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Dienstag, 14. Januar 2020

Angeknabbert: Nordische Saaten-Cracker


*Sind Sie generell ein nervöser Charakter*, fragte mich Mme Docteur. *Jein*, zuckte ich die Schultern und mit Blick auf den Habib, *was den Habib betrifft: ja.* Meine größte Angst ist es, den Habib zu verlieren. Als Paar mit Altersunterschied schwebt von Anfang an die Zeit als drohendes Damokles-Schwert über uns - es scheint eine einfache Milchmädchen-Rechnung, weil das Leben genau so und gleichzeitig völlig anders funktioniert.

Doch Hand aufs Herz, ich gehöre wohl schon Team Rerun an. Kennt ihr den kleinen Bruder von Linus unterwegs auf dem Rücksitz des Fahrrads seiner Mutter: *ich kann es nicht leiden, wenn ich die Welt durch meine Finger angucken muss!* Kein Easy Rider, der Rerun. So wie ich. Naheliegend also, dass für mich die höchste und schwierigste aller zu erreichenden menschlichen Qualitäten, meine anvisierte Königsdiziplin die Gelassenheit ist. 

Und mit Gelassenheit meine ich das glatte Gegenteil von einem nebulösen *Wird schon werden* oder einem illusionär-verwobenem Optimismus. Nein, ich meine es genau so wie Jean Paul: *Mut besteht nicht darin, dass man die Gefahr blind übersieht sondern sehend überwindet.* Nicht von ungefähr haben Mut und Demut einen gemeinsamen Wortstamm. Denn für Demut - sich dem Leben passiv anzuvertrauen - braucht es den gleichen Mut, wie sich dem Leben aktiv zu stellen.

Je klarer, je nüchterner, je bewußter man versucht, seinen Geist zu trimmen - frei von Verblendung, Wunschdenken oder Rausch - umso weniger lässt sich verdrängen, wie fragil alles ist, wie sehr dem Wandel unterworfen, wie totsicher endlich. Und je mehr ich mir Gelassenheit wünsche und danach zu greifen hoffe, umso mehr scheint sie sich von mir zu entfernen. Sich locker machen auf taumelndem Grund = f wie fortgeschritten...

Bei generell nervösen Typen hat die fehlende innere Ruhe weniger mit der momentanten Lebenssituation zu tun. Stimmt etwas nicht, dann macht mir genau dieser Umstand Kummer, ist hingegen alles in Ordnung, dann macht mir alleine die Vorstellung einer möglichen, bedrohlichen Veränderung Sorgen. Bref: gelassen oder nicht gelassen zu sein ist eine Meisterschaft. Oder eine verinnerlichte Logik: *Wenn ein Problem gelöst werden kann, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Wenn nicht sind Sorgen sinnlos.* (Dalai Lama) - was stark an das altbekannte Gelassenheitsgebet erinnert.

Wie immer, wenn es um Qualität geht, dann sind die Übergänge fließend und eine Qualität lässt sich von der anderen nicht so leicht abgrenzen. Das heißt in diesem Fall: wo keine Gelassenheit da kein Urvertrauen und wo kein Urvertrauen wenig Mut, Risikobereitschaft und Tatkraft. Man darf sich bei einem nicht gelassenen Menschen also einen permanent (dezent) verspannten, nervösen, besorgten Menschen vorstellen.

Man sagt, das Mütterliche steht stellvertretend für eine gewisse Lebenstüchtigkeit, während das väterliche Prinzip Urvertrauen vermittelt. Jetzt könnte ich heulen wie ein Wolf bei Vollmond, dass mir in der Hinsicht schließlich wenig in die Wiege gelegt wurde. Doch das ist nie mein Ansatz gewesen. Ganz im Sinne der Bibel *Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der eignet sich nicht für das Reich Gottes* (Lukas 9,62). Oder eben ganz mit Goethe: *Was du von deinen Eltern erbst, erwirb es, um es zu besitzen.* Selbstschulung ist also einsame Erwachsenenbildung, bei der man sich an der eigenen Nase zu fassen und an den eigenen Haaren rauszuziehen hat (ein Dauerthema von mir).

