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zu Tisch mit #13... : JF

Mittwoch, 17. August 2022


 

Von all meinen Menschen, die ich innerhalb der Serie *zu Tisch mit #... * hier seither vorgestellt habe, halte ich euch heute mit Abstand meinen absoluten Liebling hoch: James French! Was ein Mensch! Was glitzernde Augen! Welch Innerlichkeit!

James French nennt seinen Beruf (besser Berufung) *Tierkommunikator*. Aber eigentlich ist er viel, viel mehr als das! Er offenbart in großer Einfachheit tiefe Wahrheit: nichts ist so existentiell wie unsere eigene Empfindung, unser Fühlen - wie oft hatte ich es zu diesem Thema bereits hier auf dem Blog. Sehr gerne ziehe ich die poetische Aussage meines Habib wieder dazu: *Der Kopf kennt nur die Emotionen, den Schaum auf den Wellen, das Gefühl aber ist die Tiefe des Ozeans.*

Seit über 20 Jahren arbeitet James nun mit Tieren. Alles begann in seiner Kindheit, als ein brutaler Stiefvater in sein Leben trat und er Zuflucht suchte bei den vielen, ihn umgebenden Tieren, den Hunden, Pferden, Schafen. *Der tragische Anfang meines Lebens war ein Glück, weil ich so meine Erkenntnisse über die Beziehungen zu Tieren gewann*, stellt er rückblickend fest, *die Tiere kümmerten sich immer um mich*. Und jetzt kümmert sich James um die Tiere.

Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Erkenntnis, dass Tiere wie Menschen fühlende und denkende Wesen sind. *Zwei friedliche Geister können einander zuhören und es fällt beiden leicht, die Gefühle des anderen intuitiv wahrzunehmen - ein ruhiger Geist erfaßt Gefühle jenseits der Worte*.

Auf seiner Homepage formuliert James seine Arbeitsmethode so: *Die Trust Technique vermittelt ein friedliches Gefühl der Veränderung. Es ist eine Methode, die durch minimierte Denkaktivität eine vertrauensvolle Beziehung schafft, die beim Überwinden von Verhaltensproblemen hilft und den Kooperationsgeist lehrt.*  Aber mehr als alle Theorie hilft die direkte Anschauung. So wie James sagt: *Wir Menschen müssen manchmal etwas sehen, um es zu fühlen*. Oder um es zu glauben. Daher kann ich nur mehr als empfehlen, sich selbst einen eigenen Eindruck zu machen, und sich die viertel Stunde für das erste Video zum Anschauen zu nehmen. Um dann die läppischen 7 Euro zu investieren, damit man sich in den fortführenden Videos (auch mit deutschem Untertitel verfügbar) tiefer einführen lassen kann.

Allein daran trennt sich übrigens schnell Spreu von Weizen: wer Größerem, Wahrhaftigem und der Wahrheit dient, wird daraus nie Profit schlagen. Die Einnahmen kommen wiederum der Arbeit mit Tieren auf Gnadenhöfen und Tierheimen zugute.

*In Wahrheit ist Vertrauen alles* sagt James. Wiederholt den Satz mehrfach. In Wahrheit ist Vertrauen alles. Versteht ihr, was er damit meint? Wirklich meint? Das ist seine Basis!

James wird demonstrieren können, wie man Vertrauen herstellt. Es ist phänomenal ihm zuzusehen, wie er mit Tieren meditiert, wie die Tiere darauf reagieren und wie groß die Bereitschaft zur Kooperation ist, wenn das Wesentliche stimmt. Guckt es euch an! Dabei zeigt sich, dass alles miteinander verwoben ist: Friede, Stille, Mitgefühl, Klarheit, Achtsamkeit, Geduld, Ehrlichkeit, Freiheit, Vertrauen, Respekt, Güte, Aufmerksamkeit, Präsenz, Selbstachtung, Heilung... - man kann das eine nicht ohne das andere haben. 

Ruhe ist das Jetzt.

Geduld ist das Vermögen, ein Wesen sich selbst sein zu lassen.

Ein Mensch, der bewußt nichts denkt - das ist pures Sein.

Jedes fühlende Wesen sehnt sich nach Verbindung  (James French).

In unserer Gesellschaft ist die Angst-Motivation derart verwurzelt, dass wir fast alle überzeugt sind, dass einer nun mal der Boss sein muss, beobachtet James. Das bedeutet, einer zwingt den anderen und übt so lange Druck auf ihn aus, bis jener nachgibt - dann erst wird der Druck weggenommen. In Frieden braucht es niemanden, der bestimmt und anführt, sondern man vertraut sich einander freiwillig an: feeling peacefull/ having peace of mind is the closest thing to unconditional love, that you can have

Das Problem sind nicht verhaltensauffällige Tiere, das Problem sind die Menschen. Daher zielt James Arbeit darauf, Menschen Anleitungen zu geben, wie man mindfullness (das schönere, englische Wort) herstellen kann - der Beginn um beziehungsfähig zu werden. James French: *Unsere Wahrnehmung hängt davon ab, wie wir uns fühlen. Ändern wir das Gefühl, dann ändern wir auch die Wahrnehmung. Erst wenn der Mensch in sich ruht, kann er agieren - statt reagieren. Erst wenn der Mensch im Frieden verankert ist, kann er schöpferisch werden.

*Je mehr man sich mit ruhigem Geist und der Arbeit mit Tieren auseinandersetzt, desto mehr realisiert man, wie weit weg der Mensch von sich selbst ist und wie wenig er zuzuhören vermag. Wir haben uns von der Tierwelt abgetrennt, weil wir die Fähigkeit zu fühlen verloren und angefangen haben, alles zu intellektualisieren. Wir gingen vom Herz in den Kopf (James zeigte dabei mit den Fingern auf beides), es ist nicht weit, aber die Reise zurück ist lange.*

Für manche aber ist diese Reise ein way of no return. Das ist meine Meinung. Ganz so wie es abgebildet ist auf dem Prophecy Mountain der Hopi-Indianer. Manche Menschen haben sich von der Natur, ihren Empfindungen und den anderen Geschöpfen bereits so weit entfernt, dass sie einen Weg eingeschlagen haben, der nicht mehr umkehrbar ist, sie wegführt von der Einheit und damit die Entscheidung endgültig gefallen ist. Wieder und wieder gilt: Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdets nicht erjagen!!!




Trust Technique - Homepage von James French und seiner Partnerin Shelley Slingo

Mit Tieren sprechen - SWISS TV - über diese Sendung habe ich James entdeckt

Blindes Verstehen - Homepage von Erdmuthe Podloch und ihre blinde Stute Samara, die nach der Trust Technique arbeitet

Cavallo - Pferde-Zeitschrift über die Trust Technique

zu Tisch mit #12 ... MP

Sonntag, 31. Januar 2021


 

Als ich auf Marijn Poels aufmerksam wurde, war mein erster Gedanke: was ein gutes Gesicht, das ist echt eine gute Type. Klarer Fall, den Marijn hätte ich zu gerne mal zu Gast bei mir! Bref: ein idealer Kandidat für mein hauseigenes Event *zu Tisch mit... . Und was soll ich sagen - ich freue mich riesig, dass Marijn sich die Zeit nahm um mir einen Fragebogen auszufüllen. Und damit vorneweg etwas meiner eigener Neugier an seiner Person stillt - diesen stelle ich euch bien sûr unten ein und teile redlich. Aber zuerst will ich Marijn etwas vorstellen und einleiten, was mich so für ihn einnimmt:

 



*Man kann einen Vorsatz nicht sicherer abstumpfen, als wenn man ihn öfters durchspricht*, sagt Goethe. Und das funktioniert mindestens ebensogut, indem man manche Themen regelrecht tot redet. So gehts mir mit dem C-Wort (ich kanns nicht mehr hören). Oder auch alles im Bezug aufs Klima.

