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Montag, 17. September 2018

lucky: Kartoffelkuchen mit Reblochon


In meiner Instagramwelt (zugegeben eine sehr überschaubare) mehrt sich ein und dieselbe Spezies von jungen, gertenschlanken Mädchen. Sie alle machen Yoga, ernähren sich vegan, surfen wenn möglich an Traum-Stränden, kleiden sich gerne in Bio-Baumwolle und schminken sich mit Bio-Kosmetik. Voll pc. Ein zertifiziertes, Scheckheft gepflegtes, Mainstream taugliches, TÜV geprüftes schönes Leben. 

Gerne spicken sie ihre Bilder mit Hashtags wie #blessed oder #graceful und Teebeutelweisheiten wie #live your dreams out. Hey, nix dagegen. Solln se machen. Ich gönne jedem alles ( siehe Mme Vogel: *ich habe mein Leben, meine Liebe und sonst nix zu verlieren, wie könnte irgendjemand damit konkurrieren). Was mich nur irritiert: warum dabei eine einzige Lebensvorstellung reproduzieren? Warum nicht mal Yoga-Häkeln-Bonsai-Bäume-züchten. Oder Surfen-Singen-Seidenmalerei. Warum sich keinen individuellen Weg suchen, sondern einer Bewegung nacheifern? Und jeder ahnt, dass man nun mal nicht beides haben kann: Individualität und Gruppe.

Mir spielt mein hauseigenes Radio beim Gucken derlei Bilder gerne den alten, anstrengenden Kylie-Gassenhauer ein:*I should be so lucky, lucky, lucky, lucky*. Du meine Güte, sind die glücklich. Ein einziges verstreuen von glizzernden *Gute-Laune-Konfettis*. Aneinandergereihte, strahlende Selbstportraits mit unkaschiertem Bilderbuch-Ego. Da bekomme ich dann doch etwas Brechreiz. Bei diesem Vibe à la: *Und du könntest das auch sein, wenn du es nur so machst wie ich. Mir nach Richtung Grinsekatze, ich weiß, wie's geht*. Logo, da ist man sich seiner Funktion als Influencer bewußt.

Die Welt ist eine große Spielwiese. Darauf dürfen sich nicht nur alle Selbstinszenierer dieser Welt ausprobieren. Keine Zensur von mir. Muss jeder für sich selbst wissen. Nur wundern darf ich mich ja. Dass das so funktioniert. Dass denen das so *abgekauft* wird. Jeder, der seinen Kopf einigermaßen gerade auf das Untergestell gesetzt bekommen hat, stellt irgendwann (eher früher als später) fest, dass Leben alles andere als reines Zuckerschlecken ist. Selbst wenn man mal einen Lauf hat, braucht man nur nach rechts und links zu gucken, und sollte wieder reguliert sein. Himmel, was kann es Schicksalsschläge hageln!

Die Frauen des Naturvolks der Sahara, den Touareg, rufen in Momenten der Freude gerne diesen hohen, schwingenden Ton aus (Ululation), der so typisch ist für weite Teile Afrikas und Arabiens, nur dass sie sich dabei sanft mit der flachen Hand auf den Kopf schlagen. Bloß nicht übermütig werden, nur den Kopf dabei nicht zu hoch recken, keine schlafenden Hunde wecken. Uralte Weiseheit: Wenn das Pendel in die eine Richtung schwingt, dann schwingt es auch wieder in die andere. Für alles zahlt man einen Preis. Daher halten sie sich an die drei unscheinbaren Tugenden: Mäßigkeit, Nüchternheit, Bescheidenheit. Bon, die Mädels pflegen keine Instagram-Accounts und Follower und Werbedeals würden sich auf diese Weise wohl auch nicht rekrutieren lassen. Zumal *Follower* durch die Wüste bringen... oh, da könnte der Habib Geschichten erzählen...

Für uns gibts dazu ein fürstliches Salat-Plus-Essen. Kartoffel-Käse-Glück für alle, die Kartoffel-Käse-Glück zu schätzen wissen. Samt Tomatensalat und Blattsalat als blaublütige Begleitung...


Zutaten 2P - kleine Kuchenform:

600g Kartoffeln (m: Charlotte)
einige Blätter Salbei
1 Eier, groß
(oder 2 kleine)
100ml Sahne
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
60g Reblochon
Butter für die Form

Zubereitung:

Ofen auf 200° vorheizen.