Mit den Jahren habe ich einige tief beeindruckende und höchstpersönliche Erlebnisse, die mir gezeigt haben, dass ich gut geführt werde, dass eine wohlmeinende Kraft mir Schutz gewährt. Nie würde ich die der Öffentlichkeit preis geben (ihr erinnert euch: ich bin intimitätskleinlich). Und trotzdem scheint alte Muster durchbrechen zu wollen einer Sisiphos-Aufgabe gleichzukommen. Meine Neigung zur Nervosität habe ich noch lange nicht abgelegt.

Was mir enorm hilft - um zum Praxisteil zu kommen -, ist ein Konglumerat aus vielem wie etwa meine harmonische Beziehung, viel Natur um mich, freigestellt zu sein von allzuviel Pflicht inklusive dem festen Willen, mich ändern zu wollen. Wunder wirken für mich Mandra-mäßig Sätze zu wiederholen, wie um dem Inneren vorzubeten, woran es sich zu orientieren hat, wenn es in sich holpert. Eine Wohltat für den Geist. Das ist bien sûr eine ganz und gar individuelle Geschichte, welchen Anker man wie setzt. Ich liebe das Teresa von Avila-Zitat sehr. Oder das 7. Kapitel aus dem West-östlichen Divan von Goethe. Oder aber ich lese wieder und wieder das Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, wenn es in mir besonders stürmt und braust.

Aber ja, *erst muss man Gott irgendwo finden* (Rilke - samt lesenswerter Artikel im Dlf) und dabei kann niemand niemandem helfen... Schon gar nicht, wenn man seine eigenen Entdeckungen anstellen, seinen Geist eigenständige Erfahrungen machen lassen will. Und sich dafür aufmacht auf den steinigem Weg, eingefleischte Mechanismen abzulegen - der Selbstbefreiung zuliebe (im übrigen ein Weg, der niemals die Marktstrasse der *käuflichen Spiritualität* = Esoterik kreuzen wird).


*Pour votre santé, évitez de grignoter entre les repas* (*Für die Gesundheit vermeiden sie zwischen den Mahlzeiten zu naschen*) empfiehlt das französische Gesundheitsministerium. 

Weder hat je zuviel Knabberei noch Grübelei gut getan. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und dann muss ja noch geklärt werden, was man so alles knabbern kann. Diese Cracker zählen eindeutig zu den hochwertigen Genüssen: gesund und - wie der Habib befand: lecker die Dinger! Mit einem Merci an Annette, die uns während letzter Feriengäste-Saison zuerst mit den Saaten-Crackern anfütterte und dann auch noch das Rezept rausrückte!


Zutaten - 2 Bleche:

trockene Mischung:
50g Kürbiskerne
50g Sonnenblumenkerne
75g Sesam
75g Leinsaat
25g Chia-Samen
16g Flohsamenschalen
3/4 TL Salz
1 TL Backpulver

nasse Mischung
350ml Wasser
50ml Öl (m: Sonnenblume)

Zubereitung:

Die größeren Samen etwas kleiner hacken. Dann sowohl die trockene Mischung miteinander vermengen sowie Öl und Wasser zusammengeben - schließlich diese beide Mischungen  gut mischend und eine halbe Stunde ruhen lassen, bis der Teig sich gut verbunden hat.

2 Backbleche richten. Den Teig halbieren. Die eine Hälfte auf ein Backpapier geben, ein zweites Backpapier drüber leben und den Teig zwischen den Papieren auf etwa die Größe des Backblechs dünn auswellen. Auf das Backblech setzen und das obere Papier abziehen. Mit der zweiten Teighälfte genauso verfahren.

Den Backofen auf 175° (Umluft) vorheizen.

Die Bleche in den Ofen schieben und für ca. 30-45min backen. Sollte der Teig nach einer halben Stunde noch nicht durchgebacken sein, die Platte drehen und nochmals ein paar Minuten weiterbacken (je nach Ofen) - Achtung: die Ränder des Teiges sind so dünn, dass sie schneller dunkel werden können - dann die Backbleche drehen.

