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der bunte Zoo - Schokoladenplätzchen mit Erdnusscreme

Sonntag, 13. Dezember 2020

 

Es heißt, Spiritualität hilft besser durch Krisen aller Art. Kurzfristig keine Info, die jedem nützt, denn so schnell lässt sich diese nicht aus dem Boden stampfen - alle haltbaren Beziehungen sind gewachsene. Das gilt ebenso für einen Draht, den man versucht zu spannen zu einer höheren Instanz. Die Zeder etwa, der Baum der alten Weisheit, wächst jahrelang erst in den Boden, um Wurzeln zu schlagen, bevor sie sich in die Höhe streckt. Während 2020 unsere Freiheiten auf kümmerlichste Reste zusammenschrumpfen, tritt um so deutlicher zu Tage, dass einzig die Gedanken hinwegfliegen können über alle Beschränkungen.

Ganz egal wie die innere Haltung des einzelnen vorzustellen ist, jedwede Art von Einstellung ist nichts anderes wie ein individuelles Zurechtrücken von äußeren Eindrücken, ein Einsortieren von Erlebtem nach eigenem Maßstab und Erfahrungshorizont, ja letztlich nichts anderes wie ein Glaube, wohl an unterschiedlichen Fäden aufgehängt, aber doch stets der menschliche Eiertanz um einen Pudelskern oder aber der Willkür zu ehren - bewußt wie unbewußt. Während die Wissenschaft vom Materiellen her dem Planeten Gesetzesmäßigkeiten abtrotzen will, müht sich die Spiritualität vom Geistigen her, Wahrheit zu entdecken.

*Die Natur ist wie ein Beil. Gerade und einfach geht sie hindurch, und nur die unendliche Modifikation des einzelnen macht es so schwer, sie zu verstehen.* (Goehte). Die vielen unterschiedlichen, menschlichen Perspektiven ändern an der Wahrheit nichts. Oder anders gesagt: das irdische Bühnenbild bleibt, nur die Darsteller werden immer wieder ausgetauscht.

In Michael Endes *Die unendliche Geschichte* ringt der Hauptprotagonist Bastian Balthasar Bux darum, das sterbene Traumreich Phantásien zu retten. Erst dadurch, dass Dinge und Figuren von Bastian in seinem Inneren mit Bedeutung aufgeladen und entsprechend benannt werden, erst dadurch werden sie lebendig. 

Für mein erstes und einziges Blog-Event habe ich das Spiel umgedreht: das Wort *Weihnachten* steht allseits bekannt fest, die Frage war, wie dieser Begriff von meinen Teilnehmerinnen mit Inhalt gefüllt wird. Dieses Event veranschaulicht wie ein bunter Plätzchen-Teller - der nebenher auch zustandekommt, denn die Mädels veröffentlichten dazu ein Rezept - eben diese menschliche Artenvielfalt. Ja, für mich ist es eines der größten Wunder der Erde, dass die Menschen, die sich äußerlich doch so ähnlich sehen, von innen betrachtet kaum der gleichen Spezies zugeordnet werden können. So halte ich das Event von 2017 diese Weihnachten wieder hoch: es lebe die Möglichkeit, unterschiedliche Wege zu gehen, sich unterschiedlich auszurichten, zu unterschiedlichen Schlüssen zu kommen, unterschiedlich zu gewichten. Es lebe die Freiheit! 

Hier findet ihr die Gedanken samt Plätzchen zu der Überlegung wie sinnhaft Weihnachten meinen mitspielenden Mädels scheint:

 * Fee von *Fee ist mein Name*  
 * Christina von *New Kitch on the Blog*  
 * Juliane von *Schöner Tag noch* 
 * Miss Boulette* 
 * Julia von *Chestnut & Sage*
 * Maret von *Buddenbohm & Söhne*
 * Christina von *Feines Gemüse*
 * Stephanie von *Stepanini*

 


Auf unserem Plätzchenteller fehlte mir noch etwas Süß-Salzig-Knusprig-Schokoladiges, neben den Hildas, den Bohrern, dem Buttergebäck und dem Hutzelbrot. Meine Gelüste wollten Schokoladenplätzchen mit Erdnusscreme - eine sehr gute Wahl!


Zutaten - 40 Stück:

200g weiche Butter
110g Rohrzucker
220g Mehl
1 TL Backpulver
50g Kakao
1/2 TL Vanille-Extrakt-Pulver*
1 TL fleur de sel

Rohrzucker
stückige Erdnusscreme 

 Zubereitung:

Mehl, Kakao, Salz und Backpulver mischen. Die Butter mit den 110g Rohrzucker und der Vanille cremig aufschlagen . Dann die trockenen Zutaten unterrühren. Auf dem Teig drei Rollen von etwa 4cm formen und diese in Rohrzucker wälzen. In Frischhaltefolie wickeln und für eine halbe Stunde ins Tiefkühlfach legen.

Den Backofen auf 160°C (Umluft) vorheizen.

Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen.

Von den Rollen Scheiben von ca. 0,5cm abschneiden, mit etwas Abstand auf die Bleche legen und ca. 12-14min backen.

Abkühlen lassen. Jeweils ein Schokoplätzchen mit einem kleinen Löffel weicher Erdnussbutter bestreichen und ein zweites Plätzchen vorsichtig darauf setzen. In einer Keksdose aufbewahren.

*Anmerkung m: die Schokoplätzchen mit ihrem süß-salzig Kontrast schmecken bereits ohne Erdnussbutter - die gibt aber zusätzlich einen schönen schmelzigen Crunch!/ Anstelle meines verwendeten Vanillepulvers kann man auch das Mark einer Vanilleschote verwenden; oder den Abrieb einer halben Tonkabohne...

 

Paris ist weit weg VI: Espresso-Kuchen

Freitag, 5. Juni 2020


Ein großer Unterschied zwischen Süddeutschen und Südfranzosen ist die Picknick-Kultur. Ist sie in einer Region überhaupt nicht vorhanden, so ist sie in der anderen ein Volkssport. Essen geht bei den Fränzis ja IMMER!

Das fiel mir hier sofort ins Auge, ist ja auch nicht zu unübersehen: überall Picknickplätze mit Tischen und Bänken - fest installiert, bereit, vereinnahmt und in Beschlag genommen zu werden. Derlei Angebot kannte ich so in Deutschland vor allem von Autobahn-Parkplätzen. Und dort sehen die dann so nach naja bis ÜBERHAUPT nicht einladend aus.

