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Freitag, 30. Juli 2021

Hirtenessen: Polenta-Knödel

 

*Sei du selbst*

*Liebe dich selbst*

*Rette dich selbst* 

Klingt toll, aber ich glaube nicht daran - wenngleich man diesen Dreiklang für eine (schöne) Utopie halten kann. Nur die allerwenigsten saugen das *Sei du selbst* mit der Muttermilch auf. Der Start, sprich die Kindheit, geht selten einher mit Aufrichtigkeit, Wertschätzung, Achtsamkeit oder anderer Werte, die eine solche Entwicklung überhaupt möglich machen. Dahingehend bin ich mir deshalb so sicher, weil die Welt sonst aus anderen Menschen bestünde.

Ja, es ist ein offenes Geheimnis, dass ich aus meinem Elternhaus viel aufzuarbeiten hatte. Und aus eigener Erfahrung kann ich deshalb mit Bestimmtheit sagen: mein Habib hat mich gesund geliebt. Erst mit ihm an meiner Seite konnte ich zu mir finden. Und die mich umgebende Natur half und hilft mir mit ihren heilenden Kräften ebenfalls sehr. Bis heute. Alleine hätte ich mich ganz bestimmt nicht an meinem Haaren aus meiner Misere gezogen. Selbst wenn ich noch so sehr gewollt hätte. Für einen solchen Gnadenakt bedarf es mehr.

Nein, niemand kann mir etwas anderes erzählen: keiner ist mehr als das ihn umgebende Umfeld. *Zeige mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist!* (Goethe). Jeder ist nur ein Teil seines Biotops. Gut, Mitgestalter, das schon, aber eben nicht alleiniger Erschaffer und als Anständiger schon gar nicht Beherrscher.

Zumal wir immer wieder das eklatante Ungleichgewicht verdrängen wollen, das nun mal auf Erden herrscht: es ist SO schnell kaputt gemacht und SO langsam aufgebaut. Oder auch in ein anderes Bild verlegt: man nehme einen Topf voller guter Kräuter und gebe ein einziges giftiges Kraut dazu und die Wirkweise kippt. Hat man aber umgekehrt einen Topf voller giftiger Kräuter und fügt ein heilendes Kraut hinzu, so ändert das rein gar nichts. Konsequent weitergedacht, beherrscht somit das Schadende/ Böse, denn das Heilende/ Gute lässt immer lässt frei. (*Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet und das ist mehr* Goethe).

Das bedeutet selbst für all die Günstlinge, die mit besten Ausgangsbedingungen ins Leben starten, dass es nicht zwangsläufig so weitergeht, denn auch jene bleiben nicht minder abhängig von ihrem Umfeld wie alle anderen. Sie können wohl leichter die Rolle des Rettenden übernehmen - doch nur mit dem passenden Gegenüber, das gerettet werden will. Alles Gute muss jeden Tag aufs Neue geschützt und errungen werden (*Nur wer immer strebend sich bemüht...*)

Wer darauf baut, dass es die Gesellschaft ist, die ihn der Not auffängt, der fährt auch Auto ohne je in den Rückspiegel zu schauen:

*Siehst du, das entzieht einem den Grund und den Boden, so dass man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll, das macht einen verzweifelt. Das zerbricht einem jeden Gedanken an Gerechtigkeit und Kultur und Menschheit und wie all das Gerede noch heißt, das sie uns eingetrichter haben. Wenn so etwas wie (dieser) Krieg bewußt möglich ist, dann ist alles andere Attrappe. Wie sollen wir mit dieser Erkenntnis in einer Welt, die der Phrase und Pose bedarf, existieren können?* (E.M. Remarque *Im Westen nichts Neues*).

