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Sonntag, 16. Januar 2022

das Böse 1/3 - Sonnenschein-Curry mit Blumenkohl und Orange

 

 

Anfang des neuen Jahres geht mir das alte noch hinterher. Und zwar hinterließ ein Gespräch über meinen Madagaskar-Aufenthalt bei mir nachhaltige Spuren. Es geht doch nichts über ein persönliches, zugewandtes Gespräch! Einer vom Tribe (coucou Axel) fühlte mir auf den Zahn und wollte genauer wissen, warum ausgerechnet Madagaskar mir derart den Helm verbogen hat.

So fing ich an aufzuzählen: die Not, das Elend, die Armut, der Betrug, die Kinderheime, die homöopathischen Kräfte des Maki, des Chamäleon, der roten Zinnobererde, der Rassismus, die Umweltzerstörung, der Sex-Tourismus, die schwarzen Messen... Ich hätte weiter- und weiterlisten könnten, aber am Ende war ich mit meiner Antwort selbst nicht zufrieden. Ja, wie eigentlich lässt sich diese tiefgehende Erfahrung zusammenfassen. Etwas, das übrigens die eigentliche Kunst einer homöopathischen Arzneimittel-Prüfung ausmacht, nämlich für Prozesse (Arzneimittelstufen) sowie für die Ursubstanz eine Überschrift zu finden - eine Gabe, die im hohen Maße der Habib besitzt und wie es ihm nur wenige gleichtun können.

Ich drehte das Thema in mir hin-und her und dann kam mir das zentrale Thema: auf Madagaskar hatte ich begriffen, dass das Böse böse ist, weil es böse ist, sein will und nicht anders sein kann. Das schüttelte mich damals bei meiner Rückkehr derart (unbewußt) ins Mark, dass ich kotzend über der Kloschüssel hing - ich wollte es schier nicht schlucken.

Das klingt erstmal lapidar - das Böse ist böse, weil es böse ist - doch eigentlich wußte ich bereits dank homöopathischer, konstitutioneller Mittel, dass sich das Wesen, der innere Kern eines Menschen nicht ändern lässt. Homöopathische Menschenbilder bilden das ganze Spektrum ab: von seelenlos bis beseelt. Und die Lehre der Miasmatik stellt dar, wie geistige Verdrehungen gesunde Seelen vernichtet. Denn akut - das gilt es zu unterscheiden - kann jeder mal böse handeln. Im Affekt kann jeder Mensch zum Mörder werden. Wird ein Verhaltensmuster aber chronisch, dann wird ein Geist ebenso unheilbar krank wie es ein Körper werden kann. Das bedeutet weiter: die Unsterblichkeit der Seele ist ein Mythos - ein falscher Mythos! Sonst hätte das Böse keine Konsequenz. Doch nichts, kein Gedanke, keine Tat, bleibt ohne entsprechende Folge!

Nun, trotz diesen  Wissens war ich regelrecht zwanghaft gepolt, mich stets auf die Suche nach dem berühmten guten Haar zu machen. Ja, ich war jahrelang die erste, die versuchte Schandtaten anderer zu entschuldigen (schwere Kindheit, Unsicherheit, Komplexe - so halt). Eben ganz getrieben von der Haltung: das kann man doch unmöglich so Scheiße stehen lassen! Das KANN (das DARF) keine Absicht gewesen sein! Womöglich ist aber genau dieses Ausweich-Verhalten ein degeneratives Phänomen unserer Zeit, denn im Mittelalter war den Menschen die Polarität und die Spaltung von Gut ud Böse bewußt - daran wurde nicht herumgedoktort und schon gar nicht glatt gebügelt in das heute allgemeingültige Narrativ: Jeder ist sowohl als auch. Merke: das mag für einzelne Taten gelten nicht aber für den Kern, nicht aber für chronische Verhaltensmechanismen !!!!