Die Bleche aus dem Ofen nehmen, das Backpapier abziehen und auskühlen lassen. Nun die Saaten-Cracker in die gewünschte Größe brechen und in einer gut verschließbaren Dose aufbewahren.

Anmerkung m: ich habe das Rezept halbiert - wer mag, kann auch gleich wie im Original die doppelte Menge für 4 Bleche backen...

Quelle: hier


Donnerstag, 9. Januar 2020

Genüglichkeit: Lauch-Strudel mit Ebsen-Minz-Sauce


Zum Jahresbeginn erhält man in der medialen Aussenwelt allerortens Ratschläge zum Abnehmen, für Detox-Kuren, für Ideen, wie man nach den üppigen Festtagen, den Gürtel wieder enger geschnallt bekommt, wie Ausnüchterung aussehen könnte - just nachdem die gleiche Presse gar nicht lange zuvor die Masse entschieden in die entgegengesetzte Richtung drängte. Die guten Neujahresvorsätze, die ein bißchen drücken, vermischt mit dem vagen Gefühl, dass man vielleicht ein neues Jahr nicht zwingend fortführen sollte, wie man ein altes beschlossen hat, rufen gerade nach momentanter Befriedigung.

Das Problem an einer vernünftig, gesunden und guten Lebensführung, ist, dass es nicht ausreicht, einmalig anständig zu essen. Einen One-Night-Stand-Apfel kann man sich dann auch schenken. *One apple A DAY keeps a doctor away.*

Oder um den altbekannten Goethe-Ausspruch hinzuzuziehen: *Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen*. Und in diesem kleinen Satz sind gleich drei Worte enthalten, die auf anhaltende Stetigkeit hinweisen (immer/ streben/ bemühen). Das Gute schleift sich (leider) nicht von alleine ein, da muss man konsequent hinterher sein - ein Phänomen, ich hatte es bereits darüber.

In der Mäßigung, in der freiwilligen Beschränkung sieht der Dalai Lama ein großes Potential für innere Zufriedenheit, dem Gral, dem wir doch eigentlich hinterher jagen sollten: *Die Ironie will es so, dass wir dann, wenn wir das Objekt unserer Wünsche erlangt haben, immer noch nicht zufrieden sind. Auf diese Weise nimmt die Begierde nie ein Ende und ist eine ständige Quelle der Schwierigkeiten. Das einzige Gegenmittel ist die Genügsamkeit.* Zur Beschränkung hatte ich es ebenfalls schon -  und bereits die Erwähnung klingt fast, als würde man sich von der Welt abwenden und freiwillig wie ein Mönch oder eine Nonne leben wollen. Aber Beschränkung klingt nur deshalb so biblisch, weil der Zeitgeist einer derartigen Haltung polar gegenübersteht:  bei allem pastoralen Geschwätz zur Klimarettung: 2019 verzeichnet der Einzelhandel einen neuen Umsatzrekord - das zehnte Jahr in Folge.

Ja, ich rege mich nicht schon wieder auf - andere dürfen anders sein... obs mir gefällt oder nicht. Wie hat es Gandhi so hübsch gesagt: *Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt*. Das ermöglicht mir das Weltengeschehen maximal zu ignorieren und mich komplett auszulasten. Und ganz ehrlich: dieses Dauergelaber, das sich mehr und mehr als Dauergelaber enttarnt, verdient wirklich keine weitere Aufmerksamkeit von mir. Die Überdosis ist erreicht.

Seine Lebensgewohnheiten umzustellen - rein aus Vernunftsgründen - ist kein einfacher Purzelbaum. Es braucht einen festen Entschluß, dessen Wille sich nur in der Tat zeigt: *Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.* (wieder Goethe). Könnt ihr euch noch an die Groteske erinnern, als vor ein paar Jahren von den Grünen ein Veggie-Tag in der Woche vorgeschlagen wurde. Mit großer Empörung wurde er abgeschmettert. Dabei glaube ich, dass sich damals nur eine mächtige Lobby durchgesetzt hatte, die Mehrzahl der Deutschen der Idee aber gar nicht ablehnend gegenüberstand.

