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Montag, 12. November 2018

Eines der ältesten Lebensmittel: saftiges Einkornbrot mit Sonnenblumenkernen


Ich werde nicht müde zu wiederholen, dass alle deutschen Expats im Ausland eint, dass sie früher oder später deutsches Brot vermisse (viel mehr allerdings auch nicht - das darf man an dieser Stelle ruhig ebenfalls mal erwähnen).

Aber die Welt dreht sich stetig weiter. Und sie verändert sich momentan schneller; als man mitdenken kann. Die Kuchentafeln der Dorffeste meiner Kindheit scheint es SO, wie ich sie in Erinnerung habe, nicht mehr zu geben, genausowenig wie die kleine Handwerksbäckerei ums Eck. Unsere Feriengäste beklagen zunehmend den Schwund handgemachter Backwaren. Etwas, das ich mir eigentlich schwer vorstellen kann, denn als ich noch in Deutschland lebte, gabs die Ketten wohl bereits gut verbreitet, aber in jedem Kiez genauso eine Traditionsbäckerei. Hingegen hier im französischen Outback bestehen die kleinen und guten Bäckerein bis heute und das in nahezu jedem Dorf.

Daher kommt es mir nicht in den Sinn, Baguette oder Croissants zu backen. Die kaufe ich hier in Tippitoppi-Qualität, die schwer bis gar nicht zu übertrumpfen ist. Es amüsiert mich dann, wenn ich sehe, wie sich in deutschen Brotbackforen mit besonderer Leidenschaft gerade an dem französischen Stangenbrot abgearbeitet wird - hier sitzt man quasi an der Quelle...

Mein Interesse zielt seit jeher genau auf das Gegenteil: das volle Korn, die Brote, die aus reinem Vollkorn bestehen, genau das sind meine Lieblinge. Was mich wiederum von den Fränzis völlig trennt. Denn selbst wenn durchaus mittlerweile gutes Vollkornbrot angeboten wird: kernig, dunkel, roggig, mit Schlagseite gen Pumpernickel oder gar vielen Saaten sind sie niemalsnie.

So konnte ich nur entzückt sein, als ich das reine Einkornbrot bei Dietmar entdeckte. Vier Mal - jaha, Foodies dürfen aufhorchen - buk ich es und Günthers volles Roggen hat damit ein Geschwisterchen bekommen. KÖSTLICH! Weil wir jeden Morgen in unser Porridge bereits Walnüsse essen, ist unser Bedarf daran gedeckt und ich tauschte sie gegen Sonnenblumenkerne. Das darf man halten, wie man will. Besonders toll finde ich an diesem Rezept, wie feucht und locker es wird. Geradezu sensationell! Und das ausgerechnet der goldene Einkorn, über den ich schon mal gebrummelt habe, er mache meine Brote so kleinporig. Nein - es kommt nur auf das richtige Rezept an (Luftküsse gen Dietmar!).

Passend zu einem solchen Traumbrot verlinke ich euch weiter auf diesen Artikel hier , der eines meiner geschätztesten Grundnahrungsmittel historisch ehrt: die Geschichte des Brotes und der Menschen geht deutlich weiter zurück, als man dachte. Wissenschaftler entdeckten Brotreste in Jordanien, die über 14 000 Jahre alt sind - aus Einkorn !!!! (mindestens 4 Ausrufezeichen). Gut, flache, nicht versäuert Brote nur für hohe Feiertage gabacken (der Aufwand), aber es muss doch erstaunen, wie tief die menschliche Ernährung verwachsen und verschlungen ist mit Getreide, oder?


Zutaten 2 Brote für 750g-Formen

Sauerteig - Stehzeit 10-12 Stunden
190g Einkorn-Vollkorn
190ml Wasser
19g ASG

Brühstück
130g Einkornflocken*
30g Dinkelmalzflocken*
130g Sonnenblumenkerne
6g Salz
400g Wasser

Hauptteig:
Sauerteig
Brühstück
380g Einkorn-Vollkorn
4g Hefe
7,5g Salz
(12g Gerstenmalz)*
ca. 160g Wasser*

Zubereitung:

Alle Zutaten 8-10 Minuten langsam mischen.

