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Donnerstag, 18. Oktober 2018

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Sommer ist in Südfrankreich die Zeit zum Feiern. Dann finden überall gleichzeitig Feste satt, so dass man sich klonen müßte, wollte man auf allen Hochzeiten tanzen - jetzt werden veranstaltungstechnisch die Gehwege wieder hochgeklappt. Prima Gelegenheit mit Muse nach einem Buch zu greifen...

Nach meinen Post #12Monaten12Bücher spiele ich mit der Idee, eine weitere Liste mit *BücherZumReinenVergnügen* zusammenzustellen. Kommen Regen- und Wintertage, kommt möglicherweise Gelegenheit.

Bis dahin habe ich euch hier 8 Bücher unter den jüngst gelesenen ausgewählt. Lieblinge davon sind 3, 5 und 6 - in genau dieser Reihenfolge (hinter jedem Bild versteckt sich der Link dazu (kein Affilate-Link)):


https://www.rowohlt.de/buch/Wolfgang_Herrndorf_Tschick.2856971.html

*Tschick* wurde kürzlich von Fatih Akim verfilmt und deshalb fiel meine Aufmerksamkeit wieder auf das Buch. So weit ich weiß, ist *Tschick* mittlerweile Schullektüre und das Buch passt als kleiner Abenteuer-Antihelden-Roman auch sehr gut in dieses Alter. Mich hat Sprache wie Geschichte sehr amüsiert - ein äußerst kurzweiliges Lesen und der *Kevin-Kuranyi-Bart* bleibt mir ewig!


http://www.diogenes.ch/leser/titel/ian-mcewan/abbitte-9783257233803.html
Erstaunlich wie sehr sich *Abbitte* und *Solar* unterscheiden - wären es Gemälde, ich hätte bezweifelt, dass sie vom gleichen Maler stammen. Ich brauchte daher etwas, um reinzufinden. Elke Heidenreich zieht in ihrer Rezension wieder die ganz großen Register: „Als es mir wirklich schlecht ging, habe ich Abbitte gelesen. Ich habe gelesen und war gerettet“  - ich bleibe in meinem Urteil etwas zweigeteilt.

Begeistert hat mich an diesem Roman besonders seine Architektur. Selten hatte ich derart den Eindruck, dass eine Geschichte wie eine Partitur durchkomponiert wurde. Wie etwa dieser sensationelle stilistische Kniff: ein unglaublich malerischer Vergleich ließ mich beim ersten Lesen direkt aufmerken und der Autor zwang mich nach Dreiviertel-Lektüre des Buches an eben jene Stelle zurück. Sehr imponierend!

Gleichzeitig macht für mich die größte Stärke von *Abbitte* auch die größte Schwäche aus: es ist mir ZU konstruiert und dadurch verlor ich unterwegs die Empathie für die Figuren... Bref: *Solar* hat weiterhin die Nase deutlich vorn.


Wir sehen uns am Meer

Dieses Buch war unter meinen Tauschbüchern und ein absoluter Treffer. Große Empfehlung! *Wir sehen uns am Meer* erzählt die Geschichte einer Israelin und eines Palästinenser, die sich in New York kennen- und lieben lernen. In intensiven Farben macht Rabinyan deutlich, wie ein nun 70ähriger Konflikt die dort lebenden Menschen traumatisiert: die Zäune ziehen sich längst nicht nur durch Territorium, sie sind mittlerweile fest in den Köpfen der Menschen installiert. So gerne würde man trotzig den Kopf in den Nacken werfen und rufen *Liebe überwindet alles*. Hier werden die Grenzen aufgezeigt.