Die Kartoffeln schälen und in feine Scheiben hobeln. Von den Salbeiblättern die Mittelachse entfernen und in feine Streifen schneiden. Käse leicht entrinden und in Würfel schneiden. Die Form buttern.

Eine Lage Kartoffelscheiben auf den Boden schichten, sowie auf den Rand (m: habe auch eine Schicht über die Kante geschichtet). Dann jeweils leicht salzen und pfeffern und etwas Salbei darüber geben sowie einige Käsewürfel. So weiter schichten und mit einer Lage Kartoffeln abschließen. Die Oberfläche mit flüssiger Butter bepinseln.

Sahne und Eier verquirlen und darübergießen. Falls die Springform nicht gut schließt, einen Bogen Alufolie von außen um die Form legen, damit nichts auf den Backofenboden tropft, oder die Form auf ein Backblech stellen. 

Das Gratin etwa 45min backen (gegebenenfalls abdecken mit Backpapier, sollte es zu dunkel werden) oder am Ende unter den Grill stellen, damit es goldbraun aussieht... Messerprobe: der Kartoffelkuchen ist durch, wenn das Messer ohne Widerstand durchgeht.

Vor dem Anschneiden noch wenigstens 5-10min ruhen lassen.


Samstag, 15. September 2018

Jetzt gehts los: Rustikales Dinkelchen


Brötchen backe ich immer wieder gerne zwischendurch. Alleine schon deshalb, weil sie sich ganz kurz entschlossen direkt auf dem Toaster auftauen lassen. Brötchen habe ich auch von Anfang an gerne gebacken. Man kann es sich ja gar nicht mehr vorstellen heute, aber damals - zu meinen Anfängen vor über 10 Jahren - gab es lediglich schriftliche Beschreibungen im Netz zum Brotbacken.

Nix mit speziellen Brotbackblogs, nix Videos, nix gute Brotbackbücher. Die einschlägigen Foren waren mein Anlaufhafen. Und da hieß es in den Erklärungen, wie man ein Brötchen in Form bringt (im Fach-Chargon *rundschleifen*): *die Teigkugel wie ein Kugellager in der hohlen Hand drehen - dabei darauf achten, dass der Teigboden leichte Bodenhaftung hat.* Mehr Infos für die Praxis waren nicht zu holen.

Aber hey, das funktionierte super. Sogar ohne Anschauungsmateriel. Gerade an  einer kleinen und sehr handlichen Menge läßt sich das Teiggefühl prima üben und man sieht und merkt besonders gut, wie sich auf diese Weise Oberflächenspannung aufbaut. Außerdem kann man kontrollieren, wie sich unten der Schluß (jahrelang bin ich mit den Augen über dieses Wort immer nur drübergehuscht und *Schuß* gelesen) bildet. Mit den Anleitungen, die heute im Netz greifbar sind, sollte die Hemmschwelle mit dem Brotbacken zu starten, nahezu ausgelöscht sein.

Diese Dinkelchen habe ich übertitelt mit *jetzt gehts los*, weil die Brötchen noch nicht einmal rund geschliffen werden müssen. Einfaches abstechen und aufs Blech setzen - das ist alles. Obendrein braucht es keinen Sauerteig, sondern das Rezept besteht aus einem einfachen, gereiften Hefeteig und gelingt garantiert, denn es stammt von meinem Brotbackhelden Dietmar. Die Kiste rutscht quasi von alleine.

Sowohl für absolute Beginner wie für Skeptikerinnen wie Zorra, die Brötchen nicht ganz über den Weg trauen. Zorra wünscht sich zu ihrem 14. Blog-Geburtstag Brötchen-Rezepte. Nur zu gerne komme ich ihrer Aufforderung nach - mit den herzlichsten Glückwünschen, Zorra! Schön, dich so konstant in Blogistan zu wissen! Mit diesen Dinkelchen hier sollten alle schlechten Erfahrungen vom Tisch gewischt sein!

Ein bißchen habe ich in dem Rezept noch rumgefummelt und Chia-Samen zugefügt. Ihr wißt: ich stehe drauf. Sie verbessern die Frischhaltequalität und man bekommt in den Teig mehr Feuchtigkeit. So gut finde ich sie, dass ich sie direkt zwei Mal hintereinander gebacken habe. Und bestimmt nicht zum letzten Mal!

Zutaten 9 oder 10 Stück:

Dinkel-Kochstück:
100g Wasser (100°C)
50g Dinkelvollkornmehl
Kochendes Wasser auf das Dinkelvollkornmehl schütten und ordentlich verrühren. Anschließend im Kühlschrank bis zur Weiterverarbeitung lagern.