Ein Witz passt dazu gut, der mir gerade begegnet ist: *Ein Mädchen liegt blutend und ausgeraubt auf der Straße. Ein Polizist geht an ihm vorüber. Dann ein Arzt. Dann kommt ein Therapeut. Der schaut sich das Mädchen an und meint kopfschüttelnd: Also derjenige, der dir das angetan hat, braucht dringend Hilfe!*

Uns sind alle Beurteilungskriterien flöten gegangen. Wir wissen gar nicht mehr, auf welche Seite sich zu stellen ist, was anständig oder unanständig, absichtlich oder unabsichtlich getan wird, was noch in Ordnung geht und was nicht mehr, wer aus Affekt oder gezielt handelt. Aber exakt darin scheiden sich die Geister. Der Mensch hat das Interesse an der menschlichen Motivation verloren - und an der Konsequenz seines Denkens und Handelns. Wir sind versumpft im großen Einerlei. Wie heißt es so schön: was ist die größte Macht des Teufels? - Dass keiner an ihn glaubt! Oder aber die Vorstellung von allem Satanischen ist völlig schräg bzw. Hollywood geprägt - es muss schon grusel-thriller-splatter-mäßig Blut spritzen. Doch der ganz schlichte Ausgangspunkt von allem Bösen ist die Lüge.

Greife ich ein konstitutionelles Mittel heraus, dessen prägender Wesenszug ist zu spalten und zu lügen. Dieses konstitutionelle Mittel wird sehr schön von Goethe in *Reinecke Fuchs* beschrieben. Darin läßt Goethe den Fuchs sagen:

"Soll es euch nach Wünschen ergehn, so spart mir die Wahrheit! "
wiederholt ich ihm noch; denn führt sie jemand beständig
unklug im Munde, der leidet Verfolgung, wohin er sich wendet.

Das gleiche Mittel zeichnet auch das Grimmsche Märchen *Bruder Lustig*. Es gibt Menschen, die gezielt andere belügen und betrügen zugunsten ihres eigenen Vorteils. Wie die vielen Fabeln veranschaulichen: der Fuchs muss nur lange genug labern, irgendwann wird der eingewickelte Rabe den Käse schon fallen lassen. Der Erfolg spricht für den Fuchs.

Das wußte ich alles, bevor ich nach Madagaskar reiste. Und doch wollte ich es einfach nicht wirklich wahrhaben. Ganz wie unsere Nachbarin, eine Frau mit einem gleichbleibend nachsichtigen Lächeln im Gesicht, die die Überzeugung vertritt, dass alle Menschen gut sind - doch sämtliche Fenster ihres Hauses ließ sie vergittern. Mit diesem Widerspruch lebte es sich bequem(er). Ich war wohl geprägt wie sie von all diesen schönen Poesie-Album-Sprüchen:

Liebe besiegt alles...Weich ist stärker als hart, Wasser ist stärker als Fels, Liebe ist stärker als Gewalt (Hesse). Die wahre Ambition der Frau ist die Ermutigung zur Liebe (Molière)...uswusf.

Bref, ich träumte den schönsten aller Jungmädchenträume: da muss nur ein bißchen meiner Liebe (so viel Eitelkeit muss sein) drauf, dann wandle ich gar einen Saulus zu einem Paulus. Am Schluß steckt in jedem Menschen ein kleines bißchen Liebenswürdigkeit - man muss sie nur herauskitzeln.

Nach Madagaskar kann ich diese Illusion, diese Verblendung nicht aufrecht erhalten. Gespielte, vorgegaukelte Freundlichkeit ist eben keine echte Freundlichkeit. Zu echter Freundlichkeit ist das Böse gar nicht in der Lage. Das Böse kann nicht anders als böse sein. Und es kann auch nicht anders als sein Gegenüber zu Opfern, Personal oder Nutz- und Wirtstieren zu unterjochen. Das Böse kennt keine Verbundenheit sondern nur Seilschaft, das Böse kennt keine Dankbarkeit sondern nur Nutzen, das Böse kennt kein Gesetz sondern nur Willkür (Zitat eines Miasmatikers: *Wenn ich die Wahl habe zwischen Gott und der Willkür, wähle ich die Willkür*), das Böse kennt kein Gewissen sondern nur Skrupelosigkeit, das Böse kennt keine Wahrhaftigkeit sondern nur Täuschung, das Böse kennt keine Empathie sondern nur Taktieren, das Böse kennt nur Manipulation und keine Freiheit. Das Böse ist böse, weil es nicht anders sein will wie böse - das ist nicht zu ändern, daran kann man nicht rütteln, da gibt es nichts zu retten! Es gilt auch umgekehrt: *Es ist, was es ist* (Erich Fried)

 



Das schreit nach einem Konter-Rezept, um nach schweren Gedanken wieder in leichtere Gefilde zu wechseln. Und da warte ich heute mit einem wirklich sonnig-gelbem Curry auf. Dabei ist das indische Curry so ungewöhnlich wie köstlich, so alltäglich wie feierlich, so unkompliziert wie raffiniert. Ein Glück, bekomme ich Rezepte-Empfehlungen von einstigen Feriegästen (coucou Stephanie) einfach zugeschickt. So macht man sich bei mir immer beliebt! Ich fand das Curry absolut super!


