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Sonntag, 17. Februar 2019

ein weiteres Musketier: Dreikorn-Kasten


Also manchmal wäre eine Gruppe schon hilfreich. Ein Arbeitskreis. Oder eigentlich - für diesen speziellen Fall - idealerweise ein Lesezirkel. Ich habe nämlich dringenden Klärungsbedarf!

Aber fange ich von vorne an. *Der Graf von Monte Christo* von Alexandre Dumas fiel mir in die Hände. *Ist das nicht Weltliteratur, die man gelesen haben sollte*, fragte ich mich? Nunja, lautet mein Urteil im Nachhinein - kann man, muss man aber nicht. Dumas (schaut euch mal sein Konterfei an - was ein Halodri, oder?) galt seinerzeits als Star der Feuilleton-Szene und das trifft es ganz gut: *der Graf von Monte Christo* ist ein Unterhaltungsroman unterlegt mit einer holzschnittartigen mittelalterlichen Moral (dem Guten widerfährt Gerechtigkeit, dem Bösen straft das Leben) angereichert durch etwas laue Sinnlichkeit, bref: für mich die Verwirklichung einer maskulin-angehauten Schmonzette.

Überraschender Nebeneffekt: wie sehr Dumas das Kiffen huldigt (das hätte man mir mal früher stecken müssen, dass man mit dem Herrn Grafen als kleine *Legalize-it-Bibel* wedeln kann). Cannabis verherrlicht er als direkte Gabe aus dem Himmel, als handle es sich um nichts weniger als DAS Ambrosia. Wer nach der Lektüre nicht umgehend diese Engelsleiter erklimmen will, hat keinerlei Tendenz zu Rausch. Um sich diesem Genuss richtig öffnen zu können, erklärt Dumas, brauche es Zeit um entsprechende Rezeptoren auszubilden. Die Freude an Austern oder Trüffel stelle sich ja üblicherweise auch nicht direkt mit dem ersten Konsum ein (da spricht der Kenner). Tssss, griff mein Gedächtnis ein, wenn ich mich nur erinnere, wie sehr wir Mädels uns anfangs mühten, den Alk irgendwie runterzubekommen. Wir behalfen uns mit Criss-Sekt, diesem bappsüße Ungetränk oder hielten uns eine ganze Party-Nacht an Baileys fest. Schlimmes Flashback-Örrgs!

Bon, mich hier nicht falsch verstehen. Ich bin Kraft meiner Erfahrung der Überzeugung, dass Kiffen doof macht. Und zwar *doof* im Sinne von knalldumm, zu heiß gebadet, luschenlappig, einfältig wie Dösköppe, geistige Hinkefüße, Dumpfbacken, Nebeltänzer mit eklatanten Gedächtnisdefiziten sowohl Kurzzeit wie Langzeit betreffend, samt einer Veränderung der Leistungsfähigkeit des Gehirns bishin zu psychoiden Ausfällen. Für ein bißchen gechilltes Abhängen und kurz Nirvana atmen (was von Ihnen totally übertrieben ist, Monsieur Alexandre Dumas) steht das nicht für - meiner Meinung nach. Aber bitte, es gilt: jeder muss selbst wissen, welche bêtises in seinem Leben den Zuschlag erhalten. Keinerlei Ratschläge im Umgang mit Suchtmitteln meinerseits.

So, aber wo ich eigentlich rauskommen will, ist folgende Entdeckung. Und zwar glaube ich, dass Ian McEwan für *Abbitte* beim Monte Christo Grafen gewildert hat. Raub geistigen Eigentums. Und zwar ausgerechnet für den Dreh-und Angelsatz seines Romans. Wenn ich den jetzt verraten würde, dann wäre das ein fieser Spoiler für alle, die noch vorhaben diesen zu lesen. Aber fasse ich es mal so zusammen: dieser eine Satz enthält ein ungewöhnliches und äußerst poetisches Bild. Sollen zwei Dichter tatsächlich auf  die gleiche Idee gekommen sein? Kinners, ick gloob dat nich!