Dass Wort Klimawandel fällt gefühlt mehrfach am Tag in allen Medien und es hat ja nun der Dümmste mitbekommen, dass mit dem Klima irgendetwas nicht stimmt. Dass mich dieses Thema wieder richtig fesseln konnte, ist allein der Ausstrahlung von Marijn zu verdanken. Seine Ernsthaftigkeit, mit der er sich auf die Suche nach Antworten macht, fesselt mich. Und ich hätte nicht für möglich gehalten, dass meine Haltung zur Klimadebatte derart auf den Kopf zu stellen ist - nur aufgrund eines Dokumentarfilms. 

Bis dahin dachte ich, dass wir uns über die Ursachen des Klimawandels alle einig seien (außer möglicherweise irgendwelchen Wasserköppen), doch indem mich Marijn mit auf seine Forschungsreise nimmt, wird das Thema wieder richtig vielschichtig. Und voller Fragen. Und die Gewissheit gewinnt Oberhand, dass das eigentliche Problem nicht ein bestimmter Rohstoff oder eine chemische Kohlenstoffverbindung sein kann, sondern Misswirtschaft, Monokulturen und Ausbeutung (s. das Zitat von Gus Speth) oder gar Ursachen, die wir in ihrer Komplexität noch gar nicht einsehen können...

Ich hatte euch ja angekündigt, dass ich euch Gelegenheit bieten würde, an euch selbst zu überprüfen, wie wendig ihr geistig seid im Hinblick auf Themen, für die ein gängiger Allgemein-Konsens herrscht - et voilà, voilà: der starte mit Marijns erstem, eigenem und selbstfinanziertem Dokumentarfilm: *The uncertainty has settled*!

Damit ist Marijn ein Film gelungen, der der grünen Politik und dem sogenannten Energiewandel die Maske herunterreißt. Es hat mich zutiefst erstaunt, wie sehr Marijn mit seinen kritischen Fragen in eine Schlangengrube geriet. Tatsächlich entpuppt sich die Debatte ums Klima als Paradebeispiel wie ein Dogma, wie eine fixe Weltanschauung entwickelt wird und zwar durch die unselige Verquickung von Wissenschaft, Geld, Wirtschaft, Politik und Medien. Mit der Folge, dass durch die ideologische Überlagerung eine offene Herangehensweise an das omnipräsente Thema Klimaschutz verhindert wird, wir unsachlich, lernunfähig und denkfaul werden.

Und mit der Folge, dass Marijn für seinen ersten Dokumentarfilm Anfeindungen und Gewaltandrohungen ausgetzt war. Es brachte ihn ins Straucheln, er zog sich für einige Zeit in Klausur zurück, stellte sich der eigenen Gewissensprüfung - um festzustellen, dass er sich nichts vorzuwerfen hat:

*Ich wäre vor mir selbst davon gelaufen, vor meinem natürlichen Drang, kritisch zu sein und verstehen zu wollen. Ich mache meine Filme für diejenigen, die aufwachen wollen. Die anderen können wütend bleiben. Du machst keinen Hund aus einem Schaf*, sagt Marijn. Und so blieb er sich treu und entwickelte eine Triologie:

 

In *Paradogma* - seinem 2. Film - knüpft Marijn an seine Erfahrungen in Zusammenhang mit seinem ersten Film an und nimmt die Rolle der Medien, ihrer Aufgabe als vierte Gewalt, als Wahrer der Meinungsfreiheit und ihre Verpflichtung der Wahrheit gegenüber genauer unters Licht. Viel scheint sich seit Goethe nicht geändert zu haben:* In Zeitungen und Encyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.*

In *Return to Eden* - seinem 3. Film - stellt Marijn einen ganzen Katalog an faszinierenden, weltweiten, kleineren und größeren Projekten vor, in denen Menschen zeigen, was möglich ist, um die Erde ein Stückchen besser zu machen. Und der jungen, energiegeladenen Fridays-for-Future-Generation werden jede Menge Ideen geboten, wo und wie man seinen theoretischen Idealen den Beweis von Taten folgen lassen kann.

 

Ich finde alle drei Filme bereichernd, anregend und aus diesen Gründen stelle ich sie euch hier vor - reichlich Zeit zum Filme gucken haben wir ja gerade:

 


 


 


 

Ich hoffe inständig, dass euch - gerade in Zeiten wie diesen - bewußt wird, wie wichtig und wertvoll unabhänige Wissenschaftler, Journalisten und Künstler sind. Ich hoffe inständig, dass *wir* uns darin gegenseitig fördern und unterstützen. Marijn Poels Arbeit kann man hier supporten!


Und zum Abschluß Marijns Anworten auf meine Fragen:



Frage1: Du hast ein sehr ungewöhnliches Büro und zwar ein wunderschönes Baumhaus. Verrate mir doch bitte, was das für ein Baum ist, in den das Haus gebaut wurde.

---- Das Baumhaus wurde von meinem Schwager vor 15 Jahren in eine Eiche (über 100 Jahre alt) eingebaut. Er baut Holzhäuser und sah dies als eine schöne Übung. Als wir von Berlin mit der Familie auf den Hof der Schwiegermutter zogen (um sie zu pflegen), sah ich dort sofort ein tolles Schreib- und Denk-Büro. Ich habe ein zweites Büro/ Studio, in dem ich auch gerne arbeite, aber im Baumhaus schreibe, denke und schneide ich gerne größere Filme. Die Ruhe, die ich dort habe, ist atemberaubend. Niemand bringt mich auf eine Idee, ich muss sie mir selbst ausdenken. Es ist ein Ort in der Welt, der komplett von der großen Welt da draußen abgeschottet ist. Das fasziniert mich.

 

Frage 2: Dokumentarfilmer ist kein Lehrberuf - wie bist du dazu gekommen, Dokumentarfilme zu drehen?

---- Vor 15 Jahren habe ich in einem forensischen Gefängnis als kreativer Betreuer gearbeitet. Gute Bezahlung und Zukunftsperspektiven. Aber in dem Top-Down-Denken sah ich das große Problem. Die Rechenschaftspflicht auf dem Papier wurde wichtiger als das eigentliche Ziel.  Das konnte ich nicht mitmachen und habe gekündigt.

Zu dieser Zeit bin ich viel gereist und die Geschichten in den Ländern der Dritten Welt haben mich berührt. Die Ungerechtigkeit, das Paradoxon. Ich wollte diese Geschichten zu den Menschen im Westen bringen. Ich habe meine Reisen immer mit einer kleinen Kamera gefilmt. Als Amateur. Um meinen Freunden und meiner Familie zu zeigen, dass unsere Konsumsucht gerade in diesen Ländern so viel zerstört. An dem Tag, an dem ich meinen Job kündigte, ging ich zu meinem Vater und sagte: "Papa, ich hab meinen Job gekündigt und will Filmemacher werden“. Er war schockiert. „Aber Du hast noch keine Aufträge?“ sagte mein Vater. „Das stimmt. Aber das ist ein guter Grund, alles zu tun, um sie zu bekommen" sagte ich. Ich habe Formate für TV und Kino geschrieben und ehrlich gesagt: das lief sehr gut. Ich habe etwa 12 Filme/Reportagen pro Jahr in Ländern der Dritten Welt gemacht - 10 Jahren lang. 

  

Frage 3: Du bist ein erfolgsverwöhnter, weitgereister Dokumentarfilmer, der rund um die Welt über viele Jahre auch Preis gekrönte Filme (vor allem in sog. Entwicklungsländern) gedreht hat. Ausgerechnet dein erster eigener Dokumentarfilm wird extrem kontrovers diskutiert. Hattest Du im Vorfeld mit solch heftigen Reaktionen gerechnet?