Was mir bei der Lektüre ebenfalls zum allerersten Mal klar wurde ist, dass die Zwei-Saaten-Lösung schon längst keine Lösung mehr darstellt - dafür ist die israelische Siedlungspolitik viel zu weit fortgeschritten: die okkupierten Gebiete durchzwirbeln den Gazastreifen und das Westjordanland wie das Fett das Fleisch durchzieht. Diese zwei Staaten lassen sich nicht mehr (und nie wieder) auseinander dividieren. Daher kann Palästina (und die Welt) nur auf einen bipolaren Staat hoffen.


https://www.amazon.de/Die-Satteltasche-Bahiyyih-Nakhjavani/dp/3442750342

Wer  an dem Buch *Der Alchimist* Freude hatte, der wird auch *Die Satteltasche* gerne lesen. Eine schöne, poetische Parabel auf das Leben, die märchenhafte Wüstenwelt mit arabischer Mystik verbindet. Es braucht allerdings die Hinwendung zu einer höheren Macht, den Glauben an Sinnhaftigkeit und die Überzeugung, dass man seinem Schicksal nicht entfliehen kann - ansonsten sollte man die Finger davon lassen... 

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Dieser Buch stand nicht umsonst monatelang auf der Bestseller-Liste von Portugal. *Am Äquator* ist ein opulenter Roman mit klassischer Sog-Wirkung beim Lesen: der Lissaboner Lebemann Luis Bernardo Tavares wird 1905 von seinem König als Gouverneur in die am Äquator gelegenen portugiesischen Kolonien São Tomé und Príncipe geschickt. Knapp beschrieben könnte man es auf die Themen Kolonialismus, Sklavenarbeit, Moral und Leidenschaften runterkürzen, aber das wird der Wucht, der Lebendigkeit und der Intensität der Figuren wie Geschichte nicht gerecht - es gilt: mittendrin statt nur dabei!

Tavares zitiert Victor Hugo aus einer Rede vor dem französischen Parlament, einen Satz, den ich mir aus dem Buch rausgeschrieben habe: *Natürlich wird es immer Unglückselige geben, aber es ist doch möglich, dass es keine Elenden mehr gibt*. Wo wäre die Welt, gäbe es mehr Politiker, die diese Marschrichtung ausweisen und umsetzen würden?


https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Suite-francaise/Irene-Nemirovsky/btb-Taschenbuch/e295062.rhd

Die Geschichte des Buches spielt im deutsch-besetzten Frankreich des zweiten Weltkrieges - mit autobiographischen Elementen. Die Schriftstellerin mit jüdischen Wurzeln, Irène Némirovsky, wird im Konzentrationslager sterben. Erst die Töchter veröffentlichen 60 Jahre nach dem Tod den Roman ihrer Mutter, dessen letzten Seiten aus Tagebuch-Einträgen von Irène bestehen.

Ich brauchte etwas, bis ich mich richtig eingelesen hatte, aber gen Ende des Buches ergriff es mich mehr und mehr. Das zeigt sich vorallem an den vielen, vielen Zitaten, die ich mir aus diesem Buch extra notierte. Außerdem gab mir die Lektüre eine winzige Vorstellung, wie überleben aussehen kann in Zeiten von Krieg - eine Frage, die mir eigentlich unvorstellbar bleibt und doch finde ich hier kluge, klare, nüchterne, scharf beobachtete Antworten.

*Schließlich beurteilt jeder die Welt nur nach seinem eigenen Herzen. Nur der Geizige sieht den Eigennutz, nur der Lüstling die Begehrlichkeiten der Menschen*.

*Ernste Ereignisse, ob glücklich oder unglücklich, verändern die Seele eines Menschen zwar nicht, lassen sie jedoch deutlicher hervortreten, so wie ein Windstoß, der die toten Blätter hinwegfegt, die Form eines Baumes enthüllt; sie beleuchten, was im Dunkeln geblieben war; sie lenken den Geist in die Richtung, in der er in Zukunft wachsen wird*

*Die Gewißheit meiner inneren Freiheit [...], dieses unverwüstliche Gut, das zu verlieren oder zu bewahren einzig und allein bei mir liegt. Dass die bis zum äußersten getriebenen Leidenschaften, wie wir sie heute beobachten am Ende erlöschen. Dass alles, was einen Anfang hatte, auch ein Ende finden wird. Mit einem Wort, dass Katastrophen vergehen und dass man versuchen muss, nicht vor ihnen unterzugehen, das ist alles. Zuerst also leben: primum vivere. In den Tag hinein. Überdauern, warten, hoffen.*


https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Seethaler_REin_ganzes_Leben_159102.jpg