Den Teig nach dem Mischen zugedeckt 30 Minuten reifen lassen - nach 15 Minuten einmal falten.

Nach der Teigreife den Teig teilen.und ohne weitere Aufarbeitung sofort in die zwei Backform verteilen mit Hilfe eines Spachtels oder eines Löffels - Oberflache glatt streichen (m: mit Rückseite eines gut angefeuchteten Esslöffels).

Zum Schluss die Oberseite mit etwas Dekostreu (z.B. Sesam, Sonnenblumen oder groben Schrot) bestreuen.

Anschließend die Teiglinge auf die Gare stellen.

Bei erreichter 3/4 Gare die Brote mit kräftigen Schwaden in den Ofen bei 250°C schieben. Nach 10 Minuten Anbackphase Schwaden ablassen und die Ofentemperatur auf 210°C reduzieren.

Backzeit ca. 60-65min 

*Anmerkung m: für das Brühstück kann man auch - wie im Original - rein Dinkelflocken verwenden/ wenn ich anteilig Dinkelmalzflocken nehme, dann kürze ich das Gerstenmalz heraus. Einen Teil des Wassers ersetzte ich schon durch Kefir - was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat.

Quelle: Dietmar von Homebaking


Mittwoch, 7. November 2018

Voll Retro: Rumbombe...Törtchen


Um das Budget für ihre Klassenfahrt aufzustocken, mischt sich von Zeit zu Zeit unter die südfranzösische Markttische ein Stand von Schülern, der selbstgebackene Süßwaren nebeneinander reiht mit der Hoffnung, davon etwas zu verkaufen. 

Ohne jetzt Wurzel-schnippisch sein zu wollen, aber wie gut, dass die noch nie die Kuchentheken gesehen haben, wie sie typisch waren für ein badisches Dorffest (Gilt das für weitere Teile Deutschland? Und auch noch für heute? Sagt doch mal!). Hey, jede Feier der Feuerwehr, des Sport- oder Musikvereins, jedes Strassenfest bot Kuchen und Torten feil, dass einem die Augen übergingen. Da wurden echte Feuerwerke abgefackelt. Die Frauen (schon wohl meist Frauen) haben gebacken, als ginge es um ihr Leben. Da ließ man sich nicht lumpen. Also wirklich nicht. Das hatte etwas mit Prestige zu tun. Die meisten Gebäckstücke sahen aus, als kämen sie aus einer professionellen Backstube: alleine die kunstvoll verzierten, gefüllten Torten, die ich bis heute nicht hinkriege.. Bombe!

Meine Erinnerung an diese privat bestückten Kaffee&Kuchen-Theken hatten nicht im entferntesten etwas gemein mit diesen lustlosen Muffins, glanzlosen Tartes und halbgeglückten Kuchen, mit denen diese französischen Kinder hoffen, eine Mark dazuzuverdienen. Keine Ahnung was da los ist? Lauter Erstlingswerke, Meuterei der Mütter, Patchwork-Overkill, Väter ohne Backambitionen? Rein von den Backergebnissen kann diese Aktion kaum ernst gemeint sein. Kundschaft? Wohl nur Verwandtschaft.

Nun, zurück zur Bombe, denn EXAKT die kam mir wieder in den Sinn. Einer der sensationellsten Kuchen meiner Kindheit! Totally 80er und volle 90er und seinerzeits ein beliebter Star: die Rumbombe! Äußerlich hat sie Ähnlichkeit mit dem Maulwurfskuchen (wie ihn Petra beipsielsweise aufgefrischt zeigt), von den inneren Werten ist sie artverwandt mit dem Rotweinkuchen. Kurz: ein weiterer Retro-Kracher. 