Zutaten für Kamala Phoolkopi:

500g Blumenkohl, in kleine Röschen geteilt
4 Kartoffeln, in 2cm Stücken geschnitten
1 TL Kurkuma
4 EL Öl
2 Lorbeerblätter
1 EL Ingwer, frisch gerieben
2 Zwiebeln, fein gewürfelt
1 TL Cayenne (m: etwas weniger)
2 TL Kreuzkümmel
1 TL Rohrzucker
3 Orangen, filetiert
3 grüne Chili-Schoten (m: nicht aufzutreiben)
Salz
125ml Wasser (m: Gemüsebrühe)

Garam Masala:
4 Gewürznelken
1 Zimtstange
2 Kardamomkapseln 

Zubereitung:

Die Blumenkohlröschen und die Kartoffelstücke in einer Schüssel mit dem Kurkuma mischen. Öl in einem schweren Topf stark erhitzen und das Gemüse darin in 2-3min anbraten - dann zur Seite stellen.

Nun in dem gleichen Topf Lorbeerblätter und Garam Masala geben und 1 min braten. Ingwer, ZwiebelnCayenne, Kreuzkümmel und Zucker zufügen und weitere 1-2 min braten bis die Gewürze leicht zu bräunen beginnen - um sie vor dem Verbrennen zu schützen gegebenenfalls etwas Wasser zufügen. 

Nun das Gemüse und die Orangenfilets von 2 Orangen zufügen (die Filets der dritten Orange dienen zur Dekoration) und 125ml Wasser (m: Gemüsebrühe) anschütten (m: brauchte bei mir etwas mehr, zusätzliche Brühe gab ich wie nötig nach und nach dazu). Etwa 15min mit geschlossenem Deckel sanft köcheln lassen, dabei immer wieder umrühren, bis die Kartoffeln gar sind. 5min vor Ende die grünen Chilis zufügen. Zum Servieren mit den restlichen Orangenfilets dekorieren.

Anmerkung m: bei mir brauchte das Curry etwas länger, damit die Kartoffeln durch waren - dicke Empfehlung, eindeutig gästetauglich!

Quelle: *Indien - das Kochbuch* von Pushpesh Pant

 

Mittwoch, 12. Januar 2022

12 von 12 - Januar 2022


 







Bei offenem Himmel liegt eine kalte, Sternen klare Nacht hinter uns und der Morgen beginnt mit rauchigen Wolken. Das Hundertundeinste Foto vom obligaten Porridge erspare ich euch. Wir entscheiden beim Frühstück einen Ausflug zu dem Mittwochsmarkt nach Die zu machen - man lebt dieses Leben schließlich nur ein Mal. Die Schattenseiten der Täler sind mit Raureif überzogen. Mir fällt nicht mehr ein, wer das einst an mich rangetragen hat (ein Fränzi, ein Inglisch?), aber ich mochte die Aussage, dass eines der schönsten deutschen Wörter *Raureif* wäre...

In Die gehen wir also Café trinken und hören der Straßenband zu - ich liebe die Athmo von Die. *Wenn Stadt dann Die*, pfege ich zu sagen. Was unsere Feriengäste sehr amüsiert, denn Die ist eben auch nichts anderes als ein Dorf - aber ein deutlich größeres als Gigors... Wie überall in der Drôme schätze ich das regionale Angebot von Kleinstbauern sehr. Die gesamt Eiermenge des Eierstands spricht für sich - kein weiteres Nachfragen nötig.

Und zugegeben: der Weihnachtsbaum von Die ist ebenfalls originell. Aber unserer hat in meinem Ranking eindeutig die Nase vorn!

Heimfahrt ist so kurvig wie idyllisch!

Zuhause ist Badezimmer putzen angesagt. Nachmittags fällt dort das Licht besonders schön rein. Hat übrigens komplett mein Habib gebaut (I ❤️ Handwerker!). Mittagessen gibt es für euch ein anders Mal!

