die allerbesten Falafel - mitten in der Dauer-Carnicule

 

Nicht nur an den blühenden Sonnenblumenfelder merke ich, dass der Zenit des Sommers erreicht ist, dafür brauche ich nur runterzusehen zu meinen Füßen: an den Fersen habe ich Hornhaut wie ein Elefant. Von nix kommt nix - barfußlaufen und Flipflops heißen die Verursacher. Seit guten drei, ja fast vier Monaten.

Im Mai scherzte ich noch mit Feriengästen, dass bei meinem Online-Wetterdienst, der seine Vorhersage für eine Woche trifft, das Tief mit dem Regen konstant immer genau eine Woche vor uns herwandert. Die verheißungsvolle Karotte lockt an Tag 6 und 7. Wetter stellt für viele Ferienmachende ein zentrales Thema dar, weshalb man sich nirgendwo besser erkundigen kann, was wettertechnisch zu erwarten ist als bei Urlaubern. Im Mai also hängte ich dann noch meine kleine Anekdote aus dem erlebten Leben an: wir hatten einen Zahnarzt als Gast (coucou Namenvergessen) dessen Sohn Meteorologie studierte. Pfffhhh, schnaubte der Vater, während seine Augenbrauen gen Geheimratsecken rutschten, Meteorologie, das sei eine reine Pseudowissenschaft, 'die befinden sich noch in der Forschung'. Dann lachen immer alle und man einigt sich darauf, dass *sie* in ihren Vorhersagen für den nächsten Tag aber gar nicht mal SO schlecht sind.

Ob der Weite unserers Ausblicks fängt man irgendwann auch zwangsläufig an, in den Wolken etwas rumzumysteln. In meinem Prognosen wäre ich mittlerweile bei stabilen 50 Prozent, haue ich gerne als Kalauer noch hinterher. Was - bien sûr - astrein erfunden ist. Zumal es zu unserem Schicksal gehört, dass wir von unserer Terrasse hervorragend beobachen können, wo die grauen Gewitterwand, die über uns gerade hinweggezogen ist, dann letztlich im Tal ihren Schauer abläßt.

Allein davon können wir nur träumen. In den nun beinahe 17 Jahren, die ich in der Drôme lebe, ist das der trockenste und heißeste Sommer, den ich miterlebt habe. Steppensommer hatten wir ja schon einige - aber alles kein Vergleich zu diesem! Unsere Haut hat in der Zwischenzeit die Farbe von Oliven angenommen, der Garten ist ein einziger Kampf, die Felder und Wiesen gelb verbrannt, kaum Wasser zum Gießen mehr vorhanden, die Flüsse und Bäche ein Schatten ihrer selbst und überall absterbende Bäume und Sträucher. Unter den Markthändlern wurde die Angst vor Unwetter mit Hagelschaden mittlerweile vor der allgemeinen Frucht vor Bränden abgelöst. Tja, und meine Wettervorhersage macht sich gar keine Mühe mehr, irgendwo ein paar Regentropfen einzuzeichnen: 7 Tage durchgehend eine kugelrunde Sonne als Symbol darunter Temperaturzahlen, die unerbittlich mit einer 3 beginnen.

Spätestens den Nachmittag verbringt man lieber drinnen hinter zugeklappten Fensterläden. Draußen steht die Luft und selbst der Boden scheint heiß auszuatmen. Wir sind mehr als bereit für die Wetterwende!

 


Ich habe trotzdem eine kleine Küchenschlacht begonnen. Nur weil die carnicule über uns klebt ohne sich einen Zentimeter zu bewegen, kann ich ja nicht wochenlang kein neues Rezept mehr ausprobieren.

Heute stelle ich euch die leckersten, knusprigsten und unkompliziertesten Falafel aus Kichererbsen vor, die dieser Erdball je gesehen hat. Falafal, oder zumindest, das, was sich so nennen will, habe ich ja bereits einige verbloggt. Aber das hier sind klassische Falafel. Und in meiner Benennungskategorie erhielten diese direkt die höchste aller Auszeichnungen, die DUBB- Medaille - und zwar von Null auf hundert. Ich war richtig begeistert und das, obwohl ich ja nun wahrlich kein großer Fan von Frittiererei bin. Aber exactement so muss ein Falafel schmecken!