Dinkel-Vorteig:
100g Wasser 4°C
75g Dinkelvollkornmehl
0,5g Hefe
Zutaten verrühren und 10-12Std bei Raumtemperatur reifen lassen.

25g Chia-Samen
70g Wasser 
mindestens 3 Stunden quellen lassen

Hauptteig:
175g reifes Dinkelpoolish
150g Dinkelkochstück
375g Dinkelmehl Type 630
Chia-Samen-Quellstück
210g Wasser 10°C
12g Salz
7g Honig
5g Hefe 

Zubereitung: 

Alle Zutaten 8 Minuten langsam und 3-4 Minuten schnell kneten.
Anschließend den Teig in eine geölte Wanne geben.

Nach 45 Minuten den Teig 1x falten und anschließend  im Kühlschrank bei 4°C gelagert.

Der Teig kann nun  mit der angeführten Hefemenge über einen Zeitraum von 12 – 14 Stunden im Kühlschrank gelagert werden. Sollte die Teigreife auf 20 – 24 Stunden verlängert werden, dann ist eine reduzierung der Hefemenge empfehlenswert!

Am nächsten Tag muss die Teigwanne vor der Weiterverarbeitung 1 Stunde zuvor aus dem Kühlschrank genommen werden.

Vor der Aufarbeitung muss das Backrohr bereits auf 250°C vorgeheizt werden.

Arbeitsplatte mit Roggenmehl stark bemehlen und die Teigwanne auf das bemehlte kippen - dabei vorsichtig vorgehen und den Teig schonend behandeln. Anschließend mit einer Teigspachtel nach Wunsch verschiedene Größen abstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech ablegen (bei meiner Version habe ich die bemehlte Seite auf das Backblech gelegt).

Zum Schluss können die Dinkelweckerl mit Kümmelsalz (m: schwarzer Sesam) bestreut werden.

Nach dem Abstechen die Teiglinge noch 30 Minuten garen lassen und anschließend mit kräftigen Schwaden bei 250°C backen.

Gebacken werden die Weckerl ca. 15-18 Minten (je nach Größe) bei gleichbleibender Hitze.

Mittwoch, 12. September 2018

12 von 12 - September 2018

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1. Richtung Erntedank präsentiere ich die absolute De-luxe-Variante unseres Porridge - viel Obst aus dem Garten: Birne, Apfel, Feige, Pfirsich plus späte Mara du Bois, die Königin unter den Erdbeeren. Wenn ein Tag schon so beginnt, dann läufts... Sieht man auch, oder?

2. und 3. Erste Garteneinheit. Die bemesse ich nicht nach Stunden sondern nach meinem *Grünabfälle-Sack*. Meiner hat ein Fassungsvermögen von etwa 270l - dicht gefüllt macht das eine Einheit. Drei gefüllte Säcke sind SEHR gut. Momentan wandelt es sich allerdings nicht sehr lustvoll durch den Garten. Keine Rosen, die wieder blühen, nur ein paar Astern, Cosmeen, Ringelblumen, Tobinambur, vereinzelte blaue Borretschköpfchen. Diese gelbe, glockige und leicht duftende Clematis trotzt Dürre und Hitze eigensinnig. Wenigstens verschleiern einige Wolkennetze den Himmel etwas - es schwitzt sich dennoch angemessen...

4. Dann fahren wir zur Müllablade der Nachbargemeinde (Details erspare ich euch) und kombinieren das mit einem Café-Stopp. Im Hintergrund übrigens das Abenteuer-Auto des Habibi - mehrfach Afrika erprobt!

5. Dort schauen wir auch gleich in die Lokalzeitung - deren Météo-Vorhersagen sind recht solide. Soweit das Auge reicht (bzw. die Wetter-Vorschau) kein Regen in Sicht. Au contraire. Bis Sonntag weiterhin 30°...

6. und 7. Gestern war ich mit einer Freundin wieder an der Gervanne baden. Fühle sich genauso an wie im Juli oder August. Das Wasser glasklar wie immer und die Sonne so heiß, dass man sich ein Schattenplätzchen suchen musste. Ein Schmetterling nimmt mich als Landeplatz. Leider ist der Schwund der Insekten dieses Jahr auffallend und nicht zu übersehen...