Picknick-Kultur hingeben bedeutet, dass nicht nur von sehr vielen Menschen sehr oft gepicknickt wird, sondern dass es dafür die vielfältigesten Ausprägungen gibt. Manche lieben den Klassiker und breiten eine große Decke auf duftenden Wiesen unter schattigen Bäumen aus, wieder andere sind bis unter die Zähne ausgerüstet von Klapptisch plus passenden Stühlen, Tischdecke samt Servietten, Plastikgeschirr oder das einschlägige Sammelsurium befindet sich gar in einem dieser hübschen, geflochtenen extra dafür vorgesehenen Picknick-Körben. Es braucht nur einen hübsches, geeignetes Plätzchen und die kulinarische Landpartie kann starten.

Wir haben gar schon Touris entdeckt, die es sich im Vorgarten eines Nachbarn eingerichtet hatten - anscheinend übersehend, dass weiter hinten auf dem gepflegten Rasen ein bewohntes Haus steht... Soll ja passieren... Und je nach Saison, Region und Uhrzeit muss schauen, dass wer zuerst kommt auch zuerst mahlen kann - so beliebt ist das Picknicken hier.

Mir gefällt, dass Picknick keine Frage der gesellschaftlichen Schicht ist, sondern all diejenigen picknicken, die einfach Lust dazu haben. Bon, die Rockefellers-Arnaulds-Bezos dieser Welt klammere ich bei dieser Aussage aus - in dem Umfeld kenne ich mich nicht aus.

Was ich aber aus eigener Erfahrung versichern kann, ist, dass draußen zu essen den Appetit anregt, mit den Fingern zu essen sowieso und gerade mit Kindern sich ein solcher Ausflug besonders entspannt gestaltet.


Diesen Kuchen habe ich bei Eva entdeckt, von der ich schon oft und gerne Süßes nachgebacken habe. Einer meiner liebsten Standartkuchen ist der *dunkle Kirschkuchen*, der bei mir auch wirklich oft aufgerufen wird. Völlig zurecht - ein richtig toller, unkomplizierter Kuchen. Gleiches kann ich ebenso über den Picknick tauglichen wie Wanderrucksack geeigneten Espresso-Kuchen sagen. Von Petra habe ich die Umrechnung für eine 25er Kastenform übernommen - allerdings die Zuckermenge weiter gekürzt.

Kastenform 25cm:

165g Butter
220g Rohrzucker *
4 Eier
1 TL Vanille-Extrakt
(oder Mark einer Schote)
1 1/2 TL lösliches Espress-Pulver
200g Mehl
1 1/2 TL Back-Pulver
2 Pr Salz
120g Saure Sahne (m: crème fraîche)

Glasur*
125g Puderzucker
1 EL sehr starker Espresso 
20g Butter

Zubereitung:

Den Backofen auf 170°C vorheizen, eine Kastenform (25 cm) mit Backpapier auslegen (m: lediglich gefettet und mit Mehl bestäubt).

Die Butter und den Zucker mit dem Rührgerät gut schaumig rühren, die Eier nach und nach einrühren. Vanilleextrakt, Salz und den in 1 El heißem Wasser aufgelösten Espresso unterrühren.
Mehl und Backpulver zusammen sieben und im Wechsel mit der Crème Fraîche unter die Schaummasse heben.

Den Teig in die Backform füllen und glattstreichen. 45-50 Minuten backen (Stäbchenprobe!), dann noch 5 Minuten im ausgeschalteten Ofen lassen.

Den Kuchen herausnehmen, etwa 5 Minuten ruhen lassen, dann aus der Form stürzen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Aus den Glasurzutaten eine Glasur herstellen und diese gleichmäßig auf der Oberseite des Kuchens verteilen (Achtung: trocknet schnell - m: weggelassen).

*Anmerkung m: ich habe den Zucker weiter gekürzt und bin mir sicher, uns wäre der Kuchen viel zu süß geworden bei der angegebenen Menge. Raffinierten Zucker verwende ich nur noch äußerst selten - ich greife lieber auf Rohrzucker zurück. Auf die Glasur habe ich verzichtet - macht sich aber bestimmt ganz gut dazu.




    ° Paris ist weit weg I

    ° Paris ist weit weg II

    ° Paris ist weit weg III

    ° Paris ist weit weg IV

    ° Paris ist weit weg V

Dieser Kuss der ganzen Welt: Mandeltaler

Sonntag, 16. Dezember 2018


Mein letztes Leben widmete sich bekanntermaßen der Kunst. An der Akademie hielt ich seinerzeits ein Referat zu Klimts *Beethovenfries*, dessen Abbild sehr lange meine Wohnzimmerwand schmückte. Alleine über Stilisierung und Ornamentik ließen sich ganze Romane füllen. Ich will euch in eingeschränkter Form (fragmentarisch) mit Inhalt und Hintergrund zum *Beethovenfries* vertraut machen. Faszinierend für mich ist dabei die Verschlingung mehrerer Künstler: Schiller-Beethoven-Wagner-Klimt - die sich alle nacheinander-miteinander am gleichen Thema versuchten und zwar dem größten von allen: der Sinn des Lebens beziehungsweise die Erlösung des einzelnen Menschen.

Für die Gruppenausstellung 1901 hatte Klimt (1862-1918) sich die Neunte Sinfonie Beethovens für seinen Zyklus zum Vorbild genommen, in der wiederum Beethoven Schillers (1759-1805) Gedicht *An die Freude* dem berühmten Chor unterlegt (*Freude schöner Götterfunken*). Beethoven erfuhr zu Wiener Secessionszeiten (= Klimt-Zeit) eine kultartige Verehrung, was mit Wagner (1813-1883) zu verdanken ist. Zwar war die Uraufführung der Neunten (1824) durchaus enthusiastisch gefeiert worden, doch vertraten unter den Rezensionisten genauso einige die Meinung, dass Beethoven beim Komponieren wohl nicht mehr ganz dicht war (weil so außergewöhnlich/ neuartig). Für Wagner beinhaltete sie jedoch nicht mehr oder weniger als *das Geheimnis aller Geheimnisse*.

So erstaunlich wie bemerkenswert empfinde ich bereits die Ausgangsprämisse und zwar jener Teil in Schillers Gedicht, der nicht jedem Menschen eine Seele zuspricht - die menschliche Seele als keine selbstverständliche Grundausstattung, sondern als etwas zu erringendes:
Ja, wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!