Mich hat die sehr aufs Existenzielle heruntergebrochene Biographie eines Bergbewohners nicht mitgenommen. Die körperliche Ebene wird mir zu überbewertet, ebenso wie der stoische Umgang mit Schmerz und Leid: eine archaische, raue, gewaltätige Welt, die es duldsam zu ertragen gilt. Duldsamkeit mag als Gegenentwurf zur heutigen Anspruchshaltung durchaus nachdenklich stimmen - richtig mit dem Hauptprotagonisten mitgeschwungen habe ich dennoch nicht. Bref, das Buch wurde nicht für mich geschrieben...


Léon und Louise

Trotz großer Begeisterung vieler Rezensenten (s. etwa bei Amazon) muß ich mich in die kleine Gruppe einsortieren, die mit dem Buch *Léon und Louise* nicht warm wurden: eine verschlungene Liebesgeschichte beginnend im 2. Weltkrieg. Die einen finden Capus Sprachstil gekennzeichnet durch eine *wunderbare Leichtigkeit* - für mich nivilliert er die unterschiedlichsten Qualitäten zu nettem Einerlei: Leidenschaft, Freundschaft, Neigung, Entbehrung, Trennung verschmelzen zu einem einzigen, heiteren Bild. Bref: ich hatte bei dieser Geschichte den Eindruck, das seichte Gewässer niemals zu verlassen, sondern sprachgewandter Oberflächlichkeit zu folgen...


https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Odins-Insel/Janne-Teller/btb-Taschenbuch/e374040.rhd

Von dem Titel *Odins Insel* versprach ich mir eine ordentliche Portion Mystik, was ich tatsächlich bekam, war eher das Gegenteil: Entmystifizierung von menschlichem Miteinander. Die Eckdaten des Romans sind eindeutig frei erfunden, ansonsten beschäftigt sich Janne Teller hauptsächlich mit realistischer Kritik an unserer heutigen Gesellschaft und Politik. Sie zeigt auf, wie schnell etwas/ oder jemand instrumentalisiert und verfremdet werden kann aus Eigennutz einer einzelnen Person oder Gruppe. Missbrauch bezweckt Vorteile. Nichts leichter als verblendete Menschen - durch welche Ideologie auch immer - gegen einander aufzuhetzen. Und wie schnell werden dafür gesunder Menschenverstand, Logik und Toleranz über Bord geworfen. Schön karikaturiert durch die Weihnachtszeit, vor welchen Hintergrund diese Geschichte gestellt wird. Das Buch stand übrigens lange auf den Bestsellerlisten Dänemarks... Mal weiter rein hypothetisch: besiedelten hauptsächlich Individualisten diesen Planeten - derlei wäre nicht möglich; die wollen nämlich im Wesentlichen eines: ihre Ruhe.

Montag, 15. Oktober 2018

Von olls a bisserl: das Rummel-Brot


Menschenansammlungen, große Menschenansammlungen und ich passen nicht mehr zusammen. Du meine Güte, da klebt man möglicherweise an Typen, die man sonst mit der Bohnenstange von sich fern halten würde. Dieses Aufeinanderdraufstehen macht mir nicht nur Unwohlsein in ausgeprägtem Stadium, es macht mir obendrein scheußlich schlechte Laune,

Rummel, Kirmes oder Jahrmarkt - wie auch immer - scheiden daher ebenfalls aus. Obendrein dieser Radau, das Geschrei, die komische, anstrengende Musik, überall blinkende Lichter und das klebrige-fettig-fleischige Essen. In einer Menschenmenge! Wirklich lieber nicht.

Fasching ohne Alkohol ist wie Bahnfahren ohne Ticket - nur dass man bei ersterem als Schwarzfahrer sofort auffliegt. Das liegt wohl an einer leichten Verkleidungsmuffeligkeit, vorallem aber an der Verweigerung zur Gruppenekstase.

Bref, Oktoberfest und ich - das wird in diesem Leben nix mehr. 