Aber vielleicht muss man zumindest viel gereist sein, um Kultur als künstlichen Kitt einer Gesellschaft zu entlarven. Für alle tiefe Erkenntnis reicht keine Theorie, sondern bedarf es stets der eigenen Erfahrung. Auch kann man diese nachfolgenden Gedanken niemand erklären, jeder kann den Gehalt dieser Aussage nur in sich selbst fühlen:

*Die Natur ist Quelle des Glücks, des echten Glücks, das bezaubert und beruhigt. Sie stellt unsere tiefe Wahrheit dar, unsere Geschichte, unsere Erinnerung. Sie ist das, was wir vor allem sind, weil sich unser Bewusstsein zusammen mit diesem Sonnensystem entfaltet hat* (Christian Signol *Das wahre Glück des Lebens*).

 


 

Wunderts also jemanden, dass mich Susannes Rezeptebeschreibung direkt triggert, wenn sie erklärend dazu schreibt, dass dieses Gericht traditionell von rumänischen Hirten des Balkan gegessen wurde? Schon um mich geschehen. Ich musste direkt nachkochen. Dabei habe ich ganz den Knödeln die Hauptrolle überlassen und die zarte Kohlrabi hielt ihnen nur brav den Steigbügel zur vollen Aufmerksamkeit.


Zubereitung 8 Stück/ 2-3P:

15 g Butter
150 g Polenta (keine Instant-Polenta/ vorgekochte Polenta)
Salz
1-2 TL Thymian-Blättchen
Piment d'Espelette
125 g Schafs-Feta
Olivenöl

1 größere Kohlrabi
1 Stich Butter
Noilly Prat
1 Bund Schnittlauch
50g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft 

Zubereitung:

Für die Knödel 700 ml Wasser mit der Butter und 1/2 TL Salz sowie Thymian und Piment aufkochen. Den Maisgrieß unter Rühren einstreuen und alles unter Rühren bei schwacher Hitze ausquellen lassen. Die Polenta ganz auskühlen lassen. 

Ofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen. Ein Blech mit Backpapier auslegen.

Den Käse in kleine Würfel schneiden. Die Hände anfeuchten, je 2 EL der abgekühlten Polenta zwischen den Handflächen flach drücken, etwas Käse hineingeben, dann zu Bällchen rollen und auf das Blech legen. Bällchen mit etwas Olivenöl beträufeln und im heißen Ofen knapp 10 min warm backen. 

Parallel die Kohlrabi schälen und stiften. Die Kohlrabi in Butter al dente anbraten, ohne dass sie dabei Farbe annehmen. Salzen, pfeffern und mit einem guten Schuß Noilly ablöschen. Deckel kurz auflegen und den Kohlrabi zart dünsten - dabei aber nicht übergaren (also nur kurz). Die Crème unterziehen, mit Zitronensaft abschmecken, Schnittlauchröllchen bestreuen und zusammen mit den Knödel servieren.

*Anmerkung m: uns haben pro Person 3 Knödel satt gemacht/ ich empfehle, die Polenta wirklich gut auskühlen zu lassen, sonst neigen die Knödel dazu im Ofen aufzureißen (was allerdings nur ein Schönheitsproblem wäre)

Quelle: Susanne aka Magentratzerl


Anmerkung m: mit herzlichen Dank an meine Leserinnen, die mir diese beiden mich inspirierenden Bücher zukommen haben lassen. Zum einen an Kerstin, zum anderen bräuchte ich Hilfe: da ich Christian Signol eingeschweißt ließ, versäumte ich, direkt den Namen einzutragen - also falls du mitliest: melde dich bitte!







Samstag, 24. Juli 2021

DUBB: das Karl Dall Dahl



Da staune ich jetzt aber, dass ich auf dieses Dhal nicht schon allerlängst mit allen zehn Fingern gezeigt habe. Ich liebe dieses Dhal! GROSSES Ausrufezeichen! Und zwar von Anfang an. Mittlerweile ist es zudem eines dieser Keeper-Gerichte, um die ich immer wieder anders variiere. Aber das Dhal bleibt gleich. Es eignet sich hervorragend dazu, Gemüsereste zu einem Curry zu verarbeiten. Und anstelle von Reis (den man zusätzlich mit Kokosmilch und einigen Kokosraspeln kochen kann) passt natürlich auch das weltbeste Chapati.