---- Darauf war ich irgendwie vorbereitet. Jeder Film, den ich mache, muss auch Kontroversen haben, zum Nachdenken anregen und andere Perspektiven bieten. Aber ich habe nicht erwartet, dass es so aggressiv sein würde. Abgesehen davon, dass der Film sehr viel Aufmerksamkeit erhielt, war es für mich persönlich eine sehr schwierige Zeit. Man nannte mich einen Klimaleugner, extrem rechts und die Medien taten alles, um meinen Namen zu verunglimpfen. Der Trick ist, unter diesen Umständen sich selbst zu bleiben und sich nicht von dem Hass, der auf einen zukommt, mitreißen zu lassen. Als Dokumentarfilmer bin ich neutral und möchte nur die Fragen stellen, die viele Menschen in sich tragen, aber nicht stellen - aufgrund von sozialem Druck oder der politischen Farbe. Menschen sind in Schubladen gefangen, die sie sich selbst zugewiesen haben. Ich versuche, den Weg zu ebnen und die Boxen zu öffnen. Das macht mich automatisch zur Zielscheibe für viele. 

 


 

Frage 4: In Reinhard Meys Lied *Sei wachsam* fällt u.a. auch das alte deutsche Sprichtwort: *Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd*. Du hast mit deinem ersten Film viele Berufskontakte und sogar Freunde verloren. Ein hoher Preis. War es das wert? Man sagt ja, jeder Künstler macht seine Kunst in allererster Linie für sich selbst. Was ist der größte Mehrwert für dich persönlich, nachdem Du nun diese Triologie abgedreht hast?

---- Das ist schon ein Vorteil. Der größte Vorteil ist, dass ich die Weltpolitik und wie die Massen darauf reagieren, sehr gut verstehe. Ich verstehe die Konstrukte und die Emotionen, die gerade im Spiel sind. Und das ist auch gut! Denn nur dann kann ich die Folgefrage stellen. Ich weiß, was das Problem ist und wie ich damit umgehe und wo meine persönlichen Lösungen liegen.

 

Frage 5: In einem Interview habe ich gelesen, dass Du Interview-Material dann nicht verwendest, wenn du den Eindruck hast, der Mensch, den Du interviewst gibt nicht seine eigene Meinung wieder, sondern wiederholt nur Vorgegebenes. Gibt es weitere Herangehensweisen, die typisch sind für deine Art Dokus zu drehen?

---- Gute Frage. Ich vergleiche meinen Stil eigentlich nie mit anderen. Ich glaube, mein Stil hat noch nicht einmal einen Namen. Ich mache es so, wie ich denke, dass es funktioniert und dass es zu mir passt. Ich stelle fest, dass viele Menschen damit Schwierigkeiten haben, weil sie es vorziehen, eine verpackte Wahrheit präsentiert zu bekommen. Die gebe ich nicht. Ich lasse die Leute ihre eigenen Schlüsse ziehen.

 

Frage 6: Du hast sehr viel von der Welt gesehen. Inwiefern hat Dich das Reisen verändert?

---- Ich war schon in über 70 Ländern und das Reisen liegt mir im Blut. Aber je mehr ich gereist bin, desto mehr entdeckte ich, was Heimat bedeutet. Ich habe vor allem die Bedeutung des ganzheitlichen Denkens erkannt. Dass die Welt und ihre Menschen miteinander verschmolzen sind, aber jeder seine eigene Kultur, Werte und Ethik hat. Dass, wenn irgendwo auf der Welt etwas hinzugefügt wird, irgendwo anders etwas abgezogen wird. Das ist der Punkt, an dem es oft schief geht. Irgendwann lernt man auf Reisen auch, dass der wichtigste Ort auf der Welt das eigene Zuhause ist. Deine eigene Familie. Das ist die Basis!

 

Frage 7: Im Zuge deiner Triologie bist du sehr vielen Menschen  begegnet und bist mit vielen im Gespräch gewesen. Hat eine Begegnung bei Dir besonderen Eindruck hinterlassen?

---- Freeman Dyson war für mich ein Kuriosum. Ich habe diesen Mann in New York an seiner Universität besucht. Es war ein dreistündiges Gespräch und trotz seines Alters (93) war jeder Satz, den er sagte, eine Offenbarung. Es war fast wie eine Hypnose, in der ich mich befand.

Aber auch Allan Savory hat einen großen Eindruck hinterlassen. Ein Mann, der die Komplexität in das einfache menschliche Denken zurückbringen kann. Menschen, die den Dunst und die Verwirrung unserer Zeit durchschauen und den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Und ich bin der Meinung dass die Welt voll ist von solch inspirierenden Menschen.

 

Frage 8: Du lebst mit Frau und Sohn im Norden Deutschlands in der Altmark. Du sagst *Das ist Dein Garten Eden.* Verfolgen Du und Deine Familie mit dem Bauernhof eine bestimmte Vision?

---- Unsere Vision zu Hause ist, dass wir versuchen, so weit wie möglich autark zu sein. Wir bauen unser eigenes Obst und Gemüse auf organische Weise an. Zu wissen, dass alles in unserem Garten seine eigene Funktion hat und dennoch zum großen Ganzen beiträgt. Die Komplexität der Welt findet sich auch im eigenen Garten wieder. Diese Balance zu finden, ist die Herausforderung. Arbeite mit der Vielfalt und du verstehest jede Kultur, die in Deinem Garten wächst. Erst dann wächst die Bewunderung und Faszination für gesundes Essen. Gesunde Lebensmittel erzeugen gesunde Menschen, eine gesunde Natur und letztlich eine gesunde Gesellschaft.

 


Frage 9: Du glaubst an das Schneeballsystem im Guten oder auch an das Prinzip *Being a funghi of the forest* - welche Hoffnung verknüpfst Du damit?

---- Ich glaube an das "Funghi-Prinzip". Der Wald ist die ultimative Metapher für ein ausgewogenes politisches System, das wir anstreben sollten. Echte Demokratie ist dort zu finden! Das Pilzsystem arbeitet über ein kilometerlanges Netzwerk zusammen. Es kommuniziert, tauscht Nährstoffe miteinander aus und gibt sie an die Bäume ab. Dieses Zusammenspiel sorgt für das Wachstum des Waldes. Jeder einzelne Pilz leistet seine eigenen Beitrag, ohne seine eigene Kultur aufzugeben. Der große Nachteil des Menschen ist, dass wir Beine haben und vor Problemen weglaufen können. Das machen wir immer noch viel zu oft ;-)

 

Frage 10: Ich habe gelesen, dass Du Dir wünscht, dass sich die Menschen durch Deine Filme wieder mehr Fragen stellen. Welche Fragen brennen Dir noch in der Brust? Oder anders gefragt: Du sehst vor einem allwissenden Orakel - welche Frage stellst Du?

---- Wie kann es sein, dass die Menschheit immer wieder die gleichen Fehler macht.

zu Tisch mit # 11 - AT und JA

Mittwoch, 17. Juni 2020


Für diese Rubrik kommt mir zupass, dass ich mich bereits als Kind gerne in meine eigene Welt geflüchtet und zurückgezogen habe. *Erschöpfe dich nicht in Phantasien* - definitiv ein einst an mich gerichteter Warnhinweis. Selbst wenn der fliegende Teppich der Phantasie die billigste Art des Reisens ist, so kommt man doch immer nur in Wolkenkuckucksheim heraus. Wie habe ich vor Kurzem so treffend gelesen: *Reisen bedeutet Phantasie gegen Erfahrung auszutauschen.* Nichts, rein gar nichts toppt eigenes Erleben!

