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Dienstag, 14. Juli 2020

Frankreich-Spezial am 14.Juli


... herausgriffen habe ich für das Frankreich-Spezial zum heutigen quatorze juillet, dem Nationalfreiertag, hauptsächlich ein paar kleine Geschichten und Eindrücke aus dem Leben im südlichen, ländlichen Frankreich:


     1. immer diese Missverständisse

     2. le pays de sirops

     3. Hä? Comment tu t'apelles???


     5. die allwöchentliche Tarte: im Sommer unbedingt mit Tomaten

     6. wenn mit stumpfen Stift gerechnet wird

     7. Coquetterie, das könnse hier

     8. ... vielleicht weil anschmachten Spaß macht?


    10. die da oben... gucken gerade nicht zu

    11... und Paris ist sowieso weit weg...

    12. die Drôme lässt grüßen - gerne etwas braun gebrannter

    13. der weltschnellste Kuchen schmeckt auch mit anderem Obst
          und verbindt den Süden mit dem dem Norden

    14. wer kann (und will) schon ohne Zärtlichkeit?
          ein Lieblingschanson auch in dieser Variante:



Sonntag, 12. Juli 2020

12 von 12 - Juli 2020













Wie ich nun dank meinem neuen Buch *Die grüne Kraft* (Coucou Angelika!) weiß, ist dass ich intuitiv schon lange morgens bereits eine kleine Trinkkur zur Entgiftung mache - so wie es in Japan Tradition hat: man trinkt nach dem Aufstehen einen halben Liter lauwarmes Wasser und isst dann frühestens eine Stunde später etwas - eine wirklich kleine Übung und nix leichter als das!

Bis dahin hulahubse ich meine Viertelstunde (prima Massage für die inneren Organe) und strukturiere mich grob für den Tag.

Rituell geht es beim Frühstück mit Porridge weiter, allerdings in der De-luxe-Variante. Für die Aprikosen und Pfirsiche ist die Drôme Anbaugebiet, die mara du bois, die Königin aller Erdbeeren, bleibt uns bis September erhalten, die wilden Blaubeeren sind aus der Ardèche, die Reine Claude stammen aus dem Garten - dazu einige Saaten... wie kann das nicht schmecken?

Ganz kurzfristig haben sich Gäste angekündigt - also wird das *Himmelsnah* gerichtet. Und Putzen kann man durchaus als kleines Cardio nehmen, es ist schließlich körperliche Arbeit. Wobei meine Lieblingsarbeit stets ist, ganz am Schluss den kleinen Blumenstrauss aufzustellen: immer mit dem Wunsch verbunden, dass unsere Gäste eine schöne Zeit erleben dürfen! Jetzt liegt es nicht mehr in meiner Hand...

Danach zieht es mich zur selbstgezogenen Kamille, die sich ausgesprochen wohl fühlt neben dem Lavendel (und dem Segelfalter) und daher eine prima Ernte anbietet. Jeden Abend kommen ein paar Blüten in unseren Schlummer-Tee. Und sieht die Kamille nicht schon irgendwie teddybärig aus?

Drinnen liegt noch viel getrocknete Beute von meinen Streifzügen auf dem Tisch - ich bin ganz und gar Feuer und Flamme für mein neues Hobby. Und die neu gelenkte Aufmerksamkeit macht mir nochmals auf erfrischte Art bewußt, WIE einmalig schön mein *natürliches Zuhause* ist!

Danach gehts aber zum Café-Trinken! Hey, es ist Sonntag! Also überqueren wir die Drôme - wo schon sehr eifrig gebadet wird - zu unserem Spatzen-Café (das Croissant wurde redlich geteilt). Dort treffen wir eine Bekannte, die darüber sinniert, wie ungewöhnlich dieser Juli ist: in zwei Wochen gabs schon drei Gewitter mit kräftigem Regen. Uns klappt der Kiefer vor Entgeisterung herunter! Wie ungerecht ist das! Sie wohnt gerade einmal 20 km von uns entfernt - und bei uns hats in der gleichen Zeit ein einziges Mal getröpfelt!!!

Zurück an dem ersten blühenden Sonnenblumenfeld - womit wir mit einem Fuss schon im Spätsommer stehen. Auch die Lavendelfelder sind nun abgeerntet. Ach, Sommer, bleib noch etwas!

