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Apfelkuchen-Spezial: Apfel-Walnuss-Kuchen mit Zimtkruste

Sonntag, 29. Januar 2023

 

Eine der Fragen, über die ich grübeln kann, ist: *Du hast in deinem Garten nur Platz für einen einzigen Baum - welchen wählst du?* Ich finde das wirklich schwer zu beantworten. Es gibt so viele tolle Bäume! Und es kommt halt darauf an... Die Albizia habe ich erst in der Drôme kennengelernt. Der Seidenbaum besitzt wunderhübsch gefiederte Blätter und blüht in wuscheligen, elfengleich rosanen Puschel-Blüten. Und zwar im absoluten Hochsommer, genau dann wenn man sich besonders gerne im Schatten eines Baumes aufhält  Ehrlich, das ist ein Bild, wenn in einem Garten der Tisch unter dem Blütenzelt einer alten Albizia steht - da geht mir das Herz auf. Ein Baum, wie für diesen Anlaß gemalt.

Oder wie prächtig können Lindenbäume werden! Ich mag allein die Farbe, das Lindgrün, sehr und den Geruch der Lindenblüten sowie die beruhigende Ausstrahlung einer Linde, die nicht von ungefähr in dem alten Volkslied *Kein schöner Land* besungen wird.

Oder der Ginkgo, dessen Blätterkleid sich im Herbst unvergleichlich golden färbt. Ginkgo biloba ist eines meiner absoluten Lieblingsgedichte von Goethe, daran lasse ich mich nur zu gerne durch die Anwesenheit eines Baumes erinnern.

Oder wie erfrischend es ist, zu Fuße einer Eiche zu ruhen - hätte ich die Erfahrung im eigenen Garten nicht gemacht, ich hätte es nicht für möglich gehalten. Oderoder... Ich könnte viele Bäume aufzählen, auf die ich nicht verzichten wollte. Wie gut, dass unser Grundstück viele Bäume möglich macht. Wären wir begrenzter, würde ich mich vielleicht doch für den Klassiker entscheiden, den Apfelbaum, den Baum der Erkenntnis. Bemerkenswert finde ich ja zum Thema *Erkenntnis*, dass Erkenntnis etwas Unumkehrbares ist. Was man ein Mal etwas als *wahr* erkannt hat (Beispiel *heiße Herdplatte*) bleibt ewig. Man kann nicht so tun, als hätte es dieses Erlebnis nicht gegeben. Erkenntnis brennt sich buchstäblich ein. Erkenntnis läßt sich nicht wieder abschütteln sondern klebt im Gedächtnis.

Äpfel zählen zu den Lebensmitteln, die ich immer zuhause habe. Kein Porridge ohne Apfel. One apple a day... fällt mir SEHR leicht, mich daran zu halten. Ich esse schon immer gerne Äpfel. In meiner Kindheit hat die Oma vor dem Schlafengehen sehr oft als Bett-Hupferl noch einen Apfel ans Bett gebracht - in ganz dünne Scheiben geschnitten, die sich mit Milchzähnen besonders genüßlich knabbern ließen.

 


 

Man kann auch unmöglich genügend gute Apfelkuchen-Rezepte besitzen. Und dieser Apfelkuchen heute darf direkt in die Favoriten-Schublade. Die Inspiration dafür ging von Ulrike aka Küchenlatein aus, die das Rezept wiederum in der Los Angeles Times entdeckte, das dort als holländischer Kuchen präsentiert wurde aus einem traditionsträchtigen Café in LA. Ich buk uns direkt zwei - den einen für uns, der andere wurde mitgenommen zu einem Nachbarn, der von seiner Atlantik-Überquerung mit dem Segelboot erzählte. Das Kuchen-Mitbringsel kam super an, denn er ist weit raffinierter als ein einfacher Rührkuchen, in den ein paar Apfelschnitze untergemischt werden. Die Kruste wird super knusprig und teilweise bilden sich von dem Topping kleine Lava-Spuren Richtung Kuchenmitte. Und dann noch die verläßliche Kombi von Apfel mit Nuss, meine Sugar-Spice-Mischung, auf die ich so verrückt bin, in der Zimtkruste... bref: lecker!!

 

Zutaten 20er Form (20cm x 10cm 8cm) *:

Zimtkruste:
60g Butter, kalt
30g Mehl (m: Einkorn-VK)
2 TL Zimt (m: Sugar-Spice)*
50g Muscovado-Zucker
...
Kuchenteig:
120g Butter, weich
170g Rohrzucker (m: mit Vanille angesetzt)
2 Eier
75g Joghurt (od. Buttermilch/ m: 50g davon Ofen-Apfelmus)
240g Mehl (m: D630)
1 TL Natron
1/2 TL Salz
220g Apfel
60g Walnüsse, gehackt, geröstet

 

Zubereitung:

Für die Knusperkruste Zucker, Mehl und Zimt miteinander vermischen. Die kalte Butter flöckenweise einarbeiten, bis eine krümelige Masse entstanden ist (m: geht am besten von Hand).

Den Backofen auf 180°C  (O/U-Hitze) vorheizen. 

Eine Kastenform von : 20 x 10 cm x 8 cm (Achtung! siehe Anmerkung unten dazu) mit Backpapier auskleiden. Mehl, Backpulver und Salz mischen.

Butter und Zucker schaumig rühren. Ein Ei nach dem anderen zugeben, danach Vanilleextrakt und Buttermilch bzw. Joghurt unterrühren.

Die trockenen Zutaten in die flüssigen Zutaten geben und nur so lange rühren, bis sie sich gerade eben verbunden haben. Mit einem Gummispatel die Apfelwürfel und gehackten Walnüsse unterheben und in die vorbereitete Form geben. Die Zimtauflage darüber verteilen.

Die Form in den Ofengeben und ca 55 bis 60min backen, bis der Kuchen aufgegangen und ein Holzstäbchen sauber wieder herauskommt. Den Kuchen in der Form 15min auskühlen lassen, aus der Form nehmen und auf einem Kuchengitter komplett auskühlen lassen. Erst komplett ausgekühlt anscheiden.

