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Freitag, 28. Februar 2020

Aus alt mach neu: Bananen-Haselnuss-Muffins


Als ich nach Frankreich zog, konnte ich nicht kochen. Meine Homies kennen die Geschichte (Küchentrauma und so...). Aber ich war ambitioniert, ich war lernwillig. Hey, schöne Küche, toller Garten, charmanter Mitesser - eine Kombi, aus der sich doch was machen lassen sollte. 

Zuerst sammelte ich Rezepte wie eine Bekloppte - um schnell festzustellen, dass wahrlich nicht alle gelingsicher waren. Egal ob eine schicke Hochglanzzeitschrift oder das Kochbuch eines Sternekochs. Schon gar nicht für einen Anfänger wie mich: ohne praktische Vorkenntnisse lediglich mit Erfahrung im Rührei verquirlen und Nudeln abkochen. Ich war einfach darauf angewiesen, dass die Zubereitung funktioniert wie beschrieben. Und zwar exakt so. Ich brauchte Verlässlichkeit. Doch mal stimmten die Garzeiten nicht oder die Mengenangaben oder es wurde ein Arbeitsschritt vergessen. Mängel, die mein Grün hinter den Ohren nicht ausgleichen konnte.

Bis ich im WorldWideWeb auf Kochblogs stieß. Und mit ihnen begannen meine Erfolgserlebnisse. Dort konnte ich darauf gehen, dass die Gerichte so hinhauten wie angegeben und selbst bei mir am Ende in etwa dem abgebildeten Foto glichen. Aus dem schlichten Grund weil normale Menschen in normalen Küchen unter normalen Bedingungen normale Portionen kochen für das normale Leben. Soweit man eben Menschen normal findet, die ihr Essen fotographieren...

Zu meinen Lieblingsblogs zählte auch schon damals Alexandra von foto e fornelli, die heute sehr leider nicht mehr bloggt. Später habe ich in den Interviews daraus keinen Hehl gemacht. Alexandra ist für mich die Poetin unter den Food-Fotographinnen. Zudem ist ihre Art zu fotographieren einfach unverwechselbar. Und wie zeitlos ihre Bilder sind, sieht man an dem heutigen Bananen-Muffins, die ich von ihr übernommen habe und welche sie bereits vor 8 Jahren verbloggte. Die sehen doch aus, als hätte sie sie erst gestern gebacken, oder?

Nun, durch die Masse der Rezepte, die ich veröffentliche, sowie dem Anspruch, mein eigenes Essen selbst ebenfalls warm zu essen, bin ich, was das Fotographieren angeht, recht pragmatisch. Bei Backwerk - das ja ausgekühlt sein darf - nehme ich mir manchmal etwas mehr Zeit. Aber alles in allem schätze ich es, wenn das Foto schnell im Kasten ist. Gut aussehen solls natürlich trotzdem. Wenn man nicht sieht, dass etwas richtig lecker geschmeckt hat, nützt das schönste Rezept nix. Was nicht immer gelingen will - Food-Fotographie kann heimtükisch sein. Fakt ist aber - und darauf wollte ich hinaus - dass ich mich für ein Blog-Layout mit Hochkant-Fotos entschied aufgrund meines Vorbilds Alexandra. Ich mochte von Anfang an, wie sie Natur-Fotos mit Essen kombiniert und inszeniert. Bis heute.

Bleibt noch zu erwähnen, dass ich es hasse, Essen wegzuwerfen. Und da gilt es durchaus, sich mal an die eigene Nase zu fassen: die mit Abstand am meisten weggeschmissenen Lebensmittel landen in der privaten Tonne. Nach und nach hatte ich drei überreife Bananen eingefroren - und genau die verwendete ich nun für die Muffins. Bref: aus alt mach neu, das gibt Lieblingsmuffins: schnell zusammengerührt, schön gatschig und dank der Nüsse mit Biss. Tippitoppi!



