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Samstag, 4. Januar 2020

Neujahrsansprache: Kürbis-Quiche mit Radicchio, Bleu und Birne


... und sie lebten glücklich und zufrieden* - so enden die meisten Märchen. Und daher erhoffe ich mir von 2020 für den Habib und mich *nur* Gesundheit und Frieden. Ansonsten nix. Wir sind ja ZU-frieden. Da muss nix mehr als Topping obendrauf: weder irgendwelche Lotteriegewinne, rauschende Sonderereignisse, Auszeichnungen und Ehrungen noch sonstige Spektakel. Alles gut wie es ist.

Was jedoch die Richtung angeht, in die unsere Gesellschaft mit viel Schwung driftet, bin ich alles andere als wunschlos. Ich weiß schier nicht, wo anfangen und wo enden. Egal woran ich ziehe: überall brennts.

Beginne ich mit dem Umgang mit Menschen und zwar im Speziellen mit der Kindererziehung. Sehr gut gefiel mit dieser Artikel im Dlf, dessen Hauptthese ist, dass eine Vielzahl an Kindern heute erziehungstechnisch völlig alleine gelassen werden mit der Konsequenz, dass 18jährige mit dem sozialem Reifegrad eines Kleinkindes ausgestattet sind. In dem leeren Raum - in dem Anarchie mit Freiheit verwechselt wird - wachsen Kinder ohne Bezugspersonen auf, die Werte vorleben und entsprechend Grenzen ziehen. Was aber zwingend von Nöten wäre, da sich viele wichtige soziale Kompetenzen nur dann entwickeln können, wenn sie von klein auf abverlangt und eingeübt werden (desweiteren siehe die Gedanken dazu hier).

Auch stimme ich der Kritik von Dirk Müller zu, dass die Kinder heute völlig unkontrolliert (und damit schutzlos) in den Weiten des WWWs unterwegs sind - spätestens im öffentlich angebotenen, kostenlosen WiFi. Und bei allen Vorteilen, die mit dem Aufwachsen von neuen Medien einhergehen, kann mir als Romantik-Beauftragte niemand erklären, dass da nicht etwas kaputt geht im jungen Gemüt, wenn vor dem ersten, unsicheren Kuß ein Porno steht. Gruselige Geschichte: Schüler tauschen Kinderpornographie über ihre Smartphone aus.

Lehrermangel bzw. allgemeiner Fachkräftemangel sind schon sehr lang bekannte Probleme. Allein: es wird nicht gehandelt und rechtzeitig entgegengewirkt. Nicht nur die Zustände in den Krankenhäusern offenbaren die Politik als einziges, großes Schmierentheater. Jeder, der in der letzten Zeit Patient in einem Krankenhaus war, kann Geschichten von eklatanten Defiziten erzählen. Ebenso wie die Ärzte oder das Pflegepersonal. Das sind menschenverachtende Bedingungen unter denen gearbeitet werden soll - ob Bildung, Heil oder Pflege betreffend: menschliches Miteinander rechnet sich nicht. Warum überhaupt müssen Krankenhäuser funktionieren wir ein Wirtschaftskonzern? Oder warum muss ein Altenheim Gewinne einfahren?
 
Warum sich nicht orientieren an Modellen, die optimalere Ergebnisse hervorbringen (meine Dauerfrage)?  Es gibt ja immer Beispiele, die aufzeigen, wie es besser ginge. Im Fall etwa eine effizienteren Vorsorge vor Operationen müssten wir nur ins Nachbarland Niederlande schauen. Oder für Impulse für ein besseres Bildungssystem finden sich in Neuseeland gute Angregungen. Deren Premierministerin führte by the way der ganzen Welt vor Augen, dass Argumente wie *politische Mühlen mahlen leider langsam* nichts anderes sind als Hinhalte-Taktiken im politischen Schmierentheater. Wo ein ECHTER politischer Wille da auch kurze Wege: Jacinda Ardern verbot in kürzester Zeit den Besitz von halbautomatischen Waffen.