8. ein Salat-Plus-Essen - passend zu der Hitze. Gurke aus dem Garten, Tomaten aus dem Garten samt der Kartoffel *Charlotte* (mein erklärter Liebling: fest und von schöner gelber Farbe). Dazu ein Stückchen Salzbutter für mich und etwas Schnittlauchquark für den Habib. Nix zum Verbloggen aber für mich Landküche zum Niederknien...

9. Anschließend richte ich *das Schwalbennest* - nun beginnt die Nachsaison und wir haben wieder Kapazität. 20% Nachlass übrigens. Also wer schon immer ein Mal durch den Naturpark Vercors wandern wollte, dabei Stille und Weite genießen und über südfranzösische Märkte flanieren... jetzt sofort... dann, bitteschön, weiter zu Sonne und Lavendel - bei uns seit ihr maxicosy aufgehoben...

10. Zweite Runde Garten, vorbei an Thekla im Willi-Kostüm...

11. Energie tanken mit dem letzten Stück der Feigentarte, mit der ich meine diesjährige Triologie der doppelten Lottchen beende. Nach den Schoko-Sablés und dem Pflaumen-Streusel. Für mich halte ich aber grob fest, wie ich die Tarte mit Feigen gemacht habe, denn ich mochte diese hier noch einen Takken lieber. (Thymian in die Pâte Sablée und Guß aus 400g Quark/ 50g Mascarpone/ 50g Thymianhonig/ 1 Zitrone - Abrieb und Saft/ 2 Eier/ 30g Speisestärke - gebacken mit Intensivbacken erste 20min/ insgesamt 50min)

12. Auf die Matte mit Online-Yoga. Man beachte die dreckigen Füße. Ich staune immer, wie dunkel meine Zehen in meinen Gartenballarinas werden können. Richtig scheckig. Die Leggins (so volle Influencerin-mäßig) habe ich aus Thailand (für alle, die es nicht interessiert). Nun drinke ich mit dem Habib auf der Terrasse ein Kronenbourg (mit ohne) und kaufe mir noch ein Kleid, mit dem ich bereits ein Weilchen liebäugle - das wollte ich euch eigentlich auch einstellen, aber dann wären es 13 Bilder. Abgesehen davon dass ich damit gegen die Regeln verstossen würde, finde ich 13 eine saudoofe Zahl.



Viele Einblicke mit 12 Bildern vom 12. des Monats sammelt mit großer Beharrlichkeit wie stets Mme Kännchen...

Montag, 10. September 2018

Blog-Buster: Obst in der Konserve


Unsere Nashi-Birne hat wunderbar getragen. Das bekommen auch direkt sämtliche Vögel und Ameisen mit. Gerade letztere sind bei uns im Garten unsere größten Fressfeinde. Nicht im Sinne ihrer Körpergröße, sondern der Menge, die sie wegtragen. Erdbeeren etwa - ein gemeinsames Lieblingsobst. Mehr als mit Schnecken müssen wir mit Ameisen teilen. Die nagen - jetzt im Falle der Nashi-Birne - zusammen mit den Wespen Löcher und schon sind auch Bienen und Hornissen zur Stelle. Wir teilen ja gerne. Iss ja gar nicht so. Aber eine Provision fürs Anbauen und Pflegen hätten wir schon gerne. Nur hält gerade sehr zuckeriges Obst ein Mal geerntet leider nicht lange.

Am liebsten essen wir sämtliche Früchte morgens zu unserem Porridge. Nur so viel verbraucht sich dabei nicht auf einen Schlag. Gut, dass ich mich für die Birnen eines Blog-Busters erinnerte. Ihr wißt, Nicole Stich ist für mich die große Schwester des Foodbloggens! Das läßt sich wunderbar an ihrem ersten Kochbuch *Delicious Days* demonstrieren, dessen Foodfotographie wie Rezepte nicht zu altern scheinen - wie *das kleine Schwarze*, das man einfach im Schrank hängen haben sollte und zu jeder Gelegenheit passt. Und wie lange ist sonst heute die Halbwertszeit eines Kochbuchs? Ich fürchte, der allgemeinen Schnellebigkeit angepasst...

Aus diesem Buch ist ihr Rezept der Birnen in Safran-Vanille-Sirup schon von Blog zu Blog gehüpft. Die sonnenblumengelben Birnen sehen zu verführerisch aus. Allerdings bin ich nicht der weltgrößte Fan des Geschmacks von Safran - daher habe ich die Dosis etwas reduziert. Ich wollte eigentlich nur die Farbe (bedenke: weniger Safran macht allerdings auch weniger leuchtend Gelb). Außerdem habe ich die Birnen gleich eingeweckt (auf meine bewährte Weise), so dass ich die Birnen nur kurz im Sud aufköcheln ließ und dann in den vorbereiteten Gläsern konservierte. Einen weiteren Teil der Birnen machte ich in einem Karamell-Vanille-Sirup ein. Vor Fressfeinden gerettet und im Vorratsregal für einen späteren Zeitpunkt gesichert!