Während der Jahre, die ich in der Stadt gelebt und in der Kulturszene gearbeitet habe, schätzte ich als wunderbaren Nebeneffekt am Künstlertum die Freiheit, die dir auf diese Weise von der Gesellschaft zugebilligt wird. Du darfst dich als Künstler anders anziehen, ausdrücken, Dinge aussprechen, gegen gängigen Habitus verstoßen uswusf. - das wird dir alles nachgesehen: Du bist schließlich Künstler (und ein Großteil deines Umfeldes meistens auch). Diesen Umstand habe ich sehr geschätzt und gerne für mich in großen Weiten ausgelotet.

Zu meinem 11. Gäste-Tisch habe ich mir zwei Frauen in etwa meinem Alter ausgesucht. Was beide eint ist, dass sie mir vom Typ gut gefallen: beide wirken burschikos ohne dadurch etwas von ihrer Weiblichkeit einzubüßen. Beide sind nicht nach gängigem Schönheitsideal hübsch, haben auf mich aber eine anziehende Ausstrahlung, weil von ihnen etwas Gerades, Ungeschminktes ausgeht.

Als erstes begrüße ich Anna Thalbach, die ich mehr als Künstlerin denn als Schauspielerin wahrnehme. Ihr ganzes Wesen dünstet Freigeist aus. Und jedes Interview mit ihr legt Zeugnis ab, dass sie sich eigenen Werten und Maximen unterordnet - und keinen vorgegebenen. Als ich noch gerne Shopping-Queen schaute (Tisch #1 - was sich mit der Zeit abnutzt und selbst Guido Maria hat mittlerweile - wohl ob der Frequenz - an Elan eingebüßt), war die Folge mit Anna eine der lustigsten und vor allem kreativsten ever. Anna entspringt schließlich einer ganzen Künstlerdynastie von Familie - was nicht zu verbergen ist!

Wer künstlerisch arbeiten will, braucht sogar diesen gewissen Abstand zur Gesellschaft - so erst wird kritische Distanz möglich. Anna formuliert ihre kritische Meinung ganz unmissverständlich. Und allein deshalb bin ich schon verknallt in sie. Anna sagt: Das ist wie beim Monopoly-Spiel – das ist zu Ende, wenn einer alles hat und die anderen nichts. Ich glaube nicht an den Kapitalismus und lebe nicht gerne in diesem System - auch ohne deshalb Antworten griffbereit aus dem Hosensack ziehen zu können. Mir dünkt es so, als entkäme man nicht dieser endlosen Hauptmann von Köpenik-Mühle - nix hat sich geändert, es wird lediglich raffinierter.

Anna prangert als Berlinerin an, dass sich an Wohnraum vergriffen wird, so dass  Rentner gezwungen seien, mehr als die Hälfte ihrer Rente für Miete zu bezahlen. Das nennt sie *ein Verbrechen an der Menschlichkeit.* Auch Medizin sei ein Geschäft und in die Würste werde Müll gequetscht, damit man am Essen verdiene. *Wenn der Kapitalismus sich da dran vergreift – tut mir leid, dann finde ich jeden, der das System noch gut findet, einfach nur bescheuert.*

Sehr erheiterte mich Annas folgende Aussage, denn auch nach meiner Wahrnehmung eignen sich die meisten Beamte und Banker als ideale Besetzungen für Momos Erwerbstätige in der Zeitsparkasse. *Ich sehe bei den Politikern niemanden, der mitfühlend, kreativ wäre oder Lösungen anzubieten hätte. Auch ich habe leider keine Antwort darauf, wie die Menschen sich ordnen können, sodass die Moral gegen die Gier gewinnt. Ich kenne keinen, den ich gut finde. In der Politik werden alle grau, die sehen aus wie Büro-Trutschen. Das wäre sicher nicht die Herde, der ich folgen würde, wenn ich die Wahl hätte.*

An dieser Stelle hole ich meine zweite Gästin dazu: Jacinda Ardern! Oder?! Die hält doch mit ihrem Strahlelachen volle dagegen. Ein kleines Vorstellungsfilmchen gefällig? Vielleicht könnte man behaupten, dass Jacinda die menschlichste Form des Kapitalismus darstellt - weil sie ihn konsequent verbindet mit dem Begriff *kindness*. Sich selbst hat sie den sperrigen Zusatztitel "Ministerin für Kinderarmutsreduktion" gegeben. Mich sprechen ja sehr ihre Selbstzweifel an. So offenbart Jacinda in Interviews ganz ungeschönt ihre Unsicherheit, ob sie für eine solche Spitzenposition in der Politik überhaupt geeignet sei: *Ich mache mir ständig Sorgen, einen Fehler zu machen. Ich hasse es, Menschen zu enttäuschen.* Das ist eine Aussage, die ich den wenigsten Politikschaffenden so abnehmen würde. Ihr glaube ich. Ebenso nehme ich ihr ab, dass es sie nicht nach Macht und Einfluß dürstete: *In gewisser Weise frage ich mich, wieviel Zufall im Spiel war, dass ich jetzt hier sitze, denn ich hatte nie das Ziel, eines Tages Premierministerin zu werden. Deshalb verspürte ich auch nie diesen Druck, mich entsprechend profilieren zu müssen. Ich war immer nur ich selbst.*

Und anscheinend halten andere Jacinda gleichfalls für glaubhaft, denn ja da ist sie wieder die Vertrauensfrage - in Zeiten wie diesen die erste aller Gretchenfragen. Obwohl Neuseeland einen besonder harten Lockdown fuhr, stand eine erstaunliche Mehrzahl der Bevölkerung hinter ihrer Führung. Das kann nur damit zusammenhängen, dass Jacinda ihrem Volk Beispiel lebte. Für sie bedeutete ihre ständig wiederholte Aussage *be kind* (sei ein guter Mensch) während dem Lockdown ihr eigenes Gehalt um 20 Prozent zu reduzieren. Viele müssen gerade den Gürtel enger schnallen - sie dann auch. Tja, und der Erfolg gibt ihr recht: Neuseeland erklärt Covid für überwunden. Privat scheint sie sich obendrein den richtigen Vater für ihre Tochter (die sie by the wy während ihrer Regentschaft bekam) mit Clarke Gayford rausgesucht zu haben. Wie cool ist bitte sein Tweed: *
at what age is it unacceptable to run naked under a hose on the back lawn? * 

Ich bin mir sicher, wir Mädels würden uns gut verstehen. In meiner Vorstellung von diesem Treffen würden wir uns am Tisch einige Zeit um das Thema drehen, ob ein eigentlich unmenschliches System (der Kapitalismus bzw. Neoliberalismus) dennoch menschenfreundlich umgesetzt werden kann. Also ganz nach dem alten *Beachte das Was, mehr beachte das Wie*-Goethe-Zitat. Denn Jacinda hat - ebenfalls wie Anna - eigene Wertvorstellungen, die sie wohl seit sie Politikschaffende ist, noch nicht über Board geworfen hat: *Ich entschied  [während meine Kandidatur] , dass wir, anstatt uns nur darauf zu konzentrieren, was alles falsch gelaufen sei, positiv nach vorne schauen müssen, mit einer wirklich klaren Vision, wie wir die Dinge ändern können und wir es schaffen können, wieder Stolz auf all das zu sein, was uns wichtig ist – und das umfasst ganz Grundlegendes: Wohnungen, die Umwelt, das Wohlergehen unserer Kinder.

Nun, die Zukunft wird es zeigen. *Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat*, sagt Hegel. Im Fall von Neuseeland wird man möglicherweise sehen können, was stärker ist: der politische Wille einzelner oder das System...

Was würde ich für diese Runde kochen? Ganz klar eine unkomplizierte französische Tarte wie diese hier und einen Salat dazu.