Zutaten - 12 Muffins:

330g Mehl (m: D630)
1/2 TL Natron
1/2 TL Backpulver
1/8 TL Nelke, gemahlen
1/8 TL Muskatblüte
1/4 TL Zimt
1/2 TL Kardamom
140g weiche Butter
120g Rohrzucker (m: 100g)
2 Eier
240ml Bananenpüree
(3 mittelgroße Bananen)
70g grob behackte Walnüsse (m: geröstete Haselnüsse)

Zubreitung:

Die weiche mit zusammeen mit dem Zucker und den Gewürzen hell-cremig aufschlagen. Ein Ei nach dem anderen hinzufügen und jeweils schön unterrühren. Das Bananen-Pü hinzugeben (Achtung, es dürfen keine Bananenstücke darin sein). Die trockenen Zutaten (Mehl, Backpulver, Natron) mischeen und zu den restlichen Zutaten geben.

Mit einem Holzlöffel oder Gummispachtel zusammenmischen, sodass sie sich eben gerade verbinden - nicht den Handmixer verwenden (m: den Handrührer verwendet). Nüsse untermischen. Den Teig gleichmäßig in die ausgebutterten Muffinsformen (m: ungebutterte Papier-Förmchen) verteilen und im vorgeheizten Backofen bei 190°C ca. 18min backen - Garprobe mit Zahnstocher

Anmerkung m: teils mit einigen Blaubeeren verziert



Montag, 24. Februar 2020

Rezension: Der Brotdoc - gesundes Brot aus meinem Ofen


Björn aka der Brotdoc hat ein neues Brotbackbuch am Start. Und zu meiner Freude hat er mir ein Exemplar zukommen lassen - mit ausgesprochen freundlichen, begleitenden Zeilen.

Mir spielt zupass, dass Petra bereits eine ausführliche  Rezension über Björns Buch geschrieben hat. Zum einen fasst Petra prima den Inhalt zusammen und gleichzeitig demonstriert sie in einer Galerie eindrucksvoll, wie sehr sie Björns Rezepte mag - und wie gelingsicher diese sind. Schöner kann man sein Buch nicht bewerben. Und sachlicher eben auch nicht.

Bleibt mir ganz frei meine subjektiven Eindrücke hinzuzufügen und einfach verschiedene Details herauszugreifen, die mich besonders angesprochen haben. Wie etwa ganz generell die Gliederung sowie das Layout. Und natürlich die vielfältige Mischung an Rezepten, die im gleichen Maße anfängertauglich sind wie Fortgeschrittenen Ideen bieten. Eine mögliche Kritik, die daraufhin abzielt, dass Björn ja *nur* 7 neue Rezepte für dieses Buch entwickelt hat, lasse ich nicht gelten. Wie Petra ebenfalls schreibt, hält man nun vielmehr ein Best-of seiner Blog-Rezepte in Buchform in Händen - was doch super ist! Und funktionieren die Rezept, lassen sie sich endlos abwandeln und entsprechend der eigenen Phantasie multiplizieren sich die Vorschläge. Beweis treten dafür Björns Leinsaatlinge an , die ich hier in der xten Variante zeige. Ebenfalls nachgebacken von ihm habe ich seither das Paderborner mit Kartoffeln sowie die Einkornlinge mit Kefir.

Eigentlich aber ist Björn für mich der Meister des französischen Stangenbrotes. Schöner kann ein Baguette ausserhalb Frankreichs unmöglich aussehen. Hätte ich Ambitionen DAS Fränzibrot schlechthin selbst zu backen - wozu ich keinen Anlaß habe, denn Baguette, das können sie hier wirklich - aber wenn, dann nur unter Björns Anweisung.

Aber hey, sämtliche Brote  von Börn sehen aus wie gemalt aus. Alle haben die perfekte Gare (etwas, das ich bis heute 1A versemmeln kann), was anspornt, derartig gelungenes Backwerk auch bei sich zuhause aus dem Ofen zu ziehen.

Für mich springt der Funke in dem Buch aus dem einfachen Grunde über, weil auf jeder einzelnen Seite hervorblitzt, mit wieviel Begeisterung Björn bei der Sache ist. Wie leidenschaftlich er nach über 10 Jahren bäckt, offenbart er hier wunderbar selbst, als er seine Ungeduld beschreibt, endlich in seinem neuen Ofen backen zu dürfen. Ich habe mich sehr amüsiert! *In Dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst* (Augustinus) - genau das macht für mich die Qualität dieses Buches aus.