Daheim freue ich mich aufs Mittagessen: VIEL Tomaten (Tomaten-Salat gabs auch dazu) und die erste Aubergine der Saison - nach diesem Rezept! Ich koche wirklich sehr gerne für mich selbst :). Anfangs in Südfrankreich stand ich mit der Aubergine auf Kriegsfuss (ähnlich wie Christjann) aber es kommt IMMER nur auf die richtigen Ideen an - siehe mein Auberginen-Spezial, das lauter Köstlichkeiten aus Auberginen zaubert!

Unter der Eiche findet sich kurz Zeit für ein wenig Lektüre, eine Dauerwiederholung, nämlich der Herr von Kleist *Das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten wieder offen ist.*  UND: ich sehe die vierte fünfte Zikade meines Lebens. Sie zeigen sich äußerst selten und laut einem spanischen Sprichwort bringt es deshalb Glück, einer Zikade zu begegnen. Ich glaube das jetzt natürlich. Logo. Also wenn ichs mir recht überlege, war das auch so bei meiner letzten. Einer Sternschnuppe beim Fallen zuzusehen, bringt übrigens auch Glück - ich wollte es nur erwähnt haben... Mein erster Sternschuppenwunsch ging in Erfüllung... nur damit ihr informiert seid!

Dann kommen frische, auf Anhieb super-sympathische Feriengäste an. Es ist eine Freude mit ihnen im Garten ins Gespräch zu kommen - und schwierig, ein Ende zu finden. Schön, dass sie so kurzentschlossen zu uns gefunden haben! Es reicht aber noch für ein Hampel-Foto und die dazugehörige Bewegung (#Knutsch für meinen Instagram-Boyfriend/ #Yoga biegt/ #die Aussicht ist selbst schwarz-weiß der Hit/ #extremely posing).

Bei Draußen nur Kännchen werde ich jetzt schauen, was die anderen so mit ihrem Sonntag angestellt haben - vorher muss ich aber noch eine Runde gießen...


Freitag, 10. Juli 2020

Umdenken: Polenta-Pizza


Gesundheit ist gerade mehr denn je ein Verkaufsschlager - fällt euch das auch so sehr auf? Dabei ist Gesundheit ja eigentlich nix. Wenn man nix merkt, dann ist alles gut. Schon irre, oder? Weil sonst rennt ja alles dahin, wo die Feuerwerke abgefackelt werden. Bei *Nix* guckt doch keiner hin.

Trotzalledem ließ sich mit *Gesundheit* schon immer einen Batzen Goldstücke verdienen. Und schon immer gab es in dieser Berufsgruppe ein Haufen Quacksalber. Es kommt auf das Marketing an (eine starke Lobby ist stets von Vorteil) und auf den Verzweiflungsgrad des jeweiligen Patienten. Aber machen wir uns nichts vor: nicht viel verbindet die vielen einzelnen, abermillionen Menschen mehr, als die Angst vor Krankheit beziehungsweise vor Leid. Der Kern des Buddhismus setzt sich mit der Frage auseinander, ob es möglich ist, Leiden vollständig zu überwinden und dauerhaftes, endgültiges Glück zu erreichen. Es ist kein Geheimnis: hätte Mensch die Wahl, dann würden wir gerne das Leid meiden wie die Beulenpest.

Mit Covid wird gerade viel hinterfragt. Eine Zeit des Umbruchs kann gleichzeitig eine Zeit des Neustarts sein. *Covid-19 ist vorallem eine Krankheit unserer Lebensweise* titelt etwa die SZ. *Geht Wohlstand auch mit weniger Konsum* oder *Kann die Wirtschaft nach Corona auch klimafreundlich wachsen* findet man aktuell Überschriften in der Zeit. Und in Frankreich wählt man auf kommunaler Ebene grüner denn je. Dass da gerade ein (momentanes?) Umdenken stattfindet, merken wir sogar auf unseren Wochenmärkten: es gibt so viele Kunden wie noch nie, die sehr früh aufstehen und auf einen Schlag Schlangen bilden vor den Bio-Ständen. Das hat unsere Welt so noch nicht gesehen.