Direkt habe ich im Netz gesucht, ob sich dort ein Beweis finden läßt, der mein Verdacht erhärtet - aber keine Antwort erhalten. Liebe Leserschaft - Sie sind gefragt! Ja, ich weiß, hier geht es mal wieder um astreinen Mumpitz - so oder so herum: schietegal für die gesamte Menschheit. Nur ich kenne mich: ich weiß, dass mir das nie wieder aus dem Kopf geht... Und mit so einem Blödsinn darf man seine Gehirnwindungen nicht verkleben! Habt ihr vielleicht nur den McEwan gelesen - ihr wißt, welchen Satz ich meine - diesen bildhaften Vergleich gibt es doch nicht einfach so zwei Mal? Hach, das kupfert mich, ich kann euch gar nicht sagen wie!

Alexandre Dumas kennt man auch als Schriftsteller des Romans *Die drei Musketiere* (oder möglicherweise wie ich als Ideenlieferant für den Film). Brote dazu habe ich in Anlehung bereits gebacken. Nun erweitere ich durch einen Dreikorn-Kasten, den ich von Stefanie übernommen habe. Emmer-Einkorn-Roggen - eine Kombi, die gut gehen muss und nur gut gehen kann. Ein sehr leckeres Brot, das meinen Vorlieben wunderbar entspricht - Danke, Stefanie!


Zutaten à 2 Brote von je 600:

Sauerteig
150g Roggen, fein gemahlen
150g Wasser
15g Sauerteig

Brühstück
110g Sonnenblumenkerne , geröstet
25g Hanfsamen
100g Emmer, fein gemahlen
300g kochendes Wasser
12g Salz

Hauptteig:
Sauerteig
Brühstück
200g Emmer, fein gemahlen 
150g Einkorn, fein gemahlen 
8g Hefe
120 g Wasser 

Vollkornmehl zum Formen

Zubereitung:
 
Für den Sauerteig am Voraband Mehl, Wasser und Sauerteig zu einem homogenen Teig verrühren und 14-16 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen. 

Für das Brühstück alle Zutaten vermischen, abkühlen lassen und  in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tages alle Zutaten für den Teig erst 5 min auf kleiner Stufe kneten, dann bei hoher Geschwindigkeit bis zur vollen Glutenentwicklung kneten (ca. 8 –10 min).

Den Teig 90 min gehen lassen.

Den Teig halbieren und zu langen Broten formen und in der Kleie wälzen. In die gefettete Kastenformen (500g-Formen) setzen.
90 min gehen lassen. 

Den Ofen in der Zwischenzeit auf 250°C aufheizen. Die Brote in den Ofen schieben und 10 min mit Dampf backen. Nun die Temperatur auf 200°C reduzieren und weitere 40 min backen. 




Sonntag, 10. Februar 2019

Insta-tauglich: Krauterich der Krautfladen


*Mika, du hast das Internet überhaupt nicht verstanden. Null. Z-E-R-O!!!* Pascales Augenbrauen erreichen fast ihren Haaransatz, während sie mit der erhobenen rechten Hand aus Daumen und Zeigefinger ein O formt (immer ein bißchen Drama in allem die Fränzi-Mädels). 

*Kein Instagram, kein Twitter, kein Facebook, kein Linkedin, kein Google+ - Internet bedeutet Vernetzung!!!* - sie betont die Silbe des letzten Satzes und dehnt dabei die Worte unnatürlich in die Länge, ganz so, als würde sie nicht nur an meinem Verständnis für das WWW zweifeln sondern an meiner kompletten Gehirnkapazität. *Vernetzung* wiederholt Pascale eindringlich (die Finger-Null fuchtelt wieder). *Und zwar 2.0. Zusätzlich zu Organisationen wie die den Rosenkreuzern, Freimaurern, den Rotariern, dem Lions Club, die politische Parteien-Riegen, die Studentenvereinigungen, kein Volk hat das besser verinnerlicht wie die Juden, wenigstens das Vitamin-B der Familie braucht es für den kleinsten Rahmen, ABER: ohne Seilschaft keine Trittleiter nach oben! Und was treibst du? Seit Jahren? Du gibst Morsezeichen in einem Ein-Frau-U-Boot. Du miemst die letzte Litfasssäule an einer einsamen Landstraße. Du...