Dass Brotbacken weit mehr als eine nebenberufliche Beschäftigung sein kann, thematisiert Björn daher auch in seinem Buch unter dem Kapitel *Brotbacken als Selbstheilung und Hobby*. Nahezu jeder, dessen Küche schon nach frisch gebackenem Brot duftete, kann wohl bestätigen, dass Brotbacken zur Steigerung des Wohlfühlens beiträgt.

Mittlerweile habe ich drei Rezepte aus dem Buch nachgebacken. Heute stelle ich euch das Dinkelbrot für Eva vor, welches man bereits auf Björns Blog finden kann - aber da ist es mir halt sehr leider durchgerutscht. Total lecker - wundert es euch nach dieser Rezension? Der Brotdoc - gesundes Brot aus meinem Ofen - für mich ein Must-Have für alle, die gerne Brot backen. Oder damit anfangen wollen.

Zutaten 2 Brote - Kastenform 750g

Sauerteig:
190g Dinkel-Vollkornmehl
190g Wasser
20g Weizen-ASG
2,5g Salz

Kochstück:
85g Dinkelkörner
420g Wasser
1 Pr Salz

Saaten-Brühstück:
130g Saaten
(m: Mischung aus Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Sesam und Leinsaat)
130g Wasser, kochend

Brotteig:
Sauerteig
Kochstück
Saaten-Brühstück
90g Dinkel-Schrot
590g Dinkel 630
350g Wasser
(m: teils durch Kefir ersetzt)
17g Salz
10g Wasser

Zubereitung:

Alle Zutaten für den Sauerteig gut verrühren und ihnb 12 Stunden reifen lassen - ideal bei 26-28°C - dann wird der Sauerteig besonders mild (etwa im Backofen oder in einem selbstgebauten Wärmekasten).

Alle Zutaten für das Dinkelkochstück in einem Topf aufkochen und dann bei mittlerer Hitze für 60 Minuten köcheln lassen bis die Körner weich sind. Gut abtropfen und abkühlen lassen.

Die Saaten rösten und sobald sie Farbe angenommen haben mit kochendem Wasser übergießen und dann abkühlen lassen.


Nach der Reifezeit alle Zutaten für den Hauptteig - außer dem Körner-Kochstück und dem Saaten-Brühstück - im Kneter für 5-6 Minuten bei langsamer Knetgeschwindigkeit verkneten. Die Körner zufügen und 1-2 Minuten unterkneten. Dann das Saaten-Brühstück zufügen und ebenfalls 2-3 Minuten langsam unterkneten. Der Teig hat eine weiche Konsistenz und löst sich nicht ganz vollständig von der Schüssel.

Den Teig 60 Minuten ruhen lassen, 1-2 mal strecken und falten.

In zwei gleiche Teile teilen und lang wirken. Wenn der Teig zu weich ist, beide Teigstücke nochmals strecken und falten und dann auf der Arbeitsfläche mit der Teigkarte in Form schieben. In vorbereitete eingebutterte Backformen einlegen und für 60-70 Minuten aufgehen lassen. Die Butter zieht etwas ins Brot ein und gibt einen zusätzlichen leckeren Geschmack. Den Ofen derweil auf 240°C vorheizen.

Mittig längs einschneiden und in den Ofen mit viel Dampf einschießen. Backzeit 60 Minuten abfallend auf 210°C, gegen Ende ggf. die Brote aus der Form nehmen und ohne Form 10 Minuten zu Ende backen

Quelle: Der Brotdoc - gesundes Brot aus meinem Ofen

Freitag, 21. Februar 2020

Gastbeitrag: Hannahs Lieblings-Linsen-Gericht *Kokoscurry mit Mango*


Wieder einmal darf ich Michas geöffnete Blogpforte passieren, und hier einen Gastbeitrag veröffentlichen. Angeregt durch Micha, die uns kürzlich einen ihrer „Keeper“ präsentierte, habe ich mir überlegt, was denn bei uns ein echter „Keeper“ ist. Und dazu gehört eindeutig dieses Linsencurry, bei dem die Zugabe von frischer Mango das I-Tüpfelchen für die Keeperqualifikation ist. 