Wobei ich beim Drüberschauen über die Zahlen und Statistiken gestaunt habe, weil nach meiner Vorstellung das Oktoberfest mehr etwas für Karnevalisten denn für Traditionalisten ist. Nix, was annährend so bekannt wäre und verbunden wird mit Deutschland wie das Oktoberfest - rund 90% aller Menschen weltweit ist das Oktoberfest ein Begriff. Unterwegs auf Reisen bestätigt sich das - nur Hilter ist populärer. Daher war mein Tipp, dass die Amis die stärkste Besuchergruppe von den insgesamt über 6 Millionen ausmachen - so angezogen von einer großen Kostüm-Alk-Sause mit einem Hauch Kultur. Tatsächlich aber füllen die Zelte in den zwei Wochen hauptsächlich Einheimische: 72% sind Bayern davon 60% Münchener. Nur 19% der Besucher kommt aus Ausland. Da habe ich mich also mit meinem Faschingsdirndl geirrt - viel mehr scheint der Geist des Oktoberfests *Mia san mia* zu sein.

Auch sonst beeindrucken die Zahlen: 1 Millarde Euro Umsatz schreibt die Wirtschaft gut, was  bedeutet, dass umgerechnet ein Besucher im Schnitt und Tag 63 Euro Ausgaben ausgibt. Wirklich alle trinken - statistisch gesehen - mindestens eine Maß Bier: 7,5 Millionen Maß Bier werden bei einem Fest etwa ausgeschenkt (davon erleiden nur läppische 700 Besucher eine Alkohol-Vergiftung). Dazu verspeist man sehr viel Tiere: knapp 367 000 Brathähnchen, 116 Ochsen und 58 Kälber. Von Enten, Schweinen und Brezeln habe ich keine Zahlen gefunden. Beende ich das Zahlenspiel mit dieser: 900 Tonnen Restmüll sammeln sich nach den zwei Wochen an.

Aber wie pfegte der bayrische Großvater einer Freundin zu sagen: *Im Krieg is mehr hi worn*. (Im Krieg ist mehr kaputt gegangen).  Soll heißen: ich kann wirklich in keinster Weise nachvollziehen, warum man auf das Oktoberfest gehen sollte, aber gerade das macht das Phänomen sowie das Beobachten der anderen beim anders sein so spannend... aus der Entfernung!

Bei meinem Brot konnte ich mich nicht entscheiden, was ich als Zutat noch in den Teig geben wollte: Bier, Kefir, Mohn, Kartoffeln, Quinoapops, Dinkel. Von olls a bisserl halt - oder ein echtes Rummel-Brot. Das zweichnet weiter aus eine guter Frischhalte-Qualität, eine einfache Sauerteig-Führung und eine längere, kalte Führung. Wer hier schon länger mitliest, wird nicht überrascht sein.


Zutaten :

Sauerteig - ca. 14 Stunden bei 24
160g Dinkel-Vollkorn
160g Wasser
12g Weizen-ASG (aufgefrischt)

Hauptteig:
Sauerteig
200g Dinkel-Vollkorn
30g Roggen-Vollkorn
100g Dinkel 1050
300g Weizen T65 (550)
250ml Bier
200g Kartoffeln, gekocht
150gml Kefir
25g Mohn

16g Salz
30g Quinoa-Pops
+/- 30ml Kefir

Zubereitung

Sauerteig rechtzeitig auffrischen. Den Sauerteig für das Brot am Nachmittag zuvor (m: ca. 16 Uhr) ansetzen.

Am nächsten Tag (m: ca. 8 Uhr) die Kartoffeln kochen, schälen, und fein reiben. Die erstgenannten Zutaten kurz miteinander vermengen und 40min zur Autolyse stellen.

Nun die anderen Zutaten (Salz und schluckweise Kefir) dazugeben und ca. 10-12min kneten, bis der Teig anfängt zu glänzen und die Gluten sich gut entwickelt haben (Fensterscheibentest). Erst kurz vor Ende die Pops untermischen (letzte Minute).