Drei Seitenwände bilden in Klimts Beethovenfries eine zusammenhängende Erzählung. Für einen kleinen Post zu einem Plätzchen-Rezept würde es natürlich zu weit führen, sämtliche Elemente aufschlüssen zu wollen. Grob zusammengefasst schickt Klimt stellvertretend für alle (weil nicht allen vergönnt dafür geschaffen zu sein) *den wohlgerüsteten Starken* los auf die Suche nach Glück, hinaus in das Abenteuer Leben, vorbei an feindlichen Gewalten, mit der Hoffnung Leid hinter sich zu lassen, das Irdische zu überwinden und in rein geistigen Sphären erlöst zu werden. Ganz im Sinne von Goethe: *Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen*

Es lohnt sich, die vielen wunderbaren Details des Beethovenfries genauer zu betrachten. So kämpft der Ritter nicht nur mit *offenem Visier*, nein, er verzichtet gar als Beweis für seinen Mut und seine willensstarke Entschlossenheit ganz auf den Helm, den er abgelegt hat. Die Rittergestalt ist in der Symbolkunst sehr verbreitet: sie verkörpert den Handelnden, der dem *Schönen-Wahren-Guten* verpflichet ist.  Er ist die Allegorie all der Tugenden, um die die schwache Menschheit bittet. Ganz am Ende stellt Klimt den Ritter nackt dar - seinen schützenden Harnisch hat er nun völlig abgelegt, den braucht er angekommen im Paradies nicht mehr.

In der Schlussszene leiten weibliche Gestalten als Sinnbilder der Künste hinüber in *das ideale Reich*, sie bilden die Brücke zu dem Feinstofflichen - von dort zu dem *Chor der Paradiesengel* (Schlusschor von Beethovens Neunter) - zu einem in einem Kuß verschmolzenem Paar (Schillers *Dieser Kuß der ganzen Welt*). In und mit diesem Kuß vereint sich die Dualität - das irdische Prinzip - von Erde und Himmel, Mann und Frau, Materie und Geist, Leid und Freude. Der Sinn der Schöpfung der Erde und der Sinn eines Menschenleben symbolisch verbunden in einem sich eng umschlungenen, küssenden Paar...


Meine letzten Plätzchen für diesen Advent sind aus frisch gemahlenem Einkorn gebacken - für mich DAS Urgetreide 2018.  Keine Bange,  sie schmecken deshalb nicht *gesünder*, aber sie erhalten einen Biss, den ich besonders (Achtung frisch aufgeschnapptes Wort) *appart* finde (klingt so *nostalgisch-schick*, oder?). Die Gewürze machen - klaro - erst den richtigen Dreh. Dafür habe ich euch im Rezept drei Möglichkeiten zur Auswahl gestellt.


Zutaten - ca. 2 Bleche:

300g Einkorn-Vollkorn (oder Dinkel-Vollkorn)
175g Butter
1 Pr Salz
50g gemahlende Mandeln
120g Rohrzucker
3 EL Schlagsahne
1 1/2 EL Sugar Spice*

80g Mandelblättchen

Zubereitung:

Aus allen Zutaten außer den Mandelblättchen zügig einen homogenen Teig kneten und 1 gute Stunde kalt stellen.

Den Ofen auf 180° (O/U-Hitze) vorheizen. Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche etwas vorwellen. Dann die Mandelblättchen auf der Arbeitsfläche verteilen und den Teig darauf auf ca. 3mm Dicke auswellen. Mit einem Ausstecher (∅6cm) Kreise ausstechen, mit der Unterseite (Mandelseite) nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen.

Auch die nächsten Ladungen, wenn der Teig dann wieder zusammengeknetet und neu ausgewellt wird, werden super. Fast noch köstlicher, weil mehr Mandeln. Und ich finde, sie sehen immernoch sehr hübsch aus - allerdings bleibt der Clou wohl, wenn die Mandeln nur auf der Unterseite kleben. Schneller gegessen (rausgepickt) hatten wir uns aber die letzteren...

Im vorgeheizten Ofen ca. 10-12min backen.

In einer Dose aufbewahrt ca. 5 Wochen haltbar. 

*Anmerkung m: Alternative zu Sugar Spice das typische Spekulatius-Gewürz (wie etwa gerade ganz aktuell nach Ottolenghi) oder schlichter: 1/4 TL Kardamom, 1 Msp Nelke/ 2 Msp Piment, 172 TL Vanille-Pu (so habe ich die erste Ladung gebacken)


Beethoven war zur Uraufführung seiner Neunten bereits seit 4 Jahren taub: *Wir Endlichen mit dem unendlichen Geist sind nur zu Leiden und Freuden geboren, und beinahe könnte man sagen, die Ausgezeichnetsten erhalten durch Leiden Freude.*



Voll Retro: Rumbombe...Törtchen

Mittwoch, 7. November 2018


Um das Budget für ihre Klassenfahrt aufzustocken, mischt sich von Zeit zu Zeit unter die südfranzösische Markttische ein Stand von Schülern, der selbstgebackene Süßwaren nebeneinander reiht mit der Hoffnung, davon etwas zu verkaufen. 

Ohne jetzt Wurzel-schnippisch sein zu wollen, aber wie gut, dass die noch nie die Kuchentheken gesehen haben, wie sie typisch waren für ein badisches Dorffest (Gilt das für weitere Teile Deutschland? Und auch noch für heute? Sagt doch mal!). Hey, jede Feier der Feuerwehr, des Sport- oder Musikvereins, jedes Strassenfest bot Kuchen und Torten feil, dass einem die Augen übergingen. Da wurden echte Feuerwerke abgefackelt. Die Frauen (schon wohl meist Frauen) haben gebacken, als ginge es um ihr Leben. Da ließ man sich nicht lumpen. Also wirklich nicht. Das hatte etwas mit Prestige zu tun. Die meisten Gebäckstücke sahen aus, als kämen sie aus einer professionellen Backstube: alleine die kunstvoll verzierten, gefüllten Torten, die ich bis heute nicht hinkriege.. Bombe!

Meine Erinnerung an diese privat bestückten Kaffee&Kuchen-Theken hatten nicht im entferntesten etwas gemein mit diesen lustlosen Muffins, glanzlosen Tartes und halbgeglückten Kuchen, mit denen diese französischen Kinder hoffen, eine Mark dazuzuverdienen. Keine Ahnung was da los ist? Lauter Erstlingswerke, Meuterei der Mütter, Patchwork-Overkill, Väter ohne Backambitionen? Rein von den Backergebnissen kann diese Aktion kaum ernst gemeint sein. Kundschaft? Wohl nur Verwandtschaft.