*Ich bin nicht schuld*, bringe ich mich aus der Schußlinie und werfe mich in der Deutschen liebsten Schützengraben (an dem Thema *Schuld* und der Frage *Wer ist dafür verantwortlich* kann sich kein Land länger aufhalten). Ich kichere: *Ich habe keinen Instagram-Boyfriend. Hier, schau', es gibt jetzt einen neuen Beruf. *Influencerin-Chefsekretär*, Markenmaskottchen-Angestellter* oder *Reclamekleindarstellerin-Assistent* - ich halte ihr das Smartphone unter die Nase und zeige ihr dieses Bild - *Da kommt ein Selfie-Stick nicht mit, vielleicht noch was gepimpt durch Drohnen-Fotos, bref: Super Zukunftsperspektiven, aber der Habib hat komischerweise keinen Bock drauf.* 

*Tssss*, Pascale schüttelt den Kopf, *die spinnen, die Römer* und lacht auch. *Das neue Sado-Matriachat: sie klimpert mit ihren Wimpern anstelle der Peitsche und droht unterschwellig beim Hypnotisieren mit Geld-und Sexentzug: 'Jetzt-komm, du-willst-es- doch-auch, du-willst-auch-ein-SUPER-Foto-von-mir*

*Krass, oder?! Wie weit trägt Eitelkeit? Die schütten ihren Jungs doch was in den Tee! Das macht doch kein Mensch freiwillig mit.*
*Es ist schwer, gutes Personal zu finden*.
*Ben, jeder wie er meint, denkt, muss und es braucht*, wende ich ein. *Sie sind jung, sie brauchen das Geld. Velleicht reden die mehr als andere Paare miteinander? So abends vorm PC: Sehen meine Haare auf dem oder auf dem Bild besser aus? Gemeinsame Arbeit verbindet. Gütertrennung wird vermutlich schwer - aber das ist sie ja meistens...

*Naja, aber wenn du wolltest, könntest du ja trotzdem...
*Jaja, ich weiß*, unterbreche ich Pascale erneut *du hast schon recht. Klar macht NUR bloggen keinen Sinn - marktstrategisch, betriebswirtschaftlich, aufmerksamkeitstechnisch. Aber ich bin nun mal kein Follower-Typ. Und umgekehrt bin ich nix für Follower. Und der Konsum von Social Media gibt mir einfach überhaupt nichts. Trotzdem macht es Sinn. Auf meine Weise. Ein Thema nämlich wiederholt sich auf meinem Blog beharrlich: gehe deinen eigenen Weg, finde deine eigene Haltung, sei so individuell wie nur möglich, stehe zuallerst für dich und deine eigenen Werte ein. Vielleicht mache ich mir mit dem Schreiben darüber selbst Mut.*
*Alte, du machst mich fertig....*

Nur, damit ihr mal eine Vorstellung bekommt, wie sich mein Feedback so anhören kann. Aber fertiggemacht wird heute nicht, bevor nicht alle den Krauterich probiert haben - der einzig wahre, alltagstaugliche Krautfladen!


Zutaten 2P:

160g Dinkel 1050
60g Einkorn-Vollkorn
1 EL Öl
Salz
1 TL Koriander. frisch geschrotet
120ml Wasser

1 kleine Stange Lauch
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
170g Weißkohl
Öl
Salz, Pfeffer
Piment
Kümmel, ganz
ca. 170g Käse (m: gemischt/ Reste) 
Olivenöl

ca. 2 EL Crème fraiche
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Für den Flammkuchenteig das Mehl, das Salz, den Koriander und das Öl mit 120ml Wasser in einer Schüssel vermengen und zügig erst mit einem Holzkochlöffel, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Bei Bedarf noch etwas Wasser zugeben. Teig beiseite stellen. 

Den Ofen mit einem Pizzastein vorheizen (ca. 250°). 

Knoblauch fein hacken, die Zwiebel ebenso. Den Lauch in feine Ringe, den Weißkohl in feine Streifen schneiden. Die Zwiebel in Öl glasig anschwitzen, dann Lauch und Kohl zufügen und nochmals mitdünsten. Mit Salz, Pfeffer und Piment abschmecken.
  