Anmerkung m: Zur Kastenform: Ulrike verwendete eine höhere Kastenform wie ich. Wenn man meine kleinformatigere richtig mit Backpapier auslegt (20cm x 10cm 8cm)  funktioniert die auch gut - man muss nur das Backpapier ausreichend überstehenden lassen - ein Überstand von etwa 5cm plus, dann kann man die derart doppelt falten, dass 2cm überstehen (also den Überstand nicht ganz mittig falten) so bliebt 1cm bleibt, den man zurück in die Form klemmt zur Stabilität... verständlich? Bei mir funktionierte die Kuchenform bereits dank einfachen Überstand des Backpapiers. Für alle, die soetwas noch nie gemacht haben, gibt Ulrike eine tolle Anleitung dazu: Backpapier auskleiden

Quelle: Ulrike aka LA Times 

 

 

Als Goodie gegen graue Wintertage, habe ich euch ein Apfelkuchen-Spezial zusammengestellt - ein paar ausgesuchte und besonders geschätzte Rezepte. Selbst wenn es die Tourte aux pommes , der gedeckte Apfelkuchen mit den (bestenfalls) selbstgemachten Amarettini oder die Eierschecke mit Äpfeln nicht in die Bilder-Gallerie geschafft haben, kann ich sie euch trotzdem empfehlen. Selbst unter den heutig ausgewählten fällt es mir schwer, die TOP 3 zu benennen. Habt ihr ein echtes Apfelkuchen-Lieblingsrezept? Dann bitte raus damit und teilt mit mir!

 

       

       

       

     

      

       

       

       

Zeitenwende: Kürbis-Maultaschen mit Kürbis-Essenz

Donnerstag, 26. Januar 2023

 

Wo ich hinhöre, fällt der Begriff *Zeitenwende*. Von Umbruch ist die Rede und von einer herausfordernden Phase für den Einzelnen. Seltene Einigkeit - spartenübergreifend. Wobei dann wieder jeder *Zeitenwende*ganz anders auslegt. Ein polyvalenter Ausdruck also - passt gerade irgendwie immer. Egal mit welchem Bezug. Liegen tatsächlich umwälzende Veränderungen in der Luft? Welchen Eindruck habt ihr?

Unlängst wieß ich euch auf das Phänomen *Polsprung* hin - superspannend, alleine die Möglichkeit!!! (mindestens vier Ausrufezeichen)  Nun erhält diese Mutmaßung weitere Unterstützung von chinesischen Geo-Wissenschaftlern, von zwei Seismologen der Universität Peking: Hat der innere Erdkern seine Rotation verlangsamt?  Die Forschung bezüglich des Erdkerns ist mit mindestens ähnlich vielen Fragezeichen belegt wie genaueren Überlegungen bezüglich der Fortbewegungen des Planeten Erde im Weltraum.

Also die Ausgangsthese ist, dass selbst der innerste Erdkern (bestehend aus Eisen und Nickel) um die Erdachse rotiert. Die beiden Wissenschaftler wollen nun herausgefunden haben, dass sich die Bewegung des inneren Kerns relativ zur äußeren Hülle kürzlich verlangsamt hat, bzw. nahezu *pausiert* - was darauf hindeuten könnte, dass der Erdkern möglicherweise eine Wende seiner Drehrichtung erfährt. Oder anders gesagt: dass das Verlangsamen des inneren Kerns bis zu einer Rotationsumkehr führen könnte

Desweiteren gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Erdkern einige grundlegenden Eigenschaften unseres Planeten beeinflußt und mit anderen periodischen Veränderungen auf der Erde zusammenfällt, etwa auch mit nachweisbaren Klimaschwankungen. Aber wie die Veränderungen der globalen Durchschnittstemperatur und der Anstieg des Meeresspiegels zusammenhängt mit den Prozessen tief im Innern der Erde, zählt zu den vielen anderen nicht vollends geklärten Fragen unseres aktuellen Wissenstandes. Alles ist im Wandel... paßt als Aussage auch immer.

Tja, kann keiner behaupten, wir leben nicht in spannenden Zeiten. Zumindest für mich wäre es die erste Zeitenwende, an der ich teilnehme... 

 


Das Wetter läd ein, es sich drinnen heimelig zu machen. Lege ich doch direkt das nächste Pasta-Rezept nach. Vielleicht höhlt steter Tropfen den Stein und ich bekomme euch animiert zur Kochbastelei. Das Gericht scheint - anhand der Zutatenliste - sehr ambitioniert zu sein, aber gerade eine Bouillon kocht sich eigentlich nebenher. Und die Maultaschen schmecken selbstredend auch ohne eigens gekochte Brühe angebraten zusammen mit Salat etwa. Aber bei uns ist Suppenwetter, so dass ich mich für dieses Mal für den Klassiker entschied: Maultaschen als Suppeneinlage. Oder ebent etwas veredelt: Kürbis-Maultaschen in Kürbis-Essenz. Ein Gericht, das nicht nur graue Januartage aufhellt!

 

Zutaten 2P:

Maultaschen - 12 Stück:
Pastateig:
100g Mehl (m: 50g D1050/30g Hartweizengrieß/ 20g D660)
1 Ei
1 EL Öl

Füllung:
300g Kürbis (m: Butternut)
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
25g getrocknete Tomaten
2 EL Petersilie, fein gehackt
50g Saint Félicien
1/2 Brötchen vom Vor(vor)tag (ca. 30g)
1/2 Ei
ca. 25g Semmelbrösel
Salz, Pfeffer
Harissa

1/2 Ei zum Verschließen

Zubereitung:

Zutaten für den Pastateig zu einem homogenen, nicht klebenden Teig verkneten, in Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kühl stellen.