In eine geölte große Schüssel geben, den Teig direkt 1 x falten und abdecken. Nun drei weitere Male falten, alle 30 Minuten. Nach 2 Stunden sollte der Teig mit der Blasenbildung begonnen haben. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche teilen und rund wirken und mit dem Schluß nach oben in vorbereitete Gärkörbchen setzen. Weitere 30min abgedeckt ruhen lassen, dann in den Kühlschrank verfrachten für etwa 5-7 Stunden. 

Ist währenddessen der Teigling deutlich aufgegangen, dann direkt in den vorgeheizten Ofen (nach dem Einschneiden) einschießen. Diese Entwicklung hängt immer mit den Tagestemperaturen zusammen während des Faltens. Sind die Teiglinge nicht deutlich sichtbar aufgegangen, dann lasse ich sie noch etwa 40min akklimatisieren, bevor ich sie in den Ofen gebe.

Ofen auf 240° vorheizen, mit Dampf einschießen und fallend auf 200° etwa 45min backen (Klopftest). Weitere 5min bei leicht geöffneter Tür und Umluft gebacken.


Freitag, 12. Oktober 2018

12 von 12 - Oktober 2018














Viele Gartenbilder können das Hauptgeschehen des Tages nicht verheimlichen: umstechen, rechen, Senf einsäen, Quitten ernten - bei seltsam unpassenden Temperaturen. Aufräumen gehörte auch zu. Tsss, kams mir währenddessen - das war einst EXAKT der Grund, wieso ich keinen Bock mehr auf WG hatte: diese ewige Diskutiererei, wer mit dem Putzen dran ist. So grün war ich hinter den Ohren, dass ich tatsächlich glaubte, das Thema *Ordnung machen* hätte sich mit Auszug aus der letzten WG von selbst erledigt... Echt, volle *tsss*...

Von den vielen schönen Quitten (ich mache ein paar Gläschen Gelée und vielleicht en plus Quittenschnitten) bekommt die Nachbarin etwas ab - die, bei der wir unsere Eier holen und bei der die Flauschis zu bewundern sind. Und zwar auf dem Weg ins Nachbardorf zur Post. Apropo Post. Wir werden immer wieder darauf angesprochen, wieso eigentlich ein so pupsig kleines Dorf wie Gigors überhaupt eine Marie (Bürgermeisterei) hat (wenngleich auch keine Post). Tjaha, blödes Vorurteil - flächenmäßig leben wir in einer der größten Gemeinden Frankreichs und die Häuser liegen lediglich gut verstreut.

Und wenn wir schon bei falschen Bildern sind, deren Enttarnung ebenfalls wiederholt auf Erstaunen stößt: auch wenn hier alles so ursprünglich, wild und weltvergessen wirkt, gibt es den berühmten Ziegenstall zum echten Schnapperpreis schon lange nicht mehr. Au contraire - die Drôme zählt zu den teuersten Pflastern. Außerdem gibt es das Problem vieler ländlicher Regionen hier überhaupt nicht: Abwanderung und Veraltung der Gesellschaft. Viele Familien mit noch mehr Kindern füllen die Kindergärten und Schulen allerortens... So, wäre das ebenfalls geklärt...

Bemerkt? Kein Bild weder vom Porridge noch vom hulahupsen oder café (den gabs natürlich wie so oft in Beaufort). Dafür wie immer der Blick ins Tal. Gleich zwei Mal. Wie spät die Sonne aufgeht - nach 8 Uhr. Zum nachmittäglichen, süßen Zusammensitzen fabrizierte ich eine schnelle, französische Knabberei: Palmier. Auch bekannt als Schweineohren. Logo, aus selbstgemachtem Blätterteig (griffbereit aus der Tiefkühle). Eigentlich durchaus ein bißchen WG-mäßig, dieses *Fastzusammenleben* mit Gästen und die damit einhergehenden Gespräche mit bunt gemischten, unterschiedlichen Menschen dank der Ferienwohnungen...

Jetzt bin ich müde gearbeitet - die Restenergie reicht gerade, um die 12er noch fertig zu machen. Und bei den anderen zu gucken, die wie jeden 12. bei Mme Kännchen in ihren Tag blicken lassen... Kommentare beantworte ich lieber morgen... frisch...