Zutaten für 4-6 Personen:

250 g Zucker
1 Vanilleschote
1 Limette
etwa 1/2 TL Safranfäden
6 festere Birnen (m: Nashi)*

Zubereitung

600 ml Wasser und den Zucker unter gelegentlichem Rühren bei starker Hitze in einem weiten Topf zum Kochen bringen. Dann die Hitze zurücknehmen, so dass der Sirup nur noch leicht köchelt. Die Vanilleschote der Länge nach aufschneiden, Mark mit dem Messer herauskratzen und samt Schote zum Zuckersirup geben. Limette auspressen und den Saft sowie die Safranfäden ebenfalls zugeben.

Die Birnen entweder halbieren oder vierteln, dann entkernen und schälen, zum Sirup geben. Abgedeckt darin je nach Größe in bis zu 30 Minuten weich köcheln lassen, dabei die einzelnen Birnenstücke ab und zu behutsam mit zwei Löffeln umdrehen. Sie sind fertig, wenn man beim Hineinstechen mit der Messerspitze kaum noch Widerstand spürt (sie sollen aber auch nicht zerfallen).

Birnenstücke vorsichtig in ein hohes Gefäß geben (Einmachgläser eignen sich gut) und mit dem Sirup übergießen, bis alle Früchte bedeckt sind. Abkühlen lassen, dann abgedeckt im Kühlschrank mindestens über Nacht durchziehen lassen – erst dann nehmen sie die sonnengelbe Farbe des Safrans richtig gut an. Je länger man die Birnen im Safran-Vanille-Sirup ziehen lässt, desto ausgeprägter wird ihr Aroma.

Quelle: Nicole Stich - Delicious Days bzw. Küchengötter


Und wenn wir schon mitten im Thema sind: einen großen Schwung Karamell-Zwetschgen habe ich außerdem wieder eingemacht. Die sind im Winter eine echte Bank. Ob zu Vanille- oder Crème-Fraîche-Eis, zu Grießflammerie oder einem ordinären Grießbrei, zu Vanille-Pudding oder einer Mousse - egal. Ich finde es ein hinreißendes Gäste-Winter-Dessert. Ja, eigentlich sind die Karamell-Zwetschgen der Mme Ziii ein DUBB - die mache ich nun bereits zum dritten Mal. Aus voller Überzeugung!


Freitag, 7. September 2018

Andersdenker: mediterrane Lasagne



Die Spezies der Andersdenker füllt den übergeordneten Topf von der noch spezielleren Gruppe der Individualisten. Was sie eint ist das Gefühl in einer Gegenstromanlage zu schwimmen.

„Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die Meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen.“ (Albert Einstein)

Einer der bekanntesten und berühmtesten Andersmacher der Drôme ist der Facteur Cheval samt seinem Palais Idéal. Im vorletzten Jahrhundert sammelte der Briefträger auf dem Nachhauseweg Steine (immerhin einer Tour von über 30 Kilometern), um mit ihnen unermüdlich über 30 Jahre hinweg einen einzigartigen Phantasiepalast zu erbauen - inspiert von der Natur oder den Bildern, die auf den Postkarten abgebildet waren, die er tagtäglich austrug. Galt er zu Lebzeiten als Spinner und Außenseiter, beschert er heute seiner Gemeinde einen beträchtlichen Reichtum dank der vielen Touristen, die Hauterives nur wegen seines zauberhaften Palais besuchen.

Der Facteur kam mir in den Sinn, als ich diesen kleinen und beeindruckenden Film über den Förster und Naturschützer Hans Bibelriether im Fernsehen sah, unter dessen Leitung der Bayrische Wald von einem Forstbetrieb in einen Naturpark verwandelt wurde. Er stellte sich mit seinen Überzeugungen gegen Traditionen und sah sich hartem Widerstand gegenüber sowohl der Holz- wie Jagdlobby. Vor allem seine eiserne Haltung, kein Gift gegen den Borkenkäfer einzusetzen, sondern die Natur sich selbst regenerien zu lassen, um den Wald auf diese Weise zu renaturieren, weckte sehr viel Gegenwehr und kann im Nachhinein nur imponieren. Mittlerweile ist Bibelriether mehrfach ausgezeichnet und geehrt worden für sein Lebenswerk. Mehr allerdings als das berührte mich die Laudatio der Tochter auf ihren Vater: *Für mich ist mein Vater eines der größten Vorbilder einfach durch seine Charakterstärke. Ich kenne nur sehr wenige Menschen, die so geradlinig sind und so uneitel. Ich versuche ihm in der Beziehung nachzueifern, als dass ich auch versuche, das zu machen, was ich für richtig halte und auch nicht mich selbst in den Vordergrund zu stellen, sondern die Sachen, die wichtig sind im Leben.*