Neue Yoga-Lehrerin entdeckt (was eine Fülle an Auswahl online inzwischen!): Kaylie Daniels. Ihre Stunden sind super strukturiert: ein wiederholender Flow wird immer weiter ausgebaut und ausgeschmückt und steigert sich so langsam in den optionalen Schwierigkeiten - mein heutiger sowie aktueller Lieblingsflow

Jeder hat den Propheten, den er verdient - und ich bin sehr zufrieden mit der Zuteilung unserer Prophetin der Drôme.

Letzte Handlung des Tages: Fotos richten, Post fertig stellen et voilà - initiiert und zusammen getragen wird wie jeden 12 von Caro von *Draußen nur Kännchen*

 

Ein sonniger, kalter Januartag bietet sich hervorragend an, um der Lust zur Melancholie ein wenig zu fröhnen. Diese Cover-Version mag ich sehr und gibts heute als Extra:

 

Sonntag, 9. Januar 2022

Roule ta boule - Spezial und Dubb-Tofu-Bällchen


Die Überschrift *Roule ta boule* habe ich geklaut und zwar heißt eine neueröffnete, kleine Handwerksbäckerei hier so. Noch kann ich nichts über ihre Sachen sagen, denn ich habe dort seitdem nicht eingekauft. Zum einen backe ich bekanntermaßen selbst, zum anderen ist die Konkurrenz groß. Beinahe jedes Dorf hat seinen eigenen Bäcker. Doch eine Chance muss ich ihr trotzdem geben!

Dieses, nein, letztes Jahr, habe ich unsere Feriengäste alle zwei Dörfer weitergeschickt, um das prämierte Croissant (ich erzählte) zu verkosten - das darf man sich ja nicht entgehen lassen. Aber ich wieß auch stets darauf hin, dass sie sich deshalb in ihrem Urteil nicht direkt voreinnehmen lassen sollen. Denn nachdem nun Jérémie aus Gigors, vraiement un brave mec,  vor wenigen Monaten ein Dorf weiter seine Bio-Bäckerei *Miche et Baguette* aufgemacht hat, ist für mich der Pokal für das beste Croissant Frankreichs schon wieder weitergewandert. Ich finde Jérémies Corissants sensationell! Aber Gleiches gilt für Baguettes. Ich kann locker drei Boulangerien aus dem Ärmel schütteln, alle dicht beeinander, und ein Baguette besser als das andere. Ich wüßte wirklich nicht, warum ich Baguettes oder Croissants backen sollte - zudem ich die Meister hier definitiv nicht überflügelt bekäme.

Aber ich schweife ab. Denn eigentliches Thema sind die kleinen Kugeln, die jeden Teller um einen schönes, kulinarisches Amuse Gueule bereichern. Gerade für die veganen/ vegetarischen Bowls sind solche Bällchen für mich das i-Tüpfelchen, DIE Aufwertung jeden Gemüsetellers. Abgesehen davon habe ich sowieso einen ausgeprägten Hang für Puffer aller Art. Deshalb heute zusätzlich ein kleines Spezial für euch.

Gnocchi, der nächste feine Fetisch, kann man prinzipiell rund rollen - daher habe ich euch mal zwei aus meinem Sortiment herausgesucht. Knödel wie Serviettenknödel sind traditionell gekugelt und kommen daher meiner einschlägigen Lust sehr entgegen. Aber heute habe ich mich auf die kleineren Kügelchen konzentriert.

Diese Tofu-Bällchen, die im Original * Vietnamese Style Meat-Balls* heißen, habe ich nun schon öfters zubereitet, weil: DUBB. Ihr wißt Bescheid! Ich finde die richtig super, gelingsicher, köstlichst, knusprig - bref: kann man eigentlich nicht viel besser machen. Besonders gut gefällt mir die Zitronengras-Note in den Gewürzen (coucou Kerstin). Dank des Original-Titels zählen sie außerdem zu meiner vegangen *Schlachtplatte* - eine Kategorie auf die ich in Kürze wieder zurückkommen werde und die mir viel Spaß bringt. Aber jetzt erst einmal Daumen hoch für diese Tofu-Bällchen - wie immer leicht abewandelt von mir!