Den Flammkuchenteig teilen, jeweils schön dünn auswellen, dann auf ein Backpapier verlegen. Mit der mit Salz und Pfeffer gewürzten Crème bestreichen, den Pfanneninhalt auf beiden Fladen verteilen und mit dem gewürfelten Käse und Kümmel bestreuen. Nochmals leicht würzen, mit Olivenöl beträufeln und die Flammkuchen im heißen Ofen nacheinander knusprig braten.

Anmerkung m: Flammkuchenteig nach Juliane - der mich in seiner Schnelligkeit, Luftigkeit und prima Handhabe absolut überzeugt. Außerdem sollte - für mein Dafürhalten - Falmmkuchen ein Blitz-Essen sein!


Donnerstag, 7. Februar 2019

Omas Maultaschen mit Kartoffelsalat... fast


Eigentlich bin ich eine mäßige Esserin. Eigentlich ist ein grandioses Füllwort. Jeder, der das Wort *eigentlich* verwendet, weiß eigentlich genau, dass er den gleichen Satz geradeso auch andersherum formulieren könnte: eigentlich bin ich keine mäßige Esserin. Ich bin überwiegend eine mäßige Esserin, aber es kommt halt drauf an.

Wenn mir etwas wirklich gut schmeckt etwa, kann ich reinhauen wie ein Scheunendrescher. Oder wenn ich richtig hungrig bin - nachdem ich umgegraben, Holz geschichtet, den Hang gemäht habe... - dann auch. Oder - ganz verhängnisvoll fatal - wenn ich vor einem Buffet stehe. Buffet tut mir nicht gut. Da brechen sich ganz alte *Ich-könnte-etwas-verpassen-Ängste* bahn und ich muß fast alles probieren. Oder - eine besonders erstaunliche Erfahrung für mich - als ich bei der Bekannten eines Freundes zum Abendessen eingeladen war, aß ich unaufhörlich, schon anstößig, ja peinliche Unmengen. Ich konnte mir selbst nicht erklären, was da los war, aber ich wurde einfach nicht satt. Als hätte das Essen meiner Gastgeberin - Typ frierendes Dörrobst ohne Brust und Hintern mit einem gekrümmten Strich als Mund bei nagender Unzufriedenheit immer das Gefühl verbreitend, sie käme zu kurz - keinerlei Nährwert. Wo nix ist, ist nix zu holen. Ist das kurios?!

Überhaupt streift das ja eh eines der unergründlichsten Phänomene beim Essen, nämlich dass man den Koch irgendwie mitißt. Kennt ihr doch auch, oder? Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Selbe. Läßt sich nirgendwo besser überprüfen als beim Essen. Ein und dasselbe Rezept von zwei Köchen gekocht, schmeckt trotzdem unterschiedlich. Geheimzutat Koch/ Spucke/ Kochlöffelumdrehung. Irgend soetwas. 

Aber bei den Maultaschen war das nicht der Grund, wieso sich niemand wagte, Omas Maultaschen-Rezept nachzukochen. Maultaschen gab es einfach nur bei Oma, weil Oma die unangefochtene Familienmaultaschenmeisterin war. Undenkbar an diesem Olymp auch nur ansatzweise zu kratzen.

Für ihre Spezialität wallte sie den Nudelteig so dünn aus, dass man das Holzbrett durchsah - strudelteigdünn eben. Besonders an ihren Maultaschen war, dass sie ihnen beim Füllen einen Nudellatz ließ, so dass man gleichzeitig eine gefüllte Nudel und eine pure Nudel - beides üppigst abgeschmelzt - auf einen Schlag serviert bekam. Dafür schnitt sie eigentümliche abstrakt-unsymmetrische Nudelteigecken. Wohl auch, um die teuere Fleischfüllung zu sparen - alte Gewohnheit noch von mageren Zeiten. Jeder, der Omas Maultaschen sah, wußte sofort: auf dem Land von Hand gemacht. Omas rustikale Maultaschen waren ein Highlight im kulinarischen Kalender!

Hach, *rustikal* -  ein tragendes Säulenwort in meinem Universum: ohne Briefwaage, ohne Ziselieren, ohne langes Kalkulieren, großzügig, au pif, round about, aus der Lameng, nach Gutdünken. Das bringt beim Kochen den gleichen Spaß wie im Leben.