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Melancholie: DUBB-Bienenstich-Apfelkuchen


Manchmal tut mir alles weh. Bei Sonnenschein und körperlicher Gesundheit. Dann weiß ich mich schlecht zu erklären. Wobei eigentlich ein einziges Wort ausreicht: Melancholie. Alles scheint schwer. Und nein, nicht wegen ein bißchen Herbst.

Mittelalt - oder mitteljung (je nach dem von welcher Seite man das Glas betrachtet) - bin ich jetzt. Und gefühlt bin ich schon einen weiten Weg gegangen. Doch wie heißt es in der Bibel: *Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.* Das leuchtet mir durchaus ein. Warum auch Kraft vergeuden für Dinge, die hinter einem liegen und eh nicht mehr zu ändern sind. Es war trotzdem anstrengend bis hierher.

Und wende ich meinen Blick auf die Welt, dann müßte ich eigentlich an dem allgegenwärtigen Elend zusammenbrechen. Für was oder wen die Hölle noch erfinden? Aber ich bin kein Christopherus. Und zu glauben diesem Außen könnte ich nur ansatzweise gerecht werden, ist völlige Anmaßung. Oder Scheinheiligkeit. So viel Mitgefühl habe ich noch nicht einmal ansatzweise theoretisch. Wer traut sich überhaupt wirklich dorthin zu denken?

So seufze ich über die Erdenschwere. Sie drückt uns alle. Und heute besonders mich. Der Buddhismus fasst das wohltuend klar in Worte in seiner Auffassung der edlen vier Wahrheiten - darin zentral: das Entstehen von Leid. Ich finde Trost allein in der Möglichkeit, dass man Leiden vermeiden kann durch einen anständigen Lebenswandel. Ja, man kann so lange dem Heilsein entgegen streben, bis man aus dem Rad der Inkarnation aussteigen darf. Das Ende allen Leidens. Was eine Hoffnung: Nie wieder Erde!

Alleine die Vorstellung, dass alles wieder auf Anfang gedreht werden könnte; ein ganzes Leben wieder von vorne beginnen. Nochmals all die bitteren Erkenntnisse, die Lügen, die Dummheiten, der Betrug, die Enttäuschungen, die Trauer, der Verlust, die Schmerzen!? Wie kann man in Anbetracht dessen auch nur einen einzigen Tag jünger sein wollen?

Vielleicht - wenn es keinerlei spirituellen Überbau gibt - vielleicht reichen dann Träume von Jugend, Reichtum und Schönheit aus, um sich zu sättigen, abzulenken, zu illusionieren. Dass andere SO anders sind... Auch manchmal schwer auszuhalten: die Einsamkeit, die damit einher geht. *Es schwindelt mir, es brennt die Eingeweide, nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.*

Kuschel ich mich an den Habib. Schmiege ich mich etwas in die arabische Musik, deren Poesie so tief schwingt zwischen all den Gegensätzen dieses Planeten. Dafür spiele ich euch die Algerierin Souad Massi ein, der ich schon live zuhörte, während der Habib in der Wüste verschwand. Zuckere ich uns das Leben ein bißchen auf mit Apfelkuchen. Vielleicht - ein Versuch ist es wert - läßt sich so all das wegschieben, was gerade schwer wiegt.

Blinder Verlaß war auf Evas Empfehlungen. Ja, das ist ein DUBB im engsten Sinne. Genau so wie ihr dunkler Kirschkuchen. Winzige Änderungen: heißer gebacken und weniger süß. Ein kleiner Stoßdämpfer für melancholische Momente!


