SOCIAL MEDIA

Dienstag, 19. Mai 2015

Abendbrot: Fränzchen nach Ketex

*Abendbrot* mag ich als Wort sehr gerne. In ihm schwingt so etwas traditionelles, bürgerliches mit. Früher fand ich *bürgerlich* und alles was damit verbunden war fürchterlich abschreckend. Aber ich glaube, wenn man angekommen ist in seinem Leben, dann gehören dazu auch eingeschliffene Rituale, unspektakuläre Gewohnheiten, gemütliche Abläufe. Deshalb grenzt man noch lange nicht ans Reich der Gartenzwerge, Herrenhandtaschen, eingehäkelten Klorollen, kiesverzierten Vorgärten oder Nippes-Setzkästen.

Zumal wir unser Frühstück unlängst geändert haben. Schon seit über einem halben Jahr gibt es morgens kein Brot mehr sondern Müsli (dazu komme bestimmt noch). Und wenn einen von uns abends überraschend der Hunger plagt, dann essen wir einfach ein Stück Brot. Weshalb eben Brötchen sehr praktisch sind. Die kann man je nach Bedarf einfach auf den Toast legen und hin und her wendend aufknuspern.

Diese Dreieck-Brötchen von Gerd aka Ketex aus seinem ersten Brotback-Buch sind dank Sauerteig, Vorteig und Quellstück grundsolide, mit toller Frischhalte-Qualität und obendrein absolut köstlich .
Zutaten - 14 Stück:

Sauerteig  - ca. 16 Stunden Reifezeit:
120 g Wasser
12 Roggenanstellgut (siehe unten)
120 Roggenvollkornmehl 

Zutaten Vorteig - ca. 12-16 Stunden Reifezeit bei Raumtemperatur:
100 g Wasser
1 g Frischhefe
100 g Weizenmehl 1050

Zutaten Quellstück - ca. 4-16 Stunden bei Raumtemperatur:
150 g 5-Korn-Schrot (m: Kamut-Schrot)
40 g Sonnenblumenkerne, geröstet und grob zerkleinert
40 g Kürbiskerne, geröstet und grob zerkleinert
220 g kochendes Wasser

Zutaten Hauptteig:
Sauerteig
Vorteig
Quellstück
220 g Weizenmehl 1050
120 g Roggenmehl 1150
140 g Wasser
5 g Frischhefe
18 g Salz
5 g Roggenmalz (Internethandel)

Zubereitung:

Für das Quellstück die Kornmischung mit dem kochenden Wasser übergießen und ebenfalls abgedeckt 16 Stunden quellen lassen.

Für den Hauptteig Sauer- und Vorteig, das Quellstück und alle anderen Zutaten 7 Minuten in der Küchenmaschine zu einem glatten Teig verkneten. Abgedeckt 30 Minuten ruhen lassen.

Jetzt wird der Teig rund geformt und anschließend auf der bemehlten Arbeitsfläche gleichmäßig ca. 1 cm dick ausgerollt (Durchmesser ca. 30cm). Nun gleich große Quadrate mit ca. 10 cm Seitenlänge ausstechen und diese diagonal in 2 Dreiecke schneiden (m: Kreis durch 2 Linien horizontal und vertikal geteilt - dann nur das mittlere Kreuz nochmals diagonal zu Dreiecken geschnitten). Die Dreiecke mit Wasser bepinseln, im 5-Korn-Schrot wälzen und auf das Backblech legen (leider haben nicht alle auf einen Schlag auf das Blech gepaßt - für ein einziges reichte der Platz nicht). Abgedeckt 75–90 Minuten gehen lassen. Den Backofen auf 250°C Ober- und Unterhitze vorheizen.

Das Backblech in den Ofen schieben und mit einer Blumenspritze heißes Wasser an die Ofenwände spritzen. Nach etwa 10 Minuten die Ofentür kurz öffnen und den restlichen Dampf abziehen lassen. Die Brötchen 10 Minuten anbacken, dann die Temperatur auf 230°C reduzieren und die Fränzchen in weiteren 10 Minuten fertig backen. Sie sind gar, wenn man auf die Unterseite klopft und es schön hohl klingt. Die Brötchen auf einem Rost abkühlen lassen.

Kommentare :

  1. Alle schwärmen von diesen Fränzchen – wenn ich sie doch nicht abends bräuchte, sondern am Wochenende morgens (= Frühstücksgebaren im Hause Milchmädchen: unter der Woche Müsli für den Herren, Porridge für die Dame, am Wochenende: Brötchen)! Aber vielleicht versuche ich es einfach mal mit einer Übernacht-Gare. Deine Fotos – schön! – sehen jedenfalls aus, als könnte sich das lohnen...

    AntwortenLöschen
  2. wir handhaben es mit brot und bürgerlichkeit gleichermaßen ähnlich. das dreieck hingegen finde ich eine der schrecklichen geometrischen formen – als brötchen indes sonderbarerweise sehr hübsch.