Natürlich sind es nicht ganz Omas Maultaschen geworden. Es fehlt - logo - zum einen die Geheimzutat. Und zum anderen das Fleisch. Das habe ich ersetzt mit meiner l-e-g-e-n-d-ä-r-e-n Käse-Spinat-Füllung. Die ist ja derart großartig, dass sie euch in Bälde hier wieder begegnen wird.

Da wärt ihr wohl auf den ersten Blick nicht drauf gekommen, dass in diesen Maultaschen soviel Geschichten stecken. Es sind schließlich nicht irgendwelche Maultaschen - diese Füllung ist eingewickelt in viele Erinnerungen. Aber genau deshalb erzähle ich euch das ja...



Zutaten 3-4P (ergibt etwa 22 Maultaschen)

Pastateig
200g Mehl (m: D630)
2 Eigelb
2 EL Öl
Salz
etwas kaltes Wasser

500g Spinat
1 Brötchen vom Vortag
(ca.70-80g)
1 Eigelb
2 EL Semmelbrösel
1 Schalotte
2 Knoblauchzehen
150g Saint Félicien
Salz, Pfeffer
Muskatnussabrieb
Piment

Butter 
Semmelbrösel

(ohne Ei und Käse)
Zubereitung:

Für den Pastateig die Zutaten zu einem homogenen, weichen, nicht mehr klebenden, glatten Teig sorgfältig verkneten, in Folie einwickeln und wenigstens 1 Stunde kalt stellen.

Für die Füllung das Brötchen vom Vortag in kaltem Wasser einweichen. Den Spinat von seinen Stielen befreien und waschen. In kochendem Wasser den Spinat zusammenfallen lassen, abschütten und in kaltem Wasser abschrecken. Sehr gut ausdrücken und klein hacken. Schalotte und Knoblauchzehen fein würfeln und in etwas Butter glasig dünsten. Käse kleiner schneiden. Brötchen sehr gut ausdrücken. Alle Zutaten der Füllung nun in einer Schüssel vermengen (geht am besten, wenn man die Mischung von Hand verknetet). Gut würzig abschmecken. 

Den Pastateig hauchdünn auswellen (Strudelteig-dünn: man muß die Maserung des Holzes durch den Teig sehen können). Am besten den Teig dafür teilen und nacheinander dünn auswellen (m: mein Holzbrett wäre für 1x auswellen zu klein). Dann unregelmäßige Rauten schneiden, in eine Ecke einen guten, gehäuften Teelöffel Füllung in eine Ecke setzen, die Füllung mit etwas übrig gebliebenem Eiweiß umpinseln und recht eng den Teig von einer Seite einschlagen. So verfahren, bis Nudelteig und Füllung aufgebraucht sind.

Reichlich Salzwasser zum Sieden bringen. Die Maultaschen darin ca. 2min gar ziehen lassen (nicht zu lange: sonst wird der dünne Pastateig an den Enden der Maultaschen zu weich, aber lange genug, damit die Füllung gar ziehen kann), abschöpfen und gut abtropfen lassen.

Großzügig Butter mit etwas Semmelbrösel aufschäumen und die Maultaschen vor dem Servieren damit abschmelzen.

Geschwister im Blog: Schwäbische MaultaschenLinsen-Maultaschen, Demi-Lunes farcies


Freitag, 1. Februar 2019

Allgemeinwesen: mediterraner Eintopf mit Artischocken und Erbsen


*Was soll man denken, wenn man im Kabarett Nachrichten erfährt und Nachrichten zum Kabarett werden* hörte ich eine Kritik bezüglich *Die Anstalt*, eine Sendung die ich sehr schätze für ihre sorgfältigen Recherchen, ihren Informationsgehalt und die interessante Verknüpfung der Fakten.

Politisches Kabarett war irgendwie noch nie sexy, oder? Derlei Komik wird leicht ungemütlich oder gar anklagend - eine Stimmung, die sich wohl bei Systemkritik schlecht vermeiden lässt. Wir Deutschen sollten der Führrungsriege unseres Landes samt seinem Propaganda-Apparat ja besonders skeptisch gegenüberstehen - müßte man meinen. Ob unserer Vergangenheit. Unnötig zu erwähnen wie falsch das deutsche  Volk einst gelenkt wurde. Eigentlich gebranntes Kind...