Was wäre, wenn es nur biologische Landwirtschaft gäbe - fragt brandeins. Es wäre schwerlich möglich - ist das Ergebnis dieses Artikels. Soll das also das Privileg stets nur von wenigen Landschaften, Tieren und Menschen bleiben? Zwei Faktoren müssten vorneweg dafür geändert werden: es dürften nicht mehr derart viele Lebensmittel weggeworfen werden. Alleine die Deutschen werfen 310 Kilo Essen weg - jede Sekunde! Eine erschlagende, schier unglaubliche Zahl, nich? Und ein weiterer Faktor ist der Fleischkonsum. Es müsste viel weniger Fleisch gegessen werden. Man möchte ja meinen, dass Skandale wie die um Tönnies derart einschlagen, dass den Grillern der Spaß vergeht. Allein mir fehlt der Glaube. Gerade lese ich ein Buch über *Intervallfasten* (hach, und was wartet überhaupt ein toller Bücherstapel auf mich!!!) und die Autorin zitiert die WHO (eine Organisation deren Wort ja viel Aufmerksamkeit bekam in diesen seltsamen Tagen), die das Fleisch von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen und vor allem Produkte wie Wurst und Schinken als krebserregend einstuft. Über die Haltungsbedingungen von Masttieren muss ich wohl kein Wort mehr verlieren - wissen wir Bescheid.

Nun, nach 9 Jahren Bloggerei übers Essen wird mir mehr und mehr bewußt, WIE groß der Anteil der Ernährung an der Gesundheit ist: die Ernährung ist eine der tragenden Säulen. Man kann dank des Blogs meine Entwicklung dahin gut verfolgen. Immer mehr wird mein Ideal so vegan und vollwertig wie möglich. Das heißt nicht, dass ich auf tierische Fette oder Ei und Käse ganz verzichten möchte - aber ich versuche uns weiter auf weniger zu drillen. Und bei den täglichen Fastenunterbrechungen werden wir wohl erst einmal bleiben. Nach einem Vierteljahr kann ich sagen: es tut mir auffällig gut.


Wie stets beim Guten müssen mehrere Faktoren zusammenspielen. SO einfach stellt sich *gut* nicht ein (Dauerthema: Zufriedenheit/ und die Dörrobstfrau- Geschichte fällt mir ebenfalls direkt wieder ein). Für eine anständige Ernährung braucht es das passende Leben dazu. Komischerweise stelle ich immer wieder fest, dass *satt sein* etwas mit Zufriedenheit zu tun hat. Satt und zufrieden ist doch eigentlich das Gleiche. Wenn ich uns ein Essen zubereite aus der frischen Gartenernte, dann kann der Teller noch so schlicht sein, er wird mich ganz bestimmt zufrieden stellen. Natürlich könnte man diese *Polenta-Pizza* pimpen mit Käse, etwas Parmesan drüber oder so... muss aber gar nicht mal sein. Viel wichtiger finde ich den Salat dazu!

Zutaten 2P:

100g Polenta*
400ml Gemüsebrühe
1 TL Thymian, getrocknet
1 Lorbeerblatt
Salz, Pfeffer

1 Zucchini
eine handvoll Kirschtomaten
Oregano, getrocknet
Salz, Pfeffer
Olivenöl

3 Tomaten
2 Knoblauchzehen
Harissa
Salz, Pfeffer
1 Pr Zucker

1 Bund Basilikum
1 handvoll Pinienkerne
Olivenöl
Salz
etwas Zitronensaft

Zubereitung:

Für die Polenta die Gemüsebrühe mit Lorbeerblatt und Thymian zum Kochen bringen. Die Polenta einrühren, dabei stetig rühren und warten, bis die Polenta eindickt - nebenher das Lorbeerblatt rausfischeln. Die Polenta in einer mit Olivenöl ausgestrichenen Backform etwa fingerdick verstreichen. Mindestens 3 Stunden abkühlen lassen (kann auch am Vortag schon gemacht werden und dann in den Kühli gestellt).

Die Zucchini in 2mm dicke Scheiben hobeln, auf ein mit Backpapier ausgelegtem und dünn mit Olivenöl bestrichenen Backblech legen, die Kirschtomaten halbieren, mit Oregano bestreuen, salzen, pfeffern, mit etwas Olivenöl beträufeln - und für ca. 15min in den heißen Ofen bei 200° Umluft.

Die 3 Tomaten kurz ins kochende Wasser legen und dann häuten, klein schneiden und zusammen mit dem feingeschnittenen Knoblauch sowie Rosmarin cremig einköcheln lassen bis fast alle Feuchtigkeit verdampft ist. Abschmecken.

Die Sauce auf den Polenta-Boden verstreichen. Darauf Zucchini und Tomaten anrichten und die Gratinform nochmals für etwa 10-15min in den Ofen schieben.

Währenddessen im Mixer Basilikum mit Pinienkernen, Salz und Zitronensaft zu einem Pesto mixen - ACHTUNG: bei manchen hat sich das Olivenöl dabei schon ins bittere gewandelt - die nehmen zum Mixen Sonnenblumen- oder Rapsöl.