Nun, zurück zur Bombe, denn EXAKT die kam mir wieder in den Sinn. Einer der sensationellsten Kuchen meiner Kindheit! Totally 80er und volle 90er und seinerzeits ein beliebter Star: die Rumbombe! Äußerlich hat sie Ähnlichkeit mit dem Maulwurfskuchen (wie ihn Petra beipsielsweise aufgefrischt zeigt), von den inneren Werten ist sie artverwandt mit dem Rotweinkuchen. Kurz: ein weiterer Retro-Kracher. 

Damals als man eben erst begann auf die E's als Inhaltsstoffe stoffelig zu reagieren, störte es niemand, wenn auch Kinder einen Alk-getränkten Kuchen aßen. Rumbombe for everybody quasi - keine Promille-Diskriminierung für Minderjährige. Und ja, ich mochte diese Bombe schon im Grundschulalter gerne. Mais bon: eure Kinder - das müsst ihr wissen.

Eigentlich ein ganz einfacher Kuchen (ihr kennt mich): Biskuit, Buttercrème - c'est tout! Etwas tüffteln musste ich für meine Rumbombe dennoch und holte mir Inspiration bei diesem Rezept sowie diesem (von letzterem darf man ruhig die Ganache übernehmen - sieht doch gleich nochmals schicker aus). Ich habe mich für die Törtchen-Variante entschieden, weil ich Menu-Gäste erwartete und ein *individuelles-Rumbömchen* als Erlebnis servieren wollte. Deutlich schneller geht die Bombe von statten, wenn man sie als Kuchen fabriziert. Original kenne ich sie ohne jede Früchte - mir gefiel die Idee aber, die Füllung etwas aufzufrischen und verwendete ein Drittel eingelegte (eigene) Pfirische und 2/3 gekochte Quitten (wie ungefähr hier).

Spielarten bieten sich endlos an. Die Alkis dürfen ihren Lieblingshochprozentigen statt des Rum zum Aromatisieren verwenden. Oder man kürzt ihn ganz raus und stellt eine fruchtige Buttercreme (beispielsweise mit Himbeeren) her oder gibt ihr eine Zitronennote... oderoder. Mir schwebt direkt mal wieder so eine Art *Schwarzwälderkirsch*-Edition vor: mit Schoko-Biskuit, Schattenmorellen und Kirsch... Am Ende werde ich wohl als Liebling aber stets beim Original landen: der Rumbombe.


Zutaten -  1 Rumbombe oder 10 kleine Bömbchen:

Biskuit
6 Eier
200g Zucker
1/2 Tonkabohne, groß
1 Pr Salz
150g Mehl
50g Speisestärke
1 TL Back-Pulver

Füllung:
500ml Milch
50g Zucker
1 Päckchen Vanille-Pudding
230g Butter
12 EL Rum*
350g Früchte*
(m: 2/3 Quitten /1/3 Pfirsiche)
200-250g Schoko-Glasur

Marmelade*


Zubereitung: 

Ofen auf 180° O/U-Hitze vorheizen.

Den Boden einer Springform von 26cm Durchmesser mit Backpapier auslegen, die Ränder fetten.

Für das Biskuit Mehl, Speisestärke und Backpulver sieben und in einer Schüssel zur Seite stellen. Die Eier trennen. Eigelb mit 50g Zucker mit einem Schneebesen gut verrühren. Den Eischnee mit einer Prise Salz und dem restlichen Zucker (150g) steif schlagen. Eischnee und Mehlmischung abwechselnd unter das Eigelb ziehen - dabei darauf achten, dass die Masse luftig bleibt.

Das Biskuit auf der mittleren Schiene 40min backen. Auskühlen lassen.

Eingemachten Früchte sehr gut abtropfen lassen.

Aus Milch und 50g Zucker nach Anweisung den Vanille-Pudding kochen (ich habe noch etwas Extra-Vanillemark zugefügt), in eine Schüssel umfüllen, mit Folie abdecken (um zu verhindern, dass sich eine Haut bildet) und zusammen mit einer Butter über Nacht neben den Kühlschrank stellen (so hat beides gleiche Raumtemperatur und das verhindert das Gerinnen beim späteren Zubereiten der Buttercrème). Für diese am nächsten Tag die Butter cremig aufschlagen und dann nach und nach löffelweise den Pudding untermischen. 

große Rumbombe:

Den Biskuit in 3 Scheiben schneiden, die unterste als Boden verwenden und mit Marmelade bestreichen. Die beiden anderen in 1cm Würfel schneiden. Das Obst würfeln. Biskuitwürfel, Buttercrème, Rum in einer Schüssel vermengen und auf dem Boden kuppelartig türmen - im Kühlschrank kalt werden lassen, dann mit Schoko-Glasur überziehen (geht aber auch die schickere Bömchen-Variante in groß mit großer Schüssel als Formhilfe - s. Beschreibung *Bömbchen*).

 für die Bömbchen:

Vom Boden her je 2 Scheiben à 1cm abgeschnitten - die dritte Scheibe ist dann etwas dicker, damit der Boden für meine Törtchen nicht vom Verhältnis zu dick wird - für eine große Rumtorte darf der Boden unten ruhig bis knapp 2 cm dick sein. Für kleine Törtchen nun aus den zwei dünnen Scheiben 10 Törtchen à 8cm Durchmesser ausschneiden. Die Böden oben mit Marmelade bestreichen. Den Rest der Biskuit klein würfeln: etwa 1/2cm. Ebenso das Obst. Nun die Füllung wie oben miteinander vermengen: Biskuit, Obst, Rum, Buttercrème.

Formen: dafür eine kleine Schüssel (Tasse ca. 170ml Inhalt) mit Frischhaltefolie auslegen, Masse einfüllen und gut festdrücken, einen ausgestochenen Biskuitboden darauflegen, den etwas andrücken, Schüssel auf einer Platte umdrehen und ohne Folie (die bleibt an Törtchen) abziehen. Den ganzen Vorgang 9 mal wiederholen. Kalt stellen, und wenn Masse fester geworden ist die Folie abziehen und mit Glasur oder Ganache überziehen.