Komischerweise werden jedoch Widerständler lieber in die Verschwörungstheoretikerecke gedrückt oder mit Plattitüden à la *Jaha, dann sollen doch die in die Politik gehen und es besser machen* platt gemacht. Wobei sich das in meiner kindlichen Auffassung von Demokratie nicht SO schwierig gestalten dürfte. Demokratie ist die Staatsform, deren Maxime es ist im Interessenverbund der Mehrheit verbindliche Entscheidungen zu treffen. Das dürfte - rein theoretisch - nur die Auswertung von Zahlen sein: was der größten Menge der Menschen innerhalb dieser Staatsform zugute kommt, kann man bestimmt auswerten und realisieren. Der umgesetzte Volkswillen durch Volksvertreter. That's all.

Tja, wenn es mal so einfach wäre, könnte man dagegen hauen. Aber manchmal ist es auch nicht so kompliziert wie immer getan wird. Meine Rede. Manchmal wäre gut daran getan, einfach wieder öfters zu *verallgemeinern* (oder sich an Beispielen orientieren - auch ne Möglichkeit).

Mein unangefochtener König des politischen Kabaretts ist und bleibt Volker Pispers, der leider seit geraumer Zeit und nach dreißigjähriger Tätigkeit die Bühne verlassen hat. Aus einem seiner letzten Auftritte fiel mir erneut die Redewendung *divide et impera* (teile und herrsche) auf, welche auf diesem Blog ja erst kürzlich zu Weihnachten fiel. Nun, dachte ich mir, was wäre denn der umgekehrte Gedankenweg. Und da landete ich bei der Solidaritätsgemeinschaft. Oder etwas pathetischer: Schicksalsgemeinschaft. Die zentralen Themen, die eine Gesellschaft regeln, bleiben Rente, Gesundheitswesen, Bildung, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Steuergerechtigkeit. Das sind die Kernfragen über die wir diskutieren müssen, wollen wir über den großen Rest reden: Wie wollen wir leben? In Deutschland? In Europa? In der Welt? Dann lassen wir uns nicht weiterhin mit unbedeutenden Nebenschauplätzen ablenken.

Nicht nur die Gelbwesten-Bewegung zeigt, dass Politik und Bürger in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Weltweit kann man Unzufriedenheit darüber beobachten. Greife ich nur mal die überwiegend (!) friedlichen Proteste in Hamburg zum G20-Gipfel als Beispiel auf. Tiefgreifende und zwar generelle Meinungsverschiedenheiten, die mittlerweile selbst die Jüngsten verstehen und Schüler und Kinder auf die Strasse bringen (letzteres beeindruckendes Bild: March for our lives) - einen Tatbestand, den ich so erschütternd wie beschämend finde (an alle Erwachsenen: Hallo Haltung?!)

Womit ich wieder bei der Vereinfachung herauskomme. Denn tatsächlich kristallisiert sich heraus, dass ein Volk viel konsensfähiger ist, als uns gerne glauben gemacht wird. Urban Pirol hat in seinem Jahresrückblick  einige Beispiele aufgeführt, für die sich klare Mehrheiten finden: Abschaffung von Glyphosat (Wunsch und Wille von 86% der Deutschen), Begrenzung der Amtszeit von Bundeskanzler und Ministern auf zwei Legislaturperioden (54%), Anhebung des Mindeststundenlohns wenigstens auf 12 Euro (82%), keine Rüstungsexporte in Krisengebiete, Aufnahme von flüchtenden Menschen in Not (82%), kostenloser Nahverkehr, bezahlbarer Wohnraum...

Sehr aus dem Herzen sprach mir auch Erwin Pelzig in der vorletzten Sendung der Anstalt zum Thema *Fleischindustrie* - so sehr, dass ich seinen Beitrag hier einstelle und mit drei Ausrufezeichen versehe!!! Hiermit geschehen. Und zwar nicht als Foodblog oder gar als vegetarischer Foodblog, sondern weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir ganz unabhängig von jedweder Couleur oder Geschmacksrichtung hinter Herrn Pelzig als die Mehrheit dieser Gesellschaft stehen! (noch ein Ausrufezeichen, jawohl).

