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Sonntag, 29. Oktober 2017

Wer nicht - Kartoffel-Kürbis-Karottenauflauf mit Mangold


Grundeigentlich bin ich kein Fan davon, weltweit losgetretene Wellen mitzusurfen. Doch das Thema *sexuelle Belästigung*, das durch die Geschichten rund um Harvey Weinstein Öffentlichkeit bekam, nehme ich als Ausnahme wie viele andere Frauen, die darauf unter dem #me too reagieren.

Ich finde diese Debatte sehr begrüßenswert, weil dadurch Licht in eine dunkle, verschwiegene Ecke geworfen wird. Und ich möchte behaupten, dass es wenig Frauen gibt, die eine sexuelle Belästigung am Arbeitplatz noch nie erlebt haben. Macht an  ausgelieferten Untergebenen zu missbrauen, ist wohl so alt wie die Menschheitsgeschichte. Abgrundtief finster wird es beim Thema sexueller Missbrauch innerhalb der Familie - und wer kennt selbst dazu keine Geschichte aus eigenem Umfeld.

Erzähle ich also mein #me too. In dem kleinen Büro meines Profs hatte ich ein Termin zur Besprechung meiner Hausarbeit, als ich währenddessen auf ein Mal seine Hand auf meinem Oberschenkel hatte. Seine übermäßige Neigung zum Alkohol sprang ihm dabei nur so aus seinem sonnenbrandroten Gesicht. Ich kürzte meine Fragen drastisch und schaute, dass ich wieder aus diesem Zimmer kam. Als ich mir bei einer Kommelitonin Luft verschaffte, antworte sie mir, jaha, der wäre bekannt als Grabscher.

Ein anderer Prof zwinkerte mir wochenlang vor allen andern zweideutig anzüglich zu - was aber mehr Missgunst und Neid bei meinen Mitstudentinnen verursachte, als dass ich bei ihnen hätte Rückhalt finden können. Sie wären selbst alle gerne angebaggert worden - im Gegensatz zu mir. Ich war erleichtert, als das Interesse (nach meiner beharrlichen Ignoranz) auf eine andere (sehr bereitwillige) Studentin überging. Man darf in dieser Debatte auch nicht vergessen, dass es nicht wenig Frauen gibt, die Sexualität als Karriereleiter gebrauchen.

Die übelste Geschichte allerdings geschah während meiner Ausbildung. Ich wurde von einem Vorgesetzten massiv unter Druck gesetzt. Und zwar nicht körperlich sondern psychisch. Lange schützte mich meine Naivität: mir war schlicht nicht bewußt, worum es ging. Bis ich mich derart bedrängt fühlte, dass ich mich unmissverständlich verweigerte - worauf er meine Ausbildung niederlegte. Mein Glück war, dass ich von einem Kollegen aufgefangen wurde.

Wirklich, ich verstehe alle Frauen, die aus Angst um ihre Existenz, mehr zulassen, wie in *freier Wildbahn*. Sich massiv dagegen zu stellen, geht ja direkt mit Konsequenzen einher, mit Existenz bedrohenden Konsequenzen: dem Verlust des Arbeitsplatzes. Und dann beweise mal, dass du als Frau keinerlei Signale gesendet hast. Dafür brauchst du jemanden, der dir glaubt. Dir, der du in diesem Spiel in aller Regel das kleinste Rädchen im Getriebe ausmachst, genau das, auf das der Betrieb am allerleichtesten verzichten kann. Wenn du in solch einer Situation als Frau Haltung zeigen willst, dann musst du den Preis dafür ganz alleine bezahlen - das ist meine Erfahrung.

Ich bleibe dabei (so wie ich es bei Inès in den Kommentaren zum Thema Straßen-Anmache  laut machte), dass das übergeordnete Thema zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz (oder eben auf der Straße) die guten Manieren sind, das gute Benimm, das grundsätzliche, respektvolle Miteinander.

*Durch das, was wir Betragen und gute Sitte nennen, soll das erreicht werden, was außerdem nur durch Gewalt, oder noch nicht einmal durch Gewalt zu erreichen ist.
Der Umgang mit Frauen ist das Element guter Sitten.* (Goehte *Die Wahlverwandtschaften*)

Den sittlichen Gemüse-Auflauf bereitete ich aus Resten zu und neu geerntetem Gemüse - ein Allerlei-Gratin. Ein Stück Kürbis wartete darauf, verbraucht zu werden, zwei Karotten ebenfalls und das Grün der Roten Bete wollte ich nicht weg werfen. So entstand dieser Auflauf, der seine Verwandtschaft weder zu diesem Gericht noch zu jendem Pü verleugnen kann.

Zutaten 2-3P:

300g Kartoffeln
250g Kürbis
200g Karotten
1 Stich demi-sel-Butter
1/2 Orange, Saft davon
Salz, Pfeffer
2 Pr Zimt
1/4 TL Koriander

500g Mangold/ Rote Bete-Grün
1 rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Schuß Rotwein
Harissa
Salz, Pfeffer
1 TL Honig
100ml Gemüsebrühe
Rapsöl

Olivenöl
1-2 EL Semmelbrösel

Zubereitung:

Kartoffeln schälen und klein schneiden, Kürbis ebenso, Karotten bürsten und klein schneiden. In Salzwasser aufsetzen und gar kochen (dauert ca. 15min). Abschütten und gut ausdampfen lassen. Das Gemüse zurück in den Topf geben. Den guten Stich Butter zufügen, den Orangensaft dazu pressen und mit dem Zauberstab fein pürieren. Würzen mit Salz, Pfeffer, Muskat, Zimt und Koriander.

Während das Gemüse kocht, Mangold und Rote Bete waschen. Blattgrün von Stielen trennen. Das Grün in kochendem Wasser zusammenfallen lassen (ca.5min) und dann blanchieren. Die Mangoldstiele putzen und gegebenenfalls von Stielfasern befreien. Dann die Stiele von Mangold und Rote Beete klein würfeln. Auch die Zwiebel und den Knoblauch fein hacken.

Die Zwiebel in dem Rapsöl glasig dünsten, kurz vor Ende Knoblauch und Stiele zufügen. Beides weiter braten, dann mit einem Schuß Rotwein ablöschen und einreduzieren lassen. Honig dazu schmelzen lassen, Harissa zufügen, dann die Gemüsebrühe anschütten. Deckel auflegen und bei kleiner Hitze ca. 7min garen lassen. Mit einer kleinen Roux der Sauce etwas Bindung verleihen.

Eine Auflaufform fetten. Mangold-Rote-Bete-Gemüse hinein füllen. Das Pü darüber schichten und glatt streichen, mit Semmelbrösel bestreuen, etwas Olivemöl über alles träufeln und für ca. 15min im heißen Ofen bei 200° kurz gratinieren lassen.

Bei uns gab es dazu einen grünen Salat.

1 Kommentar :

  1. Liebe Micha, du triffst es mal wieder auf den Punkt - mit deinen Kommentaren und scheinbar bitter notwendigen Offenheit in der Sache #me too,ebenso wie mit diesem Rezept! Wunderbar rotstieliger Mangold wartete auf seine Bestimmung, Kürbis
    ist derzeit immer welcher da, Möhren, äh, Karotten ;-), auch und immer.... Insofern gab es heute bei uns wieder zweimal Essen a la Micha (sorry, Tastatur kennt keinen accent grave) : Die DUBB Zimt Schuedi in Schneckenform waren allerfeinst und passten so gut zum nieselregnerischen Herbstwetter hier. Allein der Duft in der Küche ist es wert sie zu backen! Und am Abend dann dein Gratin. Fein. Danke.

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