Ich hätte mich in diesen Teller wieder reinlegen können. Dabei braucht es dafür weder nennenswerte Küchen-Erfahrung, noch benötigt man viel Zeit. Das Gemüse ist wirklich nur kurz mit den Gewürzen (das gute Curry und Kurkuma) angebraten und dann bissfest fertig gegart. Als frische Begleitung macht sich eine Gurken-Raita prima (ich gab außerdem etwas Tomate hinzu - und tausche Ingwer manchmal gen Knoblauch) oder wie ich bei Karl Dall bereits vorgeschlagen habe, reicht bereits ein schlichter minziger Knoblauch-Joghurt als Dipp). Vergessen zu fotographieren habe ich das Mango-Chutney, das sich bei diesem Gericht wie das Tüpfelchen auf dem i macht. Tsss, alle Links heute sind ja eigentlich auch DUBBs. Und, Kinners, promi (!) dann wird das Essen ein Fest für die Sinne und jede Gabel, die man sich beläd und zum Mund führt, ein Abenteuer für den Gaumen!

Also wenns Dhal gibt, dann haue ich für zwei rein. DUBB halt. Und meine Empfehlung sowohl als Alltagsküche wie als Gäste-Essen! Das Leben kann so köstlich sein :)

 


Montag, 19. Juli 2021

Schlachtplatte: Easy Tempeh Bacon im Fladenbrot

 

Warum ausgerechnet Veganer so scharf auf Gerichte sein sollen, die an totes Fleisch, Sehnen und Muskeln erinnern, erschließt sich ja wohl nicht wirklich. Scheint doch so widersprüchlich, wie wenn sich ein Kanibale um ein Salatblatt reißt. Oder ein TRex seine Hauer in eine Graslandschaft vergraben will. Oder eine Kuh heißhungrig auf ein Schwein losgeht... aber ihr werdet mich verstanden haben. Schizo also?

Der Hauptgrund all derer, die in den Industrieländern dem Fleischkonsum abgeschworen haben, dürfte der sein, dass man mit dem Umgang von Tieren nicht nur nicht einverstanden ist, sondern das als völlig unmoralisch und inakzeptabel empfindet. Ich brauche nicht betonen, dass ich dieser Bewegung sehr zugetan bin. Wieder kann ich an der Stelle nur ein Mal mehr Milan Kundera zitieren: *Die wahre menschliche Güte kann sich in ihrer absoluten Reinheit und Freiheit nur denen gegenüber äußern, die keine Kraft darstellen. Die wahre moralische Prüfung der Menschheit, die elementarste Prüfung (die so tief im Inneren verankert ist, dass sie sich unserem Blick entzieht) äußert sich in der Beziehung der Menschen zu denen, die ihnen ausgeliefert sind: zu den Tieren. Und gerade hier ist es zum grundlegenden Versagen des Menschen gekommen, zu einem so grundlegenden Versagen, dass sich alle anderen aus ihm ableiten lassen*.

Was alles noch rein gar nix mit Geschmack zu tun hat. Wie etwa mein Alokohl-Verzicht. Hat mir gut geschmeckt - daran liegts nicht. Von mir selbst also auf andere geschlossen gibt es eben die Gruppe, die mit Fleischgerichten aufgewachsen ist. Und für die triggern manche Essen - wie etwa Frikadellen - wohl Kinderheitserinnerungen. Oder noch schlichter: einfach einstige Gewohnheiten. Da Verzicht und Kapitalismus ein Gegensatzpaar darstellt,  werden also Fleischersatzprodukte gebastelt. Dem Konsumenten solls schließlich an nichts mangeln.  

 


 

Bei Geschichten, in denen so etwas wie Methylzellulose als Binder verwendet wird, bin ich raus. Das hat rein gar nichts mit dem zutun, wie ich kochen will. Ich bin dafür, sich von der Natur zu ernähren, da will ich die Erhnährungsindustrie soweit es geht raushalten. Gilt doch für sämtliche Bereiche, in denen eine ganze *Inustrie* ihre Finger drinne hat, dass... aber rühren wir besser nicht dran... 