Nun der Habib und ich beschlossen schon vor geraumer Zeit zwei Mal die Woche auf tierische Produkte zu verzichten und ich koche dann vegan. Nicht nur dem Tier- und Planetenwohl zuliebe, sondern genauso auch uns zuliebe. Man gewöhnt sich daran wie an unser Morgen-Porridge, so sehr sogar, dass man es irgendwann gar nicht weiter hinterfrägt. Das sind dann wie Entlastungstage, wie eine Art Schonkost (klingt mindestens so fürchterlich wie Verzicht, oder?).  Aber hey, Gemüse mit Gemüse - my daily junk. Ein Tag ist Eintopf-Tag (ein Spezial mit zusammengestellten Lieblingen steht schon bereit) und am anderen probiere ich gerne etwas Neues aus. Es tut uns gut, deshalb ist Dabeibleiben kein echter Salto. Zumal Käse und Butter ja eben an einem anderen Tag wieder zelebriert werden.


Und ja, allen Unken zum Trotz: es schmeckt mir einfach. Klaro könnte man diesen Strudel mit Crème fraîche und Käse pimpen und die Sauce mit einem Schuß Sahne bereichern. Spricht nix dagegen, aber wir haben uns - mit einem begleitenden Karotten-Salat - auch so die Finger geschleckt.

Gerne gebe ich meinen Rezepten ja obendrein einen Drill Richtung Vollkorn. Was Strudelteig angeht, ist das dann die Premium-Liga. Vermutlich muss man in Österreich geboren sein, um den Teig auch in dieser Version strudelteigdünn gezogen zu bekommen. Für alle anderen Honks wie mich empfehle ich auf die volle Durchsichtigkeit bzw. dem Ausziehen des Teiges zu verzichten und ihn stattdessen mit Geduld sehr dünn auszuwellen. Das verspricht gutes Gelingen - und das ist auch was wert, oder?

Zutaten 2P:

150g Weizen-Vollkorn (m: Purpur-Weizen)
75g lauwarmes Wasser
Salz
1 EL Apfelessig
2 EL Öl

450g Lauch
50g rote Linsen
1 TL Zitronen-Curry
1 EL Mandelmus
ca. 5 EL Gemüsebrühe
1-2 EL Apfelessig
Salz, Pfeffer
Olivenöl

Sonnenblumen-Öl zum Bestreichen des Strudels

100g Erbsen
70g Sellerie
ca. 100ml Gemüsebrühe
1 EL Mandelmus
1 TL Minze
Salz, Pfeffer
Apfelessig

Zubereitung:

Teig für den Strudel gründlich zu einem homogenen Teig kneten, mit Öl bepinseln, in Folie wickeln und 30min ruhen lassen.

Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen.

Währenddessen die Füllung zubereiten. Die Linsen in etwas Salzwasser aufestzen und in ca. 10min weich garen. Abschütten und gut abtropfen lassen.  Den Lauch putzen und in feine Ringe schneiden. In Olivenöl etwa 3-5min anbraten ohne Farbe annehmen zu lassen. Kurz vor Ende das Curry mitrösten. Gemüsebrühe zufügen, mit Mandelmus und Apfelessig würzen, salzen und pfeffern. Die Konsistenz sollte schön cremig und nicht zu trocken sein. Da dieses Gemüse als Füllung verwendet wird, tendenziell leicht überwürzen.

Den Strudelteig entweder zwischen Frischhaltefolie oder auf einer leicht geölten Fläche rechteckig ungefähr auf 30-40cm wellen (wenn nicht zwischen Folie gewellt, dann zuletzt auf ein Backpapier setzen und dort final auswellen). Die Füllung der Länge nach auf das untere 3/4 des Teiges verteilen,  - dabei rechts und links einen Rand von etwa 3cm lassen, das obere Viertel mit Öl bepinseln. Die Ränder einklappen und mit Hilfe des Backpapier/ oder unteren Folie zu einem Strudel rollen.