*Anmerkung m: Früchte - anhand der Rezepte, an denen ich mich orientiert habe, könnt ihr ebenso Ananas verwenden, nur Pfirsiche oder die Früchte ganz weglassen. Den Rum mischt ihr in der Menge dazu, wie ihr das lecker findet. 12 EL fände ich persönliches Maximum. Wer den Rum besonders intensiv vorschmecken will, mariniert den in Würfel geschnittenen Biskuit damit. Auch Rum-Aroma hat gut funktioniert (etwa 1/2 Fläschchen). Den Vanille-Pudding könnt ihr selbstverständlich eigenständig (ohne Fertigprodukt - also mit Ei und Speisestärke zubereiten... wenn ihr wollt). Marmelade: ich nahm mein Zwetschgenmus, weil ich die Törtchen mit den Karamell-Zwetschgen zusammen servierte - Bitterorange fand ich aber noch leckerer. Aber, logo, könnt ihr die Marmelade eurer Wahl verwenden...

Melancholie: DUBB-Bienenstich-Apfelkuchen

Mittwoch, 10. Oktober 2018


Manchmal tut mir alles weh. Bei Sonnenschein und körperlicher Gesundheit. Dann weiß ich mich schlecht zu erklären. Wobei eigentlich ein einziges Wort ausreicht: Melancholie. Alles scheint schwer. Und nein, nicht wegen ein bißchen Herbst.

Mittelalt - oder mitteljung (je nach dem von welcher Seite man das Glas betrachtet) - bin ich jetzt. Und gefühlt bin ich schon einen weiten Weg gegangen. Doch wie heißt es in der Bibel: *Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.* Das leuchtet mir durchaus ein. Warum auch Kraft vergeuden für Dinge, die hinter einem liegen und eh nicht mehr zu ändern sind. Es war trotzdem anstrengend bis hierher.

Und wende ich meinen Blick auf die Welt, dann müßte ich eigentlich an dem allgegenwärtigen Elend zusammenbrechen. Für was oder wen die Hölle noch erfinden? Aber ich bin kein Christopherus. Und zu glauben diesem Außen könnte ich nur ansatzweise gerecht werden, ist völlige Anmaßung. Oder Scheinheiligkeit. So viel Mitgefühl habe ich noch nicht einmal ansatzweise theoretisch. Wer traut sich überhaupt wirklich dorthin zu denken?

So seufze ich über die Erdenschwere. Sie drückt uns alle. Und heute besonders mich. Der Buddhismus fasst das wohltuend klar in Worte in seiner Auffassung der edlen vier Wahrheiten - darin zentral: das Entstehen von Leid. Ich finde Trost allein in der Möglichkeit, dass man Leiden vermeiden kann durch einen anständigen Lebenswandel. Ja, man kann so lange dem Heilsein entgegen streben, bis man aus dem Rad der Inkarnation aussteigen darf. Das Ende allen Leidens. Was eine Hoffnung: Nie wieder Erde!

Alleine die Vorstellung, dass alles wieder auf Anfang gedreht werden könnte; ein ganzes Leben wieder von vorne beginnen. Nochmals all die bitteren Erkenntnisse, die Lügen, die Dummheiten, der Betrug, die Enttäuschungen, die Trauer, der Verlust, die Schmerzen!? Wie kann man in Anbetracht dessen auch nur einen einzigen Tag jünger sein wollen?

Vielleicht - wenn es keinerlei spirituellen Überbau gibt - vielleicht reichen dann Träume von Jugend, Reichtum und Schönheit aus, um sich zu sättigen, abzulenken, zu illusionieren. Dass andere SO anders sind... Auch manchmal schwer auszuhalten: die Einsamkeit, die damit einher geht. *Es schwindelt mir, es brennt die Eingeweide, nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.*

Kuschel ich mich an den Habib. Schmiege ich mich etwas in die arabische Musik, deren Poesie so tief schwingt zwischen all den Gegensätzen dieses Planeten. Dafür spiele ich euch die Algerierin Souad Massi ein, der ich schon live zuhörte, während der Habib in der Wüste verschwand. Zuckere ich uns das Leben ein bißchen auf mit Apfelkuchen. Vielleicht - ein Versuch ist es wert - läßt sich so all das wegschieben, was gerade schwer wiegt.

Blinder Verlaß war auf Evas Empfehlungen. Ja, das ist ein DUBB im engsten Sinne. Genau so wie ihr dunkler Kirschkuchen. Winzige Änderungen: heißer gebacken und weniger süß. Ein kleiner Stoßdämpfer für melancholische Momente!


Zutaten:

Teig:
250g Mehl(m: D630)
50g Zucker (m: selbstangesetzter Vanillezucker)
125g Butter
1 EL Quark
1 Pr Salz
etwas kaltes Wasser

Füllung:
1 kg Äpfel (Boskop oder Elstar)
300 ml Apfelsaft
1 Päckchen Puddingpulver 'Vanille-Geschmack' (zum Kochen) 
1 Stück Ingwer, walnussgroß, feinst gehackt

4 EL Zucker 

Topping:
1 Prise Salz
75g Butter 
60g Zucker
1 EL flüssiger Honig
150 g Mandelblättchen
3 EL Milch

Fett für die Form

Zubereitung:

Für den Teig: Mehl, 50 g Zucker, Salz, Quark, etwas kaltes Wasser und 125 g Butter in Flöckchen erst mit dem Knethaken des Rührgeräts, dann mit den Händen zum glatten Teig verkneten. Teig in einer gefetteten Springform (Durchmesser 26 cm) zu einem Boden mit ca. 3 cm hohen Rand andrücken. Mit einer Gabel einstechen und ca. 30 Minuten kalt stellen. (m: Tiefkühltruhe)

Für das Topping: Für den Bienenstich-Guss 75 g Butter, 50 g Zucker, Honig und Mandeln unter Rühren aufkochen, bis die Masse leicht bräunt. Vom Herd ziehen und Milch unterrühren.

Für die Füllung: Äpfel schälen, vierteln, entkernen und grob würfeln. 250 ml Saft aufkochen. Puddingpulver, 4 EL Zucker, gehackter Ingwer und 50 ml Saft glatt rühren. In den Saft rühren, kurz aufkochen, Äpfel zugeben. Masse in die Form füllen

Ofen auf 190° (O/U-Hitze) vorheizen

Backen: 1 Stunde - im vorgeheizten Backofen auf der untersten Schiene ca. 20 min backen. Temperatur runterstellen auf  175°. Die ersten 30 Minuten ohne Bienenstich-Guss, dann den Guss auf dem Kuchen verteilen und weitere 30 min zu Ende backen. Auskühlen lassen. 

Anmerkung m: die ersten 15min, die der Kuchen MIT Bienenstich-Guss buk, hatte ich den Ofen auf Umluft 180° - das halte ich für die größte Schwierigkeit dieses Kuchens: man muß seinen Ofen etwas kennen, damit der Boden durchgebacken ist und der Guss golden. Original: U-/Oberhitze: 175°C/Umluft: 150° C

Zum besseren Anschneiden sollte der Kuchen durchgekühlt sein - die Bienenstichkruste läßt sich nicht besonders glatt schneiden, dafür bleibt sie selbst am nächsten Tag noch knusprig...



