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Mittwoch, 11. Mai 2016

deutsches Land: Reissalat mit Blutorange und Paprika

Wenn Vielreisende zu jemand mutieren, der anderen seine Geschichten aufnötigt und die Welt erklären will, dann ist etwas schief gelaufen unterwegs.

Wenn aber Reisen benutzt wird, um an das kostbarste Elexier dieses Planeten zu gelangen, das da lautet *Erfahrungen*, dann gibt es für mich kaum einen vergleichbar guten Zugang. *Distanz schafft klare Gedanken* sagt man. Und genau das vermag Reisen. Dank dem gewonnenen Abstand kann Altbekanntes, Vertrautes, Selbstverständliches in einem komplett neuen Licht erscheinen. Ganz besonders flasht mich dabei die Rückkopplung auf einen selbst: das Selbstverständnis verändert sich damit parallel. Und ja, durch all die Eindrücke, die man selbst erlebt erfahren hat, erkennt man möglicherweise erst den hohen Wert von Erfahrungen. Sie stärken sehr in der eigenen Urteilsbildung und im eigenen Stand.

Nehme ich mal zur Veranschaulichung das Thema *Heimatland*, welches ganz und gar verwoben ist mit den unzähligen Selbstverständlichkeiten von Kultur und Tradition seit Kindheitstagen. Aus der Ferne betrachtet bietet Deutschland eine Vielzahl von Vorzügen. Abseitsreisen zählt  - dank 6 jährigem Auslandsaufenthalt mit gehöriger Außenperspektive - einige davon auf. 

Dennoch ist die Frage, wie schwer es ist, sich nach einer langen Reise wieder in Deutschland einzugewöhnen, nicht an den Haaren herbei gezogen. Denn in dem guten, warmen Selbstverständis als privilegierter Europäer gibt es einen Wehrmutstropfen. Genau jener, an dem gerade Reisende innig geleckt haben: die Freiheit.

Auch zu diesem Aspekt möchte ich jemand anderes zu Wort kommen lassen. Sie habe ich - wie solls anders sein - über das Reisen kennengelernt. Nämlich als wir einen Großteil des Winters auf Sansibar verbrachten und ich staunend aufgeklärt wurde, dass Sansibar einst *unter deutscher Schutzherrschaft* stand (komisch, Kolonialimus muß während meiner Schullaufbahn komplett aus dem Lehrplan gestrichen worden sein). So hörte ich auf der Insel zum ersten Mal von *Emily Ruete*. Emily Ruete wurde 1844 auf Sansibar geboren als Sayyid Salme, Tochter eines Sultan. Sie wächst als verwöhnte Prinzessin in dem Harem des Sultanpalastes auf bis zum Alter von 22 Jahren. Bis zu jenem Tag, als sie Heinrich Rute, einen Hamburger Handelsvertreter, kennenlernt. Und umgehend schwanger wird. Um dem Sultanhaus die Schande dieses Verhältnisses zu ersparen, flieht die Schwangere mit Heinrich und lebt mit ihm - fortan als Emily Ruete - in Hamburg. 

Nicht nur die Biographie von Emily Ruete liest sich faszinierend, vor allem ihre eigenen Bücher (*An arabian Princess between two worlds* und *Ein Leben im Sultanspalast* sind absolut lesenswert. (Empfehlung  ;). Nun zu dem Ausschnitt aus ihren Memoiren, zu dem ich euch eben führen wollte, nämlich jener, in dem Salme vor über hundert Jahren ihren Eindruck von Deutschland schildert:
*Hier merkte ich so recht, wie weit die vielbesungene Freiheit eigentlich geht. Die Polizei nimmt sich einfach das Recht, sich ganz unberufen in Familienangelegenheiten einzumischen. Meine Unzivilisiertheit mag Schuld daran sein, dass ich mich innerlich gegen eine solche Bevormundung sträubte, denn die Einheimischen finden zu meinem Erstaunen in dieser Art von Maßregelung absolut nichts Besonderes... Ganz unwillkürlich beschlich mich das Gefühl, als ob ich mich in einer streng geführten Anstalt, nicht aber in einem großen Staate befände. Alles ist so schablonenhaft geordnet und eingerichtet, dass das allergeringste Abweichen davon eine Strafe nach sich zieht. Alles, alles steht unter dem Gesetz, und die Paragraphen des letzteren sind fast so zahlreich wie der Sand am Meer.*

Ganz in eurer Freiheit steht, ob ihr euch zu diesem Reissalat verführen laßt und ob ihr an ihm irgend etwas deutsches ausmachen könnt. Mit importierem rotem Reis aus Madagaskar hat er uns ganz und gar überzeugt. Regelrecht seltsam, dass dies der erste Reissalat auf dem Blog ist... Da seine Verkostung etwas her ist, habe ich ihn in Klammern mehr an den Frühling angepaßt.

Zutaten:

140g Reis (m: roter Reis)
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Stange Sellerie
1 Karotte(oder 1/2 Bund Radieschen)
1 gelbe Paprika
1 EL Olivenöl
2 Blutorangen, filetiert
2 EL gehackte Petersilie
2 Hände voll Feldsalat (oder 1 Bund Rucola)
2 TL Tahini (Sesampaste)
2 EL Gemüsebrühe
3 EL Reisweinessig
Salz, Pfeffer
Piment d'Espelette

Zuereitung:

Die Zwiebel fein würfeln. Sellerie von Fäden befreien und ebenfalls fein würfeln. Die Paprika mit dem Sparschäler dünn von der Haut befreien und in kleine Streifen schneiden. Die Karotte putzen und zu feinen Julienne reiben. Den Knoblauch vom Trieb befreien und in fein hacken. In Olivenöl zusammen gar dünsten. Salzen und pfeffern.

Den Feldsalat waschen und trocken schleudern.

Den Reis in Salzwasser gar kochen. 
Die Blutorangen schälen und filetieren - den heraustretenden Saft auffangen, den Rest ausdrücken. Mit Gemüsebrühe, Sesampaste und Reisweinessig zu einem homogenen Dressing rühren und mit Salz und Pfeffer sowie Piment d'Espelette würzen. Alle Zutaten miteinander vermengen und servieren.
einer meiner liebsten Düfte: unser Orangenbaum blüht

Kommentare :

  1. Wie schön die Farben sind, sieht sehr lecker aus, und das Geschirr sieht auch sehr schön aus.
    Lg Dagmar

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  2. Ohh, Reissalat gab es bei mir schon ewig nicht mehr. Danke für die Inspiration, das Rezept probiere ich gern aus :)
    Liebe Grüße,
    Ela

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