Dem türkischen Brot, das ich dazu gereicht habe, wird diese Ehre nicht zuteil. Da müßte ich zuvor nochmals an der Machart schrauben, dass ich die euch als gelingsicher so weitergeben kann. Aber gut waren sie und vielleicht wollen sie ja euch sofort beim ersten Versuch gelingen (Referenz unten verlinkt)...


Zutaten 12 Stück/ 2P:

150g Kichererbsten, getrocknet
2 Knoblauchzehen
1 mittelkleine Zwiebel
1/2 Bund Petersilie
1/2 Bund Koriander
1 kleiner TL Koriander, geschrotet,
1 kleiner TL Kreuzkümmel, geschrotet
1/2 TL Paprika-Pulver
1 Prise Backpulver
Salz
ca. 1-2 EL Wasser
ca. 1-2 EL Kichererbsenmehl
Ol zum Frittieren.

Zubereitung:

Die Kichererbsen mindestens 12 Stunden oder länger in Wasser einweichen.

Dann abschütten und abtropfen lassen. Zwiebel und Knofi schälen und groß zerkleinern, ebenso die frischen Kräuter. Alles grob miteinander vermengen. In einem Blender mixen (so etwa sollte die Konsistzen aussehen - wobei mir das nicht wirklich weitergeholfen hat... ich komme darauf zurück). Beim Mixen ein wenig Wasser zufügen.

In eine Schüssel umfüllen, die Gewürze und das Kichererbesenmehl zufügen, vermischen und abschmecken. Das Kichererbsenmehl war mein *Hack*. Mein Blender hexelt nicht ganz so fein, sondern anstelle von Kichererbsen-Mus fabrizierte er kleinste Kichererbsenstückchen. Um sicher zu gehen, dass die Masse bindet, gab ich etwas Kichererbsenmehl dazu. 

Als ich die Falafel von Hand formte, war ich mir nicht sicher, ob sie mir nicht in der Zielgeraden - im heißen Fett - auseinanderfallen würden. Aber lief alles wunderbar reibungslos. Nachdem das Fett heiß genug war (mittel bis größere Hitze - Probe mit Stiel von Holzlöffel, wenn sich daran Bläschen bilden, dann ist der richtige Moment gekommen) ließen sich die Falafel vorbildlich von beiden Seiten knusprig backen. Auf einem Küchenkrepp abtropfen lassen, warm stellen und die Falafel auf diese Weise fertig frittieren.

Anmerkung m: 6 Stück pro Person finde ich üppig bemessen - möglicherweise reichen auch 5. Aber sie sind halt gar so knusprig, da überfrißt man sich schnell... Bei uns gab es dazu frische Beilagen, einen Tomaten-Melone-Salat mit Basilikum und roten Zwiebeln (schlichter als dieser) sowie einem Dipp aus griechischem Joghurt, Knofi, Minze und Basilikum. Fest-Essen! Auch weil ich mit den Fingern gegessen habe ;)

Quelle YT:  Our Jemeni Kitchen sowie türkisches Brot  


Dienstag, 12. Juli 2022

12 von 12 - Juli 2022









Einer dieser frischen, klaren Morgen, die mit die schönsten Augenblicke des Sommers ausmachen. Ich stehe im Sommer normalerweise etwa um 1/2 6 auf - das ist jetzt schon wieder fast eine Stunde vor Sonnenaufgang. Porridge überspringe ich, kennt ihr wohl, obwohl ich euch eigenlich die japanische Weinbeere (coucou Kaminskys) zeigen wollte.

À bonne heure fahren wir auf den Markt. Und was soll ich sagen: nach all den Jahren Südfrankreich liebe ich unseren Marktbummel, das mediterrane Angebot mit dem sonnengeküßten Obst und Gemüse und den anschließenden Café mit der gleichen Begeisterung wie von Beginn an. Das alles empfinde ich als großes Geschenk. Ich kaufe herrliche Mara de Bois, eine große Portion Myrtilles aus der Ardèche und bekomme obendrauf überreife Aprikosen zum Marmeladekochen geschenkt. Tja, und auch dahingehend wiederhole ich mich: wir leben in einem echten Paradeiser-Paradies!

