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Dienstag, 21. Februar 2017

Reise durch Persien 1



Reiseberichte wie der von Johannes oder von Jenny und Peter machten mir schon lange Appetit auf Iran. Jaja, ich weiß ja, dass sich Erfahrungen nicht übertragen lassen, aber in DEM Fall hätte ich nichts dagegen gehabt. Rein gar nix.

Auch wir haben während unseres Aufenthaltes die so viel gerühmte, iranische Gastfreundschaft erlebt. Aber - mal ganz ehrlich - es ist schon völliger Quatsch von so etwas wie einer *Willkommenskultur* auszugehen samt einer Bevölkerung, die *Hosianna* ruft, nur weil sie einen Touristen sieht. Blöd, sich so was vorzustellen, oder? Aber hey, man wird ja als Traveller noch träumen dürfen. Außerdem war Winter in Zentral-Iran und der friert auch dort die Finger klamm. Und der Tourismus hat mittlerweile deutlich zugenommen: er ist in Iran zu einem Industriezweig geworden wie überall auf der Welt.

Was uns hauptsächlich entgegen gebracht wurde, war die von der Regierung verordnete *individuelle Begrüßung*. Den immer gleichen Satz *Where are you from?* haben wir, ich weiß nicht wie oft gehört. Begleitet in 99 Prozent der Fälle von völligem Desinteresse für die Antwort. Gerne wurde dann noch ein *Welcome to Iran* dazu geschmissen. Worauf uns als Touri die immer gleiche Reaktion blieb - ebenfalls in aller Schnelle und Beiläufigkeit - nämlich *MerciMerci*, anfangs freundlich bemüht, am Schluß eher lustlos, bzw. gleichfalls mechanisch.

Dazwischen gab es dann die Sternstunden, die *echten Begegnungen*, welche, die unsere Reise dieses Mal sehr bereichert haben. Allerdings nicht nur mit Iranern sondern ebenso mit anderen Travellern. Was mir wirklich IMMER eine Freude ist, wenn sich Augenpaare treffen mit echter Neugier füreinander.

Jeder erlebt seine eigene Reise. Gut veranschaulichen das kleine Geschichten von anderen Individualreisenden. So war ein blondschöpfiges, junges Pärchen aus Dänemark genervt, auf der Straße ständig als Selfie-Stop für Iraner herhalten zu müssen. Unnötig anzumerken, dass uns das, dunkelmähnig wie wir sind, nie passierte.

Ein französischer Endvierziger und passionierte Liege-Tandem-Fahrradfahrer (ich wußte bis dato gar nicht, dass es für mich *komische Hobbys* gibt, die für mich eindeutiges K.O.-Kriterium in der Partnerwahl darstellen.... tsss... Liege-Tandem-Fahrradfahrer...  Tage später lachte ich noch über mich selbst und meine Uarggh-Reaktion darauf....), also dieser alleinreisende Fränzi klagte vorallem über das mangelnde Interesse der Jungtraveller in den Dorms untereinander - somit für ihn. Schlimm! Alle Smartphone-süchtig und plus de vrais routards mehr wie früher...

In Isfahan kreuzten sich unsere Wege mit einem offenen Schweizer und seiner hübschen, thailändischen Freundin (Mittdreißiger). Sie waren bereits den zweiten Monat in Iran und Selberfahrer. Sein Statement lautete so: *Ich habe die Schnauze voll. Vielleicht macht ihr andere Erfahrungen wie wir, aber unsere sind, dass dich hier 80 Prozent der Leute betrügen. Du zahlst mehr, einfach weil du weiß bist. Fünf Jahre habe ich mich auf diese Reise gefreut und jetzt will ich einfach nur noch raus aus dem Land. Unser Problem ist nur: wir erhalten partout kein Visa für Pakistan.*

Oder direkt am ersten Tag nach Ankunft in Tehran frühstückten wir in unserem Guesthouse (das übrigens besser war als auf der Straße schlafen und schlechter als Campen, dafür aber 25Euro für sein nackiges Etagenbett-Zimmer verlangte) zusammen mit einer puppengesichtigen, jungen Chinesin in einem königsblauen Folklore-Mantel, der sie ausgesprochen gut kleidete und der mir später auf dem Bazaar in Shiraz wieder ins Auge stach. Sie meinte in leicht gebrochenem Englisch: *20 days in Iran enough. Be careful with the money. First you think *Oh, really cheap*, then you realize *Oh no, really expensive*. Now I have seen enough mosques. Yet I am travelling to Azerbaidzhan. There they are... - sie bekreuzigt sich - and the accommodations are mutch cheaper...*

Nehme ich unser Fazit vorweg: nahezu sämtliche Vorstellungen, die ich von Iran hatte, stellen sich als Irrtum heraus. Dazu gibts eine kleine Perlenkette an mitgebrachter Beispiele, die meinen Kopf erhellen und bereichern...

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