Brötchen grob würfeln, mit heißem Wasser übergießen, ca 5-10 min quellen lassen, dann gut ausdrücken. Getrocknete Tomaten ebenfalls mit heißem Wasser übergießen und quellen lassen, klein würfeln. Zwiebel und Knofi fein würfeln, den Kübis in etwa 1cm Stücke schneiden. Zuerst Zwiebel mit dem Knofi in etwas Butter anbraten, dann Kürbis zufügen ebenso die Tomaten und etwa 3-4 EL Gemüsebrühe. Deckel auflegen und bei kleiner Hitze weich garen - darauf achten, dass der Kürbis nicht anhängt... gegebenenfalls noch ein wenig Brühe zufügen. Kurz vor Garende die Petersilie untermischen. Etwas auskühlen lassen, dann vermengen mit Käse, halbem Ei, dem eingeweichten Brötchen und den Semmelbröseln. Salzen, pfeffern und mit Harissa würzen.  Nudelteig halbieren und mit Marcato auf Stufe 6 auswellen (dabei immer mit Hartweizenmehl arbeiten) - weiter von Hand rollen, so dass 2 Bahnen  à 45cm x 15cm entstehen. Füllung mit Hilfe eines kleinen Löffels mit je etwas Abstand dazwischen entlang der langen Seite des Teiges aufsetzen. Restliche Nudelteigbahn samt Zwischenabstände mit halbem Ei bepinseln. Nun von der langen Seite her - wo die Füllung sitzt - den Teig eng aufrollen. Von der Mitte her die Zwischenränder gut andrücken (von der Mitte her deshalb, damit die Luft entweichen kann). Die Maultaschen auseinanderschneiden und auf ein sauberes Küchentuch legen. Ergibt je 6 Stück  (also insgesamt 12 Stück) - ca. 10 min in der siedendenen Brühe (oder gesalzenem Wasser) ziehen lassen. Die Maultaschen halten dabei gut zusammen und trüben die Brühe kaum ein.

Anmerkung m:  Maultaschen passen auch gut zu Salat - wer mag, brät sie dazu in Butter an


Zutaten Kürbis-Bouillon/ Kürbis-Essenz:

Kürbis-Bouillon:
500g Kürbis
1 Zwiebel
1 Karotte
3 Knoblauchzehen
1 Stück Fenchel
1 Stück Sellerie
1 Stück Navet
1 Stück Lauch
1/2 TL Curry-Pulver
2 TL Koriander
1 TL Kreuzkümmel
6 Pfefferkörner
2 Lorbeer-Blätter
1 Zweig Rosmarin
1 TL Salz
Olivenöl
1l Wasser
100ml Weißwein 

Zubereitung:

Kürbis in 1 cm große Würfel schneiden. Zwiebeln und Möhren schälen. Zwiebeln und Möhren in 1 cm würfeln. Restliches Gemüse ebenfalls so vorbereiten. Zwiebeln kurz in heißem Öl anrösten, dann Koriander und Curry mitrösten, schließlich Gemüse dazugeben und ebenfalls kurz anbraten. Mit Wasser auffüllen, Wein anschütten, einmal aufkochen lassen. Restliche Gewürze sowie Salz (m: Bärlauchsalz) dazugeben und bei geringer Hitze ca. 1 Stunde ziehen lassen. Anschließend alles durch ein feines Sieb abgießen, abschmecken und nach Wunsch nachwürzen - etwa mit etwas hellem Balsamico, Tamari und Ahornsirup

Anmerkung m:  In eine Bouillon kann man wunderbar Gemüsereste verwerten/ zu zweit haben wir nur die Hälfte der Bouillon gebraucht, die andere Hälfte habe ich für diese chinesische Eier-Suppe mit schwarzen Bohnen verwendet/ prima machen sich auch noch ein paar extra gegarte Kürbiswürfelchen in der Suppe als zusätzliche Einlage

Topping:

3 EL Kürbiskerne
10 Blätter Salbei
2 EL Olivenöl
1 Pr Zucker
1 Pr Salz
Kürbiskern-Öl

Das Topping zubereiten: Kürbiskerne in Öl zusammen mit dem Salbei (von Mittelachse befreit und in Streifen geschnitten) knusprig braten, dabei würzen mit Salz und Pfeffer. Zum Servieren Brühe in 2 Teller geben, Maultaschen dazu und mit dem Topping und etwas Kürbiskernöl beträufeln.

Inspiration: Chefsculinar

 

Fangebaren: Tagliatelle mit cremiger, flambierter Maronen-Pilz-Sauce

Dienstag, 24. Januar 2023


Was kann man nicht permanent Gesellschaftstudie betreiben. Mein wahres Studium bleibt der Mensch, da bin ich ganz Goethe-Schülerin. Im Netz so gut wie im echten Leben. Frisch am Wochenende bin ich phänomenologisch mal wieder ins Straucheln gekommen.

Bei meinen Teilnehmer der ... zu Tisch mit # schaue ich in unregelmäßigen Abständen nach dem Rechten. Hey, ich bin schließlich Fan-Girl, obendrein habe ich prinzipiell ein treues Naturell. Bei Guido flachte sich die Begeisterung deutlich ab, weil der lang nicht mehr so erfrischend erheiternd ausdünstet wie zu Beginn meiner seiner Entdeckung, mais bon... Mady macht ihr Ding hingegen nach wie vor super, finde ich. Ich stehe seltener mit ihr auf der Matte, da ich längere Einheiten vorziehe. Aber die wuppt zusammen mit ihrem Freund alleine das Unternehmen *Morrison* und das machen die entschieden gut. Immer um das Prinzip *Good vibes only* bemüht. Gerade wenn ich das vergleiche mit einem anderen Yoga-Pärchen, bei dem ich ab und an vorbeisehe, die nun einen ganzen Mitarbeiterstab für ihre Ich-AG beschäftigen. Da ist mir die Mady sympathischer in ihrem Geschäftsgebaren, die es zudem schafft, ihre Privatsphäre privat zu halten - ohne dass ihr das schaden würde.

Nun hatte sie vor einem Vierteljahr ihre erste Merch-Klamottenserie herausgebracht, die binnen einer Stunde ausverkauft war. Und jetzt am Sonntag erging es ihr mit der Nachproduktion nicht anders. Schöne, selbstentworfene Teile - das Moon-Shirt hätte ich jederzeit spazieren getragen. Kurzum: ein sensationeller Erfolg! Im Vorhinein hatte Mady stets erklärt, dass diese Produktion natürlich ihre Grenzen hat, nachhaltig produziert, 2-Personen-Unternehmen ectpp... Alles leicht nachzuvollziehen.

So, nun kommt der Stolperstein: weil viele Anhänger ihrer Community erneut leer ausgingen, wurde Mady überschüttet mit Hass-Nachrichten. Ist das strange? Okay, man ist enttäuscht, weil man sich vielleicht auf einen Pulli gefreut hat, aber das triggert dann ein solches Verhalten? Verstehe ich nicht! Man ist Fan, man will sich mit Mady-Fan-Artikel kleiden und das der ganzen Welt zeigen - und dann dreht sich das von einer Sekunde auf die andere... Ich hätte ja nix dagegen, wenn die allgemeine Frustration-Grenze genauso tief sitzen und umgehend Reaktionen hervor rufen würde, wenn es um Krieg und Frieden geht. Aber wegen Klamotte?