Ansonsten ein ganz simples Rezept, von dem ich weiß, dass es immer gelingt (Mengenangaben sind variabel) und uns immer schmeckt. Für mich auch ein Gericht für Tage, an denen ich selbst nicht so genau weiß, was kochen… Behellige ich meinen Mann mit der Frage: „Was soll ich kochen?“ bekomme ich entweder die wenig zielführende Antwort: „Mir schmeckt alles, was du kochst“ oder er nennt ein Gericht, das mir irgendwie keine angemessene Antwort auf meine eigene Ideenlosigkeit scheint: z.B. „Pellkartoffeln mit Quark“.

Unser Lieblingslinsengericht ist mir daher eine sichere Bank – einfach und schnell zuzubereiten, Zutaten meist vorrätig und dennoch durch die frische Mango und die Gewürzmischung irgendwie raffiniert. Da ich das Curry regelmäßig koche, habe ich mir letztere gleich auf Vorrat in einem Glas gemischt (zu gleichen Teilen Zimt – Kurkuma – Kreuzkümmel - Koriander).

Und ähnlich wie Michas „Sugar Heart“ Gewürz passt das „Lieblingslinsengewürz“ nicht nur zu diesem einen Gericht.


Zutaten 2-3P:

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen 
1 walnussgroßes Stück Ingwer
Kokosöl

je gut 1/2 TL TL gemahlener
Zimt
Kurkuma
Kreuzkümmel
Koriander

1 rote Paprika, geschält und klein gewürfelt
4 Karotten, geschrubbt und klein gewürfelt
100g rote Linsen
200ml Kokosmilch
400ml Gemüsebrühe
1 reife Mango, geschält und gewürfelt
1 Handvoll glatte Petersilie, klein gewiegt
Salz, Pfeffer 

Zubereitung:


Kokosöl in einer Pfanne zerlassen. Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer fein würfeln und im Kokosöl andünsten.

Gewürze hinzufügen und kurz mitrösten. Linsen, Paprika und Karotten dazu geben, kurz unter Rühren anbraten, mit Gemüsebrühe und Kokosmlich ablöschen, Deckel auflegen und 10 Minuten köcheln lassen.

Nach Ende der Garzeit die Mangostücke sowie die Petersilie unterrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Wir essen dazu Reis, einen Klacks Kokos- oder Schafsjoghurt und Salat.

Inspiration: Rapunzel

Und natürlich gibt es Geschister im Grain-de-Sel Universum zum Beispiel:

  *** das Kinderwunsch-Curry
  *** das Rosenkohlcurry mit Granatapfel
  *** oder die große Auswahl im *Eintopf-Spezial*

Dienstag, 18. Februar 2020

Kunstbetrachtung: Gnocchi alla romana mit Tomaten-Fenchel-Sugo


Entgegen dem Trend einer Handy-App den Vorzug zu geben, hänge ich immernoch an meinem Taschenkalender, meinen sogenannten *Terminator*. Stets vom gleichen Hersteller. Jedes Jahr begleitet mich darin ein anderer angeschwärmter *Kalenderspruch* (volle Team #Kalendersprüche - ihr wißt Bescheid). Und allerspätestens nach einem Jahr habe ich diesen dann für mein restliches Leben verinnerlicht.

In einem Jahr lautete er - übernommen von einem befreundeten Psychoanalytiker: *Der Irrsinn beginnt dort, wo du an deiner eigenen Wahrnehmung zweifelst*. BÄM, oder, ein Faustschlag von Satz! Ohne funktionierende Sinne, die zu einem Urteil finden, wird es zweifelsfrei schwierig. NOCH schwieriger. Für nahezu sämtliche Tiere ist der störungsfreie Einsatz ihrer Sinne existenziell wichtig: sei es um zu Nahrung zu finden, sei es, um nicht selbst zu solcher zu verkommen. Nur wenige Tiere können es sich leisten, dumpf in der Sonne vor sich hinzudösen - wie etwa domestizierte Tiere. Oder Löwen.