Damals als man eben erst begann auf die E's als Inhaltsstoffe stoffelig zu reagieren, störte es niemand, wenn auch Kinder einen Alk-getränkten Kuchen aßen. Rumbombe for everybody quasi - keine Promille-Diskriminierung für Minderjährige. Und ja, ich mochte diese Bombe schon im Grundschulalter gerne. Mais bon: eure Kinder - das müsst ihr wissen.

Eigentlich ein ganz einfacher Kuchen (ihr kennt mich): Biskuit, Buttercrème - c'est tout! Etwas tüffteln musste ich für meine Rumbombe dennoch und holte mir Inspiration bei diesem Rezept sowie diesem (von letzterem darf man ruhig die Ganache übernehmen - sieht doch gleich nochmals schicker aus). Ich habe mich für die Törtchen-Variante entschieden, weil ich Menu-Gäste erwartete und ein *individuelles-Rumbömchen* als Erlebnis servieren wollte. Deutlich schneller geht die Bombe von statten, wenn man sie als Kuchen fabriziert. Original kenne ich sie ohne jede Früchte - mir gefiel die Idee aber, die Füllung etwas aufzufrischen und verwendete ein Drittel eingelegte (eigene) Pfirische und 2/3 gekochte Quitten (wie ungefähr hier).

Spielarten bieten sich endlos an. Die Alkis dürfen ihren Lieblingshochprozentigen statt des Rum zum Aromatisieren verwenden. Oder man kürzt ihn ganz raus und stellt eine fruchtige Buttercreme (beispielsweise mit Himbeeren) her oder gibt ihr eine Zitronennote... oderoder. Mir schwebt direkt mal wieder so eine Art *Schwarzwälderkirsch*-Edition vor: mit Schoko-Biskuit, Schattenmorellen und Kirsch... Am Ende werde ich wohl als Liebling aber stets beim Original landen: der Rumbombe.


Zutaten -  1 Rumbombe oder 10 kleine Bömbchen:

Biskuit
6 Eier
200g Zucker
1/2 Tonkabohne, groß
1 Pr Salz
150g Mehl
50g Speisestärke
1 TL Back-Pulver

Füllung:
500ml Milch
50g Zucker
1 Päckchen Vanille-Pudding
230g Butter
12 EL Rum*
350g Früchte*
(m: 2/3 Quitten /1/3 Pfirsiche)
200-250g Schoko-Glasur

Marmelade*


Zubereitung: 

Ofen auf 180° O/U-Hitze vorheizen.

Den Boden einer Springform von 26cm Durchmesser mit Backpapier auslegen, die Ränder fetten.

Für das Biskuit Mehl, Speisestärke und Backpulver sieben und in einer Schüssel zur Seite stellen. Die Eier trennen. Eigelb mit 50g Zucker mit einem Schneebesen gut verrühren. Den Eischnee mit einer Prise Salz und dem restlichen Zucker (150g) steif schlagen. Eischnee und Mehlmischung abwechselnd unter das Eigelb ziehen - dabei darauf achten, dass die Masse luftig bleibt.

Das Biskuit auf der mittleren Schiene 40min backen. Auskühlen lassen.

Eingemachten Früchte sehr gut abtropfen lassen.

Aus Milch und 50g Zucker nach Anweisung den Vanille-Pudding kochen (ich habe noch etwas Extra-Vanillemark zugefügt), in eine Schüssel umfüllen, mit Folie abdecken (um zu verhindern, dass sich eine Haut bildet) und zusammen mit einer Butter über Nacht neben den Kühlschrank stellen (so hat beides gleiche Raumtemperatur und das verhindert das Gerinnen beim späteren Zubereiten der Buttercrème). Für diese am nächsten Tag die Butter cremig aufschlagen und dann nach und nach löffelweise den Pudding untermischen. 

große Rumbombe:

Den Biskuit in 3 Scheiben schneiden, die unterste als Boden verwenden und mit Marmelade bestreichen. Die beiden anderen in 1cm Würfel schneiden. Das Obst würfeln. Biskuitwürfel, Buttercrème, Rum in einer Schüssel vermengen und auf dem Boden kuppelartig türmen - im Kühlschrank kalt werden lassen, dann mit Schoko-Glasur überziehen (geht aber auch die schickere Bömchen-Variante in groß mit großer Schüssel als Formhilfe - s. Beschreibung *Bömbchen*).

 für die Bömbchen:

Vom Boden her je 2 Scheiben à 1cm abgeschnitten - die dritte Scheibe ist dann etwas dicker, damit der Boden für meine Törtchen nicht vom Verhältnis zu dick wird - für eine große Rumtorte darf der Boden unten ruhig bis knapp 2 cm dick sein. Für kleine Törtchen nun aus den zwei dünnen Scheiben 10 Törtchen à 8cm Durchmesser ausschneiden. Die Böden oben mit Marmelade bestreichen. Den Rest der Biskuit klein würfeln: etwa 1/2cm. Ebenso das Obst. Nun die Füllung wie oben miteinander vermengen: Biskuit, Obst, Rum, Buttercrème.

Formen: dafür eine kleine Schüssel (Tasse ca. 170ml Inhalt) mit Frischhaltefolie auslegen, Masse einfüllen und gut festdrücken, einen ausgestochenen Biskuitboden darauflegen, den etwas andrücken, Schüssel auf einer Platte umdrehen und ohne Folie (die bleibt an Törtchen) abziehen. Den ganzen Vorgang 9 mal wiederholen. Kalt stellen, und wenn Masse fester geworden ist die Folie abziehen und mit Glasur oder Ganache überziehen.


*Anmerkung m: Früchte - anhand der Rezepte, an denen ich mich orientiert habe, könnt ihr ebenso Ananas verwenden, nur Pfirsiche oder die Früchte ganz weglassen. Den Rum mischt ihr in der Menge dazu, wie ihr das lecker findet. 12 EL fände ich persönliches Maximum. Wer den Rum besonders intensiv vorschmecken will, mariniert den in Würfel geschnittenen Biskuit damit. Den Vanille-Pudding könnt ihr selbstverständlich eigenständig (ohne Fertigprodukt - also mit Ei und Speisestärke zubereiten... wenn ihr wollt). Marmelade: ich nahm mein Zwetschgenmus, weil ich die Törtchen mit den Karamell-Zwetschgen zusammen servierte - Bitterorange passt aber ebenfalls super. Wie jede Marmelade nach eurer Wahl...

Sonntag, 4. November 2018

Erinnerung DUBB: Krautkrapfen


Feedback zum Blog tut immer gut. Logo. Nicht selten bringen mir unsere Feriengäste auch Geschichten im Handgepäck mit zu meinen Rezepten. Was nochmals was ganz anderes ist, als ein kurzer geschriebener Kommentar à la *wirklich sehr lecker*.

Bei eben einer solchen Begebenheiten habe ich vor ungezügelter Begeisterung begonnen, mit roten Backen in die Hände zu klatschen... peinlicherweise. Tssss, als würde ich mir selbst applaudieren. Ich hoffe, es ging *hüstel* irgendwie unter. (Coucou Gaby und Thomas) Aber es war zu entzückend, wie mir von meinen S-U-P-E-R Krautkrapfen vorgewschwärmt wurde. Der Sohn  - so wurde mir übermittelt - hätte gemeint, dass diese Krautkrapfen das Beste wären, was er je zuhause gegessen hätte (was den kochambitionierten Vater einigermaßen konstanierte). Das war derart lustig erzählt, und mir rutschte obendrein wie aus der Pistole geschossen heraus, dass die ja schließlich auch (das gilt es zu bedenken) unter den DUBBs sind. Also eigentlich keine Überraschung. Aber halt eine echte Freude, das so nett berichtet zu bekommen. Umgehend musste ich die Krapfen für den Habib und mich wieder auf den Tisch bringen - der Abstand darf nicht zu groß werden von einer Schlemmerei zur nächsten...