Zu Tisch mit #10... R & E & L

Montag, 9. März 2020


Selbst in den dunkelsten Momenten kann man den Habib ein Lächeln entlocken, wenn man ihn an das Segeln erinnert. Ein Geschäftspartner mit mehreren, großen Segelyachten wurde zum Freund und so kam der Habib einst in den Genuß, die Welt vom Wasser aus zu erleben. In seinen gebirgsbachfarbenen Augen funkelt dann die Tiefe des Ozeans, wenn er zurückdenkt an die unendliche Weite des Meeres, an stürmische Winde, dem Ausgeliefertsein der Naturgewalten, die große Freiheit.

Vielleicht rührte aufgrund seiner Begeisterung auch mein Wunsch auf der (überarbeiteten) *Über mich*- Seite ebenso wie in einem marokkanischen Riat mal in der Kombüse einer Segelyacht kochen zu wollen. Vielleicht stachen mir deshalb auch *Sailing la Vagabonde* ins Auge. Eigentlich waren meine Gedanken bei der ersten Begegnung vorurteilsschwanger. Das sah deutlich TOO perfect aus für mich: nach einem hübschen Upper-Class-Model-Paar, welches boho-stylo-deluxe-selbstverliebt über die Weltenmeere schippert. Weil eines weiß ich von dem Habib: Segeln kostet RICHTIG fettes Geld.

Aber nein, die zwei sind keine übersättigten, gelangweilten Kinder wohlhabender Eltern, das erkennt man dann doch schnell. Elayna und Riley sind beide in Australien aufgewachsen in normalen Familien, wo für Geld gearbeitet werden musste: Elayna als Kind einer Australierin und einem rumänischen Auswanderer. Und Rileys Biographie finde ich besonders spannend. Auf einer seiner Reisen nach der Schulzeit durch Brasilien brach er sich das Genick und lag monatelang im Krankenhaus, wo ihm wenig Hoffnung gemacht wurde, je wieder ein Leben auf zwei Beinen führen zu können - eine tiefgreifende Erfahrung, die wohl den Blick auf alles verändert.

Doch der Himmel hielt schützend seine Hand über Riley ebenso wie über seinem großen Traum, das Segeln, den er nie aufhörte zu verfolgen. So arbeitete er u.a. auf Bohrinseln, legte immer etwas vom Verdienst zur Seite, bis er sich vor über 10 Jahren seine erste Yacht in Italien (weil dort billiger als in Australien) kaufte. Der Clou dabei: ohne Segeln zu können! Ist das geiler Scheiß? Er sprang einfach ins kalte Wasser. Learning by doing! 100% Absicherung gibt es nicht, erklärt er sich. Das Leben gleicht keiner mathematischen Formel, keine noch so ausgetüfftelte Strategie kann es *komplett ungefährlich* machen. Manchmal muss man etwas riskieren. *Hihi*, grinst der Habib, *genauso bin ich auch zum ersten Mal in die Wüste aufgebrochen.*

Das letzte Filmchen, das ich mir von den beiden angeschaut habe, berichtet über ihren Landgang, um New York City erstmalig zu besuchen. Und ich fand es ausgesprochen lässig, wie sie das zu gestalten wußten mit einem Kleinkind, ihrem Sohn Lenny, dabei. Die wirken als Gang alle zusammen wirklich tiefenentspannt. Hey, und wie toll ist bitte das Naturkundemusem in NY!!!

Diese Simplicité (Einfachheit), die Zufriedenheit und ihre Naturverbundenheit sprechen mich als Grundstimmung in ihren Filmen besonders an. Eigentlich leben sie nämlich sehr beschränkt auf kleinem Raum aufeinander. Und ich behaupte ohne je einen Fuß auf einen Katamaran gesetzt zu haben: so könnte ich auch leben, das wäre auch was für mich! Und sieht man Rileys und Elanays Gesichtern nicht an, wie gesund, lebendig und lebensfroh sie sind!? So lebenstüchtig...  Und ein tolles Team aka Paar sind sie obendrein. Da guckt man gerne zu!

Natürlich ist mir klar, dass ihre Youtube-Auftritte nicht komplettes *real life* widerspiegeln. Wenn Lenny quängelt und die Heulboje macht - das wird nicht festgehalten, das will ja niemand sehen. Zum Beispiel. Es zeigt vorallem die Rosinen, bei denen jeder leicht neidisch sagt: das hätte ich auch gerne. Aber wieviele wären bereit für das Komplett-Paket? Inklusive solcher Situationen wenn Riley sich wieder an seinem Nacken verletzt mitten auf dem Meer weit weg von allen Krankenhäusern?  Oder Piraten-Begegnungen. Gewaltige Stürme. Oder diese vielen Tage bei Windstille, die man nur einsam dem Ozean gegenübersteht - bei sonstiger völliger Ereignislosigkeit. Die aufwendigen Bootswartungen... sie offenbaren schon ebenfalls: diese Art von Leben ist intensiv und anstrengend, man zahlt immer einen Preis.

Seit Jahren leben die zwei (also neuerdings zu dritt mit Sohn Lenny) nun als Segler auf einem Boot - und es ist kein Ende in Sicht (außerdem ist so ein Boot vermutlich nicht der schlechteste Ort für eine Pandemie...). Möglich gemacht wird ihr Lifestyle von Unterstützern ihrer Youtube-Geschichten, die ihnen monatlich Geld überweisen. Für mich ist das ein wunderschönes, modernes Märchen!!!! (vier Ausrufezeichen) Deshalb halte ich sie heute hier hoch! Elanay und Riley demonstrieren wunderbar, wie es geht, die eigene Lebengestaltung selbst in die Hand zu nehmen. Und zeigen gleichzeitig, wieviel Möglichkeiten und Freiräume dieser Planet gerade bietet - so viel, wie noch nie zuvor! *Du bist es, der diese Welt erschafft, jeden Augenblick.* Daher habt Visionen, traut euch: DREAM BIG! Das leben sie vor - das finde ich inspirierend. Glück kann man unter die Arme greifen...

Ansonsten gebe ich zu, bin ich jetzt nicht allzu tief in ihre Welt eingetaucht, sondern habe mir lediglich eine gute handvoll Filme von ihnen angeschaut (logo, auch den wie sie sich kennengelernt haben ;-) und auf ihrem Blog etwas quer gelesen. Wie gesagt: ich mag vorallem den Spirit. Mein gutes Leben wollte ich ja nicht eintauschen gegen ihres. Aber austauschen würde ich mich eben gerne mit ihnen an meinem *zu Tisch mit...*. Das Gespräch würde ich treiben lassen, ganz so,  wie man es mit einer guten Reise macht: schauen, was passiert. Lediglich eine Frage hätte ich. Und zwar ob sie mich nachvollziehen können, warum ich Greta (also DIE Greta, für die sie unlängst Transport-Schiff machten) in der A-Note (ihre Botschaft *Heal the world*) gut, aber in der B-Note (ihren Ausdruck) unmöglich finde.

Tja, und servieren würde ich den Weltenbürger-Ozzies wohl dieses Karotten-Pü (das ist definitiv auch was für Lenny) samt meinen neuesten Veggie-Puffern, die ich euch als nächstes (spätestens übernächstes) vorstellen werde.






zu Tisch mit #9... MM

Sonntag, 26. Mai 2019


Eines der absoluten Pros, die ich dem Zeitgeist nicht hoch genug anrechnen kann, das ist mein Internet-Zugriff. Ich kann im französischen Outback weltabgewandt, zurückgezogen, ruhig und friedlich mitten in der Natur leben und habe dabei ständigen Zugriff auf alles Wissen. Das ist einfach genial! Auf diese Weise habe ich mir das Kochen und Brotbacken beigebracht. Und auf diese Weise lerne ich Yoga - für mich ein toller Ausgleich zur Gartenarbeit. Oder wenn ich gerade keine Gartenarbeit habe.