*Wer sich auf andere verlässt, ist selbst verlassen* knüpft ein anderer Spruch an ersteren an. Er weißt ebenfalls darauf hin, dass man zuerst einmal SELBST hinschauen und hinhören sollte - der Eigenständigkeit zuliebe. Gut, überdreht in die andere Richtung droht die Gefahr der Verblendung oder des Verrennens als Mensch. Es ist halt kippelig. Doch es nützt nichts: wer zu einem gesunden Selbstvertrauen finden will, braucht unabdingbar eine verlässliche Wahrnehmung. Und ein mündiger Mensch hat nun mal urteilsfähig zu sein. Sonst macht er nur das Äffchen. Oder den Wahnsinnigen.

Wunderbar lässt sich das sowohl demonstieren wie üben, wenn es um eigentlich nichts geht, nämlich um Kunst. Denn komischerweise habe ich den Eindruck, dass viele heutzutage auf Kunst verschüchtert reagieren. Warum? Dafür braucht es weder Mut noch Studium. Lediglich einen lautgemachten Eindruck, eine artikulierte Position, eine eigene Haltung. Geht doch nix kaputt dabei!

Das weiß ich quasi aus erster Hand. Gestaltete sich das Studium an der Aka sehr easy, so war doch die abschließende Kunstgeschichtsprüfung richtig happig. Und zwar wurde u.a. zum mündlichen Abschluß unter der großen Fülle aller Epochen die Themen Malerei, Skulptur, Architektur und Fotographie derart abgefragt, als dass drei Dias (ganz oldschool) an die Wand geworfen werden und wenns ideal läuft, kann man sagen: was-wer-wann. Das bedeutet folgerichtig, dass man in der Vorbereitung genötigt ist, sich sehr umfassend mit allen Richtungen von Kunst auseinanderzusetzen. Dabei stellt sich dann en detail raus, dass man wirklich - beim besten Willen -  nicht mit allem etwas anfangen kann. Hey, und das ist totally okay. 

Bei Beuys beipsielsweise bin ich komplett raus. Keine Ahnung wie der Hamster zu seiner Stellung kam - durch mich bestimmt nicht. Gerne dürfen irgendwelche Experten versichern, dass sein Werk für sie trotzdem Kunst ist. Aber eben *für sie*.

Denn brechen wir Kunstbetrachtung mal runter auf das, was es ist. Es ist - im besten Fall - eine individuelle Auseinandersetztung von einem Subjekt (Mensch) mit einem Objekt (künstlerischem Gegenstand). Einzelschaffender präsentiert Einzelperson seine Arbeit. Sodele, und entweder findet dabei ein Austausch statt, also spricht einen das, was man anschaut (liest, hört, riecht...) irgendwie an. Oder eben nicht. Wie im echten Leben. Immer alles möglich. Aber völlig UNMÖGLICH ist, sich mit allem und jedem auseinandersetzen zu wollen. Und wer verlangt, dass man das muss? Dafür ist Welt zu manigfaltig und definitiv zu dicht besiedelt. Wer das Gegenteil behauptet, lebt im Reich der Utopie. Eigentlich kann man sogar sagen, dass jede Auseinandersetzung im Guten bereits einem kleinen Liebesakt gleichkommt. Denn mit wieviel Menschen setzt man sich auseinander? Eben. Hauptsächlich winkt man sich doch gegenseitig durch. Weil... siehe oben.

Ich fasse zusammen: wie großartig ist es, wenn man überhaupt *Kunst* begegnet, die einen irgendwie berührt, die einen innerlichen Prozess anzustoßen vermag. Niemand veranschaulicht hübscher als Stefan Draschan, dass manche Bilder anscheinend wie gemacht sind für ganz bestimmte Betrachter (kleiner Ausschnitt). Oder umgekehrt. Betrachter für Gemälde. Zumindest für diesen Augenblick. Ob nun Zufall oder Kismet - das mag jeder selbst entscheiden...


Die cremigen Polenta-Taler zusammen mit dem kräftigen Sugo haben uns allerköstlichst geschmeckt - das wird ein Rezept, auf das ich in Zukunft immer wieder zurückgreifen werde... ohne die Lust zu verspüren, daran auch nur irgendetwas zu verändern. SO lecker!