Natürlich (ganz Serviceblog) Grund genug, nun zum dritten Mal für die Krautkrapfen die Werbetrommel zu rühren. Nicht, dass ihr diesen Festschmaus verpasst. Bestes Rezept, um die Sauerkraut-Saison zu eröffnen. Und eines der Essen, bei denen ich IMMER nicht aufhören kann mit Nachschlag (ein Salat-Plus-Gericht!)! Das Rezept habe ich bei dieser Gelegenheit nochmals minimal präzisiert - ansonsten gilt: genau so!


Freitag, 2. November 2018

Spezial-Ausrüstung: Gnocchi di Patate alla Piemontese mit zitronigem Mascarpone-Spitzkohl


Als ich mit dem Kochen und dann mit dem Bloggen begann, schien meine Wunschliste an Küchenutensilien schier unendlich: lauter neues Spielzeug, wichtiges Fachgerät,  unverzichtbaren Schnickschnack und noch tolleren Kokolores. Ich hatte das Gefühl, dass ich einfach viel und noch mehr brauche.

Da alles mit dem Brotbacken seinen Anfang nahm, bin ich dafür besonders gut gerüstet. Supi-Kneter, Ofen mit Klimagaren (sprich: Dampfstößen, die ich in das Ofeninnere abgeben kann) und einiges an Gär-Körbchen.

Mittlerweile bin ich fast auf Nulllinie runtergeköchelt. Nicht, weil ich nun KOMPLETT ausgestattet bin, sondern weil jetzt einfach gut ist. Nachwievor merke ich mir selbst an, dass ich aus dem Handwerk komme, genau genommen aus der Bildhauerei und deshalb am liebsten auch so weit es geht, meine Hände benutze. Soll heißen: bevor ich eine Küchenmaschine zusammenbastle, scheible ich meine Gurke lieber direkt händisch auf dem Hobel. Schon weniger Geschirr. Welches ich ebenfalls meist umgehend von Hand spüle. So zieht sich meine Kücheneigenart als roter Faden durch.

Was ich aber wirklich schon ein ganzes Weilchen heißbegehrte (und mir warum auch immer versagte) war ein Gnocchibrett. Als große Gnocchi-Liebhaberin eigentlich ein völlig unverzichtbares Dingens! Die zauberhafteste von allen Blogleserinnen, meine Hannah, erfüllte mir dann mit einem Überraschungspäcken diesen Wunsch, den sie irgendwo zwischen den Zeilen herausgelesen hatte, und sendete mir ein hölzernes, gerilltes Gnotschibrettchen (Insider) zu. Was eine charmante Geste!

Natürlich fasste ich umgehend den Plan, dass ich - jetzt nun vollprofimäßig ausgestattet - die formschönsten und beeindruckensten Gnocchi ever damit auf dem Blog präsentiere. Auch, um mich auf diese Weise erkenntlich zu zeigen. Alleine... das Brettchen und ich sind willig - der Teig ist es nicht. Da hilft auch kein Spezial-Equipment, wenn man allerspätestens nach dem Braten keinerlei Muster mehr sieht. Nicht einmal erahnt! So, da mir dieses Resultat bereits zum zweiten Mal höchstperönlich widerfuhr, fühle ich mich genötigt, nach (öffentlicher) Unterstützung zu suchen (Achtung Aufruf!): wer kennt ein Gnocchi-Rezept, bei dem die gegarten (!) Gnocchi ihr eingedrücktes Muster beibehalten?!

Insofern kann ich all jene beruhigen, die kein solches Gnocchi-Brett besitzen: das braucht ihr für dieses Rezept nicht. Handgerolt reicht völlig - egal ob rund oder länglich. Geschmacklich gabs rein gar nix zu beanstanden: ein neues, grundsolides Kartoffel-Gnocchi-Rezept im Sortiment!