Zutaten:

Teig:
250g Mehl(m: D630)
50g Zucker (m: selbstangesetzter Vanillezucker)
125g Butter
1 EL Quark
1 Pr Salz
etwas kaltes Wasser

Füllung:
1 kg Äpfel (Boskop oder Elstar)
300 ml Apfelsaft
1 Päckchen Puddingpulver 'Vanille-Geschmack' (zum Kochen) 
1 Stück Ingwer, walnussgroß, feinst gehackt

4 EL Zucker 

Topping:
1 Prise Salz
75g Butter 
60g Zucker
1 EL flüssiger Honig
150 g Mandelblättchen
3 EL Milch

Fett für die Form

Zubereitung:

Für den Teig: Mehl, 50 g Zucker, Salz, Quark, etwas kaltes Wasser und 125 g Butter in Flöckchen erst mit dem Knethaken des Rührgeräts, dann mit den Händen zum glatten Teig verkneten. Teig in einer gefetteten Springform (Durchmesser 26 cm) zu einem Boden mit ca. 3 cm hohen Rand andrücken. Mit einer Gabel einstechen und ca. 30 Minuten kalt stellen. (m: Tiefkühltruhe)

Für das Topping: Für den Bienenstich-Guss 75 g Butter, 50 g Zucker, Honig und Mandeln unter Rühren aufkochen, bis die Masse leicht bräunt. Vom Herd ziehen und Milch unterrühren.

Für die Füllung: Äpfel schälen, vierteln, entkernen und grob würfeln. 250 ml Saft aufkochen. Puddingpulver, 4 EL Zucker, gehackter Ingwer und 50 ml Saft glatt rühren. In den Saft rühren, kurz aufkochen, Äpfel zugeben. Masse in die Form füllen

Ofen auf 190° (O/U-Hitze) vorheizen

Backen: 1 Stunde - im vorgeheizten Backofen auf der untersten Schiene ca. 20 min backen. Temperatur runterstellen auf  175°. Die ersten 30 Minuten ohne Bienenstich-Guss, dann den Guss auf dem Kuchen verteilen und weitere 30 min zu Ende backen. Auskühlen lassen. 

Anmerkung m: die ersten 15min, die der Kuchen MIT Bienenstich-Guss buk, hatte ich den Ofen auf Umluft 180° - das halte ich für die größte Schwierigkeit dieses Kuchens: man muß seinen Ofen etwas kennen, damit der Boden durchgebacken ist und der Guss golden. Original: U-/Oberhitze: 175°C/Umluft: 150° C

Zum besseren Anschneiden sollte der Kuchen durchgekühlt sein - die Bienenstichkruste läßt sich nicht besonders glatt schneiden, dafür bleibt sie selbst am nächsten Tag noch knusprig...



Donnerstag, 4. Oktober 2018

Wunschkonzert: Kürbis-Knödel mit Mangold-Gemüse


Wie oft stehe ich in der Küche und weiß' nicht recht, was kochen. Ein echtes Luxus-Problem. Der Habib ist meistens keine Hilfe, denn sein Beitrag in solchen Situationen lautet üblicherweise: Alles recht.

Oft gucke ich mich dann im eigenen Fundus um. Dieses Risotto mit dem ersten Kürbis des Jahres gabs gerade wieder. Ebenso wie die Tarte Tatin Surprise. Und wie den Evergreen-Rotweinkuchen. Oder die Kürbis-Spätzle mit Linsen. Ist ja nicht so, dass ich gar keine Ideen hätte. Nur eben nicht täglich. Oder ich koche uns etwas ganz einfaches. Wie Bratkartoffeln mit Rahm-Spinat und Spiegelei. Herje, ein Kindheitslieblingsessen, was immer lecker bleiben wird!

Perfecto fand ich, wie an einem solchen *Hach, was-kredenze-ich-uns-Tag* die Inspiration ins Haus flog. In Form einer lieben Feriengästin als auch Blogleserin (Coucou Sylke). Sie fragte mich hier nach einem Rezept für Kürbisknödel. *Ohhh, Kürbisknödel*, dachte ich sofort, eine super Idee und ich wußte direkt, wie ich sie machen wollte - und zwar in Anlehnung an diese Kürbis-Gnocchi.

Gut, Ganzgenaue könnten jetzt einwerfen, grundeigentlich handelt es sich um Kürbis-Kartoffel-Knödel. Wollte man reine Kürbisknödel machen - siehe etwa diese Kürbisgnocchi - dann ist das mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Also ich kann mit dieser Paarung gut leben. Sehr gut sogar. Wir haben richtig zugeschlagen. Gerade wenn die Knödel noch knusprig gebacken wurden, sind sie völlig unwiderstehlich.