Anmerkung m: Ich habe Instant-Polenta hierfür verwendet, finde aber, dass richtige Polenta (etwa aus Tessin) um Welten besser schmeckt.




Die Touris lieben die kultivierten Felder - ich mag den wilden Lavendel besonders

Montag, 6. Juli 2020

Voilà l'été - Knoblauch-Zitronen-Couscous mit Ofengemüse und Tomaten-Gazpacho-Sauce


Den Sommer verbringt man in Südfrankreich draußen - alles andere kann nur Stubenhocker sein. Zumal der Sommer jetzt besonders schön ist. Noch hat die erschlagende Hitze nicht eingesetzt und die Wiesen nicht verbrannt, sondern bei goldenem Sonnenschein weht eine leichte, frische Prise, die Sicht ist klar und und abends kühlt die Temperatur so ab, dass man sich gerne ein wenig zudeckt und besonders gut schläft. Schöner wird der Sommer nicht mehr.

Also gehts auch in der Küche schnell zu - und dementsprechend auf dem Foodblog. Reiz dieses Tellers macht die Gartenernte, die Frische, die Kombination der Gewürze, der Unterschied der Temperaturen und die Leichtigkeit aus. Bei uns gab es dieses Essen nun schon 2 Mal kurz hintereinander - einfach weil es so Sommer tauglich ist. So variabel vom Gemüse. So unkompliziert. Und weils mir einfach gut schmeckt. Und die ersten eigenen Tomaten lange am besten einfach roh schmecken...


Zutaten 2P:

120g Couscous (m: Vollkorn)*
2-3 Knoblauchzehen
1/2 Salzzitrone*
2 Frühlingszwiebeln
Olivenöl
Salz, Pfeffer
etwas Zitronensaft

1 Coeur de boeuf - Tomate (m: noir de crimée)*
1 Stück Melone (m: Charentais)
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

buntes Gemüse
(m: 1 kleiner Brokkoli, 1 Karotte, 1 Paprika, 1/2 Fenchel,
1 Rote Bete, 1 rote Zwiebel)
Olivenöl
1/2 TL Sumach
1/2 TL Koriander
1/4 TL Kreuzkümmel
1 EL Rosmarin, fein gehackt
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Ofen auf 200°C (Umluft) vorheizen. In einer Schüssel Öl mit Gewürzen mischen. Das Gemüse rüsten: putzen und in kleine Stücke schneiden. In der Schüssel marinieren und in einer ofenfesten Form für etwa 20 Minuten (je nach Gemüse etwas kürzer oder länger) in den heißen Ofen schieben.

Die Tomate kurz in kochendes Wasser geben, dann häuten und gemeinsam mit einem Stück Melone fein pürieren. Mit Salz, Pfeffer und Piment würzen und kalt stellen.

In der Zwischenzeit das Couscous in der gleichen Menge kochendem Salz-Wasser zusammen mit dem klein gehackten Knofi und der fein gehackten Schale der Salzzitrone (Fleisch vorher entfernen!) etwa 5min köcheln -  und weitere gute 5min unter geschlossenem Deckel quellen lassen. Dann Olivenöl locker untermischen und die in Ringe geschnittenen Frühlingszwiebeln. Nochmals abschmecken, wer mag, würzt noch mit etwas Zitronensaft.

Alles miteinander servieren.

*Anmerkung m: Varianten sind ganz viele möglich. Man könnte die Gazpacho raffinierter gestalten - etwa wie diese Gazpacho - oder zum Couscous eine schöne handvoll Erbsen zufügen. Oder aber auch gerne die ganze Salzzitrone für das Couscous verwenden. Oder auch Zitronen-Basilikum daruntermiaschen.  Übrigens: Vollkorn-Couscous schmeckt genau wie das weiße. Und anstelle einer Fleischtomate nehmt ihr einfach 3 normale.


Mittwoch, 1. Juli 2020

Paris ist weit weg VII - Reisnudeln mit Buschbohnen in Erdnuss-Sauce


Wir fahren einen utilitaire - ich hatte es schon davon - einen Kastenwagen, den wir gebraucht gekauft haben. Wichtiger als die Marke (ich kann sie eh nicht auseinanderhalten) ist in meinem Autoverständnis die Farbe. Es ist weiss. Beziehungsweise *sie* -  in Frankreich sind Autos ja weiblich und vielleicht mit ein Grund, warum sie der Buben liebstes Spielzeug sind.