Zutaten 2P: 

400g Kartoffeln
100g Mehl (m: Dinkel-Vollkorn)
1 TL Tomaten-Confit*
einige Blätter Basilikum
Salz

etwas Butter
einige Salbei-Blätter

1 kleiner Spitzkohl
2 Knoblauchzehen
1 Zitrone, Abrieb und etwas Saft
4 EL Gemüsebrühe
1-2 EL Mascarpone
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette 
etwas Butter

Parmesan, frisch gehobelt

Zubereitung:

Die Kartoffeln kochen, abschütten, etwas auskühlen lassen, schälen, durch die Kartoffelpresse drücken und mit den restlichen Zutaten zu einem homogenen, nicht klebrigen Teig verarbeiten.

Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen.

Drei fingerdicke Rollen formen. Davon kleine, ca. 1cm große Stücke abschneiden - nach Wunsch formen (Gnocchibrett/ Gabel/ von Hand rund/ länglich... rollen) und ins kochende Wasser geben. Gar ziehen lassen, bis sie an die Wasseroberfläche steigen, abschöpfen und gut abtropfen lassen (wer sie anbraten will und nicht nur in reichlich Butter schwenken, sollte sie gar abkühlen lassen).

Spitzkohl halbieren,Strunk entfernen, in feine Streifen schneiden. Knoblauch fein hacken. Beides zusammen in etwas Butter anbraten, gerade so lange, bis der Kohl zart die erste Farbe annimmt. Die Gemüsebrühe anfügen, salzen, pfeffern und den Deckel auflegen. Etwa 5min (eventuell ein wenig länger) garen, bis der Kohl noch leichten Biss hat. Abschmecken mit Mascarpone, Zitronensaft und -abrieb sowie dem Piment. Zusammen mit den Gnocchi servieren. Mit gehobeltem Paremsan und etwas Basilikum bestreuen.

*Anmerkung m: Anstelle meines gerne verwendeten Tomaten-Confits können auch klein geschnittene, getrocknete Tomaten wie im Original-Rezept genommen werden.

Inspiration: Vox - DPD


ansonsten: gerne leite ich euch nochmals weiter zu den Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen ...  daran ändert sich ja nix.

Dienstag, 30. Oktober 2018

was schön war #5


*Sascha konnte Bogen spucken und mit beiden Ohren zucken* summe ich innerlich altes deutsches Liedgut aus der schulischen Musikfrüherziehung vor mich hin, während Sascha auf meinen Knien sitzt. Puppenhafte drei Monate alt, mit einer bereits beachtlichen Mähne auf dem Kopf, gewirbelt in einen angedeuteten Seitenscheitel, und Pausbacken mit magnetisch anziehender Wirkung. Es ist nicht zu verbergen, dass ich mich direkt verknallt habe, als Helene, seine Großmutter, ihn mir in die Arme drückte, um auf dem Markt einige Besorgungen zu machen. Halb schläfrig, halb selbstvergnüglich blickt Püppi Sascha in die Welt und ringt allen, die uns passieren, ein Lächeln ab. Nun bin ich ja nicht verrückt auf alle Kinder - schließlich sind auch Babys nichts anderes als Menschen... nur halt im körperlichen Anfangsstadium - aber den hätte ich so wie er ist eingepackt und mitgenommen. Hyper-mignon! Hach, so als Kinderlose mal kurz glucken und Hütetrieb ausleben -  endorphiner-Schluckauf-Modus total und glasklar etwas für den Sampler #was schön war.

Überhaupt mochte ich den Moment mitsamt seiner Szenerie. Wir befinden uns nämlich in einem unserer beiden Lieblingscafés der Drôme: zwei historische Kreuzgewölbe, die Renovierung der Räume stagniert halbgar, mit neuer (noch Rigips umplatteter) Sitz-Toilette, jawohl, wobei die vorherhige weiterhin bestehen bleibt: drei sich drehende Stufen führen vorbei an einem kleinen Waschbecken zu dem erhöht liegenden, winzigen Plumpsklo. Ein Hauch von Improvisation umweht ebenso die selbstgeschmiedete Theke.