WG-Eis... oder so

Donnerstag, 26. Juli 2018


Hätte ich ein Kind haben wollen, dann hätte ich mir alle Daumen gedrückt, dass mir ein solches wie der Sohn von Ute und Achim zugeteilt wird. Eines, das mit roten Backen zuhört, wenn etwas erklärt wird oder sich mit großer Begeisterung auf die Vogelwelt stürzt und Fragen über Fragen hat... Ich bin eindeutig verknallt.

In Beschäftigung mit ihrem Buch habe ich mich quer auf dem Insta-Kanal von *Nordisch Roh* durchgeklickt - etwas was ich äußerst selten mache (bekanntermaßen bin ich auf den Social-Media-Kanälen nicht aktiv). Das konnte meine Faszination für das Leben der beiden als Kleinfamilie nur verstärken. Gerade erst gaben sie ihre wunderhübsche Dorfschule auf, um sich ins Abenteuer Leben zu stürzen auf der Suche nach gemeinschaftlichem Leben mit anderen. Mir wurde dabei bewußt, dass ich als Kinderlose mit dem Thema *Zukunft* anders umgehe. Mit Kindern streckt man seine Fühler zu einer weiterreichenden Horizontlinie, sucht Perspektiven ganz anderer Art. Nicht alle, bien sûr, aber manche...

Der Habib und ich haben uns friedlich, natürlich und zurückgezogen eingerichtet und solange wir zwei miteinander so gut sind, gibt es keinerlei Gründe, irgendetwas ändern zu wollen... bis ans Ende unserer Tage quasi. Obwohl wir durchaus - und zwar bishin zu sehr konkreten Überlegungen - den Gedanken durchgespielt hatten, eine Lebensgemeinschaft zu gründen.

Wie schnell man an den Rande einer Gesellschaft gedrückt wird, ist mir klar geworden, seit ich keinen Alkohol mehr trinke - wohl bemerkt weder aus Gründen der AA, einer Schwangerschaft oder Medikamenteneinnahme sondern rein aus der konsequenten Entscheidung heraus, ohne Rauschmittel durchs Jetzt und Hier tingeln zu wollen (den Artikel dazu schiebe ich schon so lange - zu gut weiß ich, dass ich mir damit genau zero Sympathiepunkte einfange...). Hinzu kommt unsere Hinwendung zur Homöopathie, die mit einer eigenen Art des Denkens einher geht - aber deshalb noch lange nicht zu einem Schulterschluß mit anderen Homöopathen führt, denn darunter gibt es (leider) entschieden zu viel Scharlatanarie, Halbwissen und Wichtigtuer! Und dann kommt noch unser unübersehbarer Altersunterschied und unsere vielen Auslandsaufenthalte. Bißchen viel *unkonventionell* was wir anderen zumuten... iss klar.

Fakt ist, dass wir mittlerweile unser ganz eigenes Modell von Lebensvorstellung verwirklichen konnten,  was ich für einen großen Segen halte. *Distanz schafft klare Gedanken* heißt es und ich möchte behaupten, die haben wir sowohl zu Gesellschaft, Kultur und dem Zeitgeist. Selbstgewählt und eben als Außenseiter. Dabei wird Systemkritik leichter und scheint gar notwendig. Kapitalismus, Materialismus und Stress sind (für mich) keine guten Ingredienzien für ein anständiges Leben. Das aber gibt der Mainstream so vor. Im übrigen - das wollte ich schon immer mal loswerden - gibt es überall Spinner, Extremos und Orthodoxe - themen-, alter-, herkunftsunabhängig. Aber finden sich die meisten Radikalen nicht gerade in der Mitte des Mainstreams, weil sie sich im ganz großen Maßstab bestätigt fühlen? Eine Randgruppe braucht vorneweg Toleranz - die weiß, dass sie nur eine Minderheit ausmacht...

Nun, wir sind weiterhin überzeugt, dass eine Lebensgemeinschaft eine gute Möglichkeit ist, nach selbstgewählten Werten zu leben. Und vielleicht wird eine solche Nische sogar die einzige Alternative, sich in Zukunft den Vorgaben der Masse entgegen zu stellen. Ein Verbund mit anderen bringt viele Vorteile mit sich, von denen man als Einzelkämpfer nur träumen kann. Allerdings bleibt es eine große Herausforderung - und das meine ich nicht nur mit meinen Jahren WG-Erfahrung im Nacken. Es braucht eine Vision und die richtigen Menschen dafür... Ute und Achim haben viel in die Waagschale geworfen und ich wünsche ihnen nicht nur das Beste - ich bin sehr gespannt, wie ihr Weg weitergeht. Vielleicht begegnen wir uns ja mal...

Und nun noch ein paar Zeilen zum Rezept - obwohl man dem Eis ja bereits ansieht, dass es super schmeckt. Ich habe hierfür zwei Rezepte zusammengesetzt: *das Vanille-Eis* und *das Erdbeer-Vanille-Eis am Stiel*. Den Mixer habe ich nach Zubereitung für das Vanille-Eis genauso ausgeschleckt wie die Kinder auf dem kürzlich verlinkten Bild. *Probier' mal*, bin ich damit (brav teilend) zum Habib, *schmeckt das nicht köstlich?!*



Zutaten - 8 Eis à ca. 80ml Füllmenge (zwei 4er Eis-am-Stiel-Formen):

2 kleine, reife Bananen*
(ca. 250g mit Schale)
200g Aprikosen
200g Erdbeeren
200g Cashew-Kerne, 2 Stunden eingeweicht*
30g Ahornsirup
(plus 1 EL)
Vanille-Pulver
(m: noch aus Madagaskar)

Zubereitung:

Die Cashew mit der Vanille und 30g Ahornsirup pürieren. Früchte vorbereiten (entstrunken, entsteinen). Je kleingeschnittenen Erdbeeren und kleingeschnittene Aprikosen mit jeweils 2 TL von dem Cashew-Mus pürieren. Die Aprikosen brauchten bei mir noch etwas Süße - ihnen fügte ich den Eßlöffel plus Ahornsirup zu). Den Rest des Cashew-Muses mit der Banane pürieren (m: ich habe mit dem Pürieren der Banane begonnen, damit mir die anderen Fruchtmuse nicht *verfärben*). Dann abwechselnd in die Eis-Form schichten und in der Tiefkühltruhe gefrieren lassen.