 

 Zubereitung:

200g Tofu
1 TL Harissa
1 handvoll Koriander, gehackt
1 TL Thai-Basilikum*
1 EL Zitronengras-Paste*
1 EL Sesam
1 TL Tomatenmark
2 Knoblauchzehen, fein gehackt (oder Knofi-Pulver)
1 TL Salz
 ca.  1 EL Buchweizenmehl 

Dressing:

60ml Soja-Sauce 
100ml Wasser
2 TL Sriracha-Sauce
3 TL Ahorn-Sirup
2 TL Ketchup
2 TL Knoblauchpulver

Zubereitung:

Den Tofu aus der Verpackung nehmen und ca. 1/2 Stunde zwischen Küchentüchern beschweren und so etwas auspressen.

Ofen auf 180°C vorheizen - klappt aber genauso einwandfrei, die Bällchen mit Geduld in der Pfanne zu braten - up to you!

Den Tofu entweder per Hand fein zerkrümmeln oder mit Hilfe des Zauberstabs (letzteres hat sich bei mir durchgesetzt, weil schneller). Nun mit allen restlichen Zutaten für die Bällchen gut vermischen. Je nachdem noch etwas Buchweizenmehl wenn nötig zufügen.

Zum Formen die Hände leicht bemehlen (habs aber auch schon mit feuchten Händen gemacht - schau, was besser für dich funktioniert), einen Löffel der Mischung auf die Hand geben und rund rollen. So fortfahren, bis alle geformt sind.

Nun, original eine unbeschichtete Pfanne über mittlerer Flamme erhitzen und die Bällchen darin 3 min golden braten, auf ein Backblech mit Backpapier umsetzen und im vorgeheizten Ofen 15 min durchbacken.

Zusammen mit dem Dressing servieren.

Anmerkung m: Mit den Gewürzen bitte ich euch zu spielen. Petersilie statt Thai-Basilium etwa. Oder statt der Zitronengraspaste, ich extra geschickt bekam (nochmals Coucou Kersin) passt auch eine Curry-Paste, die Zitronengras enthält als Alternative. Sesam kann mit hinein - muss nicht. Wichtig ist, dass die Grund-Tofu-Masse funktioniert - und das tut sie!

Inspiration: Avantgardevegan

 

 

Gemüselastiges Boule-Spielen und für jeden was dabei. Bitte schön, bitte bedienen Sie sich reichlich!

 

       

       

       

       

Donnerstag, 6. Januar 2022

Sonntagsdinkelbrötchen zum Neustart

 

Traditionell habe ich stets das neue Foodblog-Jahr mit einem Brot-Rezept begonnen. Also zumindest meistens. Doch ich brauche niemanden erklären: die letzten beiden Jahre waren turbulent. So bin ich vergangenen Dezember nicht dazugekommen wie ebenfalls fast kontinuierlich meine Menu-Vorschläge für euch zusammenzustellen. Irgendwie ging das unter - und schwupps, schon war das Zeitfenster auch vorbei, in denen ich die Menus üblicherweise gepostet habe.

Wie es wohl um den Fortbestand von überhaupt Tradition und Kultur bestellt ist (von Religion fange ich gar nicht mehr an, die spielt in unseren Breitengraden ja schon lange eine untergeordnete Rolle)? Ich frage mich, ob nach zwei (oder drei, vier... ?)-jähriger Pandemie-Pause einfach wieder angeknüpft werden kann - ganz so, als wäre nix gewesen. Was meint ihr? Findet sich das von alleine wieder ein? Oder ist ein Bruch ein Bruch und verändert maßgeblich alles, weil ein nahtloser Weitergang von Sitten und Gebräuchen durch ein Aussetzen eben nicht wieder herzustellen ist?

Mein Lieblingsbeispiel, das ich für diese Überlegung heranziehe, sind die Männerballet-Gruppen an Fasching. In wievielen deutschen Dörfen raffen sich die Jungs zusammen, um für den alljährlichen Auftritt an Karneval zu proben. Was man halt so alles machen kann neben dem Biertrinken. Versteht mich nicht falsch! Nichts ist mir herzlich egaler wie Männerballet. Denn ganz ehrlich, eine Faschingsveranstaltung ohne Alk ist wie Schnorcheln mit Schnupfen: das macht einfach keinen Sinn. Aber gibts einen harmloseren Spaß als Männerbalett? Eben. Was ich mir versuche vorzustellen, ist, ob sich solche Kleinstvereine wieder aus dem Boden stampfen lassen nach so einem langen Aussetzer.