Das gruselt mich dann doch. Eben noch Hosianna und bums, schon wird man fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Direkt fällt mir eine andere kleine Anekdote von unterwegs ein, die ganz gut in den Zusammenhang passt. Ein junger, katholischer Pfaffer wurde gefragt, wie er sich denn seine berufliche Zukunft vorstellt im Hinblick auf die rasanten Kirchenaustritte. Seine Antwort beeindruckte mich nachhaltig: Nun war die Geschichte von Jesus auch keine Erfolgsgeschichte. Wer blieb denn am Ende unterm Kreuz übrig?

 Schon irgendwie es fürchte die Götter das Menschengeschlecht



Kommen wir zu erfreulicheren Dingen. Frische Pasta. Mit frischer Pasta koche ich mich zuverlässig glücklich. In mir müssen irgendwo italienische Gene schlummern. Alleine in der Warteschleife stapeln sich wieder mehrere Rezepte mit frischer Pasta - nicht von ungefähr: die Kategorie *Pasta* ist im Blog-eigenen Universum gut gefüllt! Pastateig habe ich schon derart oft zubereitet, den schüttel ich euch aus dem Handgelenk! Mit verbundenen Augen! Mit der rechten Hand auf den Rücken gebunden! Mindestens!

Diese Sauce, die mit Cognac flambiert wird, erinnert mich an ein simples aber wirkungsvolles Rezept mit Schweine-Filet, Zwiebeln und Äpfeln, das ebenfalls mit Cognac flambiert und dann mit Sahne abgelöscht wird. Das bekam ich vor Äonen mal als Gast serviert und hinterließ schicken Eindruck allein durch die kleine Show-Einlage mit dem Flambieren. Fleisch bereite ich uns schon lange nicht mehr zu, aber gegen das Flambieren spricht nix. Herausgekomme ist ein echtes Sonntagsessen, das ich zu Zorras Event Nummero CXCIII *Happy Bubble - Koch dich glücklich* beisteuere, das Maria aka das Landmädel dieses Mal ausrichtet. Mit Happy-Garantie!


Zutaten 2P:

Tagliatelle:
150g Kamut-VK
50g Dinkel 1050
2 Eier
1 EL Olivenöl

Sauce:
1 große, rote Zwiebel
1 Knoblauchzehe
250g Champignons
200g Maronen*
2 Lorbeer-Blätter
1 TL Thymian, getrocknet
70ml Cognac
150ml Sahne
ca. 100ml Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
1/2 Zitrone, etwas Saft und Abrieb davon
Olivenöl
zum Bestreuen: Petersilie/ Schnittlauch


Zubereitung:
 
Die Pasta wie hier beschrieben verarbeiten, zu Stufe 6 von 7 auswellen - dabei immer mit Hartweizenmehl arbeiten (das verhindert das Kleben der Nudeln aneinander und später im Kochwasser), auf der Arbeitsfläche noch etwas dünner rollen und schließlich zu Tagliatelle schneiden. Auf einem sauberen Küchentuch ausbreiten und mit einem weiteren abdecken. 
 
Die rote Zwiebel schälen, in 1cm Stücke würfeln und in einer breiten, tiefen Pfanne in Olivenöl mit Geduld golden rösten. Parallel die Pilze putzen, und je nach Größe halbieren und in Scheiben schneiden. Die Pilze und den feingehackten Knofi zu den Zwiebeln geben, mit Salz und Pfeffer würzen und ca. 10min weiterbraten.
 
Den Cognac angießen und flambieren (anzünden, idealerweise mit einem langen Streichholz). Pilzmischung garen, bis der Alkohol verkocht und die Flamme erloschen ist.

Thymian, Lorbeerblatt, Maronen, Sahne und Gemüsebrühe dazugeben und verrühren. Etwa weitere 10 min eindicken lassen.

Zitronenabrieb und 1 TL Zitronensaft untermengen, gegarte, abgetropfte Pasta untermischen und zum Servieren mit gehackter Petersilie bestreuen.
 
Anmerkung m: ich habe halb selbstgeschälte Maronen halb gekaufte, gegarte Maronen verwendet - eigene schmecken schon deutlich besser/ eine halbe, in kleine Stücke geschnittene Birne macht sich in der Sauce als Variante bestimmt gut
 

Knusperknusper: blättriges chinesisches Käse-Pfannenbrot

Sonntag, 22. Januar 2023

 

So unaufwendig wie dieses Pfannenbrot auf den Weg zu bringen ist, so nochalant  reiche ich euch heute das Rezept dazu. Für die Vegetarier unter meinen Bloglesern ist das eine echte Alternative zum geliebten Sansibar-Chapati.

Begeistert hat mich zum einen die tolle Knusprigkeit und die ausgefuchste Zubereitung. Für vier Brote ist der Teig ausgelegt und der ist schnell zusammengeknetet. Auch beim Ausrollen gibt es einen Abkürzungstrick: zuerst werden die vier Fladen auf eine bestimmte Breite vorausgewellt, dann einfach aufeinander gelegt und auf diese Weise bis zur Strudelteig-Dünne weitergerollt. Aber ja: siehe Rezept.

Mehr brauche ich euch als zusätzliche Erklärung gar nicht an die Hand geben. Damit kann man ein Salat-Plus-Essen ebenso gut bestreiten wie jedes Gericht, bei dem eine Knusper-Komponente oder eine Sättigungsbeilage fehlt. Bref: Prädikat *spitze*! Und gute Gelegenheit auch an das *Garlic-Naan* zurückzuerinnern!

Ein chinesisches Rezept passt gut heute: Happy New Year, ein schönes Jahr im Wasser-Hasen. Das Zeichen des Hasen steht in der chinesischen Kultur für Langlebigkeit, Frieden und Wohlstand. Chinesische Wahrsager erwarten ein Jahr voller Harmonie und Konfliktlösung - da nehmen wir gerne das Komplett-Paket, oder?

 


Zutaten 4 Stück:

150g Mehl (m: T65)
95g Wasser
1/4 TL Salz

80g Grün von Frühlingszwiebeln
1 Pr Backpulver
50g geriebener Käse (m: Comté)

20g Mehl
20g Maisstärke
20g Demi-Sel-Butter, flüssig
Sonnenblumenöl 


Zubereitung:

Aus den ersten drei Zutaten einen geschmeidigen, homogenen Teig kneten - geht gut per Hand. Dann diesen abgedeckt 10min ruhen lassen.