*Anmerkung m: Man kann die Bananen dafür auch einfrieren - dann geht es mit der Eisherstellung schneller; so braucht es dafür allerdings einen Hochleistungsmixer (den ich ja - noch - nicht habe).

Zum Umgang mit Nüssen gibt es ein eigenes Kapitel in dem Buch - die müssen bei einem so gesteigerten Verzehr wie in der Rohkosternährung nämlich stets eingeweicht und wieder zurückgetrocknet werden: um Phytinsäure abzubauen - näheres dazu s. *Rohkostlady*.

Quelle: *Was dein Herz begehrt* von Ute Ludwig und Achim Sauerberg aka *Nordisch Roh*


Erdbeerbomber: Erdbeer-Charlotte

Montag, 11. Juni 2018


Mich ganz auf die klassischen Aufgaben eines typischen Food-Blogs besinnend, gibt es heute ein Erdbeer-Rezept zum Angeben. Ich finde ja, dass die Charlotte ordentlich was hermacht. Und so aufwenig herzustellen, wie man meinen möchte, ist sie gar nicht.

Ihr kennt ja die Kategorie von Pâtisserie, in der ich mich bewege: ich hänge im Anfänger-Modus fest. Vermutlich wird sich das nie ändern - Süßbäckerei ist einfach nicht meine Kernkompetenz. Und dafür - kommt Leute, jetzt mal ehrlich - macht die Charlotte mords was her. Im Grunde genommen ist dieser Kuchen nichts anderes wie eine Erdbeer-Crème zusammengesetzt mit einem Biskuit (und beim Biskuit habt ihr im gleichen Zug eine ganze Fülle hochkarätiger Erdbeer-Rezept-Ideen).

Für meine Charlotte habe ich eifrig recherchiert, damit ich sie so basteln kann, wie ich sie mir vorstelle. Gerade als Dessert für eine größere Runde an Gästen halte ich sie für ideal. Gut, und auf der Sonntagskuchentafel wird sie an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit allem anderen Gebäck die Schau stehlen.

Beim Machen habe ich mich ganz an das Prinzip *Never-change-a-winning-team* gehalten. Ich glaube, das ist ja auch der Grund, weshalb ich Backen (ausgenommen Brot) nicht so mag: man ist so ganz gezwungen, sich an die Zahlen zu halten, sonst kann man es vermasseln. Kochen hingegen bleibt ein kreativer und veränderlicher Prozess, auf den man bis zum Schluß Einfluß nehmen kann. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: mit dieser Charlotte kann rein gar nix schief gehen, haltet ihr euch an die Vorgaben. Dann ist das sogar ein waschechter Anfänger-Kuchen.

Gerade bei Biskuitrollen, bzw. Biskuit-Rouladen ziehen viele schnell den Kopf ein. Ich kenne die Probleme ja ebenfalls (s. Biskuitrolle). Aber ähnlich wie bei Gnocchi kommt es nur auf ein gutes Rezept an und dem Gelingen steht nix im Weg. Und die Biskuit sowie die richtige Festigkeit der Mousse sind die eigentlichen Herausforderungen der Charlotte. Mit beidem bin ich hier sehr zufrieden: die Biskuit wurde herrlich locker und ließ sich wieder easy aufrollen und die Erdbeer-Crème war leicht, cremig, erdbeerig und von der Konsistenz comme il faut. Fertig ist der perfekte Angeber-Kuchen! Applaus vorprogrammiert...



Zutaten - 1 Schüssel von 2l Fassungsvermögen:

Biskuitrolle:
4 Eier
150g Rohrzucker
120g Mehl
30g Speisestärke
1/2 TL Backpulver
1/2 Zitrone, Schalenabrieb
1Pr Salz

200g Marmelade (m: Kirsche-Limone)

Füllung:
400g Erdbeeren
500g Joghurt
250g Mascarpone
100ml Kefir
60g Zucker*
20 Verveine-Blätter
1 Vanilleschote, das Mark davon
9 Blatt Gelatine


Zubereitung:

Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Den Ofen auf 190° (O/U-Hitze) vorheizen.

Die Eier trennen. Die Eigelb mit 30g Zucker und den Zitronenschalen mit einem Schneebesen gut verrühren. Mehl, Backpulver und Speisestärke zusammen in eine Schüssel sieben. Den Eischnee mit dem restlichen Zucker von 120g und der Prise Salz steif schlagen. Eischnee und Mehl-Mischung abwechselnd mit dem Schneebesen unter das Eigelb ziehen - darauf achten, dass die Masse luftig bleibt. Glatt und gleichhoch auf der ganzen Größe des Backpapiers verstreichen. Für ca. 12min backen.

Biskuit mit Kristallzucker bestreuen, ein zweites Backpapier auflegen, beide Papiere greifen und das Biskuit drehen und so zugedeckt auf dem Backblech auskühlen lassen. Dann mit der Marmelade bestreichen, einrollen und in ca. 22 Scheiben von einem guten 1cm Dicke abschneiden. Die Schüssel relativ glatt mit Klarsichtfolie auslegen und dann dicht an dicht und so eng wie möglich mit den Biskuitscheiben belegen.

Für die Füllung die Erdbeeren waschen, klein schneiden und 250g davon pürieren. Mascarpone mit dem Joghurt und dem Erdbeer-Pü verquirlen. Ebenfalls Zucker, das ausgekratzte Vanillemark und den kleingeschnittenen Verveine untermischen. Die Gelatine 10min einweichen, gut ausdrücken und bei kleiner Flamme in einem Topf mit dem Kefir auflösen. Mit 2-3 Eßlöffen der Joghurtmasse mischen, dann Topf- und Schüsselinhalt sorgfältig miteinander vermengen. Die Füllung im Kühlschrank etwa 10min anziehen lassen, dann die kleingeschnittenen Erdbeeren unterheben und die Füllung auf die Biskuitscheiben gießen und mit den restlichen Scheiben abdecken (ich habe - s. Foto - für den Boden zwei restliche Scheiben, die ich nicht untergebracht hätte, klein geschnitten und in die Lucken gedrückt). Die Schüssel so mindestens für 4 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen. 

Stürzen und gut gekühlt servieren.

*Anmerkung m: ausgemachte Süßmäuler nehmen eventuell noch etwas mehr Zucker für die Erdbeer-Crème (ich mags ja generell nicht zu süß).