Gerade der letzte Tatbestand (die Farbe)  macht es mir oft besonders schwer, meinen im Auto wartenden Habib vor dem Supermarkt wieder ausfindig zu machen, wenn er in der Zwischenzeit im Baumarkt auf der Straße gegenüber etwas besorgte. Wer sich auf französischen Landstrassen unsichtbar machen will, kauft sich einen weißen Kastenwagen - auch darüber berichtete ich. Oft hilft mir nur der Blick aufs Nummernschild weiter...

Nun, weil es ein utilitaire (also ein Nutzfahrzeug) ist, müssen wir jedes Jahr zum TÜV. Ein Jahr ist es TÜV mit ASU, im nächsten ist es nur ASU. Immer Ende Juni wenn es brütend heiss ist.

Unsere TÜV-Werkstatt ist Ein-Mann-Betrieb in einer offensichtlich selbst gebauten Halle und ich finde ihn genauso super wie unseren Mechaniker (ihr erinnert euch?). Beide echte Orginale! Gerne mache ich mir ja den Spaß mich als GRANDIOSE Regisseurin zu fühlen und dann besetze ich die Menschen, die mir begegnen in meinem Kopf-Kino: ich überlege, für welche Rolle sie - quasi bereits ohne Worte - wie gemacht wären. Also unser TÜV-Abnehmer kleidet seinen Echt-Job bereits sehr gut, er wäre aber auch ohne jede weitere Veränderung perfekt als Trainer für einen Alt-Herren-Fußballverein in den 90ern. Mit größerer Selbstverständlichkeit könnte sein Extremo-Vokuhila nicht getragen werden. Unmöglich.

Unser Termin war um 16 Uhr und dummerweise können wir uns als Deutsche partout nicht abgewöhnen, Schlag 4 vor der Tür zu stehen. Dabei WISSEN wir, dass pünktlich in Südfrankreich zu früh ist. Natürlich war noch ein Wagen auf der Hebebühne. Draußen auf der Wartebank knallte die Sonne hin, also setzten wir uns neben unsere Vorgängerin auf einen der fünf klapprigen Stühle, über denen einer dieser dekorativen Klebestreifen für Fliegen baumelte - wie sich rausstellt zu recht und nicht 100% effektiv.

Großes Hallo, die Arbeit wird unterbrochen, uns derweil ein Bier angeboten, kurzes Abhacken des obligatorischen Wetter-Schmall-Talks, das Telefon klingelt scheppernd durch die Werkstatthalle - und er verschwindet in seinem Tohuwabohu-Büro. Er kommt wieder raus, bietet uns an, den Ventilator für uns anzuschalten (nicht notwenig) und schaut sich dann den Unterboden des hochgefahrenen Wagens mit einer Taschenlampe genauer an. Das Formular wird ausgefüllt, unsere Vorgängerin folgt ihm ins Büro, während unser Nachfolgetermin dazukommt.

Wieder großes Hallo, man kennt sich - Land halt. Er müsse seinen Hund erst aus dem Auto holen, viel zu heiß für den da drinne. Tsss, einer von diesen Kleinen, winkt Patrick ab. Ein ganz Süßer, wenn du ihn siehst, wirst du dich in ihn verlieben, ist sich der Besitzer sicher. Und er kommt wieder mit einem Jack-Russel-Rüden, der sich gegen die Leine stemmt mit verschlagenem heruntergeklapptem, rechten Ohr, der erst einmal am Motorrad in der Werstatt das Bein hochhebt. Also ich bin nicht verknallt. Der wäre ja sowas von brav und freundlich.... mhmmm...

Patrick holt unseren Weißen für die ASU (Schlüssel steckt), mir ist heiß, die Fliegen nerven, die ASU erhalten wir gerade so (irgendetwas am Anlasser macht nicht wie es soll) und endlich können wir bezahlen. Sein Vater war Kanninchen-Züchter, die Hasen werden erst zum Schlachten gegeben, wenn sie ein Kilo haben. Patrick macht vor, wie er sie zum Wiegen hochhob, das hat er im Gefühl, ein Kilo, das weiß er so. Er kann vielleicht deshalb so gut Gewicht schätzen. Ich, also ich würde soundsoviel wiegen und der Habib dasunddas. Er zieht jeweils 1-2 Kilo Kulanz ab - ansonsten stimmts.