Gehen wir weiter zu den Tieren. Muss ich noch etwas zu den Misständen in Massentierhaltungen sagen? Warum ist derlei Tierquälerei in dem heutigen, aufgeklärten Zeitalter überhaupt möglich? Das sind fühlende Wesen wie wir - wo sind wir gelandet, wenn man das erwähnen muss? Warum werden Betriebe durch Subventionen in eine derart falsche Richtung gelenkt? Warum wird Quantität gefördert und nicht Qualität kontrolliert? Und warum werden die Landwirte, die mit Geld in falsche Betriebsweisen getrieben werden, für die Konsequenzen (Nitrat belastetes Grundwasser, Pestizid verseuchte Böden...) an den Pranger gestellt und nicht die, die dieses System verursacht haben: Politiker samt Lobbyisten.

Als dramatischer Rundumschlag reicht ein Blick auf den Planeten als solchen - neben Artensterben und Abholzen der Regenwäldern finden sich hier ein paar erschreckende, aktuelle Zahlen, die jeden Optimist in einen Pessimist verwandeln müssen.

Es liese sich noch etwas anfügen zum Klima (habe ich ja schon) oder Verschmutzung der Meere, die Flüchtlingsströme, atomare Endlager...  - aber hey, ich muss keine weiteren Links sammeln. Für was?  Für wen? Es bedarf in keinster Weise einer journalistischen Meisterleistung nur um ein Mal den Kopf nach rechts oder links zu drehen. Wir WISSEN, was der Stand der Dinge ist. Und?

Nun ruft also die junge Generation *Hosiana, wir führen euch ins gelobte Land, wir lassen unseren Worten Taten folgen, halten dem herrschenden Kapitalismus unser Haupt entgegen, entsagen dem Konsum, bescheiden uns, kehren zurück zu Mutter Natur, pflegen ihre Geschöpfe und verhindern, dass wir dem Planeten beim Verrecken zuschauen.* Ich möchte es SO gerne glauben. Der Jugendpsychiater übrigens vom obig erst-verlinkten Artikel urteilt doch exakt über diesen Jugendlichen, er sei egozentrisch und lustorientiert: *Mit dem können Sie wunderbar reden, aber es hat sonst keine Konsequenzen.*

Klingt 2020 nicht mehr denn je nach Sience Fiction? Was seht ihr in eurer Glaskugel für die Zukunft? Seid ihr hoffnungsvoller als ich? Was sind eure Visionen, wenn ihr weiter in dieses Jahrtausend schaut?


Starte ich das kulinarische Bloggerjahr mit schöner, französischer Alltagsküche, mit einer Quiche. Mit ihr wärme ich eine alte -  einst von Bettina Matthaei inspirierte - Liebe auf, nämlich Obst in herzhaften Gerichten.

Zutaten - Tarteform 24cm Durchmesser:

Tarteteig:
70g Einkorn-Vollkorn
100g Dinkel 630
70g Butter, kalt in Flöckchen
50g Quark
25g Sonnenblumenkerne, etwas kleinergehackt
Salz, Pfeffer
etwas kaltes Wasser


Füllung:
400-450g Kürbis
1 rote Zwiebel
50g Radicchio
1/4 Birne
70g Bleu
3 Eier
100g Creme Fraiche
Salz, Pfeffer
Piment
Thymian
Olivenöl

Pesto aus Rauke und Sonnenblumenkernen

Zubereitung:

Die kalte Butter in Flöckchen zügig unter das Mehl arbeiten und dann aus sämtlichen Zutaten zackig einen homogenen Teig kneten. In Folie wickeln und mindestens 1 Stunde kalt stellen.

Eine Tarteform buttern, Tarteteig auswellen und die Form mit Rand auskleiden. Mit einer Gabel mehrfach den Boden einstechen - und für ca. 15min in die Tiefkühle (verhindert, dass sich später beim Backen der Boden nach oben wellt)

Ofen auf 200°C (Umluft) vorheizen.