Direkt kommt mir das Salz in den Sinn (der Habib schrieb dazu einen seiner raren Gast-Artikel), das als Paradebeispiel demonstriert, dass künstliches Industrie-Salz und natürliches Salz Welten trennt bei äußerlicher Gleichheit. Da mögen manche mit dem Verstand nicht drüberspringen, aber wie sagt die Alte in Goehtes *Das Märchen* so schön: *Ich weiß, was ich weiß.*

Heute stelle ich euch den *Easy Tempeh Bacon* von The Minimalist Baker vor.  Ums gleich vorweg zu nehmen: dafür reicht eigentlich noch nicht einmal mehr das neu-eingeführte Steak-Parameter. Das einzige, das mich an Schinken *zart* erinnert ist, das Aroma von geräuchertem Paprika, aber ansonsten hat dieser Tempeh einfach nichts, GAR nix mit Bacon zutun. Ob es nicht viel mehr um einen Rezeptetitel geht, der Aufmerksamkeit generieren soll? Macht schon mehr her als *rauchig gewürzte Tempeh-Streifen*, oder? Gebe ich eine 1, damit wir dieses Spiel noch weiterhin spielen können. Geschmacklich bekommt er von mir eine 7 - kann man ruhig mal machen.

Zumal wir hier auf dem Wochenmarkt seit einiger Zeit einen Stand haben, der *Tempeh artisanal* (also handangefertigten Tempeh) anbietet. Allerdings für den stolzen Preis für 4,50 das Stück. Doch als Teil des bunten Miteinanders bereicherte der Tempeh durchaus, um mein schön gepolstertes Fladenbrot damit zu befüllen. Das Fladenbrot wiederum ploppte bei mir in einem Gespräch mit Robert auf, als es um unsere Anfänge ging, denn bei ihm hatte ich die Brote einst entdeckt. Tatsächlich schrieb ich ihm dazu - als seine Blogleserin - die erste Mail, eine Problem-Mail, denn meine Brote hatten sich so gar nicht aufplustern wollen. Ich war sehr aufgeregt eine Antwort erhalten zu haben. 2009. So lange ist das schon her. Damit euch die Brote gelingen, gebe ich euch als Hinweis: lieber etwas dünner ausrollen als man denkt (eben nicht Strudelteig-dünn, sondern 1mm davor), dann klappt dieses stets neu zu befeuernde einfache Fladenbrot - auf das ich bestimmt immer wieder zurückgreifen werde - auch bei euch und macht Spaß und Freude!

 



Zutaten:

Tempeh-Bacon:
1 Tempeh
1 EL Sonnenblumenöl 
3 EL Tamari
2 1/2 EL Ahornsirup (m: weniger)*
1 1/2 EL geräuchertes Paprika-Pulver
1 1/2 EL liquid smoke (m: weggelassen) 
(m: 1 TL getrockneter Thymian)
eine gute Prise Salz 
Pfeffer
Piment d'Espelette

Zubereitung:

Den Tempeh in dünne Streifen schneiden (the Minimalist Baker macht daraus eine Wissenschaft - ich glaube nicht, dass das am Resultat viel ändert - aber das dürft ihr gerne überprüfen) - ca. 2-3mm dick.

Die Gewürze miteinander vermischen. Es sollte ziemlich salzig, rauchig und etwas scharf und etwas zu süß schmecken (denn das Ahornsirup muss die Bitterkeit des Tempeh ausgleichen - m: war bei mir kaum nötig, da der Tempeh wenig bitter ist).

Den Tempeh zu den Gewürzen geben und darin ca. 10-15min marinieren lassen - gerne eine Pinsel zusätzlich verwenden, damit auch alle Streifen von der Marinade ummantelt ist.

Ofen auf 200°C vorheizen. 

Die Tempeh-Streifen nebeneinander auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, 10min backen, wenden und großzügig mit der restlichen Marinade bestreichen. Weitere 8-10min backen bis sie gebräunt und leicht knusprig sind. Sofort essen (oder auch bis 5 Tage im Kühlschrank aufbewahren).