Wenn jetzt nicht ein Eintopf wie die Faust aufs Auge als Abschluß zu diesem Post paßt, also dann weiß ich auch nicht. Zum aktuellen Wetter paßt er übrigens auch. Wer an keine frischen Artischkocken bekommt, könnte sie durch eingelegte aus dem Glas ersetzen.


Zutaten 2P:

200g Einkorn, ganzes Korn
2 Artischocken
100g Erbsen (m: gefroren, eigene)
100g Kichererbsen, gekocht*
40g getrocknete Tomaten 
1 TL getrockneter Thymian
1 Lorbeer-Blatt
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
Noilly Prat
Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer 
Piment d'Espelette
Olivenöl

6 grüne Oliven
frisch geriebener Parmesan

Zubereitung:

Einkorn am Abend zuvor einweichen. Mit frischem Wasser spülen und nun leicht bedeckt mit Gemüsebrühe aufsetzen und ca. 10min vorkochen. Abschütten, Kochwasser auffangen.

Tomaten mit Wasser überbrühen und ca. 10min ziehen lassen. Artischocken putzen, achteln und in Zitronenwasser zur Seite stellen.

Zwiebeln und Knoblauch fein hacken. Tomaten abtropfen lassen und ebenfalls fein hacken. Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten in dem Olivenöl anbraten. Einkorn zugeben, Gemüseconfit, Noilly und einen Teil der Gemüsebrühe. Thymian und Lorbeerblatt untermischen, Deckel auflegen und 10min leicht köcheln lassen. Kichererbsen und Artischocken untermischen, falls nötig nochmals Gemüsebrühe zufügen und weitere 15-20min köcheln lassen. Kurz vor dem Servieren die Erbsen dazu geben und kurz gar ziehen lassen.

Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Piment.

Zum Servieren, die grünen Oliven entsteinen und grob hacken. Mit dem Parmesan garnieren.

*Anmerkung m: ich habe mir angewöhnt, immer selbst gekochte Kichererbsen geforen in der Tiefkühle portionsweise griffbereit zu haben - sie schmecken einfach viel besser als die aus der Dose, aber brauchen eben Vorlauf: einweichen, kochen... und die Zeit fehlt manchmal beim spontanen Essenzubereiten. In diesem Fall könnte man sie aber immerhin zusammen mit dem Einkorn am Abend zuvor einweichen.



Mittwoch, 23. Januar 2019

Rosenzeit: Kefir-Gugl mit Himbeeren und Johannisbeeren


Während dieser elendlangen Busfahrten zum Gymnasium und zurück verschlang ich Denise-Romane. Die gabs damals am Kiosk am Busbahnhof in einem metallenen Drehständer, verheissend harmlos rosa und hellblau eingebunden, ein Pärchenbild als Cover wie von der Bravo geklaut, auf Altpapier gedruckt. Verwickelte Liebesgeschichten, die in der Jetztzeit angesiedelt waren: auf der ersten Seite lernten sie sich kennen, auf der letzten kamen sie zusammen. Die Frage war das Wie.

Fortbildung, bei der auf nichts aufgebaut wurde außer auf viel Hoffnung und Sehnsucht. Eine Lesephase, die genau so endete wie sie begann: in der Pupertät.  Ein schlechtes (jüngst gelesenes) Beispiel für dieses Genre in der Literatur ist übrigends *Die Einsamkeit der Primzahlen*: zwei Verhaltensauffällige, Gemütskranke irren um sich herum - anstrengend und ermüdend (schade eigentlich bei dem schönen Titel).

Hingegen ein echtes Bomben-Beispiel ist *Stolz und Vorurteil* von Jane Austen - ich war während der Lektüre wie zu besten Zeiten völlig im Fieber, wann sie sich endlich in die Arme fallen. Aber das nur unter uns im Geheimen, niemals würde ich das öffentlich zugeben! Am Kuriosesten an dieser Geschichte ist ja, dass die Verfilmung auch funktioniert. Jede Kameraeinstellung eine Postkarte. Kitsch as Kitsch can. *Ein kleines Wunder* urteilte damals die FAZ - und das ist es indeed. Vermutlich mit weil Keira Knightley mit ihrer verspannten Kieferpartie auf ganz natürliche Weise dieses Eigensinnige, Trotzige, Verweigernde mitbringt, das die Rolle der Elizabeth so hervorragend kleidet.