Anschließend haben wir ASU- weil Utilitäire müssen wir jährlich zur Kontrolle. Bei Patrik, genau, der mit den konsequentesten Vokuhila, den ich kenne. Ah, schnurrt er, als er mich sieht und wir bises austauschen, ich wäre une vraie beauté (doch flatterie das können se, die Fränzis). Mit der Folge, dass der Habib den restlichen Tag darauf hingewiesen wird, dass hier gerade eine *vraie beauté* um die Ecke wackelt... Tja, und auch das bleibt nicht unerwähnt: n-a-t-ü-r-l-i-c-h waren wir als Deutsche pünktlich da. Und n-a-t-ü-r-l-i-c-h brauchten wir wie immer für eine 5-Minuten-Kontrolle eine ganze Stunde. Aber es war sehr charmant ;) , gesprächig und immerhin im Schatten.

Auf dem Rückweg bitte ich den Habib anzuhalten, damit ich die blühenden Sonnenblumen fotographieren kann: sie markieren jedes Jahr den Zenit: den Anfang vom Ende des Sommers. Und die Wilde Karde mit Segelfalter, die am Rande eines goldenen, abgernteten Getreidefeldes daneben steht, halte ich parallel fest.

Daheim ist Päckchenzeit mit Günthers vollem Roggen Plus.

Der strahlende Sommertag will gelebt werden: ich verschwinde für ein gutes Stündchen an den Bach. Zum Lesen komme ich meist doch nicht - viel lieber lasse ich die Atmosphäre auf mich wirken. Es ist ein echtes Idyll und für mich ein Kraftort.

Gestern allerdings habe ich *Der Idiot* von Dostojewski abgeschlossen. Ein anrührendes Buch. Es handelt von einem jungen Mann, erzähle ich dem Habib, der am Mitgefühl und dem zu großen Verständnis für das Leid anderer zugrunde geht. Jemand, der offenherzig, vertrauensvoll, anständig, aufrichtig ist und sein Gegenüber zutiefst ernst nimmt, ohne jede Ironie, wofür ihn die Gesellschaft zum Idioten erklärt. 'Er erzählt von sich', fasst der Habib sofort zusammen. Ja, das tut Dostojewsky, er gibt eingebettet in einen Roman Episoden aus seinem Leben preiß - so gewährt er etwa Einblicke in sein Inneres in dem Moment, in dem er unmittelbar vor seiner Hinrichtung zum Tode begnadigt und seine Strafe zu mehreren Jahren Zuchthaus umgewandelt worden war. Nebenbei erhält der Leser eine Vorstellung davon, wieviel mehr die Gefühlsebene das Menschsein bestimmte, bevor er zum Kopffüßler mutierte...

Zurück nach Hause an den letzten Lavendelfeldern, die noch nicht abgeräumt sind. Ich koche die Aprikosenmarmelade. Und ich gehe bei einer Nachbarin vorbei, die uns Knoblauch geschenkt hat. Sie erhält als Dankeschön ein Gläschen fermentieren Knoblauch - ich werde auf dem Blog darauf zurückkommen... Ich bin länger weg, als ich dachte: Dorf halt, überall will geplaudert werden. Währenddessen gießt der Habib, eine lästige Arbeit, die uns nun seit 3 Monaten jeden Abend beschäftigt.

Yoga heute mit Tim, mit seiner angenehm, ungekünstelten, ruhigen Art und mit Sjanaelise, letzteren, kleinen Flow mache ich mittlerweile auswendig, weil sich der Körper danach SOOO wohliglich durchgestreckt anfühlt!

Wie füllte sich der Tag anderer am 12ten des Julis im Jahre 2022 - das schaue ich jetzt bei Caro von Draußen nur Kännchen, die die Eindrücke monatlich sammelt.

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