Nochmals mit Öl bepinseln und auf der zweiten Schiene von unten ca. 35min backen. Zwischendrurch den Strudel nochmals mit Öl bepinseln.

Während der Strudel bäckt die Sauce zubereiten. Dafür den Sellerie putzen, schälen und in kleine Würfel schneiden. In der Gemüsebrühe gut weich kochen. Kurz vor Ende die Erbsen und die Minze zufügen, erhitzen und feinst pürieren. Mit Apfelessig und Mandelmus abschmecken. Salzen und pfeffern und die Sauce auf die gewünschte Konsistenz mit etwas Brühe mischen. Zusammen mit dem Strudel - und gerne einem schönen Rohkost-Salat - servieren.


Montag, 6. Januar 2020

Schokoladen-Spezial: meine Top Ten



In den letzten Wochen brauchte ich viel Schokolade. Deutlich mehr als sonst. Das Leben stand mir wie ein dicker Schurke auf der Brust und presste... Ich hoffe sehr, ich fange an ihn zu langweilen und er sucht sich jemand anderen zum Drücken. Wenn ich kurz etwas Luft bekam, schob ich mir ein Stückchen Schokolade in den Mund. Eine Art Überlebensstrategie. Gibt es bessere Nervennahrung als Schokolade? Echt, meine *Rescue-Tropfen* heißen Schokolade.

Ich finde ja, dass ein gutes Schokoladeneis mit etwas schmusig-aufgeschlagener Sahne eindeutig zu den Dingen zählt, die das Leben lebenswerter machen - für mich eine echte Lieblingssüßigkeit.

Zu den meist geklickten Rezepten auf diesem Blog gehören die Mousse au Chocolat-Törtchen, mein Schokoladen-Kuchen und die Sablés au Chocolat et fleur de sel. Alles Rezepte, die ich nur/ immer wieder/ ausdrücklich empfehlen kann. Alles Rezepte, auf die ich so selbst immer wieder zurückgreife. DUBBs. Ich musste mir in der Zusammenstellung wirklich auf die Finger schlagen - eigentlich gib meine Schoko-Ruprik nämlich deutlich mehr her... sie versüßt SO ausgezeichnet auch die guten Momente!









Samstag, 4. Januar 2020

Neujahrsansprache: Kürbis-Quiche mit Radicchio, Bleu und Birne


... und sie lebten glücklich und zufrieden* - so enden die meisten Märchen. Und daher erhoffe ich mir von 2020 für den Habib und mich *nur* Gesundheit und Frieden. Ansonsten nix. Wir sind ja ZU-frieden. Da muss nix mehr als Topping obendrauf: weder irgendwelche Lotteriegewinne, rauschende Sonderereignisse, Auszeichnungen und Ehrungen noch sonstige Spektakel. Alles gut wie es ist.

Was jedoch die Richtung angeht, in die unsere Gesellschaft mit viel Schwung driftet, bin ich alles andere als wunschlos. Ich weiß schier nicht, wo anfangen und wo enden. Egal woran ich ziehe: überall brennts.

Beginne ich mit dem Umgang mit Menschen und zwar im Speziellen mit der Kindererziehung. Sehr gut gefiel mit dieser Artikel im Dlf, dessen Hauptthese ist, dass eine Vielzahl an Kindern heute erziehungstechnisch völlig alleine gelassen werden mit der Konsequenz, dass 18jährige mit dem sozialem Reifegrad eines Kleinkindes ausgestattet sind. In dem leeren Raum - in dem Anarchie mit Freiheit verwechselt wird - wachsen Kinder ohne Bezugspersonen auf, die Werte vorleben und entsprechend Grenzen ziehen. Was aber zwingend von Nöten wäre, da sich viele wichtige soziale Kompetenzen nur dann entwickeln können, wenn sie von klein auf abverlangt und eingeübt werden (desweiteren siehe die Gedanken dazu hier).

