Freitag, 23. Juni 2017

Tunke: ofengegarter Zwiebeldip und Anchovis-Sauce

Das Wetter ist IMMER beliebtes Thema auf dem Land. Allen Fränzi-Urlaubern, die nur fünf Worte französisch sprechen, würde ich raten, sich zwei, drei kurze Sätze zum Thema Temperatur, Wolken, Wind (Mistral) und Sonnenstand anzueignen. Die kann man IMMER anbringen. So zum Eingliedern, Anbiedern, Brückenbauen, Anfreunden, Akklimatisieren - kurz: um sich in ein französisches Bauernherz zu parlieren.

Gerade reicht ein Stöhnen unterlegt mit etwas Mimik. Die Fränzis reden eh sehr gerne mit dem Gesicht. Die Lippen werden häufiger gestürzt beim Sprechen und wohin die Mädels hier überall mit ihren Augenbrauen hinkommen, begeistert mich noch nach Jahren. *Drama, Baby* - ihr kennt ja diese französischen, verwickelten Beziehungsfilme, oder? Eben so. Dazu braucht es nicht nur ein bewegtes Leben sondern das passende bewegte Gesicht dazu.

*Ouf* tönt es unisono, *ça chauffe*. Wir werden tüchtig eingeheizt. Der Garagiste vom côntrole technique (TÜV) träumt mir laut von seinem Sommerurlaub in Schweden vor , weil es dort nie heißer würde als 25°. Die Schusterin, die meine Sandalen flickt, steht nacktfüßig auf ihrem Werkstattboden mit offener Tür, und der Koch in unserem Stammcafé hat seine vom Herd geröteten Wangen bereits vor Arbeitsbeginn. Die Hitze drückt uns alle in die Langsamkeit. Als würde es hier je hektisch werden. Aber gerade hat es was von Slowmotion, das Landleben... Sommer halt.

Erst abends mit dem Grillen wird es wieder lebendiger (also mal schauen, wie lebhaft der Dorf-Apéro von Gigors et Lozeron heute abend ausfällt). Hier habe ich für euch zwei schöne Rezepte für Grillsaucen, etwas, das leichterdings unter den Tisch fällt. Dipps und Tunken scheinen mir deutlich unterschätzt. Dabei werden die IMMER (so, öfters schreibe ich das heute nicht mehr groß) sehr gut angenommen. Man nehme Zazziki (kennt jeder, griechischer Joghurt, Knofi, fein geraspelte Gurke, gut ausgedrückt) oder eine Guakamole (zum Avokodo-Dipp brauche ich auch nix mehr zu schreiben), zig fach zubereitet die Tomatenbutter (dicke Empfehlung), Tapenade (Oilvenpaste - nehme ich gerne vom Markt mit), oder auch gerne selbst gemachter Ketchup (siehe hier oder hier). Möglichkeiten über Möglichkeiten.

Heute zwei Tunken mit wenig Aufwand, die - wie mir gerade kommt - einen Burger ebenfalls sehr gut tunen könnten.

Zubereitung:

Zwiebeldip*:

1 rote Zwiebel
2 weiße Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
6 Lorbeerblätter
1 TL herbes de provence
(Rosmarin/ Thymian/ Oregano)
2-3 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer
1 Pr Rohrzucker
1-2 EL Balsamico-Reduktion

Zubereitung:

Den Ofen auf 200° (O/U-Hitze) vorheizen. Mit dem Messer in die nicht geschälten Zwiebel Einschnitte machen, in die die Lorbeerblätter gesteckt werden. Die Zwiebeln und den Knoblauch (ebenfalls ungeschält) in eine ofenfeste Form setzen, 1EL Olivenöl darüber geben und ca. 45min backen.

Etwas abkühlen lassen, Lorbeerblätter wegmachen, von den Zwiebeln die äußere Schicht entfernen, den Knoblauch aus der Schale drücken. Die Kräuter und das restliche Olivenöl untermengen und kurz mit dem Zauberstab anpürieren. Mit Salz, Pfeffer, Zucker und dem Balsamico abschmecken.

Anchovis-Sauce:

2 EL Joghurt
1 EL Majonnaise
1 TL Dijon-Senf
6 Anchovis-Filets
1 Pr Zucker
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

Zubereitung:

Alle Zutaten in ein hohes Gefäß füllen und glatt pürieren. Nochmals abschmecken und kalt stellen.

*Anmerkung m: Um die Hitze des Ofens auszunutzen, zeige ich euch, was ich uns damit gleichzeitig gebacken habe. Als nächstes...


Kommentare:

  1. Bonjour Micha. Der Zwiebeldip gefällt mir sehr und interessiert mich. Auf dem dazu passenden Bild hast du je eine Echalotte und weisse Zwiebel (nebst der Roten und Knoblauch) abgebildet. Bei den Zutaten ist (nur) von weissen Zwiebeln die Rede. Kann man sowohl als auch oder eine Mischung davon verwenden? Vielleicht etwas spitzfindig, aber für mich schmecken die beiden Zwiebelsorten unterschiedlich. Deine Empfehlung ist gefragt. Merci beaucoup!

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    1. Du hast völlig recht, Peter, ich finde auch, dass Zwiebeln unterschiedlich schmecken. Gerne kannst du auch anstelle der weissen Zwiebeln Echalotte nehmen, oder eine davon austauschen. Oder nur rote Zwiebeln. Für diese Sauce dürfte der Unterschied allerdings nicht so groß sein - wenn möglicherweise nach Vorliebe aber von *psychologischer Natur* :). Nun, meine Empfehlung: verlasse dich auf deine Präferenz - ich bin gewiss, damit fährt man gut! (nur rote kann ich mir auch gut vorstellen ;)

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  2. In 2 Wochen haben wir Freunde eingeladen. Grad bekomm ich unglaublich Lust aufs Grillen. Mit allen von dir vorgeschlagenen Saucen! Der Sommer bei uns ist auch zum Schnaufen. Schön! :-)

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    1. Nachdem ich deinen Film gesehen habe, bekomme ich unglaublich Lust mit dir und deiner Familie zu grillen - war wirklich sehr schön, die Sympathie derart im bewegten Bild bestätigt zu sehen :)

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  3. Genau und am und im Meer das Gespräch:"L'eau est bonne aujoud'hui".....da kann man schon mal ein lockeres halbes Stündchen in froher Rentnerrunde stehend im Halbkreis im Wasser verplaudern. So nett!
    Liebe Grüsse aus dem abgekühlten und bei der Abkühlung etwas verwüsteten Mittelhessen, Brigitte

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    1. Fränzis lieben das Plaudern. Bevorzugt sogar dann, wenn andere hinter ihnen stehen und auf sie warten. Etwa an der Supermarktkasse. Da gefällt mir dein Plätzchen, Brigitte, im Wasser stehend, deutlich besser... liebe Grüße zurück

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