Mit keiner Yoga-Lehrerin stehe ich öfters auf der Matte wie mit Mady Morrison. Mittlerweile verfüge ich über genügend Erfahrung, mir mein Programm selbst zusammenzustellen, aber manchmal ist es einfach herrlich bequem, einfach nur den Abläufen folgen zu müssen. Und Mady leitet mich nun bestimmt schon über zwei Jahre regelmäßig an. So konnte ich sie dabei beobachten, wie sie erfolgreicher und erfolgreicher wurde und ihre Anhängerschaft wuchs und wuchs. Heute ist sie das, was sich *Influencerin* nennt und kann mit 28 Jahren hauptberuflich davon leben. Ich freue mich sehr für sie - absolut verdient.

Mady ist unglaublich fleißig, ihre Youtube-Filme sind hochwertig produziert, ihre Flows sind abwechslungsreich und fordernd, ihre Stimme ist sachlich und unaufgeregt, die Anweisungen klar und präzise und ganz wichtig (das ist eine häufige Fehlerquelle anderer Flows, die online zu finden sind) der Rhythmus und die darauf eingestellte Atmung stimmt. Der große Mehrwert ist, dass sich ihre Videos selbst in der Wiederholung nicht abnutzen. Wenn es nach mir ginge, könnte Mady komplett auf die beliebte Lebenshilfe verzichten, die in dieser Branche gerade zwingend dazugehört. Zumal sie derlei gar nicht nötig hat. Mit ihrer in sich ruhenden Art, glaube ich ihr, dass sie als Kind mit sich *Tee-Zeremonie* gespielt hat - Beispiel-leben hat mehr Kraft als alle Worte. Und was mir ebenfalls gut gefällt ist, dass Mady kein Klischee erfüllt (juchhu!), sondern anstelle von Surfen und veganer Ernährung lieber boxt und mit ihrem Hund spazieren geht.

Ihr Wissen als gelernte Kommunikationsdesignerin fließt nun in ihren Kanal ein - und das sieht man. Hauptsächlich verbreitet sie ihre Inhalte über Youtube oder Instagram. Tja, fragt ihr euch, habe ich nicht eben noch über letzteres gefrozzelt? Zumal ihr Freund Danny, mit dem sie seit 10 Jahren zusammen ist, mit in ihr Buisness eingestiegen ist. Beste Gelegenheit die zwei an meinen Tisch einzuladen und neugierig nachzufragen, wie es denn funktioniert, wenn es funktioniert. Gerade für Danny (à la *Er macht die Fotos, sie bekommt die Herzchen*), der seine Mady ausgesprochen ästethisch zu inszenieren weiß. Spannend wäre auch für mich, wie man als Youtuberin den Medien-Umgang noch in einem gesunden Maß hält oder wie man den begleitenden, narzistischen Tendenzen in diesem Beruf entgegenwirken kann.

Nachhaken würde ich weiter, wie es sich für sie anfühlt, soviel *follower* zu haben - und zwar im engsten Sinne des Wortes. *Ich bin sicher nicht die einzige hier, die sich eine Freundin wie Dich wünschen würde. Mit Deinen Videos fühle ich mich nicht mehr ganz so einsam. Ich danke Dir nicht nur für diesen neuen, herrlichen Flow, sondern einfach für alles!* ist nur ein Kommentar, den ich mal rausgegriffen habe, um zu zeigen, mit welcher Inbrunst junge Mädchen an Mady hängen.

Um mehr über Mady zu erfahren, kann man sich in verschiedenen Interviews einlesen wie dieses oder dieses. Am meisten spricht jedoch für Mady, ihre Art Yoga zu vermitteln, und damit Menschen wie mir eine Yogastunde mitten ins Wohnzimmer zu bringen. Daher wäre meine Emfpehlung, sich  einfach mal Madys Anleitungen anzuvertrauen - das kann man nämlich ganz hingebungsvoll - und dabei ausprobieren, ob der Trend Yoga vielleicht auch dem eigenen Körper gut tut. Ich habe nach Yoga mit Mady immer das Gefühl, mich selbst massiert zu haben!

Als Beispiel habe ich euch ein paar meiner Lieblingsflows herausgepickt (Madys Lieblingsvideo ist übrigens dieses). Und zuguterletzt gibt es on the top noch einen Fragebogen, den Mady für mich ausgefüllt hat.












meine 10 Fragen an Mady:


1. Du hast in deinem Garten genau einen einzigen Platz für einen Baum. Welchen suchst du dir aus?

Ich würde mich für einen Pinienbaum entscheiden. 
Er ist nicht nur wunderschön, sondern erinnert mich vor allem an meinen ersten Frankreich-Roadtrip ;-)


2. Was könnte dir dein zukünftiges Ich für heute raten?

Es würde mir wahrscheinlich raten, öfter Pause zu machen, den Laptop zuzuklappen und das Handy auszuschalten. Die heutige Zeit ist super schnelllebig, da ist es umso wichtiger sich dennoch den Raum für Ruhe und Langsamkeit zu gönnen.
Mein Future-Ich winkt also definitiv mit einem SLOW-DOWN-Fähnchen in der Hand ;-)


3. Es ist einer dieser fiesen Tagen, an denen nix hinaut - wie kannst du dich selbst aufheitern?

Auch diese Tage sind vollkommen legitim und gehören dazu. Grundsätzlich gebe ich meinen Gefühlen und Emotionen also erstmal den Raum genau so zu sein! Das nimmt schonmal einiges an Druck raus.
Und dann… dann bewege ich mich. Spazieren, Yoga, Boxen, Handstand… ganz egal. Raus aus dem Kopf und rein in den Körper. Das wirkt!


4. Umgekehrt (Aufheiterung für andere): ein Lieblingswitz vielleicht?

Ich kenn nur Flachwitze. Haha ;-P

Was liegt am Strand und ist schwer zu verstehen? Eine Nuschel.
Wie nennt man ein weißes Mammut? Hellmut.
Wie heißt ein Keks an der Börse? Spekulatius.

5. Wie hat sich für dich/ euch der Umgang mit Social Media verändert seit aus Spiel Ernst wurde?

Hui, tatsächlich bin ich seit über 6 Jahren auf Instagram und seit über 4 Jahren auf Youtube unterwegs. Der Übergang vom Hobby zum Beruf kam sehr schleichend und ehrlich gesagt so leise, dass ich es selbst kaum merkte ;)
Mittlerweile hat sich der Umgang aber ein Stück weit professionalisiert, indem ich beispielsweise gezielt Fotos für Instagram produziere oder Youtube Videos vorplane. Das war am Anfang nicht da Fall. Damals habe ich mein Frühstück oder meinen Hund gepostet und dann war gut ;-P
Heute stehe ich als Person mehr im Fokus und Yoga, Bewegung & Achtsamkeit spielen eine weitaus wichtigere Rolle.
Spontane Selfies und Momentaufnahmen gibt es natürlich trotzdem noch ;-)


6. Du darfst dich in der Kiste der Superkräfte bedienen - welche wählst du?

Ich würde mich gerne von A nach B beamen können. Wobei mit nem Fingerschnipsen die Küche aufräumen, wäre auch nicht schlecht ;-P


7. Eines der schönsten Liebeslieder ever ist…?

Eric Clapton - Layla und 
Neil Young - Harvest Moon ;-)


8. Woran hast du/ habt ihr gemerkt, dass du/ ihr verliebt bist/ seid?

Dass man verliebt ist, spürt man einfach mit jeder einzelnen Zelle, oder ?!
Als Danny mir dann aber zum Geburtstag einen Gitarrengurt, bestickt mit meinem Namen (von ihm selbst!), schenkte, wusste ich: Hui, der Typ meint es wohl wirklich ernst, er legt sich ja richtig ins Zeug ;-)

Das ist jetzt über 10 Jahre her und ich bin soooo unendlich glücklich und dankbar ihn an meiner Seite zu haben <3


9. Stell dir vor, du stehst vor einem allwissenden Orakel - welche Frage stellst du?

Ich möchte gar nicht so genau wissen was kommt. Ich bin voller Vertrauen, dass das Leben einen guten Weg bereit hält.