Quelle: the Minimalist Baker


Zutaten - 4 Fladenbrote:
150g Mehl (m: T65)
6g frische Hefe
1/2 TL Salz
90g Wasser
2 TL Olivenöl

Zubereitung:

Für den Teig: Hefe in etwas Wasser auflösen. Alle Zutaten in die Schüssel der Küchenmaschine geben und 5 Minuten lang zu einem glatten Teig kneten. Teig ca. 1 Stunde gehen lassen. 4 gleich grosse Kugeln zu etwa 60 g formen und diese 10 Minuten zugedeckt entspannen lassen.

Backofen mit einem umgekehrten Backblech auf 275°C aufheizen . Jede Kugel mit dem Nudelholz rund 2 mm dick ausrollen. Je 2 Fladenbrote auf das Blech schieben und 3 Minuten backen. Herausnehmen und mit einer Schere aufschneiden.

Quelle: Robert von Lamiacucina

 

*Anmerkung m: wir haben das Fladenbrot mit Saltblättern, Tomate-Gurke-Basilikum-Salat und gegartem Gemüse aus Fenchel und roter Zwiebel gefüllt

 

Mittwoch, 14. Juli 2021

ein Kessel Buntes zum National-Feiertag


**** Gerade mit dem Tribe bleiben Begegnungen nie ohne Inspiration - so wurde beispielsweise eine Kindheitserinnerung wieder ins Bewußtsein hochgeschoben. Und zwar sammelte ich auf dem Rückweg von der Grundschule die schönste Raupe ever auf, behielt sie während ihrer Verpuppung bei mir und in höchster Erwartung entschlüpfte ihr ein grau-brauner Nachtfalter (möglicherweise der Totenkopffalter) - eine Entwicklung, die mir lange zu denken gab. Und definitiv ein Erlebnis, dass man nie wieder vergißt. Und zu dem eben ein Feriengast (coucou Uwe) vielen Kindergartenkindern verhilft. Von Gefangenschaft kann keine Rede sein, denn die Raupe verpuppt sich im Glas ja schnell und die Wartedauer von wenigen Tagen bis das Wunder der Metamorphose geschieht, ist absolut kindergerecht. 

Ich habe meine Raupe rausgefischelt aus den Brennnesseln vom Nachbarn, die ich zum Trocknen auslegte. Die Ansiedelung der Brennnessel im eigenen Garten hat leider nicht funktioniert, wird aber wiederholt - alleine schon wegen der vielen verschiedenen Schmetterlinge. Nach genau 12 Tagen Puppenstadium war ich das gleiche, begeisterte Publikum wie einst als Kind. Wie zart die Flügel sind und wie lange sie trocknen müssen - *meinen* Admiral habe ich dabei kaum aus den Augen gelassen! Man muss schon eine taube Nuss sein, um das nicht zutiefst faszinierend zu finden!

**** Und wenn wir schon bei Faszination Natur im eigenen Garten sind: ich habe zum ersten Mal einen Feuersalamander gesehen - seither kannte ich den nur aus dem kostenlosen Comic eines Schuhladens. Genau genommen schwammen 7 Baby-Lurchis durch unser Regen-Bassin, denn im Wasser verbringen sie die ersten Monate ihres Lebens, das bis zu 50 Jahre (!) dauern kann!

 


**** Ich bin bekennender Spatzen-Fan. Kinners, und selbst wenn ihr mit Spatzen wenig anfangen könnt (was ich natürlich wenig nachvollziehen kann), dann schaut euch dieses Filmchen an und ihr werdet direkt Mitglied der ersten Reihe im Fan-Club. Wie HINREISSEND bitte ist die Anhänglichkeit eines Spatzen, der Vertrauen zu einem Menschen geschöpft hat:

 

 