Diese Lasagne zeigt euch keine Weltneuheit, sondern ich habe Altbewährtes kombiniert. Etwas Vorlauf braucht es, bis die handgebastelte und traditionelle Lasagne so geschichtet in den Ofen geschoben werden kann. Aber wer noch nie so eine von grundauf selbstgemachte Pasta gegessen hat - hier sogar mit lauter Gemüse aus dem Garten - hat keinerlei Vorstellung, was er verpasst. Hausmannkost, wie ich sie nur aus der eigenen Küche kenne...


Zutaten 2-3P - 1kg-Kastenform:

Lasagneblätter
60g Dinkel 1050
40g Hartweizenmehl
1 Eigelb
(etwas Eiweiß)
1 TL grüne Oliven-Tapenade
Salz

1 große Zucchini
1 kleine Aubergine
400g Tomaten
1 rote Zwiebel
4 Knoblauchzehen, fein gehackt
2-3 EL frische Kräuter, kleingehackt
(m: Rosmarin/ Thymian/ Oregano)
2 Lorbeerblätter
100g geriebener Comte
Salz, Pfeffer
etwas brauner Zucker
Piment d'Espelette
Balsamiko-Reduktion
Olivenöl

Zubereitung:

Aus den Zutaten für die Lasagneblätter einen homogenen Teig kneten und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Dann den Teig auswellen (m: mit Marcato - Stufe 6 von 7) - ergab 5 Blätter passend für meine Kastenform. In einer breiten, hohen Pfanne Salzwasser zum Kochen bringen und die Lasagne-Blätter nacheinander kochen, abtropfen lassen und auf einem Leinentuch glatt auslegen.

Backofen auf 210° Umluft vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen und dünn mit Öl bestreichen. Die Zucchini in dünne Scheiben hoben (m: Börner - dünnste Stufe) und dachziegelartig auf dem Backblech ausbreiten. 2 feingehackte Knoblauchzehen und etwas gehackten Rosmarin darüber verteilen, salzen, pfeffern und etwas mit Olivenöl beträufeln - für ca. 25min in den Ofen schieben.

Die Aubergine ebenfalls in Scheiben hoben (m: Börner - zweitdünnste Stufe) - ebenfalls auf ein mit Olivenöl bestrichenes Backpapier auf einem Backblech auslegen... allerdings nebeneinander. Mit Olivenöl beträufeln und etwas getrocknetem Oregano. Ebenfalls für 20min in den Ofen schieben (m: zur Hälfte gemeinsam mit dem Zucchini - andere Hälfte auf 200° runtergeschalten und zu O/U-Hitze.

Die Zwiebel fein würfeln. In etwas Olivenöl die Zwiebel mit dem Knofi und den Kräutern andünsten. Die Tomaten dabei von ihrem Strunk entfernen, würfeln und ebenso wie die Lorbeerblätter in den Topf geben. Bei kleiner Hitze und aufgelegtem Deckel ca. 10min köcheln lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Piment, Zucker und Balsamiko-Reduktion (dabei leicht überwürzen - die Lasagne schluckt noch etwas davon). Die Lorbeer-Blätter entfernen. Mit einer kleinen Roux die Sauce binden.

Die Kastenform buttern und nun die Lasagne zusammen basteln: 2 EL von der Tomatensauce, Lasagneblatt, 1/4 von den Zucchini (dafür die Zucchini auf dem Bleck der Breite nach in 4 Streifen schneiden) auf die Pasta legen, ein Viertel von den Auberginen-Scheiben, etwas geriebener Käse, 2 EL Tomatensauce, Lasagneblatt... das 3x wiederholen - abschließen mit einem Lasagneblatt, etwas geriebenem Käse, getrocknetem Oregano und etwas Olivenöl. Bei 190° (O/U-Hitze) für ca. 25min in den Ofen schieben.