Das Grün der Frühlingszwiebeln in feine Röllchen schneiden. Mit einer Prise Backpulver überstreuen - das soll die grüne Farbe der Zwiebeln beim Backen erhalten. 

20g Mehl mit 20g Maisstärke mischen Den Teig in vier gleichgroße Stücke teilen. Die einzelnen Stücke straff rund wirken/ falten. Dann nacheinander die Teigstücke auf der Mehl-Maisstärke-Mischung rund wellen auf einen Durchmesser von ca. 18cm. Wenn alle diese Größe haben die Kreise bepudert mit der Mehl-Mischung aufeinanderlegen und so gestapelt weiter auswellen auf ca. 28cm Durchmesser - alle vier sind nun Strudelteig-dünn.

Einen Fladen nun glatt auf der Arbeitsfläche auslegen, mit der Butter bestreichen, Frühlingszwiebeln und Käse darüber streuen. Ein Drittel nach innen umklappen, das andere Drittel von außen drüber legen. Den Teigstreifen nochmals mit Butter bepinseln und wieder ein Drittel nach innen klappen und das andere Drittel darauffalten. Mit allen vier Fladen so verfahren, so dass nahezu viereckige Fladenbrote entstehen.

In heißem Öl von beiden Seiten golden knusprig braten - die Fladenbrote bleiben selbst beim Warmhalten im Ofen schön crunchy.

Quelle: Youtube - Helly's Simple Recipes

 


 

Freundlichkeit: chinesische Eiersuppe mit schwarzen Bohnen

Freitag, 20. Januar 2023

 

Ich bin Freund der Freundlichkeit. Oder hänge ich es tiefer auf: der Höflichkeit. Des Benimm. Der guten Kinderstube. Keiner will zurück zur starren Förmlichkeit, die Herr Knigge bestimmt. Nehme ich ein Beispiel aus meinem Erleben bei Vinted, der Monopol-Plattform für Second-Hand-Klamotte. Da gehts ja erstmal um nix. Ich deale schließlich nicht mit Hermés-Taschen oder der gleichen. *Kleckerles-Beträge* hätte die Oma das früher genannt. Eben nix, was einen reicher oder ärmer macht. Aber der Umgangston dort manchmal... Ist eine Grußformel zu viel verlangt? Ganze Sätze? Ausgeschriebene Worte? Ein Bitte oder Danke? Gerade wer sich als potentieller Kunde einführt tut so, als müsse der andere jetzt die Bitch spielen, nur weil er mit dem Geldschein wedelt? Da habe ich doch direkt keinen Bock mehr. Echt, kein Verständnis für so ein Gebaren. Gratulation, Kapitalismus verinnerlicht!

Das möchte ich abgrenzen von der erlebten Fielmann-Kundenfreundlichkeit mit Trainingscamp direkt im Vorhof der Hölle. So viel Falschheit schlägt einen ja regelrecht in die Flucht. A la *Man spürt die Absicht und ist verstimmt*. Dann ziehe ich wortkarge Stoffeligkeit wieder vor. Lieber echtes Leben als gefaktes. Sehr verläßlich eigentlich das Uralt-Prinzip von *Wie man in den Wald reinschreit, so schreit es zurück* - darüber kann man durchaus ein wenig sinnen...

Vielmehr rede ich von einem Umgang wie in der einen Werbung im deutschen Fernsehen vor Weihnachten: man denkt einen kleinen Moment mit für jemanden, läßt einen Fremden mit nur zwei Sachen in der Hand an der Kasse vor, trägt einer Omi die schwere Tasche die Treppe hoch, hält die Bahn auf, damit ein anderer noch reinspringen kann - der gute alte Pfadfinder-Spirit, ihr wißt schon... By the way: bin ich die einzige, die das befremdlich findet, dass eine Supermarktkette damit wirbt?

Ben, ich komme darauf durch eine kleine Begebenheit gestern, als ich durch die engen Straßen von Crest - dem nächsten Kleinstädchen - gefahren bin. Erst drückte ich mich an einer Baustellenraupe vorbei, um dann beim Abbiegen festzustecken zwischen zwei Lieferwägen; der eine einfach an die Hauswand geklemmt. Als ein Bauarbeiter mir entgegenkommt, lasse ich das Fenster runter und bitte ihn, mit diesem doch ein Stück vorzufahren. Der schüttelt bedauernd den Kopf als Antwort und sagt, das sei nicht sein Wagen. Mein Gesicht drückt *Argghhh!!!* aus. Er stuzt kurz und meint: *Komm', das passt schon, ich lotse dich durch!* Er drückt meine Außenspiegel rein und winkt mich geduldig durch die verstellte Passage. 

Hach, GROS Bisou! Das ist halt auch was, das einem im ländlichen Frankreich gar nicht mal selten begegnet, eine Art von Ritterlichkeit Frauen gegenüber, Galanterie, Charme-Offensiven mit kleiner Blinzelei - das weiß ich sehr zu schätzen, weil ich mag das pas de deux-Spiel der Geschlechter.

Und genau das meine ich. Was kann ein Lächeln manchmal entwaffnend wirken (ja, bei einem waschechten Bämul kann man es wieder stecken lassen), aber mir fallen leichterdings viele Situationen ein, die mit Freundlichkeit entweder entschäft wurden oder auf beiden Seiten gute Laune bewirkten. Ich für meinen  Teil habe festgestellt, dass man sich den Alltag mit exakt solchen Momenten ein kleines bißchen schöner machen kann und dieses Quäntchen lasse ich mir nicht entgehen.

 


Einen kalten Tag bekommt man wunderbar geboostert mit einer schönen Suppe. Diese Suppe ist sogar schnell gemacht und ist der raffiniertere Bruder einer echten Omi-Suppe. Der kleine Dreh hier ist, dass man die Brühe ein wenig anbindet, was ihr direkt mehr Schmelz verleiht. Und der unerwartete Star am Tellerrand - das blättrige und super knusprige chinesische Pfannenbrot - reiche ich euch am Sonntag dazu...