    AntwortenLöschen
  3. Die sehen auch sehr gut aus! :) Solche Brötchen sind auch super um sie Mittags zum Salat mit viiiiel Käse zu futtern :) Jaamm

    AntwortenLöschen
  4. Da geht es mir wie dir heute: das Wort "Abendbrot" mag ich sehr, seit wir Kinder haben und sich alle um den Tisch versammeln und wir den Tag ausklingen lassen...
    Die Brötchen sehen sehr sehr lecker aus!
    Herzliche Grüße von Tine

    AntwortenLöschen
  5. Ich weiß, passt nicht ganz zum Thema: Wo gibt es die entzückende Schürze?
    (Freut mich sehr, dass Dich das Rezept ebenso begeistert.) :-)

    AntwortenLöschen
  6. Ganz schön aufwendig!
    Da bin ich wohl etwas zu faul dafür... ;-)
    Aber köstlich sehen sie aus! Einen Versuch wäre es ja wert.. Vielleicht nehme ich mir das mal für dieses Wochenende vor :-)

    Danke auf jeden Fall für das Rezept!

    Liebe Grüße,
    Janne von meeresrauschen

    AntwortenLöschen
  7. Die reizen mich sehr. Derzeit darf ich zwar nix anderes backen, als zweimal die Woche "Faulenzerbrot" in Dinkel-Vollkorn und in Weißbrot, da der monsieur so rundum begeistert ist davon, aber wer weiß wer weiß :-) Ich werde sie zum Wochenende versuchen und sie passen sicherlich prima zu Salat oder Suppe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach, eine Frage noch: wie koordinierst du die Reifezeit? Also mein Brot setze ich abends an und es wird dann morgens abgebacken. Setze ich die Fränzel Vorteige, Quellstück etc. auch abends an ... und mach dann mittags weiter?

      Löschen
  8. *Abendbrot*, ja, hat was Beruhigendes. Brötchen muss ich jetzt auch unbedingt mal machen. Vielleicht fang ich ja mit den Franzchen an. Oder doch nicht? Es geht doch nichts über eine Scheibe Brot. Das ist wie mit Spaghetti und anderen Nudeln, die Form macht den Unterschied.

    AntwortenLöschen
  9. Die sehen wirklich toll aus und schmecken sicherlich sehr gut. Der Gerd hat schon tolle Rezepte in seinem Buch, bisher hat alles was ich ausprobiert habe super geschmeckt. Die muss ich unbedingt auch mal backen...
    LG
    Dagmar

    AntwortenLöschen
  10. Hört sich fein an ... Ob sie mit "Grobies Dreiecksbrötchen", die ich bei Dir kennenlernte, konkurrieren können? Diese sind nämlich unsere Leib- und Magenbrötchen geworden.
    Ich fürchte, Deine Vorstellung von "Bürgerlichkeit" ist eher ein Relikt vergangener Zeiten. Mittlerweile gibt es eine "neue spießige Bürgerlichkeit", die kommt im anderen Gewand daher, ist aber nicht minder gruselig. Und ist vollkommen altersunabhängig.
    "Abendbrot" ist für mich ein feines Wort, das den Tag gut abrundet.
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  11. @Charlotte: Also findest du die Zeit dazu, dann bekommst du das auf jeden Fall hin, Charlotte. Und mit 14 Stück sind das ja - offensichtlich ;) - ne ganze Schürze voll!

    @Mme Ulma: Ja? Was magst du am Dreieck nicht? Ich grüble gerade, ob ich dazu irgendeine geartete Einstellung dazu habe... Ansonsten wiederum eindeutig: Spießer, nein danke :)

    @Juli: Salat und Käse (und für mich bitte noch Butter) hört sich dazu SUPER an!

    @Tine: Als Familie mit Kindern bekommt das Abendbrot mit gedecktem Tisch auch so ein richtig schönes Versammlungs-Ritual. Moment, ich muß euren süßen, kleinen Hund mir noch dazu vors geistige Bild schieben ;)

    @Katharina: Die habe ich online: *Schürzenshop München*. Und ich habe sie auch in blau ;)

    @Janne: Da ist wohl was dran: gutes Brot braucht schon was Anlaufzeit. Aber für alle Brotliebhaber und Eigenbrötler lohnt sich der Aufwand.

    @Kathrin: Auf jeden Fall macht die Form den Geschmack - wie im richtigen Leben ;)

    @Dagmar: Das Paderborner von Gerd gehört auch zu meinen Standart-Broten. Das backe ich besonders gerne, wenns besonders schnell gehen muß.

    @Andrea: Hmmm, die Grobies mag ich vielleicht noch einen Hauch mehr, weil sie halt so schön grob sind ;). Und ja, ich befürchte, ich ahne, was du meinst. *Getarnte Spießigkeit* ist eindeutig noch unbehaglicher als offengelegt gelebte. Dass Spießigkeit auch vor Jugend kein Halt macht, das war allerdings wohl schon immer so...

    AntwortenLöschen