Zutaten 2P:

100g Maisgrieß (m: Instant-Polenta)
200g Milch
200g Gemüsebrühe
1 TL Thymian, getrocknet
Salz, Pfeffer
1 Stich Butter
2 EL Parmesan, gerieben

Sugo:
2 Fenchelknollen (ca. 500g)
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen 
1 TL Fenchelknolle
400g Ofen-Tomaten*
1 Schuß Portwein
1 Schuß Rotwein
Harissa
1 Pr Zucker
1 EL Rosmarin, fein gehackt
1 EL Kapern
2 EL Mais
(optional: Balsamico-Reduktion)
Olivenöl

Zubereitung:

Milch mit Gemüsebrühe und Thymian aufkochen, den Stich Butter zufügen, dann die Polenta unter stetigem Rühren klümpchenfrei einrießeln lassen. Etwa 2-3min köcheln lassen. Zuletzt den Parmesan unterrühren und nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken. In eine geölte Form füllen und glatt streichen und mindestens 2 Stunden auskühlen lassen (m: abgedeckt über Nacht).

Am nächsten Tag mit einem Ausstecher (m: 6cm Durchmesser) dicht an dicht Kreise ausstechen.

Für das Sugo die Zwiebel fein würfeln, den Knoblauch ebenfalls. Den Fenchel putzen, halbieren, vierteln und vom Strunk befreien. Dann in sehr feine Streifen schneiden.

Zwiebeln in Olivenöl glasig dünsten, kurz vor Ende den Knoblauch zufügen, dann den Fenchel mitrösten und schließlich mit dem Fenchel 5min weiter braten.

Nun Ofentomaten, Rosmarin, Harissa und Port wie Rotwein untermischen. Das Sugo etwa 25-30min sanft offen köcheln lassen. Salzen, pfeffern und mit einer Prise Zucker (und wer hat Balsamico-Reduktion) abschmecken. In eine Gratin-Form umfüllen und die Polenta-Taler darauf setzen.

Ofen auf 210° (O/U-Hitze) vorheizen.

Zusätzlich das Gratin mit etwas geriebenem Parmesan und etwas Thymian bestreuen und mit Olivenöl beträufeln. Für 15min in den Ofen schieben.

Inspiration: Brigitte

*Anmerkung m: gut gefällt mir die Idee die Ofentomaten durch eine Mischung aus geschälten Dosen-Tomaten, getrockneten Tomanten und etwas Tomatenmark zu ersetzen - diese Kombi intensiviert den Tomatengeschmack.



Freitag, 14. Februar 2020

Völlig falscher Hase mit Kartoffel-Pü


Auf das Vorstellen dieses Rezeptes freue ich mich schon lange - alleine wegen dem Rezepte-Titel. *Völlig falscher Hase* - klingt das gut?! Und ausnahmsweise bekomme ich keine Schimpfe von den Carnivoren, weil ich ein typisches Fleisch- in ein Veggie-Gericht umwandle.

*Kopf ab, Schwanz ab - Hase!* kalauerte man auf dem Land früher gerne. Grober Spaß - die Zeiten des Elends, in der Mietzekatzen zum Leckerbissen verarbeitet wurden, liegen gefühlt ewig hinter uns. Wobei der Ursprung des Namens *Falscher Hase* aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stammt - also gar nicht so lange her - als sich viele Familien einen echten Hasen als Sonntagsbraten nicht leisten konnten und deswegen auf Hack zurückgriffen. Die Namensgebung *falscher Hase* hat also weniger mit Witz denn mit Not zu tun.

Tja, und nachdem es im letzten Post etwas lustiger zuging, möchte ich heute den Blick auf ein ernstes Thema lenken: nahezu täglich nimmt sich in Frankreich ein Bauer das Leben.

Eine Frage, die uns nun schon oft gestellt wurde, lautet: *Ja, was arbeiten denn die Menschen hier in der Umgebung eigentlich?* (Grundton: so hier in der Einöde). Und dann kann ich meinen konstanierten Gesichtsausdruck nicht ganz verhehlen, wenn ich antworte, dass ich nicht wisse, was die Zukunft bringe, aber NOCH ernährt das Land die Stadt. Bedeutet folgerichtig: ein guter Teil der Landbevölkerung lebt von der - big surprise - Landwirtschaft.