Betritt man das Café, hängt links (leicht schief - was solls...) ein Kunstdruck. In Aquarell sieht man einen schwermütigen Tim auf einem Barhocker mit seinem Struppi zu Füßen. Darüber zeigt eine runde, einfache Uhr mit spiegelverkehrtem Ziffernblatt die aktuelle Stunde an. Dafür drehen ihre Zeiger gegen den Uhrzeigersinn. Der Wirt - fast so groß wie rund und von ausgeglichenem Naturell - sammelt leidenschaftlich Comics und wäre prädestiniert für eine Professur in diesem Bereich. Unzählige Hefte, ja ganze Serien, füllen die vielen Regale. Wenn er etwas erzählt, dann baut er sich gerne auf wie ein kleiner Junge, der - Achtung, Achtung - etwas zu verkünden hat. Als Aushilfe vertritt ihn manchmal eine wunderschöne Mulattin mit finsterer Mine. An den wenigen guten Tagen umweht die Andeutung eines Lächelns ihre Mundwinkel, wenn sie *Bonjour* sagt.

Wie ich so über das Café schreibe, wird mir erst bewußt: es  könnte direkt einem John Irving-Roman entsprungen sein. Dieser Hauch Groteske in unbeschönigtem aber warmen Realismus. Dieses Publikum! Diese Mischung! Es klingt wie erfunden.

An der Bar sitzt ein Araber mit sinnlichem Mund, der Djembé unterrichtet. Dann kommt ein Rastafari mit dicken Zöpfen bis zu den Kniekehlen (die möglicherweise Mikroorganismen beherbergen) und der bei allen Fragen zur Elektrik zu Rate gezogen wird. Hinten in der Ecke kauert auf ihrem Stammplatz die weintrinkende Bettlerin, ausgemerkelt mit schlechtem Teint. Ihre Krücke lehnt hinter ihr an der Wand. Doch ihre Aufmachung verrät, dass sie die Hoffnung auf Begegnung nicht aufgegeben hat: die Haare geföhnt, ein femininer Rock, etwas Rouge.

Vom ebenso kleinen Barbier- und Friseurladen schräg gegenüber trinkt der Coiffeur mit italienischen Wurzeln seinen Café. Altersbedingt müsste er schon längst in Rente sein. Er trägt einen völlig aus der Mode gekommenen Arbeitskittel, der möglicherweise nie in Mode war. Sein Händedruck ist einzigartig: angenehm zart und fest in einem. Dann ist da noch der Engländer mit der futuristischen Beinprothese, bei dem man genau hinhören muss, wenn er redet: es klingt nach englisch, aber es sind französische Vokabeln. Etwas weiter der Fonctionnaire, äußerst gepflegt, wenn er lacht, dann kleppert seine Kehle abwärts über kleine hölzerne Bodenwellen. Die Zeitung des Cafés ist immer bei ihm auf dem Tisch zu suchen..

Nicht zu vergessen: Helene - eine Erscheinung! Ich nehme sie immer sofort wahr, obwohl sie von zierlicher Gestalt ist. Ihren Kleidungsstil bewundere ich: eigenwillig, selbstverständlich, schlicht, ungewöhnlich. So wie sie - er unterstreicht ihre freiheitsliebende Künsterseele, ihren Schöngeist. Gerne würde ich so altern wie Helene, mit dieser Ausstrahlung. Sascha, ihr Enkelsohn, passt wunderbar zu ihr.

Das Café bietet wenig Raum, am Markttag findet man oft nur schwer einen Platz, aber es wird zum Treffpunkt unterschiedlichster Menschen, für die das Mit-und Nebeneinander so selbstverständlich ist, dass es weder auffallend noch nennenswert erscheint. Eine Welt in der Welt...