Die Zwiebel schälen, vierteln und in dünne Scheiben schneiden. Den Kürbis (je nach Sorte) schälen (oder nicht) und in Scheiben von 1/2cm schneiden. In Olivenöl die Zwiebel glasig dünsten, dann den Kürbis ebenfalls etwa 5min mit braten. Kurz vor Ende den in Streifen geschnittenen Radicchio zufügen. Salzen und pfeffern.

Die Eier verquirlen, Crème untermischen, mit Piment und Thymian würzen, die Birne in kleinen Stücken dazu geben, 3/4tel vom Bleu in Würfeln und alles salzen und pfeffern.

Zwiebel-Kürbis-Mischung auf den Tarteboden verteilen (einige schöne Kürbis-Stücke hielt ich zurück, um sie als Deko über dem Eierguß ganz zum Schluß zu verteilen). Den Eierguß über alles gleichmäßig gießen - verlesene Kürbisspalten und restlichen Bleu darüber verteilen. Die Tarte für ca 30-40min backen.

In der Zwischenzeit ein Pesto mixen aus Rucola, Sonnenblumenkernen, Sonnenblumenöl, Salz und Pfeffer - dazu braucht es keine exakten Mengenangaben, das kann man aus der Lameng machen...

Inspiration: Essen und Trinken


Kommentare :

  1. OH Micha, du hast ja so recht in allem!!! Ich könnte drei Bücher zur Kindererziehung schreiben, denn ich habe nicht nur zwei aufgezogen, was an sich unbedeutend ist, nein, ich habe Tausende in 40 Jahren Lehrerdasein begleitet. Erst gestern schrieb mir eine davon: "Nie werde ich vergessen, wie Sie uns beibrachten, wie man eine gute Kartoffelsuppe kocht, eine Steuerklärung macht, sein Bafög einteilt, einen Urlaub plant und das in Englisch! Wie oft waren wir mit Ihnen im Theater. Meine Eltern hielten nicht viel davon. Jetzt ist ein Teil davon mein Beruf geworden. Gestern war ich mit meinem 5-jährigen Sohn im Theater, das war so toll für ihn. Danke Ihnen für all die Erfahrungen, auch für den Zwang, Goethe, "Faust I UND II" zu lesen! Was haben wir geschimpft und was haben wir gelacht, als wir die Szene "Im Lustgarten" zeichnen sollten...." Ich habe geweint, vor Freude. Aber ich könnte 100 Gründe aufzählen, woran es liegt, dass das eben heute schief geht, auf so vielen Ebenen. Vielleicht schreibe ich doch noch ein Buch...:-) Liebe Grüße -Bonne Annee! Sunni

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    1. Na, Sunni, das wird dir doch bestimmt gut getan haben, dass deine Arbeit als Herzblut-Lehrerin auch im Rückblick geschätzt wird - das freut mich für dich. Ich fürchte leider, dass man heutzutage kein großer Spezialist sein muss, um zu erkennen, dass wirklich SEHR viele Bereiche in SEHR große Schieflage geraten sind. Dafür braucht es lediglich klare Sinne - und vielleicht noch nicht einmal mehr die. Eigentlich liegt doch alles so offenbar wie nie... aber ändert es was? Ach, der Mensch... eine komische Konstruktion... liebe Grüße zurück!

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  2. nur von meinem gefühl gehe ich aus und das steht auf hoffnung. ich spüre wandlung, veränderung. menschen wachen auf.
    in diesem sinne auf ein gutes 2020!

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    1. Dann wäre es mir sehr recht, wenn sich die Welt an deinem Gefühl orientieren könnte :) liebe Grüße!