 

Zutaten 2P:

80 g kleine Shiitakepilze
2 Frühlingszwiebeln
2 Scheiben Ingwer
1 Knoblauchzehe
2 EL Öl
800 ml Gemüsebrühe* (m: selbstgemacht)
200g schwarze, gekochte Bohnen
4 EL Sojasauce
Reisessig
1 TL Speisestärke
2 Eier (M) (m: 1 großes)
Salz
Essig nach Geschmack
150g Gemüseinlage (m: Rest Kürbis und Rosenkohl)
60g Gersten-Graupen, gekocht*
Sesamöl

 

Zubereitung:

Shiitake vom Stiel lösen, größere Kappen halbieren. Den unteren Teil der Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden. Ingwer schälen und zusammen mit dem Knoblauch fein würfeln.

Öl in einem Topf erhitzen, die Pilze darin kurz anbraten. Knoblauch und Ingwer zugeben und hellbraun braten. Klein geschnittene Gemüsebeilage zufügen, Gemüsebrühe zugießen und aufkochen. Die Bohnen ebenfalls in den Topf geben, außderdem die gekochten Graupen - 5 Minuten offen köcheln lassen.

Sojasauce mit 1–2 Teelöffel Reisessig und Speisestärke glattrühren und in dünnem Strahl unter die kochende Suppe rühren, dabei bindet die Suppe leicht. Die Eier mit einem Schneebesen gründlich verquirlen und ebenfalls im dünnen Strahl in die Suppe geben, die Suppe dabei langsam rühren. 

Die Suppe mit Salz, eventuell noch etwas Essig und wenigen Tropfen Sesamöl abschmecken. Die grünen Frühlingszwiebeln in feine Röllchen schneiden und über die Suppe geben.

 

Anmerkung m: ich habe die Gemüsebrühe selbst gekocht - werde ich in zukünftigem Beitrag noch verlinken/ die schwarze Bohnen kochte ich mit einem Stück Kombu-Alge/ die Gerste kochte ich extra - am Vortag eingeweicht, am Suppentag 15 min in frischem Wasser köcheln und dann zugedeckt ziehen lassen - ursprünglich ist die einzige Suppen-Einlage der Suppe Pilze, Eier und Bohnen

Inspiration: Effilee

 

Killing you softly: Schoko-Cookies der besonderen Art

Sonntag, 15. Januar 2023


Viele in unserem Dorf haben Probleme mit ihrem unmittelbaren Nachbarn. Das brachte mich zu der Theorie, dass für Beziehungen der richtige Abstand entscheidend ist. Kaum ist zumindest ein Haus dazwischen, steht es oft schon wieder deutlich besser um die gegenseitige Sympathie.

Irgendwie ähnlich wie mit Atomkraft - hat keiner wat dagegen, solange er nicht direkt neben dem Pfeiler leben muss. Ja, überzeichnet, ist klar, aber damit ihr die Richtung kriegt.

Oder anderes Beispiel. Gehen wir ins Tierreich. Nehmen wir das Nilpferd: planschender, dauerbadender Vollblutvegetarier. Der Habib, der alte Abenteurer und Weltenbummler, kann aus seinem Repertoire der schönen und ungewöhnlichen Tiergeschichten auch ein Erlebnis mit Nilpferden beisteuern. Und zwar campierte der Habib in Afrika am Flußufer des Nigers. Mitten in der Nacht wachte er oben in dem Dachzelt seines Jeep's auf, aufgeweckt von seltsamen Geräuschen. Er steckte den Kopf aus dem Zelt und sah eine Herde Nilpferde ums Auto grasen - die mit Inbrunst furzten und rülpsten. Kinder lieben diese Stelle der Geschichte sehr. Doch wehe, wehe man kommt dem bulligen Nilpferd zu nahe. Dann stellt sich umgehend raus, dass ein Nilpferd erstaunlich schnell rennen kann und über eine immense Beißkraft verfügt. Mehr als hundert Menschen sterben aufgrund von Nilpferd-Attacken jährlich, weil sie den (zugegen großzügig) benötigten Rhinozerus-Radius von hundert Metern unterschreiten - was das Nilpferd damit gefährlicher macht als einen Löwen. Heißt: Koloß Hippo ist nur so lange friedlich, bis man ihm nicht in der Aura steht.

Ich finde, jedes Miteinander (und zwar egal welcher Art) lebt davon, einen gewissen Zirkel nicht zu unterschreiten. So kompliziert ist es dann auch nicht: jeder hat seine Grenzen, und die gilt es zu respektieren. Tja, und dann sind wir halt wieder bei Themen wie Einfühlungsvermögen, Sensibliltät, Empathie, Respekt, Akzeptanz usw. Keiner kann leiden, wenn er übergangen wird. Keiner freut sich, wenn rote Linien überschritten werden, wenn man ihm auf den Zehen rumtanzt.

Nicht sehr förderlich für die nachbarschaftlich guten Kontakte ist in Frankreich der Tatbestand, dass die Dokumente des Katasteramts nicht juristisch bindend sind. Wobei es die Behörde hier eh noch nicht allzu lange gibt und manche Daten durch GPS neuerdings wieder korrigiert werden müssen. Davor einigten sich die Bauern untereinander (oder eben nicht) und es ging ähnlich zu, wie es Goethe in einem der beiden Wilhem Meisters beschreibt: zu Grenzsteinsetzungen wurden ein paar Buben der umgebenden Gemeinden dazugezogen und die bekamen bei der Gelegenheit eine ordentliche Backpfeife verpaßt, damit sie sich auch noch in ein paar Jahren gut erinnern konnten, wo genau der Grenzstein palziert wurde.

Als Deutscher kann man sich ein derart laxes Regelement schwer vorstellen. Leicht auszumalen allerdings läßt sich, mit wieviel Scharmützel das einhergeht. Tsss, Insidergeschichten von ehemaligen Bürgermeistern (nicht allein aus unserem Dorf) könnte ich wiedergeben, wie sich Nachbarn über Jahre bis aufs Messer stritten wegen  Wegerechten, versetzen Grenzsteinen, falsch plazierten Hecken... und der französische Gerichtsapparat zeigt sich in diesen Fragen zäh, langwierig, verschachtelt und kompliziert.

Naja, wie sagt Schiller: *Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt* Oder noch besser bringt es für mich Wilhelm Busch auf den Punkt:

Wer anderen gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken;
wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.