All das Überzuckerte-Klebrig-Dämmerige mit Nippes und Sonnenuntergang, am Valentinstag mit oppulenter Hochzeitsfeier, samt utopischen Versprechungen und Schwüren, als wisse man, was die Zukunft bringt, gestanzten Rollenbildern, protzigen Geschenken, die den Gegenwert der Gefühle spiegeln sollen, Kerzen, Negligés, Rosenduft oder (direkt aus der Hölle) Paare, die miteinander in Babysprache kommunizieren - die Typographie des Grauens ohne auch nur den Hauch eines romantischen Moments für mich.

Aber bitte, jeder darf Romantik interpretieren, wie er will. Für meine Zwillingsschwester ist Romantik gar eine bloße Erfindung ihrer Epoche (sie schrieb ihre Magisterarbeit darüber). Und das erwähne ich nicht als Anklage, sondern um aufzuzeigen, wie unterschiedlich zweieiige Zwillinge stets sind und sie trotzdem behaarlich von der Gesellschaft in den Topf der eineiigen geworfen werden. Es ist wohl zu viel von der Außenwelt verlangt genauer hinzuschauen, wo es sich doch viel einfacher mit Klischées lebt.

In meinem Leben gebührt der Romantik ein zentraler Platz. Zwei Menschen, die miteinander füreinander sind. Nix polyamor, nix Tandra, nix Swinger, nix freie Liebe. Zwei, die einen Kern bilden. Wie beim Fangenspielen als Kind. Es gibt den Bereich der Jagd und einen ganz kleinen Ort, da ist *Haus*, geschützt und bestenfalls selbst kreiert mit Vertrauen und Ehrlichkeit. Ein Verbund ganz freiwilliger Art. Nicht aus Pflicht heraus, nicht der Biologie gehorchend. Das gelebte Mysterium eines Baumes: 

Ginkgo Biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut
 

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

 
Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?
 

(JW v. Goethe)

Habib, du bist die Erfüllung eines Jungmädchentraums, aber du bist ein scheußlicher Zeitbeschleuniger: die letzten Jahre vergingen viel zu schnell! Rosenzeit mit Wermut. Versüße ich uns den *Weil-nichts-bleibt-wie-es-ist*-Moment mit einem Kuchen, gatschig und saftig ganz wie ein Rührkuchen sein muss und sein sollte... zumindest, wenn er aus meiner Gugelhupfform fällt!


Zutaten - Gugelhupfform*:

300g Weizenmehl (m: Dinkel 630)
250g Johannisbeeren (m: gemischt mit Himbeeren)
200g weiche Butter
200g Rohrzucker
150ml Buttermilch
1 Vanille-Stange, das Mark davon
4 Eier*
2 TL Backpulver
eine Prise Salz

Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung:

Den Ofen auf 175 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Guglhupfform einfetten und ein wenig mit Mehl ausstäuben.

Die Vanilleschote halbieren und das Mark herrausschaben. Die Butter mit dem Zucker und der Vanille aufschlagen bis die Masse aufhellt und cremig wird. Ein Ei nach nach dem anderen zugeben, dabei jeweils eine Minute weiterrühren.

In einer anderen Schüssel die trockenen Zutaten vermengen: das Mehl mit dem Backpulver und der Prise Salz vermischen. 

Mehl-Mischung und Buttermilch im Wechsel zum Kuchenteig geben - dabei nicht zu lange rühren. 

Die Johannisbeeren und Himbeeren (gm: eigene, gefroren) dazugeben und einmal kurz unterheben. 

Dann den Teig in die Form geben, drei bis vier Mal die Form auf die Küchenplatte hauen, damit sich eventuelle Bläschen auflösen. Für 60 Minuten backen.

Den Kuchen abkühlen lassen, erst dann aus der Form stürzen. 

*Anmerkung m: Um die Kuchen-Gugelhupfform ganz zu füllen, könnte (sollte - so mache ich das nächste Mal) man die Zutatenmenge mit 1,25 multiplizieren


Inspiration: Über-see-Mädchen
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