10. Eines deiner Lieblingsgerichte ist...? (Ein Rezept für mich vielleicht ;-)
Oh ja, da habe ich was feines! Vielleicht kein richtiges Gericht, aber dafür ein phänomenales Getränk: Die Goldene Milch!
Das Rezept dazu gibt es auch ganz einfach zum Nachmachen auf meinem Youtube-Kanal und Blog. Im Sommer kann man die Golden Milk übrigens auch ganz prima eisgekühlt trinken.
Rezept auf dem Blog: https://www.madymorrison.com/food/goldene-milch-kurkuma-drink

Zu Tisch mit #8... FC

Donnerstag, 7. September 2017


Als einsames, unglückliches Kind habe ich früh meinen Schuttle aus dem Jetzt und Hier entdeckt: das Lesen. Meiner Meinung nach ist nicht die Suche nach Bildung der Hauptbeweggrund um zu einem Buch zu greifen, sondern vielmer ist es der Wunsch der Umgebung, der Realität, dem Alltag zu entfliehen. Tja, und es funktioniert

*Man kann nicht alle Länder bereisen, man kann nicht alle Menschen kennen, wir plagen uns mit dem Altwerden, mit dem Kranksein, mit der Liebe, kein Buch auf der Welt kann das heilen, kann trösten, aber es kann drei Stunden ablenken. * sagt Elke Heidenreich, ebenfalls ein lesendes Kind -  und wir könnten uns nicht einiger sein

Mein Leseausweiß für die Bibliothek in der nächsten Kleinstadt war mein Sesam-öffne-dich ins Exil. Die Bibliothek war erst im Aufbau, sogar anfangs noch mittels Karteikarten sortiert und die Regale für Kinder überschaubar bestückt. Ich las wahllos alles, was man mir anbot - zwangsläufig kiloweise Enid Blyton.

Das erste Buch allerdings, das bei mir Epoche machte, glich einer Offenbarung. Und wurde zum gehüteten Schatz - ich besitze es bis heute. Als jungfräuliches Mädchen schuf mir Federica de Cesco - meinem heutigen *Zu Tisch mit-Gast* - genau zur richtigen Zeit eine Identifikationsfigur. Wie Toyo aus *Das Sternenschwert* wollte ich sein: mutig, unerschrocken, frei, geführt und verbunden mit Drüben, an die große Liebe glaubend und nach ihr suchend. *Seid stark, verdammt nochmal. Lebt eure eigene Freiheit ... * das ist die grundlegende Botschaft vieler ihrer Bücher (von denen ich allerdings nur einen kleinen Bruchteil gelesen habe s.o.). Zuletzt *Die Tibeterin* - ihr erinnert euch vielleicht. Und wer frei und selbstbestimmt sein will, muß Nein sagen können - meine Rede. «Es sollte eine tägliche kleine Gymnastikübung sein, den Kopf zu schütteln. Wer sich immer anpasst, von dem wird das mit der Zeit erwartet.» Man, ja heute speziell Frau, kann nicht oft genug die Kraft üben, Haltung zu zeigen der eigenen Selbstverantwortlichkeit zuliebe!

Die Schweizer Schriftstellerin Federica de Cesco ist mittlerweile 79 Jahre alt und hat unfassliche 85 Bücher geschrieben. Beeindruckend finde ich ihre Disziplin: bis heute schreibt sie täglich 3-4 Stunden. (by the way: ich bin eh davon überzeugt, dass Kreativität ohne Disziplin es zu nichts bringt). Vieles über das sie schreibt, lebte sie auch: sie schaute sich als Weltenbummlerin viele fremde Kulturen an (besonders die indigenen Völker) und ist seit nun 46 Jahren mit ihrem japanischen Mann Kazu verheiratet, mit dem sie nach eigener Aussage unzertrennlich Tag und Nacht verbringt. Das Geheimnis ihrer glücklichen Ehe: *Ich kanns nicht sagen. Fügung. Glück. Wir reden andauernd miteinander.* Ihr Mann macht ihr ein zauberhaftes Kompliment: *Sie ist wie eine Oper*. Ach, ich mag treue Paare, die im Gespräch miteinander sind und neugierig auf die Welt! Und Federica de Cesco ist einer der Gründe, warum das so ist.

Riesig gefreut habe ich mich, als ich entdeckte, dass eine Dokumentation über sie gedreht wurde (einsehbar gestückelt hier bei Youtube). Leider konnte dieser Film so gar nicht meine Erwartungen erfüllen. Überraschend hingegen für mich, wie vielen jungen Mädchen es ganz ähnlich erging wie mir: in Federicas Büchern fanden sie Vorbilder - Frauenfiguren, die ihnen wie Wegweiser dienten, wenn es in dem eigenen Umfeld daran mangelte. Alle eint, dass sie sich dank Federica bestärkt fühlten, auf ihre innere Stimme zu hören. Zu schade finde ich, dass ihr dieser Film so gar nicht nahe kommt. 

Völlig andere Antworten hätten mich interessiert. Die Gelegenheit, bei einem gemeinsamem Essen nachzufragen - hach, es wäre ein absolutes Traumtreffen. So wüßte ich gerne, wer oder was sie spirituell anleitete? Woher stammt die Affinität zum Schamanismus? Die tiefen Bindungen zu einem Pferd, die in ihren Büchern immer wieder auftauchen, sind sie rein ihrer Phantasie entsprungen oder besaß sie je ein Pferd? Welche ihrer Reise ging besonders tief und veränderte sie? Wie war die Zeit bei den Tuareg? Welche Eigenschaft schätzt sie besonders an ihrem Mann? Gibt es ein Buch das sie nun - rückblickend aus dem Alter - anders schreiben würde? Hat sie selbst ein Lieblingsbuch? Auch unter ihren eigenen? Wer inspirierte sie in der suchenden Zeit der Pupertät? Ach, da fiele mir einiges ein, nachzuhaken!

Als begleitendes Essen suchte ich ein Gericht heraus, das der Garten und die Saison anbietet und ich mit viel Genuß sehr ähnlich gerade erst erneut wieder zubereitete: die Polenta aus frischem Mais (hier plus Erbsen) mit Tomaten-Auberginen-Sauce


zu Tisch mit #7 DM

Samstag, 1. Juli 2017

Wenn ich ins Tal schaue, liegt wenig ferner wie sämtliche Spekulationen an der Börse. Das findet alles ein Planet weiter statt. Und in eine Welt, in der auf Nahrungsmittelpreise gewettet wird, will ich meine Füsse erst gar nicht hineinsetzen. Bon, was habe ich Hamster mit meinen paar Penunzen auch mit der Börse zu schaffen? Selbst Filme wie *Wall Street* habe ich nicht gesehen. Tatsächlich nennt mein nächster Gast dieses Kinoerlebnis als Schlüssel-Inspiration für seine spätere Berufswahl: Dirk Müller - auch bekannt als Mr. Dax. 

Als Einstieg (für die, die ihn noch nicht kennen) verweise ich als erstes auf dieses filmische Interview - Kinners, der Typ ist doch durch und durch sympathisch. Einer von der Börse! Tssss, darüber staunt niemand mehr wie ich!

Warum sich also jemanden wie Dirk an meinen Tisch einladen, der aus einer Branche kommt, gegen die ich derart viele Vorurteile hege? Nun, vielleicht genau deshalb. Nicht geschenkt wollte ich etwa die Route 66 runter fahren (wie er als Hochzeitsreise) oder gar in meinem Heimatdorf leben. Mais bon, die Menschen sind verschieden. Gerade das finde ich an Dirk spannend: er bringt mir Geschichten aus dem Land der Börsianer mit, das mir völlig fremd ist und ich nie besuchen werde. Außerdem mag ich prinzipiell gerne gut erzählte Geschichten und Dirk ist ein guter, ein eloquenter Geschichtenerzähler.