Auch stimme ich der Kritik von Dirk Müller zu, dass die Kinder heute völlig unkontrolliert (und damit schutzlos) in den Weiten des WWWs unterwegs sind - spätestens im öffentlich angebotenen, kostenlosen WiFi. Und bei allen Vorteilen, die mit dem Aufwachsen von neuen Medien einhergehen, kann mir als Romantik-Beauftragte niemand erklären, dass da nicht etwas kaputt geht im jungen Gemüt, wenn vor dem ersten, unsicheren Kuß ein Porno steht. Gruselige Geschichte: Schüler tauschen Kinderpornographie über ihre Smartphone aus.

Lehrermangel bzw. allgemeiner Fachkräftemangel sind schon sehr lang bekannte Probleme. Allein: es wird nicht gehandelt und rechtzeitig entgegengewirkt. Nicht nur die Zustände in den Krankenhäusern offenbaren die Politik als einziges, großes Schmierentheater. Jeder, der in der letzten Zeit Patient in einem Krankenhaus war, kann Geschichten von eklatanten Defiziten erzählen. Ebenso wie die Ärzte oder das Pflegepersonal. Das sind menschenverachtende Bedingungen unter denen gearbeitet werden soll - ob Bildung, Heil oder Pflege betreffend: menschliches Miteinander rechnet sich nicht. Warum überhaupt müssen Krankenhäuser funktionieren wir ein Wirtschaftskonzern? Oder warum muss ein Altenheim Gewinne einfahren?
 
Warum sich nicht orientieren an Modellen, die optimalere Ergebnisse hervorbringen (meine Dauerfrage)?  Es gibt ja immer Beispiele, die aufzeigen, wie es besser ginge. Im Fall etwa eine effizienteren Vorsorge vor Operationen müssten wir nur ins Nachbarland Niederlande schauen. Oder für Impulse für ein besseres Bildungssystem finden sich in Neuseeland gute Angregungen. Deren Premierministerin führte by the way der ganzen Welt vor Augen, dass Argumente wie *politische Mühlen mahlen leider langsam* nichts anderes sind als Hinhalte-Taktiken im politischen Schmierentheater. Wo ein ECHTER politischer Wille da auch kurze Wege: Jacinda Ardern verbot in kürzester Zeit den Besitz von halbautomatischen Waffen.

Gehen wir weiter zu den Tieren. Muss ich noch etwas zu den Misständen in Massentierhaltungen sagen? Warum ist derlei Tierquälerei in dem heutigen, aufgeklärten Zeitalter überhaupt möglich? Das sind fühlende Wesen wie wir - wo sind wir gelandet, wenn man das erwähnen muss? Warum werden Betriebe durch Subventionen in eine derart falsche Richtung gelenkt? Warum wird Quantität gefördert und nicht Qualität kontrolliert? Und warum werden die Landwirte, die mit Geld in falsche Betriebsweisen getrieben werden, für die Konsequenzen (Nitrat belastetes Grundwasser, Pestizid verseuchte Böden...) an den Pranger gestellt und nicht die, die dieses System verursacht haben: Politiker samt Lobbyisten.

Als dramatischer Rundumschlag reicht ein Blick auf den Planeten als solchen - neben Artensterben und Abholzen der Regenwäldern finden sich hier ein paar erschreckende, aktuelle Zahlen, die jeden Optimist in einen Pessimist verwandeln müssen.

Es liese sich noch etwas anfügen zum Klima (habe ich ja schon) oder Verschmutzung der Meere, die Flüchtlingsströme, atomare Endlager...  - aber hey, ich muss keine weiteren Links sammeln. Für was?  Für wen? Es bedarf in keinster Weise einer journalistischen Meisterleistung nur um ein Mal den Kopf nach rechts oder links zu drehen. Wir WISSEN, was der Stand der Dinge ist. Und?