**** Den Dalai-Lama haben wir in Daramshala schon beobachtet, wie er als unerwartet ernster Mönch zu seinem Volk sprach. Das miterleben zu dürfen, hat sich ebenso tief bei uns eingeprägt, wie in Tibet dank den vielen Pilgern eine Vorstellung von der tibetischen Spiritualität zu erhalten. Am 6. Juli wurde der Dalai Lama 86 Jahre alt und zu diesem Anlaß teilte er ein Video mit einer so schönen wie schlichten Botschaft: mögen alle, die mich mögen, sich wie ich der Gewaltlosigkeit und dem Mitgefühl verpflichten - etwas, wozu man weder Philosophie, Religion noch Meditation benötigt. Anständig zu sein, ist nicht weiter kompliziert oder bedarf einer komplexen Gehirnleistung. *Was du nicht willst, was man dir tut...* Simple as that - kennen wir alle, wissen wir alle!



Diese Anregung von dem geistigen Oberhaupt der Tibeter verknüpfe ich mit einer kleinen Geschichte aus meiner Welt. Und zwar kann ich mich grün ärgern, wenn fremde Menschen in meinem Garten Blumen abschneiden. Selbst ich schneide selten Blumen ab, weil sie doch so viel schneller verblühen und sich dann nicht alle anderen daran miterfreuen können. Es ist ja nun nicht so, dass ich unseren Garten nicht gerne öffne und hey, ich teile sehr gerne Küchen-Kräuter und biete sie auch gerne an. Aber - jetzt sagt doch ihr mal! - muss man wirklich erklären, dass man sich generell nicht einfach bedient an Blumen aus fremden Gärten? Ehrlich gesagt: ich glaube nicht. Also ich bin schon lange dort angelangt, dass es eben NICHT um Erläuterungen, Rechtfertigungen und Ausflüchte geht, sondern bin ganz und gar bei Trude Simonsohn: *Die Menschen, die Unrecht tun, wissen dass sie unrecht tun - sie tun es trotzdem.* Eine Erkenntnis, die meine Auffassung und Beurteilung von Menschen enorm verändert hat - dann ist fertig mit Larifari-Rumlavieren!

Eine andere kleine Anekdote fällt mir dazu ein, an der ich genauer beschreiben kann, worum es mir geht. Und zwar kaufte ich einst auf dem Flohmarkt ein *Domino-Spiel*. Sofort hatte ich wieder vor Augen wie in einem ägyptischen Café ein Tisch voller Männer eine Partie Domino spielte und eine Traube von anderen Männern dabei zuschaute - ein Bild, wie man es in ganz Europa so nicht zu Gesicht bekäme! Nun, ich versicherte mich bei dem Verkäufer zwei Mal, ob das Spiel auch bestimmt vollständig wäre. *Jaja*, bekräftigte er und zuhause stellte ich dann fest, dass ein Stein fehlt. Nach Maß-und-Zahl beurteilt würde man sagen, Mädel jetzt hab' dich nicht so, was biste denn nur ein Kleingeist, ein Nägelkauer und Erbsenzähler - haste halt 2 Euro in den Sand gesetzt. So what?! Schaut man sich das Szenario geistig an, dann zeigt sich bilderbuchhaft dass jede Lüge unlöslich mit einem Schaden für jemand zusammenhängt, stets der Anfang allen Übels - im Kleinen wie im Großen.


Eindrücke aus Lhasa




Daramshala in Indien

 
 

**** Wie sinnig es sein kann, azyklisch unterwegs zu sein, demonstriert gerade mein deutsch-amerikanisches Yoga-Pärchen, mit dem ich oft auf der Matte stehe, Bre und Flo. Kaum hatten sie alles verkauft um entschlossen als Digital-Nomaden auf Weltreise zu gehen, kam der weltweite Lockdown. Dumm gelaufen könnte man direkt meinen. Jein. Denn ihr Yoga-Kanal ist in den Zeiten, als sämtliche Yoga-Studios und Fittis schließen mussten, regelrecht explodiert. Und sie haben sich nicht beeirren lassen, durchquerten der Pandemie zum Trotz u.a Peru und Equador. Ja und wenn sonst an einem einzigen Tag bis zu 3000 Touristen sich durch Machu Picchu drückten, mussten sie diesen magischen und spektakulären Ort nur mit wenigen anderen Besuchern teilen. Alles richtig gemacht!