Patrick folgt uns zum Auto, wechselt die ASU-Plakette und wir reden darüber, wie wichtig es ist, heute schon zu leben und nicht erst morgen. Einer seiner Kumpels, erzählt er, hatte sich riesig auf die Rente gefreut, Wohnmobil kaufen und dann gehts los. Kaum war er in Rente, Krebs-Diagnose, drei Monate später war er tot. Ach, im Elsass habe er auch mal einige Zeit gelebt, aber mit denen dort könne man nicht zusammenschaffen, komplett andere Mentalität, die haben nur Arbeit im Kopf. Dann landet unsere Unterhaltung - wie die meisten heutzutage - bei Covid. Wie er während der strengen Auflagen des confinements zu seinen Pferden gefahren war zum Füttern und die flics gerufen wurden, den Zettel (Passierschein) hatte er natürlich dafür nicht dabei... Er wisse genau, wers war, sind ja immer die gleichen und eine bestimmte Rasse an Mensch, die in solchen Zeiten aufblüht... Ach, und ein anderer Kumpel von ihm hat ein Resto, kommt nicht rum mit den Verlusten, überlegt, dicht zumachen, zwei andere haben auch die Arbeit verloren. Er macht sich Sorgen, wie das weitergeht, das gebe doch soziale Unruhen. Nee, man muss wirklich jetzt und heute leben. Nächste Woche habe er Geburtstag. Er feiert ein bißchen in der Werkstatt, nix Großes, die Kumpels kommen, bringen ein halbes Wildschwein mit, nebenher macht er drei Autos von ihnen - wir sollen doch auch kommen...

Er wendet sich unserem Nachfolger zu, der nicht nur mit einer Engelsgeduld wartet, sondern weiterhin bestens gelaunt ist - Hitze und Mücken zum Trotz. Sein Hund habe gegen das Motorrad gepinkelt, berichtet er. Drei Mal, präzisiert der Habib, während er den Motor anlässt und wir aus der Werkstatt rollen. Drei Mal, wiederholt Patrick grinsend und tadelnd zugleich - und alles lacht.

Kurz nach 5 verlassen wir die Werkstatt: für eine Kontrolle, die keine 5 Minuten dauerte, haben wir über eine Stunde dort verbracht. Und in mir regt sich der Verdacht, dass es sich bei *reiblungslosen Abläufen* und *freundlichem Miteinander* um so ein *Entweder-Oder-Dingens* handelt - man kann nicht beides gleichzeitig haben.


Wie soll es anders sein, denke ich mit meiner Gartenküche sobald etwas im Garten geerntet wurde an Gerichte, die mir letzte/ vorletzte Saison gut schmeckten. Die Bohnen mit Reisnudeln fielen mir ein. Und Hannahs Sommerrrollen-Dipp - dieses Gericht ist eine Kombi aus beidem und dabei doch ein bißchen anders. Ich hätte locker nochmal Nachschlag nehmen können, obwohl ich pappsatt war, so lecker fand ich's.

Zutaten 2P:

120g Reisnudeln
400g Buschbohnen
1/2 Bund Frühlingszwiebeln

3 Datteln, klein
2 Knoblauchzehen
50g Erdnuss-Crème, crunchy
2 EL Tamari-Sauce
1 Stück Ingwer, wallnuss-groß
1/2 Zitrone, Abrieb davon
2 EL brauner Reis-Essig
100ml kochendes Wasser

2 EL gehackte Erdnüsse

Zubereitung:

Buschbohnen gipfeln (je nach Sorte den Faden ziehen) und in Salzwasser gar kochen, dann abschütten und unter kaltem Wasser abschrecken.

Die Reisnudeln nach Packungsanweisung garen (dauert in kochendem Wasser etwa 7min), abschütten und etwas Kochwasser auffangen und ebenfalls unter kaltem Wasser spülen.

Parallel die Sauce herstellen: dazu die Datteln entsteinen, kleiner schneiden und mit den 100ml kochendem Wasser übergießen. Den kleingeschnittenen Knoblauch und die restlichen Zutaten zufügen und fein pürieren.

Die Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden. In einer Pfanne Nudeln, Bohnen und Sauce zusammen erwärmen, dabei den unteren Teil der Frühlingszwiebel (die weißen Ringe) direkt untermischen - eventuell (der Konsistenz zuliebe) noch etwas von dem aufgefangenen Kochwasser der Reisnudeln untermischen.

Auf Teller anrichten, mit dem Frühlingszwiebel-Grün und den gehackten Erdnüssen bestreuen.


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