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  3. Liebe Micha, danke für deinen tiefsinnigen Post zum Neujahrsbeginn. So recht hast du! ... leider.
    Wir haben kürzlich den erwähnten Vortrag https://www.youtube.com/watch?v=zzLM3CrfYm0 auch geschaut und waren geschockt! Einmal mehr wurden wir darin bestätigt, warum wir die ganze Plackerei auf uns nehmen und unsere Kinder vorerst noch zuhause unterrichten, bis wir sie dann eines Tages hoffentlich als gefestigte, starke Persönlichkeiten ziehen lassen werden, die menschlich und psychisch ihre Fähigkeiten soweit ausgebildet haben, dass sie dieses Leben mit den Herausforderungen, die aufwarten meistern können. So die Hoffnung. Das unser Beitrag - und ich würde meinen auch unsere Verantwortung, auch wenn ich niemals sagen würde, dass dies der einzige Weg oder der einzig richtige Weg ist. Eltern, die ihre Verantwortung übernehmen, haben da bestimmt viele verschiedene Möglichkeiten zu. Nur tun müssen sie's.
    Du hast schon recht, man könnte fast die Hoffnung verlieren, so wie's ausschaut im Moment. Die Welt retten zu wollen wäre überheblich. Trotzdem nicht einfach lethargisch zu werden und dort anzupacken, wo man im Kleinen etwas bewirken kann aber macht am Schluss dann- so hoffe ich fest- doch den Unterschied und sollte keineswegs ausgelassen werden.
    Ich wünsche dir und deinem Habib von Herzen ein gesundes, glückliches Jahr. Pierina

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    1. Danke für dein Mitdenken, Pierina, und die lieben Wünsche!

      Nun, ich bin die letzte, die das Inet verteufeln wird. Es bietet mir in meinem weltabgewandten Leben viele Möglichkeiten: sei es die der Information, der Fortbildung, der Weiterbildung, des Amusements oder des Konsums. Aber alles in Maßen und alles zu seiner Zeit - eine Maxime, die ja nahezu für alles gilt. Soll heißen, dass ich die Argumentation von Herrn Winterhoff einfach gut nachvollziehen kann! So wie du anscheinend auch ;)

      Ich habe großen Respekt vor allen, die ihren eigenen Weg suchen - wie etwa die Schulbildung der eigenen Kinder selbst in die Hand zu nehmen. Es ist immer einfacher, sich von der Masse mitschieben zu lassen. Und es kostet viel mehr Energie nach eigenen Pfaden zu suchen - so wie es eben auch mehr Kraft kostet, Grenzen zu ziehen und dem anderen ein aufrichtiges Gegenüber sein zu wollen. Allerdings braucht jedes anständige Individuum auch ein entsprechendes Gegenüber. Ich finde, es droht eine große Gefahr für alljene, die ein redliches Leben führen wollen, weil das System seine Bürger frisst und Mentalitäten immer höhere Wellen schlagen wie *ich muss auch schauen, wo ich bleibe* oder *America first* oder *beweise mir doch, dass das mein Reden das Gegenteil von meinem Handeln ist*. Ich finde, die *Guten* müssen sich heute warm anziehen, aufpassen, dass sie nicht zu Haifischfutter gemacht werden und sich wappnen gegen eine Welt, die nicht automatisch wohlgesonnen mit ihnen umgeht...

      Tja, und zuletzt bleibt mir auch nur der Spruch: * die Hoffnung stirbt zuletzt*... Dir und deiner Familie, liebe Pierina, ebenfalls ein Jahr mit viel Sonnenschein und einem Regen voller schöner Momente!

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  4. Obwohl ich sehr gerne an eine Wende glauben wollen würde, empfinde ich derzeit doch nur eine ziemlich bleierne Endzeitstimmung. Gegen die vollständige Verzweiflung hilft eigentlich nur vollständige Ignoranz der Welt da draußen, was natürlich auch keine Lösung ist. Aber...nun.

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    1. Also wäre es anatomisch möglich, Katrin, dann würde ich sogar die Vogel-Strauß-Methode in Betracht ziehen. Einfach damit man dem Elend nicht weiter zugucken muss. Insofern ganz mit dir - ich drehe meine Runden im kleinen Kreis der Eigenverantwortung. Um den Rest muss sich die Welt selbst kümmern - was will ich auch machen?!

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