 


Donnerstag, 8. Juli 2021

Hype: das vegane Steak von Gordon Ramsay


Gordon Ramsay scheint ein dicker Fisch im englisch-sprachigen Raum zu sein. Auf jeden Fall erzeugt seine Idee für ein veganes Steak einen beeindruckenden Widerhall - zumindest in meinem Internet. Wohl mit deshalb, weil Mister Ramsay sonst eher wegen seines überzeugten Fleischkonsums bekannt ist denn für seinen Hang zur veganen Küche.

Dabei zeigt sich, dass die Inszenierung dieses Steaks alles ist. Das gelingt in der filmischen Version (bref. bei Youtube) Merle O'Neal am besten. Bei ihr sieht die sehr lange im Ofen gegarte Aubergine ähnliche attraktiv aus wie das Foto auf Gordon Ramsays Blog. 

In der Mehrheit - und gebt den Rezeptenamen mal in eure Suchfunktion (oder YT) ein - erinnert das zubereitete Endprodukt eher an einen Küchenunfall: eine im Ofen vergessene und verkohlte Aubergine.

Meine Geduld ein hübsches Foto zu knipsen, ist ja bekanntermaßen gerade bei warmen Gerichten sehr begrenzt, da ich nicht einsehe, nur weil ich blogge, meine Speisen kalt zu essen. Also drei-vier Mal auf den Foto gedrückt: das muss reichen. So gebe ich freiraus zu, dass mein Foto nun in diesem Wettbewerb ebenfalls nicht weit vorne liegen wird. Aber hey, meine Fotos stehen für Real-Life, für das old-school (und zunehmend überholte) Motto von Foodblogs: you get, what you see! Wenn ich mich heute aber umsehe auf Foodblogs, dann sind die Fotos enorm überarbeitet, was gerade an den völlig übertriebenen Farben zu erkennen ist. Aber *normal* reicht heute wohl nicht mehr aus, es muss *over the top* sein. Sonst fällt man halt nicht mehr auf.

Bitte, das dürfen die anderen. Ich bleibe meinem Style trotzdem treu, weil für mich damals - als Kochanfängerin - genau diese Echtheit und vielleicht auch Bescheidenheit Foodblogs erst derart glaubwürdig und hilfreich, ja und vor allem verlässlich machten. Mir fällt bei der Gelegenheit der Spruch ein, den der Habib von seiner Maurerlehre bewahrt hat,  und zwar wenn die Jungs an ihrer Baustelle eine totally getunte Alte vorbeilaufen sahen: *Die gehört mal nackig an den Haaren durchs kalte Wasser gezogen!* Witzig, oder?! Mais bon, andere Zeiten. Und auch heute gibts ja noch einen Markt, der *pur und natürlich* vorzieht gegenüber *gemacht und künstlich*. Anders kann ich mir meine Leserschaft sonst nicht erklären ;)

 



Zu dem Auberginen-Steak von Gordon Ramsay komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis wie Merle: auf einer Skala von 1-10 gibt sie eine 2 was die Ähnlichkeit zu einem Steak angeht (*it is an eggplant!*) aber eine 9 für das Geschmackserlebnis. Und ja, die Aubergine schmeckt gut - deutlich besser als sie zumindest auf meinem Foto den Eindruck erweckt (das hat bei uns am Küchentisch übrigens die Kategorie *schmeckt besser als es aussieht*), aber den Aufwand dafür finde ich doch vergleichsweise enorm.

Ich hatte mir, bevor ich in die Küche ging, den Zeitablauf auf der Zubereitung nicht genauer angesehen und war dann doch leicht schokiert, dass ich grundeigentlich mindestens eine Stunde früher hätte beginnen müssen, wenn wir denn zu unserer üblichen Zeit hätten essen wollen. Insbesondere wenn man wie ich die Auberginen zum Schälen nicht über der Gasflamme röstet sondern in den Ofen schiebt. Das dauert alles und dauert.