Zweifelsohne fehlt der Bezug und der Kontakt zwischen Ernährern und Ernährenden. Die aktuelle, öffentliche Debatte tut ihr übriges und dient offensichtlich mehr dem alten *Spalte und Herrsche*-Prinzip als Brücken schlagen zu wollen. Die Hauptschlagzeile war doch: Bauern protestieren gegen Umweltschutzauflagen. Womit der schwarze Peter zugesteckt wäre, und der eigentliche Bösewicht aus der Schußlinie gezogen: die politisch Verantwortlichen. 

Für die Agra-Subventionen, über die die EU entscheidet, gilt seither das Credo: *Je mehr Flächen und Vieh, desto üppiger die Zahlungen. Der schonende Einsatz von Pestiziden, Düngemitteln und Antibiotika wird kaum belohnt* - ganz im Sinne der Agra-Lobby. Und daran wird sich auch für 2021 nix ändern. Fakt bleibt - selbst bei Änderung der Düngeordnung - dass zu intensive Landwirtschaft und zu hohe Tierzahlen auf zu kleiner Fläche das Grundwasser mit Nitrat belasten, den Einsatz von (Reserve)Antibiotika von Nöten macht (echt?) und besonders couragiert zu Pestiziden greifen lassen.

Dabei müßte mittlerweile unübersehbar für alle sein, dass die konventionelle Landwirtschaft von heute auf der Ausbeutung aller beruht: Kühe geben heute dreimal so viel Milch wie 1950, Hühner legen doppelt so viele Eier, auf Feldern wächst dreimal so viel Weizen. Kapitalismus - es reicht nie.

Denn trotzdem kann man von einem Bauernhof von 10 Hektar mit 80 Kühen nicht mehr leben. Einen guten Einblick in die Situation - sowohl in Frankreich wie in Deutschland - bietet Arte in der Sendung Re: Burnout auf dem Bauernhof. Der kleine bis mittelständische Bauer leidet nämlich oft mit Tier und Natur mit an dieser Ausbeutung. Die Einkommen der Landwirte gehören zu den niedrigsten im ganzen Land: mehr als 30 Prozent der französischen Bauern verdienen lediglich 350 Euro pro Monat. 

Und das bei vollem Einsatz. Denn ist ein Bauernhof finanziell bedroht, dann ist nicht nur die Existenz einer ganzen Familie mit Haus und Hof bedroht, sondern dahinter steckt ja meist ein generationenübergreifendes Lebenswerk. Nicht zu vergessen die schwere Arbeit, die zumeist notwendigen, großen Maschinen und noch größeren Geldbeträge, die bewegt werden, keine freien Wochenenden, noch weniger Urlaub, starke Preisschwankungen, extreme Wetterphänomene und die geringen Gestaltungsspielräume für die eigene Arbeit.

Die Untersuchung der französischen Gesundheitsbehörde zeigt ferner auf, dass unter den französischen Landwirten besonders die Milcherzeuger selbstmordgefährdet sind und dass die Zahl der Kleinbauern, die Selbstmord begehen, im Vergleich zu größeren Betrieben deutlich höher ist.

Solche Verhältnisse kann keiner wollen: Tier nicht, Natur nicht, weder Erzeuger noch Verbraucher - da sind wir uns bestimmt einig.


Jetzt zaubere ich natürlich auch kein Kanninchen aus dem Hut, das die Lösung aller Probleme sein könnte. Wer bin ich schon. Ich sehe nur: der Hase läuft halt brachial in die völlig falsche Richtung (merkt ihr, ich komme auf den Anfang zurück). 

Ich zahle in der Zwischenzeit für 125ml Bio-Sahne ohne Carageen 2,50 Euro. FÜNF MARK!!! Das pfetzt. Und ich verstehe, wenn das nicht alle zahlen können. Und ob das Geld beim Bauern überhaupt ankommt? Ich weiß es nicht.  Wobei ich hier keine Laudatio auf Bio halten will. Die Gefahr ist nämlich, dass  man Verhätnisse wie im Naturschutz erhält: in speziellen Naturparks wird die Natur besonders geschützt und außerhalb darf geschändet werden nach Lust und Laune. Lieber wäre mir, dass mit unserer Erde *generell* anständig umgegangen würde...