Es trennt sie nur ein leichter Zaun, die beiden Sorgengründer:
Zuwenig und zuviel Vertraun sind Nachbarskinder

Wohl dem, der weiß, wem er die Tür einladend öffnen kann und wen er besser mit der Bohnenstange auf Abstand hält. Das gilt für Nachbars wie für alle anderen Menschengeschöpfe, das gilt auf dem Dorf wie in der Stadt. Der Unterschied auf dem Dorf ist: man kennt seine Pappenheimer.

 

      


Schwierig zu sagen, auf welcher Seite des Zauns ich stehen will, wenn es um die verschiedenen Texturen von Keksen geht. Ich mag sie genau so gerne crunchy wie chewy. Diese Cookies fesselten meine Aufmersamkeit direkt, weil sie mit ungewöhnlichen Zutaten aufwarten wie Miso, Apfelmus und Kokosmilch. Ein solches Rezept musste auf jeden Fall einem Selbstversuch unterzogen werden.

Fazit: diese Cookies werden alle lieben, die sich angezogen fühlen von dem Kontrast süß-salzig, die gerne Schneebesen und Teigschüssel abschlecken und die bei Schokolade prinzipiell schwer *Nein* sagen können. Oder die wie ich halt doch eine Schlagseite haben zu all den Kuchen im *Brownie-Style*.

 

Zutaten Schoko-Cookies mit Miso, Apfelmus und Kokosmilch - 19 Stück:

110g Butter, weich
220g Rohrzucker (m: Muscovado)
60g Apfelmus (m: Ofen-Apfelmus mit Muskatblüte)
60g Kokosmilch
1 EL helles Miso (m: 1 TL dunkles Miso)
310g Mehl (m: T65)
5g Natron
200g dunkle Schokolade (m: 70% Schoko)

 


 

Zubereitung:

Die weiche Butter mit dem Zucker mit Geduld schaumig aufschlagen. Apfelmus, Kokos­milch und Miso-Paste dazugeben und weiter ­aufschlagen, bis eine homogene Masse entstanden ist. Mehl und Natron hinzufügen und alles zügig zu einem glatten Teig verarbeiten. Die Schokolade klein hacken und die Schokoladenwürfel unterrühren. Den Teig zugedeckt für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen (m: über Nacht). 

Den Backofen auf 180 Grad (O/U-Hitze vorheizen. Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen. Die Teig portioniern à ca. 50g und rund rollen. Dann die Kekse mit Abstand auf das Backapier setzen und etwas platt drücken (1 Blech mit 12 Keksen, das zweite mit 7 Keksen).

Die Bleche (m: nacheinander) für ca. 12-14min backen. Die Kekse sollten breiter gelaufen sein, die Oberfläche mit leichten Rissen und beim Anfassen bereits fest. Auf dem Backpapier auskühlen lassen. Wenn man die Kekse aus dem Ofen holt, scheinen sie innen und auf der Unterseite noch zu weich sein. Sind sie aber vollständig ausgekühlt, dann sind sie perfekt soft.

*Anmerkung m: gekühlt schmecken mir die Kekse am besten!

Inspiration: SZ 

 

die Worte des Propheten mit der Botschaft der Liebe heute auf unserem *Insta*

12 von 12 - Januar 2023

Donnerstag, 12. Januar 2023



*Wenn Stadt dann 'Die'*, pflege ich zu sagen, und meine damit *wenn in einer Stadt leben, dann in Die.* Die ist eine meiner liebsten Kleinstädchen in der Nähe. Zum Wochenmarkt habe ich euch schon mitgenommen (tssss, vor 10 Jahren... Kinners, die Zeit vergeht). Die liegt riesig malerisch zum Fuße des Hochvercors und neben der Drôme (ich kann mich nur wiederholen), noch ein Takken mehr JWD wie wir, hat schnuckelige Gässchen, schöne alte Holztüren, kleine Läden, die unmöglich eine Existenz hergeben können und idyllische Cafés. Die beheimatet ein buntes, alternatives Völkchen. Oder anders gesagt: Die versammelt Hippies, Ökos, Aussteiger, Arbeitslose, Künstler, Touristen, Rentner und Großfamilien. Ich bin total gerne in Die.

So habe ich mich auf heute gefreut, denn ein Termin morgens nach dem Porridge (erspare ich euch) zog uns dorthin, der anschließend aber Zeit genug ließ, durch die Straßen zu schlendern (im Schildkrötentempo s.u.) und bei vorfrühlingshaften Temperaturen (eindeutig zu warm für die Jahreszeit) einen Café in der Sonne zu trinken. Und weil in Die zufälligerweise auch noch mein Lieblingsresto ist, wurde ich dorthin zum Mittagessen ausgeführt. Das *Les petits fourneaux* wollte ich euch eh schon längst mal vorgestellt haben - allein, wir waren nun schon so oft dort... ich muß halt einfach irgendwann mal ein paar Fotos zusammenstellen und versuchen bei der Gelegenheit den Mädels vom Fourneaux einer meiner Lieblingsrezepte aus dem Rücken zu leiern. Wie die beste Veggie-Bouillon ever. Oder ihr glace à cardamome. Oder den confierten Navet... Noch gar nie sind wir dort rausgegangen und waren nicht rundum zufrieden. Für 14 Euro für eine frische und mit Hingabe gekochte plat du jour - ein schwer zu toppendes Angebot!

Auf kurvigen Straßen ging es dann wieder nach hause. Heute abend ohne Yoga. Ich habs vor drei Tagen übertrieben (tja, wohl überambitioniert) und mir übelst das Hüftgelenk gezerrt (ohne es direkt zu merken). Jetzt gilts die Füße still zu halten - was mir nicht leicht fällt (bin doch mehr Yoga addicted als ich mir manchmal eingestehen mag). Und im Garten konnte so auch nix mehr geschnitten werden, obwohl ich mich bei den Temperaturen mit dem Schnitt der Rosen ranhalten sollte. Hier blühen vereinzelt bereits Gänseblümchen. Mais bon, wird sich schon in den nächsten Tagen finden!

Was haben andere so erlebt heute? Eindrücke davon sammelt wie jeden 12ten des Monats Caro von *Draußen nur Kännchen*.


Und weil ich heute nicht groß springen kann, der Tag in Die vergnüglich war, in Die sich die hübschen Motive nur so nebeneinander reihen und ich ja allerneuerdings Insta bespiele, gibt es dort auf meinem Account für dieses Mal Bonus-Material als Goodie!