Die Konsistenz des Teiges könnte misstrauisch machen. Aber auf meine Rezepte ist Verlaß - nur Mut! Die Knödel lassen sich nur mit feuchten Händen formen und 100% rund bekommt man sie auch nicht (weil der Teig eben etwas zu weich dafür ist). Aber aus geschmacklichen Gründen wollte ich nicht mehr Mehl zufügen (was ihr natürlich machen könnt, wenn ihr auf die ideale, runde Form besteht). Für den Zusammenhalt der Knödel sowie einen schönen Biss braucht es nicht mehr.

Herrlich fand ich ein Mal mehr die Verbindung von Kürbis und Mangold. Das gewisse Eßwas machte mein geschätzter Noilly Prat - der drehte ein einfaches Essen ins Besondere! Echt, volle Begeisterung! Und weil das nun eine ausgesprochen befruchtende Geschichte war, rufe ich hiermit laut nach mehr! Ja, ich starte *das Wunschkonzert*! Liebe Leserschaft, ihr sucht schon eine Weile nach einem gelingsicheren Rezept für ein bestimmtes Gericht - dann wenden Sie sich vertrauensvoll an mich. I will try my very best!


Zutaten 2-3P:

300g Kürbis (m: Butternut)
200g Kartoffeln
100g Mehl (m: Dinkel-Vollkorn)
1 Ei
1/2 TL Koriander, frisch gemahlen
70g Ziegenfrischkäse
Salz
1 Schalotte
1 EL Petersilie, fein gehackt
Butterschmalz

250g Mangold
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
ein großzügiger Schuß Noilly Prat
1 EL Mascarpone
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette
Olivenöl 

frisch gehobelter Parmesan

Zubereitung:

Die Kartoffeln in einem Topf knapp mit Wasser bedecken und weich garen. Abgießen, noch warm pellen und direkt durch die Kartoffelpresse drücken. (Der Teig sollte noch warm vermengt werden).


Den Kürbis waschen, entkernen und grob würfeln. Einen Topf mit etwa 2cm hoch Wasser füllen, die Kürbiswürfel darin bei geschlossenem Deckel weich garen. Das Wasser soll dabei komplett verdampfen und so am Topfboden hängen bleiben, dass der Kürbis dabei noch keine Farbe angenommen hat. Den Kürbis in ein Tuch geben und gründlich auspressen (m: war bei mir nicht notwendig). Kürbisfleisch mit Hilfe einer Küchenmaschine  zusammen mit dem Ei fein pürieren (meinen Kürbis konnte ich mit dem Löffel zerdrücken). Die Schalotte fein würfeln in etwas Öl glasig dünsten, kurz vor Ende die fein gehackte Petersilie zufügen.

Die durchgepressten Kartoffeln mit dem Kürbispüree, dem Mehl, dem Ziegenfrischkäse, der Schalotte und den Gewürzen zu einem glatten Teig mischen. Salzen, pfeffern. Mit nassen Händen ja 12-13 Knödel formen. Reichlich Salzwasser zum Sieden bringen und die Knödel darin so lange garen, bis sie an die Wasseroberfläche steigen (dauert einige Minuten). Mit einer Schöpfkelle herausholen und auf einer Platte zwischenlagern. Etwas abkühlen und abtrocknen lassen. Dann halbieren und in Butterschmalz auf der Schnittfläche goldig braten.

Parallel den Mangold auf den Weg bringen. Mangold waschen, Stiele von Blättern trennen. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. In Olivenöl beides glasig dünsten, dann die fein gehackten Mangoldstiele zufügen und weitere 5min braten. Weiter den in feine Streifen geschnittenen Mangold zufügen. Den Mangold zusammenfallen lassen. Dann mit einem schönen großen Schluck Noilly ablöschen und etwas einreduzieren lassen. Mit Salz, Pfeffer und Mascarpone sowie Piment abschmecken. Zusammen mit den Knödel servieren. Mit gehobeltem Parmesan servieren.