Jetzt gibt es bestimmt schlimmeres kulturelles Artensterben als Mänerballet. Ich meine halt nur... was verschwindet vielleicht nach diesen Dürrejahren von der Bühne auf Nimmerwiedersehen. Andererseits heißt es: *Distanz schafft klare Gedanken*. Gilt selbst für Paare mit Beziehungsproblemen. Und nach einer Pause, einem Bruch besteht die Möglichkeit auf Neustart zu gehen und nochmals (er)frischt zu beginnen. Und man kann bewußt, Dinge anders machen, ausschließen oder integrieren. Es wäre auch eine Chance... Ich höre in meinem Umfeld eine große Sehnsucht heraus, nach einer Welt die anders gestaltet ist - und zwar auf allen Ebenen: sozial, kulturell, ökonomisch. Wie könnte eine andere Welt mit anderen Beziehungen und Strukturen aussehen? Welchen Werten könnte man sich verpflichten? Und wenns nur im Kleinen ist als Lebensgemeinschaft? Sind doch schöne Gedanken, oder?

 


Nun, wenn man sonntags ausgeträumt hat, dann kann man den Tag ganz prima mit diesen Brötchen beginnen. Man kann sich gemütlich am Frühstückstisch streiten, ob mit Marmelade oder Honig bestrichen und ob begleitet von Tee oder Kaffee. Bei uns hat sich gerade hin und wieder das Frühstücksei zum Start in den Tag zwischen die sonstige Porridge-Gewohnheit gedrückt. 

Gerade für Berufstätige finde ich diese Brötchen ideal, weil man sich den Zeitplan sehr gut drumherum gestalten kann. Ihr dürft nur nicht aus dem Bett kugeln und direkt frühstücken wollen. Zeit zum Backen sollte noch sein. Oder aber ihr backt sie tiefgefroren auf dem Toaster auf - so mache ich das ebenfalls gerne. Die Brötchen schmecken dann genau so wie frisch aus dem Ofen. Anfängertauglich ist das Rezept obendrein, denn es kommt nur Hefe zum Einsatz. Und selbst ums Formen kann man sich drücken, denn der Teig sowie die Übernacht-Gare lässt zu, dass man sie einfach absticht...

 

Zutaten - 9 Stück:

Vorteig - ca. 10-12 Stunden:
110g Einkorn-VK*
110g Wasser
1g Hefe

Quellstück - ca. 10-12 Stunden:
210g Emmer-VK*
220g Wasser (oder 240g Kefir/Buttermilch)*
14g Salz

Hauptteig - ca. 10-14 Stunden:
Vorteig
Quellstück
400g Dinkel 630*
6g Hefe
ca. 150g Wasser
1 EL Rübensirup
Mohnsaat (oder andere Körner) zum Verwenden

Zubereitung: 

Vorteig und Quellstück morgens ansetzen (8 Uhr). Hefeteig anspringen lassen, dann beide Vorteige abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Abends (ca. 19 Uhr) für den Hauptteig alle Zutaten ca. 4min miteinander verkneten - Dinkel neigt dazu, schnell überknetet zu sein. 15 min ruhen lassen. Dann weitere 3min kneten. Teig sollte sich vom Schüsselrand lösen. Möglicherweise dabei noch ein Schlückchen Wasser zufügen (gerade wenn man für das Quellstück Kefir oder Buttermilch verwendet, kann das nötig sein).

Eine gute Stunde im Warmen abgedeckt ruhen lassen (der Teig sollte sichtbar angesprungen sein).

Nun entweder den Teig vorsichtig auf eine bemehlte und mit Mohn bestreute Arbeitsfläche kippen, vorsichtig quadratisch ziehen und 9 ca. gleichgroße Quadrate abstechen. Oder aber 9 Teiglinge rund schleifen, Oberfläche anfeuchten und in Mohn wälzen.

Mit der Oberfläche mit etwas Abstand und nach unten auf ein bemehltes Leinentuch (und Backblech) setzen und abgedeckt in den Kühlschrank schieben.

Am nächsten Morgen (10-14 Stunden später) den Ofen vorheizen auf 240°, mit Dampf einschieben, Dampf nach 10 min ablassen. Für insgesamt etwa 22min backen ) Klopfprobe. Letzten Minuten mit leicht geöffneter Tür backen.