Unnötig zu erwähnen, dass es jede Menge an Variationsmöglichkeiten für die Charlotte gibt, wenn man nur das Obst und die Marmelade austauscht. Ich will dieses Jahr noch eine Aprikosen-Charlotte werkeln!


John Lennon - Kekse aka Weltfriedenkekse

Montag, 21. Mai 2018


Nicht, dass der Eindruck entstanden ist, dass die turbulenten Wetter-Kapriolen mein Verhältnis zu unseren Gästen einwolken könnte. Ganz und gar nicht - mich amüsiert diese kleine, sich wiederholende Kuriosität lediglich. Neinnein, da müssen schon andere Dinge passieren... Vermutlich - möchte ich behaupten - stellt unser Beruf für viele gar ein Traumjob dar. Zur Ferienzeit zeigen sich die meisten Menschen in ihrer besten Stimmung. Wunderbare Vorraussetzungen für Begegnungen.

*Ihr lebt ja in einem Paradies* ist ein Satz, den wir von unseren Feriengästen oft hören während ins Tal geblickt wird. Dann stimme ich freudig zu. Ja, das finde ich auch. Und ich kann ganz uneitel nicken, denn ich habe diese Landschaft ja nicht gemacht und auch nicht diese Ruhe und Weite. *Herzlich Willkommen in der kleinsten Sekte des Universums, unserer Zwei-Personen-Sekte*, lache ich dann, *gerne dürft ihr in Frieden mit uns leben*. 

Und manchmal scheints mir wirklich, als lebten wir wie unter einer Käseglocke, in unserer selbstgebastelten Seifenblase, in unserem kleinen Paradies-Garten, wo alles Unbill und alles Leid draußen bleiben muß. Wie wundersam eigentlich das sagen zu können, oder? Von alleine ist Bambi-Land allerdings nicht entstanden. *Halb zog sie ihn, halb sank er hin...* - von nichts kommt nichts. Wir haben uns diese harmonische und einträchtige Enklave immer gewünscht (Stichwort Vision  plus des Habibs unermüdliche Bauarbeiten über Jahrzehnte). Und der Himmel hat es uns ermöglicht und geschenkt.

Trotzdem machen die furchtbaren Weltnachrichten wie etwa in Gaza nicht Halt an unserem Gartenzaun. Leider, denke ich oft. Logo sind wir mit der Matrix verbunden. Nichts geht mehr ohne. Selbst hinter der größten, dichtesten, buschigsten Hecke sollte noch Empfang sein. Ich muß es wissen, ich junke selbst. Könnte ich es aber bestimmen, dann würde ich wie eine komplett Orthodoxe infiltriert von einem psychotischen Elektro-Smog-Verfolgungswahn unseren Gästen am allerliebsten alle einschlägigen Geräte abnehmen. Einfach mal die Welt und all ihre Informationen und Einflüsse draußen lassen. Wie abgelenkt man doch schnell ist. Sich mal nur auf den kleinsten Kreis um sich konzentrieren, ganz im Hier und Jetzt leben, das Grün fixieren, Luft und Stille einatmen und vielleicht sogar nach Innen lauschen. *Nirgends, Geliebte, wird die Welt sein, als innen* (Rilke - Duineser Elegien). Aber auf mein Krückstockgefuchtel hört ja niemand. Und so einfach wie es sich anhört, ist die Umkehrung der Wahrnehmung gar nicht - siehe gerade das Nuf (und das meine ich in keinster Weise spöttisch - ich weiß zu gut aus eigener Erfahrung, wovon ich rede).

Doch - und damit rechnet niemand in dieser Idylle -  ich kann mich durchaus hinterrücks anschleichen. Dann setze ich mich halt subtiler durch. Dann verteile ich eben Kekse unter unseren Feriengästen. Weltfriedenkekse. Null Haschisch aber fette Dröhnung Schokolade. Mit der Hoffnung auf Wirkung. Mit dem John-Lennon-Feeling samt der schönsten aller Illusionen: Weltfrieden. Das alte Hippie-Programm mit und ohne freie Liebe - ganz nach Wahl... Wäre schon toll, oder? Kommt, eine runde Krümeln und Träumen mit John...


Zutaten - ca. 55 Kekse*:

175 Mehl
30g Kakao-Pulver
1/2 TL Natron
150g Butter, weich
120g brauner Zucker
50g weißer Zucker
1/2 TL fleur de sel
1 TL Vanille-Extrakt
150g Halbbitter-Schokolade (m: 60%) 

Zubereitung:

Mehl, Kakaopulver und Natron zusammen in eine Schüssel sieben.

Die Schokolade hacken, die Stückchen sollen nicht größer als 0,8 cm sein.

In einer weiteren Schüssel die Butter mit dem Handrührer cremig rühren. Beide Zuckerarten, Salz und Vanilleextrakt zugeben und 2 Minuten weiterschlagen. Den Mixer ausschalten.

Das Mehl in die Schüssel schütten und die Schüssel so gut es geht mit einem Küchentuch abdecken, damit es beim Verrühren nicht zu sehr staubt. Nun pulsierend ein paarmal durchrühren. Das Tuch entfernen und noch einmal kurz verrühren, bis alles Mehl aufgenommen ist. Den Teig dabei so wenig wie möglich bearbeiten, er darf ruhig etwas krümelig sein.
Nun die Schokolade kurz einarbeiten.

Den Teig auf die Arbeitsfläche geben und zu zwei Rollen von knapp 4 cm Durchmesser formen (m: mehr geknetet als gerollt - der Teig zeigte sich nicht leicht formbar). Diese in Klarsichtfolie einschlagen und für mindestens 3 Stunden in den Kühlschrank stellen (man kann die Rollen auch einfrieren: diese dann gefroren schneiden und 1 Minute länger backen).

Den Backofen auf 160°C vorheizen. 2 Backbleche mit Backpapier auslegen.

Die kalten Teigrollen mit einem scharfen Messer (ich habe eines mit Sägeschliff verwendet) in gut 1 cm breite Scheiben schneiden. Falls das etwas krümelt, macht das nichts, einfach die Kekse wieder etwas in Form drücken.

Die Kekse etwa 12 Minute backen, sie sind dann noch nicht fest. Das Blech auf einen Rost stellen und abkühlen lassen.

Die fertigen Kekse in einer gut schließenden Blechdose aufbewahren.

*Anmerkung m: bei mir sind es etwas mehr Kekse wie bei Petra geworden - ich habe wohl die Rollen etwas dünner geformt.

Quelle: Petra aka Chili und Ciabatta - bzw. Smitten Kitchen