Nun ruft also die junge Generation *Hosiana, wir führen euch ins gelobte Land, wir lassen unseren Worten Taten folgen, halten dem herrschenden Kapitalismus unser Haupt entgegen, entsagen dem Konsum, bescheiden uns, kehren zurück zu Mutter Natur, pflegen ihre Geschöpfe und verhindern, dass wir dem Planeten beim Verrecken zuschauen.* Ich möchte es SO gerne glauben. Der Jugendpsychiater übrigens vom obig erst-verlinkten Artikel urteilt doch exakt über diesen Jugendlichen, er sei egozentrisch und lustorientiert: *Mit dem können Sie wunderbar reden, aber es hat sonst keine Konsequenzen.*

Klingt 2020 nicht mehr denn je nach Sience Fiction? Was seht ihr in eurer Glaskugel für die Zukunft? Seid ihr hoffnungsvoller als ich? Was sind eure Visionen, wenn ihr weiter in dieses Jahrtausend schaut?


Starte ich das kulinarische Bloggerjahr mit schöner, französischer Alltagsküche, mit einer Quiche. Mit ihr wärme ich eine alte -  einst von Bettina Matthaei inspirierte - Liebe auf, nämlich Obst in herzhaften Gerichten.

Zutaten - Tarteform 24cm Durchmesser:

Tarteteig:
70g Einkorn-Vollkorn
100g Dinkel 630
70g Butter, kalt in Flöckchen
50g Quark
25g Sonnenblumenkerne, etwas kleinergehackt
Salz, Pfeffer
etwas kaltes Wasser


Füllung:
400-450g Kürbis
1 rote Zwiebel
50g Radicchio
1/4 Birne
70g Bleu
3 Eier
100g Creme Fraiche
Salz, Pfeffer
Piment
Thymian
Olivenöl

Pesto aus Rauke und Sonnenblumenkernen

Zubereitung:

Die kalte Butter in Flöckchen zügig unter das Mehl arbeiten und dann aus sämtlichen Zutaten zackig einen homogenen Teig kneten. In Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Eine Tarteform buttern, Tarteteig auswellen und die Form mit Rand auskleiden. Mit einer Gabel mehrfach den Boden einstechen - und für ca. 15min in die Tiefkühle (verhindert, dass sich später beim Backen der Boden nach oben wellt)

Ofen auf 200°C (Umluft) vorheizen.

Die Zwiebel schälen, vierteln und in dünne Scheiben schneiden. Den Kürbis (je nach Sorte) schälen (oder nicht) und in Scheiben von 1/2cm schneiden. In Olivenöl die Zwiebel glasig dünsten, dann den Kürbis ebenfalls etwa 5min mit braten. Kurz vor Ende den in Streifen geschnittenen Radicchio zufügen. Salzen und pfeffern.

Die Eier verquirlen, Crème untermischen, mit Piment und Thymian würzen, die Birne in kleinen Stücken dazu geben, 3/4tel vom Bleu in Würfeln und alles salzen und pfeffern.

Zwiebel-Kürbis-Mischung auf den Tarteboden verteilen (einige schöne Kürbis-Stücke hielt ich zurück, um sie als Deko über dem Eierguß ganz zum Schluß zu verteilen). Den Eierguß über alles gleichmäßig gießen - verlesene Kürbisspalten und restlichen Bleu darüber verteilen. Die Tarte für ca 30-40min backen.

In der Zwischenzeit ein Pesto mixen aus Rucola, Sonnenblumenkernen, Sonnenblumenöl, Salz und Pfeffer - dazu braucht es keine exakten Mengenangaben, das kann man aus der Lameng machen...

Inspiration: Essen und Trinken


Dienstag, 31. Dezember 2019

Bonne Année 2020



*Harmonie in allem ist das Ziel, dem der Mensch eifrig nachstreben soll. Wie im Weltall so soll die Harmonie auch im Menschen - gleichsam einer Welt im kleinen - vorhanden sein.* (Pythagoras)


Genau das wünsche ich Euch für das kommende Jahr: Harmonie in rauen Mengen! Denn nur im Einklang, in der Eintracht, im Miteinander erschafft sich eine fruchtbare Atmosphäre, die die eigene Weiterentwicklung möglich macht, *unharmonisches Leben ist dem Untergang geweiht*.

In diesem Sinn: allen Besuchern, Lesern, Begleitern, Mitdenkern und Nachkochern dieses Food-Blogs ein schönes, friedliches, gesundes BONNE ANNÉE! Bis 2020 also...

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