Anmerkung m: Das Vollkornmehl habe ich schon nach Belieben ausgetauscht mit Dinkel oder Kamut - alles supi/ wenn man die Brötchen nur absticht und nicht formen will, darf man einen Schluck Wasser mehr an den Teig geben.

Neueste Variante mit Kamut-VK und Purpurweize-VK plus 150g gekochte Kartoffeln -  sehr schön!

 

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Jahresrückblick 2021







 
 

Die Überschrift von vergangenem Jahr 2020 war *DOF* - stand hier ums Eck bereits an der Wand. Musste ich nur aufgreifen. 2021 war so bewegt, mir fehlt noch Abstand um ein Wort zu finden, in das ich alles gepresst bekomme. Definitiv heule ich 2021 keine Träne hinterher. Es gab Momente, die ich so nie wieder erleben will. 21 Bilder von 2021 habe ich für den Jahresrückblick herausgesucht, die einen Hauch meines Jahres spiegeln. Wie gut, dass es den Taktmeister Natur gibt, der verlässliche Arbeit leistet. Und wunderschöne Natur kann meine neue Heimat die Drôme!

Ein Großteil des Sommers fiel für uns aus. Und doch verbrachten zufriedene Feriengäste sonnige Tage hier. Es war komisch. Auch, dass dieses Jahr Menschen ihren Urlaub auf dem Land verbrachten, die der Pandemie aus dem Weg gehen wollten, aber ihre Beziehung zur Natur verloren hatten und eigentlich nichts anzufangen wußten mit sich in der freien Wildbahn. Für mich war der besonders güldene Herbst eine Energieaufladestation in einer Intensität, wie ich sie seither noch nicht erlebt hatte.

Vieles wiederholt sich Jahr für Jahr wie die Blüte der wilden Tulpe (im Hintergrund das kleine Gigors), die blühende Mandelbaum-Plantage des Nachbarn oder oder... Doch Baby-Feuersalamander im Wasser-Reservoirs gabs so noch nie. Anrührend empfand ich, wie sehr der Mensch doch menschliche Nähe sucht - selbst wenn das Miteinander seit 2 Jahren sehr erschwert wird. Die Sehnsucht hat sich immer wieder Bahn geschlagen. Und sei es als kleines Balkon-Konzert während dem Markttag. Nie hat sich deutlicher gezeigt, wie wichtig Tradition und Kultur sind, um Geschmeinschaft zu schaffen. Wie sagt Brecht *Die unendliche Einsamkeit des Menschen macht eine Feindschaft zum unerreichbaren Ziel*.

Ach, und ich habe mich seit 150 Jahren mal wieder tätowieren lassen - mais c'est une affaire très privée. Ich bin schließlich *intimitätskleinlich* - da bestehe ich drauf! Ansonsten habe ich deutlich weniger gebloggt als die Jahre zuvor. Mal sehen, ob sich das wieder ändern lässt... Gegessen wird hier ja weiterhin und dementsprechend auch gekocht... wenn das Leben mich läßt.


      


Die Treuen kennen mich, ich bin Team #Kalendersprüche. 2021 begleiteten mich diese Zeilen besonders und vertieften sich im Herzen: Allahu akbar! ****Gott ist größer**** heißt die korrekte Übersetzung (coucou Axel). Ich habs verstanden: das Heiligste ist größer als alles, größer als alles Bedrohliche und größer als meine Ängste.

Maulana Dschalaluddin Rumi, eine Neuentdeckung für mich, eine echte Gedanken-Schatzkiste und ein begleitender Dreizeiler von ihm mir notweniger Talisman für den nachtschattigen Irrgarten 2021:
Dunkelheit sei deine Kerze
was dich verletzt, segnet dich 
Deine Grenzen sind deine Suche

Am Ende von 2021 stehen für mich die Dostojewski Worte: *Es gibt kein Glück im Wohlstand. Durch Leiden wird Glück erkauft.* Seltsam, oder, weil am liebsten würde man allem Leiden aus dem Weg gehen, aber darin liegt gut verborgen der eigentliche Grund, wieso wir hier sind: Erkenntnis. Oder mit Rumi: *Die Wunde ist der Ort, an dem das Licht in dich eindringt*. Also, was bleibt: Auf ins Gemetzel!

 


Für 2022 wünsche ich euch Gelassenheit, einen klaren Kopf, inneren Friede, Mut, Kraft und das Herz am rechten Fleck!

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