Ausgleich: Holzfäller-Teller

Dienstag, 10. Januar 2023


Im Garten mußten wir die Krone eines Baumes stutzen, sie war einfach zu mächtig gen Himmel gewachsen. Dabei warfen die Blätter allzu viel Schatten und der Baum steht in Hinblick auf Stürme einfach zu dicht am Haus. Mit der Zeit nun biegen sich die verbliebenen und nachwachsenden Zweige wieder in eine Art bauchige Zwiebelform. Sie geben ihr Möglichstes, um die Lücke zu schließen. Und es muß doch mehr als erstaunen, dass ein nahezu halbierter Baum in der Lage ist, ein solches Trauma zu bewältigen. Durch den Wunsch und die Kraft des Ausgleichs! Mich beeindruckt das sehr.

Anlaß, sich ein bißchen Gedanken zu machen zum Thema *Auslgeich*, einem Grundgesetz der Natur. Arthur C. Clarke (ihr wißt, schon, der, der unter anderem *Odysee im Weltraum* schrieb*) sagte: „Die Natur sorgt stets für einen Ausgleich ihrer Bilanz“ und bezog sich damit auf die Tatsache, dass Energie im Universum erhalten bleibt: sie kann nicht aus dem Nichts auftauchen oder im Nichts verschwinden. Naja, Energieerhaltungssatz und so - davon hat man ja ebenfalls schon gehört.

Und vermutlich kann man diese Gesetzmäßigkeit ebenso auf den Menschen übertragen. Ein Menschlein kann ein Leben lang viel Mist, Blödsinn und Unfug anstellen... aber irgendwann sollte das zu einer Umkehr führen, ansonsten sorgt das Leben dafür, dass das Pendel in die andere Richtung ausschlägt. Nur so läßt sich auch Karma verstehen. Eine Geschichte wird so lange in unterschiedlichen Rollen durchdekliniert, bis etwas, das aus dem Lot geraten ist, wieder zurück in ein Gleichgewicht findet, so lange, bis das menschliche Irren sich wieder mit Wahrheit verbindet. Oder es wird chronisch und führt damit zwangsläufig in die Krankheit, ins Verderben, in die Katastrophe.

*Die Natur versteht keinen Spaß, sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge, sie hat immer recht und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen*  trägt mein Altmeister Goethe zu dem Thema bei, der ja zu allem etwas Kluges mit viel Überblick in Worte fassen kann. Nicht schwer zu verstehen: man darf sich nicht ungestraft gegen die Gesetze der Natur stellen oder sie nach Belieben verdrehen!

*Die ganze Natur ist eine Melodie, in der eine tiefe Harmonie verborgen ist. Die Natur schafft ewig neue Gestalten; was da ist, war noch nie da, was da war - kommt nicht wieder - alles ist neu und dennoch immer das Alte.* Ach, Streben nach Harmonie - ist das so schwer?


 

Der Habib hatte Burger essen müssen (demnächst in diesem Kino) - Burger lösen höchstens eine Semi-Begeisterung bei meinem Gegenüber am Tisch aus. Zum Ausgleich versprach ich ihm am Tag darauf eine seiner Leibspeisen: Bratkartoffeln Holzfällerart, mit denen er einst eine Runde Kinder in Verzückung zu versetzen wußte. Und mit diesem seinem Rezept haben wir hier immerhin schon eine Bratpfanne gewonnen - eine Geschichte, die der Habib sehr gerne erzählt.

Aber was zu seinen Bratkartoffeln? Petra hatte auf Stevan Pauls Käse-Rührei verwiesen, welches nicht gerührt sondern geschoben wird. Das sollte doch gut zusammenpassen und ist außerdem eine schöne Anregung, ein ganz simples Essen wie Rührei mal anders auszuprobieren. Damit auch der Gemüse-Hunger nicht zu kurz kommt, gabs außerdem noch den ofenkaramellisierten Rosenkohl mit Miso dazu, den Susanne bei sich anschwärmte - ein Lieblingsgemüse des Habibs. Tja, und was soll ich sagen: es blieb kein Krümelchen mehr übrig. Soolfood für alle Holzfäller und die, die es werden wollen.

 

Zutaten 2P:

1 Portion Bratkartoffeln Holzfällerart (m: etwas verschlankt ;))

ofengerösteter Rosenkohl mit Miso:
400g Rosenkohl
30g Butter, weich
3 TL helles Miso (m: dunkles*)
1/2 Limette, Saft davon
1 EL Sesamsaat, geröstet
1 EL Rapsöl

*geschobenes* Käse-Rührei
3 Eier
1 Stich Butter
40g Käse (m: St. Nectaire)
1 Frühlingszwiebel
einige Würfel roter Paprika
Salz, Pfeffer

 

Zubereitung:

Mit dem Rosenkohl beginnen, dafür den Rosenkohl putzen und halbieren. Öl in eine Auflaufform gießen, Kohlröschen darin wenden, leicht salzen, Form in den Ofen schieben, auf 180°C Umluft stellen und den Rosenkohl ca. 25min rösten.

Butter mit Miso und Limettensaft in eine Schüssel geben, alles mit einer Gabel gut vermengen und mit Pfeffer würzen - nach 25 min die Buttermischung über den Rosenkohl verteilen, alles gut durchmischen und weitere 5-10 min rösten, bis der Rosenkohl karamellisiert ist und glänzt. Wenn nötig, mit Salz abschmecken und dann mit Sesam bestreut servieren. 

Parallel die Bratkartoffeln in die Pfanne werfen.

Zuguterletzt das Rührei zubereiten. Dafür die Eier in einer Schüssel nur anklebbern. Butter in einer Pfanne bei mittlerer Hitze schmelzen und das Ei zufügen. Ei leicht anstocken lassen, dann das Ei zur Seite schieben. Wieder anstocken lassen, wieder zur Seite schieben. Auf das noch feuchte Ei die Käsewürfel verteilen sowie die Frühlingszwiebel-Ringchen und die Paprikawürfel. Deckel auflegen für etwa 3-4min bis der Käse geschmolzen ist.

Anmerkung m: helles Miso war nicht aufzutreiben (Outback halt), vielleicht optisch ein bißchen hübscher - alles zusammen eine rustikal-romantische Kombi für den Alltag mit kalten Außentemperaturen

Inspiration: Petra - Stevan Paul - Susanne