Außerdem bin ich großer Fan von den sogenannten Nutztieren, die eng verbunden mit und um den Menschen leben. Jeder mit ein paar Kühen wird dir von dem Charakter dieser Tiere vorschwärmen. Idyllisches Landleben ist für mich, wenn noch Kühe im Stall stehen und ein paar Hühner ums Haus scharren. Das gibt es hier noch vereinzelt (und ich frage mich ebenso wie alle anderen dann, wie man davon leben kann). Es ist mal wieder kompliziert.

Und ja, ich gebe es freimütig zu: ich liebe Butterbrot. Schon immer. Hingegen der Fleischverzicht fällt mir leichter und leichter. Dank Rezepten wie diesem völlig falschen Hasen. Breits drei Mal zubereitet (die Sauce variierte ich dabei), um euch hiermit das optimierte Rezept zu präsentieren. Gleichfalls sonntagswürdig - wie im Original. Und ganz nach dem Motto: viel hilft viel!


Zutaten 2-4P*:

500g Kartoffeln
Butter
Milch
Sahne
Salz, Pfeffer
Muskatnuss

100g Grünkern, grob geschrotet
250ml Gemüsebrühe
1 Stück Sellerie
1 Karotte
1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
25g getrocknete Tomaten
50g geriebener Comté
1 Eier
1 Semmel vom Vortag (ca. 100g)
2 EL gemahlene Mandeln
30g gehackte Nüsse(m: Walnüsse)
1/4 TL Pimenton de la Vera
Salz, Pfeffer
2 TL Senf (Dijon)
1/4 TL Harissa
1 EL Rosmarin, fein gehackt
2 TL Oregano, getrocknet
12 EL Petersilie, fein gehackt

1 Schlotte
1 Knoblauchzehen
1 Paprika, gehäutet*
1 TL Tomatenmark
1 TL Thymian
1 TL Miso, dunkel
100ml Gemüsebrühe
100ml Jus
1 Schuß Portwein
1 EL Balsamico
Salz, Pfeffer
1/2 TL Paprika-Pu
Roux zum Binden

Zubereitung:

Tomaten mit kochendem Wasser übergießen und ca. 10min ziehen lassen. Dann Wasser abschütten und Tomaten klein schneiden. 

Das Brötchen vom Vortag in kaltem Wasser einweichen - für ca. 10min. Dann sorgfältig ausdrücken.

Sämtliches Gemüse putzen und sehr fein würfeln. Gemüse und Kräuter in Olivenöl gründlich anschwitzen. Grünkernschrot zufügen, ebenso die Gemüsebrühe, 5min köcheln lassen - dabei rühren (der Schrot hängt sonst leicht an), dann etwa 15min quellen lassen. Nun alle Zutaten miteinander vermengen, würzen mit Senf, Harissa, Pimenton, Salz und Pfeffer und am besten händisch durchkneten. Mit feuchten Händen zu einem länglichen Braten formen - in eine Gratin-Form setzen (oder auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech).  Bei 180° ca 40min backen.

Während der *Braten* im Ofen gart, das Kartoffel-Pü auf den Weg bringen. Dafür Kartoffeln schälten, in Stücke schneiden und in kaltem Salzwasser gar kochen. Abschütten, ausdämpfen lassen und mit Sahne, Butter und Milch zu einem cremigen Pü rühren (Menge an Sahne, Butter, Milch je nach Belieben). Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken - warm stellen.

Für die Sauce fein gewürfelte Schalotte, Knoblauchzehe und Paprika in etwas Öl anschwitzen. Dann restlichen Zutaten zufügen und etwas einreduzieren lassen. Würzig abschmecken und mit einer Roux binden. 

*Anmerkung m: für 2 Personen ist der Braten für ein Essen zu üppig bemessen - wir haben die Reste aber gerne in Scheiben auf dem Brot mit Senf gegessen.


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