Und ob ich jetzt gerade Gästen etwas servieren würde, was nicht direkt dem Auge *yummiyummi* suggeriert... ich weiß es nicht. Sicher ist aber, man wird eingefleischte Fleischis mit dieser Aubergine nicht neidisch machen - aber SEHR neugierig.

Ich habe das Rezept nach meinen Gegebenheiten abgewandelt - das Original habe ich euch zum Vergleich ja verlinkt. 

 



Zutaten 2P:

2 mittelgroße Auberginen, frisch und drall (je ca. 350g)*

 
Marinade:
1 TL Kreuzkümmel, frisch geschrotet
1 TL Senfsamen, frisch geschrotet
1 TL Pfeffer, frisch geschrotet
2 TL Pimenton dela vera (geräuchertes Paprikapulver)
1 TL Gemüsebrühe (m: eigene)
2 TL feinst geschnittener Knoblauch*
1 TL Pilzpulver
2 TL Rosmarin, feinst gehackt
etwas Piment d'Espelette
halb Rotwein/ halb roter Portwein 
Olivenöl

Sauce:
250ml Rotwein
250ml Jus
250ml Gemüsebrühe
3 EL kalt gerührte schwarze Johannisbeer-Marmelade
2 Zweige Rosmarin
1 Lorbeer-Blatt
2 TL Thymian-Blättchen
1 TL schwarze Miso-Paste
2 TL Tamari
2 TL Worcestershire
2 TL Kokos-Crème

Zubereitung:

Ofen auf 220°C vorheizen. Die Auberginen mehrfach mit einer Fleischgabel einstechen, mit Öl bepinseln und für gute 30min in einer ofenfesten Form in den Ofen schieben, dabei 1x umdrehen. Abkühlen lassen und die schwarze Haut abschälen und wegwerfen.

Währenddessen die Marinade zubereiten, dafür alle Zutaten miteinander vermengen.

Den Ofen auf 200°C runterschalten.

Die Auberginen in eine Gratinform setzen, in die sie gut passen. Runderherum salzen und mit der Gewürzmarinade würzen. Mit etwas Olivenöl beträufeln und dann soviel Rotwein (m: halb Portwein) übergießen, dass der Boden der Backform leicht bedeckt ist. Für gute 30min in den Ofen schieben und dann vorsichtig mit Hilfe eines Pfannenwenders die Auberginen wenden und für weitere 30min im Ofen garen.

Währrenddessen die Sauce zubereiten: Rotwein, Jus und Brühe mit Lorbeer, Rosmarin, Thymian und Miso in einem weiteren Topf lebhaft zum Kochen bringen und auf  300ml einköcheln lassen. Vom Herd nehmen und mit Tamari und Worcestershire, salzen und pfeffern und die Kokoscreme einrühren.

Ofen auf 150°C runterdrehen und die Auberginen immer wieder mit der Sauce bepinseln: *Continue to roast eggplant, basting periodically with jus until tender, slightly dehydrated and eggplant begins to resemble a steak* - also etwa 20min von der einen Seite, dann wenden und etwa weitere 15min damit fortfahren (kann möglicherweise - wie bei Merle -auch etwas länger dauern).

*Anmerkung m: ich rate zu wirklich frischen Auberginen, damit sie im Ofen nicht matschig zusammenfallen/ Knoblauchpulver habe ich nicht - ich verwende immer frischen/ ich habe den Jus zum Bepinseln der Auberginen gleichzeitig zubereitet als Sauce für unser Essen und nicht - wie Gordon Ramsay - zweierlei Saucen gekocht/ die Idee, rote Bete-Saft zu verwenden, finde ich spannend, habe aber auf meinen eigenen Jus zurückgegriffen/ es braucht auf jeden Fall noch eine sog. Sättigungsbeilage - wie etwa Kartoffelstampf, bei uns gabs außerdem Tomaten-Salat und einen grünen Salat dazu.

Quelle: Gordon Ramsay

 

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