Wie überraschend bodenständig wie altbacken finde ich das, als Finanzmarktexperte auf die Frage nach der besten Geldanlage zu antworten: *Beginne mit einem Hauswirtschaftsbuch!* (macht er by the way nach eigenem Bekunden bis heute). Ein guter Rat, oder?

Bücher schreibt er ebenfalls - frei raus gebe ich zu, noch keines davon gelesen zu haben.

Seine Kritiker nennen ihn gerne Verschwörungstheoretiker - aber derlei Vorwürfe sehen sich viele schnell ausgesetzt, die erkennbar systemkritisch sind oder sich über eine erkannte Diskrepanz beklagen zwischen dem, was berichtet wird und dem, was sie erleben (hier führe ich nur Peter Scholl-Latour auf/ ja, oder unsere Iranreise). Für mich verkörpert Dirk Müller eher einen klassischen Whistleblower. Er deckt Machenschaften einer Branche auf, wie es nur ein echter Insider kann. Er bringt Licht in eine gewollte Dunkelkeit, die diesem *Wirtschaftszweig* überhaupt erst unfaire Vorteile verschafft gegenüber der Unwissenheit seiner eigenen Kundschaft. Manchmal wagt er sich wohl recht weit aus dem Fenster...

Mir kommt es vor, als versuche Dirk in den Bewegungen der Märkte wie im Kaffeesatz zu lesen. Das scheint mir alles SEHR schwer zu durchschauen, diese Verquickung von Handel, Politik und Macht. Nahezu unmöglich. Ob das einer Sucht gleichkomme, wird er gefragt. Ja, gibt er zu, aber es sei auch einfach *Neugier*, die Gier nach Neuigkeiten, die seinen Beruf für ihn so spannend mache, der Versuch dem Puls der Zeit so nahe wie möglich zu kommen mit der Börse als Baromether dafür, mit der Börse als Schmelztiegel der Welt. Als alte Anhängerin des Mottos *Nur Bares ist Wahres* bleibt mir diese Branche ein Haifischbecken, in dem ich noch nicht einmal meine Angel hinein halten wollte. Schon irgendwie krass zwei Spezis beim Diskutieren zuzuhören...

Aber spannend finde ich die Beobachtung der internationalen Märkte und die Rückschlüsse, die man daraus ziehen kann allemal. Und wenn wir schon dabei sind: ganz umfassend etwa hier bei Planet Wissen *Warum Geld die Welt regiert* (lohnt sich als Rundumschlag  komplett anzusehen, der Dirk steigt ab der 22.min ein). Für mich quasi als kleine Vorbereitung, um nicht ganz ahnungslos in ein gemeinsames Essen zu gehen.

Was würde ich uns also kochen? Irgendetwas schön entspanntes wie die Zucchini-Tarte für Zucchini-Verweigerer. Oder die herrlichen Spaghetti Vongole. Na, einer der ebenso ab und an mal im Dachzelt schläft, wird keine Rafinessen brauchen, um sich kulinarisch verwöhnt zu fühlen...

Zu Tisch mit #6 - B-C H

Donnerstag, 1. Dezember 2016


Was eine Internet-Entdeckung - ich bin ein bißchen verknallt (wie vermutlich sämtliche seiner Studentinnen)! Wieso ich ihn mir direkt an meinen virtuellen Tisch lade. Einfach, um mir etwas mehr Gedanken um ihn spinnen zu dürfen, bzw. seine Anregungen in mir zu drehen und zu wenden.

Jedes Mal, wenn wir nach einer Winterreise zurückkehrten in die industriallisierte Welt, war der größte Kulturschock die abgespannten, abgekämpfen Gesichter so vieler Menschen: der graue Teint, die Mattigkeit ihrer Mimik, diese übersättigte Ausstrahlung gepaart mit Langeweile, bereits in jungen Gesichtern diese seltsame Lebensmüdigkeit. Warum nur? Hier leben wir doch materiell sorgloser als fast überall auf der Welt, in dem angeblich besten, politischen Rahmen, den man sich wünschen kann, einer Demokratie inklusive *echter Freiheit* der Meinung, der Religion, der Presse...

Mein Rätseln um den schlechten Zustand vieler Menschen in kapitalistischen Systemen beantwortet mir Byung-Chul Han in umwerfend schlichter Klarheit. Und dann ist er ja auch noch so hübsch und strahlt diese Ruhe und innere Mitte aus. Alles was mir das Internet über ihn anbot, habe ich die letzten Tage verschlungen: dieses Filmchen als kleinen Einstieg für euch. Einen besseren Einblick bietet dieses Interwiew, deutlich tiefer greift sein Essay *Wie der Kapitalismus uns zu Selbstausbeutern macht*.

Han nimmt Krankheiten wie Burn out und Depression als pathologisches Zeichen für die Krise der Freiheit. Sofort leuchtet mir seine These ein, dass wir uns lediglich in Freiheit wähnen, die Freiheit aber längst in Zwang umgeschlagen ist (Gesichter von frei entfalteten Menschen würden eindeutig anders aussehen). *Man beutet sich freiwillig aus in der Illusion, dass man sich verwirklicht. Nicht die Unterdrückung der Freiheit, sondern deren Ausbeutung maximiert die Produktivität und Effizienz. Das ist die perfide Grundlogik des Neoliberalismus.*

Der Mensch ist nur als kommunzierendes Wesen zu verstehen - zum digitalen Zeitgeist gehört die Kommerzialisierung von Kommunikation: Facebook, Google und Konsorten verpachten uns wie Lehnherren Felder, die wir freiwillig und enthusiastisch bearbeiten, und danach holen die Lehnsherren die Ernte ein. Unvorstellbar noch die kämpferische Haltung in den 80ern gegen die Volkszählung. *Die Angst davor, seine Privat-und Intimsphäre aufgeben zu müssen, ist dem Bedürfnis gewichen, sich schamlos zur Schau zu stellen*, einer schon *pornographischen Zuschaustellung* (daher auch meine Kritik zu *intimitätskleinlich*).

Ursprünglich, erklärt Han, bedeutet Freiheit *bei Freunden sein*. Faszinierenderweise hatten *Freiheit* und *Freund* im indogermanischen sogar die selbe Wurzel. Freiheit als Beziehungswort: *Frei sein heißt nichts anderes, als sich miteinander zu realisieren * sagt Han (ein Lieblingssatz!). Frei von jedem Zweck - das ist beziehungsfähig. Oder nur in einem Umfeld der guten Gesinnung kann ich werden.

Aktuelle Geschenkideen für unter den Weihnachtsbaum (auch wenn der Habib und ich da nicht mitmischen) wären logischerweise eines der Bücher von Byung-Chul Han oder auch der Dokufilm über/mit ihm.

Nun, wenn ich ihn an meinem Tisch sitzen hätte, dann würde ich mir vorsingen lassen (einen Klavierspieler treibe ich schon auf) - denn Singen gehört nach eigener Aussage zu einer seiner Freizeitgestaltungen. Und ich hätte einige sehr private Fragen zu stellen, so richtig intim - ihr wißt schon. Vor dem Kochen würde mir allerdings ein bißchen grauen. Die koreanische Küche ist für mich sowohl die hingebungsvollste wie raffinierteste Küche der Welt. Als Han nach Deutschland kam, ernährte er sich monatelang von Brot mit Marmelade - was anderes bekam er nicht runter... Bon, mittlerweile lebt er 30 Jahre in Deutschland - ich entscheide mich also.. zögerzöger... hierfür  (im Ernstfall würde ich mich vorher mit Mme Boulette beratschlagen ;).